Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2521 (28.2.1926)
- Date
- 1926-02-28
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Wiener MoraerizestunA M. MSI StzA 4 MeA, Sonstig M. Februar 10*20 durch Or. Hoffbau«n Entfettungs -Tabletten Dieselben sind von bester Wirkung, angenehmem Oe« schmack, vollständig unschädlich, stellen eine schlanke, graziöse Figur her, ohne Diätzwang oder Aeoderung der Lebensweise. Prompte Gewichtsabnahme. Vom Volksgesundheltsamt bewilligt Nr. 911 Kein Abführmittel Keine Schilddrüse Depot» Apotheke „Zu» Römischen Kaiser*, Wien, I., Wolltelle 13 jüdische Zeitung „Stern", wodurch die Treibereien der Beamten vor die Oeffentlichkeit gebracht wurden. Eine später emMleitete Untersuchung ergab, daß die Beschwerden berechtigt sind, worauf die antisemitischen Beamten verhaftet wurden. Es wurde auch festgestellt, daß sich diese auf unredliche Weise bereichert halxn. Untersuchungen werden auch in anderen Distrikten durchgeführt. Faszisnms und Pansenaan Ismus. Paris, 27. Februar. Der „Petit Parisien" veröffentlicht ein Interview mit Mussolini, der unter anderem erklärt, mau müsse endlich einmal die fortwährenden Drohungen mtt dem Panger Manismus brandmarken und in Betracht ziehen, tote Deutschland sein wirtschaftliches Fliegergeschwader auÄont rmd mit allen Errungenschaften der Technik ausrüstet. Deutschland verfüge über eine schr große Zahl vorzüglicher Flugmaschine v, und von Berlin allein Zweigen 24 Luftlinien ab. Darum sei es höchste Zeit, daß wir der seitens DeutfchKmdS drvheudm Gefahr entgegentreten. Im weiteren sprach Muffottui von Güdtirol und sagte unter anderem: ,Jch habe vor kurzem das obere Etschtal bereist. Dort ist alles deutsch, das Beten, das Lehren, der Klerus, die Eisenbahn und die Post. Man hört nur deutsche Worte und es werden dort solche Lieder gesungen, jür welche man jeden m Rom sofort einsperren ließe. Auf diesem Gebiet betragt die Zahl der Bewohner samt den Italienern 250.00V Köpfe, und dieses Gebiet verfügt über eine 24.000 Mann starke Feuerwehr, die vortrefflich armiert ist. Da habe ich Ordnung geschaffen, die Fmerwehrkorporationen aufgelöst und angeordnet, daß in das große Gebiet m einem Umkreis von 30 Kilometer niemand drnwandern oder sich ansie-deln darf. Außerdem habe ich den ausschließlichen Gebrauch der italienischen Sprache angeordnet." BöMsche unter stch. Aller bou den Nationalsozial«r wegen HavSsrledettöbmch geklatzi. Berlin, 27. Februar. Nach einer Wättermckdung aus München hat der Vorsitzende des nationalsoziakeu BolkSb«u d e s wegen der Sprengung einer Versammlung des Bundes durch Hitler-Anhänger gegen Hitler Strafautmg wegen Hausfriedensbruch gestellt. ß Werbet Abonnenten für die ß l „Wiener Morgevzeitmg" I Mein vierter Schwiegersohn ist ein ganz einfacher Mensch, nicht die Spur von einem Gelehrten. Er ist Fischhändler. Seine ganze Familie treibt Frfchihandel. Sie verstehen nur eins: mit Fischen zu handeln, weiter nichts. Ihr wundert euch, wieso unter alle gelehrten Schwiegersöhne em so einfacher geraten ist?... Alle wundem sich darüber... und auch ich. Aber wahrscheinlich war's meiner Tochter so bestimmt. Nicht alle Menschen können glücklich fern auf Erden. Aber glaubt es nicht etwa, daß meine Tochter mit dem Fischer nicht glücklich lebt. Gott behüte! Im Gegenteil, sie leben schr gm miteinander. Er schätzt und liebt sie schr, weil er weiß, daß sie nicht eine erste beste ist, sondern meine Tochter! Ja, meine Tochter! Darum arbeitet er auch für fie vom Morgen bis zum Abend. Und nicht nur für sie allein arbeitet er; er muß meinen anderen Schwiegersöhnen oft genug helfen. Warum sollte er es auch nicht tun? Er muß doch fühlen, wer wir sind und wer er ist. Ein kleiner Unterschied ... was meint ihr? Besonders wird der Unterschied fühlbar, wenn wir uns über gelehrte Dinge, über den Talmud unterhalten. Wenn die anderen sich versammeln, dann reden, streiten und disputierten sie und er sitzt stumm dabei: Schuster, bleib bei deinem Leisten. Er muß hoch stolz darauf sein, daß Gott ihn in ein solches Haus geraten ließ, wie denkt chr?... Jetzt, nachdem ihr meine Familie ein wenig kennen gelernt habt, werdet ihr mein Glück begreifen, tvenn Gott einen Feiertag gibt, zum Beispiel den Festtag der Esther, wie ich euch sagte und sich alle bei mir versammeln, Töchter und Schwiegertöchter, Söhne und Schwiegersöhne mit allen Enkelkindern, unberufen, und wir uns alle an den Tisch setzen. Zuerst werden Fische ausgetragen, echte, ge Me, gut gepfefferte Fische, nach dem Fisch alle anderen Feiertagsgerichte,!öei denen wir echten, kostbaren Wein trinken; dann stimmen wir in feierlichem Festtagston das bekannte Gebetlied an, in idas die Jugend unisono einzufallen Pflegt. Wir fasten uns an den Händen und bilden einen Stoeä. Was kümmern uns dann alle irdischen Angelegenheiten, Rech« nungen. das verachtete Metall? Kinder!... darin besteht das Glück! Heiliger Feiertag... das bringt Glückseligkeit! Ja, mein Lieber, ich bin nicht Rothschild, bei weitem nicht Rothschild. Aber ich lebe, Gott sei gedankt, Diel glücklicher und bester als irgend ein Rothschild. Die Fälschung der öffentlichen Meinung. Die vrganlsatton de« Hugenberg-Konzerns. Das SchlaMvmk von der Derjudnng der t>€ u ts ch e n Presse beherrscht die Vorstellungen aller Deutschen und ist zu einer wichtigen Grundlage des ^gesamten antisemitischen Systems geworden. Wie dieses Wort erzeugt und verbreitet wird und wie es um die Unabhängigkeit der deutschen Presse überhaupt staht, zeigt em Artikel der Berliner ,Meltüühne". Wir lassen ihn hier (stark gekürzt) svlaen, weil der Einfluß dieses Trusts auch Oesterreich liberschattet. Auch die Wiener Presse stcht zu einem Teil unter der Einwirkung des gefälschten Nachrichtendienstes. Hugenbergs Einflußsphäre ist in ihrer ganzen Große schiver zu übersehen. Sicher ist seine Kontrolle über sieben Banken — Ostdeutsche Privatbank; Ostbank für Handel und Gewerbe, die eine Fusion mit der Bank für Landwirtschaft plant; Roggenrentenbank (Via Neuland A.-G.); durch diese die Preußische Pfandbriefbank und die Agrar- und Kommerzbank; . Landbank; Deutscher Kreditverein —, eine Anzahl Papiergroß betriebe und Filmgesellschaften, darunter die Deulig-Film-A.-G.; die Annoncenexpedition Ala- Haascnstein it. Vogler-Daube; „München-Augsburger Abendzeitung"; Deutscher Ueberseedienst G. m. b. H.; die Druckschrfften der Mitteldeutschen Verlagsanstalt Erfurt-Halle. Und fo geht das weiter. Der BerlagScherl (Kapital 30 Millionen Mark) untersteht ihm, und namenMch der Korrefpondenzenkonzern, der sich um die Tblegraphenunion gruppiert, und der die Aufgabe hat, die deutsche Volks- Partei und die de utschnat tonale Volks-' Partei zum Rechlsblock zusammenzuschweißen. Der Aufschwung der — durch Zusammenschluß von vier Nachrichten burecnü entstandenen — Telegraphenunion datiert «och aus der Zett Wilhelms des Zweiten. In der Aeva des nationalen Rausches 1917 wurde im Auftrag der am „Durchhalten" interestierten Großindustrie die Vera-Verlagsanstalt G. m. b. H. mit vier Millionen Mark Kapital gegründet. Der Vera einziger Zweck war, notlerdende Durchhaltezeitunge n zu nntevstützeu. Kein' Wunder, daß sie sich bei der Sanierung maßgebenden Einfluß und geschäftliche Kontrolle vorbehielt. Dann kam der Zusammenbruch und sein seltsames Ergebnis: politische Umwälzung bei sozialer Konstanz. Das Ziel war, dem Großbesitz hie Politische Machtstellung zurückzuerobern. Hugenberg schien dafür der geeignete Mann. Die Vera stellte sich um. Sie beteiligte sich maßgebend an Zettuugsgründungen, finanzierte und sanierte Rechtsblätter. Alles unter der einen Bedingung: entscheidende Beteiligung und geschäftliche Kontrolle im Jntereste der Industrie. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates war der Geheime Finanzrat Dr. Hugenberg. Der nächste Schritt mußte die Eroberung des Landes sein. Diese Aufgabe übernahm die Wipro (Wirtschasisberatung der Provinzpreste). Durch billige Lieferung von Redaktions- Material, Matern und Maschinen wurde die Provinzpresse gekauft. Die Inflation drohte das Werk über den Haufen zu werfen. Da organisierte Hugenberg die Mutuum-Darlehens-A.-G., di« notleidenden Verlegern das Papier lieferte. Die Mutuum arbeitete für deutschnationale Blätter umer Hugenbergs Vorsitz. Für die Presse der deutschen Volks- Partei sorgte die Alterum-Darlehens-A.-G. Mutuum und Atterum lieferten jedoch nur, wenn die Geschäftsführung des Blattes der Vera unterstellt und für mehrere Jahre der Dienst der Telegraphenunion abonniert wurde. Damit lvar die Telegraphenunion wirtschaftlich fundiert und gleichzeitig der redakttonelle Teil der Zeitungen den Interessen des Großbesitzes dienstbar gemacht. >>aWWW>>Wa>a>>W>WWW>W»WW»>WW»»WW»WLMW»WWW»I^»Si» Inland. Der Völkerbund. Wie schon wiederholt berichtet, ist der Völlerbupdrai für den 8. Mär; zur 39. Session einberufen. Ten Vorsitz m:vd diesmal der Vertreter Japans, der Botschafter in Paris, Jshii, führen. Das Programm dieser Ratssitzung ist ziemlich reichhaltig und enthält unter anderem auch die Berichte über die Sanierung Oesterreichs und Ungarns. Doch wird die österreichische Frage in der Märztagung keinen breiten Raum einnehmen. Zur Diskussion stehr namentlich die Frage der EIozierung der Kreditreste bei der Nationalbank. An dieser Beratung wird auch der Präsident der Nationalban'k Dr. Reisch teilnehmen, der gegen Ende der nächsten Woche nach Genf abreisen wird. Dieser Punkt der Tagesordnung wird hauptsächlich das Finanzkomitee beschäftigen, welches seine Anträge an den Völkerbundrat stellen wird. Dieses Komitee tritt am 5. März zusammen. Die »vettere Oesterreich berührende Frage, tvelche zur Diskussion gestellt werden wird, ist das Projekt der Pensionsanleihe. Doch wich es, wie unterrichtete Kreise glautben, keineswegs im Detail erörtert werden. Man vermutet vielmehr, daß man nur die technischenMöglichleiten einer solchen Anleihe erwägen und die eingehende Beratung <beS Projekts einem Komitee zuweisen wird, welches einer Mieren Ratstagung darüber Bericht erstatten soll. Seit dieser Zeit har sich der Aktionsradius des Hugenberg-Korizern. von Jahr zu Jahr vergrößert. 1925 waren „erst" 1200 Zeitungen dem , Telcgraphenunion-Korrespondenzdienst angeschlossen; jetzt sind es schon 1600, und das heißt, daß ungefähr 67 Prozent der deutschen Zeitungen von Hugenberg direkt beeinflußt werden. Den Telegraphenunion-Nachrichtendienst halten fast alle denk scheu Zeitungen. Offiziell unabhängig von den Nachrichten und in besonderem Abonnement erscheinen gegenwärtig elf Korrespondenzdienste der Telegraphenunion, die telephonisch, telegraphisch und brieflich versandt werden. Der S p o r t d i e n st ist der objektivste, »venigstens „bürgerlichem" Sport gegenüber; gegen die Arbeitersportvereine wird unauffällig und gern polemisiert. Die .Handelsdienste — Deutscher Handelsdienst (DHD), Kursdienst, Warenmärkte — verfechten Hugenbergs Sonder- Interesse. Die übrigen Dienste sind sämtlich politisch stark gefärbt. Der „Parlamentsdien st^ gibt von der deutschen Volkspartei an nach rechts fast wörtliche Berichte, sonst mnsangreiche Auszüge. Aber er ist hannlos. Weit gefährlicher sind die sogenannten „neutralen" Dienste: der zlveimal täglich erscheinende „Deutsche Dien st" (oft am Vorgesetzten DD kenntlich), der aus dem alten Dämmert- Dienst entstanden ist; die „Unabhängige Nationalkorrespondenz" (UNC); der sehr verbrencte „Asien-Ostcuropa-Dienst" (AOD), der in gewissen Zwischenräumen A u fstände in Sowjctrußland meldet und prophezeit oder von bevorstehenden Angriff skriegen der Roten Armee berichtet. Zu diesen vorwiegend industriell verseuchten Korrefpondenzdiensten tritt deragrarische „Deutsche Schnelldienst für Politik und Wissenschaft". Hugenberg laß: gleichzeitig für vier Richtungen schreiben. Der. „Berliner Dienst A" ist gegenwärtig für Blätter tkt deutschen Volkspartei bestimmt, der Dienst C .für „nationale" katholische und der Dienst D für deutschnationale Blätter. Für Anzeigenplantagen arbeitet der „neutrale" Dienst B. Der De molrate ndien st ist , in* zwischen eingegangen. Etwa tausend Zeitungen — 35 Prozent aller deutschen — werden von Berlin mit Matern versorgt. Die drei größten Maternkorrespondenzen hatten bis zum 31. Dezember 1924 ein Uebeveinkomme« laufen, das die gegenseitige Konkurrenz ausschließen sollte. Für 1925 war das Abkommen nicht erneuert worden. Da sandte Hugenbergs „Wipro", zunächst als „Bund der . Kreisblattverleger" bezeichnet, im Dezember Abonnenten der Konkurrenz eine Depesche: der Verleger möge, wenn er auf eine Maternkorrespondenz Abonniert sei, diese sofort kündigen — es liege ein 50prozentiges Unterangebot vor. In einem Rundschreiben wurde gesagt, die „Wipro" werde vom 1. Jänner 1925 an zwei Hauptmaternkorrespondenzen herausbringen: a) für parteilose Blätter, b) für rechtsgerichtete Blätter. Für alle die Verleger, die sich zum Bezug einer der beiden Korrespondenzen entschlössen, würde die bisherige Bezugsgebühr aus die Hälfte herabgesetzt durch Ueberweisung laufender umfangreicher Anzeigenausträge. Ins Deutsche übersetzt: Hugenberg versucht, durch feine Annoncenexpedition Ala-Haasenstein u. Vogler- Daube den redaktionellen Teil zu kaufen. Auf diese Art beherrscht der Großbetrieb über die .Hälfte der deutschen Presse. Generalkommissär Dr. Zimmerman trifft heute auS Rotterdam hier ein und wird am 4. März mit Dr. v. R o st nach Genf reisen. Als Auftakt zur Session versammelt sich das ökonomische Komitee morgen in Oleuf. Zur Teilnahme an den Verhandlungen dieses Komitees ist Sektionschef Dr. Schüller gestern abends abgcreist. Das ökouoniische Komitee wird sich, wie anzunehmen ist, neuerlich mit den möglichen Mswirkungen des Bevichtes der Experten Rist und Layton über die Wirtschaftslage Oesterreichs beschäftigen. Sektionschef Doktor Schüller wird seinen Aufenthalt in Genf dazu benützen, um mit den Vertretern verschiedener Staaten handelspolitische Detailsragen zu erörtern und einen Gedankenaustausch über weitere Haudelsvertragsverhandl n ng en zu pflegen. klm Perfonalverlrrlutig für die Lehrerschaft. Der Rcichsaklionsausschuß der Lehrerschaft Oesterreichs, in welchem die LchreroMnisationen alter Richtungen vertreten sind, hat beschlossen, sowohl dem Unterrichtsmiilister Dr. Schneider, als auch dm Parteien des Nationalrates ein: Eingabe zu übermitteln, in der die Schaffung einer Personal Vertretung für die gesamte Lehrerschaft der Bundesrepublik verlangt wird. Zu diesem Behuse soll vom Natioualrat ein Rahmengesetz beschlossen worden, durch welches dann die vinzÄnen Bundesländer gezwungen würden, den Lehrern di'e Personalverttetung zu geben. SPEZIAL-WISSOTZKY-TEE IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII is* bereits NIEDERLAGE: ix.,Liechtenstein*!«*.«V «tanlaii.t HRIBUHSS,"ir2