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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-28 · Heft 2521 (28.2.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2521 (28.2.1926)
Date
1926-02-28
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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K Dauerstrümpfe hoben Weltruf m Elegant, mvemribtlkfi / Utberalt stMltllch Zentrale: LEO SUSSMANN Wien, 1. Bezirk, Schwerftfaue Nr. 1 Der Krieg gegen Locarno. —7. W t e rr. 38. Februar. w Drkmds Bekenntnis zu Locarno ist ein warmherziges Präludium zu den kommenden Genfer Verhandlungen. Die Rede klingt so als hätte der Minister danach gerungen, sich aus der Hysterie des Hasses und des Mißtrauens zu lösen und auf die einfache und schöne.Diktion der Erklärung der Menschenrechte zurückzugehen. Das einzelne Individuum trägt in einem Streitfall seine Sache vor den Richter. Auch für die Völler muß eine Stätte des Rechtes gebaut werden, der sie ihre Hoffnung und ihre Herzen zuwenden können. Diese Stätte soll der Völlerbund sein, in dessen Rat Deutschland nunmehr eintreten will. Briand, der Pazifist, der Mann, der nach Cannes wegen seiner FriedenÄiereitschaft von Poincare gestürzt worden war, hat sich in der Feuerhölle von Vertun zugeschworen, am Frieden zu arbeiten. Er glaubt an die Idee des Rechtes, übernationalen Schlichtung von schweren Differenzen und er will sich — in seiner Rede wenigstens — auf den Boden des Vertrauens stellen. Er erinnert sich und seine Hörer an Erzberger und Rathenau. Auch gegen sie habe sich in Frankreich Mißtrauen gezeigt und doch sind sie unLr Mörderhand gefallen. t Ist nicht diese Erinnerung geeignet, Skepsis zu wecken? Denn der politische Gedanke, dem Rathenau und E^berger sich opfern mußten, ist ins Hintertreffen geraten. Die beiden Attentate haben die Entwicklung nach rechts beschleunigt und Deutschland hat heute eine vom nationalistischen Satanismus beherrschte Reichstagsmajorität. Die Evolution von Versailles bis Locarno ist keine leichte Sache und man kann es billig bezweifeln, ob sie in Frankreich so rasch zur politischen Tatsache werden kann. Aber daß sich Deutschland noch nicht auf dieser Bahn befindet, ist evident. Es ist dies auch unmöglich, dank der systematischen Verhetzung und Vergiftung der deutschen OeffentliOeit durch eine raffiniert angelegte Preßorganisation des Nationalismus. Die Elemente, deren tägliches Brot die internattonale Judenpreffe ist und die von der jüdischen Herrschaft über das gedruckte Wort fabeln, haben sich einen Apparat geschaffen, der zu Politischem Zweck und nebenbei auch zu geschäftlichem nun schon seit der Vorkriegszeit läuft. Ueber die Hälfte der deutschen Presse bezieht von dieser Stelle — dem Hugenberg-Konzern—• ihre Nachrichten, über ein Drittel wird mit polittschen und wirtschaftlichen Reflexionen versorgt. Es ist eine große und nach erprobten Betriebserfahrungen eingerichtete Fabrik für Weltanschauung, in der die angeschlossenen Zeitungen je nach Bestellung mehr oder weniger nattonale Stimmung erhalten können. Diese Vorsorge erstreckt sich über alle Äebiete. Sie zieht ihre Nachrichten aus der ganzen Welt, färbt und frisiert sie um und leitet sie dann durch nicht weniger als 1600 Zeitungen, 57 Prozent des gesamten Bestandes, in das Publikum. Wie viele Journale dann im weiteren Verlauf ahnungslos sich des vorliegenden Materials bedienen, wieviel davon über die Grenze in fremdsprachiges Gebiet dringt, wieviel zur Unterlage für amtliche Statistiken und sogar bedeutsame Beschlüsse verävendet wird, das läßt sich wohl kaum kontrollieren. Die Unternehmer denken an alles und sie sorgen sogar für parteilose Organe, bei denen die Dosierung der gutdeutschen Weltanschauung wohl in geringeren Rationen erfolgt. , Man versteht die Schwankungen und die einzelnen Stadien der deutschen Politik von Wilhelm bis Luther viel besser, wenn man diese tägliche und stüMiche Beeinflussung bedenkt. Hier wird tatsächlich politische Willensbildung in unheimlichem Ausmaß betrieben. Auf diese Weise wird der Frieden sabotiert, werden alle Bemühungen, zu einem Ausgleich mit der Umwelt zu gelangen, entstellt oder verschwiegen, auf diese Weise wird aber insbesondere das anttjüdische Gift verbreitet. Von einer Stelle aus geschieht dies, in einer wohlbedachten Planmäßigkeit, im Sinne der Bestrebungen, die dann, in die Tat umgesetzt, zu den Attentaten und Fememorden führen. Die unsinnigsten Behauptungen, die im persönlichen Gespräch lächerlich wirken, bekommen eine ganz andere Fratze, wenn sie auf Zeitungspapier gedruckt stehen. Einer der Rathenau-Mrdä erklärte vor Gericht, er habe Rathenau gehaßt, well dieser die Schwester an den Bolschewiken Radek verheiratet habe. Der Inhalt der „Protokolle der Weisen von Zion" tropft auf diese Weift in die Massen, wird geglaubt und schließlich politisch ausgemünzt. Aus diesem Betrieb kommt unmerklich und bewußt die große Eskamotagc, die die Begriffe verwirrt und schließlich die Atmosphäre der Feindschaft gegen das deutsche Volk erzeugt, deren sich alle Weitersehenden kaum erwehren können. Der ganze Apparat wird morgen Briands große Friedensrede mit hämischen Glossen und in spöttischer Beleuchtung vorsetzen. In Paris hat die Kammer den öffentlichen Anschlag der Rede beschlossen. Millionen von Franzosen werden Briands Worte lesen, daß die Zivilisation Deutschlands und Frankreichs me mehr von Armeen in den Boden getrampelt werden darf. Der HugenbeH- Konzern wird fragen lassen, was wohl die Juden dafür cm Briaud bezahlt haben. MeMk MckeMME Unser Kolonisator. Artur Ruppin zum 60. Geburtstag. Von Dr. Arieh Tartakower (Lodz). Schwer fällt es heute, am 50. Geburtstage von Artur Ruppin, die Bedeutung dieser Persönlichftit abzuschätzen, die unstreitig zu den hervorragendsten und edelsten der modernen zionistischen Bewegung gehört. Schwer nicht nur deswegen, weil wir es mit einem Manne zu tim haben, der noch mitten drin im Schafft» und Kämpfen steht, der nach seiner eigenen Aussage sich nur deswegen von der Leitung des zionistischen KolorttsattonSwerkes in Palästina zurückgezogen hat, um sich ungestört der wissenschaftlichen Arbeit widmen zu können, und von dein wir daher noch Vieles, sehr Vieles erwarten, sondern auch desivegen, weil man, um Rnppins Persönlichkeit entsprechend würdigen zu können, so vielseitig sein müßte, wie es seine Tätigkeit ist. Man nmß Nationalökonom sein, um RnppinS Bedeutung sowohl für die allgemeine wie auch für die jüdische Wirtschaftskunde zu verstehen; man nmß genau die Geschichte der zionistischen Bewegung und Geschichte der zionistischen Theorie kennen, um RupPinS Bedeutung als Zionist zu würdigen; und man muß schließlich Kolonisattonsfachmann sein Und die Geschichte der zionistischen Kolonisation Palästinas genau durchskudieren, um zu verstehen, was er auf diesem Gebiete durch seine einzigartigen organisatorischen Fähigkeiten und sein tiefes Fachwissen geleistet hat. Nur eines kann man ohne weiteres verstehen, auch wenn man kein Fachmann auf irgend einem der genannten Gebiete ist, wenn man sich nur einigermaßen in der Geschichte der zionistischen Bewegmtg der letzten paar Jahre auskennt und wenn man auch nur eine bestünmte Dosis Verständnis hat für das edle und große Menschentum: Das ist eben Rnppins Bedeutung als Mens ch, als einer hohen und reinen, von edlem. Streben erfüllten Persönlichkeit, die hocherhaben über alle Anpöbelungen dasteht, deren Ziel er einmal, wenn auch nur seitens eines palästinensischen reaktionären Schmutzblattes gewesen ist. Und so wollen denn auch die weiteren Sätze keineswegs als eine volle Würdigung der Persönlichkeit Rnppins verstanden werden. Es handelt sich nur darum, das Markanteste in seiner Tätigkeit und seiner Bedeutung kurz zu- GRABEN-FRISBER-SALON Wien, I. Graben 12 / Telephon 74-2-26 Diese neueröffnete grösste und modernste Werkstätte für Haararhetten und Schönheitspflege arbeitet Perücken, Seheitel und Trantformationen, lür deren allererste Qualität der International. Meister Karl Schiroky jeder Dame persönlich haftet. 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Wenn wir von seinen wertvollen Jugendarbeiten absehen, so sind insbesondere seine Forschungen auf dem Gebiete der Wirtschaftskunde des vorderen Orients bahnbrechend geworden. Sein Werk über „Syrien als Wirtschaftsgebiet", ein Ergebnis langer und genauer Forschungen auf diesenl bisher ganz vernachlässigten Gebiete, hat sich in der deutschen volkswirtschaftlichen Literatur einen bleibenden Wert gesichert. Heute, wo diese Gebiete, von der jahrhundertelangen türkischen Mißwirtschaft befreit, einer raschen Entwicklung zustreben, wird das Werk Rnppins von einer doppelten Bedeutung. Es hat schon bisher zivei Auflagen erlebt und wird wohl noch auf lange Jahre hinairs belehrend und befruchtend auf diesen! Gebiete ivirken. Unendlich größer, wenn mich vielleicht weniger bekannt, ist Rnppins Bedeutung für die jüdische Nationalökonomie, in der ersten Reihe für die jüdische Statistik. Die Stattstik ist ja ein bis zum heutigen Tage in der jüdischen Wissenschaft wenig gepflegtes Gebiet und die sich daraus ergebenden Mängel fühlen wir' schmerzlich aus Schritt und Tritt. Wir sind eben viel zu großzügig, um uns mit derartigen Kleinigkeiten beschäftigen zu können, die überdies so viel schwere und undankbare Arbeit kosten und dann erst recht wenig beachtet werden. Und so wissen denn bis zum heutigen Tage nur sehr wenige davon, daß in den paar Jahren vor dem Ausbruch des Weltkrieges in Deutschland der Versuch gemacht worden ist, eine jüdische Statistik zu schafft«, ein großzügiger und im großen und ganzen gelungerter Versuch, dessen bedeutendstes Ergebnis, die Bände der „Blätter für jüdische Demographie und Stattstik", eine geradezu unerschöpfliche Quelle für den jüdischen Forscher bis zum heutigen Tage bilden. Zu den Gründern und Leitern dieser „Blätter" gehörte Ruppin seit dem ersten Augenblick und man muß nur die Bände durchgehen, unr feineu riesigen Anteil an diesem imposanten Denkmal jüdischen Fleißes rurd jüdischer Forschung zu ergründen. Es ist schon höchste Zeit, daß die jüdische Oeffentlichkeit über diese 'sr. ~ M. mi Seite der Tätigkeit Rnppins informiert wird, die esik klares Bild aus seine riesige Arbeitsamkeit und seine echs deutsche Gründlichkeit wirst. Rnppins Narne als zivnistffcher Theoretiker ift unzertrennlich mit seinem Staiidardtverk, den „Juden der Gegenwart", fein Name als zionistischer Praktiker ebenst unzertrennlich mit der ganzen jüdischen Kolonisation in Palästina verknüpft. Vielleicht wäre cs richtiger gewesen, von den „Juden der Gegenwart" dort zu sprechen, wo ich Rnppins Bedeutung als Statistiker zu würdigen versuchte, denn das Werk ist ja auch ein erstklassiges statistisches Werk. Ich erwähne es aber jetzt, bei der Betrachtung der zionistischen Tätigkeit Rnppins, tvetl dieses Werk ein integrales Glied in der Reihe der zionistischen Grundwerke bildet, dieser großen Dokumente menschlichen Strebens, die für die erste Periode der Geschichte des Zionismus charakteristisch sind und an denen sich die ganze zionistische junge Generattorr erzogen hat. Diese Generation weiß auch am besten, rvas für sie die „Inden der Gegenwart" bedeutet haben und bis zrim heutigen Tage bedeuten. Das Werk war ftir sie ein Elementarbuch der modernen jüdischen Volkskunde, ein Elementarbuch, in dem sie wieder und wieder zu blättern nie müde wurde. Und bis zum heutigen Tage hat das Werk, das schon vier Anflagerr erlebt hat, diese feine Bvdeuttrng gewahrt. Ich spüre wenigstens nicht, daß es etwas von seiner Aktualität und Popularität eingebüßt hätte. Die entscheidende Bedeutung Rnppins für die Geschichte der zionistischen Bewegung beginnt aber erst seit dem Augenblick, wo er im Dienste der Bewegung nach Palästina geht, um dort an Ort und Stelle die Leitung des zionistischen Kolonisationswerkes zrt übernehmen. Er ging ill einem Augenblick, wo es in Palästina, abgesehen von den paar schwer um ihre Existenz ringenden und auf nichtjüdischer Arbeit basierenden Kolonien gar nichts gab, zn einer Zeit, wo die Uebersiedlung für den einzelnen nicht nur das Aufgeben aller europäischen Bequemlichkeiten und Knlturrnittel bedeutete, sondern ihm nicht einmal die Hoffnung verschaffte, beinr Aufbau eitles neuen Lebens behilflich zu sein. Ruppin ging dorthin, um aus nichts ein zionistisches Kolvnisationswerk zu schaffen. Und er hat das Wunder vollzogen. Jrn Laufe Von tvenigen Jahren hat er rinter den schtverften Bedingungen im Kampfe mit der verlotterten türkischen Verwaltung und jüdischen Justiz, dank seinen wunderbaren organisatorischen Fähig-- keiten und seiner gründlichen Erkenntnis der realen volkswirtschaftlichen Bedingungen des Landes und der Eigen-- tümlichkeiten des Menschenmaterials, das er als Siedlev zur Verfügung hatte, ein Netz von Siedlungen ausgebaut, das seinesgleichen in der sozialen Geschichte der Menschheit vergeblich sucht und das ihru in der Geschichte des Landes einen bleibenden Platz als dem Kolonisator par ex-- cellence sichert. Ich will damit nicht behaupten, daß es einzig und allein das Verdienst Rrrppins ist, daß dieses Siedlnngswerk entstanden ist. Er hat ganz , gewiß viele und treue Mithelfer und Mitkämpfer gefunden, in erster Reihe zwischen der jüdischen Arbeiterschaft, mit der er seit dem ersten Augenblick auf die harmonischeste Weise zusammenzuarbeiten wußte. Aber die Leitung der ganzen Arbeit, die Ausarbeitung der Kolonisatiouspläne und deren theoretische Begründung (es seien neben der Langen Reihe der in den verschiedensten Zeitschriften zerstreuten bedeutenden wissenschaftlichen Aussätze bloß die Werke: „Der Aufbau des Landes Israel" und „Die landwirtschaftliche .Kolonisation der Ziorttsttschen Organisation in Palästina" genannt,) sowie die Verantwortung für deren Durchführung lag immer ganz in seinen Händen. Und er hat diese Aufgabe auf eine glänzende Weift zu lösen gewußt. Und werin wir nun schorr dabei sind, ft sei noch eine Seite in-Rnppins Tätigkeit und Einstellung erwähnt, die rnehr wie jede andere geeignet ist, ein klares Bild ans seinen Charakter zu werfen: sein Verhältnis zu der jüdi-- schen Arbeiterschaft. ES war Wohl ein seltenes Glück für die zionistische Kolonisation Palästinas, daß fast gerade zu derselben Zeit, wo die Einwanderung ins Land dieser von reinstern Idealismus erfüllten Merischen und ihr schtverer Kampf um die Eroberung der Arbeit im Lande begann, auch Ruppirt die Leitung des Kolonisattonswerkes übernahm. Vom ersten Augenblick an hatte er das ttefste LKrrstündnis für die nationalen und sozialen Strebungen dieser Menschen und tat sein möglichstes, unr ihnen die Erreichung ihrer Ziele zu ermöglichen. Sein Verhältnis zu der Arbeiterschaft ist bis zum heutigen Tage unverändert geblieben, und als in den letzten Jahren die (leider rricht immer vom guten Willen diktierte) Kampagne gegen die Arbeiterkolonisation als solche oder gegen bestimmte Formen dieser Kolonisation emsetztc, war er irmrrer unter ihren wärmsten und entschiedensten Verteidigern zrr finden. Und die jüdische Arbeiterschaft konnte wohl kaum je einen rnehr beruferien und glücklicheren Verteidiger finden als Ruppin. Seine von absoluter Objektivität und tiefer Sachkenntnis getragenen Ausführungen können cs nie verfehlen, auch auf die verblendetsten Gegner eiiren Einfluß auszuüben. So bedeutet denn auch sein Auftreterl auf derr zionistischen Kongressen imnrer ein Ereignis in ihrer Geschichte. Ties und sachlich, himmelweit entfernt von jeder Demagogie und jeder Phrase, wußte er bis zum heutigen Tag irrnrrer in die aufgeregte Stirmnung der nicht selten vorr leidenschaftlichen Parteikämpftn ausgefittlten Kortgresse, den Torr den Strebens zur klaren, objektiven Erkenntnis und zu einem klaren sachlichen Programm hereinzubringen. Urrd blättert rrran die Protokolle der Kongresse durch, so spürt man immer garrz genau die wohltuende Wirkung, die sein Auftreten Hervorrufen mußte, und die große erzieherische Bedeutung dieses

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