Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2517 (24.2.1926)
- Date
- 1926-02-24
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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«er*» Men. Mittwoch Wiener Morgerizeltrma 24. Februar 1926 9h. ISt« f—m Wieder eröffnet! Hotel National Wien. II. Taborstrasse 18 Telephon 42*5*9» Volistandigneu eingerichtet, zentrale Lage, 200 Zimmer mit messendem kalten u. warmen Wasser, Bäder, Zentralheizung, Lift. Kaffeehaus und Restaurant im Hause! MAsslge Prelie! Neue Leitung! Der magyarische Sptimismus. - V- Wie n.- 24. Februar. Sec Döllerbuudkommissär für Ungarn, Herr Jeretrnas 3mitf), schreibt in seinem 21. Bericht: „Die Lage wurde im Laufe des Monats Jänner noch schwieriger in* fuigc jener Umstände, die im Zusammenhang mit den rvrankensälschungen in Ungarn ans Licht gekommen waren und welche Ungarns inner- und außenpolitische Situation in bestimmender Weise beeinflußt baden." Es muß schon .ziemlich arg um die Situation Ungarns stehen, lvcnn dies sogar Mister Smith anzudeuten für gut befindet. Er ist bisher sehr vorsichtig gewesen, so vorsichtig, daß er jede ihm oorgelegre amtliche Schwindelei geglaubt und in seinem -Referat an die letzte Herbstsession des Bölkerbundes sogar erklärt^hat, er habe in dem ihm unterbreiteten Budget keine Spur besonderer Ausgaben für militärische Geheimzrvecke entdeckt. Ihm Ivaren die Posten für wissenschaftliche und sportliche Ausbildung der Jugend nicht weiter ausgefallen. Es mußte schon sehr dick kommen, um den so scharfsichtigen amerikanischen Kontrollor - zu belehren, daß man l^eld und Budget fälschen kann. Es wir) ihm und den Vertretern der anderen Staaten nicht erspart bleiben, die bisher gemachten Erfahrungen zu beherzigen. Ungarn ist einzig in seiner Art und die politische Komödie, die offiziell aufgeführt ist, hat sehr blutige Soffiten. Dieses Spiel hat unter den Augen der ausländischen Beobachter begonnen, die sich heute samt und sonders als Blindeninstitut etablieren dürfen. Ihr politisches und soziales Verständnis ist infantil. Die Massenpogrome, mit denen die Gegenrevolution ihre Konsolidierung begründete, wurden kaum beachtet, und sie waren doch nur das äußerlich sichtbare Signal für die Zertrümmerung jedweden Rechtsgefühls. Die Mörder wurden mit Avancement belohnt, bekamen als Helden fette Pfründen oder wurden, wenn es-schon gar nicht anders ging, amnestiert und konnten sich dann ihren Sold holen. Was sie in den kleinen Judengemeinden und in den Kellerlokalen der Kasernen und der Hotels geleistet hatten, das bauten sie dann politisch zu dem Ueberfall auf das Burgenland, zu Einbrüchen in Steiermark aus und übertrugen es dann auf das wirtschaftliche Gebiet. Sie sind wirklich Tausendkünstler, denen Amt, Gericht und Schuljugend applaudierte. Und wenn nicht die Haager Polizei gewesen wäre, so würden die auswärtigen Diplomaten tviäer berichten, in Ungarn sei das Rechtsleben in vollster Ordnung. Diese Ernpirik des Weltbetruges, den dieses ungarische Zadravecz- und Horthy-System darstellt, hegt denn auch für die weitere Zukunft keine besonderen Besorgnisse. Ist es nicht ein goldiger Optimismus, wenn der Untersuchungsrichter die beiden Lumpen, die den Vazsonyi mit Knüppel und Revolver angrisfen, auf freien Fuß setzen will, weil dieser Vazsonhi keine Amtsperson fei. Das ist keine Provokation, sondern nur die logische Linie des christlichnationalen Kurses. Derselbe Optimismus zeigt sich in dem Verl>alten Bethlens, der der Opposition rät, wenn sie durchaus demonstrieren wolle, sich der Kundgebung für die erhabene Person des Staatsoberhauptes anzuschließen; in den Verhandlungen des Untersuchungsausschusses, der der Opposition nicht das stenographische Protokoll gibt; des Staatsanwaltes, der den Gero und Nadossy anweist, die Vorladung vor den Ausschuß mit der Aufforderung des Götz von Berlichingen zu erwidern; des Innenministers, der die sozialdemokratische Demonstration auf Flinte und Säbel aufmerksam macht; des Teleki, der nach Berlin fährt urtd mit Schultze konferiert und noch immer nicht in Haft ist; des Grafen Bethlen, der schon die Reden für Genf memoriert; des Untersuchungsrichters, der dem Nadossy sagt, es seien gegen ihn Anschuldigungen der Saujttden (worunter er alle versteht, die kein Geld gefälscht haben) oorgebracht worden. .Hat diese zuckersüße Gesellschaft von Freie e cochons, deren armselige Weltanschauung von der Ftwsnhatz ausgefüllt wird, nicht eigentlich ein gewisses Recht auf ihre lächelnde Verachtung aller Welt außerhalb ihres Globus? Bethlen bereitet sich für Genf vor und wahrscheinlich konferiert er schon eifrig mit dem Klebelsöerg (soferne er nicht eben eine Mitteilung Perenyis entgegenzunehmen Hai) über die Frage, wie man den Völkerbmü» am besten eiitseifen kann. Wenn ein Ministerpräsident sich zu einer Reise entschließt, so hat er sich zuerst vergewissert, ob er auch wittkommelt ist. Wenn Bethlen abreist, so ist er willkommen. Welche Meinung hat er wohl von dem Forum, vor dem er erscheint und in dem er einen Staat, ein gan- Volk vertreten soll. Ter Völkerbund ist die Repräsentanz der Idee des übernationalen Rechtes. Bethlen i . präsentiert anch eine Idee. Es wird interessant werden, i; SRanwiA dis Entremie dieler baden Idem vielen Am 8rez Israel. Eine britische Universität in Palästina? London, 23. Februar. (I. T. A.) „Daily Mail" weiß zu melden, daß ein Betrag von 56.000 Pfund zur Verfügung gestellt wurde, um Baulichkeiten für das englische College zu Jerusalem auf dem Oelberg auszuführen. Das College wird den Grundstock für die zu errichtende britische Universität Palästinas bilden. Das englische College zu Jerusalem wird von der Jerusalemer Mission für den O st e u geleitet. Das Institut gibt als sein Ziel an: Stärkung des Glaubens durch Jugenderziehung und Krankenpflege. Kurs für Araber am Haifaer Technikum. Jerusalem, 23. Februar. (I. T. A.) Am Haisaer Technikum wurde ein Spezialkurs für arabische Bauarbeiter eröffnet. Ter Kurs wird in hebräischer Sprache geführt und von dreizehn Arabern, die des Hebräischen mächtig sind, besucht. Der Ji'dro-Zwischenfall vor Gericht. Jerusalem, 23. Februar. (I. T. A.) 55 arabische Beduinen hatten sich vor dem Haifaer Stadtgericht zu verantworten, weil sie vor einigen Wochen jüdische Landarbeiter zu I i d r o im Kischongebiet mit Getvall verhindert haben, die Entwässernngs- und sonstigen Bodenarbeiten durchzuführen. Das Gericht verurteilte -12 Beduinen zu je einem Monat Gefängnis. Ter Fall der 13 übrigen Angeklagten wurde aüsgeschieden und dem Distri-ktsgerich: zur weiteren Amtshandlung übergeben. Die Agudah „kämvft" in Jerusalem um dir Schechitah. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Jerusalem, 23. Februar. Der Agudahsi'chrer Rabbiner Sonnenfeld fjflt, wie berichtet, in Verfolg seines Kampfes gegen das jüdische Gcmeindeg-ssetz einen Jstur (Verbot) auf die unter der Aufsicht des Rabbiners K u k stehende Schechitah erlassen. Dieser Schritt hat in der hiesigen jüdischen Oeffentlichken ungeheure Erbitterung heworgerufen. Rabbiner Kuk dagegert warnt in einem Ausruf die Bevölkerung Jerusalems, das Koscherfleisch der Agudahschechitah einzukaufen, da es den religiösen Borschriftett nicht entspreche. Ter von der Agudah eingeleitete Kantps um die Schechitah nimmt Dimensionen an, die geeignet sind, die Einheit der hiesigen Gemeinde zu zerstören. Der Prozeß der Agudah gegen die zionistische Srganisation iu Amerika. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeilung.") - New-Dork, 23. Februar. Wie bereits gemeldet, hat die Agudas Jisroel nach Amerika Emissärs geschickt, um durch Sammlungen für ihren angeblichen Kolomsationsfonds die großzügige Paläst'.naaktion zu schädigen. Gegen dieses Manöver trat das Organ der Zionistischen Organisation in Amerika „New Palestina" in schärfster Weise auf mit der Behauptung, daß die Agudah in Palästina keinen Boden besitzt und daher kein Geld für Kolonisationszwecke sammeln kann. Die Agudah sei nur eine Gefahr für die Einheit des Mischen Volkes und schädige drtrch ihre unverantwortliche Tätigkeit das jüdische Volk. Die von der Agudah im Wege von Annoncen verbreiteten Mitteilungen, daß sie in Palästina 100.000 Dunam Boden als ihr Eigentum besitze, bilde ein großes Rätsel, das einer Klärung bedarf. Dieser Angriff wurde nun von dem Exekutivkomitee der amerikanischen Agudah zum Anlaß eines Communiques verwendet, in dem mitgetcilt wird, daß die Agudah für die Ver- «breitung dieser Mitteilungen von „New Palestine" einen S,chadenersatz von einer halben Million Dollar fordere. Die Agudah beabsichtige, die Exekutive der Zionistischen Organisation vor ein rabbinisches Schiedsgericht;u laden. Ae Wische Welthilsskonferenj. Einstellung der Sammeltätigkeit. — Untersuchung der wirtschaftlichen Lage der Juden. Berlin, 23. Februar. (I. T. A.) Die Exekutive der Jüdischen Welthilfskonfereuz, die in den letzten Tagen in Berlin getagt hat, hat soeben ihre Beratungen beende:. Sie hat Beschlüsse gefaßt, die folgendes besagen: 1. Die Exekutive der Jüdischen Welthilfskonferenz beschließt,- bis auf weiteres die H i I f s t ä t i g k e i t e i n z ust e l l e n und f ei u c Sammelaktion vorzunehmen. 2. Die Exekutive hat in der nächsten Zeit alle ihre Kräfte auf die aufkläreude Arbeit über die ökonomische Lage der Juden in den verschiedenen Ländern in Zusammenhang mit der erforderlichen Hilfsarbeit sowie auf die Schaffung des von der Karlsbader Konferenz beschlossenen Verbandes für soziale Hilfe zu konzentrieren, gleichzeitig anch die Verbindung mit beti internationalen nichtjüvschen Organisationen werter auszubaueu. 3. Die aufkläreude Arbeit soll durch spezielle Enqueten und Erforschilng der aktuellen Materialien, durch Herausgabe von Broschüren und sonstigen Publikationen sowie eventuell durch Herausgabe einer Zeitschrift zum Ausdrtick tonimen. 4. Tie Schaffung des Verbandes für soziale Hilfe soll in Gemeinschaft mit dem K o- Dins jüdische Haus I as jüdische Blatt | mitee der jüdischen Delegation in ParkD durchgeführt werden. 5. Als Beginn der Tätigkeit $ur ÖS* gründung des Verbandes soll der Z u s a m m e n s ch l n $ derLänderin Mittel und Osteuropa in Betracht kommen-. Zu diesem Zwecke wird in Berlin eine Kommission» bestehend aus den Mitgliedern des Zentralrates der Jüdischen WelthilfSkonferenz und einigen bekannten zu kooptierenden Persönlichkeiten ins Leben gerufen. In einem späteren Zeitpunkt sollen die bedeutendsten jüdischen Organisationen hinzutreten. Das Bureau wirbeauftragt, die Frage der Schaffung einer Spezialorganisation für K i n d e r h i l f« zu beraten und in Gemeinschaft mi: den Kinderhilfsorganisationen einen entsprechenden organisatorischen Entwurf auszuarbeiten. Das Bureau wird ferner beauftragt, Schritte zu unternehmen, um die jetzt bestehenden Institutionen der Welthilfskonferenz in Rltßland und in anderen Ländern, insbesondere die Arbeit des Komitees für Hilfe an Intellektuelle, sicherzustellen. Das Bureau wird beauftragt, die Hilfsaktionen für di« Juden in Polen und Beßarabien durch daS ihm zur Verfügung stehende Propagandamaterial zu unterstütze« Sie Krise im Wischen Seimklnb. Vor der Liquidierung. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 23. Februar. Wie Ihr Korrespondent aus gut informierter Quelle erfährt, befinden sich die Verhandlungen zur Liquidierung der Krise im Jüdischen Klub ans gutem Wege. Abg. Hartglas, dessen Kandidatur zum Klubpräsidenten von den Zionisten in Kongreßpolen beantragt wurde, hat erklärt, die Präsidentschaft nur unter der Bedingung anzuuehmen, wenn ihm Senator Körner als Vizepräsident beigegeben wird. Abg. G r ü n b a n m unterstützt diese Kandidatur und beabsichtigt, in beit allernächsten Tagen eine Reorganisation des jüdischen Nationalr a t e s vorzuttehmen. In seinem Plane liegt es, in den Nationalrat auch die ostgalizischeu Abgeordneten zu kooptieren. 8ln allgemein-Wischer Kongreß in Polen (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Warschau, 23. Februar. Unter Leitung des bekannten jüdischen und hebräischen Schriftstellers Hillel Zeit!in fand hier eine Konferenz der unparteiischen Organisationelk statt, die auf dem Gebiete der s o z i a l e n F ür s o r g e tätig sind. Herr Zettlin erörterte in einem eingehenden Referat die gegenwärtige katastrophale Lage der polnischen Judenheit mrd beantragte die Einberufung eines a l l g e m e i n - jüdisch e n K o n g r e s s e s in Polen, der bei Ueberbrückuttg aller Parteidisfererrzen über die zu ergreifenden Maßnahmen beraten soll. Besuch Sr. Nincic' in Rom. Belgrad, 23. Februar. (Tel.-Komp.) Außenminister Dr. Nincic ist heute abends nach Rom abgereist, wo er mit dem Mnisterpräsidenten Mussolini Zusammentreffen wird. Nach dreitägigem Aufenthalt iu Rom begibt sich Dr. Nincic nach Paris und von dort, nach ebenfalls dreitägigem Aufenthalt, nach Genf, wo er mit Dr. B e n e s ch und D u c a über die H ä l t u n g der kleinen Entente auf der bevorstehenden Tagung des Völkerbundrates beraten wird. In einem amtlichen Communique, das über die Ab reise des Außenministers veröffentlicht wird, heißt es, daß Dr. Nincic in Nom mit Mussolini einen Gedankenaustausch über die durch die Locarnoverträ<> geschaffene Lage pflegen will. Prland über de» vötterbandrat. __ Paris, 23. Februar. (Tel.-Komp.) Ministerpräsident Briand Ivandte sich in der heutigen Sitzung der Kannnerkom-- mission für auswärtige Angelegenheiten gegen die verschiedenen Polemiken, die die Frage der Bermehrungdex ständigen Völkerbundratssitze hervorgerufen habe mid erklärte, daß diese Frage in den Verhandlungen von Locarno nicht berührt worden sei. Doch sei schon vor Locarno wiederholt von eitler E r w e i t c* ruttg des Völkerbundrates die Rode gewesen und die daran interessierten Nationen hätten nur den E i n t r 111 Deutschlands in de »Völkerbund zum A nlaß genommen, um nun diese Erweiterung zu fordern. Dies sei ihr gutes Recht, das auf dem Völkerbundstatut beruhe. Der Ministerpräsident erklärte schließlich, er habe das volle Vertrauen, daß der Völkerbund sein Statut iu liebereinstimmig mit detl großen ihm anvertrauten Interessen auslegen und auch diesmal in voller Unabhängigkeit entscheiden werde, ohne sich durch irgend einen Druck beei"- fltlssen zu lasten. Ale Anrgabe« knglandr für feine Arbeit»« losen. London, 23. Februar. lieber Anfrage des sozialistischen Abgeordtteten Short berichtete der Arbeitsminister Sir A. Steel-Maitland, daß die Ausgaben für Regierungsunterstützungen an die Arbeitslosen während des Jahres 1925 nicht weniger als 45,800.000 Pfund (über 15 Milliarden österreichische Schilling) betragen hätten. Er teilte des weiteren mit, daß die beabsichtigte K o nferenz aller Arbeitsmini st er wahrscheinlich gegen 15. März zttsammentreten dürfte. Er erklärte über Interpellation eines Labourabgeordneten, daß es der Konferenz selbst überlassen iverden ntüsse, ob sie sich für geheim erklärt oder ihre Beratungen der Oessentlichkeit zu- Länglich «lache« LoÜG