Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2518 (25.2.1926)
- Date
- 1926-02-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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«eite I Men, DonnerSto- «Mette« Mor-enzerturr- 25. f^ßbritat 1926 Sk. «H Im Jahre 1922 und der Frankcn sälscherafsäre siegeben. Der Bericht vevrveist sodann ans einen vertraulickwn Bericht Geros. der Anspielungen ontlxiltc, daß es auch in Deutschland cibnlicke Aktionen gab. Ans- Baio » z habe ausgesagt, daß WindischgräK ihm milgeteilt häcke: „Das ist ein» deutsche E r f i n d u n g." In seinen neueren Aussagen habe Prinz Windischgräh '«gegeben, daß es sich um eine deutsche Idee handle. Ter Bericht spricht sodann die Vermutung aus, daß es sich bei dem ganzen Franken sälschunsisskandal um die Umtriebe e'nergeheimen Gesellschaft handle. Ra da habe am 5. Jänner als Ziel des ganzen Unternehinens nebst dem Dienste für die 'Irredenta auch die Unterstützung vaterländischer Bereinigungen und der patriotischen Presse, ja sogar die Uebcrlassung eines de stimmten Geldbetrages für Regierungs- Zwecke bezeichnet. Barokz habe ansgesagt, daß mit einem Teil des Erlöses der falschen Gelder die Athenäum- Druckerei a ngckauft werden sollte. Auch Tausendmarknoten wurden gefälscht. Paris, 24. Februar. (Tel.-Komp.) In H y e r c s an der sran.zösischen Riviera wurde der ungarische Studen: Adolf L a m u e l y verhaftet. Er gestand ein, von einem u n gart s chcu K o m : t c e beauftragt worden zu sein, falsche T a u s e n d m a r k s ch e i n e in Verkehr 51t brin gen. Reben 20 echten fand man 3 0 falsche Noten in seinem Besitz. In Hheres hat Samuely einen wertlosen Tausendmartjche n aus ber Vorkriegszeit in Zahlung gegeben und dafür 1300 Franken erhalten. Samuely wurde in das Untersuchungsgefängnis in Toulon eillgeliefcr:. Die beiden Berichte. Aushebung einer FalschmilnzerwerkftStte in Berlin. Berlin, 24. Februar. (Tel.-Kmnp.) Die Potsdamer Kriminalpolizei hat in der Kantstraße eine Falschmünzerwerkst ä t t e ausgehoben, die von dem Goldschmied E 2 p r e st e r eingerichtet worden war. Der Goldschmied stellte falsche Einmarkstücke her und ließ sie durch seine Helferin ansgeben. Die beiden wurden verhaftet, die Werkstärre wurde beschlagnahmt. Sie kisenbahnlinie Beimt—Haifa. Jerusalem, 24. Februar. Nach hier eingelangten Meldungen ans Beirut ist dort eine Expedition französischer Ingenieure eingetroffen, um die Vorarbeiten zum Bau der Eisenbahnlinie Beirut—Haifa in Angriff zu nehmen. Tie Anlagen ^rr Bahnlinien erfolgen bereits im nächsten Monat. Umbenennung der paMInenstschen Gendarmerie. Jerusalem, 24. Februar. Die palästinensische Regierung hat soeben eine Verordnung erlassen, wonach die Gendarmerw von nun an folgenden Namen führen wird: Palestine and Transjordan Frontler Force. Türkischer Gegenbesuch ln Syrien. Paris, 24. Februar. Wie die Agenee Havas aus Angora berichtet, hat Oberkommissär de Jouvenel von Meppo aus dem türkischen Außenminister R u d s ch i Bei ein Telegramm gesendet, worin er ihm für die Aufnahme in Angora dankt und ihn einlädt, nach Beirut zu kommen. Ruschdi Be: hake geantwortet, er werde dieser Einladung bei erster Gelegenhei'r Folg« leisten. Besserung der Lage in Syrien. London, 24. Februar. (Tel.-Komp.) Laut „Times" hat der günstig« Abschluß der französisch-türkischen Verhandlungen bereits seinen Einfluß in Syrien geltend gemacht. Zwei der führenden mohammedanischen Geistlichen in Damaskus haben in der großen Moschee zugunsten einer friedlichen Regelung gepredigt. Eine Versammlung von syrischen Notabeln hat beschlossen,- eine Delegation zu den Drusen zu senden, um mit ihnen über die Unterwerfung zu unterhandeln. Nach einer Meldung der „Times" haben die Aufständischen die Eisenbahnlinie bei Baalbek unterbrochen. England in Indien. Delhi, 23. Februar. (Wolfs.) Die gesetzgebende Versammlung verhandelte heute über den Antrag der Nationalisten, den gesamten Staatszuschuß für die Eisenbahnen abzulehnen, weil die Elsenbahnbehörden in unverantwortlicher Meise die Verwaltung verschwenderisch führten und nicht genügend indische Beamte in hohen Stellen sich befänden. Der Antrag wurde wotz VNirmmg des Regiemngsvertreters angenommen. Li« allislamitischer Kongreß. Die Wahl des Kalifen. 'las „Zagreöer Tagölatt" meldet: Seitdem Mustafa K e m a l Pascha den letzten Sulran und Kalifen aus Konstcmtinopel verjagt hat, haben die Moslims keinen rechtmäßigen Kalifen wehr. Kemal Pascha ernannte zwar einen Kai.fen, doch sind nicht alle Moslims mit diesem zufrieden. B.imni ist auch, daß sich Hussein, der König von Hedfchas, als Kalif erklärt hatte. Aber auch er findei nicht überall Anhang. (Er ist bekanntlich inzwischen abgesetzt worden und lebt in Zypern im Exil. — Die Red.) Deswegen haben alle muselmanischen Organisationen Fühlung miteinander genommen, um sobald als möglich eineil attgemeirl anerkannten Kalifen zu wählen. Ter Wahlkongrrß soll demnächst in Kairo statt- Huden. Je 400.000 Moslims iverden hiebei einen Vertreter haben. Der vorbereitende Ausschuß wurde bereits gewählt und hat alle nwKi.iiiicheu Llämmc und Bäcker emgAad«h hü» tMcefe* jk bchiyiM«. -- y. W i e n. 25. Febrnar. Das ungarische Abgeordnetenhaus soll hellte mit der Debatte über die beiden Berichte des parlamentarischen Untersuchungsausschusses beginnen. Es sind umfangreiche Arbeiteli, die die Referenten der Mehrheit mtb der Minderheit vorlegen und beide treffen sich in dem Bestreben, der Regierung Bethlen durch die Schlußfolgerungen eine goldene Brücke zu bauen. Auch die Minderheit will nur eitle politische Verantwortlichkeit fcftftcflen, indem sie der Regierung nwngelnde Energie vorwirst. Daß die Mehrheit mit dem großen Schwamm über die ganze Tafel hinfährt, muß nicht wundernchmen. Wie kann die Regierungspartei auch anders Vorgehen? Sie hat die Anklageschrift des Herrn Sztrachc abgeschrieben, die schon alles Bedenkliche aus denr Kuchen entfernt hatte und lediglich die in Haft fitzenden Erwischten als die Täter und Anstifter gelten lassen will. Trotzdem niuß man aber hervorheben, daß die Grundlage dieser ganzett Aktion nicht die Ergebnisse der ungarischen Untersuchung sind. Die Negierung hätte keinen Finger gerührt, wenn nicht Briand seilten Gesandten in Bewegung gesetzt hätte. Die Tätigkeit Ungarns erschöpfte sich in Sabotage, die so weit ging, selbst die Arbeit der in den Ausschllß kommandierten Maineluken zu hindern. Der Ausschuß hat niemanden unter Eid einvemehmen könneit. Das ist freilich nur ein Schötlheilsfehler. Auf ein paar falsche Eide mehr oder welliger kommt cs bei einer solchen Affäre in Ungarn nicht an. Der springende Punkt ist der, ob die Regierung auch anders als politisch belastet ist, ob ihr Mitwissen so weit ging, daß sie absichtlich die Gegenwirkung unterließ. Die Ausschußmajorität ist in ihrer Reinwaschung zu eifrig getvesen. Sie konstatiert, daß Bethlen schon vor Jahren von Tcleki informiert wurde, daß er aber außer einem Auftrag an Nadossy nichts weiter getan hat; sie konstatiert des ferneren, daß Graf Bethlen schon bei dieser Gelegenheit den Namen' des Prinzen Windischgrätz hörte. Zwischen dieser Informierung unö der im letzten Dezember erfolgten Mitteilung des Rittmeisters Kozma bestehe keine Verbindung. Ist das nicht eine Provokation? Bethlen hat den Nadossy in beiden Fällen nicht mehr gefragt, wo er doch gewohnt war, täglich die Spitzelberichte seiner Politischen Polizei zu lesen? Unaufgeklärt, ja nicht einmal berührt ist die Frage nach der mysteriösen Reise des Grafen Teleki nach Berlin; nicht aufgehellt ist der Inhalt der Konfe renzen zwischen dem Innenminister Rakowszky. Windisch grätz mtb Nadossy. Die Lücken der Anklageschrift erscheinen selbstverständlich auch im Bericht der Mehrheit. Das Abgeordnetenhaus soll die beiden Voten bis zum; 6. März, an welchem Tage Bethlen nach Genf abreift, absolvieren. Es wird stürmische Sitzungen geben und viel leicht noch manche wichtige Enthüllungen. Aber der Antrag der Mehrheit, der die Regierung und sogar alle Mitglieder der Nationalversammlung exkulpiert, wird ange nommen werden. Vielleicht würde auch eine kräftigere Nationalversammlung zu keinem anderen Beschlüsse kommen, wenn hinter ihr die Alsöld-Brigaden des Gönibös und des Hejjas stehen. Die Frage kann nicht in Ungarn gelost werden und sie wird es auch nicht, so lange sich nicht der Völkerbund auf die Forderung seiner Ehre besinnt. Im „Matin" fordert Jules Sauerwein, der Publizistische Vertrauensmann Briands, daß der Völkerbund Ungarn unter Anklage stelle, da man doch Briand und Benesch nicht zumuten könne, dem Bethlen die .Hand zu reichen. Bethlen, der in seiner Angst vor Genf nach jeder Rettungsmöglichkeit ausspäht, hat sich den Sir William Goode verschrieben, einen politischen Agenten der englischen Konservativen. Bethlen versucht, die Sache so zu drehen, daß die Frankenfälschung sich doch gegen Frankreich richtete, also gewissermaßen für England ihre guten Seiten hat. In der europäischen Politik sind Roßtäuscherkniffe sehr angesehen; in dem vorliegenden Fall wendet sie ein konservativer Staatsmann an, der aller Welt einredet, daß Ungarn ein Bollwerk gegen den Bolschewismus ist. Bisher hat es sich als ein der europäischen Sanierung vorgelagertes Sperrfort erwiesen, das bis hinauf mit Giftgasen gefüllt ist. Dem Bolschewismus hat Ungarn nichts getan und kann ihm nichts tun. Aber es verpestet Europa urid den Völkerbund, dessen gleichberechtigtes Mitglied es ist. Hoffentlich wird die englische Negierung die Schcntde abschütteln, daß sich das Pogromregime auf sie berufen darf. Shamberlnin über den B'ölkerbunbrat. London, 24. Februar. (Reuter.) Im Unterhaus erklärte Außenminister Chamberlai.11 in Beantwortung einer Anfrage, daß eine Erweiterung des Völkerbundrat es über die Wahl Deutschlands hinaus in Locarno nich: erörtert worden se:. Die in Locarno vertretenen Mächte hätten bereits erklärt, daß sie bereit seien, Deutschland hinsichtlich der Zuweisung eines ständigen Ratss:tzes zu unterstütze«, doch bezüglich der Ansprüche anderer Mächte sei nicht die R ede gewesen, und er habe niemals, weder damals noch früher, irgend jemanden erwähnen hören, daß das Uebereinkvmmen, die Wahl Deutschlands zu un:erstntzen, das Uebereinkomnlen in sich schließe, sich jeder anderen Aenderung zu Widersetzei,. Ae Finanzlage Frankreichs. (Eigendisnst der „Wiener Morgenzeitnng".) Ataris, 24. Februar. Ter Senat begann heute die allgemeine Diskussion der von der Fiuanzkommission ausgearbeiteten Finanzvorlage. Generaibcrichicrstatter Cherond legte eingehend die Finanzlage Frankreichs dar, die er ziemlich 'i optimistisch beurteilt. De i n n e r e S ch u l d von 2 8 3 Mi il: arde 11 Franken sei mit einer Annuität von 6 0 0 Millionen in 80 Jahren zu tilgen. Die ä u ß e r e Schuld betrage, auf pari berechnet, 3 6.4 0 0 Millionen und könnie, wenn die Alliierten die Zahlungs fähigkeit Frankreichs so berücksichtigten, wie sie diejenige Deutschlands berücksichtigt haben, gleichfalls im Rahmen des Budgets aniortisiert werden. Das B u d g e t d c f i z i t habe sich von 20 Milliarden im Jahre 1920 auf 13 4 5 MiIlivn e u im Jahre 1925 vermindert. Während die ständigen Einnahmen von 9707 Millioncll im Jahre 1919 auf 30.446 Millionen im Jahre 1925 gesteigert tvorden seien, hätten sich dir Ausgaben von 40 Milliarden im Jahre 1920 auf 34 Milliar den im Jahre 1925 vermindert. Bon der inneren Schuld in der Höhe von 283 Milliarden entfielen 41,8 Milliarden auf kurzfristige und 88 Milliarden auf schwebende Schulden. Die schwebenden Schulden Englands betragen das Dreifache der französischen. Während im Jahre 1921 außerdem noch 05,5 Milliarden Gutscheine der nationalen Verteidigung umliefen, befinden sich heute nur noch 45,6 Milliarden im Verkehr. Tie kurzfristig» Schuld sei um 6 Milliarden gesunken. Ter Berichterstatter warnt vor der Inflation und weist darauf hin, daß die Vorschüsse der Bank von Frankreich 34,9 Milliarden be tragen, während' die gesetzliche Höchstgrenze mit 38,6 sestgesetz: sei. Jüdische Schulforderungen in Polen. (Eigcndienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 24. Februar. In der letzten Budgctdebcute brachte Abg. Wygodski die Forderungen des jüdischen Klubs aus dem Gebiete des jüdischen Schulwesens vor. Er wies darauf hin, daß der polnische Staat sich bisher dem gesamten jüdischen Schulwesen gegenüber gleichgültg Verhalten habe. Es sei daher Pflicht des Staates, für das Schulwesen der Inden, wenn es auch aus privaten Mitteln erhalten wird, zu sorgen. Ter Redner beantragt, daß die Regierung für die 200.000 jüdischen Kinder, die jüdische Schulen besuchen, 60 Zloty pro Kind und Jahr bewilligen soll. Kronprinz Karol. Mailand, 24. Februar. (Tel.-Komp.) Der Kronprinz Karol ist mit Frau Lupeseu und dem Generalinspektor, des rumänischen Sicherheitsdienstes nach Paris abgere.st, wo er in den nächsten Tagen wichtige Zusammenkünfie mit rumänischen Politikern haben w.rd. Abends ist Prinz Karol in Begleitung der Frau Lupeseu in Paris eingetroffen. Er hat alle Erklärungen über Zweck und Tauer seines Pariser Aufenthaltes abgelehnt. Ae Diktatur in Griechenland. General Plastiras ln Jugoslawien interniert. Belgrad, 24. Februar. (Tel.-Komp.) General Plast: 1 a der flüchtige Führer der Opposition gegen den griechischen Diktator Pangalos, wurde heute früh in Skoplje von deni jugoslawischen Behörden aufgegrisfen und einstweilen in Stadt interniert. Sin Fing Kairo—Kapstadt. Aus London wird gemeldet: Am Montag werden vier Militärflugzeuge von Kairo aus den etwa 25.000 Kilo!» .'icc mngen Flug Kairo—Kapstadt autrewu. Tetnan unter Feuer. London, 24. Februar. (Tel.-Komp.) Die Beschießung von Tetnan durch die Rifkabhlen dauert tveiter an. Der Bevölkerung der Stadt hat sich eine Panik bemächtigt. Das spanische Oberkommando hat sich entschlossen, sofort durch Truppenabieilungeu die Berggegend um Tetuan, von der aus die Beschießung erfolgt, absuchen zu lassen. Für di'sc Operation werden voraussichtlich 6000 Mann erforderlich sein. Die Beschießung Tetuans wird auf die Absicht A b d e l Krims znrückgesührt, auf die Djeballastämme in der Gegend von Tetuan einen Druck auszuüben, da sie Neigung zeigen, sich den Franzosen zu unterwerfen. Einberufung der beurlaubten spanischen OffiKiere. Madrid, 24. Februar. (Havas.) Der Kriegsminister hat sämtliche Offiziere, die den Marokkotruppen angehören und sich gegenwärtig auf Urlaub befinden, dringlich angewiesen, sofort auf ihre Posten zurück z ulk e h r e n. Ser neue Grift in der Mrkei. Zn unserer am 10. d. der I. T. A. entnommenen Mel» düng sendet uns der Direktor des Etablissements Orosdi- Back in Konstantinopel, .Herr G. v. Back, die folgende berichtigende Zuschrift: „Es ist unrichtig, daß di? Firma Orosdi-Back eine jüdische Firma ist. Richtig ist vielmehr, daß die Etablissements Orosdi-Back eine französische' Aktiengesellschaft sind. Es gibt keinen Herrn Orosdi Back, Inhaber obgenannter oder einer. ähnlich genannten Firma, rvohl gibt es mehrere Herren Orosdi und mehrere .Herren Back, die zum Teil Bertvaltnngsräte, zum Teil Dircktoren dieser Firma sind. Es ist unrichtig, daß diese Firma aufgefordert wurde, ihr jüdisches Personal zu entlassen. Richtig lst, daß das tlirkische Handelsttlittisterium alle hiesigen Firmen ausgefordert hat, mindestens 60 Prozent türkische Angestell 1 e einzustellen, wobei jedoch kein Unterschied der Religion in Betracht kommt, sondern bloß türkische StaatMrgerschast gemmt Wül