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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-21 · Heft 2514 (21.2.1926) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2514 (21.2.1926)
Date
1926-02-21
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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_'_Dirn. Sonniag_ Der Schatten Lrkar Wilde». Am Polizeigericht von Bow Street, London, erfüllte jich diefrr Tage ein merkwürdiges Schicksal. Mabrl Wodehouse P e a r s«, die Witwe eines im Kriegs gefallenen Offiziers, hatte sich wegen BanknotendiebstahlS zu verantworten. TaS Gericht sch eS als erwiesen an, daß Frau Mcdchcuse Pearse 1200 Pfurrd stöhlen hat. Sir wurde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Mit dieser Verurteilung ist eine merkwürdige Karriere einer nicht uninteressanten Jrlanderin zum Abschluß gekommen. Mabel hatte das Glück, dank ihrer Anmut, in doS Haus der Wildes ausgenommen zu werden. Di« beiden Söhne des Hauses, Oskar und Willi«, bc freundeten sich mit chr. Der jüngere, Willis, bat um chre Hand, doch kam eS zu keiner Ehe. Sie heiratete darauf einen b u rman es i scheu Prinzen, Tschan Tuhn. Sie zog mit chm nach Burma, wo sie ein Leben ohne jede Hemmung führen konnte. Sie schrieb auch Bücher und Novellen. Die Verbindung mit OSkar Wilde hielt sie aufrecht. Tschan Tuhn starb jung, seine Witwe beerbte ihn und verlieb Burma als eine rerche Frau. Sie blieb nicht lange in England, sondern bereiste die ganze Welt, überall auf der Suche noch Abenteuern. In Mexiko verwickelte sie sich in eine Diplomatenintrige und kam auf einige Monate ins Gefängnis. Noch England zurückgek.hrt, heiratete sie den amerikanischen Offizier Wodehouse Pearse, der kurz daraus im »Kriege gefallen ist. Nun verlor sie jeden Halt. Sie sarrk immer tiefer. Unlängst versuchte sie, ein T h e a t e r st ü ck, das von Wild« stammen und das er ihr geschenkt haben soll, zu verkaufen. Schließlich vergriff sie sich an fremdem Geld. Der versessene Leichnam. Ein recht eigenartiger Vorfall ereigne:« sich dieser Tage im südlichen Schweden. In Landskronq starb eine ältere Frau. Die Beisetzung sollte in Malmö erfolgen. Zu diesom Zwecke wurde ein Automobil bestellt, das den Transport aussühren sollte. Fm Krankenhaus in.Landskrona wurde am Sarge eine Totenfeier ahgchalten, worauf der Sarg auf das Auto geladen wurde. Ms das Auto schon lange unterwegs war, kam ein Porner mit der überraschcndm Mitteilung, daß der Leichnam noch im Schauhause liegt und sich überhaupt noch nicht im Sarge befunden hat. Das BeisetzungSpersonal hatte vergessen, die Verstorbene abzuholen. Der Vorfall rief namrgemäß peinliches Aufsehen hervor. Es gelang, den Antomobilführer telephonisch von dem Vorgefallenen in Kenntnis zu setzen, worauf er sofort mr: dem leeren Sarg zurückkehrte. Später wurde dann die Totenfeier noch einmal gehalten, diesmal mit dem. Leichnam im Sarge. Selbstmord de» Kommerzialrate» guliu« Dchelas-. Kommerzialrat Julius Tschelnitz, 8er Gatte 8er bekannten Operettensängerin Mizzi Günther, hat gestern einen Selbstmord mittels Gift verübt. Die Motive seines Entschlusses sind noch nicht festgestellt. Tschelnitz hat sich auf industriellem und finanziellem Gebiet vielfach betätigt. Er wurde gestern früh bewußtlos aufgefundon. Die Rettungsgesellschaft wurde um 10 Uhr berufen, der Arzt konnte aber nur mehr den Eintritt des Todes feststellen. Frau Günther ist erst vor kurzem von einem Gast-' spiel aus Zürich zurückgekchrt und hätte gestern mittags wieder in die Schweiz fahren sollen. Sie ist infolge der Aufregung zusammengebrochen. Hervorragend bewährt zur Bekämpfung rheumatischer, I gichtischer, nervvser Schmerzen sowie gegen Kopfschmerze«. r«e fBlrfa«g tritt a««Utc(tav et». Keimt schädlichen Kedenmirknait». Aerzlllch lebend beginachtet. — An allen Upothtke«. mammrn Marcus Weinfeld und Frau (Antwerpen) zeigen die Verlobung ihrer Tochier Erna «» h.™. Dr. med. Adolf Merel, Bamberg (Bayern) an. Der Oe8amtverband jüdischer Hochschüler Oester* relchs „JUDABA“ beg fick wünscht auf» hereliehste Min langjährige», veidientes Mitglied und Mitarbeiter SCHALOM LILIENFELD anlässlich seiner Vermählung mit Fräulein KLARA ZAUDERER W en, am 2>. Februar 1026 Adolf Terner Sabine Terner geb. flacher Vermählte. Vien, im Februar 1926 Möbelfabrik J. Spira Feine HIlD. III. MMlIWN« 1—2 Wohnungseinrichtungen (Ecke Karl-Sch weighoier-üaBse) BETTFEDERN-S AM EK1 STfiPP- UND DAUNENDECKEN -<—« 1 MATRATZEN | Qualitätserzeugnisse m | | Wien, II. aiock«R8asi« Nr» 41 ^IliiiUllUlilillllllllllllllillllll TpImUpi» 47-300 l||||||||||(liilll|||jUIIUIIUillF Wsertee Morgenzeskuns Perserteppiche auf Teilzahlung I IR MltlMu CH. MANDL, tlll, ln II. INI» lirhl Ir.« Reichhaltiges Lager » Tel. 60-7-28 » Engrospreise Hakoahner erhalten besonderen Rabatt! " MÖBEL ln Menalsraim ohne PrelserhShung cd Minn s sonn. «i„. u„ vimur eiitn in. 42 Gegenüber Süd- und Ostbahnhof Reichhaltiges Lager * Tel. 60-7-69 * Engrospreise Hakoahner erhalten besonderen Rabatt! Freitag den 36. Februar 1936 Eröffnung des trumpfhaus Singer lla, Glockengasse 10 Enorm billige Einfährungspreise en Jeder Käufer Geschenk SIE GM. 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' ScIMelMmz! 3 Soeben erschien Der große Popper-Prospekt Der Mann und “ feilt Werk ^BsmmmgmmmmmmgKmar 32 Scten. mit einer künstlerischen Photographie POPPER-LYNKEUS’ Wir wollen mit diesem Prospekt eine Uebersfeht über das Lebenswerk POPPER-LYNKEUS* geben und gleichzeitig das Verständnis vertiefen für dksen großen Menschen und Reformator, der sein ganzes Leben in den Dienst der leidenden Menschheit gestellt hat. Aus dem Inhalt: Bin Essau Coudenhove-Calergis übes POPPER* LYNKEUS Worte POPPER-L YNKEUS’ Auszüge ans dem vor kurzem erschienenen Ge* Sprüchen mit PQPPER*LYNKEUS Sine vollständige und übersichtliche Zasammenstel* lang der POPPER-Literatur Eine ausführliche Würdigung der bedeutendsten Werke POPPER-lYmEUS' Dralls! 101 21. 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Es setzte sich aus 46 Rabbinern und 25 Laien zusammen, außerdem zählte es noch 10 Stellvertreter und zwei Schriftführer und tagte bis zum 9. März 1806. Nachher tagte nochmals die Deputiertenversammlung vom 27. März bis zum 6. April 1807. Nach Zusammentritt des Sanhedrin wurde vom Minister des Innern ein aus drei Rabbinern bestehendes Präsidium ernannt, die die Titel des alten Synhedrion führen durften. Die Eröffnungssitzung wurde mit einem Gottesdienst in der Synagoge eingeleitet, bei dem die Rabbiner Sinzheim und de Cologna Reden voll Lobeshhmnen auf Napoleon und Frankreich hielten. Sodann wurde das Scinhedrm in denselben Räumen, wo die Notabelndersamntlung tagte (Hotel de Bille), fortgesetzt. Die Sitzungen waren öffentlich und boten schon infolge der einheitlichen Klei'dertracht aller Mitglieder ein recht interessantes Bild, das von zahlreichen jüdischen und nichtjüdischen Besuchern belvundert wurde. Die Tagung selbst bot nichts anderes als einen Nachtrag zu den Arbeiten der Notabelnversammlung und hatte nur deren Arbeiten zu erweitern und auszubauen. Die Haupttätigkeit des ShnhedrionS bestand darin, die Frage der Verträglichkeit des Judentums mit den Gesetzen des Staates zu lösen. Es ist klar, daß Napoleon mit der Einberufung des Synhedrions sicherlich auch politische Ziele verfolgte. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Napoleon infolge des bevorstehenden Krieges mit Preußen ein Interesse daran hatte, die Juden in diesen sowie in den gegen den Osten zu vorgeschobenen Provinzen für sich zu gewinnen, um dann auf scinem Kriegszug Helfershelfer für seine Armee zu gewinnen. Er hatte schon vor Einberufung der Notabelnversammlnng sicherlich ein diesbezügliches klares Programm ausgearbeitet. Es ist daher kein Wunder, daß die Einbernli'^a der Notabelnversammlung, insbesondere aber des Sanhcdrins, das ja historische Reminiszenzen im jüdischen Volke Hervorrufen sollte und konnte, von den Nachbarstaaten Frankreichs mit besonderem Interesse verfolgt wurde. Insbesondere war es aber Oesterreich, das in einem speziellen Gegensatz zur napoleonischen Weltpolitik . stand und in jedem seiner Schritte etwas gegen sich Gerichtetes zu sehen glaubte. Schon am 9. August 1806 teilte der österreichische Hofiommisiar in Venedig. Baron Rosetti**). im Vertrauen dem Polizeiministerium mit, er habe von ziemlich verläßlicher Seite erfahren, daß die Veranlassung zur Versammlung der jüdischen Deputierten aus dem französischen und italienischen Reiche „ein dem Kaiser Napoleon vor ungefähr fünf Monaten von einem Rabbiner von Bordeaux unterlegtes Projekt fein soll, welches weit umfc's.ende Ideen und selbst die Vereinigung der Juden sch aft im eigenen Reiche zum Zwecke haben soll". Es sei daher sehr zu besorgen, daß auch Inden fremder Staaten indirekt in die Verhandlungen der Deputierten in Paris mit einbezogen werden könnten. Man niüßtc daher den Einfluß dieser Verhandlungen auf die Juden in Oesterreich besonders beobachten lassen, da Napoleon gegenlvärtig die Absicht habe, sowohl durch die Verbreitung der Freimaurerei, deren oberstes Haupt er werden soll, als auch durch die Notabelnversammlung in die „Kanäle der Gesellschaft" in den einzelnen Staaten cinzudringen und sie indirekt zu beeinflussen. * Siehe „Wiener Moraenzeitung" vom 17. d. **) Wiener Staatsarchiv: StaatSkanzlei. Poliz.-Korr^ Fasz 38, Nr. 1714. 1249754^

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