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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-20 · Heft 2513 (20.2.1926) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2513 (20.2.1926)
Date
1926-02-20
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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M. WkS sasfeir, MlMüg »ME Morqenffrvra«N fiü« jütfifftf mi* Set Srofberttag vom Unterhans angenommen. ■*' (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") London, 18. Februar. Das Unterhaus beschäftigte sich "heute mit dem Ira>kvertrag, der das englische M a n d a t ü b e r d e n I r a f um 25 Jahre verlängert. Kolonialminister A m e r y brachte die diesbezügliche Entschließung ein, wobei er auWhrte, daß eine Ablehnung derselben die Zurückweisung eines Beschlusses des Völkerbundes bedmten und die britische Regierung in den Augen des Völkerbundes, der Türkei und des Irak lächerlich machen würde. Mae Donald bekämpfte die Mandatsausdehnung; mit dem Hinweis darauf, daß Lord P a r m o o r bei Ueberweisu n g Mossulkonslikts an den Völkerbund ausdrücklich auf die itug der englischen Regierung himvies, das Mandat spaiestens im Jahre 1928 ablaufen zu lassen. Ein anderer Führer der 'Arbeiterpartei meinte, wenn i e i n P e t r o l e u nt in Mesopotamien wäre, würde sich kein englischer Minister über das Gebiet aufregen. Die n ä ch st e Arbeiterregierung werde sofort alle verpflichte n d e n B e z i c h u n g e n z u m I r a k st a a t e zu l ö s e n wissen. C h a m b e r l a i u erwiderte daraus in ziemlicher Erregtheit: Eine handgreiflichere Unwahrheit als die Behauptung, die englische Regierung habe es auf die O e l q u e l l e n i m I rak abgesehen, ist noch lticht dagüwesen. Im März des vergangenen Jahres trat die türkische Regier u n g mit dent Vorschlag an mich heran, diese Frage a u ß e r h a l b des Völkerbundes zu regeln. Die Grundlage des Vorschlages war, daß die Türkei so viel vom Wrlajet Hossul erhalten sollte, wie sie wünschte, und daß eine von der b r i t ischen Regierung gettehnrigte Gesellschaft das Recht der Ausbeutung sämtlicher Oelquellen erhalten würde. Die Antwort der britischen Regierung lautete, daß wir die Treuhänder für den Irak, nicht die Besitzer, sondern die Mandatare seien so nicht die Interessen des Irak im Austausch gegen eine Konzession an britische Kapitalisten verschachern könnten. Das Unterhaus nahm den Vertrag mit dom Irak mit 250 gegen 114 Stimmen an. Der Vertrag verlängert das Mandat bis 1950, wenn der Jrakstaat nicht früher Mitglied des Völkerbundes werden sollte. Die finanzielle und militärische Verantwortlichkeit Englands geht 1928 zu Ende. Deutschland und der Völkerbundrot (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Berlin,. 19. Februar. Der auswärtige Ausschuß des Reichstages beschäftigte sich heute mit der Frage der V e rmehrung der ständigen V ö l k e r b u n d r a t ssitze. Nachdem Außenminister Dr. St re se mann über den Stand der in dieser Frage geführten diplomatischen Verhandlungen berichtet hatte, beantragten die Kommunisten, die Reichsregiemng möge das Eintritisgetsuch Deutschlands in den Völkerbund wieder zurückzieheu. Dieser Antrag wurde mit allen gegen neun kommunistische und deutschvölkische Stimmen abgelchnt. Der Vorsitzende, der deutschnationale Abgeordnete H e r g t, stellte fest, daß alle übrigen Parteien einmütig der Auffassung seien, das Gesuch nicht zurückzuziehen, das unter der Voraussetzung gestellt wurde, daß entsprechend den gepflogenen Verhandlungen und den dabei gegebenen Zusagen Deutschland in der bevorstehenden Tagung des Völkerbundes einen ständigen Ratssitz erhalte, ohne daß eine weitere Aendernng in der Zusammensetzung des Rates eintritt. Prügelei im thüringischen Landtag. Weimar, 19. Februar. (Tel.-Komp.) Int thüringischen Landtag entstand heule eine arge Prügelei. Ein deutschvölkischer Abgeordneter hatte einem kommunistischen Mitgliede des Landtages in erregtem Tone O h rfeigen angetragen, worauf der Komm u n i st S ch u l z, Kennen Sie schon die grandiose Wirkung des DIANA* FRANZBRANNTWEIN! Jeder GESUNDE und Jeder KRANKE wird es Ihnen bestätigen, dass die denkbar beste Wirkung durch Diana - Franzbranntwein mit Menthol erzielt wird. , Ueberall erhältlich I auf den sich diese Aeußerung gar nicht bezog, demDeutschv ö l k i sche u mit der Faust so heftig ins Gesicht schlug, daß seine B r i l le zerbrach und die Splitter : h m ins Auge drangen. Sie jüdischen Fragen ln Polen. (Eigenöienst oer „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 19. Februar. Die Mittderheitssektion beim Ministerratspräsidium wird sich in ihrer morgigen Sitzung auch mit eitler Reihe jüdischer A n g e l e g e n h e i t e n beschäftigen. Bor allem werden die dort dem Jüdischen Klub eingebrachten A'bänderungsantrage zum Gesetzentivurf über die Gewerbes r d n u tt g zur Behandlung gelangen. Ferner wird der Sektion ein Gutachten des Sicherheitsdepartements irn Innenministerium über die Legalisierung der Z i o it i st i s ch e tt O r g a tt i s a t i o n unterbreitet. Im Gutachten wird vorgeschlagen, die Zionistische Organisation anzuerkemten, da sie als politische Organisation keiner Legalisierung bedarf, ferner wird vorgeschlagen, der T ä t i gk c i t d e r z i o n i st i s ch e n F o n d s k e i tt e Schwierigkeiten zu machen, da die polnische Regierung bereits mehrmals ihrer Sympathie für dett Aufbau Palästinas Ausdruck gegeben hat. Ebenso wird die Legalisierung der H e ch al u z o r g a tt i s a t i o n, „die sich mit der Umschichtung der jüdischen Bevölkeruttg beschäftigt", befürwortet. Dagegen wird in diesem Gutachten vorgeschlagen, dem Jüdischen Ratio n a l r a t in Warschau zu verbieten, unter diesem Namen öffentlich aufzutreten, da chm „nur eilt Teil der radikalen nationalistischen Juden" angehört. Nach Informationen Ihres Korrespondenten besteht in dett Regierungskreisen die Absicht', dex Minderheitskommission vorzuschlagen, die Behandlung der jüdischen Forderungen von der Tagesordnung a b z u s e tz e n, da angesichts der gegenwärtigen Situation im Jüdischen Klub, die auf eine oppositionelle Haltung schließen läßt, die Regierung nicht die Absicht habe, sich für jüdische Angelegenheiten zu engagieren. Nie Münde in der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. Ein Massenmeeting. Heule Samstag «m 8 Uhr abends finde! im Saale „zum Aadfahrer". 2. Bez., Prater 86 (vis-a-vis SDolheteiffrafc«) ein von der zionistischen Sektion Prater veranslalletes Massenmeeting statt. Es «erden die Herren Dr. Defider Friedman«, Präsident des Zionistischen Landesverbandes für Oesterreich» Dr. Josef LSwenherz. Dizepräfident der Israelitischen Kultusgemetnde, Gemeinderat Dr. Leopold P l a s ch k e s und Ing. Robert Stricker, Mitglied des Zionistischen Aktionskomitees» sprechen. Thema: „Die Zustände in -erWienerjüdischenSiullnsgemeinde" und andere abluelle Frage«. Fntervenlian de» Wische« Klnb». (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 19. Februar. Die Abgeordneten WiszlieL? und Hartglas hatten eine längere Unterredung mit dem Handelsminister Ost eck i, in der sie die Forderungen deS Jüdischen Klubs in Angelegenheit der Abänderung der antijüdischen Bestimmungen im Gesetzentwurf zur neuen Gewerbeordnung vorbrachten. Aus Srer Israel. 4000 fteckengebliebene Palästinawmtderer. Jerusalem, 16. Februar. Bou dett zirka 3000 biS 4000 jüdischen Emigranten, die auf dent Wege nach PalästiM in K o n st a n t i n o p e l und' anderen Hafenstädten stecken geblieben sind, werden in Ausführung eines Abkommens zwischen dem vereinigten Evakuationskomitee und der Zionistischen Palästinaexekutive so bald als möglich mindestens 400 in Palästina zugelassen werden. Das Komitee gab der Zionistischen Exekuiive eine Garantie für den Unterhalt dieser 400 Einwanderer während des ersten Jahres in Erez Israel. Die Einwanderer erhalten die Reisekosten und diejenigen, die ein bestimmtes Handwerk betreiben, Werkzeuge. Außerdem ist eine gewisse Summe für Anleihen ausgesetzt, die den Einwanderern die Niederlassuua erleichtern sollen. _ Znloud. Sie Fälschmigen in Wetzelsdorf. Einsetzung eines Untersuchungsausschusses im steirischen' Landtag, Die Sozialdemokraten im steirischett Landtag haben gestern neuerlich eine dringliche Anfrage an den Landeshauptmann R i n t e l e n gerichtet, zu den Aeußerunden des Grafen B e t h l e n, daß die Sokolfälschungen auf Oesterreich hinübevspielen, konkret Stellung zu nehmen. Landeshauptmann Dr. Rintelen gab folgende Erwiderung: Wenn ich auch heute noch nicht sagen kann, ob und inwieweit diese Aeußerungen tatsächlich gefallen sind, so sehe ich mich doch veranlaßt, ausdrücklich festzusiellen, daß eine Unterstützung des Unternehmens der falschen Noten in keiner Weise erfolgte und daß zu diesem Zweck über meinem Auftrag eine Verwendung der Gendarmerie in keiner Richtung stattfand. Das gleiche gilt auch bezüglich der Verwendung des Regierung sau tos. Ich stelle weiters fest, daß die Steirerbank mit der Angelegenheit in keiner Weise zu tmt hatte. Jede andere Behauptung entspricht nicht den Tatsachen. Ich würde es sehr begrüßen, wenn aus der Mitt e d e r Par t e i e n ein Er Hebung saus schuß eingesetzt würde, der, trotzdem die Angelegenheit fast fünf Jahre zurückliegt, die Möglichkeit haben wird, sich an der Hand aller Akten und durch sonstige Erhebungen genauestens zu informieren. Landrat Mach old nahm die Ausführungen des Landeshauptmannes zur Kenntnis und stimmte dessen Vorschlag auf Einsetzung eines Ausschusses zu. Der Antrag wurde einstimmig angenommen und in den Ausschuß drei Chriistlichsoziale, zwei Sozialdemokraten, einBauembündler und ein 'Großdeutscher entsendet._. Alexander Weisz. Gestern vormittags hat der Rechtsanwalt Dr. Robert Steiner in Vertretung des gewesenen Chefredakteurs Alexander Weisz ein Enthaftungsgesuch eingebracht. Das Schriftstück wurde dem Staatsanwalt zur Aeußerung vorgelegt. Aus einer in der „Wiener Allgetncinett Zeitung" veröfsentlichten Berichtigung des Herrn Ernst Colbert geht hervor, daß er bisher vom Untersuchungsrichter noch nicht einvernommen worden ist. Dies soll im Laufe des heutigen Tages geschchett. Die „Mouche" über Heines Tod. Gin unbekannter Brief. Aus Anlaß des 70. Todestages Heinrich Heines veröffentlicht „Die literarische Welt" auszugsweise den nachstehenden, bisher unbekannt gebliebenen Brief, welchen Heines letzte Lebensgefährtin, die „Mouche", an ihren Freund, den Prager Dichter Alfred M e i ß n e r, schrieb. Unterfertigt ist diese erschütternde Epistel, welche die Liebe dieser Frau zu Heine enthüllt, mit „Margot". So nannte sich die „Mouche", die ihre persönlichen Verhältnisse stets in geheimnisvollem Dunkel hielt, Meißner gegenüber. „Recht sehr wirst Du Dich verwundern, mein lieber Meißner einen Brief von mir, der tvahrscheinlich längst vergessenen, zu empfangen. Auch hätte ich, da der, voriges Jahr, von mir an Dich gerichtete Brief, ohne Antwort geblieben, tvahrscheinlich keinen niehr an Dich gerichtet, fühlte ich nicht, in diesem Augenblick, wo mich ein unersetzlicher Verlust betroffen, das innige Bedürfnis, mit Dir, der I h n! auch geliebt, mit Dir! einer der wenigen Menschen die Ihn wahrhaft gekannt und gewußt, welch ein Göttersohn! in der ganzen Bedeutung des Wortes Er war, mich einige Augenblicke zu unterhalten! Mittwoch vor acht Tagen haben wir ihn nach Montmartre, zu seiner kühlen Ruhestätte begleitet, und jetzt kann ich Dir nur noch über seinem Grab die Hand reichen. Ach — .mchr als mein Leben liebte ich diesen Sterbenden! Ich war Ihm nah wie der Schmerz dem Tode nahe ist! Trostlos hat mich der Peinige gelassen! . ‘ Vierzehn Tage sind es Heute, daß ich zu ihm ging, hoffend ihn besser als den Tag vorher zu finden — denn es .ist merkwürdig, wie bei solchen Krankheiten Langer Tauer, man sich selber täuscht. Seit drei Tagen litt er an heftigen Erbrechet!, doch da er zuweilen ähnliche Krisen, wenn auch nicht von so anhaltender Art, hatte,' dachte ich immer, trotz der inneren Angst, welche mich zuweilen befiel, diese tväre ebensolch eitle Krise, durch die ungeheuren Dosen Morphine, welche er zuletzt nahnt, hervorgebracht. Voller Hoffnung, Ihn wieder zu scheu! Ihn, den Freund! eilte ich zu ihm und klingelte sehr sanft, um, im Fall Er schlief, Ihn nicht zu erwecken. Ach — oen Gedankett att feinen Tod hatte Nie mein Herz gefaßt. Es war furchtbar, als ich das Wort hörte, und erst begriff ich es nicht. Mir war als wären die Menschen aus einmal tvahnsiunig geworden. Doch zuletzt begriff ich alles! Und ich begriff auch, daß Er von seilten 8jährigen Qualen endlich befreit. Er hatte tnich einmal gefragt, ob ich dett Mut haben würde, ihn nach seinem Tod zu sehen — und da trat ich herein, kniete neben der teuren, teuren Leiche und küßte ihr die schon mannorkalte Wange! Den selben Morgen um 5 Uhr war unser Heine gestorben! Oh nein — nicht gestorben, nur zurückgekehrt zu dem sonnigen Olymp — fetn wahres Vaterland! Ach! so schön wie diese Leiche, habe ich nie das Leben gefunden! Er schlief so sanft, und mit solch einem stolzen, edlen Ausdruck auf den Zügen! Es schien ihm alles so gleich geworden! Ach — ntir wurde es wohl bei diesem Anblick — so sterbewohl! Nun ist es aus — doch ich fühle utich übertvältigt von Kuunner — fast täglich sah ich ihn in den letzten Zeiten seines Leberts! Er halte mich so lieb — er spielie mit ntir wie mit einer Puppe — ach mm höre ich nicht mchr die süßen Worte — Er wallt nicht mehr auf Erden, der Geliebte Geist! Seine arme Frau hat er verlasset! — auch tnich — mich — dessen einziges Glück »var ztt seinen Fußen zu liegen — und mir einzubilden, ich sei seine Sklavin. Ach, lieber Meißner, es gibt gewiß Menschen, die nur zu Sklaven geboren sind. Es sind vielleicht die, welche im Stande sind, jede Größe zu verstchen — und ich bin eine solche Natttr! So diele Dinge sind unterdessen ln meinem Leben geschehen, daß ich heute nicht im Stande bin, Dir von mir zu erzählen — Auch habe ich noch keinen anderen Gedankett als diesen Tod — Dann weiß ich ja nicht einmal,' ob Dir noch daran liegt, etwas über die zu hören, welche Du eine kurze Zeit Deine Margot nanntest?-- Ach — schreibe mir — und solltest Du nach Paris kommen, so besuche mich. So viel, so sehr viel möchte ich Dir noch von Ihm erzählen, der Dich auch so lieb hatte, der Deinen Wert so ztt erkennen wußte.-Daß H. wenige Tage vor seinem Tode die letzten Epreuven der französischen Ausgabe der Reisebilder zurückschickte, wirst du wissen. Es ist doch ein merkwürdiges Buch! Gerne hätte ich etwas von alle dem, lvas in den deutschen Blättern über diesen Todesfall gesagt (vorzüglich die Berliner Zeitungen) gelesen. Der Berlinerische C a n t, die methodistische Galle wird wahrscheinlich bei dieser Gelegenheit von Neuem aufgeregt und ihr Pharisäertum zum Besten geben. Die armen Wichte!- Schreib mir auch, daß jede bittere Rückerinnerung an mich aus Deinem Herzen gewichen —- es ist nicht die Freundin, es ist der Freund, der sich Dir nähert und um ein Wort des Trostes bittet.- Am Ende sterb' ich doch bald. Vielleicht auch nicht. Dann, wenn ich steche nämlich, besuchst Du mich auf Cimetiere Montmartre, wo auch Er jetzt wohnt — Nichtwahr, Du besuchst mich doch einmal? Ach ~~ ich muß schließen — mir ist sehr düster zu Mute! Schr sterbetraurig! . Ma rgot." «

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