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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-26 · Heft 2519 (26.2.1926) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2519 (26.2.1926)
Date
1926-02-26
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. MS Wien, Freitag Vesinn der Frankendebatte in der Nationalversammlung. (Eigendienft der „Wiener Morgenzeitung.") Budlchest, 25. Februar. Der heutige erste Tag der Frankenidebaite in der Nationalversammlung verlief ziemlich e i ntHnig. Abg. Stephan Rubine! erstattete den Bericht über die Fvaukenaffäre. Die Opposition verriet keinerlei Kampflust und die Zwischenrufe der Sozialdemokraten zahm. Um 2 Uhr nachmittags stellte der Vizepräsident der Narionalversammlung, Huszar, den Antrag, das Hans möge morgen die Fortsetzung der Frankendebatte auf die Tagesordnung setzen. Der Antrag tvurde a n g e n o in m e n und die Sitzung um halb 3 Uhr nachmittags geschlossen. » Die heutige Sitzung wurde durch eine Rede des Berichterstatters Rubine f ausgefüllt, der den Antrag der Ausschuß- Majorität begründete, wobei er fast ununterbrochen durch Zwischenrufe der Linken gestört wurde. Der Berichterstatter begann zunächst mit der Verlesung des AuSschußberichtcs. Abg. Stephan Farkas (Sozialdemokrat): Jetzt beginnt die Mohrenwäsche! (Großer Lärm rechts.) Abg. Rubine!: Ter Ausschuß hat die Aufgabe, den politischen Hintergrund der F r a n k e nfalschungen sestzustellen. Das Verbrechen hat mit der ungarischen Nation nichts zu tun. Abg. Propper (Sozialdemokrat): Aber mit der Regierung! Abg. Rubine! beschäftigte sich sodann mit den Aussagen Nadossys. Ruse links: N a d o s s y i st nicht glaubwürdig! (Lärln.) Abg. Rubine!: Gerö hat ausgesagt, daß er nur mit Z u st i m m u n g H a j t s leilnchme. Abg. Esztergayos (Sozialdemokrat): Er l)at von höherer Stelle die Weisung erhalten. (Lärm rechts.) Abg. Rubine!: Das ist eine jeder Begründung entbehrende Verleumdung. Redner erklärt sodann, daß Schnitze der sozialdemokratischen Partei Deutschlands angehöre. Abg. S a r y (Sozialdemokrat): Das ist für die R e g: er u n g keine E n t s ch u l d i g u n g. Abg. Rubine! führt sodann aus, daß die Frankenfälscher patriotische 2 ch l a g w o r t c gebraucht haben. Ter Ausschuß habe aber festgestellt, daß die Aktion nicht auch gewisser materieller Beziehungen entbehre. Verschiedene Beschuldigte hätten übrigens als Ziel der Aktion bezeichnet, die Reg i erung zn stürzen. Der Ministerpräsident habe zweifellos die notwendigen Maßnahmen getroffen. (Lärm bei den Soz aldemokraten.) Der Ausschuß konnte daher die politische Verantwortlichkeit des M i n i st < r p r ä s i d e n! n nicht feststellen. Auch was das Borg'')?« d:s Ministers deS Innern .beireffe, liege nichts vor, woraus >.e politische Verantwortlichkeit des Ministers gefolgert werden könnte. Der Ausschuß habe ferner festgestellt, >.iß die A l b r c ch Bewegung mit der Frankenfälschnngsasfäre in keinerlei Zusammenhang stehe und eb nsowenig der Abg. Äömbös. Redner beantragt schließlich, den Berich! der Ausschußmehrheit zur Kenntnis zu nehmen. Werbender Fslam. Von Bernard Tag. Seit den: Sommer 1924 erscheint in Berlin eine „Moslemische Revue" in Quartalshesten in deutscher Sprache. Als ihr Herausgeber zeichnet S a d r - U d - D i n. Die Zeitschrift, von der uns fünf Hefte vorliegen, tveckt nüt ihrem systematisch orientierten Inhalt unser besonderes Interesse und würde es noch mehr beanspruchen, wenn nicht die Tendenz, genauer eingeseheu, bedenkliche Zwiespältigkeiten verriete. Aufsätze, wie etwa: „Die Stellung der Frau im Islam" von Sadr-Ud-Diu; „Die Zakatsteuer", eine bestimmte Art Armenabgabe — wobei das humane Verhalten der Moslems, zumal der Reichen zu den Armen, von Professor Z a! i r H u s a i n eingehend beleuchtet wird; oder der durchaus theoretische Aufsatz: „Der Islam und die Philosophie Europas" vor: Hugo Mnuns, berühren zunächst synrpathisch, machen uns aber bald stutzig durch die zum Teil schon hier auffallenden, augenscheinlich tendenziösen und unhaltbaren Urteile über das I u d e n t u m, seine Religion und seine sittlichen Normen. Der Versuch einer Idealisierung des Islam für das Auge des Europäers unter dem vergleichenden Gesichtspunkt des Judentmns und Christentums wäre ja an sich kein Anlaß zu irgendwelchem Widerspruch. Es ist das gute Recht der Völker und Religionen, das Beste, was sie als menschlich edleS Gut bewahren, vor der Welt in hellstes Licht zu setzen. So arm an Adel und Reichtum ist aber auch kein Volk und keine Religion, daß sie zur Lichtfülle der Menschheit nicht sollten den einen und anderen Strahl beitragen können: warum nicht auch das arabisch-türkische, dessen Religion aus der Quelle des Christentums, mehr noch des Judentums geschöpft hat — worauf ja in den Blättern der „Moslemischen Revue" immer und immer wieder ausdrücklich hingewiesen wird: mit Mohammed werden Abraham, Moses, Christrls im Koran als Propheten bezeichnet. Diese historisch dokumentierte Anerkennung — sie hat in den sachlichen und historischen Gegensätzen zu Judentum und Christentum in der Wirklichkeit an Schärfe bisher kaum etwas gemildert — wird hier in dialektisch geschickter Weise als ein besonderer Zug der Toleranz des Islam und als eine Auszeichnung „vor allen übrigen Religionen" betont und ausgewertet. _Wjener Morsten,zertung_ Ter Präsiden> beantragt, die Debatte in der morgigen Sitz u n g fortzusctzen. Ter vor kurzem aus der Rafsrnschuhgruppe ausgetretene Abg. Michael K i ß beantragt, auf die Tagesordnung der morgigen Sitzung die angeblich geplanten Demonstration e n für die Regierung zu stellen. Wenn man schon die Straße mobilisiere, möge man die H n n d e r t t a n s e n d e anfmarschieren lassen, die ihr Vermögen in Kriegsanleihe verloren haben, die Witwen und W a i s e n und die Arbeitslos e n. (Großer Lärm rechts.) Das Hans nimmt den Antrag des Präsidenten an. Ironische Rufe links: Es le b e di e Fra n ke nfä lsch u n g! Es lebe Pater Na d o ssy! Graf Emmerich Karolyi wird einvernommen. Der französische Polizeiinspektor R o y e r e erhielt gestern einen anonymen Brief, der, laur „Magyarorfzag", wichtige Einzelheiten über das Darlehen von 3 00 Millionen Kronen enthält, welches die Tüzhelybank seinerzeit dem Georg M a n k o v i ch gewährt hat. Inspektor Rohere beantragte auf Grund dieses anonymen Brieses bei der Oberstadthauptmannschaft die Einvernahme des Grafen E in m c r t cf) Karoly i, der in der Lage sein soll, die Angaben des aitonymen Schreibens in wesentlichen Punkten zu ergänzen und zu bekräftigen. Dem Vernehmen nach wird Graf Karolyi morgen c i n v e r n o m m e n werden. Freilassung der Attentäter. Der Anklagcsenar hat den Einspruch des Staatsanwaltes tvcgen der Freilassung B a n n a y s und M o l n a r s, die bekanntlich vor einigen Tagen den Abg. Vazsony: auf der Straße insultiert hatten, äbgelehnt, wodurch die Entscheidung des Untersuchungsrichters in Kraft tritt und die beiden Verhafteten auffre: en Fuß gesetzt werden. Wie die Blätter erfahren, soll Van nah in eine Irrenanstalt eingeliefert »verden. Wer ist Samuely? Wie die Bndapester Blätter melden, hat die Polizei auf die Pariser Meldungen von der Verhaftung eines angeblichen ungarischen Studenten namens Adolf Samuel y wegen Verbreitung falscher Ta u se n d,m a rk n o t en hin Erhebungen eingeleitet und festgestellt, daß ein Student dieses Namens hier nie g e nt c I b e t war. Man glaubt, daß sich der Verhaftete eines falschen Namens bedient habe. Falsche ungarische MiMonennotcn? Die Tel.-Komp. meldet aus Budapest: In der Kassa einer Budapestcr Bank wurde heute bei Kassaschluß eine g cfälschte ungarische E i n e - M i l l i o n - K r o n e nnote gefunden, die wahrscheinlich vormittags am Schalter der Bank eingezahlr worden war. Die Bank übergab die falsche Note der Polizei, die sofort eine Untersuchung eingeleitet 'hat. Die Tätigkeit der ungarischen Gesandten. Eine Anfrage im amerikanischen Senat. (Eigenoienst der „Wiener Morgenzeitung".) Washington, 24. Februar. Im Senat forderte W h e c l a r eine Untersuchung über die Tätigkeit des ungarischen Gesandten und eines Detektivbureau s, das angegeben hat, der Gesandte habe sich für Es wird in dem letztgenannten Aufsatz lvie auch in manchen anderen der Nachweis geführt, daß der Islam, welcher unter den großen Offenbarungsreligionen der Menschheit die jüngste ist, „auch die modernste unter ihnen" sei, „das heißt die fortgeschrittenste und die fortschrittfreundlichste". Denn da aller Fortschritt und wenigstens der der menschlichen Erkenntnis . . . Verstandesfortschritt sei somit rational, der Islam aber unter allen Religionen die weitaus rationalste, so wäre ja der Nachtveis kurz und bündig erbracht. Der Rationalismus könne somit als Bindeglied zivischen denc Islam und der europäischen Philosophie angesehen werden, zuinal der Philosophie des 18. Jahrhunderts, dessen Kennzeichen Rativnalisnms sei. Die Forderung aber des 18., des rationalistischen Jahrhunderts, war zum erstenmal die nach einer „natürlichen" Religion. Und eine solche natürliche Religion — wird hier ansgeführt — will gerade der Islam bieten, da er vonl Historischen und Dogmatischen, auf das er „erstaunlich wenig Wert legt", absieht und dem Denken „die größte Freiheit zugesteht", — aus welchen! Grunde es benu „für ihn den furchtbaren Konflikt zwischen Glauben und Wissen, der das europäische Geistesleben spaltet, nicht gibt". Das Erstaunlichste an diesen Berstandesergießuugen, wie ich sie nennen möchte, ist wohl, daß sie aus dem Kopfe eines philosophierenden „Europäers" strölnen, dcnt als solchem der Konflikt zwischen Wissenschaft und Glauben in seiner Furchtbarkeit und abgründigen Tiefe bekannt ist und der diesen Konflikt und diese Kluft überbrücken zu können meint vermittelst einer zumindest fragwürdigen, kritischer Nachprüfung äußerst bedürftigen Ausdeutung religiöser Momente und Motive zugunsten des Islams. Am auffallendsten äußert sich in dieser problematischen Stellungnahme Hugo Marens bei seiner Vergleichung und 'Wertung des sittlichen Grundprinzips in den drei monotheistischen Religionen. Der Maßstab des Judentums mit seiner absoluten Forderung der Gerechtigkeit fei — als unerfüllbar — eberrso abzulohneu wie der Maßstab des absoluten Liebesgebotes des Christeumlnü. „Der Islam aber enthält sich deshalb absoluter Gehorsamkeits-(sic!)Reüelu. Als jene rationalste Religion, die er ist", überläßt er es seinen Anhängern, „die rechte Mitte zu wählen im einzelnen Gewissens- oder Lebenskonflrkt. . . Der Maßstab des Islams ist modern-relativ" — eine DigM.k nutz eine Formel, die in ihrer sinrplen Ms-t 20. Februar 1990 Seit« t Es überflUgelf durch sein Renomee, seine riesige Wirkung der echte DIANA* FRANZBRANNTWEIN mit Menthol sämtliche ausländischen Erzeugnisse und Hausmittel. Ai Nervosität und Kopfschmerzen Leidende wenden nu eine Massage an, um sich zu erfrischen und ihre ermüdend1 Tagesarbeit fortsetzen zu können. Ileberall erhältlich. die Ausweisung des G rase u K arosyi aus den Lande verwendet. Tie cingebrachte Entschließung, die an du auswärtigen A n s f ch n ß n b e r w i e s e n wurde,, behaupte: der ungarische Gesandte habe dem Dctcktivburem 2 0.000 Dollar bezahlt, um „auf den Grafen und Gräfin Karolyi Jagd zu mache n". Sie Fememörder. Berlin, 25. Februar. Wie d'e Blätter luitteilcn, Hai di« Berliner Polizei beit Oberstleutnant a. D. A'stlcmann, bei sich geweigert hatte, wegen der von G r ü t t e - L e h d e' gegen ihn erhobenen Anschuldigungen vor der Polizei zu er. scheinen, erneut unter Androhung der Zwaugsvorsüh rung zum 20. d. ins Berliner Polizeipräsidium vorgeladen . Hitler gegen ReventtoM. München, 25. Februar. (Wolfs.) Der nationalsozialt Volksbund in München hatte für gestern abends eine Versammlung einberufen, in der die Reichslagsabgeordneten Gra! R e v e n t l o w und Graefe sprechen sollten. Eine Stunde vor Beginn der Versammlung war der Saal gemäß einem Aufruf im „Völkischen Beobachter" von A n Hänger n Hitlers dicht besetzt. Als Hitler in Begleitung von sechs nationalsozialistischen Landtagsäbgeordneten und des Abgeordneten Esser erschien, wurde er von seinen Anhängern stürmisch begrüßt. Als darauf der zum nationalsozialen Volksbund gehörige Student P l ü m e r erschien, wurde er von den Anhängern Hitlers mit Pfuirufen und Schimpfworten empfangen. Die Angreifer wurden jedoch durch Polizeibeamte entfernt. Als Abg. Frühaus vom völkischsozialen Landragsklub dem ersten Redner Grafen R e v e n t l o w das Wort erteilte, wurde von Hitlers Anhängern, vor allem von Esser, das Wort zur Geschäftsordnung verlangt. Erneuter Lärm hinderte den Grafen Reventlow, seine Rede zn beginnen. Abg. Esser sprang ans einen Stuhl und verlangte neuerdings das Wort zur Geschäftsordnung, was wiederholt ohrenbetäubenden Lärm 'hervorrief. Der Vorsitzende konnte die Zwischenrufer nicht beschwichtigen und drchie zweimal mit der Räumung des Saa l es, dock) steigerte sich der Lärm iminer mehr. Da ider Tuniult immer größer wurde, sah sich der Versammlungsleiter schließlich gezwungen, die Versammlung als geschlossenzuerklären. Nach der Sprengung der Versammlung kam es zu einer Schlägerei, bei der ein Mitglied des Bundes Oberland blutig geschlagen wurde. dernität blenden und bestechen mag, aber brüchig und unhalx bar ist als grundlegendes Prinzip einer philosophischen, d. h. allgemein bindenden und verpflichtenden Sittlichkeit. Hier ist der Punkt, an welchem mit einem schwerwiegenden Vorwurf nicht zurückgehalteu werden davf: wir meinen die unerquickliche Verquickung scheinbar objektiv sich gebender philosophischer Ansichten mit nich: immer durchsichtigen, aber um so bedenklicher wirkenden propagandistischen — um nicht zu sagen missionierenden — Absichten. Denn das ist ja doch die Signatur der „Moslemischen Revue", ihre Aufmachung, ihre Abbildungen „deutscher moslemischer Damen und Herren", somit Konvertiten, dann das mehrmals abgedruckte „Glaubensbekenntnis des Islam", aus welchem wir nur diese charakteristischen Sätze hervor-heben wollen: „Um Moslem zu werden, ist keinerlei Zeremonie erforderlich . . ." „Man kann Moslem fein, ohne es irgend jemandem zu sagen. Es ist nur eine reine Formsache für die Organisation, sich zum Islam zu bekennen." Das ist bedenklich genug. Sofern nun die moslemische Zeitschrift von Moslems vertreten wird, kann man es verstehen, tveuu der Islam in einer Zeit gärender religiös-synkretistischer Neubildungen, wie es die unsere ist, seinerseits werbend und missionierend sich Europa anbietet. Aber die Frage, m i t welchen M i tteln die Werbung betrieben wird, ist keine nebensächliche. Wir gestehen, daß uns die naive „Botschaft an die Juden" vom Moslem Sadr-Ud-Din mit den Hinweisen auf gewisse Bibelstellen und der Aufforderung, die Verheißungen an Jsmael ernstlich zu bedenken, schon durch ihre naive Andeutung ganz und gar ungefährlich erscheint. Und selbst mit der unfreundlichen Haltung der „Moslemischen Revue" dem Pa lä st: naausba u gegenüber, die ihren Ausdruck gefunden in einem besonderen Aussatz: „Der Islam und der Zionismus", können wir uns mit weniger Schärfe auseinandersetzen, weil wir diesem direkten Angriff leicht begegnen können. Eine Argumentierung, die darin gipfelt, daß wir uns von England als Werkzeug für seine polinschen Absichten mißbrauchen lassen, schreckt uns, weil sie absurd ist, ebensowenig wie die weitere, daß wir mit der Wiederbesiedlung Palästinas die Gefahr des Antisemitismus auch im Orient heraufbeschlvöreu. Der Zionismus als Idee und Bewegung ist in seinem tiefsten Grunde unabhängig von flüchtigen politischen Konjunkturen. Und wo ihn die Poliftk notwendig, weil geschichtlich, in ihre Kreise verflicht, dor: be-

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