Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2511 (18.2.1926)
- Date
- 1926-02-18
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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1 > Men. DsmmrktW E Wieder eröffnet! tel National cn, ü. Taborstrasse 18 Telephon 42*5»93 l neu eingerichtet, icntrale Lage, 200 Zimmer idem kalten u. warmen Wasser, Bäder, Zentralst. Kaffeehaus und Restaurant im Hausei ‘relie f Heue Leitung! Mögli ch k c i L habe, die Stellung Englands in Palästina praktisch zu beeinflussen. Es sei aber klar, daß diese Anerkennung auf einen großen Teil der Amber moralisch etnwirken und den Eindruck Hervorrufen kann, daß die Errichlung einer nationalen Heimstätte in Palästina den >>ilästinensischen Einwohnern keinen Nachteil bringen wird. Eine viel schärfere Stellung nimmt der „Palestine" ein, der in der Anerkennung des Palästinamandats durch Aegypten zwar reine Gefahr für Aegypten, aber ein desto größeres Unglück für den Osten erblickt. Es sei traurig, bafj eine muselmanische Regierung die^ Bestrebungen der Z i o n i st e n nach Errichtung einer Heimstätte in Palästina, gegen die ein großer Teil der muselmanischen Welt kämpft, anerkannt hat. Aber was kümmert die Regierung des Z i w a t P ascha das Los seiner muselmanischen Brüder i» Palästina? Tie« l'ctoc Negierung, die Aegypten jns Ungliick gebracht hat, kann und will sich mn das Geschick der pauarabischen Bewegung nicht kümmern. Wenn auch die ägyptische Negierung das Mandat anerkannt har, so ist das ägyptische Volk für diese Tat nicht verantwortlich. Tie Araber werden daher dem ägyptischen Volk es auch uie oorwerfeu. Der Generalsekretär der arabischen Exekutive in Jerusalem wird in den nächsten Tagen ein M e m o r a nd u m an den König F u a d richten, in dem gegen die Anerkennung des Palästinamandates durch seine Regierung schärfster Protest seitens der palästinensischen Araber erhoben werden soll. Das Nanvenuuwesen in Syrien. London, 17. Februar. (Tel.-Komp.) Nach einer Meldung aus Jerusalem haben syrische Aufständische die Eisenbahnschienen auf der Strecke zwischen Damaskus und Haifa aufgerissen und dann den ersten, ankommenden Zug überfallen. Zwei Reisende wurden getötet. Ein gepanzerter Hilfszug kam den bedrängten Reisenden zu Hilfe und zersprengte die Aufständischen. Nach bewShrtem Master. Damaskus, 17. Februar. (I. T. A.) Der Obe rkabbiner von Damaskus erhielt von dem Rebellenkomitee ein Schreiben, in welchem er aufgefordert wich, sofort 500 Goldpfund für die Gemeircke zu erlegen, die d e r Rebellenkasse zugeführt werden würden. Sollte das Geld nicht bald zur Stelle geschafft werden, so wird e i n räuberischer Ueberfall stattfinden. Der Bllkerbundrot. Außer Deutschland keine wettere» ftanMfatt*. Prag. 17. Februar. Wir der Vertreter des Tschechoslowakischen Preßbureaus in London aus zuverlässiger Duelle erführt, hat die schwedische Regierung endgültig b.e.schlossen, gegen eine Erweiterung des Bölkerbundrates Stellung zu nehmen. Falls sie ihren Standpunkt nicht ändern sollte, wird die, Zuteilung ekneS ständigen Sitzes rot Bölkeebundrat an alle weiteren Kandidaten außer an Deutschland als vereitelt angesehen, da drr diesbezügliche B^chluß des BAkerbundrateS Einmütigkeit erfordert. Die -amlnden. Warschau, 17. Februar. (I. T. A.) Die Bereinigung der Polen mosaischer Konfession überreichte der Regierung ein Memorandum, in welchem die Errichtung einer separaten religiösen Gemeinde für die Polen mosaischen Glaubens gefordert wird. Die Forderung wird damit begründet, daß die neugewählte und jetzt in Funktion getretene Repräsentantenversammlung der Mischen Gemeinde iüdischnational gesinnt sei. »etrSgerische Steaerbeami». 328.000 Mark unterschlagen. Aus Berlin wird uns gemeldet: Drei Berliner Sradtknjpekwren, welche mit der Einnahme der Grunderlverbsteuer betraut waren, sind nach großen Unterschlagungen flüchtig geworden. Es handelt sich um die Stadtinspektoren Äerhart, S ch u l tz und Simon. Die Unterschlagungen haben sie in der Weise begangen, daß sie den Parteien, welche Grundsrrverbsteuer zu zahlen hatten, den Vorschlag machten, die Steuer gegen Quittung bar auszubezahlen, weil sie dabei eine große Ermäßigung erlangen würden. Als einer dieser Steuerinspektoren von seinem Posten nach einem anderen ersetzt werden sollte, wodurch seine Unterschlagungen auf- -nen mußten, verschwand er aus dem Dienst, unmittelbar ' folgten seine Kollegen. Täglich werden neue Posten . ' die auf weitere Unterschlagungen Hinweisen und bisher i - .'ohe von 325.000 Mark erreiHe». ggfouff MsryMzrlkims t Set vagatlfche Numerus clausus. Kr. W i » n, 18. Februar. Völkerbund und Völkerbuudrat sind für den 8. März nach Genf cinberuseu worden. In dieser Session wird der ungarische Delegierte beim Völkerbund — dessen Nominierung jetzt der ungarischen Regierung liesondcre Schwierigkeiten bereitet — auch den Ungarn bei der letzten Tagung aufgetragenen Bericht darüber zu erstatten haben, welche Maßnahmen die ungarische Regierung bezüglich der Aufhebung des Numerus-clausus- Gesetzes bisher getroffen habe. Dieser Rechenschaftsbericht ist auch ein Grund dafür, warum sich keine namhafte politische Persönlichkeit in Ungarn findet, die dieses Mal die schwere und undankbare Aufgabe, Ungarn in Genf zu vertreten, auf sich nehmen ntöchte. Er käme nicht nur mit der Frankenaffäre, sondern auch noch mit dem Vorwurf belastet, das vom Kultusminister Klebelsberg namens der Regierung gegebene Versprechen nicht eingehalten zu haben. Wie peinlich in dieser Frage die Situation der ungarischen Regiemng ist, hat der gewesene ungarische . Kultus- und Unterrichtsminister Geheimer Rat Georg L u k a c s, der auch der ungarischen Nationalversammlung angehört, in einem Gespräch mit Journalisten gekennzeichnet. Er sagte unter anderem: „Es ist bekannt, daß der Völkerbund Ungarn einen Aufschub für die Liquidierung der Numerus-clausus- Affäre gewährte und ihr den Auftrag erteilte, das Gesetz, durch welches der Nunierus clausus ins Leben gerufen wurde, „abzubauen". Zu dieser Frage hat auch die Versammlung der Union der Völkerbundligen, die im Frühjahr ihre Vollversammlung abhalten wird, Stellung genommen. Sollte bis dahin die Numerus-clansus- Frage in Ungarn nicht erledigt sein, so kann die Union die Frage wieder aufgreifen, auch wenn sie nicht auf der Tagesordnung steht. So war es auch, wie erinnerlich, letzthin in Warschau, wo die Liga ihr Bedauern über den Fortbestand des Numerus clausus in Ungarn ausdrückte und den Unterausschuß beauftragte, die antisemitische Bewegung in Ungarn mit Aufmerksamkeit zu verfolgen. Auch die Interparlamentarische Union wird zur Zeit der Tagung des Völkerbundes ihre Ratssitzung in Genf abhalten und es steht außer Zweifel, daß auch dort die Frage des Numerus clausus zur Sprache kommeir wird und man kann sich denken, welchen Standpunkt diese zwei angesehenen internationalen Körperschaften in der leidigen Frage einnehmen werden. Es wäre sehr erwünscht — schloß Lukacs seine Ausführungen — daß das Ausland nicht mehr in die Lage komme, sich mit unset^r Numerus-clausus-Frage zu befassen. Es ist im Interesse des Landes unbedingt notwendig, daß die Natwttawersammlung sofort nach Lösung der gegenwärtigen Krise die Frage des Numerus clausus endgültig erledige." Da unter anderen Persönlichkeiten auch an LukacS als Delegierten für Genf gedacht worden war und Lukacs zu den wenigen Politikern in Ungarn gehört» die es mit der Abschaffung des Numerus clausus ernst meinen, so kann aus seinen Ausführungen geschlossen werden, daß, falls die Regierungskrise in Ungarn bis zum 7. März noch nicht gelöst werden sollte, der ungarische Delegierte in. Genf um einen weiteren Aufschub für die Lösung des Numerus clausus ansuchen wird. In diesem Bestreben dürften die Ungarn auch von englischer Seite unterstützt werden, um so mehr, als der leitende Ausschuß der Anglo Jewish Association, die mit dem englischen Außenamt in ständiger Fühlung steht, sich in der letzten Sitzung durch eine Resolution in diesen! Sinne bereits festgelegt hat. Die betreffende Resolution hat folgenden Wortlaut: „Die englische Judenschaft spricht die Hoffnung aus, daß die ungarische Regierung, sobald die gegenwärtig in der öffentlichen Meinung des Landes obfchwebenden Schwierigkeiten geschwunden sein werden, ihrem Versprechen, das Gesetz vom Numerus clausus aufzuheben, Nachkommen wird. Mit Rücksicht jedoch auf die innerpolitischen Schwierigkeiten, welche das Land gegenwärtig beschäftigen, will die englische Judenschaft diese Schwierigkeiten nicht noch dadurch vergrößern, daß die Frage des Numerus clausus im gegenwärtigen Augenblick neuerdings vor einem internationalen Forum aufgeworfen werde." Die Führer der Anglo Jewish Association haben sich bei der Fassung ihres Beschlusses offenbar von dem Gedanken letten lasten, daß es taktisch opportun sei, sich durch eine schärfere Stellungnahme gegen die ungarische Regierung in Gegensatz zzir nachsichtigen Politik der britischen Regierung gegenüber Ungarn zu setzen. Es wird sich erst zeigen, ob diese zarte Rücksicht nicht ein verhängnisvoller taktischer Fehler war. Denn es besteht immer noch ein großer Unterschied zwischen den Hintergründen der englischen Politik und den Motiven der jüdischen Organisationen. Die jüdischen Beschwerden beim Völkerbund gründen sich auf vertragliches Recht und das Gesetz der Rechtsgleichheit und Menschlichkeit. Dieses Recht bei jeder Gelegenheit mit allem Nachdruck zu verteidigen, kann und darf durch keinerlei Riicksichten beeinträchtigt oder hinausgeschoben werden. Die einander überstürzenden Enthüllungen in der ungarischen Frankenfälscheraffäre müssen es schließlich auch den britischen Staatsmännetn zum Bewußtsein bringen, daß es durchaus nicht gentlemanlike sein kann, die gräflichen Verbrecher in Horthy-Ungarn zu protegieren, bloß weil cs dem französischen Rivalen nicht genehm ist. _ 18. ftcfoadf 1026 y . y.„, Wi. Setölen und Horthy. Saufereien in der ungarischen Natlomck veriammlaag. (Ligendienst der „Wiener Morgenzeitung"H Budapest, 17. Februar. In der heutigen Sitzung Nationalversammlung brachte der demokratische Abgeordnete Rassay eine Interpellation bezüglich de« für Sonntag geplanten Straßendemonstrationen ein. Rasiatz führte aus, daß das Ziel der völkischen Demonstration sehr unklar sei. De« Minisierpraschent möge das Land und die öffentliche Meinung durch ei» allgemeines Demo n st rationsverbot ibo» ruhigen. Der demokratische Abgeordnete Josef PakotS betonte, daß die Opposition mit unverändertem Mißtrauen der Regierung Bethlen und besonders dem Jnn^ minister Rakovszky gegenüb er st ehe. Die Untersuchung in der Frankenfälschera s f ä r e werde noch i m m e r g e h e m m t und die Regierung müsse zum Eingeständnis auch der unbedeutendsten Tatsachen stets gezwungen werden. Die Opposition fordere den Ministerpräsidenten noch einmal auf, noch vor Entgegennahme des Berichtes des Untersuchungsausschusses zu d e m i s s i o n i e r e n, da sonst das V e rtrauen des Auslandes noch mehr erschüttert werden könnte. Als dritter Interpellant sprach der sozialdemo. kratische Abgeordnete Karl Peher. Peher erklärte, daß die bisherige n Ergebnisse der Untersuchung in der Frankenfälscheraffäre nur dem Auftreten der französischen Detektivs zu verdanken seien. Ohne sie wäre die ganze Sache aus ähnliche Weise vertuscht worden, wie die Eso ng r a d e r A t t e n t a t s a s f ä r e. Peher teilte sodann mit, daß er aus verschiedenen Städten des Landes von Staatsbeamten Briefe erhalten habe, die ihm schrieben» daß sie von ihren Vorgesetzten Behörden zur Teilnahme an der SonntagSdemonfiration anfgeforderi wurden, wobei ihnen ihre Auslagen ersetzt, werden sollen. In dem Lärm, der sich nach diesen Aoußeruugen erhob, brach der Abgeordnete seine Rede ab. Darauf ergvib Ministerpräsident Gras Bethlen, von erregten Zwischenrufen: „Demissionieren! Demissionieren Sie!" empfangen, das Wort. Et teilte zunächst mit, daß bis zur Stunde nur die S o z i a l d e m o k r a t e n um die Erlaubnis zur Veranstaltung eines Straßenumzuges am kommenden Sonntag angesnchlhätten und daß er dieses Ersuchen abgelehnt habe, wie er auch alle Straßendemonstratiouen für die Regierung verbieten würde. Die Regierung könne es jedoch nicht verhindern, wenn sich die Shmpathic des Landes für die Person des Reichsderwesera kundgeben wolle. Di« Erklärungen des Ministerpräsidenten wurden von der Linken mit wachsender Erregung aufge, nommen. Schließlich ertönten minutenlang ununterbrochene Zwischenrufe, so daß Bethlen seine Rede nicht fortsetzen konnte. In dem fortdauernden Lärm erklärte er schließlich, daß die Person de 8 Reichsverweser 8 von der Opposition in die Geldfälscheraffäre Hinei »gezogen wurde. Diese Aktion der Opposition habe nun ihre Gegenaktion gefunden. Das Land, das den Rei chs« verweser auch weiter ehrt, will die ständige Propaganda der Opposition mit einer großen Kundgebung beantworten, die die R e g i e r u n g nicht verbieten kann. Doch wird die Regierung unbedingt dafür sorgen, daß die Demonstration in voller Ruhe verlaufe. Gegenüber einer Bemerkung der Abgeordneten P e y e r, daß die Regierung ihre Schuld auf den Reichsverweser schiebe» wolle, erklärte Graf Bethlen mit erhobener Stimme: Die geehrten Herren auf der Linken wollen dies tun und sie wollen auch nicht verhindern, daß im Auslande ähnliche Beschuldigungen gegen die Person des ReichsverlveserS erhoben werden. Diese Worte des Grafen Bethlen lösten unbeschreibliche» Tumult aus. Die Sozialdemokraten sprangen erregt von ihren Sitzen und Peher rief dem Ministerpräsidenten zu: „Sie Niederträchtiger!" Nun erhoben sich die Einheitsparteiler von ihren Sitzen und geführt von den Abgeordneten Karl U r b a n i t s und Lorenz H e d r y, stürmten sie gegen die Bänke der Sozialdemokraten.. Hedrh erhob die Faust zum Schlage gegen Peyer. Im letzten Augenblicke fiel ihm Rassay in den Arm. Auch der Sozialdemokrat Alexander Propper stürzte sich mtt erhobenen Fäusten gegen die andringenden Abgeordneten und konnte nur um Mühe an Tätlichkeiten verhindert werden. In dem allgemeinen Tumult wurde die Sitzung unterbrachen. Trotz der Unterbrechung der Sitzung dauerte die rmgeheure Erregung im Saale ungeschwächt fort und nur mit schwerer Mühe konnten die feindlichen Gruppen von einem Handgemenge abgehalten werden. Nach einer Viertelstunde wurde die Sitzung wieder eröffnet. Nachdem Ministerpräsident Graf Bethlen seine Rede geschloffen