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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-21 · Heft 2514 (21.2.1926) · p. Seite 11

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2514 (21.2.1926)
Date
1926-02-21
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 5514 Wien. Vovvelselbstmord in Wöhring. Eine LrnySdie btt Kindesliebe. Freitag nachts hat sich in Währing eine Fam.lien« IragLdie abgespielt. Im Hause Währingerstraße 168 wurde die 70jährige Pensiornstm Therese Altrichter mit .hrer Bjährigen Tochter Mari e, einer Psiegeriu, in dem mit Leuchtgas erMten Zimmer ihrer Wohnung tot cm Munden. Der Hahn der Gasleitung in der Küche stand offen. Durch die Erhebungen wurde festgestellt, daß dem gemeinsamen Sterben eine Tragödie der Kindesliebe zugrunde liegt. Therese Altr.chter. eine Witwe, ivar schwer krank und lag zu Bett. Tie Tochter hing mit großer Liebe an ihr. In einem Abschiedsbriefe har sie ausgedrückt, daß sie die qualvollen Leiden ihrer Mutter nicht niehr anfchen könne. Noch zwei Fälle. Gestern vormutags hat sich der 40jährige Beamte der 'Städtischen Elektrizitätswerke Franz No sin ge r in seiner Wohnung. Ausstellungsstraße 57. erschossen. Er tvar schwer lungenkrank. Seine Mutter kannte die Selbstmordabsichten und hat kur; vor Ausführung der Tat einen Revolver in Sicherheit gebracht, ohne zu ahnen, daß der Sohn noch einen zweiten Revolver vorbereitet hatte. — Ter 29jährige Chauffeur Karl E i n r a m h o f, Erdbergerstraße 78. hat sich gestern in einem Hotel in der Inneren Stadt erschossen. Das Motiv der Tat ist unbekannt. Sa» Schicksal der Marianne Wirser. Die 2.1jährige angebliche Medizinerin Marianne W i e s e r, die. wie berichtet, zu Beginn dieses Monates im Mittelpunkt eines seltsamen Dramas stand, hat gestern wieder von sich reden gemacht. S:e lebte mit einem Kellner im gemeinsamen -Haushalt und hat dann auch die Bekanntschaft eines Hörers der Tierärztlichen Hochschule gemacht. Als >beide Männer voneinander erfuhren, wollten sie für das Mädchen, das leidenschaftlich für das Medizinstudium eingenommen war, sorgen. Bei der Manipulation mit einem Revolver durch die Wieser hat damals der Student einen Streifschuß erhalten. Gestern abends sahen nun zwei Passanten im Donaustrom beim User nächst der Nordwestbahnbrücke eine Frau bis zum Oberleib im Wasser stehen, die scheinbar Selbstmord begehen wollte. Sie zogen sie ans User und cs stellte sich heraus, daß es die Wieser war. Uebcr die Ursache der Tat weigerte sie sich Ausschlüsse zu geben. Wien, 21. Februar. ' Das Wetter. Jede: Tag bringt uns jetzt Regen. Gestern dauerte er von Vonnit tags angefangen unvermindert bis in die Nacht. Die Voraussage meldet unruhiges Wetter und Niederschläge. * Isidor Zahradnik gestorben. In Wien ist am Freitag der Direktor der Böhmischen Hypothekenbank in Prag. Dr. Isidor Zahradn ik im 62. Lebensjahre gestorben. Er gchörte durch viele Jahre dem alten österreichischen Mgeordnetenhaust an. Nach dem Umsturz war er der erste tschechoslolvakische Eisenbahnminister und bann Vertreter der Tschechoslowakei, bei der Liquidierungskommist . sioN in Wien. Dr. Zahradnik, ursprünglich Prämonstratenserpriester, trat dann ans dem Orden aus und heiratete. * Promotion. Herr Samuel Schm« rler, Schn des bekannten Zionisten Herrn Salo Schmerler. promoviert Dienstag den 23. d. im Senatssaale der Wiener Universität znm Doktor der Rechte. * Ein vermißter Schüler. Seit dem 10. .d, wivd der 17jährige Geweröeschüler JuliuS Seemann aus Mödlrng vermißt. Grund Kr seinem Verschwinden ist der schlechte Fortgang in den Unterrichtsgegenständen. In einem Aoschiedsbri>es teilt der Junge den Eltern mit, daß er sich sein Brot selbst verdienen werde. E: hatte 250 S. bei sich. Man glaubt, daß er sich mch Schweden gewendet hat, wo er wahrend der Kindechiffsaktion ein Jahr zugcbracht hat. * Selbststellung. Donnerstag hat sich im Sichecheitsburcau der -tLjährige Kaufmann Jakob Nadel ans Radymno in Polen, im Hotel Mariahils tvohnhast, mit der SeWanzeige gestellt, er habe in seiner Eigenschaft als Vertreter der Firma Sonderborg, Oeffabrik in Kopenhagen, in Danzig Waren in Kommission erhalten und vom Erlös etwa 2300 Pfund Sterling unterschlagen und für sich verwendet. Nadel wurde dem Sandesgericht eingelieftrt. E Eliteball. Der jüdische Unterst,',tzungsvereü, Esra veranstaltet zugunsten der indischen Armen heute Sonntag um 8 Uhr abends in den Olympiasälen, 1. Bez., Rotgasse 3,. einen Eliteball und ladet hiemit alle Mitglieder zum Besuche ein. * Ein neues Caserestaurant im Prater. Die Wiener Molkerei eröffnet,: vor einigen Tagen im Prater 180, hinter dem Busch- Kino. ein Cafcrestaurant und wird dasselbe in eigener Regie geführt. Näheres im Inserat auf Seite 9. * Neue Telephonlinien Wien—Budapest. Mit -er Arbeit zur Legung eines direkten Fernkabels Budapest—Wieil wird im Juni oder Juli begoniien werden. Im Kabel tverdeii 196 Drähte laufet,. so daß 98 Linien für den Telephonverkchr ztvischeir Budapest und Wien zur Verfüguirg stehen tverden. * Schlafwagenzug Wien—Paris (London). Der bisher als Lupu^.ig geführte Schweiz—Arlberg-Expreß wird ab 1. März d. I. als Schlafwagenzng verkehren. Durch den Wegfall des Luxuszuschlages und durch die Möglichkeit, bis Basel aie zweite Klasse zu benützen, wich der Fahrpreis zwischen Wien und Paris um rund 10 0 S. verbilligt. Di« Verkehrstage (Montag, Mittwoch, Freitag) und die .Fahrzeiten bleibe,! die gleichen wie beim bisherigen Luxuszng. * Errichtung eines Flugplatzes in Böslau. Aus V ö s l a n wird uns berichtet: Wie verlautet, geht der Bau des kipp- und sturzsicheren Schwingensliegers Dr. Nimführs im Wiener Arsenal seiner Vollendung entgegen. Einen, Freunde des Erfinders ist es gelungen, hier einen Flugplatz iicherzust.'llen, woselbst der Apparat ausprobiert werden wich. * Abendmodistenkurs für Frauen und Mädchen. In ver Koch- und Hauchaltungsschule, 6. Bez., Brückengasse 3, beginn, an, l. März ein Mod i st e n k urs für Frauen und Mädchen aller Stände. Der Kurs wird einmal wöchentlich von 6 bis 8 Uhr abends abaehalten und dürfte Mi Monate dauern. AiiuiMungen in der Schulkanzlei. * Eine Bisamratte an der Donau. Arbeiter der Süddeutschen Donau.dampffchisiahrtsra'ellstliast haben a», Freitag im Jnnndarionsgebiet am Ufer e.'s Donaustromes eine 30 Zentunenr lange Bisamratte bemerkt und sie erschlagen, Wiener Morqenzertunq 1 * Ein Geschenk sitr Reuben Bratnin. Die Gemeinde der allsten südlichen Kolonie R i s ch o n t e - Z i o n hat den bekannte», hebräischen Schriftsteller Reuben Brainin zu ihrem Burger gewählt und beschlossen, ihm Baumaterialien zwecks Aufbau eines Hauses auf dem ihm gehörenden Boden in Rischon le-Zlon zum Geschenk zu machen. * Tine Ausstellung von Arbeiten jüdischer Meister, Gesellen und Lehrlingen ln Leipzig. Vom Zentralverein jüdischer Handwerker Deutschlands wird mitgeteilt: Gemäß eines Beichluffes der tot September 1925 stattgefunbenen Hauptvorstandssitzung in Düsseldorf soll -anläßlich des am 30. Mai und die folgenden Tage in Leipzig statlfindenven Verbandstages eine Ausstellung von Arbeiten jüdischer Meister, Gesellen una Lehrlingen stattfinden. Diese Ausstellung soll der breitesten Oeffentlichkeit zeigen, daß der Jude als .Handwerker ebenso leistungsfähig ist wie seine anderen. Berufskollegen. Die jüdischen -Handwerker werden ersucht, die Ausstellung zu beschicken. Die künstlerische uns organisatorische Ausgestaltung hat die Ortsgruppe Leipzig übernommen. Austritte au» dem gudeutum. Lanyfelder Ernst, aeb. 20. März 1872, BW«, verh., Buchhändler, 8. Be,., JosefSgäffe 12. Ziegler Otto, aeb. 29. August 1885, Gratzan, leb., Bankbeamter, 8 Bez., Strozzlgasse 23. I tz n e r Rudolf, geb. 30. August 1878, Prag, verh., 19. Be,., Felix-Mottl-Straße 6 Jtzner HeMin» geb. Klinger, geb. 20. April 1878, Men, verh., 19. Btt., Felix-Mottl- Straße 6. Spennadel Franziska, äeb. 6. September 1904. Wien, leb., 14. Bez., Forftgoffe 8. Modern Robert, geb. 29. August 1899, Wien, leb., 3 Bez.,. Untere Wetßgärberstraße 17. Povik Kl'^ra, geb. 26. März 1894. Wien leb., 20. Bez., Wolfsaugasse.10. Sehn Anna, geb. 18. Mai 1803, Wien, leb., 20. Bez., WotfSaugasse 10. Kämpfner Arpad, geb. 22. Juli 1907, Budapest, leb., 20. Bez., Rauscherstraße 6. Ster t Frieda, geb. 14 Juli 1905, Wien, 20. Bez., Pappenheimgaffe 6. Steiner Karoline geb. Herrnseld, geb. 8. September 1871. Preßburg, verh., Geschäftsinhaberin, l. Bez., Wollzeile 9. Hirsch Otto, geb 18. August 1882, Wien, leb., 9. Bez.. Lie, tensteinstraße 3. Beier Irma geb. Brand, geb. 8. Juli 1895, Wienverh., 10. Bez., Leebgaffe 52. Radioprogramm. Heute Sonntag den 21. d. 11 Uhr: Orchestorkonzert der Wiener Philharnion,ker. Emlettenver Vortrag Dr. Elsa Btenenfeld. Haydn, Symphonie; Monn, Cellokonzert r Hugo Wolf. Jtalte- „iiche Serenade; Julius Btttner. Vorspiel zu „Der Musikant"; Korngold. Lied der Marietta aus „Die tote Stadt"; Korngold, LtebeSbriefchen; Marx, VenezianiicheS Wiegenlied: . Franz Schmidt. Zwischenspiel aus „Notre-Dame". — 16 Uhr: Orchesterkomert I. W. Ganglberger. Cr M. Ziehrer Ouvertüre zu „Fesche Geister"; Johann Strauß. Mein Weib, Gesang", Walzer; G. Bizet. Phantasie aus „Carmen"; I. Offenbqch, Entreeakt und Barkarole aus „HoffmannS . Erzählungen"; E. Köhler. „La Perle du Nord"; I. W. Ganglberger, Allein Teddybär"; Josef Strauß-Reiterer, Konzertszene aus - „Paganint"; A. Malcher Kameradenmarsch. — 18 Uhr 15 Mm. r Sedlak-Wiiikler-Quartett. L. v. Beethoven. Streichquintett C-Dur; I. BrahmS, Schreichqutntett D-Dur. — 19 Uhr 30 Min.r Vorttag zu „Siegfried". Josef Rettler. — 20 Uhr: „Siegfried" von R'chard Wagner Erster und zweiter Akt. Stegfr'ed — Kammersänger Hubert Lener; Mime — Staatsopernsänger HanS Breuer; der Wanderer 7- Kammersänger Alfred Jerger; Albe,ich — Rudolf Bandler (Volksoper); Fafner — Hermann Frtsäller (Volksoper); Waldvogel — MqrE git Hubet-Mende (Volksoper). Chor und Orchester der Wiener Volksoper. . , Morgen Montag dm 28. b. 11 Uhr: Vormittagsmusik. — 16 Uhr 15 Mini r Nachmittagskonzert. Jösef Strauß, „Flattergeister", Walzer; Flotow. „Rübezahl". Ouvertüre; Cäs. Franck, Selig sind, die da dürsten nach Gerechtigkeit; Byford, Pleälantry, Intermezzo; Wejnberger, Wglzerretgen; Urbach. Seifenblasen, Potpourri. — 17 Uhr 15 Min. r Märchen, vom Winter. — 18 Uhr 35 Min.: Elektrizttärswirtschaft (Oberbaurat Ing. Rudolf Czeija; 19 Uhr 10 Min. r Esperantokur». — 19 Uhr 40 Uhr: Englisch für.Anfänger. -7- 20 Uhr 1b Min.r Orchesterkonzert des Wiener SympbonieorchesterS. (Jgnag Brüll — Richard Heuberger.) Einleitender Vortrag Prof. Dr. Ernst Deesey. . Kunst. Bühne. Buch. Bildhauer Glirenftein «der Wische Künstler und «uuftsörderer. Der berühmre jüdische Bildhauer Prof. Chanoch G lig € ii ft c i n, der sich zu kurzem Aufenthalt ln Polen aushält, empfing dieser Tage den Mitarbeiter des Warscharter „Haillt", der >den Künstler über hie Stellung der Juden zur Kunst befragte. „Man hat mich hier in Polen" — sagte Prof. Gkizenstein unter anderent — „um meine Meinung .übet' das 'eine und andere von Judelt ausgefühvte Skulptuvwerk gefragt. Ich habe diese Werke nicht' gesehen, bann daher kein 'Urteil über sie abgeben. Jedeltfalls ist es schon gut und zu begrüßen, daß solche Aufträge für öffentliche Denkmäler über- 7Mpt an Inden erteilt wurden. Mir selbst geht es bei Juden nicht besonders gut. Ich habe kein Glück bei ihltett oder vielleicht auch Haber; sie mit mir kein Glück. Tatsache ist, daß meine besten künstlerischen Msich:ett, mein flantmender Wille, alles aus mir herauszu- 'gebell, um etwas tvirklich Wertvolles, Monumentales zu 'schaffeit, ttiemals anevkcinut, falsch oder überhaupt uicht verstatlden worden, sind... Wie war es. denn mit Michelangelo? Wäre er nicht ein Taugenichts geblieben sein Leben lang, wenll nicht Kaiser Juliait der Zweite eines Tages ihm rnit den Worten: ,W!r zwei ltlüssetl die ztvei größ:ell lind berühmtesten Männer der Werlt. werden!" hie Ausführung seiner Fresken und Stein- 'figuren überlrWn hätte? Man interessiert sich ja für mich, auch in Amerika. Das hinderte aber uicht, boj^, als ich meinen Entlvurf für eilt jüdisches Dettkntal einsaudte, die Aussschmug einem anderen, einem Amerikaner übertragen wurde. Später allerdings, als sich Herausgestell: hatte, daß der Beauftragte überhaupt kein Kütlstler ist, müßte es 31t einem Peinlichen Prozeß kommen. Man'lnlsß schließlich zu dem Schluß'golangen/daß ein jüdischer Künstler die Wahl habe, entweder Künstler ode; Jude zu sein. Bendenmcknn, Feil, ftfttofflllfl und Gottlieb sind keine jüdischen Künstler. Der erste stk dische Künstler ist H e t s s e n b e r g. Er wollte bewußt «mer sein. Selten will es aber in Wahrheit auch einer sein und «8 ist auch in der Tat wirklich schwer, Mischer Künstler zu sein. Ist es denn nicht leichter für irgend einen pfiffigen Mischen Jüngling, der aus feinem Städtchen nach Parigeht dort ein geschickter Arbeiter und Imitator der letzt« Kunst» mode wird? Um aber jüdischer Künstler zu sein, «mß tN einem eine alte, tausendjährige Tradition gewissermaßen kondensiert fortleben. Ein jüdischer Künstler mutz auch noch eine zweite Tradition haben: Hunger! Diese Tradition hatte ich von jeher. Schon mein Vater hat jeden Montag und Donnerstag gefastet ..." Mit großer Derchvitng spricht Glizensteitt vom Maler Lieb er mann. ,L)h, Liebermann, das ist ein echter Künstler, ein Großer, Gewalnger. Vollkommen unabhängig, mit ungewöhnlicher Ambition, erreichte er endlich sein Ziel und nimmt mit Recht den ersten Platz in der Künstlerwelt ein." Israels charakterisiert der Künstler mit den Worten: /Israels ist ein frommes Gebet an die Natur!" , Jnteresßrn: ist auch, was Glizenstein über die für Jerusalemer hebräische Universität bestimmte Balfour-Büste, deren Ausführung ihm übertragen wurde, erzählt. „Lord Balsam ist mir sechsmal zu je zwei Stunden gesessen. Er war immer sehr pünktlich und geduldig und betrachtete es als Pflicht und Ehrensache, firr dieses Werk zur Verfügung zu stehen. Balfour erwies sich bei seinem Rundgang durch mein Atelier als außerordemlich feiner Kunst-- kenner, der sich mit großem Feingefühl in die Idee eines jeden Kunstwerkes vertieft. In einem unserer Gespräche erklärte Balfour, daß er schon seit zwanzig Jahren Zionist sei und zeigte sich sehr gerührt und begeistert von der Dankbarkeit der Juden ihm gegenüber." Zum Schluffe teilte der Künstler mit, daß er 46 Radiemngen zum Buche Samuel vollende: habe und daß in London demnächst seine 300 Kupferstiche erscheinen werden. Er schuf auch große Figuren aus Holz und Terrakotta, von denen manche eine Höhe von mehreren Metern haben. Zu erwähnen wäre auch, daß der italienische Kuustgelehrte Universitätsproseffor Francesco Orestano jetzt/ an einem tzrößeren Werk über das Leben und Schaffen Glizensteins ardeitet, _‘ Rew-Vorker Wischer Aeatrrbrkes. Fünfzig Jahr« jüdisches Theater. — Dhmows „Die le)te Liebe". ,D«r Dhbuk" auf der englischen Bühne. (Eigenbienst der „Wiener Morgenzeitung".) In den vierzehn großen jüdischen Theatern Now-Nor!s geht es sehr lebhaft zu. Dir letzte Saison war durch eine Reihe bemerkenswerter Aufführungen Kennzeichnet, von denen wir die Feier anläßlich des fünfzigjährigen Bestandes des jüdischen Theaters vor allem erwähnen wollen. Das jüdische Theater ist fünfzig Jahre alt geworden,, eine Zeitspanne, die für die Entwicklung der Bühnentunst eines Voltes verhältnismäßig unbedeutend ist. Für daS Mische Theater aber bedeuten diese fünfzig. Jahre, seit der Grundsteinlegung durch Abraham Goldfaden bis auf heute, ein ansehnliche Entwicklung, die aber nicht ger'Minig verlies; es ist vielmchr ein Zickzackveg mit vielem Ans und Ab, aber deshalb gerade nicht weniger bemerkenswert. Die Feier anläßlich des fünfzigjährigen Mischen Theaterjubiläums wurde im Second Avenue-Theater würdig begangen. Nsw-Aork war dazu berufen, zumindest aus dom Grunde, weil die vierzehn bestehenden jüdischen Theater die Entwicklung des Mischen Theaters in sich selbst verkörpern, vom ursprünglichen primitiven Singspieltheater bis zum Theater des modernsten Mischen Dramas. Mes, was auf der Mischen Bühne Namen hat, stellte sich in den Dienst.der Jubiläumsfeier, die fast ausschließlich Goldfaden gewidmet war. Publikum und Schauspieler erlebten noch einmal die Jugend des Mischen Theaters. Man sah das Mische Theater, ein Kind, das sich anschiüt, gchen zu lernen, und der Vater des Kindes, der unvergeßlich? Abraham Goldfaden, der daS Kind gehen lehrt. Jugenderinuerungen stimmen oft traurig. So war man bis zu Tränen gerührt, wenn man die älteren und ältesten Schauspiöler mit jugendlichem Feuer in Rollen sah, mit denen sie ihre ersten Künstlevjahre verbrachten. — ES ist unmöglich, alles aufziMhlen, was dieses aus Schauspielem aller Mischen Theater zusammengefrtzte Ensemble bot. Es genügt, zu erwähnen, das die ganze literarische und dramaturgische Schafftnsperiode Abraham Goldfadens, also der danmligen jüdischen Theaters überhaupt, vor dem Zuschauer jung und frisch wie am ersten Tage abrollv?. * Das zweite bemerkenswerte Mische Theaterereignis in New« Vor! ist die Auffühmng eines Stückes, „Die letzte Liebe" von.Ossip Dyinow m Schildkraut-Theatsr. Dymow, der Mitbesitzer und Regisseur dieses Theaters ist, hat in diesem Stück, wiewohl thenratisch nicht schr originell, eine in Ausführung u,w dranmtischer Komposition ungemein feine Psycholog,sch? Studie geschaffen. Der Konflikt der letzten Liebe eines alternden Manues. der die junge Geliiebte nicht mehr zu halten vermag, dem Raffinement der Ereigniffe ausgesetzt ist, sich seines nur noch paffiven Zustandes bewußt und dessen, daß er nun endgültig „abzutreten" hat, wich mit Witz, Melancholie und Skepsis abgehandolt. Dieses Salonstück in Großstadtmanivr fällt gänzlich aus dem Rahmen der mchr oder weniger in, Milieu befangenen jüdischen Dramatik. Das Stück und die Darstellung. SchiMaut und seine jungen Mitarbeiter schufen den Präzedenzfall eineneue», StÜaus der jüdischen Bühne. EL war eine abgetönte und sehr beifällig aufgenonunene Auffühmng. Re für die Mische Bühne von großer Bedeutung sein kann.

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