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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-27 · Heft 2520 (27.2.1926) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2520 (27.2.1926)
Date
1926-02-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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SSfTeHe* MsramMk««- ^17. Muar VM - »tos Nr. AS» ■; W-n. LEA«!,_ Sie FranKMschekMre. FoMetzung der Debatte in -er 9Uth>**+rversmnmlung. Budapest, 26. Februar. In der heutigen Sitzung der Aationavrersammlüng führte der Referent des Minderheitsberichtes, der Abgeordnete der KossuH-Partei Paul Hegy- Znegyr-Kiß, aus, daß auch mehrere Mitglieder der Einheitspartei im parlamentarischen Untersuchungsausschuß die Wahrheit der Bchmptungen der Mir dMit anerkannt Wen. Er verwies auf die wachsende Bewegung, die die Frankenaffäre um jeden Preis vertuschen möchte. Eine Vertuschung der Frankenaffäre wäre jedoch ein noch größerer Skandal als die Affäre selbst. ' ' , i ' Die Regierung hat, entgegen allen ihren ursprünglichen Versprechungen, alle Beweisanträge der Minderheit abge Ich n t, so unter anderem die Einvernahme des (Generaldirektors der Postsparkasse Baroß. Auch der Sekretär des Erzherzogs Albrecht, Johann Mayer, konnte nicht vorgeladen werden, Mvchl Mayer über die. Beziehungen des Obersten Jankovich zu Erzherzog Albrecht 'zweifellos grundlegende Aussagen hätte aügeben können. Der Bericht des Abgeordneten Hcgymegyi-Kiß kommt zur Schlußfolgerung, daß die Negierung ihren Platz verlassen müsse, ia sie sich unsä h i g erwiesen hat, die politischen Motive und Hintergründe der F r a n k L n s ä l s ch u n g s a k t i o n auszuklären. Die Fraukendebatte nnmnt morgen ihren Fortgang. Zum Schluß der heutigen Sitzung brachte Finauzmiuister B u d die Budgeivorlage für 1926-27 ein. Polizeiliche (Hinvernahmen. Die Polizei hat heute den Grafen Emmerich Karolyi und den Grafen Paul Tclek: scwie den Generaldirektor der Budapester Vaterländischen Sparkasse, Karl E r n e y, einveruommen. Wie verlautet, hat Graf Karolyi, der in Anwesenheit der französischen P o l i z e i b e a mten einvernommen wurde, Aufklärungen über die in seinen: fbekannten offenen Schreiben gemachten Anspielungen gegeben. Die Einvernahme E r n e y s und des Grafen Paul T e l e k i, der Direktionsmitglied der genannten Sparkasse ist, soll damit Zusammenhängen, daß die bei der Tüzhelybank lombardierten 150 Stück Tausenfrankeunoten von dieser Bank an die Pester Vaterländische Sparkasse dum Llmbard weitergegeben wurden. Die Vaterländische Sparkasse habe die Frankennoten ohne werteres lombardiert, da damals von Frankenfälschungen noch nichts bekannt war. Graf Telcki habe in dieser Angelegenheit niemals interveniert. Vannay in „häusliche Pflege" üücvgcben. Der ziveite Attentäter gegen den Abg. .Ba zf o n hi, Ladislaus Van nah, wurde heute nachmittags aus dem Gefängnis der Staatsanwaltschaft entlassen und seinen Verwandten in „h ä u s l i ch e Pflege" übergeben. Bannay befand sich bekanntlich eine Zeitlang unter gerichtsärztlicher Beobachtung. Auch Schultzc soll de r Weg zur Frei heil eröffnet werden. Berlin, 26. Februar. Gegen den in die ungarische Frankensäbschungsangclcgenheit verwickelten und seit einiger Zeit in Berlin in Untersuchungshaft befindlichen früheren Angestellten Schnitze ist die Voruntersuchung eröffnet worben. Nach einer Lokalkorre-spondcnz machte Schültze bei seiner Einvernahme einen derartig Verworrenelt Eindruck, daß er zur Beobachtung feirles G e i -st e s z u ft a »des in ein Lazarett überführ: wurde. Leichte Ermüdbarkeit \ des Kopfes, vorzeitige Erlahmung der Spannkraft n. dergl. deutet^auf schwache Nerveil (Neurasthenie). Wer feine Nerven mit Sanatogen kräftigt, wird nicht nur des Tages Mühe leichter überwinden, sondern nach beendeter Arbeit auch noch Kraft zu frohem Genuß haben. r 9 i ist Nervennahrnng, kein Reizmittel l In mehr als 24.000 schriftlichen Gutachten namhafter Aerzte wird seine Zuverlässigkeit und nachhaltige Wirkung bezeugt. So schreibt Herr Sanitätsrat Dr. med. Eckstein in Leipzig: „Seit Jahre,: habe ich Sanatogen in meiner Praxis verordnet und habe besonders ttt der Rekonvaleszenz nach schweren Krankheiten und in Fällen von Blutarmut und geistiger Ermüdung und Abspannung sehr gute Resultate gesehen. Es ist ein Nervenkräftigungsmittel allerersten Ranges, das durch kein anderes . Präparat ersetzt wird." Jeder kann sofort einen Versuch mit Sanatogen machen, da es schon in Packungen von 8 2.65 an in allen Apotheken und Drogerien zu haben ist. Probe und aufklärende Broschüre „Wegweiser zu Gesundheit und Lebensfreude" erhalten Sie auf Wunsch kostenlos durch die Sanatogenwerke Bauer Ä Eie., Berlin SW. 48. Sie FmnkenaffSre und der Rumerur clausus vor dem Völkerbund. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Genf, 26. Februar. Die verschiedenen Ausschüsse der Union der Völker b n ndlige n werden an: 5. Mär; ihre Beratungen eröffnen. Dem' Präsidium der Union liegt in Form eines Antrages ein Ersuchen der französischen Bölkcrbundliga vor, in welchem verlangt wird, daß das Präsidium der Union der Völkerbund!igen die erforderlichen Schritte unternehme, damit die Angelegenheit der n,lgarischcn Frankenfälscher auf die Tagesordnung der M ä r z s e s s i o n des Völkerbundes gelange. AuS Budapest liegt die Meldungvor, daß der Vertreter der ungarischen Vöüker'bundliga, Georg L n k a c s, beauftragt sei, den Gegenantrag zu stellen, daß diese Frage nicht auf die Tagesordnung des Völlerbundes gelange. | WerbetAbounentensür die I 1 „Wiener Morgenzertnng" 1 Die ungarische Liga führt für diesen ihren Standpunkt eines» sits politische Gründe, andererseits auch formale Gründe an* weil es nach Auffassung der Ungarn nicht i» den Wirkung^ kreis des PrLffdiums her Union gehöre, sich M solchen F»W zu besaffen. . '■' In der Sitzung des Ausschusses für Miuöer^ heitSrechte der Union wird die Frage des NumernS clausus zur Erörterung gelangen. Das Generalsekretariat des Völkerbundes wird nämlich über die vor dem Völkerbund bisher abgeführten Beratungen in der Frage des Numerus clausus Bericht erstatten und der Minderheitsaüsschuß der Union will zu dieser Angelegenheit neuerlich Stellung nehmen. In dem Ausschuß für Angelegenheiten der He imats losen werden die Fragen der Staatsbürgerschaft in den Nachfolgestaaten der alten Donaumonarchie zur Sprache, gelangen. Diese Frage wird von ungarischer Seite urgiert werden. Zwischen den Staaten der geivesenen Monarchie und Ungarn ist bereits im Jahre 1922 eine Vereinbarung zustande gekommen, wonach in strittigen Staatszngehörigkeitssraacn ein Schiedsgericht zu cmscheiden habe. Dieses Abkomme» ist bisher nicht ratifiziert tvordcn und deshalb will der Vertreter Ungarns die ettdliche Ratifizierung dieses Abkommens durch einen Beschluß der Union beschleunigen lassen. ' _ Set Kampf um den BSlkerbundrat. England und dev polnische Rais sitz. London, 26. Februar. (Tel.-Komp.) Das britische Kabinett beschäftigte sich heute, wie der „Star" lbeuichtet, mit der Haltung, die der englische Außenminister Chamberlain in Genf in der Angelegenheit des polnischen Sitzes im Völkerbundrat ein nehmen soll. Eine Einigmwg ist nicht zustande gekommen. Das Kabinett beschloß, vor der Abreise Ehamberlains und Lord Cecils nach GM noch einnW zusammenzutreten. Die spanische Forderung. Madrid, 26. Februar. Außenminister SjanguaS erklärte in fernem Interview mit dem Blatte „Nation", Spanien könne nicht z u l a s s e n, daß sein Verlangen betreffend Zuweisung eines ständigen Ratssitzes ans einen späteren Zeitpunkt hinausgeschoben werde. Die fpanische Regierung sei entschlossen, beim Völkerbund offizielle Schritte zu unternehmen, damit die KandidaturSpaniens, die bereits tm Jahre 1922 aufgestellt worden sei, bei Besprechung der Erweiterung des Völkerbundrates zur Verhandlung gelange. Die Schweiz und Belgien. Paris, 26. Februar. Wie das ,/Journal des Dcibats^ aus Gens erführt, habe die Schweizer R e g i e r u n g beschlossen, gegen die Erweiterung des VMrbundrates Stellung zu nehmen. Das Matt berichtet weitcirs aus Brüssel: Während die Regierungskreise über diese Frage vollständiges Stillschweigen bewahren, mache sich in der öffentlichen Meinung Belgiens lebhafte Unruhe bemerkbar. Es werde die Befürchtung ausgesprochen, daß die Stellung Belgiens im Völkerbund durch eine Erweiterung des Rates leiden würde. Der polnisch-lilnuische Konflikt. Bern, 26. Februar. (Schw. Dep.-Ag.) Dem Völler» bnndsekretariat sind die Mitteilungen der Polnischen und der litauischen Regierungen über den Grenzikonflikt zugegangen. Litauen ruft die Intervention des Bundes an. Voraussichtlich gelang: der Konflikt nicht vor den Rat, sondern wird durch den Rats Präsidenten telegraphisch zwischen den beiden Regierungen geregelt werdest. Besuch im Wiener jüdischen Gemeindearchiv. Bon Dr. Leopold.Thaler. Wen,: man die Rannte des Archivs der Wiener KitUnsgemeittöc betritt, hat man ein eigentümliches Gefühl. Beim Eintritt empfängt noch der Hanch toter Geschichte, vergilbte Akten starren den lebendigen Ruhestörer an und der Stand der Jahrhunderte gemahnt an die Ewigkeit der Langweile, die sich schließlich doch um alle gegenwartsfremde Historie rankt. Wenn aber dann einzelne Akten, Dokumente, Abschriften hervorgeholt und itt langsamer, mühsamer Arbeit entziffert werdet», belebt sich das Bild, die Empfindung verknöcherter Bücherwürmerei loeicht dent Bewußtsein, authetltische Vergangenheit erkennet: zu dürfen, und das Gefühl für lebendige, g e g e n w a r t s w i r k e n v e Geschichte überwindet die ursprüngliche melancholische Friodhofsstimmnng. Dü Menschen von dazumal treten hier viel mehr als bei der Lektüre einer erzählenden Geschichte mit der ganzeil Wucht ihrer Perünlichkeit ans, ihre Allsichten, Konflikte, Schicksale werden lebendig, sozusagen durch „dokumentarischeil Beweis", drlrch aktermtäßige Darstellung. Mit den Kanzleiaktelt ist es näntlich so: lieber lebendige Menschen sagen sie nur sehr ivenig aus (sie köititen ihnen aber sehr unangenchm werden), von Toten, längst. Begrabenett wissen sie dagegen viel zu erzählen und Knuten sie manchmal zum Leben erwecken. Die Vevdeutlicher entschwundener Zeiteir. 4- Die Gründung des Wetter jüdischell Genteütdearchios reich: dis ins Jahr 1816 zurück. Mit kaiserlicher Entschließung vont 17. Juni 1792 lvurde der Wiener Judenschast gestattet, aus der Mitte der Tolerierten Bevollmächtigte zn wählen, die sogeltanntelt Vertreter. Die behördlichen Erlässe, die au diese Vertreter gelangt sind, standen nun sehr oft mit spätere»! in krassem Widerspruch, ja sie wurden, weml diese späteren Begünstigungen enthielten, glatt geleugnet. Aus diesem Grunde wurde in der Sitzung pom 80. Juni 1816 von den Vertretern und den Repräsentanten der folgende Beschliiß gefaßt: „Der Aktuar ist zil veranlassen, alle Aktenstücke, die irr Angelegenheitcn der hiesigen Jsraeliteit crgallgen sind, znsaitmtettzulegen, unt sie zu einem gewissclr Gebrattche zu verwendet!." Als Aktuar fungierte dantals Markus Ster n. Es wltrde ein Schrank angeschafft und ein Zimmer tm „Dänlpsinger-Hofe", an dessen Stelle in den Jahren 1824 und 1825 das derzeitige Geillei'ildchaus erbaut wurde, diesem Zwecke zugewieselt. Es scheint aber, daß die Ausführung dieses Auftrages verzögert wurde, detln in der Bertretersitznng voni 31. Oktober 1827 wurde neiter'lich beschlossen: „Dmt Aktuar Bei 1H wird anfgetragen. in dem zweiten Schulzimmer dcs genteinschaftlichell Hauses dir. 494 einen Schrank zur Uiltorbringung der Registratur, worin alle Dekrete, Zusteillungeii und Korrospondenzgegenstände sowie die Berichte, Aeußerllngen, Gesuche und andere schriftlrcheit Ausfertigungen der Vertreter, dann die Recynullgell über die gemeinschaftlichell Kassen der hiesigen Israeli teil ailfbvwahrt, darüber förmliche Register geführt und dieser Gügenstand in den gehörigen Stand versetzt werden soll. Diese Registratur, respektive das gemeinschaftliche Archiv bleibt »inter Aussicht des Aktuars, der für die stete Ordnung lind Evidenzhaltimg aller vochandeneit und später einlaufeltde Urkullden usw. zu haftcil hat." ' Der Charakter eines Archivs wird aus diesem Beschluß noch nicht ganz ersichtlich, und erst der tüchtige Dr. Ludwig August Frankl hat in den Jahren 1840 utld 1841 die erste Sichtutvg des vorhandenen Materials (es waren damals zirka 4000 Aktenstücke) vorgenommeil uttb im Jahre 1848 eine zweckdieilliche Wohnulig im Gemeindchause erwirkt. Seither führt auch die Gentein- Leregistratur den Namen „Archiv". Es wurde zn Beginn unse-es Jahrhunderts eine Instruktion unrer Mitwirkung von Fachmännern herauSgegebeu, die geeignet gewesen wäre, das Archiv in bezug auf die Ausgeftalluiig, systelitatische Bearbeitung, leichte Ueöersicht, Zugättglichkeit und Beltützbarkeit beit größten und besten öffentliche»» Instituteil dieser Art Zleichzustellen, Diese Instruktion wurde aber leider nur zunt kleinsten Teile crWt, das meiste versäumt, so daß itoch im Jahre 1918 der bekannte Historiker Professor A. F. Pribram in dem Vorwort zu seinem Werk: „Urkunden und Akten zur Geschichte der Juden in Wien", sich über die Vernachlässigung, tvissenschasttiche und räumliche Unzulänglichkeit des jüdischctt Gememdearchivs bitter beklagen konnte. Jetzt scheint eitle Wendung zum Besserrt sich vorzubereiten. Der sreuMiche und sachkundige Archivar Herr Saul Chajes gibt sich alle MA)e, in das nnffangreiche, aber leider bis vor kmzem«vernachlässigte Material Ordnung zu bringelk. Durch zweckmäßige RÄgistrierultgsarbeiteu soll zmtächst das Material gesichtet und erfaßbar gemacht, darut an eine weitere Bearbeitung, Katalogisierung und eventuell auch Ausgestaltung geschritten werden. Dazu müßte man aber dem fleißigen Archivar, der zugleich auch Kustos der Gemeindvbibliolhek ist, Hilfskräfte zur Verfiigung stellen und die Rätrme renoviereil lassen. * Das Archiv enthält Dokumente und Aktenstücke von großer historischer Bedeutung. Alls dem 17. Jahchnnöert sind bis jetzt 16, aus dem 18. Jahrhundert 87 Aktenstücke gesunden worden. Bezeichnend für die zeitweilige Vernachlässigung des Archivs ist die Feststellung des Aktuars Frankl in seinem Buch: „Zur Geschichte der Juden in Wie»»", 2. Auflage, zweite Abteiluttg: „Der Tempelhof nt Wien", daß aus dem 17. Jahrhundert 19 Akte und aus dem 18. Jahrhundert nur ein Akt vorhanden ist. Das 17. Jahrhundert ist also jetzt um drei Akte, die noch ausgsfunden werden . muffen, ärmer geworden, wogegen der Aktenftand des 18. Jahrhunderts <ine starke Bereicherung erfahren hat. Das älteste Aktenstück stammt aus dent Jahre 1626 und ist ein „Vertrag zwischen denett Inden, und dem allhiesigen Burger Spitatt vorderist aber Gemainen Stadt wegen der Heusser im linderen Werch". Der Aveite trägt das Datum: 2. Juny 1638 und den Atel: „Die Judett werden der Jurisdiction des Magistrats unterworfen". Der dritte und vierte Akt behandelt eilte „Entscheiduttg itt Betreff der Jurisdiction der Jtlden" (2. Juny. und 80. Juny 1638). Born Jahre 1641 findet man eine „Eintrg-

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