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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-28 · Heft 2521 (28.2.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2521 (28.2.1926)
Date
1926-02-28
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Sk. Ml Wien, Zonnisg Msener Mvrsenzesfuya 88. Februar f926 Seite 8 billige öiceLse! Kleid und Mantel aus franz. Meld-Rips ..S rAMnlflf Kleid und Jacke, zweifärb., UJIIll'ltSI reich gestickt und franz. Modepiissd.S i&O fAmnlnf Kleid u. Cape mit Crdpc de LUlIiyilSl Chine, kombiniert, Salon-1V G arbeit .S Ivö Ulfinfal aus guten englischen Stoffen, nmm flotte Fasson.S Itüntßlaus ^°vcrc°a^ aPar^c Fass°n aus Waterproof, reine Schafwolle ......... S aus Rips-Mele und feinem Tuch, gestickt, ganz Seide gefüttert, sowie Seidenmäntel . S Ifüntnl aus Wipcord und Diagonal, nnniei die grosse Mode.S Motfellmäntßl ÄNgttns Compiet Hantel Hüntel ffloYffOP *csclle dessinierte Sommer lllClUtSr'neuheiten. Noch nie dagewesener Preis! S Z«80 aus entzückenden Modekaros S HlolrlOP aus §utem Kammgarn, reich MClIllSl gestickt, Jumperkleider aus Rips .S Kleider zxt’Crtpe?e.Ctoi Kleider LLNac“ttag: aus guten engl. Stoffen, ganz gefüttert.S HflffflinO aus deinem Rips. KammnUjiUlilb garn und Gabardin, ganz Seide gefüttert.S Montag von II bis I Uhr vormittags \ Kleider \ n Grosse Modenschau Jede Kunde erhält ein Geschenk der Parfümeriefaorik Calderara L Bankmann Tagesbericht. Altjödische Weisheit. (Ftur die „Wiener Morgenzeitung" nach den Quellen bearbeitet.) Purim. Er begann Lose (Purim) zu werfen. Wozu? Um zu scheu, au welchem Monat Israel noch kein Wunder goschchen war. Er sprach: Im Nissan zogen sie aus Aegypten, im Isar rettete sie Gott aus der Hand Amaleks, im Siwcm wurde ihnen die Thora gegeben, und so in bezug aus alle Monate. Nur im Monat Adar fand er Sorge und Seufzen, denn dies ist. der Monat, in welchem «User Lehrer Moses gestorben war. •i* Esther war zuerst Hadassa (Myrche) geheißen. Wie die Mhrche von süßem Geruch und bitterem Geschmack ist. so war auch Esther süß für Mordechai und bitter -für Haman. * Auch Frauen müsseu die Megilla lesett, IveÄ sie gleichfalls zu jenem Wunder gchöreu. Nie Purimwoche. (Von unserem Allround-Korrespondenten.) Der Peffimisnlus, der noch vor einigen Tagen in den verschiedenen Staatskanzleien gcherrscht ha:, ist seit Anfang des Monats einer fidelen Purimstimmung gewichen, die in Genf in einer internationalen politischen Maskerads zu stilgerechtem Ausdruck gelangen soll. Wie Ihr Korrespondent aus sicherster Quelle erführt, werden die Masken das Höchste an VerstellungÄunst bieten. Dank meiner Verbindungen mit der politischen Maskenleihanstal' am Quai d'Orsay in Paris bin ich in der Lage, einige Masken schon heute zu verraten. So ist heute schon fast mit Sicherheit anzunehmen, daß S t r e s e m a n n den englischen Kollegen Chamberlain nicht mehr erkennen mw mit Briand verwechseln würde. Der Italiener wird dem Pundeskangler Ramek, der als wohlerzogener Schulknabe erscheint, vor aller Welt das Gesicht streicheln und erklären, daß er ein „braves Bubi" sei, was Ramek mit einem artigen Knix zur Kenntnis nehmen wird. Hinter dem Rücken des Italieners wird Ramek eine „lange Nase" machen und ihm auf anmutige wienerische Kindrrart „Etsch, Etsch, Oberetsch'." Nachrufen. Der Vertreter Polens wird mir den Vertretern Spaniens ein HallellUvettlaufen uul der» Ratssitz veranstalten. Schwierigleiteu bereitet bloß dir Besetzung des Schiedsrichteramtes. Benesch gehl als tschechischer Salonlöwe, der mit jedem ein „Gschpufi" ansängl und nicht weiß, mit wem er ein dauerndes Verhältnis auknützsetz soll, Aus London wird mir vertraulich mitgeteilt: Sir Wfrod Mond echielt nach seinem,Uel6er;ritt von der liberalen zur konservativen Partei äußerst warme Begrnßungsletegramme sowohl vom Präsidenten der Agudah, Wo'lf P a p p e n h e i m, als auch vom Führer des Misrachi, Rabbiner Meier Berlin. Beide begrüßten in Mond den neuen Gesinnungsgenossen und boten ihm die Führerschaft ihrer Gruppen an. Sir Alfred lchnte beide Einladungen dankend ab, da er in der kurzen Zeit seiner neuen Gesinnung noch nicht in die Lage gekommen sei, zu beurteilen, ob er sich der Schechita der Agudah oder derjenigen des Misrachi anschließen solle. Das Ansuchen des „Reuter-Bureaus", dieses hochwichtige Ereignis veröffentlichen zu dürfen, lehnte Sir Alfred mit der Bemerkung ab: Das ist eine typische Meldung für die Zta'." * Telephongesprach in Wien. „Hallo, wer dort?" ,Hvrr Union!" „Union Baugeselhchalst?" „Falsch verbunden! Hier . Israelitische Union." Mir bauen nicht und haben für Ausbau kein Interesse." „Dann schalten Sie stch aus! Schluß!" * Wilhelm Bazsonhi ging nach dem mißglückten Attentat gegen ihn in den Tempel, um für seine Errettung ein Dankgebet zu verrichten. Beim Verlassen des Tempels >chließl sich der Orientalist Professor Strauß an: „Exzellenz haben sich einmal in einer schwachen Stunde für eine Unterstützung des palästinensischen Aufbaufonds ausgesprochen. Unser Freund, England ..." Vazsonyi (unterbrechend): „Pardon, Heer Pwfessor, im Tempel mache ich keine.Politik . . ." Sie gelangten' in den Tempelhof mch Professor Strauß begann wieder, Bazsonhi auzubohren. „Pardon, Herr Professor", unterbrach Vazsonyi gereizt, „hin diu ich nicht mehr Jude . . ." Da Strauß nicht locker läßt, rette: sich Bazsonhi ans die Schwelle des Tempeleinganges. , , ,Mavo!" ruft ihin Professor Strckuß zu, „In dieser Stellung werden wir Sie für die Geschichte verewigen. An der Schwelle des Tempels! Die sind weder ein guter Jude, noch ein guter Politiker!" * Die zionistische Sektion Nord-^Süd (Ersatz für die nicht zustande gekommene Bereinigung Ost-West), Mteilung für hebräische Sprachkurse, erhielt dieser Tage vom Präsidium der Hakoah die Mitteilung, daß der Klub beschlossen habe, das Reinerträgnis von drei Wettspielen zur Erhaltung der hebräischen Kurse von Nord- Süd zur Verfügung zu stelle,:. Es wird bloß die Bedingung gestellt, daß der Vorstand und die Fußballmannschaft his zur nächsten Palästinareise der Hakoah die hebräischen Kurie besuchen und die hebräische Sprache erlernen. Die Anttvort von Nord-Süd lautete kuitz und bündig: „Wir v'vwahren uns gegen die Frozzelei! Reingewinn bei Hakoah und Hebräischlernen ihrer Fußballer sind Purmqcherzel" Purim des Flüchtlings. Ans den Aufzeichnungen eines go'l>izische» Flüchtlings. .Bon I. Tiger. Erst jetzt, beim Herannahen des Purimfestes, empfanden sie die ganze Schwere ihres Geschicks, die kleine Schar galizischer Juden, welche -un böhmischen Marktflecken K. nach wochenlangen und qualvollen Irrfahrten Unterkunft fanden. Denn dieser Tag war ja der Vorbote eines noch viel bedeutsameren Festes, des Pessach, zu dessen Empfang sogar in der galizischen Heimat umständlich gerüstet werden mußte. Was soll man nun hier, in diesem fremden und trostlosen Nest, beginnen? Jenseits der Brück befand sich zwar ein Tempel, der von der Existenz einer jüdischen Genwinde zeugte, jedoch nur lvährend der hohen Feiertage fand sich ein „Minjan" zusammen. Sonst waren die Pforten geschlossen und nur der „Vorstand", der stets griesgrämige ,md verdrießliche', machte sich dor: nianchmal zu schaffen. Die galizischen Flüchtlinge mieten aus sonderbarer Scheu den Tempel, sie erbaten sich bloß eine Thora und bei Mejlech Melamed wurde ein eigenes „Minjan" eingerichtet. Die fünfundzwanW Kreuzer österreichischer Währung, die mm: pro Kops und Tag als Unterstützung erhielt, reichten kann: für das Allernolwendigste aus, aber Przenrysl war noch fest in unseren Händen und ,Mrch" (die populäre Benennung des österreichischen Kaisers bei den galizischen Juden), der große Juden-. freund, lebte noch — das gab Hoffnung und Blut znm Ausha-rren. Draußen war cs öde und Kot gab es hier noch mchr als im galizischen Städtchen. Den ganzen Tag saß man im Zimmer, schlief oder zankte. Die Mädchen, die trotz der kärglichen Kost „wie auf Hefe wuchsen", schauten stundenlang zum Fenster hinaus und stichelten sinander. Alles war trostlos. Mutter seufzte und des Bakrs Auge beobachtete sie, besorgt um die Zukunft der Heranwachsenden, Töchter. Die Vorläufer des Joint begannen das .Hilfswerk: Ans unbekannter Ferne langten beim Vorstand verschiedene Sendungen ein. Alte Kleidungsstücke, Strohsäcke und papiergefüllte Schlafdeckm, die wie Brennessel stachen. Die Frauen mußten sich mit großen, breiten Männerschuhen zufrieden geben und die kleinen Jungen liefen in langen Röcken herum, deren Aermei leer hinuutechmgen als wenn sich in ihnen bloß .Händestummel befänden. Wollte mau passendere Kleidungsstück haben, so wurde der Vorstand noch mürrischer, schob die landesübliche Pfeife in den linken Mundwinkel und meinte, daß er eigentlich keine Modelloider auf Lager habe und die Unzufriedenen mögen in Prag eine Bestellung machen. -Fleisch genoß man keines; znm .Meschubed", der Rabbiner, Prediger, Borbeter, Kinderlchrer, und Schochet in einer Person war, hatten die Galizianor kein Vertrauen und seine „Schechita" wollten sie nicht anerkennen, was ihn nicht wenig verdroß. Aber für die Pnvimsude mußte doch vorgesorgt werden. So machte man sich auf hie Suche nach Fische», die awa um teures Geld erstand. Und mm

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