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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-22 · Heft 2515 (22.2.1926) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2515 (22.2.1926)
Date
1926-02-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Üt 8618 Mn, MonW __ lommeit -eigelegt wurden. Zunächst wird daS Unterrichtsministerium den Austritt der Bundestheater ans dem Direktoren verband vollziehen, so daß in Hinkunft die Staatstheater vollkommen freie Hand in den SchansMerangelegeicheiten haben tverden. Auch bezüglich der Frage der Gagen und der Spielzeitverlängerung wurde zwischen der Staatstheatewerwaltung und dem Betriebsrat eine Einigung erzielt, die den Wünschen der Schauspieler Rechnung trägt. ttinbrach in einem Bethaus. Samstag nachts sind unbekannte Täter nach Durchbrechen einer Mauer in die Räume des tm Bethause der israelitischen Kultusgemeinde, 2. Bezirk, Josefrnengasse 17, untergebrachten jüdischen Verein e s „Rasche Hilfe" eingedkungen, haben verschiedene Kasten aufgesprengt und rituelle Geschirre, zwei silbern« Thoragestelle und eine silberneTasse im Werte von etwa 6 0 0 Schill i n g entwendet. Kasseneinvruch in der Bezirkskrankenkasse. Samstag nachts haben unbekannte Täter in dem Auszahlnngsraume der Wiener B ez i r ks k ra n ke n ka sse, 8. Bezirk, Albertgassc 35, einen Kasseneinbruch verübt. Es dürfte ihnen jedoch kein namhafter Betrag in die Hände gefallen sein. Wie erhoben wurde, sind die Täter offenbar durch die Rachbargärten in daS Haus der Bezirkskrankenkasse gelangt. Die Erhebungen sind eingeleitet. Wied« vier Selbstmorde. In der Nacht zum Sonntag hat sich der Hilfsarbeiter Leop. Theiß in einem Ansalle von Geistesstörung durch Einatmen von Leuchtgas zu vergiften versucht. Die Hietzinger Rettungsgesellschaft leistete ihm erste Hilfe und brachte ihn auf das Polizcikommlssariat Schmelz. Die Chauffeursgattin Leopoldine Zimmermann versuchte sich in der Nacht zum Sonntag wegen häuslicher Zerwürfnisse durch Genuß von Rotkali zu vergiften und mußte in schwer verletztem Zustande durch die.Hietziger Rettungsgcsellschaft in das Rochusfpital gebracht werden. Samstag abends hat sich der 26jährigc Hilfsarbeiter Leopold Hl ad wegen unglücklicher Liebe durch Genuß von Langenessenz zu vergiften versucht und mußte durch die Rettnngsgestllschaft in das Wilhelmiuenspital gebracht werden. Sonntag früh hat sich nach einem Familienzwist der 45jährige Tapezierergehilfe Franz John in selbstmörderischer Absicht durch Einschlagen einer Küchenkastenglassche'ibe Schnittwunden am rechten Unterarm zngefiigt. Er wurde durch die Rettungsgesettschaft verbnllden und auf die zweite Unfallstation gebracht. W i e n, 22. Februar. * Ein vermißter Lehrling. Seit dem 18. d. wird der Schueiderlchrling Leon Bittmann, 2. Bez., Engcrlhstraße 209, der von seinem Dienstplatz entlassen worden ist, vom Elternhause vermißt. Der Junge wird beschrieben als sehr groß und mager, hat rötliches Haar, sommersprossiges Gesicht, blaue Augen, stottert ein wenig und trug am Tage seines Verschwindens einen hellen Anzug, dunkelbraunen Mantel, dunkle Kappe, La clh alb schuhe. Sachdienliche Angaben wollen ehestens an die Mutter oder an die Kriegswaisenfürsvrge, 1. Bez., Seitenstetterrgasse 2, bekanutgegebeii werden. '* * Der Selbstmord des Dr. Tschelnitz. Bekanntlich hat sich der Bankier Dr. Julius Tschelnitz, der Gatte der Schauspielerin Mizzi Günther, in seiner Wohnung durch den Genuß von Markophin vergiftet. Da die Herkunft des gefährlichen Giftes nicht feststeht, hat das Polizeikommissariat Wieden an die Staatsanwaltschaft eine Anzeige wegen Vergehens gegen die Sicherheit des Lebens gegen unbekannte Täter erstattet und die g e r i ch tl i che Obd'n'ktion der Leiche beantragt. * Ein Erpresser. Am 20. d. wurde der 26jä^rige, mehrfach vorbestrafte und nnterstandslose ^leischhauergehitfe Alexander Prinz wegen Erpressung dem Landcsaerichte eingeliefert. Er hatte mit einer auf dem Alsergrund wohnhaften Kassierin durch viele Jahre ein Verhältnis unterhalten und hat ihr nach Abbruch der Bezichungen einen von Drohungen erfüllten Brief geschrieben, in dem er von ihr einen Betrag von 50 Schilling „bei sonstiger tödlicher Rack'e" fordert. * Ein Girardi-Denkmal in Wien. In Wien bat sich in den letzten Tagerr ein Komitee gebildet, welches dem verstorbenen Polksschanspielcr Alexander Girardi ein Denkmal setzen will. Als Präsidentin des vorbereitenden Ausschusses fungiert Hansi Nies e. _ Gerichtssaal. Ar Rrektore» der KausmünnWen Bank vor dem Strafgericht. Wegen fahrlässiger Krida. Ter Zusammenbruch der O e st e r r e i ch i s ch c n Kaufmännischen Bank wird ab heute in viertägiger Verhandlung vor einem Schöffensenat unter Vorsitz des Oberlandesgerichtsrates Dr. Dörr ein gerichtliches Nachspiel findet». Leiteilde Funktionäre der verkrachtell Bank, der Präsident Franz Schallaböck, die Mitglieder des Diroktionsrates Johann Feldmann und Ferdinaltd Fischer, der leitende Direktor Jos:f Robert O 8wald und der Prokurist Walter Feld mann haben sich wegen Vergehens fahrlässiger Krida zu verantworten. Die Anklage, vertreten durch Staatsanwalt Dr. Reitlinger, legt ihnen zur Last, daß sie leichtfertigen, unverhältnismäßigen Kredit gewährten, gewagte Geschäfte abschlossen, in Kenntnis der bereits eiligekeimen Zahlungsunfähigkeit der Bank die Geschäfte weitersührten und die Eröffnung des Ausgleichsverfahrens nicht rechtzeitig beantragten. Die Angeklagten werden von Dr. Herrden c ii, Dr. Halt, Dr. Heinrich H o f f m a n n, Hofrat Dr. Khit-!’ " o Tv, Schwarz -Hlller verteidigt Die AnklagejchrisL Meuer Mvkftrnzeskuttst_ führt aus: Die Oesterreichtsche Kaufmännische Bank ist eine Gründung der in der Großeiiikaufsgenossenschaft der Kanfleutt Wiens organisierten Kaitflente. Der Hauptzweck der Gründilllg der Bank war die Versorgniig der „G e k a w e" mit den nötigen Krediten. Zum Präsidenten wurde der Kaufmann Schallaböck bestellt, in den Direktionsrat Johaiin F e l o m a n n und Ferdinand Fischer entsendet. Zum Leiter der Bank wurde der Gesellschafter der Firma Benesch, Pick u. Co., Josef Robert Oswald bestellt, nachdem die Gründer das Geschäftslokal des genannten Bankhauses um 400 Millionen erwarben. Im Juli 1023 mieteten die Leiter der Bank das Prinz-Engen-Palais. am Parkring; sie bezahlten dem damaligen Mister Sognel Schöngnt eine Abfertigung von 1,6 Milliarden, außerdem wurde ein jährlich steigender Mietzins von 16.000 bis 20.000 Schw.izer Franken Vereinbart. Im Juli schied der geschästssührende Direktor Oswald a>ls der Bank, weil er wegen Zusammenbruches des Bankhauses Benesch, Pick u. Co. unter Anklage gestellt wurde. An seine Stelle trat der Prokurist Feldmann als provisorischer Leiter des Instituts. Die erste Bilanz vom Juni 1924. wies einen Reingewinn von über einer Milliarde auf. Ende Juli entstand ein Sturm ans die Kassen der Bank und der Verlvaltungsrat mirßtc sich entschließen, da die Bank nicht über die notwendigen Geldmittel verfügte, die Schalter zu schließen und um die Eröffnung des Ausgleichsverfahrens ansuchen. Die nunmehr erfolgte Prüfung der Goschäftsgebarung der Bank ergab, daß der Zusammenbruch ans Verschulden der leitenden Funktionäre erfolgte. Diese habe unter Mißachtung der Statuten, welche für entgegenzunchmende Einlagen eine Höchstgrenze von zwei Milliarden vorsehen, weit mehr, zuletzt 50,5 Milliarden an fremden Geldern in Verwahrung der Dank. Mit diesen sehr beträchtlichen Mitteln haben sie dann auß.'r den: normalen Bankgeschäft, Kreditgewährung an Kaufleuten und Gewerbetreibenden, großzügige eigene und Kommittentenlfpekulationen finanziert. Drei Viertel der verfügbaren Kapitalien verwendeten sie zu Spekulationszwecken und nur ein Prozent zur Finanzierung der Kaufleute. -Die Gewährung von Krediten ging in höchst leichtfertiger Weise vor sich. Milliardenkredite wurden ohne ausreichende Auskünfte über die Krcditbewerber, ohne entsprechende Sicherung erteilt. Oft begnügte man sich mit einem Biancowechsel des Kreditn.hmers. Einige krasse Fälle seien hier angeführt. Die Bank trat im November 1923 durch Vermittlung Walter F e l d m a n n s mit der Firma Oesig in Geschäftsverbindung. Die Inhaber dieser Firma, die Kauflente Einöhrl und Manowil, wurden einige Monate später wegen betrügerischer Krida in Untersuchung gezogen. Die Schuld der Firma betrug über eine Milliarde, welche außer einem wertlosen Biancowechsel dieser Firma bloß mit zwei fremden Wechseln über 16 Millionen gedeckt war; auch btVjc Wechsel wurden nicht eingelöst. Mit der Firma Spitz und Eldcr wurde a!n 13. März 1923 eine Geschäftsverbindung eingegangen und es Wunen bereits am nächsten Tage 60 Millionen ohne Deckung dieser Fkina kreditiert. Obwohl später ungünstige Auskünfte einlangten, bewilligte man weitere Kredite und die Schuld der Firma betrug beim Zusammenbruch eine Milliarde Krone»' Ebenso hohe Beträge verschlangen die Spekulationen der leitenden Funktionäre der Bank. Direktor Fischer hatte hier S p c! u [ ci t i o n §! o »1t, die mit einer ungedeckten Schuld von 850 Millionen abschlossen. Die erste Meisterschastsrunde der Frühjahrssaison brachte unerwartete Ergebnisse. Die größte Ueberraschung des herrlichen Vorfrühlingstages war die Absage des Hauptkampfes Rapid—Hakoah, da der HülteDorser Sportplatz vormittags vom Schiedsrichter Plhak als unbrauchbar bezeichnet wurde. Rapid kau» diese Absage nicht ungelegen, da einige Spieler auf der Marodenliste stehen. Ten größten Vorteil davon hatten die A m a t e u r e, die sich in Ober-St. Veit einem Massenbesuch gegenübersahen. Dafür mußten sie aber einen Punkt an die Fioridsdorfer abgebcn. Auch Slovan und Wacker tei.teu die Punkte und Hertha erzwang gegen W. A. C. ein Unentschieden. Simmering könnt« mi: Mühe und Not einen, knappen Sieg gegen R u d o l f s h ü g e l erzielen. Amateure—F. A. C. 2:2 (v: 1). Ainateur-Platz. 18.000 Zuschauer. Schiedsrichter Kaufmann. Amateure: Lohrmann; Schneider, Tandler; Rausch, Reiterer, Geyer; Cutti, Kalmen, Hierländer, Wieser, Baniczek. F. A. C.: Hoser; Cihak, Runge; Berühmter, Drucker, Reiter; Seidl, Röhrenbacher, Biber, Juranic, Kingall. Die Floridsdorfer konnten einen verdienten Punkt nach Hanse bringen. Vom Publikum mächtig angcfeuerl, lieferten sie bis zum Schluß ein flottes,, anfopsernd.'s Spiel und ließen die Amateure nicht zu Atem -kommen. Da die Hintermannschaft der Ober- St-Beiter zeitweise sehr schwach arbeitete und das Jnnenrrio unglaubliche Gelegenheiten vergab, mußten die Amateure noch sich sein, mi: Ach und Krach ein Unentschieden zu erreichen. Gerade die 82. Februar 1826 Geftr tz Fischer ging m den Ausgleich und bot 70 Prozent an. Ter Be» waltnngsrat Dr. Leo Bndik machte eine ungedeckte Schuld vo» 290 Millionen. Das „Kassakonto 172", auf welchem die spekulativer Transaktionen der Direktoren Schallaböck, Feldmans und Fischer du rchge führt wurden, schloß mit einem Perl ns von 600 Millionen ab. Die Milliardentransaktionen des Direktort Oswald endeten mit einem Verlust von 346 Millionen. Auck die kleineren Beamten hatten Spekübationskonti, durchwegs unterdeckt. Das Defizit dieser Konti betrug insgesamt 1392 Millionen -Am Tage des Zusammenbruches ivaren die Funktionäre der Bank insgesamt 7,5 Milliarden schuldig, das waren 11 Prozent aller in der Verwaltung der Bank befindlichen fremden Gelder Da die Effektendecknng nur 1,9 Milliarden betrug, ergab sich aus diesen Spekulationen für sie Bank ein Verlnst von 5,6 Milliarden Kronen. Auch die Nostro-Spekulationen der Bank endeten sehr verlustreich. Durch derartige leichtfertige GeschäfSgebarung sowie dadurch, daß die leitenden Funktionäre trotz der erheblichen Ueberschulbuno nicht rechtzeitig um das Ausgleichsverfahren anfuchten, machten sie sich des Vorgehens der fahrlässigen Krida schuldig. Die Zahlungsunfähigkeit mußte den Direktoren schon bei Aufstellung der ersten Bilanz klar gewesen sein. Soeben erschien D€R 3UD6 Sonderheft: Antisemitismus und jüdisches Volkstum Inhalt: Arnold Zweig: Der Jude in der deutschen Gegenwart Hermann Stehr: Bemerkungen zum Antisemitismus Otto Flake: Antisemitismus und Zukunft Oskar A. H. Schmitfe: Wünschenswerte und nicht wünschenswerte Juden Wolfgang Schumann: Deutsche und jüdische «Schuld* und Aufgabe Wilhelm Michel: Deutsche und Juden Margarete Susinatt: Die Brücke Jakob Wassermann: Der Jude der Bestimmung Leon Blum (Paris): Jude und Franzose Bernard Shaw: 1. Offener Brief an Henry Be :stein 2. Nachwort Heinrich Mann: Das auferstehende Land Hans Goslar: Der moderne Jude und der Staat Rudolf G.Bindfng: Zwei jüdische Offiziere im grossen Kriege Jotef Trumpeldor: Port Artur und Gällipoll (aus den Tagebüchern) Marlin Buber: „Pharisäertum* Bemerkungen: Emü Ludwig: Die Sendung des Juden L. Quldde: Entschuldbarer und unentschuldbarer Antisemitismus Hans Kohn: La Nuit Kurde Morifa Goldsielü: Leisten, nicht grübeln! 156 Seiten Preis S 5.— Die kleine Auflage geht bald zu Ende! Bestellen Sie sofort bei Buchhandlung R. Löwit, Wien h, Rötenturmstrasse 22 101 Ersatzleute der Hausherren, Rausch und Vaniezek, waren di» besten Kräfte. In miserabler Form befand sich Netterer, der von Drucker weit in den Schatten gestellt wurde. Vom Abstoß wog bvicht CE durch, Kalman schießt, Holser nmß das Lodor vor de>m anstii'vmenjdvn Wieser bergen, was ihm mit viel Glück goliingt. In der 7. Minute gabt illwt>ever den Ball mwerstäMichooweise zurück, Tandler zögert, Lohrmann kommt zn spät hör,aus und Seidl sendet <mf kürzeste Distanz ein. F loridsdorf führt! Glvich darauf ruft alles: „Goal!", als Hiveländer nach bester Vorarbeit Vamezeks placiert schießt, doch Hofers blitzschrvelle Parade rettet die Situation. Der erste Korner gegen F. A. C. (in der 43. ALilMt«) gelangt zu Wieser. seine Bombe prallt an einem Berteidiyer ab. Noch ein Freistoß Hierllänlders, ohiw Erfolg, dann. Pause. Zwei Minute» nach Wiederbeginn gibt es einen Korner gegen F.A.C., den Vaniczek außen ans Netz töpfelt. Zn dieser Spielhälste sind die Amateure zeitweise sehr stark überlegen, doch wird alles vor den: Tore verhaut. Floridsdorf verteidigt mit allen elf Spielern, uin den Vorsprung zu halten. Kalman umspielt mehrere Gegner und verschießt, Hierländer hat auch nicht inehr Glück. Wiesers Freistoß wird von Hofer gehalten. endlich in der 29. Minute kam der Ausgleich. Ein Verteidiger des F. A. C. macht Hands im Straft raum, Schneider verwandelt kaltblütig. 1:1. Nach dem dritten Korn'r geg-.ni F. A. C. komm: K i n g a I l in der 36. Minute- Ueberraschungen in der Meisterschaft. Amateure verlieren einen Punkt. — Rapid—Hakoah abgesagt.

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