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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-17 · Heft 2510 (17.2.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2510 (17.2.1926)
Date
1926-02-17
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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1,. MW «effe.. Wm, MtlwoH Olchvary In Hambuvg verurteilt. ,"\u Ha m b u v s! luuvbv das erste Strafurteil in d?r Trankcnsälscherassäre gestillt. Ter 30jährige frühere k. u. k. Jliegerleutnant Olchvary, in dessen Besitz 105 falsche Tansendsraukennoten gefunden worden waren, wurde wegen Verbreitung falschen Geldes zu v i e r M o n a t e n Gefängnis und wegen P a ß v e r g e h e n S zu 3 00 Mark Geldstrafe verurteilt. Olchvary hatte sich damit dertcid'gr, daß er aus uneigennützigen volitischen Motiven gehandelt habe. Man hat Schultze entkommen lassen. Wie „Pesti Naplo" aus Berlin erfährt, ist die Berliner Polizei in der Angelegenheit der Verhaftung des Artur Schultze sehr fahrlässig vorgegangen. Tie Meldung der „B. Z. am Mittag" daß die Pariser und die Budapester Polizei hen Fehler begangen habe, den Namen Schultzes vorzeitig zu veröffentlichen. so daß er, als die Berliner Polizei ihn verhaften wollte, bereits ins Ausland geflüchtet war, sei nicht richtig; der Name Schultzes sei in den Blättern erst am 11. Jänmr bekannt geworden, Schultze selbst sei aus seiner Berliner Wohnung erst am 24. Jänner verschwunden. Die Berliner Polizei hätte also 13 Tage Gelegenheit gehabt, Schultze zu verhaften. Daß sie die Verhaftung Unterlasten hat, zeige, daß sie n i ch t d i e n ö t i g e E n e r g i e an den Tag gelegt habe. Ir. Rintelen und die Sokolfglster. In Parlamentär'chen Kreisen verlautete ge ern, dag dle Sozialdemokraten, we l sie von der Antwort, bic. ihren Parteigenossen im steirischen Landlar aus die Anfrage wegen der . äl° schürg der tschech schen Banknoten vom Landeshauptmann Doktor Rintelen gegeb.n wurde, nicht befriedigt iind, nunmehr irr der morgigen Plenarsitzung deS Nationalrates eine dringliche Anträge einbringen werden, um io zu bewirken. daß die Regierung die von ihnen gewünschte Aufklärung gibt. Mögl'cherwe se w>rd die'e Angelegen e't schon tn der heutigen Sitzung des HauvtausschusseS zur Sprache kommen. Irr tschechische Konsul in Zeru'aiem. Jerusalem, 16. Februar. (I. T. A.) Der zwecks Leitung des neuerrichteten tschechoslowakischen Konsulats in Jerusalem hier eingetroffenen Konsul Dr. Fritz teilte dem Vertreter der Jüdischen Telegvaphenagentur in einem Gespräch mit. daß 800 tschechoslowakische Staatsangehörige die paläsünensiscbe Bürgerschaft erwerben wollen. Selbstverständlich müssen sie, bevor sie die palästinensische Bürgerschaft annehmen, die Genehmigung der tschechoslowakischen Regierung haben. Vor dem Kriege bestand der österreichisch-ungarische Export nach Palästina z-u etwa 80 Prozent aus tschechoslowakischen Waren. Die Palästinaemigranten aus der Tschechoslowakei stammen meist aus der Slowakei und Karpathorußland. Aus Mähren, Böhmen und Schlesien ist die Auswanderung gering, weil in diesen Provinzen die Juden unter höheren kulturellen und materiellen Verhält» isten leben. Ich werde mich bemühen, setzte Konsul Dr. Fritz fort, die Handelsbeziehungen zwischen der Tschechoslowakei und Palästina zu erweitern. Getreu den S-atzungen der Politik und des Völkerbundes, schloß Dr. Fritz» unterstützt die Tschechoslowakei vorbehaltlos das britische Mandat in Palästina. salems, dann die neuen Befest-gungsmanern in der Provinz. Ein Bauwerk anderer Art ist der S i l o a h t u n n e l des Königs Hiskiah, der das Problem zu lösen hatte, einem Jerusalem belagernden Feind das Wasser des G i s ch o n (heute Marienquelle genanm) abzuschnetden und es für die Stadt selber nutzbar zu n'achen. Man baute auch größere, in den Felsen gehauene oder künstlich ummauerte Wasserreservoirs. Auch die feinere S 1 einarb? it lernten die Israeliten zunächst von den Nachbarn. Auch was den S ch r f f b a u anbetrifft lehnten sie sich natürlich an die Phönizier an. Ter Holzschnitzerei stand das Verbot der Nachbildung lebender Wesen im Wege. Aus der Werkstatt des ansässigen Schmiedes ging sehr viel mehr und anderes hervor, als woraus sich der Wü st e n s ch m i e d verstanden hatte: Waffen und allerlei -Handwerkszeug, dieses jetz: gewöhnlich aus Eisen. Die Bedeutung der Schmiede scheint schau früh sehr gewachsen zu fein, denn die Philister, als sie über Israel Herr wurden, hielten es für geraten — ebenso wie einige Jahrhunderte später die Babylonier —, die Schmiede aus dem Lande zu entfernen, um Israel zu entwaffnen. Die Schlosser — ebenfalls ein städtisches und kein Wüstengewerbe — werden in einem Atemzuge mit den Schmieden genannt. Unter Solomon erlebte die Metallarbeit ihre Glanzzeit, dieser König füllte den Tempel mit einem wahren Schatz von Kunstwerken aus B r o nz e gu ß. Für diesen ließ er eigens einen syrischen Künstler kommen. Seiner Initiative verdankt auch die Be» arboitung der Edelmetalle ihren Aufschwung. Neuere Ausgrabungen belehren uns, daß die E l f e n b e i n s ch n l tz e r e i und die Bearbeitung von E d e l st e i n e n ebenfalls auf hoher Stufe standen. Das gleiche gilt von der K e r a m i t. Waren die alten Hebräer Schüler anderer Völker, so waren sie doch gelehrige Schüler — gleichwie ihre heutigen Nachkommen aus dem Gebiete der bildenden Kunst. Webe» und Spinnen war in der Wüste wohl Sache der Hausfrau, aber »wer der seßhaft gewordenen Bwölierung besorgten dies eigene Handwerker. Immer mehr sehen wir die Handwevkszweige sich differenzieren. Es gab schließlich in Jerusalem ein Kleiderwalkerfeld, eine Bäckergasse, ein Tal der Zimmerleute ufw. Die verschiedenen Handwertskreise waren, wie es scheint, m ‘‘hier Art von Giwen oder Zechen organisiert. Tout komme chez nous. §in italienisches Manual rber Ctzrien? Rom, 16. Februar. Heute wurde die außerordentliche Sitzung der Man)atskominission des Völkerbundes eröffnet. Wie der I. T. A.-Vertreter aus autoritativer Quelle erfährt. wurde Rom als Tagungsort auf besonderen Wunsch des italienischen Ministerpräsideiiten Mussolini gewählt. Angesichts des dauernden Widerstandes der Syrier gegen das französische Mandat wird nämlich die Frage der Uebernahme des syrischen Mandats durch Italien in Erwägung gezogen. Sollte sich die französische Regierung entschließen, das Mandat über Syrien niedcrzulegen, so wäre Italien bereit, das Mandat unter den gleichen Bedingungen, wie es Frankreich ausübte, zu übernehmen. Es verlautet, daß man innerhalb des Bölkcrbundrates d'e Frage der 'i^ebernahme des syrischen Mandats durch Italien wohlwollend betrachtet. Nach dem „Petit Journal" schildert der Bericht de Jouvenels, den die M a n d a t s k o m m i s s i o n des Völkerbundes prüfen wird, die vorjährigen Ereignisse und Ke gegenwärtige Lage in Syrien. Anschließend daran iverhen die Leitgedanken für die dortige Politik dargelegt, wonach in Syrien ein Bund kleiner autonomer Staaten errichtet und diese Staaten durch einen für 30 Jahre abgeschlossenen gegenseitigen Garantiepakt zusammengehalten werden sollen. Die Anwendung dieses Paktes würde dem souveränen Schiedsspruch Frankreichs unterliegen, das andererseits die Interessen des Bundes durch eine gerechte Verwaltung zu wahren hätte Die „Tribun a" kündigt an, daß e r st morgen die Mandatskommission den Bericht der französischen Regierung diskutieren werde. Das Blatt teilt auch mit, daß Abgeordnete der syrischen Bevölkerung angekommen seien, äber es scheine nicht so, als ob sie Aussicht hätten, von der Kommission gehört zu werden. Man werde ihnen wahrscheinlich antworten, daß sie nur -das Recht hätten, Pe t i t i o n e n an die Kommission zu richten, aber auch das nur ausschließ ich durch Vermittlung der Mandatsmacht, d. h. durch Vermittlung Frankreichs.' Stollen in Oer kaMineusischen OenOatmerie. Jerusalem, 16. Februar. (I. T. A.) Heute wurde hier offiziell mitgeteilt, daß die britische Gendarmerie in Palästina, die einen Teil der britischen Heeresmacht bildete, demobilisiert wird. Die Stelle dieser Schutztruppe wird eine palästinensische Gendarmer i e übernehmen, die der Lokalregierung unterstellt ist. Um die Aufgabe des Schutzes des Landes erfüllen zu können, wird die lokale palästinensische Gendarmerie durchgreifend reorganisiert werden. Juden werden in größerer Zahl in die Landesgendarmerie eintreten. (Vgl. „Wiener Morgenzeitung" vom 16. d.) Ferner wird mitgeteilt, daß zwecks Bewachung der Grenze zwischen Palästina und Transjordanien ein Grenzwachkorps aus Arabern und Zirkastiern gebildet wird. Auf palästinensischer Seite werden Araber, auf transjordanischer Seite Zirkassier den Grenzwachdienst ausüben. Keine britischen Cnbstdien füe Hnffein. London, 16. Februar. (I. T. A.) Premierminister Baldwin erklärt autoritativ gegenüber anders lautenden Mitteilungen, daß die englische Regierung dem früheren König Hussein von Hodschas keinerlei Subsidien zahlt. Englands Staatsschnld. London, 16. Februar. Im Unterhaus erklärte Schatzkanzler Churchill, der gesamte Nominalbetrag der britischen Staatsschuld habe sich am 31. Dezember 1925 auf 7 7 3 8 Millionen Pfund Sterling belaufen. Die Zinsen und Vevwaltungsgebühren für das mit Ultimo Februar äblaufende Finanzjahr werden mit 305 Millionen Pfund Sterling veranschlagt. Menu man diese Beträge durch d:e Bevö'kerungsziffer dividiere, so ergebe sich der Betrag von 171 Pfund Sterling auf den Kopf der Bevölkerung für die Staatsschuld und 6.75 Pfund Sterling auf de« Kopf der Bevölkerung für den Zinsendienst. Bria' ds Kammersieg. Paris, 16. Februar. Die Kammer hat heute früh um 6 Uhr bei der Endabstimmung die Finanzvorlage mit 258 gegen 145 Stimmen gutgeheißen. Entsprechend der neuen politischen Konstellation haben die Sozialisten zumeist dagegen gestimmt oder sich der Stimmenabgabe enthalten. Andererseits haben zahlreiche Abgeordnete der Mitte für die Vorlage gestimmt. Bemerkenswert ist eine Erklärung BokanowSk i s, wonach die bisherige Opposition bereit sei, die Negierung zu unter st ützen, wenn diese ihr in einigen Punkten entgegenkommen wolle. Briand antwortet« darauf unverbindlich, daß gegenwärtig nicht der Augenblick sei, Parteipolitik zu treiben. Man müsse im Interesse des Landes jetzt auf seine liebsten doktrinären Ansichten verzichten können. Tie Kammer vertagte sich hierauf aus nächsten Dienstag. _17. Februar im_Nr S5U, Sin SeDatiement lür jüdische Angelegenheiten in Fenntteich. Paris, 14. Februar. (I. T. A.) Ter französische Ministerrat beschloß, beim Ministerium für auswärtige Angelegenheiten ein spezielles jüoifches Tepartement zu errichten. Leiter desselben, wird Herr Ca net, der bisherige Leiter des Teparienients für religiöse Angelegenheiten, sei». . Tie Errichtung des Departements für jüdische Angelegenheit entsteht im Zusammenhänge mit dem großen Interesse, das die französisch« Regierung seit einiger Zeit den jüdischen Fragen, insbesondere dem jüdischen Aufbau in Palästina, widmet. Herr Berthelot, der Chef des Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten, hat sich an der Bildung des Komitees Frankreich-Palästina, zu dessen Mitgliedern die hervorragendsten Persönlickke.iten des politischen Lebens in Frankreich gehören, persönlich beteiligt. Ir. Reich wie^ergewühlt. (Eigenoicnst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 16. Februar. Bei der gestern stattgesmidenen Wahl der Zionistischen Organisation Ostgal i ft i e n 8 wurde Dr. R e i ch zum Präsidenten wiedergewählt. _ Ser Vorstand der Warschauer siudengemeinde. Warschau, 16. Februar. (I. T. A.) Die Repräsentantenversammlung der Warschauer jüdischen Gemeinde, der größten Gemeinde der Alten Welt, hat nach langwierigen Verhandlungen zwischen den Parteien endlich einen Vorstand aus 15 Repräsentanten gewählt. Dem Vorstand gehören 7 Agudisten, 6 Zionisten und Misrachisten, ein Folkist (Mitglied der jüdischen Volkspartei) und ein Bundist (Mitglied des jüdischen Avbeiterbundes) an. Die Fememorde. Die Untersuchungen des. preußischen Landtages. Berlin, 16. Februar. Im Ausschuß des preußischen Landtages für die Untersuchung der Beziehungen zwischen deutschnalionalen Abgeordneten und Fememördern sowie des Fememordfalles Pani.er, der heute unter dem Vorsitz des Abgeordneten Göbel (Zentrum) seine VerhaMungen begann, erklärte Oberjustizrat Dr. Würtz, Oberleutnant Schultz sei an der Ermordung des Ze.tfreiwilligen G r e s ch k e, des Zeitfreiwilligen Braun, des Leutnants a. D. I a n k e, des Feldwebels G e dck e, der Ermordung eines dem Namen nach noch nicht bekannten Mannes, ferner an der Ermordung des Leutnants a. D. Samt, des Feldwebels W i l m s und des L e g n e r beteiligt. Alle diese Morde ereigneten sich um die Mitte d es Jahres 1923. Auf eine Frage eines Abgeordneten, ob bei irgend einer Untersuchung der Verdacht aufgetaucht sei, daß deutschnationaleAbgeo r d n e t e sich der B e g ü n st i g u n g, Beihilfe usw. schuldig gemacht hätten, erklärte Doktor Würtz, er könne jetzt nur sagen, daß ihm darüber nichts bekannt s«i. Abg. Eichhoff (deutsche Volkspartei) stellt die Frage, von wem die Gelder für die Verbesserung der Verpflegung der inhaftierten Fememörder eingelangt seien, worauf. Dr. Würtz erwiderte, er sehe aus seiner Ausstellung, daß von Rechtsanwalt Dr. Sack und einem Herrn v. O P p e n etwa 200 Mark für diese Zwecke bei Gericht eingezahlt seien. Auf die weitere Frage, ob festgestellt worden sei, daß hinter diesen Zahlungen ein deutschnationaler Abgeordneter stehe, erwiderte Dr. Würtz, die Quelle dieser Gelder sei noch nicht bekannt. »ÄNsche «nline. Aus Karlsruhe wird telegraphiert: In einer der letzten Nächte wurde in der Mittelstadt von Völkischen ein systematischer Besudelungsfeldzug vorgenommen. An zahlreichen Häuserfafsaden wurden große Hakenkreuze mit Teerfarbe angebracht, und in der Kronenstvaße überstiegen die Täter das fast zwei Meter hohe Eisengitter der Synagoge und besudelten die Vorhalle, die Wände und den Boden, und verschonten auch nicht das Ehrendenkmal der im Felde Gefallenen. Sämtliche Blätter, auch die rechtseingestellten, verurteilen diesen groben Unfug scharf und geben ihrer Verwunderung darüber Ausdruck, daß der Polizeibericht bisher auffallenderweise nicht mit einein Worte von diesem nächtlichen Treiben der Völkischen Notiz nimmt. Sie Sntetonnn» der Fsiekenveemügen. Zulassung des volksbcgehrs auf Einbringung eines diesbezüglichen Gesetzes. Berlin, 16. Februar. Die Neichsregierung HK die gesetzlich vorgeschriebene Zulassung des von der sozialdemokratischen Partei und der kommunistische« Partei * beantragten Volksbegehrs auf Einbringung eines Gesetzes über die Enteignung der Fürstenvermögen beschlossen, nachdem festgestellt war, daß die gesetzlichen Voraussetzungen für die Zulassung erfüllt sind. Mit dieser Zulassung hat die Reichsregierung lediglich den gesetzlichen Erfordernissen über die Behandlung solcher Anträge entsprochen. Den Jn'halt des Gesetzentwurfes, der eine völlig entschädigungsloseEnteignung vorsieht, macht sie sich jedoch in keiner Weise zu eigen. Durch eine Verordnung dcs Neichsnrinisters des Innern wird die Emtragungspslicht für das Bolksbegchr auf die Zeit vom 4. bis einschließlich 17. März dieses Jahres festgesetzt.

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