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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-22 · Heft 2515 (22.2.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2515 (22.2.1926)
Date
1926-02-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Polen; M groiiyl Wien; /um Abholen in der Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkaul in Wien durch die Kolporteure der Firma Ool dschmied, 1, Wollrelle 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling r schecho-Slowakei; Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 5Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 '«chsahlnngen bei frei», erhöhuniten vorbehaliea Nr. 3511 Wiener ♦ Xi IPrais 20 «> England: Mon. 1 Schilling. Italien: Monat!. 18 Elke Rumänien' Mon. 170 Lei Bulgarien Mon.lGOLewr Schweiz und das übrig < Ausland monatllc.i Frcs Redaktion, Administration Wien, I!. Taborstr. 1 felephone: 44-0-38, 43-3*19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX.. (Jniversltätsstrasae 6-8 (D uckerel lg. Steinmann Me«. Montag. 22. Februar 1928 Oesterreichlsches Postsparkassen-Konto Nr. 150.690 8. FaHrgm« 8000 jüdische ümerbslose in Berlin. eine stürmische Kundgebung in der Reprüsenianienversammlung. Sie Juden in Tripolitanien für Palöstina Berlin, 21. Februar. (I. T. A.) In der letzten Plenarsitzung der Berliner Repräsentantenversammlung fand eine Lkundgebung statt, die zu stürmischen Szenen führte. Auf der Tribüne des Sitzungssaales ivaren zahlreiche jüdische Erwerbslose versammelt, darunter die Führer der „Interessengemeinschaft jüdischer Erwerbsloser", die etwa 1200 Mitglieder umfassen soll. Die Zahl der jüdischen Erwerbslosen in Berlin überhaupt schätzt man auf 8000. Mitten in der Schuldebatte, die gestern die Repräsentanteuversaimnllung beschäftigte und die mit der e i nstimmigen Annahme eines Beschlusses, daß zwei neue jüdische Volksschulen zu begründen seien, schloß, tönten, von der Tribüne laute Rufe: „Sorgt jetzt für die Erwerbslosen!", ,Mr wollen. Brot!", „Wir haben Hunger und rrollen endlich Taten sehen!", „Wir wollen nicht ins Asyl für Obdachlose, wir verlangen Mietsunterstützung!" Auf der Tribüne entstand ein Chaos. Die Sitzung wurde unterbrochen, und der Führer der jüdischen Volkspartei, Rechtsanwalt Dr. Klee, begab sich auf die Tribüne, um mit den Erwerbslosen zu verhandeln. Ihre Forderungen gipfeln in vier Punkten, die sie schon vorher in einem Memorandum niedergelegl haben: Mietsunterstützung, Zuschüsse zu der ungenügenden vom Staat und der Konmmne gewährten Unterstützung, Rechtshrlfe und großzügige Versuche einer Berufsumschichtung. Die von Herrn Dr. Klee abgegebene Erklärung, er verbürge sich dafür, daß diese durchaus gerechten Forderungen Berücksichtigung und — soweit die jüdische Gemeinde dazu nur in der Lage sei — schnelle Berücksichtigung finden werden, bemhigte die Gemüler, so daß die Sitzung fortgesetzt werden konnte/ ... Die Repräsentantenversammlung beschäftigte sich nach Abschluß der Schuld'ebatte auch eingehend mit der Erwerb slosenfürsorge. An der Debatte beteiligten sich der Vorsitzende des Wohlfahrtsamtes, Herr Eugen Caspari, der Repräseniant Pinkus von der liberalen Partei und die Herren Dr. Klee und Goslar von der jüdischen Volkspartei. Vom Gemeindevorstand gab der Vorsitzende, Kammergerichtsrat Dr. Leo Wolfs, die Erklärung ab, daß der Gemeindevorstand alles in seinen Kräften Stehende zu tun beabsichtigt, um der allseits in völliger Uebereinstimmung anerkannten Not der jüdischen Erwerbslosen in Berlin zu steuern. Caspari fetzte im einzelnen, auseinander, welche Maßnahmen bereits getroffen seien. Eine Kommission unter dem Vorsitz des Gemeindevorstehers Karesky wird alle weiteren Maßnahmen beraten und im Verein mit dem Wohlfahrtsamt schleunigst zur Durchführung bringen. Sir Herbert Samuel soll in den Srafenftand erhoben werden. London, 21. Februar. (I. T. A.) An informierter Stelle verlautet, daß Sir Herbert Samuel, der frühere Oberkommissär für Palästina, nach Beendigung fetuer Tätigkeit als der Leiter der Kohlenkommiffion in den Grafen-(Earl-)stand erhoben werden wird. Die Reorganisierung der Sicherheitrwesen» in Palöstina. Jerusalem, 21. Februar. (I. T. A.) Die hebräische presse Palästinas drückt ihre Unzufriedenheit mit der Demobilisierung der britischen Geitdarm c r i c und der Reorganisierung des palästinensischen Sicherheitswesens aus und meint, im Interesse der öffentlichen Sicherheit hätte die Demobilisierung noch fiir längere Zeit hinausgeschoben werden müssen. Die Presse protestiert auch dagegen, daß in der palästiltensischen Gendarmerie zu wenig Juden vorhanden sind und daß in das Grenzwachtkorps, das sich aus Arabern und Cirkassiern zusammensetzt, überhaupt keine Juden , ausgenommen werden. Dies sei eine Beleidigung für das jüdische Volk. Der Jüdischen Telegraphen-Agentur (Palestine Telegraphie Agency) wird von autoritativer Stelle mitgeteilt: In Palästina wurden im Jahre 1925 19.701 Verbrechen und Vergehen begangen, darunter 59 6 Schwerverbrechen, unter diesen 98 Morde. 36.642 Personen touren. wegen Gesetzesverletzungen festgenommen, von denen 8.400.als schuldig abgeurteilt, die übrigen freigesprochen nrden. Gegenwärtig sind in den Gefängnissen Palästinas 102 Personen in Haft, darunter 28 lebenslänglich Bervteilte und 261 Pers-nen, die 5 bis 15 Jahre' abzubüßen habe«. Rom, 21. Februar. (I. T. A.) Die vor kurzem neu getvählte Verwaltung der Mischen Gemeinde zu Beug hast (Tripolitanien) hat beschlossen, sich an der Aufbauarbeit in Paläst'.na aktiv zu beteiligen und auf die.Erziehung der Jugend in nationalem Sinne zu wirken. Während seines letzten Besuches in Tripolitanien hat der italienische Unierstaatssckretär C a n t a l u p o seiner Genugtuung darüber Ausdrück gegeben, daß die Judenschaft der Stadt Benghasi, die die größte jüdische Gemeinde in Tripolitanien beherbergt, treu zu Italien hält. 588 880 Dollar für die hebräische Universttöt. New-Iork, 21. Februar. (I. T. A.) Die Witwe des vor kurzem verstorbenen Philanthropen und zionistischen Führers Sol Rosenbloom, gewesenen Direktors des amerikanischen Keren Hajessod, spendete aus der Hinterlassenschaft Rosenblooms 500.000 Dollar zugunsten der hebräischen Universität in Jerusalem. Aus den Mitteln dieser Spende soll ein Gebäude errichtet werden, in dem Institute für jüdische Studien, administrative Bureaus sowie ein Auditorium maximum untergebracht sein sollen. Das Gebäude wird den Namen Sol Rosenbloom tragen. Schließung zweier Fahrgänge der medizinischen Falullät. Bukarest, 21. Februar. (I. T. 3t.) Der Senat der Buka- . rester Universität hat eine K n dg e b.u,n g veröffentlicht, in welcher seftge-stellt wird, haß ein großer Teil -der Wünsche der a n t i s e m ' t i s ch e n S: u d e n t e n bereits erfüllt wurde. Was die anderen, nicht erfiillten Wünsche betrifft, so haben die Studentenorganisationen 'bereits im vorigen Jahre erklärt, daß sie auf deren Erfüllung verzichten. Wegen der Ausschreirungen zur Zeit der Sitzung des Senats, der Störung der Vorlesung des Prof. V l a d e s e u und Beleidigung des Prof. Rainer, wobei die Einrichtung in dem Hörsaal beschädigt und in dem Laboratorium des Professors Babe sch die Türen eingebrochen wurden, beschließt der Universitätssenat einstimmig die Schließung aller Vorlesungen des 2. und 3. Jahrganges an der m e d i z i n i s ch e n Fakultät bis zum Schlüsse des S ch n l j a h r e s. Alle Schuldokumente dieser beiden Jahrgänge werden a n n u l 1 i e r t. Wei:ers beschließt der Universitätssenat die R eleg ie rung einiger Studenten von den anderen Fakultäten. Eineu Studenten am elektrotechnischen Jnstitu:, der den Saal stürmen wollte, als die Sitzung des Universitätsseuats abgehalten wurde, schließe der Senat für immer von der Universität aus. Griinbanm kommt nach Bukarest. Bukarest, 21. Februar. (I. T. A.) Der bekannte jüdischpolnische Politiker und Zionist Abg. I. Grünbaum wird in diesen Tagen hier erwartet. Er wird in Angelegenheiten des Keren Hajessod tätig sein und alle größeren Städte des Landes besuchen. Das Ergebnis der Rabbinerwahle« in Buvavest. Budapest. 22. Februar. (I. T. A.) Am fetzten Sonntag erfolgte in Budapest die allgemeine Abstimmung auch die durch die Repräsentanz der Pest er Israelitischen KultuSgemcinde gewählten Rabbiner. Wie jetzt mitgeteilt wird, hntvjrett gewählt: der Trenesener Rabbiner Dr. Benjamin Fischer mit 1274 gegen 41 Stimmen, Moses Feldmaun (1210 Ja, 56 Nein), Dr. Siegmund Großmann (1231 Ja, 32 Nein) und Dr. Max Weiß (1198 Ja, 63 Nein). Antimalariakamvi des Bölkerbundes. London, 20. Februar. (I. T. 3l.) Das Gesundheitsdepartemeut des Völkerbundes hat für den kommenden Sommer Kurse und Laboratoriumsübungen über Malariabekämpfung, insbesondere für jüngere 3lerzte in London, Paris und Hamburg, arrangiert. Anschließend an die Kurse soll jungen Aerzten Gelegenheit gegeben werden, Malariastndien in Italien, Spaniat, Korsika und Palästina zu betreiben. In London werden die Kurse von Dr. A. Balfonr, Direktor des Institutes für tropische Hygiene und Medizin, in Paris von Prof. B r u m p t, in Hamburg von Prof. Nacht, Direktor des Hamburger Institutes für tropische Krankheitssorschnug, in den Atonalen Juni und Juli geleitet werden. Re Tilgung der Exekutive der Mit' tzilfskovferem. Konzentration der jüdischen Wohlftrhrts» arbeit. Berlin, 22. Februar. (I. T. A.) Die Tagung der Exekutive der Wellhilfskonfercnz beschäftigte sich im wesentlichen mit i n n eren Org a n is a t io n s fra g en. Man war sich darüber einig, daß in Zukunft die Schaffung des auf der Karlsbader Konferenz beschlossenen Weltverb an des für soziale Hilfe im Vordergründe der Arbeit sichen solle. Tie Vorarbeiten hiesür sollen beschleunigt werden. Diese Vorarbeiten werden zum Teil darin bestehen, daß in denjenigen Ländern, in denen eine Konzentration der Wohlfahrtspflege noch nicht existiert,, zunächst diese Konzentration geschaffen wird. Voraussichtlich wird bald eine m i t t eI e n r opäis che Besprechung abgehalten werden von Vertretern derjenigen Länder, die eine solche Konzentration der Wohlfahrtspflege bereits besitzen, wie Deutschland, Tschechoslowakei!, Holland u. a. Es wurde auch über die Notwendigkeit wissenschaftlicher Vertiefung der Kenntnisse von Wöhlsahrtswösen überhaupt und von jüdischem Wohffcchrtswesen im besonderen und die H e r a u s g a b e einer Zeitschrift und einer entsprechenden Broschürenbibliothek erörtert. Das Verhältnis der Weltlhilfskonferen; zur anderen Organisationen zentraler Art war Gegenstand eingehender Besprechungen. Ruhe in Budapest. (Eigendienst der „Wiener Morgcnzcitnng."» Budapest, 22. Februar. Der gestrige Tag ist in Budapest vollständig ruhig verlaufen. Tie gesamte P o l i z e i m a n n s ch a f t der Hauptstad' sowie das M i l ität waren den ganzen Tag über in strenger Bereitschaft. In den Straßen patrouillierten den ganzen Tag Polizei- und G e nd aVm e r ie Pa t r o u i l l e n; alle als Zielpunkte einer etwaigen Demonstration -» Betrach: kommenden öffentlichen Gebäude waren durch Militärformationen gesichert. Die Rassenschützl er haben unter dem Drucke dieser Vorkehrungen von der Mhaliung ihrer Demonstrationsversammlung abgesehen, zumal die S ozialdemokraten in ihren Lagern versammelt waren, um gegebenenfalls fofor: zu einer Gegenkundgebnng aus die Straße zu ziehen. Spanien will in den Völtertmndrat. (Eigendiertst der „Wiener Morgenzeitung.") Madrid, 22. Februar. Außenminister 3) a n gu as erklärt in der „Liberal", daß die spanische Regiermtg an ihrem Rechte festhalte, einen ständigen Sitz im Bölkerbundrat zu beanspruchen. Die werde von dieser Forderung nicht Nachlassen. Ser Bandenkrieg in Stzrirn. Beirut, 21. Februar. (Havas.) Die ftanMüschen Truppen verfolgen ohne Unterlaß die auf syrisches Gebiet eingedrungenen Banden. Seit den Verhandlungen Jouvenels mit Angora hat sich eine gewisse E n t s p a n n u n g gezeigt. In der Umgebung von Damaskus haben bei den Säuberungsopevationen der französischen Truppen die bewaffneten Banden beträchtliche Verluste erlitten. Zwei bedeutende religiöse Oberhäupter hielten gestern Reden, in denen sie die Muselmanen zum Frieden ermahnten. Englische Besorgnis über bas franKÜftschtürkische Abkommen. London, 31. Februar. Der diplomatische Berichterstatter des „Observer" schreibt, in englischen Kreisen herrsche Besorgnis wegen des französisch-türkischen Abkommen s. In einigen französischen Kreisen werde erklärt, wenn Chamberlain Frankreich in der Polnis ch e n F r a g e „verrate", «dann sei nich: einzusehen, warum Frankreich nicht im mittler e n Osten eine Aktion unternehmen solle, ohne Großbritannien zu befrag e n. Wenn I o u v e n e l durch >das Abkommen mit der Türkei über die Grenzberichtigungen den Teil der Bagdad ba h n, der durch Syrien geht, der Türkei zurückerstatte, würden die britischen In: eressen dadurch m Mitleidenschaft gezogen werden. In Londo« gtawbe man nicht an die Möglichkeit, erwarte aber nähere Einzelheiten über den Jnhalt des Abkommens.

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