Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2514 (21.2.1926)
- Date
- 1926-02-21
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Mett. tzüttM Dauerslrümpfe haben Weltruf m Elegant, unverwüstlich / UebcraU «rhiltlleh Zentrale: LEO SUSSMANN Wien, 1. Bezirk. Schwertgasie Nr. 1 Ter Angriff auf den Völkerbund. -5. Wie«. 21. Februar. DaS politische Wellbavometer steht wieder auf Trübe. Hinter den Kulissen des Völkerbundes ist ein Streit entstanden, der das Werk von Locarno sehr arg beeinträchtigt. Die Märzsession wird die Erweiterung des Rates nicht so vornehmen können, wie dies geplant war. England und Frankreich wollen gemeinsam die Vertagung auf die Herbst- oder gar Wintersession Vorschlägen in dem Bestreben, bis vahin eine Aenderung der weltpolitischen Verhältnisse herbeiführen oder einen Ausweg aus den heiklen Schwierigkeiten zu sehen, die durch das Gesuch Deutschlands entstanden sind. Das Mißtrauen, das jeder politische Schritt des von nationalistischen Velleitäten beherrschten Deutschland erweckt, ist durch die Enthüllungen über die unterirdischen Geheimverbände und ihre Verbindungen mit dem ungarischen Fälscherstaat noch verstärkt worden, am meisten in Frankreich, das sich an zwei Punkten bedroht sieht. Es merkt die Revanchestimmung fettfeitö des Rhein und ist von Budapest her an der wunden Stelle seiner Staatswirtschaft gepackt worden. Frankreich will sich im Rat des Völkerbundes gegen alle Zufälligkeiten einer Abstimmung sichern und hat deshalb wohl im Hinblick auf die ungeklärte Frage der Ostgrenzen dem polnischen Staat einen Platz sichern wollen. Die Diskussion über diesen Plan, der zunächst nirgends ernstem Widerstand begegnete, brachte jedoch die ganz unerwartete Wendung, daß auch Spanien und Brasilien Anspruch auf Ratssitze erheben, und zwar mit dent ausdrücklichen Hinweis auf ihren katholischen Charakter. Damit war plötzlich in eine eminent politische Angelegenheit eine konfessionelle Note hineingemischt. Der Londoner „Sundah Expreß" lieferte die Aufklärung: Hinter dem katholischen Anspruch steht der Vatikan. Die Kurie als die Leitung einer machtpolitischen Organisation hat zweierlei Ziele. Sie will zunächst den durch den Ausfall des Krieges und insbesondere durch die Sprengung der österreichisch-ungarischen Monarchie, der katholischen Macht par excellence, erlittenen Ausfall an politischem Einfluß zurückgewinnen. Ihr zweites Ziel ist der Kampf gegen das in die Weltpolitik eingetretene nationale Judentum. Der Schutz der heiligen Stätten in Palästina ist nur ein Borwand. Wenn dies tatsächlich eine Frage wäre, so wäre sie in wenigen Minuten zu lösen. Es ist auch in den vatikanischen Kreisen zu gut bekant, daß der Zionismus niemandes Recht verkümmern wist Aber für den Zionismus, der hier mit voller Autorität als Vertreter der jüdischen Gesamtheit auftritt, ist Palästina eine heilige Stätte, die vor allen Angriffen welcher Art immer gewahrt werden muß. Palästina ist Mandatsland. Die Unterschrift aller Völkerbundstaaten steht unter einem Vertrag, der die Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina in Aussicht nimmt und England mit den verwaltungstechnischen Vorarbeiten beauftragt. Der Vorstoß des Vatikan richtet sich jefet. direkt gegen den Völkerbund. Die Mächte, die diese Institution geschaffen haben, müssen dies wahrnehmen. Ihre Sache ist es, wie sie die Situation am raschesten meistern, denn der Stoß zielt doch über den Zionismus hinaus auf England, dessen Position ohnedies gefährdet ist. Der englische Außenminister hat vor wenigen Wochen nach der Aussprache mit Mussolini eine Begegnung mit Briand gehabt, in der, wie damals mitgeteilt wurde, ein einvernehmliches Vorgehen in den Fragen des vorderen Orient festgelegt wurde. Diese Vereinbarung hat nicht gehindert, daß Jouvenel nach Angora gegangen ist und dort mit der Regierung ein Abkommen geschlossen hat, das der Türkei einen Gebietszuwachs einschließlich der Herrschaft über die längs der syrischen Grenze laufende Strecke der Bagdadbahn bringt. Dies zu der Zeit, wo der Mossulstreit mit der erdenklichsten Heftigkeit betrieben wird und Mustapha Kemal nach London gefahren ist, um dort zu erklären, daß keinerlei Wirtschafts- oder zollpolitische Konzesiionen den Verlust des Gebietes wettmachen können. In Aegypten hat England zweifellos einen bösen Echec erhalten, indem sich die Regierung mit den Nationalisten auf der Basis des alten, durch ein Oktroi bereits aufgehe s>-;nen Wahlrechtes geeinigt hat. Der Friedensschluß wurde durch den Angriff des Faszismus erzielt, der mitten im Frieden durch italienische Tripolistruppen die Oase Tjarabub, ägyptisches Grenzgebiet hat besetzen assen. Diese Herausforderung versteht die islamitischr Welt und da England heute die größte mohammedanische Macht ist, so sind die weiteren Ereignisse und Komplikationen in der englischen Interessensphäre zu erwarten. Die Verbindung zwischen dem Vatikan und den arabischen Nationalisten ist schon seit langem feststehend und der Zionismus hat sie schon wiederholt aufgespürt. Da die englischen und die jüdischen Interessen an dem io wichtigen Punkt der Weltwirtschaft parallel lausen,' Bttener MürgruzelirmA" so ergibt sich auch die Parallelität der Gegenströmungen. Was dem Zionismus gilt, ist auch der Mandalsmacht vermeint und eG ist mit ein Mittel gegen Englands Stellung im vorderen Orient und in Aegypten, wenn im Jerusalemer Organ des Patriarchen Barlassina das Studium der „Weisen von Zion" den Arabern empfohlen wird und wenn die erste arabische Uebersetzung in Kairo auf den Büchermarkt kommt. Dieses Büch verrückter Lumpen hat in Europa und in Amerika genug Schaden angerichtet. Wenn es im Orient auftaucht, so trifft es nicht nur die Juden. Der Orientale differenziert nicht so genau, wie ihm dies angeraten wird. Er ist jetzt eine Figur in dem Kreis, der um die Idee des Völkerbundes, um das Prinzip der Bölker- und Rassenversöhnung gezogen wird. Pan-Snropa. Gedanken zu einer Rundfrage. Von Dr. Leopold Thaler. Sage mir, wie du über Pan-Europa denkst, und ich sage dir, wer du bist . .. Dieser Satz, der zivar in der üblicheren Fassung viel mehr Anspruch auf Allgemeingültigkeit erheben kann, als in dieser veränderten, ist mir aber doch bei der Lektüre der zahlreichen Antworten auf die Rundfragen R. N. Co.udenhove-Kalergis: ,Holten Sie die Schaffung der Bereinigten Staaten von Europa für notwendig?" und „Halten Sie das Zustandekommen der Vereinigten Staaten von Europa für möglich?" in den Sinn gekommen. Denn blättert man in den zwei Heften der Pan-Europa-Zeitfchrift, die diese Antworten enthalten, so findet man mehrfach berufspsychologische und sehr oft auch chavakterokogische Tatsachen bestätigt. So antworten zum Beispiel die Dichter und Künstler kurz, mit einigen menschenfreundlichen oder ganz allgemein gehaltenen Sätzen und fast durchwegs bejahend, da sic offensichtlich mehr dem warmen Gefühle, als dem kühl berechnenden Verstände folgen. Es ist wahrscheinlich sogar das Richtigste und Beste, denn tväve in allen Staaten Europas die Majorität in diesem Sinne „dichterisch", das Pan-Europa-Problem wäre von Vorneherein gelöst oder gar vollkommen entbehrlich. Dem ist aber „augenblicklich" nicht so, es gibt noch andere Menschentypen außer den guten Dichtern, und die haben gegen die Pan-Guropa-Jdee verschiedenes einzuwenden. (ES braucht wohl gar nicht erst angedeutet zu werden, daß die ausgesprochenen Gegner nicht zu Worte GRABEN-FRISIER-SALON Wien, l, Graben 19 / Telephon 74-2-20 Dies« neueröffnete grösste und raodertut» Werkstltt« für Haararbeiten und Schönheitspflege arbeitet PiriUjcen,3dultel und TranrHrmmilontn, för deren allererste Qualttit der international« Meister Karl Schtroky feder Dame persönlich haftet. 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Für den tschechischen Staatsmann Benesch führt der Weg zu Pan-Europa durch eine „PeriÄ>e der Block -und Gruppenbildung ..." Ich weiß nicht, ob die kleine Entente oder eine ähnliche Entente der beste oder kürzeste Weg zu Pan-Europa ist... Ob überhaupt . . . Aber auch die Publizisten kann man aus ihren Antworten sofort erkennen, ohne ihre Rainen, also ihre Berufszugehörigkeit, gelesen zu haben. Bei ihnen spürt man entweder kämpferische Einstellung — die kann positiv oder negativ sein auS einem fest umristenen Parteiprogramm heraus oder — bei den besten — wirklich eingehende und sachkundige Erfassung und Argumentation. Wenn noch die letzte Gruppe, die UniversttätS- Professoren, erwähnt wird, die mit ihrer akademischen Wissenschaftlichkeit auch die brennendste Lebensfordevung wohlwollend totphilosophieren könnten, so ist eigentlich >ie Art, wie die verschiedenen- Menschengruppen, an die ich C0ude nh0ve hauptsächlich gewendet hat, auf eine Fragen reagiert haben, so ziemlich deutlich skizziert. * Sachlich stützt sich die Argumentation, sowohl die ür Pan-Europa. als auch die dagegen, hauptsächlich auf drei Gründe: die Friedenssehnsucht, die Zerrissenheit und Verschiedenheit der einzelnen, europäischen Staaten und die Erwachung und damit Hand in Hand gehende Konsolidierung und Zusammenfassung der außereuroväleben Weltteile, wie Asiens unter russisch-japanischer Führung, Amerikas und des britischen Kolonialreiches. Während Coudenhove und seine Anhänger im engen Zuammenschluß der europäischen Völker, mit Ausschluß Rußlands, das zu Asten, und Englands, das zu Paniritannien gehören soll, die beste Gewähr des Weltfriedens und des europäischen Ausstiegs sehen, fürchte» die Gegner, vielleicht nicht ganz mit Unrecht, daß gerade solch eine straffe Organisierung großer kontinentaler Per- 21. * * tor. $SU bände zu verheerenden W e i t k 0 n f l i k t e n führen kann, die viel gefährlicher sein können, alS relativ lokal« Nationalkriege und Natlvimlfanallsinen. Die wahren Pazifisten unter diesen letzteren wünschen daher eine Vereinigung der europäischen Nationen, meist auch einschließlich Rußlands und Englands, i n n e r h.a l b der großen W e l t u n i 0 n, deren sinnfälliger Ansdruck und hoffentlich auch vielverheißender Anfang der Genfer Völkerbund ist. Sehr treffend erzählt daher in seiner umfangreichen, „manches Richtige enthaltenden Antwort Doktor Gustav Stolper, Redakteur des „Berliner Börsenkuriers": „Ein boshafter Freund meinte unlängst, es sei doch merkwürdig, daß alle politischen Strömungen, die durch das Wörtchen Pan (gleich alles) gekennzeichnet seien Ablehnung und Ausschließung von anderen bedeuten — Pan-Europa ebenso wie Pan-SlavismnS, Pan-GermaniS- MUS und andere." * Viele Juden haben auf die Fragen EoudenhoveS geantwortet. Und doch kann man von einer Einheitlichkeit dieser jüdischen Standpunkte nur in sehr entferntem Sinne sprechen. Denn diese Juden sprechen hier in keinem einzigen Fall als Juden, sondern als Deutsche, Franzosen oder Italiener, als Dichter, Schriftsteller oder Professoren. Im allgemeinen kann tnan vielleicht sagen, daß die überwiegende Zahl der jüdischen Antworten positiv ist, aus jüdischer Friedensliebe heraus, und daß die Juden Vielleicht das Beste zur wirtschaftlichen Seite der Pan-Europa- Frage sagen. Und doch fehlt hier die spezifisch-jüdische Antwort, die national-jüdische, die zionistische. Diese Antwort müßte — um nur auf das allgemeine de- Pan-Europa-Problems einzugehen und Einzelheiten augenblicklich außer acht zu lasten — in erster Linie von zwei Tatsachen unseres nationalen Lebens bedingt sein: Der Jude als Europäer und der Jude als Palästinenser, also Asiate oder — wie es das Pan- Europa-Programm will — als Mitglied des panbritischen Kontinents, —> das sind die zwei Verwurzelungen des jüdischen Menschen von heute, der sein Judentum und sein Menschentum ernst nimmt. Solch ein Jude — nnd dies ist der wahre Nationaljude, gleichgültig, ob er in Europa oder in Palästina wohnt, es kommt nur auf die Intensität seines ZugehövigkeitSbewußtseins zum einigen jüdischen Volk an — kann zum Pan-Europa-Problem nur eine Einstellung haben, die sowohl seinem Europäertum, als auch seinem Palästinensertum gerecht wird. Und von diesem grundsätzlichen Standpunkt aus wird jeder bewußte Jude ein geeintes Europa bejahen und wünschen und verwirklichen helfen, das innerhalb einer geeinten Welt den Weltfrieden garantiert. Ein Europa gegen Asten, oder eines gegen England, müsten und werden die Juden ablehnen. Ein allgemeiner, also alle Völker der Welt umfassender, nach Kontinenten gegliederter Völkerbund, der aber auch ein Völkerparlament enthalten soll, also Nicht nur ein Bund der Regierungen, sondern eine Union der Völker tväre, scheint uns das pazisistische Ideal des Nationaljuden zu sein. Niemand ist vielleicht mehr au einem wahren Weltbund interessiert, als das um seine nationale . Selbstbestimmung und nationale Wiedererstehung kämpfende jüdische Volk. Sowohl. das zerstreute auf der weiten Welt, als das heimgekehrte in Palästina. » ' Besonders interessant sind noch zwei Antworten, tveil sie die jüdische Antwort von einer anderen, aber entscheidenden Seite beleuchten und weil sie Romain Rolland und Henri Barbusse eingcsandt haben. Romain Rolland verneint Pan-Europa: „Nein. Der Augenblick ist vorüber. Im gegenwärtigen Augenblick wären beim heutigen Stande der Mentalität aller Regierungen und der Majorität der Völker Europas diese begrenzten Vereinigten Staaten von Europa ein gefährlicheres Berteidigungs-- und Angriffsbündnis — man weiß, was heutzutage das Wort .Verteidigung' im Munde aller Regierungen bedeutet, daß es zu jeder Eroberung und zu jedem Angriff ermächtigt — ein Ueber- Nationalismus, viel mörderischer in Kampfstellung gegen die übrige Welt, vor allem gegen die nächsten Nachbarn in Rußland und Asien. Ich aber will im Gegenteil ihre gegenseitige Durchdringung. Die Union, die ich will und an der ich arbeite, ist die der freien Geister der ganzen Welt." Und Henri Barbusse, der besonders stark „für ein von unten", durch die Völker selbst geeinigtes Europa eintritt: „Die Rasten unterscheiden sich nicht was Ausbeutung und Elend anbelangt, und das Blut aller Völker hat dieselbe Farbe ..." So urteilen die Nicht-Nureuropäer. Und in diesem Sinne sind auch wir Juden Nicht-Nureuropäer. Ar Kampf um den Bötterbundrat. Keine Aussichten für Polen. London, 20. Februar. Vs wird nunmehr berichtet, daß Polen keine A u s f i ch: hat, bei der Ratssitzung im März als ständiges Mitglied zugelasten zu werden. Die Haltung Englands in dieser Angelegeicheit ist von drei Faktoren entscheidend beeinflußt worden: Bon der Opposition der Dominien, von der ^ablehnenden Haltung der britischen öffentlichen Meinung gegenüber dem französischen Vorschlag und schließlich von dem dezidierten Standpunkt ixt s ch w edijcheg Regierung,