Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2525 (4.3.1926)
- Date
- 1926-03-04
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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flfa» 2525 _Wien, Donnerstag England und der BMerbvndrat. KWmverlMrt gwt heute eine EeklSvung ab. London, 3. März. (Reuter.) Im Laufe der heutigen Avciftündigen Kabinettssitzung wurde die Frage des Volte rhu n>Ü rat es erörtert. In offizielle« Kreisen ift mau allgemein der Ansicht, daß die Frage in f r c u n d s d) <t f 11 i d) c r W e i f c geregelt werden wird. Im Unterhaus teilte Premierminister Bald w i n uus, Außenminister Chamberlai n tverde m o r g e n über die Frage des Böt ke rbundra tes eine Erklärung abgeben, an die sich eine Diskussion anschließen werde. Spanien beharrt «ruf einem Ratssitz. Madrid, 3. Mär,;. (Tel.-Komp.) Die Regierung hat angesichts der Wichtigkeit, die sie der bevorstehenden Tagung 'des Völkerbundes beimißt, den spanischen Außenminister Aanguas mit der Ber.retung Spaniens im Völkerbund betraut. Der Außenminister erklärte honte Nor Pressevertretern. daß Spanien an seiner Forderung nach eine tit st änd,igc u S: h int Völkerbundrat feschalte. Die Lsmimvertrikge vor dem Sejm. Der jüdische Klub für die Verträge. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitnng.") Warschau, 3. März. Der S e j m hat gesterit den polnisch-deutschen S ch ieds v e r t rag und den polnisch-französischen G a r a n t i e v e r t r a g, die in Locarno abgeschlossen und in London unterzeichnet worden sind, ratifiziert. Die Mehrheit wurde durch die Regierungskoalition und den Jüdischen Klub gebildet, liegen die Ratifizierung stimmten die Rechtsradikalen, die linksradikale Bauernpartei, die nationale Arbeiterpartei, die Kommunisten sowie die Parteien 'der Ukrainer und der Wcißruchcnen. Schließlich wurde gegen die Stimmen der Ukrainer und lder Weißmthencn eine Entschließung angenommen, in der cs heißt, der Sejm drücke die Ue'berzeugung aus, das alle Fokitoren, die aufrichtig ant Zustandekommen der Verträge von Locarno mitgearbeitet «haben und die aufrichtig ans einen dauerhaften Frieden hinarbeiten, anerkennen, daß die sofortige Zuteilung e i n es st an d i g c n R a t s s i tz c s im Volk e rb n n d an Polen eine unbestreitbare politische Notwendigkeit Hilde. Nr. Rivrir bei Brwnd. Paris, 3. März. (Tel. - Komp.) Ministerpräsident Br Land hatte mit dem heute vormittags in Paris eiugetraffenen jugoslawischen Außenminister Dr. N i n c i c bereits nachmittags eine längere Unterredung. Die Besprechungen der beiden Staatsmänner werden morgen und Freitag fortgesetzt werden. Der PaiWim-Drive in Amerika. New-Hori, 2.-März. (I. T. A.) Der Präsident und der Vizepräsident des .amerikanischen Misrachi, Rabbi Meyer Berlin, und Rabbi B. L. Lev i n t h a l erließen einen Appell an die orthodox e n Jude n A merika s, den 5-Millionen-Dollar-Drive für die zionistischert Institutionen in Palästina zu unterstützen. In dem Appell wird gesagt, daß aus den Mitteln des Keren Hajcssod die Misrachischulen in Palästina, die im besten Sinne des Wortes religiös sind, ebenso die Kolonien ge'etzestreüer Inden unterstützt werden. Bon Schalom Alejchem. „Pst," rief ein Jude mit runden Ochsenäuglein dazwischen. Er ' war 'die ganze Kit in entern Winkel beim Fenster rauchend dagesessen und hatte den Geschichten über Diebstähle, Rändere seit und Expropriationen zug-chört. „Ich werde euch etwas'Schönes erzählen — auch von einem Disbstahl, der sich bei uns Fntrng, im Beth Hamidrasch und am Bersühnnngstage noch dazu. Hört nur her! Unser Städtchen Kaßriliwke — ich selbst bin atts Kaßriliwkc — ist ein kleines uttfr armes Städtchen, Diebe gibt es nicht, man stiehlt nicht, es ist niemand und. nichts da, bei dent matt stehlen und das man stchlen könnte — und ohne das — ein Jttde ist doch kein Dieb, das heißt ein Jude ist eig.mtlich schon ein Dieb, aber nicht ein solcher Dieb, der durch Fenster kriecht oder jemand mit dem Messer abschlachten geht. Hin und 'herdrehen, jemandem den Kopf ver- und heruuterdrehen, andrehen — das schon; über doch nicht einem die Tasche leeren, tun so dir nichts mir nichts erwischt und nachher von einem Kerl mit einet» gelben Ding auf den Schultern forttranAportiert Al werden. Das paßt für einett diebischett Iwan, aber nicht für einen Inden. Stellt euch vor, da geschieht bei uns in .Kaßriliwke ei« Diebstahl, und noch was für einer! Achtzehnhundert Rubel mit einem Schlag! Eines schönen Tagcs kommt zu ttns ins Städtchen ein Gast einhergefahren, irgend ein Jude aus Litauen, genau am Vortage des .Vevsöhnungssestes zum Minchagebet, steigt wie gewöhnlich in einer Gastwirtschaft ab, legt den Ranzett hin und geht stracks in die Schul, ins alte Beth Hamid rasch. Dort angelangt, stößt er an die Diener mit beit Geldtellern an. ,-Schalom Alejchem!" „Alejchem Schalo-m!" ,-Woher ist denn ein Jude?" „Ans Litauen." „Wie he itzt ihr?" „Eurer .Großmutter Sorge, wie ich heiße?" „Ihr seit doch in die Schul gekommen!" „Wohin denn sonst soll ich geh'u?" „Ihr Will Miß tzej Ms tzelWL" loemi |ou{tt M iäz tzic Wiener Morgenzeituns 4. Mn 1928 Zeitz 9 5 <^4üUwnen yCokosp ahnen liefern jährlich ihre Nüsse zur Herstellung der. reinlichen, hygienisch einwandfreien Speisefettes WWW zoo Prozent reines Fett aus Kokosnüssen 3*5*1 . /V — Schel Pessach HDD bw *H2D Schel Pessach Erzeugt unter streng ritueller Aufsicht Seiner Ehrwürden ocs Herrn Oberrabbiners S. B. EHRENFELD, Mattersdorf Aus der Schule geschwatzt. FuNzmiMer Pesthy enthüllt die Sokolsälschungen und wird demiffionieren. — Mne adsetzkochene Sitzung der Nationalversammlung. — Ein neuerlicher Vorstoß Paüavklmis gegen Bethlen. (Eigendicnst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 3. März. Ministerpräsidrnt Graf Bethlen ist heute um 7 Uhr früh mit dem Wiener Schnellzug nach Genf abgereist. Während seiner Abwesenheit hat der Reichsverweser den Vollswohlsahrtsminister Dr. Basz mit der Führung des Mmisterpräsidiums betraut. „Magyarorszag" und „Esti Kurir" melden übereinstimmend, daß in Politischen Kreisen mit dem Rücktritt des Justizministers Pest Hy nach der Rückkehr des Ministerpräsidenten aus Gens gerechnet wird. Die Demission des Justizministers ist die uninittelbare Folge eines peinlichen Zwischenfalles, der sich in der gestrige» Abendsitzung in der Nationalversammlung a^espielt hat. Im Anschluß an die Rede des Abgeordneten Friedrich über die Sokolfäljchungen verlas nämlich Justizminister Pest Hy zur allgemeinen Bestürzung ein Protokoll der Staatsanwaltschaft über Verhöre im Jahre 1921 mit Personen, die damals in Untersuchung standen, darunter mit dem Professor Julius Meszaros. In dem vom Justizminister verlesenen Mtenstück heißt es, die Beschuldigten hätten vor der Staatsanwaltschaft ausgesagt, daß die Sokolfälschungen zu dem Zweck bestimmt waren, eine militärische Aktion zu organisieren, um die Slowakei von der tschechoslowakischen RepMik l o s z u r e i tz e n. Da eine solche Aktion riesige Geldmittel beanspruchte, die auf gesetzlichem Wege lticht aufzutreiben tvaren, wurde mit Kenntnis des damaligen Kriegsministers Stephan Friedrich beschlossen, tschechische BÄnknoten zu fälschen und mit deur falschen Gelbe den Putsch gegen die Slowakei zu organisieren. Nachdem Justizminister Pesthy dieses Protokoll aus dem Jahre 1921 im H<mse verlesen hatte, war die Bestürzung so groß, daß der Präsident die S itzung aushob, um weitere Erörterungen hintan zuhalte u. Sämtliche Budaprstex Blatter wurden noch gestern abends von dem Presseamt des Ministerpräsidiums telephonisch aufgefordert, über die Verlesung des Aktenstückes durch den Justizminister und dessen Inhalt nichts zu veröffentlichen. Die Oberstadthauptmcmnschaft hat für den heutigen Tag streng« Polizeibereitschaft angeordnet, da verschiedene sozialdemokratische Verbände um die Bewilligung von nicht weniger als 34 Volksversammlungen angesucht hatten. Die Gesuche wurden zwar ausnahmslos abgelehnt, doch befürchtet man, daß Versuche unternommen werden könnten, die Versammlungen trotz des polizeilichen Verbotes abzuhalten. Ws abends wurde jedoch die Ruhe nirgends gestört. Eine wettere Ursache zu einer gewissen Nervosität der Oberftadthajuptmainnschaft bietet der Aufenthalt ansla irdisch er Poliitik'er in Budapest, - die in engvr Fühlung mit den rechtsradikalen Wähl?" ,/So gäbt etwas in den Teller!" „Gewiß, ich werde doch nicht umsonst beten!" Kurz, unjer Gast nimmt drei Silberrubel und wirst sie in den Teller, außerdem wirft er in den Teller des Chasans einen Rulbeit, für den Raw gibt er einen Rubel, für die Talmud Dhora einett, in den Almösenteller wirft er einen halbett, nicht eingerechnet das Geld, das er den Bettlern, die bei der Tür stehen, gab. Bettler gibt es bei uns, nicht zu versündigen, so viele, daß matt an sie das RothschilÄsche Vermögen verteilen müßte. Es versteht sich voit selbst, daß man einem so fpendiden tzktst sofort einen Ehrenplatz an der Ostwaud anwies. Wo man einen gefunden hat, wenn doch alle besetzt sinid? Das ist keine Frage! Wo nimmt man einen Platz her, wenn es eine Feierlichkeit gibt, eine Hochzeit oder eine Beschneidung? Alles sitzt schon um den Tisch hernnt, da gibt es plötzlich Lärm. Was ist los? Der Stadtreich: ist da! Man zwängt sich so lange ein, bis ein Platz für Ähn da ist. Einzwängen ist eine jüdische Sache. Wenn niemand zwängt, zwängt der Jude sich selbst ..." Der Jude mit den runden Angen läßt eine Pause eintreten, nur nachznsehen, welche Wirkung sein Witz ans die Zuhörer geübt hat, und fährt fort: „Kurz, unser Gast ^hat zu oberst Platz genommen und sich beim Diener einen Ständer erbeten. An diesen gelehnt, bei Köl Nidrei mit Geibctmante! und Kittel bekleidet, steht er da und betet. Betet und betet, die ganze Zeit aus den Füßen, rticht für einen Augenblick fetzt er sich, von Hinlegen schon gar nicht zu sprechen. Er verläßt de» Ständer rticht ■für einen Moment, dieser Litwak. höchstens dann, wenn man das Achtzchngobet sagt oder freit Boden berühren muß. Trotz des ganztägigen Fastens auf den Füßen stehen blerben und sich nicht für einen Augenblick hinsetzert — das kann nur ein Litwak! Erst nach dent letztett Schosarton, beim Hüwöhnlichen Marewgcbet, da Ehaim Choneh, der Lchrer, seine 'Stintme hören ließ (das Marelvgebet überträgt man Vhaint Ehou^, -M Ll^rer. Mn stil MeMi^ert l^eiten^, hrW plötzlich ein Geschrei 'los: „Gewalt, Gewalt! Was ist^ geschehen? Der Gast liegt ohrtmächtig am Boden! Man schüttet Wasser aus ihn, man rüttelt ihn — er ist immer noch ohnmächtig. ' Eine schöne Geschichte! Er hat bei sich, dieser 'Litwak, achtzehnhundert Rübel geha>bt. Er hat gefürchtet, sagt er, sie im Gaschöf zurückgelassen. Keine Kloinigkeit, achtzchnhundert Rubel! Wem kann nran eine solche Summe Geldes in einer fremden Stadt anvertrauen? Sie bei sich 'in der Tasche zu verwahren am Versöhnungstage, das ist auch 'kein Plan; 'da hat er sich, sagt er, besonnen, und hat sie un- 'bemerkt in den Ständer gesteckt. Was so ein Litwak nicht alles «imstande ist! Jetzt verstcht ihr wohl schon, warum er nicht vom Ständer weichen wollte? Aber während des Achtzehngebetes oder «des zu- Boden Fallens muß jemand das Geld flink gestibietzt haben. Kurz, er lärmt, er weint, daß die Welt sich von unlevst zu oberst kehrt. Was soll er an sangen? Es ist, sagt er. fremdes Geld, nicht das seine, er ist nur Bnrmübote, ein! armer Dense'l, mit einer Menge von Kindern. Es bleibt nichts anderes übrig, er muß sich ins Wasser stürzen oder sich erlhängen, hier «in 'der Schul vor aller Augen. Dies hörend, waren alle wie gelähmt. Mau hatte vergessen, daß ein Fasttag lvar, und fraß es höchste Zei sei, nach .Hause zu gehen und etwas zu essen. Welch eine Schande! Wir schämten uns vor dein Gast und vor uns selber. Ein solcher Diebstähl — achtzehnhnndert Rübel. Und wo? Im Beth Hamidrasch! Im alten Kaßriliwiker Bech Hamidrasch! Und wann? Am Vevsöhnungstage! So etwas hat es ans der Welt nicht gegeben. „Sperrt die Tür zu!" Das war.ein Befchl unseres Raw. Wir haben unseren eigenen Raw, Reü Josesl, heißt er. Ein tvahrhastiger und frommer Jude, weit» auch nicht gerade übertrieben klug, alber ausdauernd^ sm Mensch ohne Galle. Er hat ntanchnml E'msälle, aus die ihr nie gekommen wäret, wenn ihr auch achtzchn Köpsi aus euch hättet. Nechdem die Tür des Beth .Hamidrasch versperrt worben war^ We M Mesi< tzer AM jMtz U er MD