Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2515 (22.2.1926)
- Date
- 1926-02-22
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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«tl I Wfttmy Mo^nzesfAKA" xu enibehnen g/ftct ö*‘CuucAest &x?/r£c&yrt fvtuin^Ste. sfatfa/e* /euren &Qhnenba/fae& V&mtenctmnJ Vom binationalsn PalWaa. Bon Wladimir JabotinSky. In der lebten Zeit, insbesondere noch drin letzten zionöstöschen Kongreß, wird in einem TM bet zwnrftrschen Presse dar Gedanke des Ans- 'ixuu-S Palästinas als eines binationalcn Staats« tvcsens — e'nreL arabischen und jüdischen — erörtert. In einer der letzten Nummern des „RasjiwjHt", des ZentralMMNs der Zionisten- Revisionisten, nimmt dor Fühwr der zioiüstlschnevisromstischön Gr'.-.ppe das Wort zu diesem Thema. Wir geben die interessante Darlegung in dontsscher Übersetzung in soiligendem wieder. Es ist vor kurzem eine neue Pa wie ausgegeben worden zum Zwecke der Versöhnung mit den Ambern: die Parole vom bination-cken Palästina, sie ist anscheinend von Berlin ausgcigangen, und einige Friicdenssttftor in Palästina haben sie aufgegriffen. Das soll ein Versuch sein, sich von den Chauvinisten abzuFrenzen, die laut vom Jnd-enstaate träunien. Aber die Frivedensstsfter werden andere Grenzmarkievungen finden müssen. Weder das schnwrzt uns, noch der Umstand, ' daß wir ihnen, von unserem politischen Selbstbowußtsain dazu gezwungen, die fein komponierte Serenade zerstören wenden, indem wir ihr unsere chauvinistischen Stimmten anhängen, und sogar im Unisono. Natürlich wind das zukünftige Palästina in rechtlicher Beziehung als ein bi nationaler Staat aufgrbaut werden müssen. Und nicht nur Palästina allein. Judas Land, in den: es auch nur eine kleine, aber national bewußte ethnische Minorität gibt, wird schließlich nach unserer tiefsten Uebrrzeuyung dieser Tatsache in seinem Rechtsaufbau Rechnung tragen und je nachdem ein Mi-, dreiusw. nationaler Staat werden müssen. Doch dabei bleibt die Majorität oben eine Majorität; und weitn sie quantitativ genügend stark ist - znm Beispiel 70 bis 75 Prozent der ganzen Bavölken.ng des Lr.ides — so wird trotz der strengen Betonung aller Rechte der Minoritäten und deren gesetzlichen Handhabung das Land faktisch der: Charakter eines nationalen Eigentums dieser Majorität tragen. Tie Parole des binationalcn Staates ist nicht non. Der Schreiber diesor Zeisen schrieb selbst einmal, daß Polen (die Rede war von Russisch-Polen) ein „Land der Juden urtd der Polen" sein müsse, im Rechtsverhältnis eines Landes zweier Völker. Vorher noch hat ein bnndistiichcr Publizist i«t Warschau dasselbe Postulat ausgestellt. Ich glaube, daß dieses Postulat gerecht tvar, dessen ungeachtet, daß die Inden in Russisch- Polen nur ein Zehntel der Bevölkerung ausmachten. Jsder Staat, jc-des autonome Gebiet, ja jede Stadt, wo es zwei, drei und wehr nationale Grtlppen gibt, müssen diese Tatsache in ihren', Rechtsanfbcn. berücksichtigen, und nicht nur so nebenbei, sondern ans der Basis der vollen rechtlichen Gleichheit oller Bürger, Nationalitäten und Sprachen. Dennoch wind ein Land, in dem diese Forderung mit idealer Bollkowmenhen und Geavissenhasrigteit realisiert wird, das aber 9V Prozent Polen und HO Prozent Juden hat, polnisch seiner Kultur und aller Lebonserscheinnngen nach bleiben. Tenn das wahre nationale Gesicht eines Landes bei aller Gleichberechtigung der Minorität vor dem Gesetz und auch bei Gleichheit des Kultnrniveaus der Majorität und Minorität wird von der Majorität bestimmt, wenn diese kraft ihrer zureichetlden Größe die tatsächliche Hegemonie hat. Die Minderheit — und mag sie mit noch so vielen Rechten ausgestattet sein — spielt immer nur die Rolle eines Schönhrrtspflastsrs aus dem Gesicht der Dame des 18. Jahrhunderts, das nur die weiße Gesichtsfarbe zu betonen bestimmt war. Das streben wir auch in Palästina an. Wir betrachtet, es als eine Pflicht der Ehre und der Gerechtigkeit, der zukünftigen arabischen Minderheit im zukünftigen jüdischen Palästina alles das zu garantieren, was wir für die jüdische Minderheit in den Ländern der Galnth verlangen. Das Gesetz des zukünftigen Palästina wird die absolute Gleichheit der Bürger, der Sprachen, der Konfessionen und das vollste Maß von PsvsonallMwnomte für jede Gruppe von Bürgern, die daraus Anspruch erhebt, sichern müssen. Und nicht nur für die Araber. Auch für das Mine Häuslein von T schertessen in Transjovdanien. Mehr noch: Wir, die alten Archänger Springers, werden darauf bestehen, daß selbst die jüdnche Ndajorrtät aris der Basis der Psrsonalautonomie für fpezwischjüdische Obliegenheiten selbst sorge, zum Beispiel jüdische Schulen einschließlich der Hochschulen müssen von Juden ausgehaVden werden, aus jüdischen, durch die Organe der jüdischen Autonomie emgetriebenen Steuergeldern. Ebenso die arabischen Schulen ans den GeAdem der arabischen Autonomieorgane. Weder diese noch jene werden „staatlich" sein; oder, wenn es angestoeibt wird, worden diese wie jene gleichermaßen staatlich sein. Es wird, wenn überhaupt, nur eine proportivnelle staatliche Subventionierung geben. Alle Sprachen des LawdeS worden den Titel der Staatssprachen 'führen. Nicht nur Heibväilsch und Arabisch, sondern auch Tscherkessrsch, wenn es die Tschevkesfen wünschen. Doch bei alledem wollen wir eine jüdische Mehrheit, mte abstWe, vvchemschende Mehchott. Wenn eS wahr ist, baß Palästina und Dvansjvvdanien (tote ckinst Prof. Ball öd schrieb) imstarrde sind, eine SechSmillimenbevMerung zu rr» nähren, so wollen wir, daß fünf Millionen Juden seien. Palästina wird daun in Wirklichkeit ein nationaler Staat dar Juden seiit, wenn auch nach seiner Konstitution binational, jlv. füilsitationall. Deim der ganze Geiist der Gesetzgebung, das Leben dor Bevöl>komng außerhalb des schmalen Rahmens der Schttilc, der Religion, der Familie und der Wohltätigkoilsübung, der ganze soziale Aufbau des Staates und der Charakter ocs in ihm sich vollziehenden sozialen Kampfes, alle Handgriffe der Ackevbarves, dar Jndustrlde, des Handels, tm ganze Ton des Lebens wrvd uitwillkürlich den Stempel de» jüdischen JMviduallität tragen. Mehr noch: >das Pathos sogar des nein garstigen Schaffens des Latldes wind den jüdischen Charakter tragen, und alle Nichtjüdischen Erscheinungen werden eine wenig Ibemerikbave Rolle spielen. Ja, ungeachtet aUe«. Rechte und aller Korrektheit in deren Befolgung wird d'e Minorität — obgleich wir es wahrhaftig keineswegs wünscheu — sich bis zu einem bestimmten Gnade assimilieren, das heißt unwillkürlich die den Juden ckiigeutümilichen Anschauungen und Lebensäußerangen awnehmen. Sogar das gewöhnliche Gespräch des einzelnen wird mit 'hebräischen Wörtern Vvrimscht sein. In den Angen jedermanns und aller, sogar der stölzesten Führer der Minovität wird die Staatssprache jenes Palästina, die der Inden fein, genau so wie die deutsche Sprache faktisch die Staatssprache des alten Oesterreich war, obgleich sie nach dem Gesetz nicht als solche gallt. In Oesterreich geschah es sogar trotz des Mchtvorhanbenseins einer deutschen Majorität, einfach aus dem Gruudr der früheren deutschen Kultur; um fo nnauMskblicheir bei einem quantitativen Uebevgewicht. Man braucht nicht aus die Schweiz und auf Belgien hinzuweisen. In der Schweiz gilbt es keine absolute nationale Majorität. Sie besteht tatsächlich aus 25 Staaten, von denen 18 deutschen, 5 französischen, einer italienischen Charakter tragen. Nur in Graubünden gibt eS keine absolute nationale Mehrheit, doch auch hi-eir ist die vorherrschende Kantonssprache Deutsch, dessen ungeachtet, daß Ladino <uinä> Jtaliieniisch nach den: Gesetz absolut dieselben Rechte besitzen, einfach darum, weil es dort dreimal soviel Deutsche als Italiener gibt und Ladino keine Kulturbedoutung besitzt. Im Münftigcn Palästina wind 'die Bevölkerung durchemande-vgemischt sein, ohne bestilnmte Sprachgrenzen, in Sichem sogar wird eS eine jüdische Majorität gelben. Nimmt man die Schweiz als Pavallcile, so darf nich: >x ganze R>publik heran-gezogen werden, wo die Nadionatitüe» territorial getrennt sind, sondem eiben Gvaubünücu. Auch Belgien ist keine Parallele. Hier gibt es eine klare Sprachgrenze. Bor deur Kriege verlangten D'Eck und viele andere die Teilung des Königreichs in zwei Gebiete, in ein flämisches und in ein wallonisches. Damit wich es euch zweifellos enden (nach der Forderung der Wallonen selbst), wenn die flämische Bewegung ihrevolle Entwicklung erreicht haben wir». Aus'Grund dieser Auseinandersetzung ist man gezwungen, zu konstatieren, oaß die Parole vom bmationüen Palästina vom Stundpunkie des arabischen Patrioten ein leerer Schall ist. Das geht klar daraus hervor, daß wir Anhänger des Judenstaates dieser Parole vom ganzen Herzen zustimmen, schon lauge zugestimmt haben, damals noch, als das helsingforsische Programm znsaw.mrngestellt wurde, denn dieses bedeutet nicht nur den Nutzen der Juden, sondern ist auch die Grundlade eines kulturellen Zusammenlebens von Majorität und Minorität überhaupt. Schon beim Nusstellen des Programms sahen wir klar voraus, daß bei idealer Verwirklichung für uns, für die Tataren, Tscherminen und Mordwer usw., Großrußlmö russisch, Polen polnisch, die Maine ukrainisch bleiben werbe. Tenn, wie gesagt, der Charakter eines Landes wird von seiner Mehrheit bestimmt, natürlich bei einer gewissen Höhe des Kulturniveaus der Mehrheit. Diese einfache Wahrheit kennen auch o'e Araber, uns oarum lehnen sie eine jüdische Mehrheit ab, welche Rechte auch imnier in der binationalen Konstitution enthalten sein inögen. Ein reales Entgegenkommen für die Araber könnte nur der Verzicht aus die Mehrheit sein. Das würde bedeuten, daß wir versprechen, wenn es in Palästina, sagen wir 700.000 Inden gilbt, e'we weitere Jmigration zn verbieten. Das empfehlen wir der Ausmcrffcsnitcit unserer Friedensstifter. Die Wahrheit zu gestehen, wir würden uns nicht wundern, wenn sie auch damit einverstanden wären, die nleisten von ihnen höben ja schon lange ihren Zionismus ansgegeben. Man wird trns wieder sagen, wir seien einem Einvernehmen mit den Arabern hinderlich. Das find Redeweisen. Ein Einvernehmen ans binationalex Basis wird nicht zustande kommen, auch wenn wir schweigen, aus dem Grunde, weil die Araber weder blind noch dumm sind. Sie sind trotz ihrer zivilisatorischen Zurück- Dins jüdische Haus I as jüdische Blatt ». ffylme 19» _Nr. im gebliebenhett ein ebenso kluges Volk wir wir. Traurig ist es, daß bas unsere Frichensstistrr vergessen. Wir alle wollen Frieden mit den Arabern, her unter der Bedingung, daß für die palästinensischen Araber kein Zweifel bestcht, daß in Palästina eine jüdische Mehrheit um jeden Preis geschaffen werden muß. Sie werden daun tvie jedes kluge Volk angesichts eines unabwendbaren Schicksals handeln. Sie werden sich mit dem SchicksK versöhnen, werden vielleicht sogar die historisch« Gerechtigkeit dieses Schicksals zn verstehen suchen, und werden mit unS in Verhandlungen treten über die Gleichberechtigung von Majorität und Minorität im zukünftigejüdischen Palästina. Aus Srer Israel. Zehn GMyenhben für lnrMvirttschaftRche Schulen in PnlLfttna. Slne Stiftung von Abraham Erlang«. Aus Jerusalem wird uns berichtet: Nachdem Ni iß Sophie Irene L o e b, die bekannte Journalistin, im letzten Sommer Palästina besuchte, ist es ihren Bentühungen gelungen, durch die Freigebigkeit de8 Herrn Abraham Erlanger aus Netv-Ivrk sieben Stipendien für Schüler der Lehrfarm itt Miklve Jisrael und drei Stipendien fftt Zöglinge der Mädchen-Lehrfarm in Nahalal zu bekommen. Für alle diese Stipendien sind je 60 Pfund im Jahre ausgesetzt und Miß Loeb hat bereits Herrn Erlangers erste Halbjahrsrate für diese zehn Schüler übettviesen. Zum Vorsitzenden des Komitees, das die Stipendiaten fiit diese zweijährigen Lchrkurse auswählen soll, ist Kölonel Kisch ernannt worden. Außer ihm gchören Herr Eh. P a tz m a n n, der palästinensische Vertreter der American Zion Commonwealth, und Frau Ben Jehuda dem Komitee an. Ozeatt2«mpfer bvtngen Touvkften nach Gvez Israel. Aus Jerusalem wird uns geschieben: Die ersten leiden Ozeandampfer, welche in diesem JNhre nach Haifa kamen, die „Adriatie" und die ,^8apland", brachten eine große Anzahl von Touristen nach Palästina, unter dcnerl auch viele Juden waren. Der Sekretär des Jüdischen Jnstriuatiousbureaus begab sich zum Empfange der „Lapland" nach Haifa. Mehr als 30 jüdische Familien, fast alle auö Amerika, kamen mit diesem Schiff an. Unter den Besuchern, die kürzlich nach Palästma kamen, befanden sich Councillor Koskh aus Loniwn, die Damen D u n n (Vertvandre von Lord Balfour), Herr Traug o i t aus Stockholm und Frl. Mabel Davis aus London. Wie das Jüdische Jnsormationsbureau erfährt, beabsichtigt Rabbiner Dr. Baeck aus Berlin, einer der Leiter der Keren-'Hajessod-Arbelt in Deutschland und Präsident der B'nai-B'rith-Logeu, Erez Israel zu Pefsach zu besuche». Ser Faszismus. (Eigendienft der „Wiener Morgongsttmtg»") Rom, 22. Februar. Der „ftmptxo* fordert Ms Verbrennung sämtlicher Bücher andSchvisten der oppositionellen Abgeordneten Nitti, Don Stnrzo und S a l v e na i n i, da die Tätigkeit dioser Politiker gegen den Faszismus nicht anders bekämpft werden könne. Das Justizministerium hat bei dem Kawuwvpräskdenten die Aufhebung der parlamentarischen Irwin itit»ttat der Südtiroler Abgeordneten Sternbach uns T i n z e l l verlangt, weil sie angeAich de» Verfügungen des Sicherheitsgesetzes zuwider gchantdett haben, mdem sie eine öffentliche Versammlung nicht anmeldeten. Prirstsent Soolidge rreuertich «krmEt. Paris, 21. Februar. Nach einem TÄegvamm der ,/Ncw-?)ort Herald" aus Washington gibt ein Commumqne des Weißen Hauses bekannt, daß Präsident Coolidge wegen einer neuerlichen Erkältamg wieder alle Vntevredungen hatte rückgängig machen müffen. Tagesbericht. AiMomben gegen eine Wische WlchiMig-, kettsvorftellnng. Aus Graz wird dem „Morgen" berichtet: AMßlich einer von einem jüdischen KrankennnteMatzungsverein veranstalteten Dilettantenvorstellung von Otto Ludwigs ,Die Makka« b ä e r", die heute vormittags im Schauispielhaus stattfand, kam e8 zu Krawallszeneu. Die Polizei hatte von der Absicht der Ruhestörer Kenntnis echalten und starke Patrouillen aufgöboten. Tatsächlich wurden die Besucher beim Betreten des Theaters angerempelt und beschimpft, so daß die Polizei einige Arretiernragen vornehmen mußte. Währeaad der Vorstellung selbst wurden Stinkbomben geworfen, im übrigen die Ruhe jedoch nicht gestört. Nach Schluß wiedecholten sich die Anpöbelungen der Besucher, die Schauspieler wurden von den Demonstranten beim Verlassen des Hauses mit Steinen bewovfen naußten von der Polizei beschützt werden. Im ganzen wurden 16 Personen verhaftet und nach Abnahme des Nationales wieder fr ei ge lassen. Hie Krise im »urgcheaier. Direktor Herterich bleibt? Die Krise im Bilrgttheater scheint einer friedlichen Lösung entgegenzugehen. Aus Kreisen des Unterrichts-uinisteriuins erfahren wir, daß Bundesminister Dr. Schneider das Demissiousgesuch des Burg theaterdirektors Hyrterich diesem wieder zurückstellen wird mit der Begvüüdnttg, daß die Streitpunkte, die den Rücktritt Herterühs veranlaßt habey, in der ZwischerlM voll-