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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-24 · Heft 2517 (24.2.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2517 (24.2.1926)
Date
1926-02-24
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Men. MlWsH Wiener «r. 8*7 ■sr »*'■«' »1 Sin Feind des Lichte». Gtn »Meinrad Snftaitiger M eine ganze Stadt in Schrecke». Aus New-Dork wird berichtet: Wie die Blätter berichten, wird die Stadt Omaha im Staate Nebraska seit Wochen von einem vermutlich irrsinnigen Verbrecher in Schrecken gehalten. Vor einiger Zeit wurde Ar Arzt Dr. Searles abends, als er in seinem hellbeleuchteten Ordinationszimmer saß, durch das Fenster erschossen. Man fand auf der Straße eine leere Patronenhülse, doch hatte niemand einen Schuß gehört. Der Attentäter ivar spurlos verschwunden. Einige Tage spater wurde auf dieselbe lautlose Art der Kaufmann Devitt auf der Straße hinterrücks nie-crgeknallt. Abermals fand man in einer Entfernung von fünfzig I Schritten Himer einem Baum die leere P a t r o n e n- I Hülse, während niemand einen Schuß vernomnien hmie. Der Mörder hatte sich aus dem Staube gemacht. Attentate dieser Art wiederholen sich in Omaha beinahe täglich. Der geheimnisvolle Attentäter mit der knallosen Repetierpistole schießt aufs Geratewohl durch beleuchtete F e n st e r und hat, abgesehen von den beiden Tickesopfern, schon eure ganze Reihe von Männern und Frauen verwundet. Niemand traut sich mehr, in Omaha am Abend im Erdgeschoß der Häuser das Licht brennen zu lassen. Die Polizei hat alle verfügbaren Detektivs aufgeboien, dcch ist es bisher nicht gelungen, den Attentäter auszusorschen. Man vermutet, daß es sich um einen Irrsinnigen handelt. Fünf Jahre ohne Nahrung. Ein wissenschaftliches Phänomen. Aus Bordeaux wird gemeldet: Vom hiesigen tnedizinischen Institut wird ein interessanter Fall einer Hungerkünstlerin mitgeteilt. Es handelt sich um eine 25jährige Spanierin aus Santander, die seit fünf Jahren in Bordeaux lebt und während dieser Zeit keine Nahrung zu sich genommen hat. Das medizinische Institut betrachtet diese Frau als ein außerordentliches P h ä n oln e n. Verschiedene Persönlichkeiten ausländischer Fakultäten wurden nach Bordeaux cingeladen, um an der Untersuchung des Falles teilzunehmen. Sie Rordpolrrpedltko« Amundseus. Aus Rom wird berichtet: Mit Ausnahme von Lunundsen und Ellsworth sind nunmehr alle Mitglieder der Amundsenschen Nordpolexpedition in Rom eingetroffen. Die Probeflüge des Luftschiffes „N. 1" haben unter der Führung des Obersten Nobili und des Piloten Niiser-Larsen begonnen. Ein Schiff mit Ausrüstungsmaterial ist bereits nach Norwegen unterwegs. Gin Mkssekduell aus Her Straße. Aus Belgrad wird gemeldet: Wie die Blätter aus S e m l i n berichten, gerieten dort zwei Kellner nach einer Zecherei in einem Kaffeehause wegqn geringfügiger Ursache in Streit, den sie mit dem Messer auszutragen beschlossen. Die beiden Kellner begaben sich auf die Gasse, wo sie vor einer Zuschauermenge das Messerduell austrugen. Der Kampf dauerte über eine halbe Stunde und endete mit dem Tode des einen Duellanten, der einen Stich ins Herz erhalten hatte. Der andere Kellner tvutde lebensgefährlich verletztins Spital übergeführt. Die Körper der beiden Duellanten wiesen nicht weniger als 30 Stichwunden auf. Keiner der Zuschauer wagte es, die beiden Menschen, die wie rasend aufeinander losstachen, zu trennen. Die Polizei hat eine strenge Untersuchung des Falles eingeleitet. Unfall in einem steirischen Aergßau. Im Schwefelkiesbergbail in Teichen bei Kellüvang stürzte während der Zimmerung eines Stollens eine Wand ein. Das herabstürzenpe Gestein begrub zwei Bergleute, die förmlich zerquetscht wurden und nur mehr als Leichen geborgen werden konnten. Eine entmenschte Mntler. Auf der Strecke von Falkenau nach Graslitz in Böhmen sanü ein Bahnwärter einen etwa dreijährigen Knabrn gefessel: quer über dir Schienen gelegt. Auf die Frage des Bahnwärters, wer ihn dort hingrtegt habe, antwortete der Junge: Mein Mutti, und wo diese sei: Sie ist Schokolade kaufen gegangen. In der ftendigen Erwartung, daß die Mutier mit der Süßigkeit bald kommen werde, war das Kind geduldig liegen geblieben. Trotz ßisrigster Nachforschungen konnte bisher von der entmenschten Butter keine Spur entdeckt werden. Dar Schauturnen der Mattabi iS. Zu einem schönen Fest hatte am Sonntag der jüdische Turnverein Makkabi 15 seine Freunde geladen. Sein Schauturnen war, wie der Obmann des Vereines, Herr Ernst Metzger, '.n einer wirksamen Ansprache ausführte, ein Rechenschaftsbericht vor der jüdischen Oeffentlichkeit. Ter Verein hatte sich den vornehmen Rahmen der Sophiensäle für die Erstattung dieses Rechenschaftsberichtes gewählt und etwa 2000 Personen folgten in dankbarer Schaufreude den Darbietungen. Der Aufmarsch der 250 Turner und Turnerinnen. der sich in tadellosester Präzision unter hebräischem Kommando vollzog, würde mit brausendem Jubel begrüßt, der sich dann beim Abspielen der Hatikwah noch steigerte. Alle jüdischen nationalen Organisationen Wiens hatien Abordnungen entsendet. Für das Direktorium des Zionistischen Landeskomitee war Herr Kommerzialrat M a r k u s erschienen, der namens der leitenden zionistischen Körperschaft dem Vorstand der Vereines den Tank für die mustergültige Erziehung der ihm anvertrauten Jugend ausdrückte. Ja« Studentrumeetlug der zionistischen Lander« komltees. Montag abends fand im Olympiasaal ein 2 tui> ente niin.ctn.ng statt, das die ErgänPMg des Cmpfcmgsckbends der Judäa vom Sonntag bildete. Namens des Zionistischen LandeSkomitves begrüßte Herr Dr. G o l d h a m m e r die Anwesenden. Herr A k z i n besprach die Bcdiitgungeu, unter denen das Individuum Anspruch darauf erheben kann, als produktiv s, Element der Volksgemeinschaft, der es anghehört, betrachtet zu werden. Insbesondere betonte er die Konsequenz, die sich für den jüdischen Akademiker aus seiner Weltanschauung ergibt, nämlich die Notwendigkeit, das Studium seines Spezia'.faches unter besonderer Berücksichtigung der Existenzbedingungen in Erez Israel zu betreiben. Der Direktor des jüdischen Realgymnasiums, Dr. Viktor Kellner, forderte, daß die Aktivität der Stuktttenschüft, die einst als Trägerin des Zionismus galt, den erhöhten Anforderungen Genüge leiste. Der Zionismus hat keine materiellen Vorteile zu bieten —' rnd das ist eine seine: Stärken, die aber nur dann zum Ausdruck kommt, wenn man ihm eine entsprechende ideale Einstellung entgegenbringt. Frauenmode und ArbeiteinlenstM. Der Direktor der Cdison-Filiale in Boston hat ein neues Mittel gefunden, »m die Arbeitsintensität in seinem kaufmännischen Bureaus zu heben, das bereits glänzende Erfolge gezeitigt haben soll. Er stellte nämlich fest, daß die Erscheinungen der weiblichen Angestellten die männlichen Kontoristen zu einer Art Arbeitsteilung veranlaßten, indem sie nur 50 Prozent ihrer Zeit auf die Geschäftsbücher verwendeten und die restlichen 50 Prozent aus die Modestudien an ihren weiblichen Kollegen. Er ließ daraufhin ans Kosten des Betriebes sämtliche Damen in schmucklose schwarze Kleider stecken, und diese nicht unerhebliche Ausgabe für die über 400 weiblichen Angestellten hatte sich in fitrjer Zeit nicht nur rentiert, sondern bereits zu einem Reinverdienst umgcstaltet. Denn schon einen Monat später konnte dieser energische Herr seststellen, daß die Arbeitsintensität in den Bureaus tatächlich um 50 Prozent gestiegen war. Gin Unschuldsbewels. Frau %rta W. in Erding bei München, das tiuMndisams Weib emes Meckeren Getoevbetvvrbeiuden, stand mrlänHst 4m Mvttcklipunikt einer tragikomischen GerichtsverhaMung. Schon als die ehrbare, wachiigLnähvde Dame mit ihren 26 7 Pfund Lebendgewicht auf die Anklagebank wollte, beziiehungstveife sollte, entstand ein bedenkliches Hindernis. Die Bank streikte, sie war so viel fraulicher Fülle nicht gewachsen und brach Evacheuid unter dein ZweieinhalbFentNWgeWicht zusammen. Frau W. nahm daher vor ihr Platz wobei der alte Justizwachtmeister so gaiant war, sicherheitshalber M)Si Stühle be- Wiitznhalten. Und dann hörte man die wuchtigen Worte der AMcvge: Schwerer Diebstahl bei einem Laubennachbar. Die Angeklagte bestritt. Daß sie z,ive.i Leute um die kritische Stunde ges'chen haben wollen, müsst ein Irrtum sein. Win Hühnchen, das ans Nachbars Garten bei ihr gefunden wurde, halbe sich sicher imr verlaufen. Und dann kam der springende Punkt dor E n t l a st u n g. „Ich gehe doch mit dem besten Willen nicht mit nidneu 267 Pfund da durch!" (Gemeint war die Laittlbellpsorte des bestohlenen Nachbars.) Ratlosigkeit aus allen Gesichtern.?buif Vorschlag ainier Schöffin und einer alls GeivickMschreiibaritt fungierende,l Nestrendamm wmfoc ein Lo la lau gens che i n beschlossen. Drei Richter, om Staatsanwalt, der Berteidiger, die An,geklagte und fünf Zeugen zogen hiNMls zum „Tatort". Trilunphiercnd öffnete die Nachbarin der AlWklagten das Eingangstor, und in schtveigender Erwartung schtvebt auf aller Lippen die Frage: Werden die 267 Pfund hindurchkommen oder nicht? Fran W., im Bollge» fühl der >ge>krä>lkten Unschulld, bemüht sich von allen Seiten, erst links, dann rechts, dann wieder inigekehr:, aber es gelingt nicht. Der Zugang bleibt ihr verschlossen und unpassierbar.. Anr erheblich wenige-r volummöst Personen können sich hi» durchzitväiiMN. Da brechen auch die beiden letzten Stützen der Allklage. Die Zeugen, die Fran W. gesehen haben wollen, fallen mit und geben die Möglichkeit ein>es Jrwnms zu. „Dann könne»» »vir gleich hier zu Ende komm«»»," erklärte der Bvrsitzende, und in llebewinstmunnug mit Dtaatsailitvalt und Biwieidliger ist die Berta" pvei Miilitten Wtw frei» gesprochen. 84. Februar 1986 m«i ■ . i ■ mwmimmi Ais EINREIBUNGSMITTEI.;,t der echie LÖWEN FRANZBRANNTWEIN mit Menthol von unübertroffener Wirkung, Er lindert alle Schmerzen rasch und sicher. Machen Sie einen Versuch u. urteilen Sie selbst. Achten Sie auf die Schutzmarkei In Originalflaschen überall erhältlich Gesetzt gesch. Schattmarke WO Erzeugen Alexander Kalmar, Wien, IL Nordbahhhof Rene Verhaltungen im Falle Moransziv. Seine Gattin und ihr Geliebter eir»geliefert. Die Untersuchung g:gen den Juwelendieb Moranszky, der, wie wiederholt berichtet, in Mailand, Zürich, Prag. Brünn und Graz Juwekneinhrüche mit Milliarvenschaden ausgcsührt mit mit der Beute im Hause Praterstraß; 12 einen Juwelenladen ein gerichtet hat, har ein neues Ergebnis gezeitigt. Seine Gattin, Julie Moranszky, mit der 'der Mann schon feit Jahren nicht mehr lebte, und der frühere Geliebte der Fran, der 31jährige Fleifchha-iergehilfe Heimann Träumer, wurden hier vorha'iet. Tie Frau erscheint der Mitschuld verdächtig. Ucker die Rolle Träumers ist man sich noch nicht vollkommen klar. Die Verhaftung hat eine Vorgeschichte, die mchr als einem halb Jahre zurückliegl. Im August 1924 war Träumer, der ans Preußtsch-Schlesiin stammt, bei einem Juwelier in Hernals er> schienen und batte ihm Juwelen im Werte von ungefähr 160 Millionen angeboren. Träumer wurde wegen Bedenklichkeit angchalten. Erst gab er an, er habe die Juivelen von einein Unbekannten auf der Fahrt bei Prerau gekauft, dann wieder erzählte er, er habe sie im Coupe zwei polnischen Juden gestohlen. Im Landcsgericht erzählt» er bann, er habe die Juwelen von einem iin zweiten Bezirk r lnbl i erten Juwelier, der in arger Bcdrängms war und einen Einbruch wegen der Versiche-- rungsfnmme fingieren wollte, zum Verkaufe erhalten. Den Namen des Juweliers wollte Träumer durchaus nicht nennen, weil der Mann Familienvater fei und er ihn nicht ins Unglück bringen wollte. Tie Juwelen stammten nach fachmännischer Prüfung durchwegs aus Deutschland. Träumer wurde int April vorigen Jahres wegen Dickstahlsbeilnehmung zu acht Monaten schweren Kerkers verurteilt und landesverwi-rfen. Er ist dann aber heimlich in Wien geblieben. Di; Bekanntschaft mit Frau Moranszky hat Träumer schon im Jahre 1822 durch Vermittlung des chemaligen Mi Häftlings Moranszkys, Alexander Groß, gemacht. Bei der Polizei gab mm Träumer an, daß Frau Moranszky wiederholt nach Graz gefahren sei und öfters Schmuck mitgebracht habe. Träumer will dann zur Familie Hchldampf in der Quellenstraße gegangen sein, um Nachrichten, über Moranszky zu echglten. Dort habe ihm die Braut des Einbrechers, Valerie, erklärt, Moranszky sei rin Gauner. Im Juni 1923 löste er das VechälMis mit Frau Moranszky. Ta sie nicht nur durch die Aussagen Träumers, sondern auch' durch andere Erhckungen belastet erscheint, wurde sie nun vechastet. Sie har seit dem 13. d. in Budapest geweilt, angeblich um ihre Ehescheidung zu betreiben, und ist erst Sonntag hicher zurückgrkehri. Ihre Angaben in ber ganzen Sache sind sehr unklar. Die Aeußerungen Träumers bezeichnet fir als Lügen. Auch sie wird dem LandeSgerick^ eingelirfert werden. Blulige Familienttagödien. Gin (&*eifcn$Mwr geht in den Tod. Gestern vormittags fand die Hausgehilfin Bambusek, als si» an ihren Dienstort im Hause Dentschmeisterplatz 4 zurückkchrte. ihren Dienstgeber, den 74jährigen gewesenen Kaufmann Karl G, im Schlafzimmer mit einer Schnittwunde ander Kehl« und einem Stich im Bauch l eblos vor. J»n angrenzenden Speisezimmer lag dessen Gattin, die 66jährige Marie G., dieine Einschußwunde in der linken Schläfe und eine Schnittwurrde am Halse airftvies und bewußtlos war. Aerztliche Hilfe wurde geholt, doch konute' man bei dem Manne nur mehr den Eintritt des Todes seststellen. Die Fran »vurde im lebensgefährlichem Zustande ans die erste Unfallstation gebracht und hier sofort einer Operation unterzogen. Nach einem zurückgelassenen A b s ch i e d s b r i e f hartdelt es sich mti eine» Doppelselbstmord wegen Krankheit. Eine Mutter schießt auf ihr vierjähriges Kind und tötet sich selbst. In der Neulerchenfelderstraße 38 hat gestern früh di« 40jährige Kellnersgaltin Therese W ag n e r ihr vierjähriges Kind Ernst durch einen R e v o l v e r s ch u ß verletzt und sich dartn s e l b st getötet. Das Kind, dessen Verletzung nicht schwel ist, wurde in das St. Annen-Kiriderspitäl gebracht. Nach einem vor< gefundenen Abschiedsbrief dürfte Krankheit der Frau die Per- 3U der Schreckenstat gewesen fetvw

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