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Wiener Morgenzeitung · 1926-03-04 · Heft 2525 (4.3.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2525 (4.3.1926)
Date
1926-03-04
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Sei* * Wen. WnMW.i Mr, IM »t. ms Kretsen stehen. So weitt ftft einig«« Lagen der W ien e r Antbfemitenfvhrrr und frühere Wsburgssche Vermögensverwakter Sektiouschef Albin Schager-Eckartsau in Budapest. Schokpr konferierte wiederholt mit dem ungarischen Rassenschlihler, Abgeordneten Gömbös. Auch der rumänische Prinz Ghika, ein intimer Freund des rumänischen SKitisemitenführers C u z a, hielt sich 24 Stunde« lang in Budapest auf, ist jedoch gestern wieder abgereist. Abgeordneter Graf Pallavicini veröffentlicht in den heutigen Abendblättern eine Erkläru ng, in der er seine in der gestrigen Sitzung der Nationalversammlung erhobenen Beschuldigungen gegen den Ministerpräsidenten wiederholt. Pallavicini unterstreicht in dieser Erklärung nochmals die Tatsache, daß der M i n i st e r p r ä s i d e n t von der Fälsch u n g s a k t i o n wußte und auch davon Kenntnis hatte, daß N a d o s s h einer der Häupter der Fälscherbaude sei. Der Ministerpräsident habe jedoch alles versucht, um die Frankenaffäre zu vertuschen und die Schuldigen der B c st ra fu n g zu entziehen. Pallavicini verfolgt mit dieser Erklärung offenbar den Zweck, dem Ministerpräsidenten die Handhabe zur Erhebung einer Pretzklctze wchen Verleumdung zu bieten. Markgraf Pallavicini war übrigens für heute vormittags zur Polizei v o r g e l a d e n, wo man ihn Wegen seiner gestrigen Rede in der Nationalversammlung einvernehmen wollte. Pallavicini leistete jedoch der Vorladung keine Folge, mit der Begründung, daß er als Abgeordneter nicht vcrpslichret sei, einer polizeilichen Vorladung zu entsprechen. Sollte die Okerstadthauptmannschaft in h ö f l i ch e r Form das Ersuchen an ihn richten, zu Informations- Zweck e n auf der Polizei zu erscheinen, werde er einer solchen Aufforderung bestimmt Folge leisten. Wie „Magyarorszag" erfährt, wird die Po'li.^i nochimLaufe des heutigen Tages ein derartiges Ersuchen an den Abgeordneten Pallavicini richten, so daß die Einvernahme Pallrv'rcinis im Beisein der französischen Polzeiboamten aller Voraussicht nach morgen erfolgen wird. Wie verlautet, wird sich Außenminister Val ko Freitag oder Samstag nach Gens begaben. Der „Temps" über Bethlen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Pmis, 3. März. Ein Artikel des konservativen ,Zemps" Aber die politische Sette der Fran'kenfÄschungen erregt hier das größte Auffehen. Das Blatt führt aus, daß die gerichtliche Untersuchung unter Verhältnissen geführt worden!sei, die jeden Argwohn rechtfertigen. In Erwartung der durch C l i n ch a n t erbetenen Aufklärungen der ungarischen Regierung und der möglichen Folgen der Depositionen Karolyis wird indessen in politischen Kreisen vor allem die Frage der Gegenwart des Grafen Bethlen in Genf erörtert. „Der Entschluß Bethlens, nach Genf zu gehen, ist ein M politischen Mutes", schreibt der ,ZemPs". „Man dürfe sich indessen nicht verheimlichen, daß unter den gegebenen Verhältnissen die Stellung Bechlens ziemlich heikel fein werde und daß man mit der Mögl-chkeit rechnen müsse, er werde, wenn er die Absicht hätte, vom Völkerbund neue Erleichterungen hinsichtlich der finanziellen Kontrolle Ungarns zu erbitten, wenigergutemWillen begegnen als bisher." Es sei zu befürchten, daß das ungarische Voll aller Wohltaten der lobenswerten Anstrengungen verl u st i g ge-hen könnte, die es in den letzten .Jahren zu seiner politischen Reorganisation und seiner finanziellen Wiederi-puikh eyrbp p* -2"*i5rK'bxiB jW'Kjnayn n TB JWKÖ ------ "S ------- ^v'",27>rrrrirtt -LB'iV •brits «vi'v^v 'fyjKii "U5031KB DtytOB'ü VB'IV 7'd«^ Ab 5. März zu sehen bei Frolio-Verhieb, August Koske Wien, S. Bezirk, Linke Wienzelle Nr. 4 Telephon 8206 aufr'chiung gemacht hat. Ungarn sollte von nun an Proben großer Besinnung und Weisheit oblegen, wenn es das Vertrauen der übrigen Nationen wiedererringen will. Man weiß nicht, schließt „Le Tcinps", ivas für ein Regime von aufrichtigen republikanischen Bestrebungen an Stelle der Regierung Bethlen treten könnte, ohne daß daraus eine schwere innere Krise entstehen müßte. Französische Nachforschungen in Köln. Köln, 3. März. (Tel.-Komp.) Seit einigen Tagen weilen der Direktor der Bank von Frankreich, Graviere, und Polizeiinspektor Doulcet in Köln, um erwaige Zusammenhänge zwischen den ungarischen Franken sä l schein und den hiesigen Firmen festzustellen. Von Köln aus soll angeblich das aus einer Dürener Fabrik stammende Notenpapier für die ungarischen Frarrkenfälschuiigen geliefert worden sein. Die Nachforschungen haben jedoch ergeben, daß iveder von Köln noch von Düren Papier für die gefälschten Frankennoten geliefert wurde. Heule beginnt die Verhandlung im Haag. Haag, 3. März. (Wolff.)' Die tschechoslowakische Regierung, die die morgen her beginnende Gerichtsverhandlung in der Angelegenheit der Budapest er Frankenfäls ch u n g mit großem Interesse verfolgt, wird sich bei der Verhandlung durch einige Mitglieber der Gesandtschaft vertreten lassen, die als Zuhörer der Sitzung bewohnen werden. Auch die französische und die englische Regierung weiden zu der Sitzung Vertreter entsenden. Geigenwärtig weilt im Haag auch ein Vertreter des Prager Finanzamtes, der im Auftrag der tschechoflüwakischen Regierung eine Untersuchung in der Angelegenheit der gefälschten Banknoten anstellt. Riesige veldfAschungen l« Argentinien. Paris, 3. März. Wie „New-Dovk Herald" aus Buenos Aires meldet, ist in der Provinz M e n d o g a eine Goldfälschungsaflfäre aufgedeckt worden. Der Gesamtbetrag her Fälschungen soll sich auf 1,800.000 Dollar belaufen. Sr. Beneschs Antwort an Setfttot. Die Folgen bet Bu-apefteir „Unterfuchmrg" für bas internationale Recht. Prag, 3. März. (Tschechoflow. P.-B.) In 8er heutige« Sitzung des Außenansschusses des Senats standen die zwischen der Tschechoslowakei und Polen abgeschlossenen Verträge über den Gr enzverkehr und übet rechtliche und finanzielle Fragen zur Beratung. Senator Srobar richtete, an den Außenminister eine Anfrage über die ungarischen GcldjMschungen, worauf Doktor B e n e s ch erwiderte: Es war meine Absicht zu warten, bis die gerichtliche nnd' Parlamente rische Behandlung der Angelegenheit abgeschlossen sein wird. Inzwischen sind aber Momente eingetreten, dis ich nicht unbeantwortet lassen kann. Gegenüber der Behauptung des Grafen Bethlen stelle ich fest, daß durch das H i u z u t u n Nados s y s die Erhebungen und Nachforschungen in der Fälscherafsäre vom Jahre 1921 nicht zum Ziele geführt haben. Nadossy hat von den Fälschungen gewußt. Er erhielt Material in di.' .Hand, das zur Einleitung einer gerichtlichen Verfolgung genügt hätte. Als zweite wichtige Tatsache kann der Umstand angeführt werden, daß die tschechoslowakische Note vom 15. Februar 1923 eine Reihe von Personen genannt hat, die bei wirklich gutem Willen der ungarischen Bchörden hätten verhört werden müssen. Weiters war in der Note auch die begründete Version enthalten, daß die Falsifikate 8er tschechoslowakischen Noten, ehe sie in Umlmrf gesetzt wurden, in den Händen der Budapester Polizei tvaren. Alles, was auf diese Note hin unternommen wurde, beschränkte sich auf die Entscheidung eines Detektivs, der auch in der tschechoslowakischen Gesandtschaft anfragte, ob die Fünstau'endkronennoten noch im Umlauf seien. In den Einstcllungbeschluß der Budapester Staatsanwaltschaft vom 20. Marz 1923 heißt es dann unter anderem: „Gemäß der Mitteilung der tschechoslowakischen Gesandtschaft werden die Fünftausendkronennoten aus dem Verkehr gezogen. Die Fälschung von Geld, das aus dem Verkehr gezogen ist, ist überhaupt nicht strafbar." Schon aus Gründen 8er internationalen Eourtoisie hatte irgenwie auf die gegen die ungarichen Behörden erhobenen Beschuldigungen reagiert werden sollen. Dr. Benesch erklärte sodann: ,IZir wollen die weiteren Untersuchungsergebnisse ab- - warten. Ich kann aber schon heute nicht verschweigen, daß die Art, in welcher im Falle der Fälschungen unserer und der französischen Noten das Recht seinen Weg suchen mutz, so außergewöhnlich und besonders ist, daß es nicht gut möglich ist, daß es für die'Entwicklung der internationalen Rechtsinstitu timten ohne Folgen BTeüöt, die garantieren sollen, das in allen Staaten Delikte, die andere Staaten schädigen, ordnungsgemäß erhoben und verfolgt werden. Schließlich bemerke ich, daß es heute nicht mehr notwendig ist, darüber zu diskutieren, ob zwischen der Mischung der Kronennoten und de, Franke« ei« Zusammenhang beistchk ödet nicht. Die Untersuchung und Äe gestrige Debatte in der ungarischen Nationalversamlung haben derk Grafen Bethlen wahrscheinlich gut aufgeklärt, warum ich mich für die Sache interessiere. Wie konnten die ungarischen Bewie die Wand, die Hände zittern, die Augen funkeln — zu allen: ,Zörer, Juden! Es ist ein häßliches Ereignis! Es ist in Kaßriliwske fett Beginn der Welt nicht geschehen, daß sich hier ein solcher Sünder aufhalte, der einem Menschen, einem Vater von Kindern, Geld stiehlt. Und wann? An einem so heiligen Tag, wie es der Vevsöhnungstag ist, und vielleicht gar zu Nelle. Ich kann es nicht glauben, daß so etwas möglich fft. Das ist einfach nicht auszudercken. Und vielleicht doch! Arme Leute gucken sich die Augen nach einem Rubel aus. Das war ein so großer Schatz — 1800 Rubel. Der böse Trieb — Gott schütze uns vor chm — ist stark genug. Vielleicht ist einer von uns durch chn gestrauchelt, vielleicht war einem von uns ein Unglück befchieden, eine solche Sünde begehen zu müssen, an einem solchen Tage. Da müssen wir zusohen, sie mit der Wurzel auszurotten. Himmel und Erde halben es sich verschworen, daß die Wahrheit wie Oel auf dem Wasser obenauf schwimmen müsse. Deshalb muß sich jeder von uns durchsuchen lassen. Alles muß abgetastet werden. Alle, vom ersten Bürger bis zum Beth-Hamidrasch- Diener. Keiner darf ausgelassen werden. Hier, Juden, durchsucht mich!" So sprach unser Raw Reb Josefl, und als erster öffnete er seinen Rock und kehrte seine Taschen um. Nach chm alle arrdereu. Man kehrte seine Taschen um, man tastete einander ab und rüttelte einander durch. Alle, außer — Lejser Joßl. Als die Reihe an Hn gekommen war, nahm sein Gesicht alle Farben an. Er wehrte sich. Er sagte, daß der Gast ein Schwindler ist. Das sind Kunststücke eines Litwaks, die man schon kennt. Gs hat chm niemand Geld genommen, das ist alles Lüge. Seih: ihr nicht, daß er lügt? Da begannen die Anwesenden noch stärker zu lärmen. Was heißt das? Die ehrbarsten Leute haben sich durchsuchen lassen, da soll mit Lejser Joßl eine Ausnahme gemacht werden? Es gibt keinen Bevorzrtgten! Durchsuchen! Durch- MLden! PUr" m Lejser Joßl sah ein, daß es schlecht um chn stehe. Mit Tränen in den Augen bat er um Gnade. Um Gottes willen nur nicht durchsuchen. Er schwur die heiligsten Schwüre, daß ihm alles Böse so ferne liegen möge, wie er fern von diesem Mebstahl sei. Ja, aber warum nicht durchsuchen? Es ist ihm eine Schande, sag: er, sich durchsuchen zu lassen. Er bittet, sich seiner jungen Jahre zu erbarmen. Alles kann man mit chm machen, nur nicht durchrütteln. Me gefällt euch so ein Kerl? Was glaubt chr, man hat ihn verschont? Keine Spur! Aber halt! Ich habe euch noch nicht erzähl:, wer dieser Lejser Joßl bst. Er ist nicht aus Kaßrlliiwke, weiß der Teufel, woher er fft. Er fft der Eidam des ersten Kaßriliiwter Bürgers, der ihn irgendwo ausgefffcht hat, mit ihm stolz tat; er hat für seine Tochter ein Prachtstück eingehandolt. Tausend Blätter der Gemarah kann ex auswendig, ein Bibelkenner, ein Kenner der heiligen Sprache, ein glänzender Mathematiker, kurz, siebzehn gute Eigenschaften! Kaum hatte er es mitgebracht, das Püppchen, da lief man, chn wie ein Wunder zu begucken. Nun, wenn man ihn so ansieht — ganz annehrübar. Ein junger Mann, nicht unhübsch, nur die Nase ist ein bißchen zu lang, durchbohrende Augen, ein Mund — Pech und Schwefel. Man nahm ihn her, ihn in der Gemarah zu prüfen. Man fragt ihn dies und das. Er kenn: sich Überall aus, der Hund. Reb Josefl selbst ha: chm zugestanden, daß er Raw sein dürfte, nach allen Geboten Israels. Die jetzigen Kenntnisse beherrscht er schon gar. Bei uns gibt es einen, der ein gattzer Philosoph fft, Seidel Rch Spaje, er ist aber mit jenem nicht zu vergleichen. Und wie er Schach spielen kann, die Welt hat so etwas nicht. Kurz, der Mensch taugt was. Es ist selbswerständlich, daß die ganze Stadt den Schwiegervater um einen solchen Eidam beneidete. Wiewohl man heruwspmch, daß er es mit der Frömmigkeit nicht so genau nehme. Was war' geschehen? Den Leuten gefiel es nicht, daß er zu klug war (zu klug ist nicht gut) und daß er mit allen auf du und du ist, selbst mt dM KlejMü von den Kleinen, sei es em junger Mann oder em Mädchen oder gar eine verheiraten Frau. Dann mißfiel sein nachdenkliches Benehmen. In die Schul kommt er immer später als alle anderen. Guckt in gelehrte Bücher, vom Beten keine Spur. Man konnte ihm eigentlich nichts nachsagen, aber so, es sprach sich herum. Einen Mrffcheu mtt allen guten Eigenschaften gibt es nicht. Als er also an die Reihe Lam, nnchte man Ahn derb angehen. Daß er sich wehrte, war ja ein Beweis, daß er das Gold hat. Er wehrt sich immer noch, so lange, bis selbst mcher Raw — ein Mensch ohne Galle — in anifuhr: ^Du Auswuvf! Du bist ja wert, daß man dir, ich weiß selbst nicht was, antne. Alle sehen von der Schande ab, lassen sich durchsuchen, nur du willst eine Ausnahme bilden. Hast du das Geld, dann glb es heraus, wenn nicht, dann lass' dir die Taschen umkehren!" Kurz, man nahm den Burschen mit Gewalt. Man durchsuchte ihn und rüttelte ihn tüchtig durch und fand — ja, was glaubt ihr? Knochen eines verzchrten Viertel Huhns und ein paar Dutzend frische Pflamnenkerne. Begrefft ihr deti liMichen Anblick? Unser Raw wandte sich vor Scham zur Seite. Die Leute erzählten einander beim Nachhausegohen die Neuigkeit und wollten vor Gelächter schier bersten. Alle lachten, nur der Raw Reb Josefl ging einsam und versorg:, konnte vor Scham niemandem in die Augen sehen, wie wenn man diese Dinge bei ihm gefunden hätte . .." Der Jude mir den runden Augen schien seine Geschichte beendet zu haben, da er wieder zu rauchen begann. „Nun, und das Geld?" fragten wir ihn. ,Mrs für Geld?" gibt er uns, wie wenn er nichts erzählt hatte, zur AnÄvort und bläst Rauch von sich. „Nun, die achtzchnhnndert..." „Ach so, die achtzchnhundert. . . dahku." „Dahin?" ^Da—hintt" yBB MD innMvn QQn AB mH*

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