Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2518 (25.2.1926)
- Date
- 1926-02-25
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Donnerstag Wlener MoegengeUunü S8. Februar 1826 Nr. MK Gert« 4 Tagesbericht. AlMifche Weisheit. it r die „Wiener M o r g e n z e i t n n g" n n ch den Quellen bearbeitet.'» Israel. Dieses Volk ist dem Staube und den Sternen zu vorfileichen. Linken sic — dann bis zum Staube. Steigen sie — dann bis zu den Sternen. Zweierlei Obergewand. -llabbi Chanina sagte: „Jeder Mensch soll zweierlei Oberaewand haben, eines für die Werktage nnd ein anderes für den Dabbat". Als rllabbi Sinrlai dies öffentlich lehrte, weinten d!>: Schüler itnd sprachen: „Rabbi, unser Obergewand am Labbat ist dasselbe wie am.Wochentag". Er antwortete: „Dennach müßt ihr es anders tragen". Deutung eines Psalmverses. <seit ist's, zn wirken für den Herrn, sie haben Deine Lehre Nnftzehoben." Raba sagte lum diesem 'bsalmvcrs, man könne ihn vom Anfang auf das Ende oder vom Ende auf den Anfang erklären: ,.Jeit ift's, zu wirken für der: Herrn", weil „sie Deine Lehre aufgehoben haben". Eder: „Sic haben Deine Lehre aufgehoben" weil „es Zeit ist, zn wirken für den Herrn". Borlragsrhklus fies zionMche» Sanftes« tom leer. Im Rahrnrn des Portrags-zyllus sprich: heule um halb 5 Uhr abends im Knibh.im der Hakcah, .1. Bez., Wipplitigerstraße Rr. 24—20, Herr Tr. Oskar Karba ch über „Tie Probleme der Teilnahme des bewußten Judentums am internationalen Leben". Karren sind im Zionistischen Burrau oder vor dem Bortrag im Ulutbeim der Hakcah zu beheben. „Ser große Einsame." Das ist der Titel eines Vortrages, den Samstag abends hu Saale des Ingenieur- und Archirektenvereins Nathan Birnbaum gehalten hat. An die zweihundert, vornehmlich sunge Menschen waren gekommen, um ihn 51t hören. Zum allergrößten Teil Menschen, denen das Interesse an der Persönlichkeit des Vortragenden über das politische Bekenrttnis eines Kreises, dem er jetzt angehört, geht. Des politischen und nich: Weltanschauungsbekenntnisses. Tenn zu diesem ist eine positive Stellungnahme möglich bei gleichzeitiger schärfster Negierung jenes. Das Interesse an der Persönlichkeit Nathan Birnbaums ist gerechtfertigt;ii der ewig dynamischen Lebensleistung des nun schon Sechzigjährigen, der se-t vierzig Jahren die Entwicklung jüd:schen Lebens beeinflußt hat. Er ha: eine Entwicklungslinie zurückgelegt, die ebenso ungewöhnlich ist, wie ungewöhnlich stark die Beeinflussung war, die fast alle jüdischen geistigen und politischen Richtungen von ihm erfahren haben. Zu fast jeder bekannte er sich einmal und für eine gewisse Reihe von Jahren, um sie zu befruchten und sie, wie er meint, zu überwinden, sich von ihr los sagend, ohne es aber bewirken zu können, daß sie selbst zu wirken aufhöre, wie ein Autor eines von ihm später verleugneten Buches die in chm enthaltenen Ideen nicht mehr erschlagen kann. Jetzt ist er leidenschaftlicher Verfechter des jüdischen orthodoxen Traditionalismus, geistig und politisch. Das Thema von Samstag abends war eine Deklaration feines Bekenntnisses zur Orthodoxie. Als solche akzeptabel oder nicht, wie cs alle derartigen Deklarationen mit freiwillig, wenn nian will willkürlich, vorgenommener verstandesmäßiger Argumentation sind. Insoweit eine solche in diesem Fall versucht nmrfcc, durch Deutung des Wesens des jüdischen Volkes als des Trägers und Bekenners der Idee vom einig-einzigen Gott mit der Bestimmung, in der Auserwähl:- heit beispielgebend zu wirken, so war es weniger jüdischfromm-orthod.xe Einstellung als bedenkliche Annäherung an die Ideen der liberalen Assimilation. D:e kausale Fundierung rväre bei einem orthodoxen Roschha jeschiwah wohl anders ausgefallen. Wichtiger war das Beiwerk der Rede, welche jenen Birnbaum zeigte, dessen elementare Kraft die Besessenheit von der Liebe zum jüdischen Volke ist. Diese Besessenheit, die eisersüchiig wachsam bleiben und ewig besorgt sein läßt und ein Grund ist sowohl seines ewigen Wechselns der Mittel für die Rettung als seines ewigen Irrens. Ter große Einsame — so meint schon oder vorläufig noch Nathan Birnbaum — :)"t das jüdische Volk, das bis vor hundert Jahren — während der langen Zeit des Altertums, des Mittelalters und eines gu:en Stückes der Neuzeit — unbekümmert um die anderen Völker einsam für sich gelebt hat. Tie Erkenntnis vom einig-einzigen Gott hatte es ersaßt. Die Annahme des Got'.esgedankens ries einen einsamen, beispiellosen tausendjährigen Kampf gegen sich selbst hervor, einen Kampf, der, den Völkern unbegreiflich, mit dem ersten weltgeschichtlichen Lieg des jüdischen Volkes endete: die Verankerung der Ideologie vom einig-einzigen Gott. Ter zweite weltgeschichtliche Erfolg war, daß es ihm gelang, Zeugnis für den Gottgedanken abzulegen kraft der ihm gemäßen Einrichtung seines Lebens: Sowohl in der Zeit seines Ringens als auch in der Zeit seiner Gestaltung war das jüdische Volk einsam, früher schicksalsmäßig, jetzt gewollt und gezüchtet. Ter Sinn der Auserwähltheit ist es, ein Zeugnis- und ein Beispielvolk zu sein im Geiste -er Idee des einig-einzigen Got:es. Ein Bestandteil dieser Idee ist das Religionsgeseh. Dem jüdischen Volk ist es gelungen, ein Zeugnisvolk zu werden, aber ein B e i s p i e l v 0 l k ist es nicht geworden. Früher konnte es das nich: wer-en, weil es :n einer Atmosphäre der Unterdrückung und Verfolgung lebte, jetzt kann es das nicht werden, weil aus einem Einsamkeitsvolk ein Vielsamkeitsvolk geworden ist, das die Idee vom einig-einzigen Got: zugunsten verschiedener durch Banalität und Geistlosigkeit ausgezeichneter Ideen einer geistlosen und verrotteten Moderne aufgegeben hat. Das jüdische Volk ist e»n.Hans Dampf in allen Gasten geworden, und anstatt für sich, sein Gesetz, seine Sittlichkeit und feine Schönheit zu leben, mach: es die Hebungen der anderen Völker mit und erteilt ihnen noch Lehren. Angesichts der heutigen jüdischen Wirklichkeit müßte man verzweifeln, daß der Endsieg kommen werde: das jüdische Volk als Beifpiclvolk. Aber der Glaube an das Wunder, das jeden orthodoxen Juden beseelt, laste die Verzweiflung nich: aufkommen. Das Wunder wird kommen für das jüdische Volk, das wieder der große Einsame werden wird. P. h. Gta neues Machwerk der Agudah. Bon informierter Seite , wird uns geschrieben: Seit einiger Zeit sind hier in Wien Bestrebungen bemerkbar, die daraus Hinzielen, die hier wohnenden Ostjuden in einen Verband zusammenzuschließen, angeblich im Jntereste wichtiger religiöser Bedürfnisse der Wiener jüdischen Orthodoxie, vorzugsweise aber im Interesse der Kaschwuth, um die es in Wien schr schlecht bestellt sein soll. Es werden Einladungen ausgeschickt, Sitzungen abgehalten, Versammlungen veranstaltet, Statuten ausgearbeitet unv bestätigt. Und das Kind hat bereits seinen Namen, der so herzig klingt: Histadruth Hajereim! Wer sind die Initiatoren? Wer die Handlanger? Beschicht das alles wirklich nur aus rein religiösen Beweggründen? Warum wird em neuer Verband geschaffen, und die vor einigen Jahren in Wien entstandene orthodoxe Vereinigung Achduch Israel, die ja dasselbe Programm hatte, ließ man zugrunde gehen? Die Beantwortung dieser Fragen ist notwendig, damit man wisse, welckie Stellmrgnahme diesem Treiben gegenüber <mgezeigi ist. Von wem die Initiative ausgeht, ist eigentlich überflüssig;u sagen. Der Kenner der hiesigen Verhältnisse wirv ja gleich beim Horen der Worte Histadruth Hajereim (Organisation der Gottcsfürchtlgen) erraten haben, baß Herr Pappenhcim dahinter steckt. Nichtsdestoweniger aber wird sich mancher verwundert fragen: Ist dies denn möglich? Herr Pappenheim hat doch bekanntlich einen organisatorischen Zusammenschluß der in Wien lebenden ostjüdischen Orthodoxie nie leiden mögen, ans Furcht nämlich, daß das Kaschwuthmonopol der Sch iss schul in Gefahr komme! Aus diesem Grunde hatte er ja auch di« Achduch Israel bekämpft! Wie kann er nun auf einmal ein Förderer, ja sogar ein Urheber derartiger Bestrebungen geworden sein? Die Antwort ist ganz einfach: Der Verband wird weder im Interesse der Kaschwuth noch der Ostjüden ins Leben gerufen, sondern einzig und allein in majorem Agudae gloriam! Herr Pappenheim und Konsorten besitzen nämlich jetzt die Garantie, daß dieser neue Verband ein Werkzeug der agudistischen Politik fein wird. Und ein solches Instrument ist jetzt besonders notwendig. Neue Kultuswahlen stehen vielleicht bevor. Die Agudah brauch: mehr Sitze i> n der K u l t u s g 0 in e i n d e, um ihre „segensreiche" Tätigkeit (Behinderung der nationalen Renaissance, Sabotierung des Palästinaaufbaues, Zerreißung jüdischer Gemeinden) auf allen Punkten und mit allen Mitteln entwickeln zn-können. Herr Pappenheim sichert sich seinen Einfluß auf den entstehenden Verband in der Weise, daß er vorläufig im Hintergründe verbleibt uttb agrldistlsch orientierte Ostjildrn als Arrangeure in die Oepeiitlichkeit treten läßt. Diese oft - jüdischen Helfershelfer sind Männlein, die durch die klerikale Politik der Agudah ihr Ansehen im orthodoxen Judentum, von dem sie leben, zu vermehren und ihre Pfründen einträglicher zu machen hoffen. Aber glücklicherweise sind schr viele Ostjüden durch di« haarsträubenden Enthüllungen des gewesenen Aguvahpräsidmten, Herrn Isaak T u m i m, der zu den angesehensten Repräsentanten der galizischen Orthodoxie gchört, genügend aufgeklärt, um das wahre Wesen dieses Machwerkes zu erkennen, nnd sie werden fid6* wohl hüten, auf den Leilm zu gehen. Die Beliimviiing der Tuberkulose. Paris, 24. Februar. (Havas.) Prof. Calmette führte gestern m der Akademie für Medizin bezüglich des von ihm mit seinen Kollegen vom Pa st e u r - I n st i tut erfundenen Impfstoffes Beg zur Jmmunisierungvon Kindern, die in tuberkuloseverseuchter Umgebung geboren sind aus; von 1317 Kindern im zartesten Alter, die in der zweiten Hälfte 1924 geimpft würben, seien 7,2 Prozent an nichttuberkulösen Krankheiten und 0,7 Prozent an Krankheiten gestorben, bei denen Tüberkuloseverdacht vorliegt.. Es scheine alsd, daß 'der Impfstoff es ermögliche, ohne irgendwelches Risiko mindestens 93 Prozent der Kinder zu retten, die ohne die Impfung unreiibar vpr Beendigung des ersten Lebensjahres der Tuberkulose erliegen würden. Die Angelegenheit der »Wiener Allgemeinen Zeitung". Dienstag wurde der eine »-er Herausgeber der „Wiener Allgemeinen Zeitung", Geza Haesak, im Sicherheitsbureau über die Beziehungen des Blattes zur Niederösterreichischen Eskompiegestllschaft und zur Alpinen Montangesellschaft eingehend einvernommen. Mit diesem Verhör erscheinen die Zeugeneinvernahmen und damit auch die polizeilichen Vorerhebungen in dieser Angelegenheit vorläufig abgeschlossen und das zustandegekommene Material wird in Kürze der Staatsanwaltschaft übergeben werden. Nächsten erbarmt, über den erbarmt sich der Himmel. Wer kein Erbarmen hat, sondern grausam ist. steht im Verdacht, nicht von makelloser Abkunft zu sein, denn die Hartherzigkeit ist bei den Heiden zu finden. Barmherzigkeit dagegen ist ein Anzeichen der Abstammung von unserem Erzvater Abraham. Nur auf der Zedakah wird der Thron Israels aufgerichtet und fußt die Religion der Wahrheit. Israel wird nur der Zedakah wegen erlöst. Kein Mensch wird arm durch sie» aus ihr erwächst kein Schaden oder sonst ein Nachteil. Maimuni zählt acht Stufen der Zedakah aus. Tie höchste ist, einem bcizustehen, indem man ihm durch eine Subvention oder ein Darlehen ermöglicht, sich aus die eigenen Füße zu stellen. Mau gehe mit ihm ein Kcmpagniegeschöft ein oder verhelfe ihm zu einem Handwerksbetrieb, um „seine Hand zu stärken", damit er keiner Menfckenhilfe bedürfe. „Fasse ihn kräftig an und richte ihn auf, damit er nicht falle und hilfsbedürftig werde!" Einem verborgenen Armen, der sich weigert, die Wohltätigkeit in Anspruch.zu nehmen, muß man „schlau kommen" und ihm unter einem annehmbaren Barmans ein Ehrengeschenk verabreichen oder ein Darlehen gewähren. Charakteristisch ist folgendes Gesetz: Ein wohlhabender Mann, dem unterwegs das Geld ausgeht —in alten Zeiten kannte man ja keuie Eisenbahnen und Kreditbriefe —, darf die Wohltätigkeit aller Art in Anspruch nehmen. Nach Mainltttti ist er auch nicht verpflichtet, das Genommene zurückzuerstauen, „denn in diesem Moment war er ein armer Mann". Dieses unscheinbare Gesetz bietet eine wichtige sittliche Lehre. Es spricht zum Neichen: Auf der Wanderung durch das Leben kannst auch du einmal in Not geraten und gezwungen sein, zu kosten, wie es schmeckt, die Wohltätigkeit in Anspruch zu nehmen. — Tie siebente S:ufe ist, so zu spenden, daß der Geber nicht weiß, wer der Empfänger, und der Empfänger nicht weiß, wer der lieber war. Der Talmud lehrt: „Wer Zedakah :m verborgenen tut, ist größer als I Avje, unser Lehrer." In vielen alten jüdischen Gcmeillden I. existiert eine Art wandernder Krankenkasse, die darauf beruhte, daß einem jeden Mitglieds der Gemeinde, einerlei, ob arm oder reich, wenn in der Famiüe sich ein Krankheitsfall ereignete, zwei Büchsen ins Haus geschickt wurden, deren eine einen Betrag enthielt, der nur dem Kassenwart bekannt war. Jeder Hausvater, auch der reichste, war verpflichtet, die volle Büchse zu öffnen und ihr zu entnehmen, wieviel er wollte; die Reichen legten dann wieder in die andere hinein, so viel ihnen beliebte. Ein italienischer Prediger aus dem 15. Jahrhundert, Simchah Kohen Porto-Rapa, der selber ein reicher Mann war, sagte, das Geld gleiche dem Blu: -es Körpers, zu wenig verursache Atrophie, zu viel aber könne Lebensgefahr mit sich bringen; letzterem Uebel müsse durch Aderlaß abgeholfen werden. Ter Aderlaß, dem der Reiche sich unterziehen solle, sei die Wühltätigkeit; sie stelle in seinem Organismus das Gleichgewicht wieder her. Gleichwie für den Geber, enthält die jüdische Lehre auch für den Empfänger eine Anzahl Vorschriften. Immerdar, sagt Maimuni, muß der Mensch sich anstrengen und sogar Not und Entbehrungen auf. sich nehnlen, um nur nicht Menschenhilfe zu benötigen oder gar der Gesellschaft zur Last zu fallen. Auch ein Gelehrter und Angesehener, wenn er verarmt ist, greife zu einem geringeren, sogar zu einem herabgesetzten Handwerk, um nur nich: die Wohltätigkeit in Anspruch nehmen zu müssen. Vou gefallenen Tieren soll er die Haut abziehcn auf offenem Markte, um nur von seiner Hände Arbeit zu leben, und darf nicht sagen: Ich bin ein großer Weiser, ich bin ein Kohen, ihr müßt mich ernähren! Von den größten unserer Weisen waren manche Holzhacker, Balken träger, Wasserschöpfer für den Gartenbau, Eisenschmicde und Kohlenbrenner, sonderten aber von der Gemeinde nichts und nahmen nichts an, wenn rnan ihnen anüot. Ist aber einer krank oder alt oder mit einem Leiden behaste: nnd hält sich stolz und nimmt keine Hilfe in Anspruch, so gleicht er einem, der unschuldiges Blut vergießt. und wird für sein Leben zur Verantwortung gezogen werden. Für seine unnützen Qualen erntet er nichts als Sünde und Schuld. Wer aber Not leidet (doch ohne Leben und Gesundheit zu gefährden), gegen sie ankämpft und Entbehrungen trägt und Entsagung übt, nur um der Gesellschaft nicht zur Last zu fallen, der geht nicht aus dieser Welt, ehe er's erlebt, andere von seinem Uebersluß zu ernähren, chm gilt das Wor: der Schrift: ,/Gesegnet, wer seine Hoffnung auf Gott setzt!" So gewinnen wir das Bild des Spenders, der fröhlich und zugleich demütig von seinem Ueberfluß dem Dürftigen gibt. (Spinoza ist wohl selten so jüdisch wie da, wo er das „Bene agere et laetari", das „Wohltun in Freude", preist.) Er wünscht auch keine Danksagung, zumal er weiß, daß, wie La Rochefoucauld sagt, eine solche meist nur die Bereitwilligkei: andeutet, weiter Wohltaten in Empfang zu nehmen, während der Empfänger ohne Unterwürfigkeit und Erniedrigung erhobenen Hauptes die Gabe in Empfang nimmt in dem Bewußtsein, daß zwischen ihm und dem anderen sich ein Akt der Gerechtigkeit und des Wohlwollens abgespielt hat, der in eine überpersönliche Ordnung der Dinge gehört, im wesentlichen ein Akt sozialer Vorbeugung, der Nach Kräf:en dahin strebt, den Schwächeren nicht in die Tiefen hinabgleiten zu lassen. In einem gewissen Sinne fühlt sich der Spender dem Empfänger verpflichtet, weil dieser ihm Gelegenheit zu einer guten Tat gegeben und ihm die Freude daran (simcha schel mizwah) verursacht und seine ewige Seligkeit gemehrt hat. Die Volkspovsie hat die Zedakah mit einem Kranze wundevschöner Sagen und Märchen umgeben. Der Volksglaube meint, daß die Seelen derer, die den Armen hienieden viel Gutes getan haben, in der anderen Welt Gewänder bekommen, die aus Sonnenstrahlen gewoben sind. Im Traume erscheinen sie ihren Hinterbliebenen, angetan mit diesen leuchte,wen Zedakahkleidern,