Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2525 (4.3.1926)
- Date
- 1926-03-04
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2525 Gien, DsnmrKaK Hörde« vor Beendigung der Untersuchung wissen, daß kein Zusamümichang besteht? Hat Herr Bethlen mehr gewußt oder l-atte er ein bestimmtcs Ziel und b e st i m m t c Tendenzen? Ich antwortete: Er hatte eine bestimmte Tendenz und ein bestimmtes Ziel, da er mehr wußte, aber einstweilen will ich mich nicht weiter ausbrciten. Für heute genügt ftstzustellen: 1. Aus der Untersuchung und den verschiedenen Zeugen« aussagen geht klar hervor, daß der Plan, die Franken zu fälschen, gefaßt wurde und in Durchführung begriffen :rar zu etncr Zeit, da bereits Kronen gefälscht wurden. 2. Die K r o n e n f ä l s ch u n g erfolgte durch dieselben Personen, die auch die entscheidenden Faktoren in der Frankensäl'scheraffäre waren, nänrlich W i n d i s ch g r ä tz, Me s za ros und Nadossy. Die gestrige Budapester Debatte bringt weitere entscheidende Tatsachen, so d:ß für eine anständige und sachliche Beurteilung jede Polemik überflüssig ist. Aber auch heute ändert unsere Regierung nicht ihr Vorgehen. Wir warten die Ergebnisse der Untersuchung und das Vorgehen der ungarischen Regierung ab. Betreffend die Antwort des Außenministers Ballo konstatier.' ich: Valko hat die » Angelegenheit des Garantiepaktes aus ein NÄengeleise geschoben. Die internationale Ooffentlichkcit will zu beurteilen wissen, ob Schwierigkeiten für den Abschluß eines solchen Vertrages, der allen Frieden und Ruhe garantieren soll, beft.hen oder nicht. Deutschland hatte größere Schwierigkeiten und hat sie überwunden. Wir crachwn sie auch nicht als unüberwindbar. Aber wir sagen, ohne Reserve und ohne Einschränkung, daß wir Frieden und Ruhe für jeden wollen. Cs wird uns ausweichend und mit Reserve geantwortet, daß dies nicht gehe. A u ch d a s i st eine Antwort, die die internationale Deffentlichkeit beurteilen wird. Aber trotzdem ändern wir in dieser Sache in keiner Weise unjere Politik." Inland. Der Besuch Benesch' in Men. Der tschechische Minister des Aeußern trifft heute nachmittags in Wien ein und wird zunächst von: Bundespräsidenten Ha i n is ch empfangen wevden. Abends Findet ein Diner beim Bundeskanzler statt, M welchem die politischen Trinksprüche gehalten werden. Daran schließt sich ein Empfang für das diplomatische Korps. Freitag vormittags soll die feierliche Unterzeichnung des DchiedsgerichteSvcrtrages erfolgen. Um halb 12 Uhr mittags wird Minister Benesch die Vertreter der Wiener Presse empfangen. . , Abends veisi er in Begleitung seiner Frau nach Genf. Außer dem österreichischen Gesandten Dr. Marek fahren noch mit ihm die beiden juristischen Referenten, Professor Kreischmar und Leitmayer, sowie Sekretär Kabka. Keine Arbettilosengelder für die Wiener Wohnhambaulen. Zurückbehaltung von Arbeitslosenbeitrageu durch die Gemeinde. Zwischen den Sozialdemokraten und der Regierung ist Lin neuer Konflikt entstanden. Die Gemeinde Wien hatte gemäß ben Bestimmungen des Ar!beitslosenVersicherungsgesetzes über die produktwo Avbeitslosenjürsorge verlangt, daß ihr auch für das Jahr 1926 ebenso wie für die vorhergehenden Jahre Mittel für die große Bau- und Investitionstätigkeit zugswiesen werden. Nach dem Aribeits-- losenversicherungsge'etz erhalten die Lander und Gemeinden bei der Vornahme volkswirtschaftlich nützlicher Arbeiten Darlehen oder Zuschüsse aus den Mitteln der Arbeitslosensürsorge. Die Gemeinde hat 1924 18, 1925 2 4 Milliarden aus dem Titel der produktiven Arbeitslosensürsorge erhalten. Für das Jahr 1926 wurde das'elbe Ansuchen wie in den früheren Jahren gerichtet und die Wiener Industrielle Bezirks-- tommifsiou hat einstimmig beim Bundesministerium beantragt. der Gemeinde Heuer 20 Milliarden zuzuweism. Der Minister für soziale Verwaltung, Dr. R e sch, hat jedoch das Ansuchen adgelchnt. Die Angelegenheit kam Dienstag im Beirat für die Arbeitslosenversicherung zur Sprache. Der Sekretär der Ardeiterkammer Dr. Palla und Abg. Hu «Iber ersuchten um Aufklärung, warum das Ansuchen der Gemeinde Wien um Gewährung emer Beihilfe aus der produktiven Aribeitslosenfürsorge von der Regierung ab gelehnt wordm sei. Minister Dr. Resch erklärte, daß eine Bechilfengovährung in diesem Falle den gesetzlichen Bestimmungen widersprochen hätte, da das Avbeitslosenversicherungsgretz die Beihilfe an die Voraussetzung knüpfe, daß die geplantem Arbeiten ohne eine solche Beihilfe nicht Zustandekommen würden, während die Gemeinde Wien ihr Bauprogramm ohne Rücksicht auf eine Unterstützung aus der produktiven Ärbeitslosenfürsorge aufgestellt habe und auch durchführe, was angesichts der reichen Mittel, die ihr , zur Verfügung stehen, durchaus begreiflich sei. Die Gewährung von Beihilfen im Vorjahre bilde kein Präjudiz. Das damalige Ansuchen der Gemeinde habe zunächst keine formelle Erledigung gefunden, in der Zwischenzeit habe sich jedoch die Gemeinde in Anhoffnng einer Beihi'lsenge-währung namhafte Beträge aus dem bei ihr einlaugendeu Avbeitslojenverjicherungsbelträgeu z u v ückbehaI: e u, so _Wiener Morftemettrma__ daß die schließlich erfolgte B«villigung lediglich dem Zwecke diente, diese Zurückhaltung von Arbeitslosenversicherungsbeiträgen in eine gesetzliche Form zu brmgen. Schließlich verwies der Minister auf die äußerst ungünstige finanzielle Lage der Arb.'ltsloftnversichemng, die cs ihm zur Pflicht mache, sich bei Gewährung der produktiven Beihilfen streng an die gesetzlichen Voraussetzungen zu halten, um so mehr, als die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung viel zu niedrig feien und um mindestens 50 Prozent erhöht werdenmüßten. Pessach-Kassee-zusatz Laut Attest Seiner Ehrwürden des Herrn OberrabbinerS dintott . chkerber au» vrlau verliißiich koscher in FrieSenrqualltüt erzeugt von Heinrich Franü Sühne Kaffeesurrogatfabri: in Linz a. d. D. «33 Bek jedem Kaufmann zu haben! Kurze Nachrichten. Der belgische Senat hat die Verträge von Locarno und die Vorlage betreffend den Beitritt Belgiens zum ständigen internationalen Gerichtshof rm Haag angenommen. Der französische F'mcmMinister Doumer wird Ende nächster Woche nach London zu den englisch-frangösb'chen Schuldenvevhandlungen reisen. Nach einer Meldung des „Temps" aus A t h e n hcchen gestern sämtliche Minister dem Ministerpräsidenten ihr Portefeuille zur Verfügung gestellt, damit er die Umöildnug des Kabinetts vornehmen könne. Der Pariser ,Mati'n" meldet aus Petersburg, daß der Sowjetbotschafter . in London, Krassin, wegen seines Gesundheitszustandes durch Rosenvoll werde ersetzt werden. Tagesbericht. Altjüdische Weisheit. Für Sic „Wiener Morgenzertung" nach den Quellen bearbeitet. Vom Guten und Bösen. Die Bösen — sie sichen in der Gewalt ihres Gerzens; die Frommen — ihr Herz sicht in ihrer Gewalt. - x Eine verdienstvolle Tat zieht andere nach sich, wie eiste Sünde andere Sünden. ’X Die Bösen werden vom bösen, die Guten vom Men Triebe gerichtet. Rabbi J'nzcha! sagte: Wer im Geheimen sündigt, stößt gleich-' sam die Füße chic Basis) der Gottesherrlichkeit von der Stelle. ,+ Rabbi Meir pflegte zu sagen: Der Mensch sündigt im Geheimen, und der Heil'ge, er sei gesegnet, läßt es in der Oeffentlichkeit laut werden. Sündhafte Gwankeu sind schlimmer als die Sünde selbst. Man dnlle daran, wie übler F!Lischge'',rch schlimmer ist als das Fleisch selbst. Der böse Trieb ist im Anirrng dünn wie ein Spinnfaden, rm Ende aber stark wie Wagenseil-r. Wie es heißt: „Wehe denen, welche die Verschu.')lm.; mir lalichen Stricken heranziehen, und wie Wagem'ei'le ist die Sünde." * Dies ist die Kunst des bögen Triebes. Er spricht zum Menschen heute: ..Tu so!" und morgen: „Tu so!", — bis er ihn Ml Götzendienst ausfordevt. Ausgeftallung de, Palüftlna-Llodd. Aus Jerusalem wirb uns geschrieben: Die Neuorganisation des P a l ä st i n a - L l o y d macht erhebliche Fortschritte. So har die Gesellschaft jetzt einen regelmäßigen Emekbienst einigerichtet, der jeden Montag von Jerusqftm abfährt und den Touristen für einen relativ nicht zu hohen ,Pre's die Möstichleit gib':, alle wichtigen Kolonien und Siedlnugspuntte iiu Emer zu besichugeu. _i. Mr, rn_Ihm Kilvpia» Beburtstag. <Bn Boittoj W»t| «hm». Das Zionistische Landeskomitee teilt mki: Anläßlich' UM fünfzigsten Geburtstages des Kolonisators des moderne« Mischen Siedlungswesens in Palästina, Dr. Artur Rnppin, findet heute, halb 8 Uhr adoniS, im KluDheim der Hakoah, 1. Bezirk, Wipplingerstraßc 24, im Rahmen der Vorträge des zionistischen Seminars eine Würdigung seiner Tätigkeit statt. Der bekannte zionistische Theoretiker und Publizist, Herr Adolf Böhm, wird in einen: Vortrage Dr. Artur Ruppin als Kolonisator, Soziolog und Statistiker behandeln. Doktor Ruppin hat nicht nur auf dem Gebiete des jüdischen Sieblungswosens Bedeutendes geleistet, sondern hadurch die Begründung der Zeitschrift für „Statistik und Demographie der Juden" der jüdischen Statistik ganz neue Bahnen eröffnet. In einer Anzahl von anerkannten und wertvollen wissenschaftlichen Arbeiten hat Dr. Artur Ruppin nicht nur Fragen der jüdischen Kolonisation, sondern auch Probleme aus der Soziologie ud Statistik der Juden behandelt. Aoeldrke — 90 Fahre alt. Wie man uns aus Berlin meldet, vollendet am Dienstag Prof. Dr. Theodor N o e l d e k e, der weltberühmte Orientalist, der viele Jahre zu den Zierden der Universität Straßburg gehörte, in seinem Ruhewchnsitz Karlsruhe sein 90. Lebensjahr. Sein Nau« gehört zu den glänzendsten d:r deutscher Gelehrtenwelt. Mehr als 000 Bücher und Abhandlun-geu sind aus seiner Feder hervorge gangen. Dis Kenntnis des Islam hat er durch sein ausgezeichnetes^ Werk über das Leben des Mohammed und eine Reihe daran an schließender kleinerer Arbeiten gefördert. Als ausgezeichneter Kenner der hebräischen Sprache und der b i b l i s ch > t a lmudifchen Literatur erfreut sich NoeDeke auch bei den rabbinischen Gelehrten hohen Ansehens; mit einzelnen von ihnen, wie mit Abraham Geiger (gostorben 1874) verband ihn persönliche Freundschaft. Professor Noeldeke ist einer der wenigen deutsche:: Gelehrten, die sich dem Ritualmordwahnfinn und den Fälschungen des Talmud widerschten. Seine Gutachten haben insbesondere in dem Prozeß des verstorbenen Dr. Bloch gegen den Prager Professor Kanonikus Rohling eine -ausschlogzebenda Rolle gespielt. Die Keren-tzateffod-Aktko« k« Sesterreich. BorarMou Dr den MLrz-Driven. Auf Einladung der österreichischen Keren-Hajefsod-Kom^ Mission fand Montag abends im Cafe Palast eine Konferenz der Vertreter der Bethaus- und sonstigen jüdischen Vereine in den Bezirken 6 bis 8 statt» bei der die Voravheiten des iu den nächsten Tagen beginnenden Keren-Hajessod-Drives besprochen wurden. Herr Bezirksrat K o h n begrüßte namens der Keren- Hajessod-Kommission die erschienenen Vertreter der Zionisüschen Sektion 6 bis 8, des Mariahilfer Tcmpeldereines des 8. Bezirkes, bann des jüdischen Vereines Neubau, des Israelitischen Unterstützungsvereines Westend sowie des Humanitären Unterstützungsvereines Gegenseitige Hilife. Herr Dr. Abeles erstattete namens der österreichischen Keren-Hajessod-Kmnmission ein ausführliches Referat über die gegenwärtige Lage in Palästina und die Aufgaben des Keren Hajessod. In der darachsolgenden Debatte wurden auch technische Maßnahmen behandelt. Zum Schüsse der Konferenz wurde die Einsetzung eines Aribeitskomitees beschlossen, dem die Vertreter aller jüdiicheu Vereine der Bezirk 6 bis 8 angchören. Dieses Komitee wird sich mit der Durchführung des Keren-Hajessod-Drives beschäftigen. Auf Antrag des Herrn Dr. Heinrich Glanz wurde ferner beschlossen, in jedem dieser Vereine einen speziellen PalLftinaabend zu veranstalten, bei dem der PalLstinafilm dorgeführt werden soll. Am Schlüsse der Konftrenz richteten Bczirksrat Engel und der Präsident der Zionistischen Sektion 6 bis 8, .Herr Dr. Max Bernhard Ansprachen an die Versammelten, in denen sie zn einer tatkräftigen Mitarbeit für den Keren Hajessod ausgeforder: wurden. Sine felifame Krankheit. Ein Bericht, den der Londoner Mediziner Pwsessor I. Dar» er oft der Königlichen Akademie vovgetrag-n hat, beschäftigt sich uni einigen Fällen einer schr eigentümlichen und nur selten beobachteten Krankheit. Die Sympwme der Krankheit bestchen in einer intensiven Rotfärbung einzelner Körperteile; insbesondere werden die Zähne purpurrot. Außerdeu: wird die Haut jo licht empfindlich, daß der Patient sich nur mit Handschuhen und mu einem dichten Schleier ans Tageslicht wogen kann. Die gemeinsame Ursache dieser Erschsmungen fft eine starke Beimischung eines Farbstoffes namens Perphhrin zum Blut. Man hat dieses Perxhyrin auch gelegentlich in Hühnereiern entdeckt, doch ist di« Ursache seines Auftretens im menschbichen Lkvrper noch ebenso un geklart, lvic die Frage der ftchügen Bchandlung der Ärankhei:. Au den Shreu sollst du sie rrkeoueu. Die amerikanischen Filmschauspielerinmn kommen, wenn eS sich um Modesachen handelt, auf immer neue Ideen. Jetzt soll man an den Ohren sehen können, ob sie verheiratet, verlobt oder stet sind. Ein amerikanisches Blatt zeigt uns Dolores drl Rio mit langen Ohrgehängen — vecheiraret. Joyoe Compwn mit Ohren chae Gehänge -- noch zu haben. Und schließlich Rita Carswe mit eine« einziigen Ohrring — verlobt. Der eine Ohrring mag sicht schon aussehen, aber was tut man nicht alles, wenn tnan nach außen hin zeigen will, daß man Kücklich verlobt ist. Im übrigen nrüssen die amerlkanischen Fi!mso§auspieierinnen recht viel stvio Zeit habe».