Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2526 (5.3.1926)
- Date
- 1926-03-05
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Wkl>, Fre!!«s Miene» MsrftrnzrkktMA_._S. Mri IW! 9t. SM! I Ae Schnger-Partei für ein ößtereeichW« ventfches KSnigtum. Fiasko der antisemitischen Einheitsfront. Bor einer neuen Krise im jüdischen SejmNub. (Bvn «nfervm Warschauer G.-Korrespondenten.) Warschau, 2. März. Heule beschäftigte sich das Präsidium des zionistischen OHerrates mit der letzthin von der Exekutive der o stgalizischen Zionistischen Organisation gefaßten Resolution, in der verlangt wird, daß die Wahl des Präsidenten des jüdischen Klubs bis nach der allpolnischen Zionistenkonferenz verschoben werden soll, da es keinen Sinn hätte, einen Präsidenten für einige Tage zu wählen. Nach langer Debatte faßte das Präsidium des Oberrates den Beschluß, die Wahl des Präsidiums durchzuführen und nach wie vor für den Präsidentschaftsposten den Abgeordneten Hartglas zu kandidieren. Kurz darauf fand die Sitzung des jüdischen Klubs statt, an der alle Abgcvddneten und Senatoren teilnahmen. Die Sitzung bot ein unerfteuliches Bild der Zerrissenheit und Spaltungssucht innerhalb des Klubs. Die einzelnen Fraktionen und Gruppen scheinen an die eigentliche Aufgabe der jüdischen Politik in Polen zu vergeffen und lassen sich von rein persönlichen oder engherzigen Fraktionsintentionen beherrschen. Die Stimmung war eine äußerst nervöse, wenn auch äußerlich die Sitzung in vollster Ruhe verlaufen ist. Abgeordneter Farbstein cröffiicte die Sitzung. Abgeordneter Dr. Thon erstattete über die letzte Sitzung der Außenkommission Bericht und beantragte, der jüdische Klub möge für die Ratifizierung des Locarnovertrages stimmen. Nach Erledigung dieser Frage schritt man zur Wahl des Präsidiums. Abg. Mendelssohn (Agudah) schlug vor, ein dreigliedriges Präsidium einzusetzen, welcher Antrag jedoch gegen die Stimmen der Agudah und Misrachi — die merkwürdigerweise in der Frage des Präsidiums Zusammengehen — abgelehnt wurde. Hierauf gab der agudistische Abgeordnete L e w i n, der auf der letzten Rabbinerkonferenz dem ultraorthodoxen Flügel angehörte, eine Erklärung namens der Agudah ab, in der festgestellt wird, daß die Agudah für die Wahl eines Präsidenten einen Kandidaten vorgeschlageu sehen möchte, der kein ausgesprochener Gegner der Ugodapolitik sei, damit der Klub, falls er in die Opposition übergehen sollte, von einer Persönlichkeit geführt werde, deren Opposition in der polnischen Gesellschaft keinen schlechten Eindruck Hervorrufen würde. Deutlich gesagt, verlangt die Agrckxch einen Präsidenten, dessen Wahl keine „Provokation der, polnischen Gesellschaft" bedeuten würde. Diese Erklärung der Agudah übte selbstverständlich auf den größten Teil des Klubs einen peinlichen Eindruck. Abg. Rosenblatt schlug im Namen der zionistischen Fraktion die Wahl des Abgeordneten Hartglas vor. Diesem Vorschläge schloß sich auch namens der Vertreter der jüdischen Kaufmannschaft Senator Trusker an» wobei er jedoch verlangte, das Mg. Hartglas vorher seine politische Stellungnahme bekanntgebe. Namens der Hitachduth-Hraktion erklärte Abgeordneter Heller, daß es unter den gegebene» Verhältnissen keinen anderen Ausweg für den jüdischen Klub geben kann als den Uebergang in die Opposition. Es sei Pflicht des jüdischen Klubs, dem Sejm klar zu machen, daß der Uebergang in die Opposition einen völligen Bruch mit der bisherigen Ugo da Politik bedeute. Seme Fraktion habe daher zum Abg. Harthas das vollste Vertrauen, daß er diese Politik, wie sie eben die Hitachduth deutlich vertrete, durchführen werde. In einer längeren Rede erklärte Abg. Reich, daß auch ein Uebergang in die Opposition keineswegs einer Annullierung der Ugodapolitik gleichzukommen hätte, well eine solche Politik von den schwersten Folgen für die Gestaltung der polnisch-jüdischen Beziehungen werden könnte. Er warne, die bereits getroffenen Punktattonen der Ugoda leichtfertig zu bagatellisieren. Im Gegenteil, der jüdische Klub habe die Aufgabe, auch bei seiner oppositionellen Stellung die schärffte Durchführung dieser Pnnktattonen zu verlangen. F«m Abg. Melzer schttrg angesichts der Debatte, die sich mehr mit der vergangenen Politik des Klubs beschäftigte als mit den nett zu bestiminenden Richtlinien, die Verschiebung der Wahl des Präsidenten bis nach der zionisttschen Konferenz vor und motivierte diesen Vorschlag damit, daß die zionistische Fraktion als die stärkst« im jüdischen Klub das Recht habe, die eventuell von der Konferenz anzunehmenden Richtlinien abzuwarten. Noch vor der Wahl verlas der Vertreter der Agudah, Abg. Mendelssohn, eine Deklaration, m der festgestellt wird, daß der jüdssche Klub, der unter den gegenwärtigen Verhältnissen gezwungen ist, in die Opposition zu treten, eine derartige opposittonelle Stellung einzunehmen habe, daß in der öffentlichen Meinung Polens di« Ueberzeugnng gewonnen werden soll, als ob die oppositionell« Haltung des jüdische« Klubs nur eine Folge des Nichteinhaltens der zwischen dem jüdischen Klub und der Regierung geschlossenen U g o d a sei. Die Agudah erachte es daher als notwendig, daß an die Spitze des Klubs eine Persönlichkeit gestellt werden soll, die nach außenhin sozusagen die Marke eines Anhängers der Ugoda trägt. . Nach der Verlesung einer Deklaration der Hitachduth- FraK'rou, die sich M die Wahl des Ubg. Hartglas aus- < WEINBRAND? > aß ß WvlV ECHT aus naturechten, besten Weinen ln amtllcli plombierten Flaschen (Erlaß des Acketbauniinisteriums ZI. 16199/474 ex 1904) nach wie vor die führende Marke! ÜBERALL ZU HABEN! spricht, wurde die Wahl vorgenommen, bei der Abg. Hartglas mit 12 S t i m m e n bei 2 0 Stimmenthaltungen zmn Präsidenten gewählt wurde. Zu bemerken ist noch, daß die Agudah, Misrachi und die z i o n i st i sch e n Abgeordneten aus Ostgalizien mit Ausnahme des Senators Dr. Ri n g e l und Abg. R o t t e n st r e i ch sich der Abstimmung enthielten. Somit haben die zionistischen Abgeordneten aus Ostgalizien gegen den Beschluß des zionistischen Oberrates gehandelt, der sich verpflichtete, für die Kandidatur des Abg. Hartglas zu stimmen. In den jüdisch-politischen Kreisen hat diese Tatsache den peinlichsten Eindruck hervorgerufen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß infolge der Erklärung der Agudah und der Haltung der zionisttschen Jlbgeordneten aus Ostgalizien, die sich zumeist von persönlichen Motiven haben leiten lassen, es zu einer Spaltung innerhalb des jüdischen Klubs kommen wird. Man spricht schon ganz offen, daß die zionistischen Abgeordneten aus Kongreßpolen, Hitachduth und jene zionistischen Abgeordneten aus Ostgalizien, die auf keinen Fall die Politik des Abg. Dr. Reich mitmachcn wollen, aus dem Klub austreten und einen zweiten jüdischen Klub bilden werden. Nach einer mehrwöchigen Krise steht der jüdische Klub eigentlich vor einer neuen Krise. Der polnische Senwt rirtifizieri das Spcmroo* Abkommen. Warschau, 4. März. (Poln. Tel.-Ag.) Der Senat hat gestern die Locarno Verträge nach einer Rode des Ministerpräsidenten Skrzhnsk: und einer Debatte ratifizier:, die das Vorhandensein einer sehr st a r k e n Opposition zeigte, deren Vertreter offen drohten, Skrzhnsk: zu stürzen, falls dieser in Genf nicht einen ständigen Rats sitz für Polen durchsetzen mürbe. Die vom Sejm angenommene Entschließung, worin ein ständiger Ratssitz für Polen verlangt wird, gellingte im Seua: einmütig zur Annahme. Polnische FarMen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Lemberg, 4. März. Hier wurden von de n polnische n . Faszisten Aufrufe verbreitet, die die polnische Gesillschast aus die große Gefahr, in der sich Polen befindet, hinweist. Die Polen werben zum Beitritt in die faszistischen Reihen cmfgefovdert. In dem Auftuf wird mitgeteÄt, daß die Faszisten bereits über Tausende von Mitgliedern verfügen, die in der allernächsten Zeit Warschau besetzen und dort Ruhe und Ordnung einführen werden. 'Aehnlich wie es seinerzeit Mussolini in Rom getan hat. Die Fasgisten verlangen, daß die Armee und die Polizei sich in die Angelegenheiten der Fasgisten nicht mengen sollen. China verlangt einen Rntofitz. Genf, 4. März. (Schweiz. Dep.-Ag.) Die chinesische Delegation für den Völkerbund hat namens der chinesischen Regierung offiziell ein Gesuch um Zuteilung eines ständigen Ratssitzes an China überreicht, falls die Zahl der Ratssitze vermehrt werden sollte, Inland. Verhandlungen über die Sollfrngen. Die Verhandlungen der Regierung mit deu Vertretern der ThrisÜichsogialen und der Sozialdemokraten wurden gestern bis 1 Uhr mittags fovtgeführt. Im Parlament verlautete, daß diese Verhandlungen zu einer grundsätzlichen Annäherung m der Frage der Erhöhung des Zuckerzoliles und des Milchzolles geführt haben. Die Situation ist nun tatsächlich folgende: Die sozialdemokratische Opposition ist nach wie vor gegen di« Erhöhung dieser Zölle und vertritt hiobe-i die Auffassung, daß z. B. der inländischen Zucker- und Rübenproduktion auch durch CrmWgung der Steuern geholfen werden könnte. Im Gefolge einer solchen Maßnahme wäre die Echöhung des Zuckerzolles nicht notwendig. Was den M i l ch z o l l anbelangt, so macht sich hier die Meinung geltend, daß eine Echöhung der Milchpreise den Zoll sosott automatisch außer Kraft setzen müsse. Die Mehcheilsparteien hätten es selbstverständlich in der Hand, sowohl die Echöhung deS Zuckerzolles als auch den MAchzoll, welch letzterer drei Goldkconen pro 100 Kilogramm Milch inklusive des Gewichteder Kannen betragen soll, zu beschließen. Präsident El bersch hat den Zollausschuß für Mittwoch dm 10. d, 4 Uhr nachmittags, einberufen, »ns dessen Tagesordnung tue Regierungsvorlage über den Zucker-oll steht. Es verlaute: jedoch, daß di« Mchcheitsparteien auch die eheste Beschießung des MilchzolleS und des Zolles auf N u tzv ieh, der von 26 Goldkronen auf 50 Goldkronen erhöht werden soll, anstreben. Hinsichtlich der übrigen Bühzölle und des Fleischzolles zeigen sich derartige Widerstände aus jette» der Oppchition, daß noch weitere Verhandlungen gepflogen werden müssen. Die konservative Bolkspartei Oesterreichs, die unter Führung des gewesenen Auditors Tr. Schager stcht, hat der Exkaiserin Zita und allen männlichen großjährigen Habsburgern et» j Memorandum überreicht, in welchem behauptet wird, daß - für die Wiedereinführung der monarchistische« j S l a a t s s o r m in Oesterreich günstigeVoraussetzunge« IvjjtünlX’n. Nach Lage der Dinge könne aber nur an ein nationales! Königtum gedach: werden. Es ergebe sich aber auch mit zwingender i Notwendigkeit die Ablehnung jener raffe ns re mden Ele-! mente bei Errichtung und Einrichtung des tlkönigtums, deren j Großteil geradezu die verkörperte Verneinung der! ch r i st l i ch - a r i s ch e n K ö n i g s i d e e darstclle. Eine Rcstau-! ration des -Hauses Habsbiirg. sei jedoch nur dann möglich, wenn j sich der nach deni Legitimitätsprinzip zur Regierung berufene Habs- > bnrger oder, falls er es z. B. deshalb ablchnen würde, weil er { sich für die Thronfolge in einem anderen Gebie: entscheidet, ein ani derer Erzherzog seines Stammes oder seines Hauses offen zmn! deutschen Volk bekennt, durch dieses Bekenntnis Träger der uatio-! nalen Königsidec Teutschösterreichs wird und als Führer seines \ Volkes mit seinem Volke in das große deutsche Vater-; land e i. n z u lr e te n bereit ist. Dr. Schager weil: seit einigen Tagen in Budapest. Cs erscheint die Annahme nicht ungerechtfertigt, daß er mlt den ungarischen Monarchisten auch über die von ihm und dem ehemaligen deutschradikalen Staatsrat T e u f I erfundene deutsch-österreichische Königsidee konferiert ha:. Schager ha: Budapest gestern verlassen. Wie „Esti Kurir" erfahren haben will, haben die Budapester Berhandlungen Schagers, die die Herstellung einer antisem itischen Einheitsfront in Ungarn, Oesterreich, Deutschland' und Rumänien zum Ziel hatten, ein völliges Fiasko erlitten. Die bayrischen Hakenkrenzler Gras Soden und Ministerialrat Pittinger, die an den Beratungen Schagers mit G ö m b ö s. Eckhardt und dem rumänischen Prinzen G h i k a teilnchmen sollten, haben ihr Erscheinen telegraphisch abgesagt, worauf auch Herr Schager seinen schleunigen Rückzug antrat, nach-» dem Prinz Ghika schon vorgestern Budapest verlassen hatte. Tagesbericht. Fünf Jahre Keren Haieffod. Eine stattstische Tabelle. — Die steigenden Erfolge in Oesterreich, i Soeben ist eine interessante statistische Zusammenstellung über die Jahrescingänge des Keren Hajessod von 1921 bis 1925 erschienen. Man entnimmt aus dieser Tabelle das erfreuliche alljährlich ansteigende Wachstum des Keren Hajessod. Im Jahre 1921 betrugen die Gesamteingänge rnrvd 295.000 Pfund, im Jahre 1925 rund 514.000 Pfund. Bis Ende 1926 sind für den Keren Hajessod insgesamt 2,144.371 Pfund ausgebracht worden. Auch in Oesterreich war während der verflossenen fünf Jahre ein ständiges Anwachsen der Nettoeingänge zu verzeichnen, während im Jahre 1932 bloß 1101 Pfund auisgebracht wurden, betrugen die Eingänge im nächstfolgenden Jahre bereits 3383 Pfund, im Jahre 1924 3849 Pfund und im Jahre 1925 6439 Pfund. Bis znm Schluß des Kalenderjahres 1925 hat Oesterreich au die Keren-Hajessod-Zentrale insgesamt 13.8 8 9 Pfund aufgebracht, um rund 2000 Pfund mehr als Ostgalizien, um rrmdMOO Pfund mehr als Lettland und um 4600 Pfund mehr als Belgien. Hingegen stcht Oesterreich unverhältnismäßig weit hinter Deutschland zurück, welches insgesamt rund 84.000 PfnrÄ ausbrachte. Unter den 38 Landern, wekhe sich' an der Arbeit für den; Keren Hajessod beteiligen, stcht Amerika mit 1 All.000 Pfund an erster Stelle, Südafrika an zweiter (108.000 Pfund), Pole» an dtttter (94.000 Pstmd) «vd Oesterre ich a«|' Vierzehnter Stelle. Es sst z« erwarten, daß die großzügige Keren-Hajessod- Mion, welche gegenwärtig. in Oesterreich durchgsführt wird, diesem wichtigen Finanzinstrument des Palästinaanjbaues neue Zeichner gewinnt und bewirkt, daß Oesterreich zumindest seine bisherige Stellung unter den Ländern, welche für den Keren, Hajessod werben, berbehält. Den Freunden des Keren Hajessod, die sich m den Dienst dieser Kampagne stellen, möge als Ansporn dienen, daß in einigen Wochen der Keren Hajessod seine fünfjährige Gründungsfeier begeht «nd daß es wünschenswert wäre, anläßlich dieser Fünfsahvfeier auf ernstliche Opfer für de« Keren Hajessod Hinweisen M könne«. Me Spende Masarhks für die BrSnver Wischen Stndenten. AL0V0 tfchech. K. für die Mensa jndaiea. Wie «ns der Unterstützungsvero« für jüdische Hochschüler in Brünn mitteilt, hat Präsident M a s a r y l aus dem Zinsenerträgnis des Masartzk-Nationalsonds den Betrag von 20.000 tschech. K. zugunsten der Mensa aoaidemiva judaiva, Brünn, ge-) widmet. Ne Steuer ans die LergediWett? Der Pariser Magistrat plant die Gnsühvung einer Steuer^ ans alle Gegenstände, die in öffentlichen Anstalten, insbesondere in den Bahnen und ans den öffeMichen Plätzen, von den Eigentümern vergessen und liegen gelassen worden sind. Die Steuer, die der Pariser Presse schr populär ist, sieht vor eine Abgabe von 4 Prozent vom Gesamtwert, von weiteren 4 Prozent auf Juwele« und bares Geld sowie eine Stempelinarke vo« 2 Franken, die zu emer Karte gehören soll, ohne di« der Ber-, littrer das dass