Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1777 (26.1.1924)
- Date
- 1924-01-26
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Skr. 1771_Wien. Samstag Sie Kultur des jüdischen Sstenr. Der Vortrag Gronemannns. Der Wfomtte jüdische Schriftsteller Dr. S. Gronejnann (Berlin) sprach als Gast des jüdische« Schriststellerbundes „H aruach" in seiner humorvollen und lebendigen Art über die Eindrücke» die er in Kowno und Wilna während der .Kriegsreit empfangen. Damals führte der Zufall in Kowno eine Anzahl von Künstlern und Literaten regelmäßig zusammen, unter d"nen sich Richard Dehmel, Herbert Eulenberg, Arnold Zweig uno der Maler Struck befanden. Auch der Vortragende gehörte diesem Kreis-e an. der. soweit die damaligen Kownoer Freunde noch unter den Lebenden weilen, gelegentlich in Berlin unter dem Spitznamen „Stammtisch ehemaliger Intellektueller" zusammenkommt und Erinnerungen aus'auscht. „Wir alle." führt« Gronemann aus, „ob wir nun Juden oder Nichtjuden waren, beobachten in Kowno den Kampf zwischen der Kultur deS Ostens und — der Zivilisation deS Westens. Richard Dehmel hatte aus einem festlichen Anlass« ein Gelegenheitsgedicht gemacht und verwendet« eine von einem Bauern gezeichnete Randleiste als Schmuck des Manuspriptes. Unter das Opus setzte er d"n bezeichnenden Vermerk: „Es ist anzunehmen, daß die deutsche Zivilisation dieser Barbarei bald ein Ende machen wird." Gronemann schildert« daun die Ostsynagoge. Sie ist ein HauS, gemacht für die Menschen und nicht für den lieben Herrgott, der es nicht nötig hat, in einer Synagoge eiugesperrt zu werden. In der Ostsynagoge entwickelt sich ein „Klubleben" im besten Sinne des Wortes. Hier haben wir erkannt, was die moralische Autorität der Rabbiner bedeutet. Hier lernten wir, daß für den richtigen Juden der Sabbat bestimmt kein „Ruhetag" im westlichen Sinne ist. Der kleine jüdische Mann, der Fuhrwerker oder der Schuhmacher, leistet an diesem Tage geistige Arbeit, die ihm bestimmt mehr Anstrengungen verursacht als fein Togeswerk währender ganzen Woche. Als Beispiel für di« hohe Kultur des Ostjuden» tumS erzählt Gronemann das unvergeßliche Erlebnis, daß «in armer Jude, der nebst seiner Kinderschar noch eine Anzahl ihm anvertrauter Waisenkinder zu ernähren hatte', bloß die seiner Obhut übergebenen fremden Kinder in den Cheder schickte und nicht die eigenen, weil nicht für alle se'ne Mittel reichten. Er fühlte' sich vor allem verpflichtet, für die geistige Erziehung der ihm anvertrauten Kinder zu sorgen. Besonderlebendig war Gronemanns Schilderung der ostjüdischen Schule, des Eheders. Er, nicht minder aber nichtsüdische Freunde, hätten hier erkannt, wie rasch und gründlich das ostjüdische Kin-d hier die schwierigsten Disziplinen nicht nur erlerne, sondern auch erfass«. Sehr interessant waren auch seine ausführlichen Darlegungen über die jüdische Theaterk u n st. Im Osten fände man unter den Juden die besten Schauspieler, aber di« schlechteste Thea'erkultur. (Bekanntlich hat Gronemann selbst viel dazu beigetragen, um dem jüdischen Theater den ihm gebührenden Platz zu erobern. Man darf ihn den Vater der „Wilnaer" nennen.) Treffend waren auch Gronemanns Bemerkungen über die jüdischen Frauen. Es sei absolut nicht richtig, daß die jüdische Frau im Osten während des Krieges moralisch herabgekommen wäre. Bezeichnend war, daß ihn ein deutscher Korporal in einer Konditorei mit einer gewissen sittlichen Entrüstung vor den jüdischen Frauen und Mädchen warnte. ES komme einem nur so vor. meinte der Warner, daß Annäherungen Erfolg haben könnten. Die Jüdinnen seien sehr freundlich und fröhlich. Aber er habe st'ts die traurigsten Enttäuschungen erlebt. Er sei jedesmal abgeblitzt. Dies und noch ein« ganze Fülle interessanter Erlebn'sse und Beobachtungen brachte Groncmann in frischster Form vor und würzte seine Er-'ählungcn mit köstlichen Anekdoten. „Alles Traurige, waS wir sehen mußten," schloß er, „trat zurück gegen das Fröhliche. Wir alle gingen aus diesem Milieu sicherer, hoffnungsvoller hervor, wir alle haben zum ersten Male naive, unbefangene, ursprüngliche Juden kennen gelernt und wir sahen zum ersten Male Kulturmenschen in Masse, die mit der Philosophie des Steinklopfer^oans auf die Welt kommen. Die Nichtjnden unseres .Kreises sind mit ander?« Anschauungen über das Ind"ntnm nach Hanse z"rück^ek"brt. Wir Juden aber schieden aus dem Osten mit d'm Entschlüsse, es zu unserer Lebensaufgabe zu machen, die Brücke zu schlagen zwischen Ost und West — zum Heile des West'udentumL." - Stürmischer Beifall folgte dem fesselnden Vor'rag. Mittwoch den 30. Jänner 1. J., lin& Uhr abends, f ndet im Vortragssanie der Scholle", II Lilienbrunngasse la (Eingang nächst dem D anabad), ein Jüdischer Abend statt M'twirkend: Dl« Hamen Hilda Dul tzkaja. Fetty Fischer. Lea Graf-Wein- »raub. Mirjam Schnabel-Hoeflich; die Herren Isaak Pentsch. Oberkantor G Margnlies Am Klav er: i arl Gimpel (Künstlerische Leitung: Bernhard Scharrer Karlen am Schalter der .Wiener Morgretizel'tinR» u an der Abendkassa Ein Roman pds der jüdischen Gesellschaft Bnflapeus DieHeimatlosen von Wilma v. Vukeiloh Dinge vor allein inffru diesen Roman bemerkenswert itnb segelnd au« der Reche der vielen hnvoUreien: die iib naschende Kraft, m I der oo* soziale Bild einer Zeit und eine» Kreise» qe, eben »nd d'e »»beiitiilmerie Kühnheit und erschütternde Ehrlichlert, mit der kern Gegenstand gevr cht wüd. ni\euc trM p, m»* Prsls geheftet K 44.000 In Haiblelnwand K 52.000 Zn besienen dureh jede Buchhandlung oder direkt vom Varlag Dautsoh-Oaeterraiohtscher Verlag, Wien, I. FischeTBtiege __ Wiener Morftenzertimz. Mitteilungen aus dem Publikum. ßroste Q1’1'nstnn in den neuesten Potiser orteten ‘Gaborstr, 1 cWien, TT, Baborstr. 7 Felo Kalman Hanele Manüelhaum empfehlen sich als Verlobte Chrzanöw, im Jänner 1924 Anlässlich der Verlobung unseres Gesellschafters, des Herrn Manele Mandelbaum mit Fräulein Fela Halman gratulieren wir herzlichst D. Lauter & Co. Wien. AUFRUF! Schützet Eure Kinder vor Halskrankhrlten Sie können das sicW "" kreuzen, wenn Sie ihnen EafSchweizerHustenpastillen geben. Unentbehrlich für Jedermannf insbesondere für Kinder. Verlangen Sie in al'en einschlägigen Geschäften Gratisproben General'epMatz rnd Grosser Karniol & Glück mmm Wien. V.. Zentaaasse 3. Tel. 57-1*30 am Seht Weingartner? Im „Prager Tagblatt" lesen wir: Felix Weingartner, besten Ver rag mit der Wiener Volksoper mit Ende d. I. abläuft, wird ihn nicht erneuern. Er hat einen An'rag erhalten, als Generalmusikdirektor nach Chicago zu kommen. — Man wird der Nachricht gegenüber sich skeptisch verhalten müssen, solange sich nicht die Direktion der Bolkoper äußert. Reichsdeutsche Aeaterskandale. Eine bezeichnende Mitteilung der Dresdener Theaterleitung. — Die Hakettkreuzler gegen Georg Büchner. Bekanntlich haben die Hakenkreuzler anläßlich der Dresdener Erstaufführung der Tragödie „Hinkemann" von Ernst Toller (die demnächst im Wiener Raimund-Theater gespielt werden wird) wüste Skandalszenen verursacht. Tie Leitung des staatlichen Schauspielhauses in Dresden hat nun das Stück vom Spielplan abgesetzt und eine Mit. t e i l u n g versendet, in der es un'er anderem heißt, daß durch die Aufreizung der Politischen Leidenschaften, die sich im Gegensatz zu den Erfahrungen in anderen Städten nach der Erstaufführung der Tragödie „Hinkemann§ h'vausgostellt habe, eine so schwere Beunruhiaung in die verschiedensten Kreise der Bevölkerung getragen worden sei. daß den in unflätigster Weise bedrohten Künstlern das weitere Auftreten in dieser Vorstellung um ihrer Persönlichen Sicherheit willen nicht zugemutet werden könnet Noch barbarischer und — lächerlicher haben sich die chauvinistischen Nationalisten in Stuttgart benommen. Dort fand die von Gymnasiallehrern systematisch verhetzte Jugend, unterstützt von gedungenen Lärm machern, den traurigen Mut, die geniale Dichtung eines der besten Söhne des deutschen Volkes zu verunglimpfen. Sie lärmten nämlich ausgiebig anläßlich einer Aufführung von Georg Büchners „D ä n t o n s Tod". In diesem Stück muß bekanntlich an e'ner Stelle die Marseillaise gesungen werden. Diese Tatsache bewirkte zunächst, daß bei dieser vortrefflichen Aufführung die. Volksszrnen menschenarm blieben, weil die studentischen Statisten nicht mittun wollten. Als dann die ersten Tak'e der Marseillaise erklangen, entstand ein ohrenbetäubendes Brüllen. Doch die überwiegende Mehrzahl des aus Demokraten bestehenden Pub'ikums nahm gegen die bezeichnenderweise auf den teuersten Plätzen sitzenden Radaubrüder eine so droher.de Haltung ein, daß diese, die bekanntlich nur Mut haben, w'rn sie in großer Ileberzahl auftre'en, sofort schwiegen. Die Vorstellung konnte ohne jede Störung zu Ende geführt werden. „D'Albertiana." Engen d'Albert arbeitet an einer Operette im Stil seiner komischen Oper „Die Abreise". Das Tex.buch hat er fe’Oft verfaßt. —- Zn dem Lustspiel von Roda Roda und Gustav Meyrinck (nach Terenz) „Die Sklavin aus Rhodus" hat d'Albert die Musik geschrieben; das Werk wird am Theater Guild in New-Uork zur Aufführung gelangen. Wer vollendet Schuberts „Unvollendete"? Ein amerikanischer Sänger namens Bertram Peacock hat. wie die „Zeitschrift für Musik" meldet, einen Preis von 1900 Dollar für denjenigen Komponisten ausgesttzt. der die unvollendete Symphonie Schuberts auf eine würdige Weise beendet. Saisonbeginn in Rom. Die Spielzeit im Theatro Constanzi in Rom wurde mit Sponiinis „Vestalin" eröffnet. Das selten am Spielplan erscheinende Merk wurde mit großem Beifall ausgenommen. 26. Jänner 1934 Steife V Ludendorff und Liebermann. Man erzälhilt unL: In dom Dtanmnibuch der Dorothea K. schrieb Ludendorff höchst eigenhändig und höchst sEwetzstäMich: „Der Dienst für das Vaterland ist für jeden Deutschen das vornehmste Getfetz . . Dorothea K. hatte den Men Einifall. Max Lieb ermann ckls Zweiten zu bitten. Und Max Lieb ermann zeichne«! e auf das nackte Blait einen erschossenen Soldaten und einen verreckten Ga.nl und schrieb darunter: „Der Reist ist Schweigen." Aus de« Theatern. DolkSoper. Heute „DieFledermaus*. Sonn» tag nachmittags „SR t ft o t e 11 o\ Abends „Cavalleria r « sticana* und „D e r B a i a , z o*. — Dienstag de« 30. d. gastiert die Koloratursängerin Frau Marianne Strauß- Braun, Mitglied des Brünner StadttbraterS als M i g n o n. Im Deutschen BolkStbeater beginnt die beuiiae Erstaufführung von Hermann Suder'manns neuem Schauspiel „Die D e n k m a l S w e i h e". der der Verfasser beiwohnt, pünktlich um 7 Uhr. Wiener Bürgertheater. Mittwoch den 80. d. Uraufführung der Overette „Agri* von Ernst S 1e f f a n. WochenspielvlanderStaatSover. Sonntag. V,7 Uhr, „Carmen". Montag, 7 Nbr, «Cavalleria* r « st i e a n a*. „D e r B a i a z z o*. Dienstag, V*7 Nbr,.«D e r Prophet*. Mittwoch, 7 Ubr, „Violetts* k„L a T r av i a t a*X Donnerstag, */»7 Uhr, „Der R o l e n kav aller*. Freitag, '/,7 Uhr, „D l e B o h e m e*. Samstag, 7 Uhr, „D i e tote Stadt*. Sonntag. V B Uhr, „D ie Meistersinger von Nürnberg". Wochenlpielvlan des DurgtheaterS. Sonntag. l/,3 Uhr nachmittag-, „W e h' dem der lügt*. 7 Uhr abends „DasWintermärchen*. Montag, 7 Uhr, „DaS W i n t e r m ä r ch e n*. Dienstag, 7 Uhr, „Die Katakomben*. Mittwoch, 7 Ubr, znmerstenMale> „Die rote M ü h l e*. Donnerstag, 7 Ubr. „Die rote Müble*. Freitag, 7 Ubr. „E l e k t r a". Samstag, ‘/j3 Uhr nachmittags, „Flachsmann a l S Erzieher". 7 Uhr abends „D i e r o t e M ü h l e*. Sonntag, V,3 Ubr nachmittags, „D i e Stützen der Gesellschaft*, 7 Uhr abends „D i e r o t e M ü h l e*. Wochenspielplan deS Akademietheaters. Sonntaq, 3 Uhr nachmittag-, „Erster Klasse*, „Die Medaille*. »/,8 Ubr abends „Jolandaletzt e S Abenteuer*. Dienstag, '^8 Uhr, „Der Bibervelz". Mittwoch, */,8 Uhr, „Unterwegs*. Donnerstag. *',8 Ubr, „Jolandas letztes Abenteuer*. Freitag, *',8 Uhr. zum ersten Male, „Am T e e t i f ch". Samstag, 3 Uhr nachmittags, „D er S ch w an*. V,8 Uhr abends ,.A m T e e t i s ch*. Sonntag. 3 Uhr nachmittags, „DerRaubder Sabinerinnen*. '/g8 Uhr abends. „JolandaSledtesAbenteuer*. Wochenlvielvlan derBolkSover. Sonntag, '«,3 Uhr nachmittag-, „R i a o l e t t o". V-8 Ubr abends „C a v a l l e r i a r u st i c a n a", Der B a i o z z o*. Montag, ^/,8 Uhr. „Derflieaende Holländer*. Dienstai», 7 Uhr, „M i a n o n*. Mittmoch, 'L8 Ubr, „D e r F r e il ch ü tz*. Donnertztag, V»8 Ubr, „D i e Stumme von P o r 11 c i*. Freitag, 7 Ubr. zum ersten Male, „Fürstin T a n a a r a*. Samstag. '/?3 Uhr nachmittags, „D i e Z a u b e r f l ö t r*. (SchÜlervorstellung, kein Kartenverkauf.'» Wochenspielplan de-DeutschenVolkSt ü e a t e r S. Sonntaq. */,8 Ubr nachmittags, „I m weißen Rössel*. 7 Uhr abends „Die D e n km a l S w e i h e*. Montag, ft Ubr, „Fan st*. Dienstag und Mittwoch, 7 Uhr, „DieDenkmalSweibe*. Donnerstag, 7 Uhr, „Casan o v a i n W i e n*. Freitag, 7 Ubr, „Die Jüdin von Toledo*. SamStag, 3 Mr nachmittgS. „Liebelei — A b s ch i e d 8 s o u p e r*. 7 Uhr abends „Der weiße Heiland*. Wochenspielvlan deSRaimund-Tbeat e r S. Sonntag, '/»** Uhr nachmittags, „Martha*. 7 Ubr abend« „L i l i o m". Montag und Dienstag, 7 Uhr, „8Ui om". Mittwoch, 7 Uhr, „Die Räuber*. Donnerstag, 7 Ubr, „L i l i o m*. Freitag. 7 Uhr, „D i e D a m v f m a i ck i n e*. SamStag. *>3 Uhr nachmittags. „D i e lustigen Weiber v o n W i n d f o r*. 7 Uhr abends „Familie Schimek* Gerichtssaal. Das Martyrium eines Kindes. Gestern hatte sich die 64jähvicie Bcdienerin Eli-saibeth Kasper vor den Geschwornen wvg:n Ermordung der neunjährigen Antschi P u m, der Tech!er eines Hausb sor-gers, mit dem die Angeklagte im gemeinsamen Haushalte lebte, M veocnr'worten. Der Anklageschrift zufolge war die Kasper am 24. Oktober in d.'-r Sichecheitswackstube des 18. Bezirkes, erschienen und batte anigegeben, daß sich das Mädchen mit einer Hacke erschlagen habe. Das Kind wurde in einem Vinkel der .^üche kauernd tot mit einer beenden Wunde mrfoefunden. Es ernab sich smort d'r Verdacht, daß die Kaiver das Mädchen durch Hacke^chiebe getötet Es wurde bald sost-aestellt, daß der .Hansbesorger Pum und die Kasper »chlecht mit -/inander lebten, weil die Kasper für die kleine Anna nicht sorgte und sie m i ß h a n d e I t e Die Kasper, die als 'ähprni-g und stzr itsüchsia bezeichnet wir'd. beschimpft das Mädchen, das von der Lehrerin als sittsames und folgsames Kind bezeichnet wird, oft schwer n^d drohte Zmgen gegenüber, sie werde die Kleine noch erschlagen. Bor dem Un^ensuchnn-asrichter gab sie an sie habe auf das Kind, weil es keck aoweien sei, im Zorn Mlos mit der Hacke losg.sch'laaen. Einige Tage daraus gestand sie, das Kind aus Vorbedacht erschlagen zu haben. Bei der gestrigen Verhandlung hat sie ihr Geständnis vollständig .viderrufen. Der Prozeß ist für zwei Tape anberaumt. D'r Andrang von Neugierigen, besonders aus dem 18. B-gzirk, ist enorm. Die Angeklagte erklärt, sich für nichtschuldig und gibt an, ihr unehelicher Vater si Fleischhauer gewesen. Sie sei mit zehn Jahren nach Wien gekommen, und zwar als Kindermädchen. Eine Zeitlcmg war sie Bedienerin im Anatomischen Institut, wo sie auch einmal bei den Lichen zusammemänmen mußte. Sie habe keine Scheu vor Leichen gcha'bt. Si-e erklärt, sie habe dos Kind nie geschlagen. Der Präsident hält der Angeklagten vor, daß sie mit dem Hen'del. das sie hielt, zärtlich war und cs sogar ins Bett zu sich genommen hade. — Angekl.: Fleißig gelegt hat sie, darum lwbe ich ihr Futter gegeben, ab r zärtlich war ich nicht. —. Die von den verschiedenen Zeugen mitgeteilten Drohungen gegen das Kind, wie: „Ten Bankert evichlag' ich noch", „ich tat das Kind noch erschlagen, wenn es nwn wävc". bezeichnst die An-