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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-18 · Heft 2511 (18.2.1926) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2511 (18.2.1926)
Date
1926-02-18
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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M. 25fl Wr'M, MnKer'Mg > hatte, verteidigte der demokratische Abgeordnete Rassay! die Opposition gegen den vom Ministerpräsidenten erhobenen Vorwurf, daß sie gegen den Reichsverweser agitiere. Der Sozialdemokrat P e y e r erklärte, die Antwort des Ministerpräsidenten sei nichts anderes gewesen, als die Lüge eines Menschen, der sich in Bedrängnis befinde. Wiederuw erhob sich g r o ß e r L ä r m und der Präsident verwies den Abg. Peyer wegen dieser Aeußerung an den Iminunttätsausschuß. Schließlich erklärte Graf Bethlen nochmals, daß er eine Huldigung für den Reichsverweser nicht verbieten werde. Wenn die Sozialdemokraten wünschen, daß diese Demonstration keine einseitige sei, dann mögen sie sich d i e s e r K u n d g e b u n g a n s ch l i e ß e n, so daß die ganze Nation bei ihr vertreten wäre. Nachdem das Haus die Anwort des Ministerpräsidenten zur Kenntnis genommen hatte, wurde die Sitzung geschlossen. Der Anschlag ans Vazfonyi. Die Ob er stadthaup tMannschaft teilte heute . Wbends Ladislaus Bannay und Franz M o l n a r den Be- 1 scheid ihrer Verhaftung mit. Die Polizei hat über die Genannten wegen Gewalttätigkeit gegenüber einer behördlichen Person die Präventivhaft verhängt. Wie die polizeiliche Untersuchn n g festgestellt i hat, war der Ueberfall auf den Abgeordneten Bazsonhi das 'Ergebnis eines bereits seit läng erer Zeit vorbereiteten Planes. Die letzten Vorbereitungen wurden Montag nachts in der Wohnung Franz Molnars getroffen, bei dem der 1 zweite Attentäter Vannah die Nacht verbrachte. In der Wohlrung Vannays in Gödöllö wurden von der Polizei Aufzeichnungen beschlagnahmt, aus denen heworgeht, daß eine regelrechte Organisation gebildet livar, die verschiedene oppositionelle Politiker überwachte, um im gegebenen Augenblick gegen sie vorzugehen. Unter den Mitgliedern dieser Organisation befinden sich nach den Vorgefundenen Aufzeichnungen bekannte Mitglieder des Vereines der Erwachenden Ungarn und des Britannia- Detachements, die beinahe täglich Besprechungen in der Wohnung Molnars äbhielten. Auch Waffen haben sich in der Wohnung Molnars befunden. Diese hat in Erwartung einer Hausdurchsuchung der gewesene Oberleutnant Te odorov it's, ein Mitglied der Organisation, noch gestern nachmittags fortgeschafft. Tatsächlich /hat M o I n a r, wie die Sachverständigen seststelleiMemen Revolver gegen.Bazsonhi abgefeuert, doch hatte cfie Waffe versagt. Der Bericht des Jmmunitätsausschusses Mer das auf Bazsonhi verübte Attentat stellt fest, daß Bazsonhi auf eine Weise insultiert wurde, die geeignet war, ihn in seiner Wirksamkeit als Abgeordneter und Mitglied des Parlament«--' 'ischen Untersuchungsausschusses zu behindern. Es feit -daher die Immunität des Abgeordneten Bazsonhi verletzt worden. Der Bericht des Jmmunitätsausschusses wurde auf die Tagesordnung der m o r g i g e n Nationalversammlungssitzung gestellt. Teteki hat niirhts igetmtfft. Gras Paul Teleki erklärte heute dem Vertreter des Ungarischen Telegraphen-Korrespondenzbureaus: Die Frankenaffäre geht m ichgar n ichts an; ich habe davon gar n i ch t s g e w u ß t. Zwar 'habe ich vor e t w a d r e i einhalb 6ine jüdische kiseubahn. Von David Bergelson. „Schsjke, der Frechling! . . . Kaum, daß ct vom Fleck kommt." — „Schejke, der Frechling, trabt, als hätte er Rizinusöl im Magen." — „Doch, doch, Freitag abends, beim Lichtanzünden, ■ da gcht es. vorivärts. Wie ein Pfeil aus hem Bogen!" So ließm sich die Juden jener Gegend hören. Od'er auch so: „Leer wie Schejke, der Frechling, am Sabbat." — „Der Teufel hole ihn, .Schejke, den Frechling!" Da begriff ich: erstens, daß Schejke, der Frechling, uugewein bedächtig und faul, zweitens, daß er um die Wertschätzung, die «ihm die Juden angedeihen lasiert, wahrlich nicht zu beneiden ist. Später erst erkannte ich, daß ich mich ein klein wenig geirrt hatte. Schejke, der Frechbng — so erfuhr ich —, ist nicht nur ei» Mensch, sondern auch eine -Eisenbahn längs der Strecke von 50 Werst von der StM Skwire bis zur Station Popilne bei Kiew, -eine schmalspurige Bahnlinie, wie alle abseitigen schmalspurigen Bahnlinien. Wie alle, aber doch anders. Denn sie liegt irr jüdischen «Händen und hat ihre besondere Geschichte. Angelegt wurde sie von den Besitzern der großen Skwirer Zuckerfabrik, die später in Schwierigkeiten geriet. Sie ging -dann in den. Besitz einer Gesellschaft reicher Juden über. An der Spitze dieser Gesellschaft ftand ein überaus schlanker und überaus roter Jude mit dem Namen Schejke, der Frechling.!Ein Name, mit den: die Juden auch die Eisenbahn belegten. Bor denr Kriege geriet ich zufällig nach Skwire -und 'hatte Gelegenheit, diese Eisenbahn, richtiger eine Fahrt mit Schejke, dem Frechling, zu verspüren. Wie das schmeckt, ist schwer zu vermitteln. Man kann es mit dem Gefühl eines Juden vergleichen, der sich,, in einem Flugzeug sitzend, in den Lüften bewegt und dabei Schaleth verzehrt. Ich habe einen Bekannten, der gerade am Samstag ein Flugzeug bestieg und nicht vergaß, Schaleth mitzunehuten. Er erzählte mir nachher, daß er aus dem Wege während der Fahrt sowohl das Gefühl großer AnnehmlichM als auch Brechreiz gehabt habe» Mich erinnerte _ggfeiHFt MökkMMttMS I ahre n von einem teilweise ähnlichen Projekt gehört, das Prinz Windischgrätz damals mir als einem mit Druckern und kartographischen Kreisen in ständiger Fühlung stehenden Mann mitteilte. Windischgrätz bezeichnete diesen Plan als patriotisch. Ich ersuchte Gero, den ich als ausgezeichneten Fachmann und vollständig zuverlässigen Staatsbeamten kannte, die Windischgrätz zur Verfügung stehenden Mittel zu prüfen. Geros technische Darlegungen haben mich vollkommen beruhigt, daß die 'Sache undurchführbar sei. Trotzdem habe ich auch die Polizeibehörden und den gewesenen Landespolizeichef Nadoffy informiert. Von diesem Zeitpunkt ait halbe ich lange Jahre hindurch bis zu dem Austauchen der Frankenaffäre nicht das geringste gchört. Der 6. Jahrestag der Ermordung Somogyis und Baesos. Die sozialdemokratische Partei legte heute, am 6. Jahrestage der Ermordung 2 o m o g y i s und Baesos, einen Kranz ans dem Grabe der beiden Redakteure nieder. An.der Feier nahmen etwa 300 Arbeiter teil. Der Aufzug der Arbeiterschaft vollzog sich in voller.Ruhe. Nachdem der Abgeordnete Farkas am Grabe gesprochen ihatte, zerstreute sich bte Menge ohne jeden Zwischenfall. Schultze verhaftet. Eine neuerliche Belastung der ungarischen Regierung. Berlin, 17. Februar. Der Phototechniker Artur Schultze, der in der Frankenfälscheraffäre als fachmännischer Berater und Vermittler gedient hat, hat sich heute der Berliner Polizei gestellt. Er ist sofort in Haft genommen und dem Amtsrichter zur Vernehmung vorgeführt worden. Schultze sagte aus, daß ihn im Oktober 1923 Prinz Windischgrätz zur Frankenfälschung überredet habe. Prinz Windischgrätz habe dabei ansdrücklich erklärt, daß die Aktion mitWissen und Unter st ützungder ungarischen Regierung nnternomuien worden-sei. Nachdem er vier Wochen <m der Sache mitgearbeitet hatte, kamen chm doch Bedenken, und er floh aut 2. Wo* vember 1923 nach Berlin, wo er sich seither aufgehalten hat. Warum Schultze sich bisher nicht bei der Polizei gemeldet hat, darüber hat er noch keine einwandfreien Aussagen gemacht. Schulze erklärt ferner, ex habe geglaubt, tag es sich um eine vonRegierungskreisengebillrgteTätigkeit handle, umsomehr, als er erfahren hatte, daß der Landcspolizeichef N a d o s s y das Unternehmen Protegiere und daß die Probeversuche zu der Fälschung im Budapester Karts g r a P h i s ch e n I n st i t u t vor sich gehen sollten. W i n-- dischgrätz und Genossen hätten ihn mißbraucht und ihn wie einen Gefangenen behandelt. Es sei ihm jedoch schließlich gelungen, aus Budapest zu flüchten. Während seiner Anwesenheit in Budapest seien npr belqnglose photographische; Probeaufnahmen echter Tausendsrankenscheine angefertigt worden. Seit dieser Zeit sei er in keinerlei Verbindung mehr mit der Sache gestanden. Der BortragrMur des zionistische« Landeskomilee». Im Rahmen des Vortragszyklus spricht heute um V3S Uhr abends im Saale der Hakoah, 1. Bez., Wivplingerstraße Nr. 21/26, Herr Dr. E. M. Z w e i a über „Die Lage in Erez Israel*. Karten sind im Zionistischen Bureau, 1. Bez.. Kärntnerstraße 28, und vor dem Vortrag im Heime der Hakoah zu beheben. das lebhaft an meine Reife mit Schejke, dem Frechling — fast dasselbe Gefühl; sehr angenehm und — man will erbrechen ... Vorabends. Ein kalter Wintertäg. Draußen ein wilder Schnee-Wirbel. Außerhalb der Stadt, auf einer vor Wind geschützten Anhöhe, in einer Holzbüde mit der Tafel ^Haltestelle Skwire", ähnlich einer großen löchrigen jüdischen Laubhütte, hatte sich eine große Menge von Juden angesamm-elt, Männer, Frauen und Kinder. Wegen der grimmigen Kälte waren die Männer in Frauentücher gehüllt und die Frauen — in Männermäntel. Inden glauben, daß dieser Kleiderwechsel Wärme bringt. Von Zeit zu Zeit kommen immer neue Menschen hinzu. Wer die Bude nur betreten 'hatte, wandte sich an die, die früher gekommen waren: „Was gibt es'?. Wird heute gefahren oder nicht'? Wann wird gefahren'?" Der'Fragende bekam regelmäßig die -melancholische, fast böse Antwort: „Weiß ich, ich warte hier schon an die vier Stunden!" Man sprach untereinander: „Gestern ist Schejke, der Frechling, überhaupt nicht gefahren. Es waren ihm'zu wenig Passagiere!" — „Die vier Ellen, im Grabe' »lögen ihm zu wenig fein, allbarmherziger Vater!" — „Meine Schmerzen in seinen Schädel!" — „Wenn er nur noch die Kraft hätte, Passagiere zu führen, wie ich die Kraft habe, auf den Füßen zu stehen!" Draußen wird der Schnecsturm immer wilder, von Minute zu Minute wird es düsterer. In der Bude selbst ist es stockfinster. Die Juden stehen in in länger Reihe vor der versperrten Kasienöffnung. Sie warten auf die Stunde des Glückes, da Schejke, der Frechling, das Loch öffnet und mit der Fahrkartenausgabe beginnt. Wenn es still wird, die Menge zu sprechen aufhört, vernimmt man drei oder vier böse Stimmen, die aus dem Kassenraum kommen. Aus deni Inhalt der Reden ergibt sich, daß eine Art von Gericht vor sich geht, ein Rechtsstreit, wie er beim. Raw ansgetrageu wird. Zwischen drei oder vier Personen, .darunter Schejke, der IS. FebrKr 1926 MW S Reich zu werden ikt heutzutage leichter als früher. Das letzte Geheimnis des Erfolges der Mil* liardäre, der sicherste Wegweiser zu Reichtum. Macht und Ansehen . ist die Energie Dazu bedarf es stäiilcrner Nerven, einer Widerstands* fähigen und widerständskiäftigen Konstitution und einer kampffreudigen Ausdauer. Wer von Kindheit auf DIANA- Franzbranntwein mit Menthol gebraucht, stählt seine Nerven, macht die Konstitution widerstandsfähig, kraft* ▼oll und schafft eine kampffreudige Ausdauer. Ueberall erhältlich. Ramel antwortet Mussoliw. Keine formelle Bedrohung Oesterreichs. -~ Italien gegen den Anschluß. Der Hauptausschuß trat gestern zu einer Sitzung zusammen, auf deren Tagesordnung die Besprechung, der außenpolitischen Lage - stand. Zn Beginn der Sitzung ergriff Bundeskanzler Dr. R a m e k das Wort. Er erinnerte an die letzte Kammerrede Mussolinis, die den .Passus enthielt, er werde nötigenfalls die Trikolore jenseits des Brenner Vorträgen lassen. Man hat in St.-Germain, legte der KanAer dar, aus strategischen Gründen Italien die Brennergrenz-e gewährt und sich damit mit dem Punkt 9 des Wilsonschen Programmes i n Widerspruch gesetzt, da eine kompakte, mit dem übrigen Siedlungsgebiet des deutschen Volkes unmittelbar verbundene» nicht etwa als Enklave im italienischen Gebiet lebende derheit von 225.000 Deutschen (dies istdie Ziffer der italienischen Volkszählung vom Jahre 1921) zugewiesen wurde. Den Argumenten der österreichischen Friedensdelegation war nnL der Erfolg beschießen, -daß in der Einbegleitungsnote zu den übermittelten definitiven FrieÄensbedingnngen ausdrücklich aus das Versprechender italienischen Regierung, den Deutschen Südtirols gegenüber eine weitgehende liberale Minderheitspolitik an -den Tag zu legen, Bezug genommen wurde. An dieses uM manches ähnliche Versprechen hat sich.Italien nicht setz alte n. Ein Vorwurf, der uns von Italien immer wieder gemacht wird, fragt, warum sich -das deutsche Volk gerade für die verhälltnismäßig kleine Minderheit südlich des Brenners mit so viel-größerer Vehemenz einsetzt als für die Millionen, von Deutschen, die in anderen Staaten als Minderheiten leben. Ans diese,Frage antworte -ich: Weil in keinem anderen ' Staat eine-deutsche Minderheit — s o wenig befriedigend ihre Lage auch fei— nach den eindeutigen Erklärungen der mobbenden Faktoren einem völligen Assimilationsprozetz mit der herrschenden Raffe unterworfen und damit dem Verlust des-eigenen .Volkstumsentgegengoführt wird. Was man in Italien fälMich die - italophöbe Kampagne 8er österreichischen Zeitungen 'benennt, hat nur diese Wurzel«-. Ich betone mit dem äußersten Nachdruck: - Wenn jemand darüber hinaus behauptet, in Oesterreich Werse von irgendwelcher erst zu nehmender Seite zum Haß oder zur Feindschaft gegen 'das -italienische SJÄ' geschürt, -dann spricht er die U n w a h r h e i -t. Volk und Regierung Oester- Frechling. Lauter als alle läßt sich Schejke, der Frechling, hören. Der erste in der Reihe der Wartenden ist ein Jude von ungefähr 10 Jahren, gehüllt in einen nagelneuen Macher, s Er verzehrt sich in Ungeduld und zeigt sie durch nervöses, böses Hüsteln und durch unsichere Stöße an das Loch. Jen- L seits des Loches kommt die Antwort-aus dieses Pochen des. Ungeduldigen in Form des Geschreis von Schejke, denr Frech-' lmg: „Ruhe! Ruhe dort! Was klopfst du'? Hast keine Zeit?, : Man wird ohne dich bestimmt nicht fahren!" Endlich sieht man in der langen Reihe der Wartenden» -daß im Kassenraum Licht angezßndet wurde. Die Gerichts-^ Verhandlung ist dort zu Ende. In der Menge zitiert es. Dasi hellerleuchtete Loch öffnet sich. Es zeigt sich der lichtumrahmte Kopf von Schejke, denk Frechling. „Kondukteur!" ruft er mit der Stimme eines Zermonienmeifters beim Rabbi ,^ähl' nach, wie viele cs gibt!" Aus der Mitte der Wartenden erhebt, sich ein Stimmeu- -gowirr: „Hundertachtzig!" — „Zweihundert!" — „Zweihundertundzehn!" Scheste, der Fre'chliug, wird böse: „Ruhe! Wer dort? Wenn du gefragt wirst, dann antworte! Kondukteur!" Ein behaartes, verschlafenes Geschöpf kommt näher, mit einer Laterne bewaffnet. Das Geschöpf ruft in seiner nicht zü übcrbieten-den Bedächtigkeit -die -Erinnerung an die Gestalt des Tempeldieners wach, der Chanukageld erbitten geht. „Hundertneunnndvierzig," gähnt das Geschöpf, wie ein Mensch, dem das Leben sehr langweilig erscheint. „Genau Hnndortneunnndvierzig." Schejke, der Frechling, raunt dem Haarigen irgend etwas ins Ohr. Er steckt den Kopf dann wieder durch das hellerleuchtete Loch und heftet die Aeuglein auf den mit dem Marder bekleideten Inden, der als erster in der Reihe steht. „Seht doch! Schlojmale, der Böse! -Meiner Seel', eilt Gast! Schon lange nicht nichr gesehen! Wie gcht's? Zeig' her, ein neuer .Marder! Komm' nur näher! Schmeißt nur so herum

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