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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-27 · Heft 2520 (27.2.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2520 (27.2.1926)
Date
1926-02-27
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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/» Ctlkl W«n, SamKag m HOTEI-Ü^-RESTAURANT GUTH II., Hollandstrasse Nr. 14 VORNEHMES RESTAURANT MIT ERSTKLASSIGER KOCHE MENU ZU S 1.80 UND 8 2.90 Uabernahma von Diners und Soupers ln und ausser Haus Jeden Samstag mnd Sonntag Semper dansant / Jeden Sonntag FttnJ-Vhr-Tee mit Tana Zum Besuch ladet *“08. ein J. QU TH, Besitzer Seine Fiiden. -7. Wien. 27. Februar. ‘ Die Nervosität der Völlerbundkreise ist im Wachsen. Je naher der Termin der Märzsession rückt, um so häufiger werden die Reisen und Reden. Kaum mehr eine Woche ist Frist, die durch das Eintrittsgesuch Deutschlands hervorgerufenen Komplikationen wenigstens notdürftig in ein Beratungsprogramm zu fassen. Die Tagesordnung, die bisher vereinbart wurde, bezieht sich lediglich auf die Session des Rates und sieht also noch nicht die deutsche Angelegenheit vor, für welche die Plenarversammlung zuständig ist. Trotzdem beherrscht diese Frage die Diskussion und sie ist nicht danach angetan, einen gedeihlichen Verlauf der kommenden Beratung zu sichern. Die Moffulfmge steht zunächst zur Erörterung und in ihr drängen sich die neuen und doch so alten Orientfragen wieder einmal zusamnken. Das französisch-türkische Abkommen hat in England arge Verstimmung ausgelöst, die sich in bitteren Reflexionen über das Thema der gleichgerichteten Interessen bekundet. Chamberlains Rede in Birmingham, in der er. ein Eingehen auf Frankreichs Vorschläge bezüglich der neuen Ratsstellen signalisierte, hat heftige Proteste zur Folge gehabt, obzwar doch deutlich zu erkennen war, daß er auf der Suche nach Kompensationen für Mossul begriffen ist. Die englische Oeffentlichkeit sieht nicht mit Unrecht hinter der so plötzlich aufgetauchten Schwierigkeit die Fäden, die nach Rom führen. Die vatikanische Politik hat sehr geschickt und wirkungsvoll den Zeitpunkt wahrgenommen, dem protestantischen England sich in Erinnerung zu bringen, dem ihr Groll in ganz besonderer Intensität gilt, seit England die Balfour-Deklaration erlassen und den politischen Anspruch der Judenheit auf die nationale Heimstätte in Palästina die öffentlich-rechtliche Form des Mandats- Vertrages gesichert hat. Es ist natürlich nicht diese Frage allein, um die sich die Kurie müht, und es ist auch nicht diese Seite der jüdischen Frage allein, der ihre Sorge gewidmet ist. Der Batistm verfügt über ein sorgsam ausgebautes diplomatisches System und er besitzt in seiner kirchlichen Organisation eine auf der ganzen Welt einheitlich und planmäßig arbeitende Maschinerie. Es entgeht ihm keine schwache Stelle, von der aus er seine Ideen fördern kann, und ein wunder Punkt dieser Art ist der Zionismus und seine durch das Mandat bedingte Bindung an England. Da die Staaten des Völkerbundes das Mandat unterfertigt haben, kann die jüdische Position und damit auch die Engbands nur von der Seite des Völkerbundes her angegangen werden. Der Vatikan ist in dieser Institution nicht vertreten, noch nicht vertreten, und so schiebt er die katholischen Staaten vor. Sein Interesse läuft auf dieser Strecke mit dem Frankreichs parallel, das argwöhnisch und mißtrauisch seine zukünftige Stellung zu Deutschland prüft und auf Sicherungen bedacht ist. Ist einmal der katholische Einfluß durch so und so viele Stimmen verankert, dann kann die Einkreisung Englands und der Abbau des Judenmandates versucht werden. Das ist die Situation, wie sie sich jetzt für den Zionismus darstellt. Daß sich England wehren wild, darüber kann man beruhigt sein. Aber es darf doch keinen Augenblick irgendwo in der Welt die Meinung entstehen, als wäre vielleicht unter gewissen Umständen das Palästina- Mandat ein brauchbares Kompensationsobjekt. Es ist eine eminent jüdische Frage, die da aus dem diplomatischen Claire obscure langsam hervorkommt, und sie kann nicht mit eitler Selbstzufriedenheit weggetäuscht werden. Es ist härteste und unbeugsame Entschlossenheit notwendig, um das ganze Judentum auf den Plan zu rufen. Die Zionistische Organisation, die allein die politischen Gruicklagen zu dem Palästinawerk geschaffen hat, muß auf der ganzen Welt, in jedem Knotenpunkt der internationalen Politik, ihre Aufklärungsarbeit leisten. Alle Zionisten, denen der Palästinagedanke mehr ist als Kolonisation, sondern die Zukunft der Nation, erkennen die politische Bedeutung der Vorgänge dieser Tage und sie müssen dafür sorgen, daß der zionistische Gedanke zu Blut und Fleisch dem ganzen Judentum wird. Sie müssen die Zionistische Organisation stärken. Das ist heute die dringendste Notwendigkeit. Was wir in Palästina geschaffen haben, würde wie Schnee in der Sonne zerfließen, wenn die im Mandat erreichte politische Sichemng — die gewiß noch kein Jchealzustand ist — angetastet würde oder wenn sich die Zionistische Organisation gezwungen sehen würde, auf wohlwollende Kompromißvorschläge einzugehen. Diese Ueberzeugung muß der geistige Besitz der ganzen Judenheit werden. Nur eine starke Zionistische Organisation Kunn die Schlagkraft aufbringen und es verhindern, daß aus einem jüdischen politischen Besitz ein Handelsobjeit werbe. Aus feinen FA>en kann sehr leicht ein Netz werden, das uns über den Kops geworfen wird und das mit dem gelben Fleck geziert K Me«er Morstenzettuns 87. Februar 1926 Nr. S8D Die Resolutionen der Wischen Rational Versammlung. Die rnt«0kt der palüftiaenfischea Regierung. F-riisalmi, 28. F-brmir. (I. T. 5t.) ®ic schon kurz mitgeteitt (siclhe ,,Wiener Morgenzeitung" vom 16. d.), hat di« Regierung Palästinas auf das Memorandum der zweiten jüdischen Nationalve rsammlung Palästinas (Ä s s efath Haniwcharim), das durch den Präsidenten des Waa>d Leumi Herrn David Aellin und Dr. I. Thon dem Obersekretär Kolo-nel SYmes überreicht worden ist, eine schriftliche Antwort erteilt. Bezüglich der im Memorandum aufgeworfenen Frage betreffend das Recht der Wüschen BevöVemng des Landes, daß ein entsprechender Teil de§ RegierungÄbudgets für Erziehung, Gesundheitswesen usiv. fiir die Bedürfnisse der Juden Vettvendet werde, erwiderte die Regierung, daß sie wohl ihre Zuschüsse für daS hebräische Schuüivetsen zu erhöhen beabsichtigt, dies aber unter der Voraussetzung, daß das hebräische Schulwesen unter Kontrolle der RegienmKorgane gestellt iverde. Aus die Frage wegen proportioneller Beschäftigung jüdischer Arbeiter bei öffentlichen Arbeiten und deren entsprechende Entlohnung nach Fachavbeitertarif ist zu erwidern, daß bei der Durchführung öffentlicher Arbeiten kein Unterschied in Raffe, Glaubensbekenntnis und Entlohnung gemacht wird. Die Regierung verspricht aber, in dieser Beziehung weiter entgegenzukommen. Betreffs der Forderung nach einem gesetzgeberischen Schutz der arbeitenden Männer, Frauen und Kinder sieht die Regierung die Notwendigkeit einer solchen Gesetzgebung ein; ein entsprechender Gesetzentwurf wird gegenwärtig vom britischen Koloniakaint erwogen. Eine st ä n d i g e Kommission wurde eingesetzt, die Unterlagen zu sammeln und Vorschläge zu machen hat. Diese Kommission wird demnächst mit der allgemeinen jüdischen Arbeiterkonföderation (Histadruth) sowie mit anderen Organisationen in Verbindung treten. Die Forderungen bezüglich einer Steuererleichterung beantwortet die Regierung dahin, d-H sie wohl für die Opposition gegen das gegenwärtige System des Zehent Verständnis hat; der Ze'hent wird durch eine erträglichere Grundsteuer ersetzt werden, ebenso wird bei der Steuerermäßigung überhaupt auf die Interessen der Industrie und der Landwirtschaft Beacht genommen werden. Die Regierung geht daran, eine Reform des. gesamten S te ue rsy st c m s ' durchzuführen. Demnächst. wird Sir Ern eff Dowson in Jerusalem e intreffen und die Regierung in der Durchführung des Nesormpl-.'ues unterstützen. Die Negierung wird sich insbesondere die Förderung jener Industrien, die besonders in Palästina entwickelt werden können, angelegen sein lassen. Aus die Forderung nach Bereitstellung von Oed- und Staalsland zu Zwecken einer dichten jüdilschen Kolonisation laut der Bestimmung des Mandates erwidert die Regierung: Die Regierung ist Wohl laut Mandat verpflichtet, di e jüdische Kolonisation nach d i e s e r R i ch t u n g zu f ö r d e rn, über insoweit dies dem Recht und der Billigkeit entspricht. Me Regierung regt landwirtschaftliche Reformen an und fördert die Intensivierung der Landwirtschaft im ganM Laude.; 1 ■' Was die Forderung nach Einstellung von Juden im Z ivilunim öffentlichen S i che rhe its di e n st in entsprechendem Verhältnis, sowie Schaffung von Bedingungen, die eine solche Einstellung ermöglichen, betrifft, so weist die Regierung auf ihre Beantwortung der Frage betreffend die Proportionelle .Beschäftigung jüdischer Arbeiter bei öffentlichen Arbeiten hin. Die Forderung nach Aufh'chung der Beschränkungen für Wische Einwanderung und U e v e r g a b e d e r Aufsicht über die Einwanderung an die Iewishi Agency beantwortet die Regierung dahin, daß sie nicht die Absicht hat, die gegenwärtige Ordnung bezüglich der Einüvanderungs» kontrolle abzuschaffen; sie erklärt aber, daß sie in ihrer Kontrolle über die Einwanderung keineswegs die diesbezüglichen jüdischen Forderungen außer acht läßt. “ Was die Forderungen nach voiler Gleichhere-n^Gtng d'c hebräischen Sprache in den Regierungs- und Stadtämtern, nach Erleichterung der Einbürgerungsformalitäten für Wilsche Landesbewohner laut Mandatsbestimmuug, nach Gleichberechtigung der jüdischen Frauen im zivilen, politischen und ökonomischen Leben durch ein entsprechendes Landesgesetz betreffen, so ist daraus zu erwidern: diese Postulat« werden im Einklang mit den finanziellen und den anderen Verhältnissen des Landes durchgesührt werden. Der palästinensische Order in Council bezüglich der Einbürgerung ist bereits veröffentlicht und kann, tvenn die Praxis es erforderlich machen sollte, geändert werden. Die Fragen bezüglich Autonomie des jüdischen Schulwesens und die Rechte der jüdischen Arbeit bei Vergebung öffentlicher Arbeiten sind durch die Beantwortung der Fragen 1 und 2 erledigt. Bezüglich der Eisenbahn- und Zolltarife teilt die Regierung mit, daß die Transportsätze im Vergleich zu denen in anderen Ländern nicht als übermäßig hoch anzuseihen sind. Doch verspricht die Regierung, der Aw gelegenheit ihre Aufmerksamkeit zu widmen. Plumers Fnlveltionei». (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Jerusalem, 26. Februar. Loch P l u m e r weilte letztens in Mikwe JsrrÄ als Gast der dortigen Kolonie und benutzte die Gelegenheit seines Aufenthaltes, um den ersten Weinst o ck zu pflanzen. Anläßlich seines Aufenthaltes bereiteten ihm die jüdischen Kolonisten große Ovationen. Auf der Rückreise besuchte der Obeivkommissär T el- Awiw, bei welcher Gelegenheit er einige Stunden dem Unterricht im hebräischen Gymnasium, beiwohnte. -: y - - Die Wasserversorgung Jerusalem» gefichert. Jerusalem, 26. Februar. (I. T. A.) Mr. Percyi W e st a c o t t, der Geschäftsführer der großen Londoner Ingenieurfirma Sir John Jackson Ltd., weilt gegenwärtig . in Jerusalem, um die Möglichkeiten der Versorgung Jerusalems mit Wasser, L i ch t u n d Kraft zu prüfen. Tie genannte Firma hat von dem Konzessionsinhaber M a w r o m a t i s eine Subkonzession für diese Unternehmungen erhalten. In einem Gespräch mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Ageutur sagte Mr. Westacott, er sei mit einem ganzen Stab hervorragender Ingenieure nach Jerusalem gekommen. Die Vorarbeiten werden mit aller Beschleunigung durchgeführt. Sämtliche für die Wasserversorgung Jerusalems in Betracht kommenden Quellen wurden geprüft und man kann sagen, daß dieses Problem in positivem Sinne gelöst werden wird. Bis zur Durchfüh- ' rung der großen Wasserversorgungsanlagen wird eine vorläufige Wasserversorgung aus dem 10 Kilometer von Jerusalem entfernten 33mtunen, „Aiu Farah" stattsinden. Dies wird bestimmt noch vor dem 1. August d. I. geschehen. Jerusalem wird im August etwa 200.000 Gallonen Masse'' täglich ans „Ain Farah" erhalten. Stanislaus Grabski über die jüdischpolnische Verständigung. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Warschau, 26. Februar. Angesichts der Krise im jüdischen Klub veröffentlicht, her „Nowy Kurjer Polski" ein Jnterv'ew mit dem Unterrichtsminister Dr. Grabski über die polnischjüdische Verständigungspolitik. Er erklärte, daß er sich wundern muffe, wie der Klub gegenwärtig die Absicht haben kann, in Opposition zu treten, wo doch die Regierung eine größere Anzahl der Wischen Forderungen erfüllt Hai. So wurde die Verordnung des Staatspräsidenten über die Organisation der jüdischen Gemeinden auf die Ostgebiete ausgedehnt, die Sprachen frage in der Warschauer Gemeinde zugunsten der Juden gelöst, der Unterricht in den jüdischen Lehrgegenständen an den öffentlichen Schulen, die von Juden besucht werden, durch besondere Verordnung zugelassen, das KriegSmini st erium hat den jüdischen Soldaten die rituelle Verpflegung zugesichert. Die Zulassung der jüdischen Sprache als Prüfungssprache am Lehrerseminar in Wilna würde ohne weiteres bewilligt. Ferner wurde einerganzen Reihe Wischer Ort-Fachschulen die jüdische Sprache als Vortragssprache zuerkannt und einigen Fachschulen staatliche Subvention bewilligt. Somit wurden sieben von den zwölf Punkten des polnifch^üdifchen VerfländigungsPäkteS von der Regierung glatt erfüllt. In den.Punktationen des Berständignngspaktes sei die LkW des BttVrrrrS »W «vMtsn gewejen. Er habe jedoch trotzdem, angesichts seines Versprechens, an den Abg. Reich eine diesbezügliche Verordnung an die Universitäten erlassen. Er stelle fest, daß im lausenden Schuljahre die jüdischen Universitätshörer 20 bis 30 Prozent der allgemeinen Hörerzahl ausmachen. Die Behauptungen der jüdischen Presse, daß eine spezielle P r o z e n t n o r m geübt wird, sei unrichtig. Es wurden jüdische Ä b i t u r i e n t e n n i ch t a u f g e n o m m e n, weil an den Universitäten keine genügende Anzahl von freien Plätzen vorhanden tvar, ein ähnliches Los traf auch eine größere Anzahl polnischer Abitur'enten. Für jeden Fall habe die Verstündigungsaktion den Juden reale Vorteile gebracht, wenn auch die jüdische Presse dies nicht anerMnen will. Er stelle aber fest, daß er Gelegenheit hatte, im Verlause seiner Verhandlungen mit den jüdischen Politikern zu erfahren, daß auch sie diese Vorteile nicht „als ein Nichts"bezeichnen und daß auch sie einsehen, welche Vorteile die Verständigungspolitik bereits gebracht hat. Für die Jerusalemer Universität. Ter Leiter des hygieiüsch-bakterioloMen Institutes d«> Ha»pir>e>undheitsamtes der Stadr Berlin, Prof. Dr. Seelig- Nl a n u, der, wie bekannt, Vorsteher der Berliner jüdischen Gemeind« ist, hat eine umfangreiche Sammlung von Arbeiten und Berichten aus dem Hauptgefundheitsamt der Stadt Berlin zusammengestellt und sie für die Bibliothek der Jerusalemer Universität zur.Verfügung gestellt.

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