Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2518 (25.2.1926)
- Date
- 1926-02-25
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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2a. Kehr«« 1926 Sk MS m™, Lonncrstag Wtrmee Wt9T&n<*n& >» -m— ■«'■». — I I" —. >«.-■■■"■ ..—— urSuppen, Gemüse tmd^Tnhrenn n u V KQOKI11B0IL 10O%reines Jett nusJfokosnüssenr leichl verdaulich, bekömmlich .unbegrenzt haUhal* und seit 25Jahren bewährt r Ser „Sremtt Des Meeres". Der amerikanische Zeitungskönig Edward Wyllis Scripps, der vor 80 Jahren seine Laufbahn in Tciroit begann und jetzt der Besitzer der New-Aorker „United Preß" und 28 großer ant.'ti-- kanischer Zeitungen ist, lebt seit einigen Jahren nur noch auf dem Ozean und hat daher de» Beinam.n der „Einsiedler des Meeres" erhalten. Scripps erkrankte vor einigen Jahren an einem Lungenlciden und fühlt sich seither nur noch auf dem Meere wohl. Mit seiner geheimnisvollen Diesel-Jacht „Ohio" ist er bereits dreimal um die Welt gesegelt und geht nur sehr selten an Land. Der Kurs des Schiffes wird genau nach den Wetterkarten geregelt, damit die Jacht niemals in die tropischen Gewässer oder in zu kalte Gegenden gelangt. Da der Einsiedler gegen jedes Geräusch außerordentlich empfindlich ist, so ist das ganze Schiff mit dicken Matratzen ausgepolfterr und die Offiziere erteilen ihre Befehle in Zeichensprache. Ten größten Teil seiner Zeit verbringt er in dem Bibliotheksraum der Jacht, die mehrere tausend Bände enthält: zwei Damen müssen ihm abwechselnd vorlesen. Ist er des Lesens müde, so zeichnet er an einem besonders konstruierten Tische .Wrzlich mußte die Jacht bei Kapstadt anlcgen und es wurde für ihn ein Haus gemietet, das abgelegen und ganz geräuschlos ist. Beim Verlassen der Jacht vollzog sich alles in größter Stille und die Matrosen arbeiteten so lautlos wie eine Geisterschar. Man hörte nur das eintönige Rollen der Wogen, dem selbst der „Zei- 'nngskönig" nicht Schtveigen gebieten kann. Sie verhängnisvolle Wette. Bei dem Dmchflng durch den Eiffelturm tödlich verunglückt. Aus Paris wird gemeldet: Auf Grund einer Wette versuchte heute vormittags ein französischer Militärflieger, unter dem Eiffelturm hindurchzüfliegen. Das Wagestück gelang ihm auch, doch verlor der Flieger, als er der Antenne der Funkanlage auszuweichen versuchte, das Gleichgewicht und stürzte ab. Der Apparat wurde vollständig zerstört. Der Flieger wurde als perkohlte Leiche unrer den Trümmern bervor- N-ogen. - eine 164f3Dftae Berbrecherbande. Aus Rom wird uns berichtet: Die „Tribuna" meldet aus Palermo, daß in der Provinz Palermo eine Verbrecherbande von 164 Individuen aufgcdeckt wurde, von denen nur 45 ontkvmnnn Ihtfc, wahrend die anderen bereits alle in .Haft sind. Die Bande hat über hundert Verbrechen auf ihrem Gewissen, und -war mehr als dreißig Morde. Die übrigen Verbrechen bestehen in E r p r e} j it n g c u, Diebst ä h l e n, Mordversuchen usw. Ein Dutzend Lastautomobile wurde requiriert, um die Verbrecher nach Palermo zu transportieren. 6in neues Serum liegen die Tollwut. In . der französischen A.'ck.cni'ie der Wissenschaften wucde neulich sNnteilung von einem neuen Serum gemacht, das gegen die Tollwut erfunden worden :st. Die Versuche, die an Meerschweinchen angestellt Ir c wen sind, sollen endlich zu einem befriedigenden Erfolg geführt haben. Es handelt sich dabei um 'inen sehr scharfen Impfstoff, der aas dem Serum einer Otter, einer Natter und e nes Igels hergestellt morden ist. Die mit dem Serum geimpften Meerschweinchen sollen sich als absolut immun igegen Bisse voll tolltoötiigert Tieren erwiesen haben. Die Servietten der ulten Römer. Im alten Rom herrschte der Manch, daß jeder Gast, der zu einem tzrcßen Gastmahl eilige loden war, sich ein eigenes großes Mundtuch mstbrachte. Der Gebrauch dieses Tuches wich aber echeblich von tM ab, den man heute von der Serviette macht. Sobald nämlich ein Gericht miMtwgeu ipiute, Las dem Gast besondergut schmeckte, wickelte er einen Teil davon ein in seine Serviette und schickte dann seinen Diener, den er eigens dazu mitgebracht hatte, damit nach Hause. Später hatte sich dieser Brauch so eingebürgert, daß die Gäste ihre Diener lieber mit großen Körbe« ausrüfteten, in die dann alles hineinkam, Ivas nicht ausgegesscn wurde. Die großM Servietten kamen daher auch wieder ab und wurden endlich gaßzvergeffen. Erst als im späten Mittelalter der Gebrauch der Gabel aufkam. gelangten nach und nach auch die Servielterl wieder in die Mode, wurden jetzt aber nur mehr zuur Reinitzen der Lippen benützt« Me mau Rockeseller Wied. Amerikanische Zeitungsleute haben den alten Rockefeller, der es im Laufe seines langen Lebens zum Milliardär gebracht hat, nach der Methode gefragt, der er seinen Reichtum verdankt. Er hat sein „Geheimnis" bereitwillig preisgegeben. Es ist verblüffend einfach und läßt sich in folgende vier Ratschläge znsammenfasscn: Nichts Ueberflüssiges kaufen! Sparsam wirtschaften! Pünktlich sein! Eine vernünftige Lebensweise pflegen! Das ist alles. Es scheint, daß das Einfache nicht immer auch das Wahre ist. Es dürfte auf dem Erdenrund einige Hundert Millionen Menschen geben, denen in Ermangelung eines Kontos, wie es Mr. Rockefeller zur Verfügung steht, gar nichts anderes übrig bleibt, als nach diesen weisen Grundsätzen zu leben, und die trotzdem noch nicht aus den grünen Zweig gekommen sind. Höhlenmenschen in einem lettischen Lori. Eine grausige Entdeckung hat dieser Tage die Polizei in dein lettischen Dorf G r o b i n gemacht, wo man sich seit langem unglaubliche Einzelheiten von einer Familie erzählte, die in schrecklich verwahrlostem Zustand in einer verfallenen Hütte hausen sollte. Annäherungsversuche wohlmeinender Nachbarn wurden von den Bewohnern mit Gewalt abgewehrt. Schließlich nahm sich die Polizei der Sache an und drang in die Behausung ein, wo sich den Beamten ein furchtbares Bild darbot. Die fünf im schulpflichtigen Alter stehenden Kinder des offenbar geisteskranken Paares waren vollständig nackt und ausgehungert, ihre Köpfe von abnormer Größe, die Körper voller Schmutz. Der Mann trug als einziges Kleidungsstück eine Pferdehaut; in dem Raum selbst verbreitete der abgehäutete Kadaver des Pferdes einen furchtbaren Gestank. Man hatte Mühe, die bedauernswerten Menschen aus dem eiskalten Raum zu entfernen. _ v § chm -d t ermordet und beraubt zu hoben. Seit dem ersten Tele-' grjmrn ist keine nähere Mitteilung tzicher gelangt, wiewohl mr Amtswvge und unter Einsendung des Aktmmmerials um weitere Mitteilungen, namentlich darüber, ob Kundcgraber geständig ist, angesucht wurde. Nun kam gestern von der Direktion de la Luret.- Generale in Paris an das Dichecheitsburcau eine schriftliche Mitteilung, die die Tatsache der Verhaftung bestätigt und über das Verhalten KnndegraLers nach seiner Verhaftung nur den einen Satz enthält, daß er )Vit seiner Verhaftung keinerlei Aussagen über die chm zur Last gelegte Tat gemacht hat. Ueber die Frage der Auslieferung enthält das Schreiben keine Mir teilung. 130.000 Kinder dertaffen im Sommer Men. Die Arbeit des Wiener Jugendhilfswerkcs. Die Sorge um die Heranwachsende Generation war die Triebfeder für die nach dem Umsturz einsetzenden Auslands-- aktionen für Kinder. Gleichzeitig hat aber auch die Gemeinde Wien gemeinsam mit dem Land Niederösterreich eine großzügige inländische Erholungsfürsorge für die unschuldigen Opfer des Krieges, die Kinder, ins Leben gerufen. Tabe, zeigte sich, daß die inländische Erholungsaktion gegenüber der gewiß sehr wertvollen ausländischen viele seelische und erzieherische Erfolge aufzuweisen hatte. Als Wien verfassungsrechtlich die Stellung eines Landes erhalten hat. schuf der amtsführende Stadtrat für Wohlfahrtspflege, Professor Dr. Tandler, gemeinsam mit den politischen Parteien aller Richtungen das Wiener Iugendhilf-sw e r k. Einen gu:en Einblick in die Tätigkeit des Jugend- Hilfswerkes gibt das soeben vom Leiter Dr. Franz Breunl i ch vorgelegte Jahrbuch, das auch mit reichem Bildschmuck versehen ist. Erhebungen in den Wiener Schulen ergaben die überraschende Tatsache, daß 75.000 Wiener Kinder den Sommer bei ihren Angehörigen aus dem Lande verbringen. Die Leistung des Jugendamtes; steht mit 192.987 Verpslegstagen an der Spitze aller Organisationen. SeMmorD anf llmwenen. Die Menschen, die des Leberts überdrüssig sind, fanden tausend Mittel, um sich aus diesem Tal der Tränen zu'flüchten. Aber auch hier ist es Amerika, das den Ehrgeiz besitzt, den Ruals Land der unbegrenzten Möglichkeiten auch auf dem Gebiete der Telbstmordmethoben aufrechtzuerhalten. In dieser Beziehung hat sich ein gewisser Maxim Ditch, ein reicher, junger Mann aus B o st o n, als sinnreicher Erfinder erwiesen. Er war eines Tages des Lebens müde geworden, und entschlossen, sich zu töten. Nur über die Methode war er sich noch nicht im klaren. Da er sich in den Salons der Gesellschaft des Rufes eines geistvollen, au originellen Einfällen reichen jungen Mannes erfreute, so lag ihm daran, auch im Tode sich dieses Rufes würdig zu Zeigen. Schließlich entschied er sich für den Selbstmord durch Erschießen. Er war ein vorzüglicher Pistolenschüße, aber natürlich konnte für ihn die landläufige Art. sich eine Kugel durch den Kopf zu schießen, nicht in Frage kommen. Das war viel zu einfach. Nach reiflicher Ueberlegung kani er dann zu dem Entschluß, ein Duell mit der Pistoleuscheibe auszusechteu. Zu diesem Zlveck tieft er in seinem Park einen Schießstand errichten mit einer Scheibe, deren Mittelpunkt pvei Zentimeter im Durchmesser maß. Dieses Zentrum der Scheibe stand mit einem Mechanismus in Verbindung, der selbsttätig, sobald das Zentrum berührt wurde, den Abzug eines Revolvers auslöste, der hinter der Scheibe befestigt war uno dessen Lauf sich selbsttätig gegen den Pistolenschützeu wandte. Nachdem alle Vorbereimngen getroffen waren, ging Ditch an dem für de» Selbstmord sestgeseßten Tag in den Park nnö übte sich anscheinend im Pistolenschießen. Er schoß siebenmal, ohne das Zentrum zu treffen. Die achte Kugel aber traf das Ziel, und löste damit den Abzug des hinter der Scheibe befindlichen Revolvers, dessen Kugel den Schützen direkt ms Herz traf. So wird aus Amerika berichtet. Sie Verhaftung des FrUk Kundegrader. Am 17. Jänner d. I. traf aus Paris dir Meldung hier ein, daß Der rhemMge Hörer der Wiener Technik Felix Kund eg rav er aus Ersuchen des Wiener Landesgerichtes in Marseille un:er der Beschuldigung verhaftet wurde, am 39. Juni 1913 hi M.N im Hotel Römischer Kaiser die Prostituierte Mizzi Wien, 26. Februar. * Das Wetter. Gestern früh regnete es heftig, gegen Nachmittag heiterte sich das Wetter aus, ge^en Abend begann es wieder zu regnen. Die Voraussage lautet: Vorwiegend heiter, mild, ichwache Winde. * Warnung. Ein Betrüger, der sich Robert W a l L b e x g nennt, fabriznrr auf eigens angefertigtem Briefpapier mit Namen und Tiwl des Oberrabbinners Dr. H. P. C h a j e § Empfehlungsbriefe, die er mit der Unterschrift »des Oberrabbiners versieht, um aus diese Weise von Wohltälern Beträge hcrauszulocken. Im Betretungsfalle ist der Betrüger der Polizei zu übergAen. * Das Familiendrama am Deutschmeisterplatz. Wie de richtet, wurde am 23. d. der 74jährige Kaufmann Karl G. und reine 65jährige Gattin Marie schwzx verletzt aufgefundeu. Der Manu war durch Stiche und Schnitte getötet; die Frau hatte eine Schußwunde und gleichfalls Schnittwunden. Frau G. ist Laufe des gestrigen Tages ihren Verletzungen erlegen. * Das Stndentenmeeting des Zionistischen Landeskomitees. In unserem gestrigen Bericht über das am Montag stattgehabte studentenmeeting im Olympiasaal heißt es, daß dieie Veranstaltung eine Ergänzung des Empsangsabeilds der Judäa bildete. Wir werden ersticht, dies dahin richtigzustellen, daß das Meeting eine selbständige Veranstaltung war. E Zionistische Bezirkssektion Alsergrund. Sonntag den 28. L. um 8 Uhr abends!m Cafe City. (Mezzanin), 9. Bez., Porzellan - gaffe 1, Pnrimakademie mit Tanz. Jazzband. Mitwirkeiide: Hilde Dulitzkaja, Frau Dr. Herzbevg-Blatt, Herr S. Schwäger, „Molar". Gcqte herzlichst willkommen. * Das Motorradrennen auf der rotierende» Manege abgebrochen. Wogen plötzlicher Erkrankung des Herrn Jacques Noisset mußte das Motorradrennen auf der rotierenden Manen.' im Zirkus Karl Haqenbeck abgebrochen werden. * Der Preis der Universität Frankfurt für einen jüdischen Studenten. Die von der meditzinitschrn Fakultät der Universität Fvauksurt für das Jahr 1925 gestellte Pvoisaufgabe „Die Bei ciiiiifconuU’Cjcu der Seoumstvuktwr durch den monatlichen Zyklus" wmide von Mavtiu Golibnor in hervovvalgender Weife -stolöst. Seine wissenschaftliche Feststellunig, sM das nraßgobende Gutachten, muß „als «in« sehr wichtige mtb bedeutsame an-- ertfamnt worden, die geeignet ist. einen tieferen Einblick in die Vorgänge des Zyklus zu tvevfen". Die Bofnnde des Herrn Golduor werden als „von gruirdlegeuider Btcdsuti.ng" ^zeichnot, und es wird lMvorg^hoiben, daß as enfreutich sei, >cvß das Proisansschveiben einen Studenten zu soilch' erfolgreicher wissenschaftlicher Arbeit" verauilaßt habe. *' Jüdisch. Grabsteinfunde in Basel. In den ,-BoGur Nachvichten" berichtet Herr Dr. Theodor Nord mann üüw Mische Gwwsteilchlndtz jn Basel aus den Zeiten hex Men