Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2511 (18.2.1926)
- Date
- 1926-02-18
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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MW, MrmMg Wkrnv MsrOMMf««- IS. $el*rtr 1926 Nr. SM Tagung des Parteirates der österreichischen Zionisten. Am 15. d. fand die zweite diesjährige Sitzung des Parteirates des Zionistischen Landesverbandes für Oe st erreich statt, an welchem die Delegierten der lokalen Organisationen fast vollzählig vertreten waren. Die Tagung wurde von dem Präsidenten des Parteirates, Herrn Dr. Jvsef Löwenherz, eröffnet. Ter Vorsitzende des Direktoriums, Herr Tr. Desider F r i e d m a n n, erstattete einen eingehenden Bericht über die Tätigkeit der Organisation seit der letzten, am 3. Jänner .1926 stattgehabten Parteiratssitzung. Aus seinen Ausführungen ist insbesondere hervorzuheben, daß die Propaganda für die Organisation zufrieden st eilende Ergebnisse gezeitigt hat, die dadurch zum Ausdrucke kommen, daß in Wien drei Bezirksorganisationen reaktiviert und in Salzburg eine neue Ortsgruppe ins Leben gerufen wurde. Der in den letzten drei Wochen abgehaltene Drive hat den lokalen Organisationen eine größere Anzahl von rreuen Mitgliedern gebracht und hatte auch das erfreutiche Resultat, daß die Zahl der Wiener Abonnenten der „Wiener Morgenzeitung" eine nicht unbeträchtliche Vermehrung erfahren hat. Auch die finanzielle Situation des Landeskomitees hat sich einigermaßen gebessert. Die wachsende Mitarbeit von bisher inaktiven Zionisten in zahlreichen Bezirken ermutigt das Direktorium, die übernommene schwierige Aufgabe weiter durchzuführen. Herr Dr. Fricdmann bringt sodann das von der zurzeit kaum 200 Mitglieder zählenden „Freien Zionistischen Vereinigung" an die Exekutive in London gerichtete Anerkennungsansuchen sowie die vorn österreichischen Landesverbände hiezu erstattete Gegenäußerung zur Kenntnis. Er verweist hiebei auf die Zuschrift der Exekutive in London vom 23. November 1925, worin erklärt wird, daß der vom österreichischen Landesverbände gegenüber der organisatorischen Grundlage der Freien Zionistischen Vereinigung eingenommene Standpunkt als mit den Gesetzen der Organisation übereinstimmend anerkannt und ausgesprochen wird, „daß sowohl Einzelpersonen wie Vereine der Zionistischen Organisation nur durch An schlnß an einen zionistischen Landesverband oder Sonderverband angehören können, daß es eine andere Möglichkeit der. Teilnahme an der Organisation nicht gibt und daß die Londoner zionistische Exekutive zufolge dessen der Freien Zionistischen Vereinigung ihre Anerkennung als einer außerhalb der Landes¬ und Sonderverbände bestehenden Gruppe zu erteilen nicht in der Lage fein w ü r d e." Präsident Friedmann bringt weiter vor, daß die Zionistische Exekutive mit Schreiben vom 30. Dezember 1925 die Zionistische Organisation Oesterreichs ausdrücklich versichert hat, daß für ihre Entscheidung nur die konstitutionellen Grundsätze in Betracht kommen und daß „die Londoner Exekutive nichts dulden wird, was die konstitutionelle oder moralische Autorität der österreichischen Landesorganisation irgendwie verletzen könnte." Schließlich reflektiert der Präsident auf die-in dem bekannten Rundschreiben des Dr. Jakob O r n st e i n zum Ausdruck kommende unfreundliche und ablehnende Stellungnahme des Unionklubs der Kultusgemeinde zum Keren.Hajessod und erörtert im Zusammenhänge mit der bei der letzten Parteiratssitzung gefaßten Resolution und den in derselben den Mandataren der Kultusgemeinde erteilten Direktiven die gegenwärtige Situation in der Kultusgemeinde. Nach einer sich an dieses Referat anknüpfenden Debatte, an welcher sich zahlreiche Delegierte beteiligten, faßte der Parteirat mit Stimmene in Helligkeit nachstehenden Beschluß: Der Parteirat beauftragt das Direktorium, den bei der Parteiratssitzung am 3. Jänner 1926 gefaßten Beschluß über die Unvereinbarkeit der gleichzeitigen Zugehörigkeit zur Zionistischen Landesorganisation und der Freien Zionistischen Bereinigung zu veröffentlichen und zur Ausführung zu bringen. Dieser Parteiratsbeschluß vom 8. .Jänner lautete: In Verfolgung des Beschlusses des Delegiertentages der österreichischen Zionisten vom 20. Oktober 1925, welcher die Bildung der Freien Zionistischen Bereinigung als dem Ansehen und den Interessen der zionistischen Sache als zuwiderlaufend erklärt und mißbilligt hat, spricht der Parteirat aus, daß die Zugehörigkeit zu der in der Zwischenzeit offiziell konstituierten Freien Zionistischen Vereinigung mit der Mitgliedschaft des Zionistischen Landesverbandes für Oesterreich aus programmatischen und organisatorischen Gründen unvereinbar sei. Es wurde ferner einstimmig folgender Beschluß gefaßt: Der Parteirat beauftragt die Parteileitung, bis zum nächsten Parteitag detaillierte organisatorische Vorschläge über Förderung und den Ausbau des jüdischen Lchulwerte^ der jüWhßn Jugend- und K u l t ur b e w e g u n g, sowie der Erziehungsarbeit zu erstatten, welche geeignet find, eine engere Verbindung der Organisationen mit den auf den genannten Gebieten tätigen Gruppen herbeizuführen und die Mandatare in der Kultusgemeinde in d e Lage zu versetzen, die berechtigten Forderungen für das jüdische Jugend- und Erziehnngswerk entsprechend zu vertretet. Zunr zweiten Punkt der Tagesordnung erstattete das Mitglied des Direktoriums, Herr Tr. Leo G o l d h a nt« nt e r, den Bericht über Keren Hajessod und Keren Kajemeth, aus welchetn wir insbesondere hervorheben, daß dre Keren-Hajessod-Kampagne im Prater sowie in der Leopoldstadt ein zufrieden st eilen des Resultat ergeben hat und daß die in diesen Tagen im 9. Bezirk unter Teilnahme einer größeren Anzahl von nichtzionistischen Persönlichkeiten zur Durchführung gelangende Keren-Hajessod-Aktion einen günstigen Verlauf ninmit. Die Eingänge des Keren Kajemeth haben sich gegenüber dem Vorjahr ungefähr verdoppelt, dagegen die Ausgaben sowohl relativ, als auch absolut, bedeutetld ver-' ringert. Durch die bei den Fonds über Vorschlag der vom Landeskomitee eingesetzten Finanz- und Evsparunigskommission zur Durchführung gelangten Ersparungsmaßnahmen auf personellem Gebiete und hinsichtlich des Sachaufwandes, haben sich bereits jetzt dahin ausgewirkt, daß die Spesenquöten beider Fonds auf den Durchschnitts- Prozentsatz der mitteleuropäischen Keren-Hajessod- und Keren-Kajemeth-Stellen ermäßigt werden konnten. Nach eingehender Debatte und genehmigender Kenntnisnahme des Berichtes über die Tätigkeit der Fonds wurde der Parteirat um halb 1 Uhr nachts geschlossen. Samuel Krauß. Z«m 60. Geburtstage des GekeHriko*. Bon Dr. Josef Wahrhaftig. Heute feiert einer der hervorragenden Großen im Reiche der jüdischen Wissenschaft, Prof. Dr. Samuel Krauß, seinen sechzigsten Geburtstag. Wo immer die Lebcnsregungen unseres Volles, seine Vergangenheit und sein Schrifttum, seine Altertümer und seine Einrichtungen der Gegenstand wissenschaftlichen For-> schens sind, - klingt sein Name als der eines Wegebahners und Weisers in dem ungeheuer ausgedehnten Lande der Forschung. Und es gibt in der Welt des jüdischen Wissens kaum ein Gebiet, das Prof. Krauß nicht mit Fleiß und Glück durchwandert hätte, uns Kunde bringend von bislang fremden Dingen oder auf neuen Pfaden zu neuen Ergebnissen gelangend, die unserer schattenhaften Kenntnis farbiges und warmes Lebeneinhauchen. Auf dem Gebiete der Bibelerklürung und -ckrilik, der Erforschung des Talmuds und der jüdischen Geschichte, der hebräischen Sprache und Literatur, der Liturgie und der synagogalen Einrichtungen hat Prof. Krauß zahlreiche und wertvolle Abhandlungen veröffentlicht und umfangreiche Werke, deren Wert für alle Zeiten feststeht. Sc in Lebenswerk ist so reich und kostbar, wie nur das weniger auserwählter Geister. Mit dem Aufschwung der jüdischen Wissenschaft zu der Höhe der modernen Wissenschaft ist der Name Samuel Krauß unzertrennlich verbunden. Von scinen Merken seien nur die wichtigsten erwähn:. Das zweibändige, preisgekrönte Werk „Griechische und. .N-'inische Lehnwörter in Talmud, Midrasch und Targum" atme: den Geist der modernen Sprachforschung und ist deshalb vorbildlich für spät.re Untersuchungen geworden. Ungemein viel zu.n Verständnis und zur besst^n Würdigung des Talmud hat auch in nichtjüdiichcn Kreisen sein Hauptwerk, „Talmudische Archäologie". beigetragen. Es ist dies die erste umfassende Darstellung dieser Wissenschaft und darum unl so beachtenswerter; dieses Werk ist tEbekannt geworden. Für die wissenschaftliche Erforschung des Talmud ist Krauß' ,/Talmudische Archäologie" ein unentbehrliches Hilfsmittel: der erste Band ist bereits in das Hebräische übersetzt worden. Bon seinen umfangreicheren Schriften zur jüdischen Geschichte, die den gesamten Zeitraum des Lebens unseres Volkes umßwnnen, seien hier nur genannt: Seine „Studien zur jüdisch-byzantinischen Geschichte", „Das Leben Jesu na ch jüdischen Quell en", ,/Die Wiener Geserah", „Shnagogale Altertümer". Von der Geschichtswissenschaft ist Professor Krauß ausgegangeu und sie bildet den Mittelpunkt seines Schaffens; zahlreiche Arbeiten, deren Aufzählung in diesem engen Rahmen nicht möas-ich ist, bezeugen feine Gelehrsamkeit und feinen unermüdlichen Fleiß. Was feine hebräisch geschriebetren Werke betrifft, so gehört sein Kommentar zu Jesaias" zu den ersten Kommentaren, die die Ergebnisse der modernen Bibelkritik in hebräischer Sprache Mitteilen. Seine in den verschiedenen hebräischen Zeitschriften erschienenen Abhandlungen haben redlich dazu beigetragen, unsere heilige Sprache für die Bedürfnisse der modernen Wissenschaft geschmeidig zu machen. Will man sein Wirken für das Judentum würdigen, so muß man neben seiner Tätigkeit als Forscher atich der als Lchrer am hiesigen Rabbinerseminar gedenken. Als GUchr.er ist er einer der seltenen Männer, die in dieser Zeit der FachzerspMternng die gesamte Wissenschaft vom Judentum beherrsch«: n und den Ueberblick über das Ganze nie verlieren. Auf allen Gebieten innerhalb dieser weiten Wissenschaft hat uns Pwf. Krauß Neues uut> Bedeutendes zu sagen gewußt. Wer das GM gehabt hat, längere Zeit sein Schüler zu fein, wird ihm nicht gur tou'jis Dank zollen^ daß er als Lchrar Schätze SSL IDasfäeste furT * /"* J jeine Lretnes MILCH - MARGARINE ujie ebuiter KUNEROIWERKE A.G.WIEN erschlossen hat, sondern er wird auch dcm Menschen Krauß näher gekommen sein. Das Los der Großen ist seit jeher die Einsamkeit getvefen. Bor seinen Werken verschwindet der schaffende Mensch; man nennt den Namen und denkt an das Werk. Wem aber, wie dem Schreiber dieser Zeilen, die Herzensgute dieses Mannes ein Erlebnis geworden ist, dem bleibt Prof. Krauß nicht bloß als Lchver und M-eister der jüdischen Wissenschaft, sondern auch als kristallener Charakter ein Vorbild für das Leben. dir Am 13. d. fand im mittleren Saale des Ingenieur- und Architektenvereines ein Vortragsabend des Vereines für jüdische Geschichte.und Literatur statt, bei dem Professor Dr. Viktor Kellner über „Plato und die Propheten" sprach. Bor dem Vortrag ergriff Vizepräsident Ludwig Dato das Wort, um dem verdienstvollen Präsidenten. Professor Dr. S. Krauß, zum 60. Geburtstage die Glückwünsche des Vereines darzubrmgeii. „Die junge Generation und Palästina," führte er n. a. ans, „sin) ihm dankbar, daß er sich,'als einet der 'wenigen' nicht dem Oftcu entstammenden Gelehrten, dem Kreise der Hebräischschrcibenden anschloß und die Zukunft des jüdischen Schrifttums im Hebräischen erblickt. Es ist wenig bekannt, aber bezeichnend für den Jubilar, daß die Führer der geistigen Renaissance des Judentums. Achod Haam und Bialik, zu seinen Verehrern zahlen. Opfeiheischend und dnnenvoll ist der Weg des südischen Gelehrten. Fette Honorare tut) irdische Glücksgüter winken ihm nicht dabeit Aber die Liebe und die Anerkennung des Volles werden ihm zuteil.und noch etwas, was höher zu schätzen ist. als Honorare und Glücksgüter: Das Bewußt' lein, dem angestammten Volke durch Auf/eigunq der ruhmvollen Vergangenheit «inen Lichtblick in die Zukunft gewährt, das Bewußtsein. das jüdische Volk durch' geistige Schätze bereichert zu haben!" Das zahlreiche Publikum brachte dem Jubilar stürmische Ovationen dar. __ Sie SrMnde hi der Wiener israelitischen KuNusgemeinde. Mn Massenmeeting. Am SamStag um 8 Uhr abends findet im Saale „zurr Radfabrer", 2. Bez.. Prater 86 (vis-a»vis Molkereistraße) ein von der zionistischen Sektion Prater veranstaltetes Massenmeeting statt. ES werden die Herren Dr. Desider Friedman n Präsident des Zionistischen Landesverbandes für Oesterreich. Dr. Jolef L ö w e n h e r z, Vizepräsident der Israelitischer Kultusgemeinde, Geme'nderat Dr. Leopold Plaschke 8 uni Ing. Robert Stricker, Mitglied des Zionistischen Aktionskomitees, sprechen. Themar „Die Zustände in d e > Wiener jüdischen K n l t u s g e m e i» b e" urtt andere aktuelle Fragen. Gäste herzltchst willkommen. Brand eine« historischen Schlöffe» in GnolonD AnS London wird gemeldet r DaS historische Schlot B e v a e r e Hall, die Residenz deS Sir Thomas G o o ch das hundert Zimmer enthält, steht seit heute nachts in Flamme n. ES Ist dies das sechste histori'che Schlot Englands, das in den letzte »drei Monaten einen Braut» zum Opfer fiel. sin szfacher Mörder. Frauen und Kinder seziert. Aus Berlin wird gemeldet: Ueber die Verhaftung eine/ 6 8 f a ch e n Mörder» meidet das „Berliner Tageblatt aus W a r f ch a ur In der Stadt Nowy-Saez in Galt zten Ist man einem M a s s e n m ö r d e r auf die Spur ge komme», der in bestialischer Weise nicht weniger als 53 Mord verübt hat. E» handelt sich dabet Haupt, ächtich um Lust morde. Zahlre'che Frauen, die er überfiel, tötet» e g a n z l a n g f a m und s e z i e r t» sie daun. Er «mordet auch v i e l e Ki n d e r, die ergleichfallS seziert, Auch ein Priester «amenS Ma.ewSkt befindet sich unter sein« Opfern. Der Mörder heißt R u c %«I. E, hat fast «l* Morde eingestauderr.