Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2519 (26.2.1926)
- Date
- 1926-02-26
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Freitag Menev MovgeWeituM 6int Lerbrecherbande in Pottendorf. 91b S«chk«fm»m> als Hehler verhaftet. - Morde lm Buraeuland. — Srandlegnng. — La» Attentat ans 'den Srdaerobmann Walter. (Cigendicnst der „Wiener Morgenzeitung".) W: e n e r - N e u st a v i, 25. Februar. Das hiesige Kreisgericht, die Gendarmerieausforschungsgruppe bei der hiesigen Staatsanwaltschaft und der Gendarmevieposten in Pottendorf arbeiten mit unermüdlichem Eifer an der Klarstellung einer Unmenge von Verbrechen, welche in den letzten Jahren irr Pottendorf und im angrenzenden Burgenland begangen und bisher nicht aufgeklärt wurden. In Pottendorf wurde eine weitverzweigte Bande entdeckt, welche seit Jahren ausschließlich von Verbrechen lebt. Dar Haupt dieser Bande ist ein gewisser Blassitsch und sowohl dieser als auch seine Komplicen sind dem hiesigen Kreisgericht eingeliefert worden. Unter den Verhafteten befindet sich auch der Pottendorfer Großkaufmann Lang, welcher verdächtig ist, einen vor einigen Jahren in seinem Hause stattgesundenen Brand entweder selbst gelegt oder die Brandlegung bestellt zu haben. Er wird als Hehler dieser Bande bezeichnet. Im Garten seines Hauses wurden Gewehre, welche beim Pottendorfer WeinhäuÄer Stampach bei einem Einbrüche gestohlen wurden, vergraben aufgcfunden. Auch einige Morde, welche im Burgenland nach dem Umsturz verübt wurden, werden dieser Bande zur Last gelegt. Im vorigen Jahre ist der Parkwächter des sürftlich Eßlerhazyschen Schlosses in Pottendorf in der Fischa als Leiche aufgefunden worden. Man uähm damals an, daß der Wächter in der Dunkelheit in den Fluß gestürzt und ertrunken sei. Nun aber wird bekannt, daß der Wächter von Einbrüchen, welche in derselben Nacht von dieser Bande verübt wurden, gewußt hat. Unr den lästigen Zeugen zu beseitigen, soll er von den Einbrechern in den Fischaflutz geworfen worden sein. Heute wurden neuerdings zwei Pottendorfer unter dem Verdacht der Mitwisserschaft verhaftet und dem hiesigen Kreisgericht eingeliefert. Es sind dies ein gewisser Windsor, ein Ungar und sein Komplice Trimm e l. Es stehen noch weitere Verhaftungen bevor, weshalb im. Interesse der Untersuchung die übrigen Namen der bereits Verhafteten nicht veröffentlicht werden. Auch der Mord an dem Ordnerobmann Walter in der Silvesternacht ist bezüglich der Täterschaft noch unaufgeklärt und die Täter sind möglicherweise ebenfalls in dieser Berbrccherzentrale zu suchen. Die unter dem Verdachte des' Mordes an Walter im hiesigen Kreisgericht inhaftierten Hilfsarbeiter Franz Vale n t i n, Felix I a u k l, Sebastian S i w a tz und Josef Probst, welchen bisher nichts nachgewiesen werden konnte, dürsten schon in den nächsten Tagen über Intervention ihres Verteidigers Dr. Sregmund Reichard enthaftet werden. Ae Uebervölkerung der krde. Uns«: Planet wird in 300 Jahren mit Menschen überfüllt sein. Dr Direktor des Geographischen Instituts der Universität Berlin, Prof. Albrecht P r o n ck, beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage der Nahrungsmittelbegrenztheit unserer Erde und hat errechnet, daß, wenn die landwirtschaftliche Technik überall ihren Höchstgrad erreich,^ hat, auch die Möglichkeit der Bevölkerungszunahme eine feste Grenze haben wird. Nimmt mau einzeln die verschiedenen klimatischen Bezirke durch, dann ergibt sich, daß die wahrscheinliche Höchstgrenze der Erdbevölkerung bei acht bis neun Milliarden Menschen zu suchen ist. Dieser Zahl steht die gegenwärtige tatsächliche Bevölkerung der Erde mit 1,8 Milliarden gegenüber. Die Zunahme der Bevölkerung in der Richtung der von Prenck errechnten Hvchstzahl wird eine Verschiebung der Bevölkerung von den gemäßigten Zonen naä) den Tropen mit sich bringen. Ist die mögliche größte Volksdichte in den gemäßigten Zonen 34, so beträgt diese Zahl in den Tropen 107. Die zu erwartende Verschiebung dürste sich nach den Berechnungen des .Berliner Gelehrten in folgender Weise vollzichen: Heutige Bevölkerung Mögliche Bevölkerung t8 Milliarden 8 Milliarden Europa und Asien . . 8Q?/0 Afrika ...... . 7% Australien. 0*B% Nordamerika. . . . . 9% Südamerika . . . . . Ans dieser Aufstellung ergibt sich zunächst, daß' Europa und Asien ihre heutige Stellung, Hauptherd der Menschheit zu sein, an Afrika abtreten werden. Von den einzelnen Ländern besitzt Bmsilien in bezug auf die Bevölkerungszunahme die größte Zukunft denn dieses Land vermag IM Millionen Menschen zu fassen, das find doppelt so viel als die Vereinigten Staaten Nordamerikas oder das britische Weltreich. Die anderen spanisch-amerikanischen Staaten können gleichfalls rund 1200 Millionen Menschen ernähren, und so ficht Prost Prenck für die spanisch sprechet BevölKrrmg eine große Zukunft voraus. Ebenso wichtig wie die Untersuchungen über die Verschiebung der Bevölkerung in wirtschaftspolitischer Hinsicht sind auch die Forschungen darüber, wann die Uebervölkerung der Erde oinsreten wird. Nach Prof. Prenck wird diese Uebervölkerung unseres Planeten — vorausgesetzt, daß die Bevölkerung so zunimmt Wie in den letzten fünfzig Jahren — in der gemäßigten Zone bereits in 130 Jahren elntreten. In 300 Jahren aber dürste dann eine Uebersüllung der Erde erreicht sein. Die Frage, wie dies zu verhüten wäre, beantwortet der deutsche Gelehrte nicht. Er weist lediglich daranf hin, daß rnalihusianistische Selbstbeschränkungen gegenwärtig noch ganz und gar unzeitgemäß wären, eifch. SefNhrliche Im. „Haben Sie einen gefährlichen Tag?" fragt eine englische Zeitschrift und bittet, diese Frage nicht für lächerlich zu halten, denn viele hervorragende mtb kluge Männer waren der föften Überzeugung, daß ein bestimmter Wochentag für sie unglücklich sei, ohne daß das immer der als „Pechtag" verschriene Freitag seiin mußte. Gladstone hatte immer vor den Montagen Angst, der Historiker Lord Acton haßte die Dienstage. Lord Kitchener ivollte an einem Donnerstag nichts Wichtiges vornehmen und Lord Roberts traute dem Samstag nicht. Diese Liste ließe sich beliebig verlängern. Jedenfalls dürste es nicht «unklug sein, darauf zu achten, ob man selbst einen UntzlüSStag in seinem Leben festste llen kann. Man braucht dazu nur über eine längere Zeitspanne hin die Tage aufzuschroiben, an denen man ausgesprochenes Pech hat, und man dürfte finden, daß ein ganz bestimmter Wochentag sich als „gefährlich" erweist. Man hat es dann in der Hand, an diesem Tage recht vorsichtig zu sein und keine entscheidenden Dinge zu unternehmen. Am Port will die Straßenbahnen ganz abbauen. Aus Berlin wird berichtet: Die „Bossische Zeitung" meldet aus New-Aork: Nach der Hauptstadt Washington, die kürzlich Pserde uw Pferdefuhrwerke aus den Hauptstraßen verbannt hat, beabsichtigt jetzt N e w - I o r k sogar die Ausmerzung aller Straßenbahnen, die sich als größtes H i n d e rrr i s f ü r e r n e n Schnellverkehr erweisen. Für den Fall> daß die Stadt berechtigt ist, die Lizenzen für die Bahnlinien zu kassieren, haben schon Verhandlungen zwischen den Autobusuub den Bahngesellschafteu begonnen mit dem Ziele, eine Verschmelzung herbcizuführen, um die Straßenbahn freiwillig verschwinden zu lassen. Der Schrecken von Smaha. Verhaftung des geheimnisvollen Mörders. Aus New-Aork wird gemeldet: Der geheimnisvolle Verbrecher mit der detonationslosen Repetierpistole, der seit Wochen die Stadt O m a h a in Schrecken hielt und vor einigen Tagen den Eisenbahndetektiv Johnson, sein drittes Todesopfer, aus dem Hinterhalt erschoß, wurde aus geforscht und von Polizisten nach kurzem Kampf überwältigt. Der Name des Attentäters ist John Carter. Der Mann gestand im Verhör, daß er den Arzt Dr. Scarles, den Kaufmann D a v i t t und den Detektiv Johnson mit Vorbedacht, aus Gründen persönlicher Rache, getötet habe. Die Waffe, die der Mörder benützt hat, ist eine Repetierpistole mit einem Detonationsdämpfer. Carter wurde in das Gefängnis von Omaha eingeliefert. Studentenftreik in Bukarest. Bukarest, 25. Februar. (Orient-Radio.) Eine kleine Minderheit der Bukarester Studenten hat heute wegen der neuen UmversitätZochnung den Streik erklärt. Der Umversitätssenat wirb morgen zusammentreten, um die Ausschließung der die Ordnung störenden Elemente zu beschlichen. Es hat sich kein ernster Zwischenfall ereignet. Mord und Selbstmord. Ein italienischer Kellner tötet ein österreichisches Kammermädchen. .Aus Rom wird gemeldet: Im Splendid Hotel in Neapel hatte sich ein italienischer Kellner in ein aus Oesterreich stammendes Kammermädchen, die aus Graz gebürtige Berta Leikler (nach anderen Blättermeldungen Wecker), verliebt, ohne Gegenliebe zu finden. Der Kellner drang gestern in das Zimmer des Mädchens ein und gab, als sie flüchten wollte, einen Revolverschuß ab, der sie am Kopfe traf. Hierauf tötete er sich durch einen Revolverschuß. Das Mädchen ist im Krankenhaus gestorben. Kurze Nachrichten. Die französische Kaimucr hat gestern die Diskussion über den Gesetzentwurf begonnen, durch den der Präsident der Republik ermächtigt werden sott, die am 16. Oktober 1925 in Locarno abgeschlossenen Verträge zu ratifizieren. Churchill erklärte heute nachmittags im Unterhause, daß das mit Caillaux geschlossene Abkommen über die Regelung beflc französischen Kriegsschuld an England von der englischen Regierung als für beide Teile bindend angesehen werde. Im englischeil Untorhause teilte Premierminister Bald wen mit, daß die nächste Tagung der britischen Reichskonferenz für Oktober dieses Jahres anberaumt wordeu sei. Die Wojwodschaft in Kartowitz teilt mit, daß seit Uebernahme Oberschlesims durch Polen bis zum 15. Februar 1926 insgesamt 10.176 Personeil nach Frankreich ansgAvaildert sind. Ae Mische« Krlegswttwm I« Polen. 60Ö0 verlassene Frauen. Ein höchst interessantes und wertvolles Dokument unserer Zeit ist eine Eingabe des Warschauer jüdischen Frauenvereines an die in Warschau tageM Rabbi n arko n f er enz. Die große Mische Framnorganisation der größten Judrngemeinde in Europa erhebt ihre Stimme zugunsten jener verlassenen jüdischen Frauen (Agunoch), deren Männer seit Jahren verschollen sind und die durch das rabbimsche Gesetz zm dauernden Witwenschaft verurteilt sind, ohne aber, wieder rino Ehe schließen zu können. „Wir sind fest überzeugt" — heißt es in der Eingabe —, „daß die Wehklagen der 6000 Agunoch in Polen Ihnen nicht bloß zu Gehör gekommen, sondern in ihr menschliches Herz gerungen sind, und in Ihnen den Willen toachgorufen haben, Mittel und Wege ausfindig zu machen, zur Linderung der unerträglichen Leiden tausender unglücklicher jüdischer Frauen und Kinder. Wir können unmöglich zugeben, daß die Schöpfer unsere jüdischen Gesetzgebung, die vor allem aus Gerechtigkeit bericht, und deren Grundprinzip die vollständige soziale Gleichheit aller Menschenkinder ist, Gesetze geschaffen haben sollten, die gerade das Leben der Frau unerträglich und menschenunwürdig gestalten. Wir begreifen es, daß jedes Gesetz ei« Produkt der Zeit ist, in der es als Folge der Lebmsbedingungen und Bedürsuisse entstanden ist. Deshalb kann ein Gesetz auch unmöglich unabänderlich und unverrückbar bleiben und unterliegt in verschiedenen Zeitaltern gewissen wissenschaftlichen Erörterungen und Interpretationen der talmudischen Autoritäten." Die Eingabe führt dann eine Anzahl Fälle an, in denen auch in Eherechtsftagen bestchende Perbote in bestimmten EinzelfWm aufgehoben wurden, und schließt mit dem dringenden Appell, diu Frage der verlassenen jüdischen Frau nicht nur akademisch zu beratensondern jeden Einzchall individuell zu behandeln, um wenigstens einen Teil der leidenden Frauen von der Verdammnis her lebenslänglichen Verlassenheit zu befreien, Wie sie lstgea. In der zu Ravensburg in Württemberg erscheinenden ,^Obevschlesischen Volkszeitung", einem katholischen Blatt, erschien vor kurzem eine Notiz des Inhalts, daß am 2. Jänner d. I. in Smolensk (Rußland) der polnische katholische Priester Kowalskh unter der BeschrMgung der Spionage hingerichret wurde. In der Notiz wird weiter mitgeteilt, daß die Eskorte, hie die Exekution durchführte, zum größten Teil aus Juden bestand und daß ein Jude der Anführer war. Als der dem Tode geweihte Priester um religiösen Beistand Lat, wurde ihm dies von dem Führer der Eskorte verweigert. Wenn man bedenkt, welchen Sturm die semerzeitigcu Moskauer Todesurteile gegen die polnischen Priester Bischof Cieplak And Budkewicz in ganz Polen verursacht haben, so kann man sich denken, daß der Vorfall, wie ihn das genannte katholische Blatt schildert, sich ohne Resonanz irrder Presse abgespielt haben sollte. Aber weder in der r u ss i s ch e n noch in der p o l n i s ch e n P r e s s e war auch nur eine Zeile über diesen Vorfall zu lesen. Auf eine Anfrage des I. T. A.-Vertreters bei der polnischen Gesandtschaft in Berlin wurde ihm versichert, daß dor: von der angeblichen Exekution in Smolensk nichts be- Llnnt sei und daß man cs für ausgeschlossen halte, daß ein polnischer Prics v in Rußland hingerichtet wird, ohne daß man im Ausland, insbesondere in Polen, Kenntnis davon Men sollte. _,_ Drei Kaffeneiubrsiche in einer Rächt. Mittwoch nachts wurden hier drei Kasseneinbrüche der» übt, zwei in einem Hause im 6. Bezirk, der dritte in Hernals. Im Hause Bürgerspitalgasse 7 gelang:en die Täter in den Kassenranm der Schuhfabrik „Daisy". Ihre Beute betrug 2000 Schilling. Dazu stahlen sie aus den: Verkaufsmum 50 . bis 60 Paar Herrenschuhe, die als Muster für die Wiener Messe bestimmt waren. Die Einbrecher kletterten dann zum ersten Stockwerk empor und gÄangten in die Räume der Parfümerlefabrrk Nuphar u. Co., wo ihnen 3000 Schilling in die Hände fielen. Ein dritter Kasseneinbruch nmrde beim Musmann Karl Nowak in der Mariengasse 9 ausgesührt. Die Beute be:rug dort 400 bis 600 Schilling. Außerdem nahmen die Schränker noch 4 Kilogramm Schokolade mit. Auf den: Tatort Weben ein Bajonett und ein Sockenhalter zurück»