Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2513 (20.2.1926)
- Date
- 1926-02-20
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2979076-2981549-2981600--25616-3013277- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Wen, WmW- " HOTEL-^r-RESTAURANT GUTH II.. Hollandstrasse Nr. 14 VORNEHRIBS RESTAURANT IDIiT ERSTKLASSIGER KOCHE MENU ZU S 1.80 UND S 2.20 Uebornahme von Diners und Soupers In und ausser Haus ■/**f®* Samafmj nnd Sonntag Scaper dansant / Jeden Sonntag Fünf-Uhr-Tee mH Tons 2um Besuch ladet hgfl. ein J. GUTH, Besitzer Bruderbund oderBMerbuud. —y. SB U «, 20. Februar. Immer merkwürdiger wird das Verhältnis Ungarns Mr ^sitteten Welt. Es gibt heute nur ein Urteil über dieses System und es sind nur mehr die auf Gewalt und Mord ringeschworenen Nationalisten, die ihre Sympathie aussprechen und zugleich ihr Bedauern, daß der Fälschungs- Plan aufgeflogen ist. Aus den Geldern hätte sich mehr machen lassen als bloß ein Putsch in Mitteleuropa. Die Personen, die in Budapest die Sache leiteten, bildeten keinen so engen Kreis, wie dies bisher angenommen wurde. Ihre Zahl geht weit über die der neuesten Insassen der politischen Gefängniszellen hinaus und es ist zu erkennen, daß alle, die im christlichnationalen Kurs Rang und Würde besaßen, in das Unternehmen eingeweiht waren. Es gab einen Bruderbund, in dem alle Reformatoren der Konterrevolution vereinigt waren. Dieser Bund war nur die so und sovielte Form der Organisation dieser Gesellen und auch ihre jetzige patriotische Arbeit, die von der holländischen und der französischen Polizei gestört wurde, unterscheidet sich nur sehr wenig von der früheren Tätigkeit, die sich zuerst in Wien bei dem Raub der Milliarden in der .Bankgasse äußerte. Die Feststellungen der auswärtigen Organe haben indirekt dazu geführt, daß Graf Paul Teleki und der Rassenschützlerobrist Gömbös auf die berühmte Liste kamen. Beide sind aber noch unbehelligt von aller behördlichen Neugier und können in Ruhe mit ihren Kumpanen das weitere besprechen. Darin, in der Art, wie das amtliche und das nichtamtliche Ungarn diese Situation hinnimmt, liegt das merkwürdige des Verhältnisses. Graf Bethlen, der heute seinen Brief nicht mehr bestreitet, bereitet sich auf die Reise nach Genf vor. Er tut so, als wäre nichts geschehen und als wäre tatsächlich nur eine Polizei- und Gerichtsaktion vorgefallen. Es ist aber doch so, wie vorgestern im österreichischen Nationalrat gesagt wurde, daß Ungarns internationale Beziehungen sich nur mehr auf dem kriminellen Gebiet ausleben. Vielleicht hat Bethlen inzwischen Kenntnis davon erhalten, daß es ihm in Genf nicht gar so schlecht gehen werde, und daß die Solidarität der Autoritätserhalter auch diesem schwarzen Schaf zugute kommen werde. Das hilft aber doch nicht darüber hinweg, daß der aktive Ministerpräsident den Fälschungsplan schon in: Dezember kannte und nicht verhinderte/ daß sein Vorgänger, eben der Theoretiker des Judenmordes, der Graf Teleki, als aktiver Ministerpräsident an den Vorbereitungen teilgenonnnen hatte, und daß dieser sehr ehrwürdige Herr, als es im Jänner brenzlich wurde, rasch nach Deutschland eilte, um geographische Vorträge zu-halten. Er hat in Berlin den Herrn Schultze, den Fachmann in Wasserzeichen, besucht. Und während noch in Budapest alle Blätter die empörten Regierungscommuniques voll homagialer Treue abdrucken mußten, sah die brave Hausmeisterin der Schultzeschen Wohnung den Grafen dort ein- und ausgehen. Hat die ungarische Regierung diese Besuche gekannt? Sie verfügt doch über so glänzende Spitzel und gibt für ihren Auslandsdienst so viel Geld aus! Es mag sein, daß sie den Grafen Teleki mit aller Schonung behandeln muß. Er ist ein gar mächtiger Herr, wenn er auch jetzt vielfach die Unwahrheit redet. Er behauptet, den Nadossy und den Tausendkünstler Gerö kaum gekannt zu haben. Teleki ist der oberste Feldmeister der ungarischen Pfadfinder, eines seit zwei Jahren unter dem Protektorat des Erzherzogs Albrecht stehenden Jugendverbandes. Man kann sich ungefähr vorstellen, in welchem Geist die Erziehung der jungen Leute erfolgte, die auf Jrredenta und Rache und Pogrom gedrillt wurden. Mit Teleki saßen Nadofsy, der die Abteilung für Körpersport leitete, Gerö, dem das Finanzwesen und das ,Zeltwese« unterstand, ferner Hampel und Velössy in dem Vorstand. Die beiden letztgenannten sind derzeit noch in Haft. Alle Vorstandsmitglieder verkehrten statutengemäß als Brüder miteinander. Trotzdem hat sie Teleki nicht gewnnt. Wie sie alle überhaupt kaum etwas von einander wußten, wenn nicht gerade der Bischof Zadravecz sie vereidigte. Und trotz aller dieser Umstände bereitet sich Graf Bethlen auf die Reise nach Genf vor. Es ist sichere Erfahrung, daß die Politik, wie sie in dem Europa von heute herrscht, die reinlichen Wege nicht sehr liebt. In der Atmosphäre der Bündnisse und Gegenbündnisse, der Spionage und Gegenspionage, der Vorbereitung des Giftgaskrieges, heiligt rneistens der Zweck das Mittel und drückt auch den offiziellen Systemen seinen schmutzigen Stempel auf. Es geschieht ja alles um der Ehre der Nation, des Vaterlandes, der Kultur und der Rasse willen, und man findet immer einen Staatsjuristen und einen Staatsphilosophen, der die Unbedenklichkeit des Vorganges von einer höheren Warte aus begutachtet. Aber die führenden Politiker haben bisher für ihre Person imnrer auf Reinlichkeit gehalten. Sie haben für Vertragsbruch sogar Krieg geführt. England hat die Ermordung der Obrenowitsch mit Abbruch aller diplomatischen Beziehungen zu Serbien beantwortet. Mit Abscheu und Zorn haben alle zusammen die Politik des Stachejdrahtes gegen das bolschewikische Rußland betrieben und dies auch mit moralischen Gründen gestützt. Weshalb unterhalten sie noch die Relationen nnt dem Ungarn dieser Sorte? Welchen Wert können sie in Genf den Erklärungen eines Ministers beimesien, der von irgend einer dunklen Konferenz kommt? Und wenn sie dann über den Numerus clausus sprechen, wie können sie den Versicherungen und Versprechungen dieses Kurses trauen, dessen einziges Mittel außer dem Galgen nur noch der Wortbruch ist? Bethlen scheint darüber beruhigt zu sein und darum kann er durch seinen Sztrache die Gerichtskomödie vorbereiten lassen, und darum muß er den Teleki nnd Gömbös ungeschoren lasten und diese ganze Sippschaft, die sich erfrecht, in Theorie und Praxis die jüdische Ehre zu besudeln. Bruderbund oder Völkerbund. Der Völkerbund hat zu wählen. Las Palöstinamandat. London, 19. Februar. (I. T. A.) Die Gesellschaft für den nahen und mittleren Osten führte in ihrer Genevalvevfammlung eine Diskussion über das Mandatssystem im mittleren Osten durch. .Hauptsächlich wurde über die Frage diskutiert, wann Großbritannien in der Lage sein würde, das Palästinamandat niederzulegen und die Verwaltung des Landes einer Regierung der Ortsbevölkerung zu übergeben. Mr. H. Wilson Harris, Mitarbeiter des „Daily News", führte aus, das Palästinamandat unterscheide sich von den übrigen „A"-Mandaten (Syrien und Irak) dadurch, daß es die Bestintmung über die Errichtung eines jüdischen Ratio n a l h e i m s enthält. Dies ist die eine Gefahr. Die andere Gefahr bestchr darin, daß die Bevölkerung nicht homogen ist. Sogar die arabische Bevölkerung bildet kein geeinigtes Element. Es ist deshalb anzunehmen, daß die Zeit, da Großbritannien das Palästinamandat niederlegen könnte, noch sehr fern ist. Prof. Arnold Tohnbee, der bei der Friedenskonferenz von Versailles Leiter der Sektion Mittel-Ost der englischen Friedensdelegation war, führte aus, man könne der Regierung keinen Vorwurf machen, daß sie die Mandate über Palästina und den Irak übernehme; sie tvar dazu gedrängt worden. In der Kriegszeit herrschte bei den verschiedenen Mächten die Tendenz vor, die Sympathien der Juden als Gesamtheit zu gewinnen, obwohl die Juden in jedem Lande gegenüber ihren Regierungen loyal waren. Die Deut schen suchten als die ersten die jüdische Propaganda in ihren Dienst zu stellen. Amerikanischjüdische Journalisten wurden nach Polen geladen, wo man ihnen den Ruin des jüdischen Lebens unter der Zarenherrschaft zeigte. Die Juden der ganzen Welt waren gegen den Zarismus. Großbriiannien bemühte sich deshalb, d:e Juden für die Alliierten zu gewinnen, indem es mit den Zionisten verhandelte. Dies führte dazu, das Großbritannien das Mandat über Palästina erhielt, obwohl es besser gewesen wäre, wenn Palästina und Syrien untcV einem Mandat, am besten unter einem amerikanischen, vereinigt geblieben wären. So aber wurde arabisches Land getrennt. Um so mehr sind die Araber gegen ein jüdisches Eindringen in Palästina zwecks Schaffung eines Nationalheimes gestimmt. Dies ist die Ursache, daß Palästina unter dem britischen Mandat nicht sehr glücklich ist. Zaugwill und vaster fOr die Krimlaloaisation. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") London, 19. Februar. Auf einem vom hiesigen Komitee zur Unterstützung der jüdischen Kolonisation i<n Rußland veranstalteten Meeting sprach der Führer der ehemaligen Territorialsiten Mr. Israel Zangwill über die Kolonisation der Juden in Rußland. Er erklärte, daß der Kolonisationsplan in Rußland ein Mittel sei, um die chaotischen Zustand e, in denen sich die Juden befinden, zu beseitigen. Die Juden, die sich bis nun besonders auf dem Gebiet ihres religiösen Lebens und der Kultur auszeichneten, müssen, wie alle Völker, ihren eigenen Boden haben. Palästina wird niemals alle Juden fassen können. Deswegen sei, seiner Meinung nach, der Zionismus keine vollständige Lösung des jüdischen Problems. Die russische Regierung hocke den Juden für ihre Kolonisationszwecke freies Land zur Verfügualg gestellt, was man keineswegs von der englischen Regierung in Palästina behaupten könnte, wo die Juden jeden Streifen Landes käuflich erwerben wüsten. In feiner Rede erklärte Zangwill, daß er n a ch w i e vor Zi on ift sei. In der Versammlung gelangte auch ein Brief des Doktor G a st e r zur Verlosung, in dem er erklärt, daß man der russischen Regierung dankbar sein müsse, weil sie de« Juden Koilonisationsmüglichkeiten gebe. Lord Swatztbllng für die Falnt-Kamvagne. New-Aork, 18. Februar. (I. T. A.) Lord Swayth- I i n fl, der einstige Präsident der englischen jüdischen Synagogenunion, ist mit seiner Gattin in Amerika eingetroffen. Er will hier im Interesse der Rettung der in den europäischen Häfen gescheiterten jüdischen Emigranten tätig sein. Lord Swaythling erklärte dem I. T. A.-Vertreter, jeder Menschenfreund tnüsse hoffen, daß der 15-Millionen-Dollar-Drive des Joint den besten Erfolg haben wird. Auch in Engjländ, sagte Lord Swaythling, wird jetzt eine Kampagne zwecks Schaffung eines Font« für di« notleidenden Jrcken in Rußland durchgeführt. Auf die Frage, ob Lord Stvaythling und die englischllberalen Juden für den Eintritt von N i ch t z i o n i st« n in üe Jeivsih Agency sind, erwidert« der Gast: Als loyaler engsicher Bürger kann ich nicht gegen Weizmann sein, aber für Ms ist das Judentum eine RelisionsgeMirsichajt. A. rm M. 25t» DflKEME BAD »m Zoo, Lettin. Hardenbergitr 0UnCnC*>DHlt Nr.27. Direktion: N. v. Benedito Treffpunkt der Frentdenwett Berlins J-Uhr-Te« Souper prlx fix » Exquisite Kfldie Kapelle > Scala«Sonst>EMUid, MBlaoo, ferner der Wiener Humorist Charlie Woeber 1117 Richter Mack lehrt zur zionistischen MivitSt inrück. New-York, 18. Februar. (I. T. A.) Mr. Emanml N e u m a n n, der Leiter der vereinigten Palästinakamipagne, teilt mit, daß Richter Julian W. Mack, der viele Jahre Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas war, dann aber mit Branders aus der Organisation austrat und eine eigene Palästinagruppe bildete, nunmehr endgültig zur Aktivität innerhalb der Zionistischen Organisation zurückgekehrt ist. Richter Mack stellte alle seine Kräfte der Palästinaikampagne zur Verfügung. In diesem Monat noch begibt er sich nach Florida, ttan dort die Kampagne zu leiten urck mindestens 150.000 Dollar nur\itbririgen. ____ gabolinrly itt Amerika. New-Dork, 19. Februar. (I. T. A.) Der Führer der Partei der Zionisten-Revisionisten, Wladimir Jabotinsky, erklärte in einem Interview mit dem I. T. A.-Vevtreter, es sei falsch, daß er in Opposition zum Keren Hajefsod stehe. ,Märe ich nicht durch meinen Vertrag mit denk amerikanischen Bureau an bestimmte Vorträge gebunden (wobei mir nicht erlaubt ist, auf anderen Versammlungen zu sprechen), ich würde mit Freude die zionistische Fünf-Millionen-Dollar-Kampagne unterstützen. Ich trete dafür ein, daß möglichst viele Juden nach Palästina gehen und möglichst viel Geld für Palästina gegeben wird, »lögen die Verhältnisse dort gut oder weniger gut sein. Die Nachricht, daß Lord Plumer mir die palästinensische Bürgerschaft verweigerte, stimmt nicht ganz. Die Palästinaregierung hat es abgelehnt, bei mir eine Ausnahme zu mache« und mir Bürgerschaftsdokumente zu geben, obwohl ich in den letzten zwei Jahren außerhalb Palästinas lebte. Lord Plumer aber lud mich ein, nach Palästina zu kommen, um dort erst die Bürgerschaft zu erwerben. Die Palästinaregierung hat alle Vereine der Zionisten-Revisionisten im Lande registriert; sie existieren legal und öffentlich. Der Drusenaufstand in Südsyrien*, setzte Jabo-» tinsky fort, „bedroht nicht Palästina. Im Orient sit di« Lage oft so, daß der eine Teil in Aufruhr, der andere Teil ruhig ist. Die Araber sind selbst unter sich nicht einig. Dennoch werden die Zionisten-Revisionisten auf ihrer Forderung beharren, daß in Palästina eine jüdische Schutztruppe als Ter! des britischen Schutzkorps gebildet werde. Die Mische Legion als Teil der britischen Garnsion m Palästina muß wieder' erstehen." " Rußland IM dle PaMInaümter nicht zu. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Riga, 19. Februar. Wie bereits vor längerer Zeit gemeldet wurde, haben einige unparteiische jüdisch« Persönlichkeiten Rußlands die Sowjetregierung um die Legalisierung der Palästinaämter in Rußland ersucht, nur auf diese Weise die Emigrationsbrwegung zu fordern. In der soeben dieser Gruppe übermittelten Antwort erklärt die russische Regierung, nicht in der Lage zu sein, die Palästinaärmer M legalisieren. _ Sine arabische Ausgabe Der «Seifen Mm Zion". (Eigendienst der Wiener Morgenzeitnng.") Kttiro, 19. Februar. Dieser Tage sind hier die evfteck- Exemplare der arabischen Ueberfetzung der Protokolle dev ,Meisen von Zion" in den Handel gekommen. Vor einigen Tagen hat, wie wir meldeten, der „Rakck Sion", das Jerusalemer Organ des Monsignore B a r l a is s i n a, der arabischen Bevölkerung die Lektüre dieses antisemitisches Schandbnches Waran empfohlen. Gggeffe der Suza-Stabenten. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung") Bukarest, 19. Februar. Die antisemitischen Studenten setzen seit einigen Tagen ihre U eberfälle aus Juden fort. In einigen Stadtteilen versuchten sie, Wische Geschäftsläden zu plündern. Jüdische Passanten wurden mehrmals angegriffen. Erst nach Erscheinen von zwei Regimenter« konnte die Ruhe wieder hevgestellt werden. Während dieser Zusammenstöße wurden mehrere Studenten verwundet und 31 verhaftet. Letztere werden den: Militärgericht übergeben. Auf seiten des Militärs sind 25 Verwundete z« verzeichnen. Gegenwärtig werden die Gaffen von Miilitärpatvouillen bewacht, die joden Auflauf verhindern. Der Minsiterrat hielt eine besondere Sitzung ab, unt über die zu ergreifenden Maßnahmen zur Verhinderung weiterer Exzesse zu beraten. Unter anderem wurde beschlossen, jeden Studenten, der vom Militärgericht abgeurteilt wird, von der Universität zu relegieren. Sttönto Ferdinand In Wien. Der frühere König Ferdinand von Bulgarien ist, wie wir erfahren, in Wien eingetroffen, um hier über verschiedene vermögensrechtliche Fragen zu verhandeln. Exkönig Ferdinand ist als Graf M u r a n y i im Hotel Meißl * Achadir abgestiegeu.