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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-17 · Heft 2510 (17.2.1926) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2510 (17.2.1926)
Date
1926-02-17
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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M. SSW ÄKN, MMöRy Mener Morgenzeltung Ein Besuch bei MmbSs Sine schwedische Schilder««». ♦ Budapest, 16. Februar. Dem „Pester Lloyd" wird aus Stockholm geschrieben: Henry Hellsen, der schwedische Schriftsteller, der sich während des Krieges lange Zeit in Oesterreich-Ungarn aufgehalten uiti> an die schwedischen Blätter aus dem k. u. k. Kriegspress.-quartier Berichte gesandt hat, war kürzlich wieder einmal in Budapest und veröffentlicht jetzt im „Svenska Dagbladet" seine Artikel über die Fraukensälscherasfäre. In seinem ani 8. d. veröffentlichten Bericht schreibt er über seinen Besuch bei Julius Gömbös. Da seine vorherigen Berichte auch im Lichte der strengsten Kritik als korrekt bezeichnet werden können, muß angenommen werden» daß auch sein Besuch beim Führer der Rassenschützler richtig wiedergegeben ist. Die Judenfrage will Gömbös im Sinne seiner Aeußerung in der Weise lösen, daß er diesen „Fremdlingen" nicht das Recht der Erwerbung von Landeigentum zuerteilt, und daßdie Industrie, ,-die zu 100 Prozent in Händen von Juden sich befindet", den gegenwärtigen Zollschutz verlieren soll. Der Zoll verteuert nur den Preis der Waren. Wozu überhaupt eine Industrie m einem Agrarstaat? Diese schafft nur Proletarier. Ist aber eine Industrie unausweichlich, dann müssen die Arbeiter am Nutzen beteiligt sein, sie müssen Mitbesitzer der Fabrik werden. In dieser Weise soll die ungesunde Anhäufung von Kapital vermieden werden. „Sie haben", so sprach Gömbös zum schwedischen Berichterstatter, „auf den Straßen sicherlich viele Studenten mit farbigen Mützen gesehen; alle diese gehören unserer Organisation an. Unter ihnen befinden sich 15.000, die in meine Hand den geheimen Eid abgelegt haben, ihr Leben äm Kampfe gegen die Juden zu widmen. Jedes Jahr treten e.nige Tausend hinaus ins öffentliche Leben und neueTausende treten hinzu — das Netz wird immer enger. Glauben Sie nicht, daß die Juden lbald den harten G r i f f a m H a I f c spüren werden? ..." Auf die Frage des Korrespondenten, wie viele Mitglieder die geheimen Organisationen hätten, antwortete Gömbös: „Das ist ein Geheimnis, aber so viel kann ich mitterlen, daß die Erwachenden Ungarn 100.000 zahlende und insgesamt 400.000 Mitglieder haben. Die Frauenorganisationen umfassen sozusagen alle christlichen Frauen in ganz Ungarn." „Ich nähere mich vorsichtig", berichtet Henry .Hellsen, ,Her Frage der deutschen Hakentreuzlerorganisationen und frage Julius Gömbös» ob er weiß, daß man ihn ^beargwöhnt, er hätte Erzbergers Mörder verborgen? Zu meiner großen Verwunderung antwortete er, als wenn es das Natürlichste in der Welt wäre: „Ich habe Erzbergers Mörder verborgen gehalten — ich wußte bloß nicht, daß es Erzbergers Mörder waren, denn ich wollte es nicht wissen. Was geht mich Deutschlands innere Politik an? ... Es war nicht mein Fehler, daß. ihr Zufluchtsort entdeckt wurde und sie wieder fliehen mußten." Auf die Frage, ob er es für 'berechtigt findet, daß man aus politischen Gründen mordet, meinte Gömbös, daß er darüber nicht sprechen wolle, denn es gibt Dinge, die mm macht, ohne darüber zu sprechen. „Sollten Sie mich fragen," fuhr er fort, „ob mau falsche Tausendfrankennoten fabrizieren darf, so werde ich auch diese Frage nicht beantworten." Gömbös benützte die Gelegenheit, um W i n d i s ch g r ä tz zu verleugnen. Er sagte nämlich: „Er gehört nicht zu meiner Partei. Er ist Legitimist, und als er zu mir kam, war es nicht, unr über Erzherzog Albrechss Kandidatur^zu sprechen, sondern um mich von Otto abwendig zu machen. Er war auch kein Rassenschützler. Er ist liberal, und als wir uns trafen, sagte er stets zu mir» daß meine Politik gegen die Juden unrichtig sei." „Warum wollen Sie nicht Otto auf dem Throne sehen?" „Weil das legitime Prinzip gefährlich ist . . . Das mag ja bequem sein» aber man läuft Gefahr, daß die Erbfolge die Macht in die Hände des Trottels spielt ... Ottos Vater habe i ch gehaßt . . . Als die Situation kritisch wurde» schlich er sich durch eine Hintertür hinaus, anstatt sich an die Spitze der vertrauenswürdigen Männer zu stellen. Ich liebe auch diese alten Herren nicht, wie den Grafen Albert Apponyi und den Grafen Julius A n d r a s s y» die zurückgetreten sind zugunsten der Revolutionäre, anstatt ihre Macht gegen diese zu benützen." Auf die Frage, was er vom Ministerpräsidenten halte, sagte Gömbös: „Graf Bethlen verfügt nicht über genügend Energie, Kraft und Mut. Wenn ich an der Spitze der Regierung stehen: und für meine Ziele arbeiten würde, würde es sich bald zeigen, daß ich beinahe das ganze Volk hinter mir habe. Ich habe mir praktische Ziele gestellt.,. nicht Ziele, die nach Weltfrieden ober Freundschaft zwischen den Völkern streben, denn ich weiß, daß die Geschichte von A b:s Z von Krieg und Blut erfüllt ist. Ungarn den Ungarn — dann macht es nichts aus, wenn das Land auch allein steht,,." - _ Polizeibereitschaft in Budapest. Unter dem Eindruck des Anschlages auf Vazsonyi hat die Oberstadthauptmannschaft heute strenge Bereitschaft für die gesamte Bu da pester Polizei angeordnet.. Die Permanenz wird einige Tage dauern, da die Polizei entschlossen ist, Ruhestörungen von links oder rechts unter allen Umständen im Keime zu ersticken. Berittene P o l i z e i p a t r o u: l l e n und P a t r o u i l l e n z u R a d durchziehen heute abends die Straßen der Hauptstadt. Dev Parlamentsausschuß trat um 5 Uhr nachmittags zusammen. Als erster wurde Ministerpräsident Graf Bethle n, sodann Graf T e l e k i vernommen. Die Einvernahme Bethlens und Telekis dürfte sich bis s p ä t i n d i e N a ch t h i n z: e h e n, so daß der Abgeordnete G ö m bös voraussichtlich erst morgen vor dem Ausschuß erscheinen wird. : 17. Februar 1056 3 I Ihre GESUNDHEIT ist teuer. Wie erhalten Sie diese? LÖWEN FRANZBRANNTWEIN mit Menthol als Einreibemittel wirkt belebend, erfrischend, schafft Kraft und Energie. Beim Einkauf achten Sie auf die gesetzliche Schutzmarke. Ueberall erhältlich. Gesetzt, gesch. Erzeugen Alexander Kalmar, Wien,II. Nordbahnhof n Die gestrige Einvernahme des Grafen Paul Teleki hatte, wie erst heute bekannt wird, ein neuerliches Verhör Desider Rabas zur Folge. Raba wurde noch gestern im. Beisein der Franzosen einvernommen und soll bei diesem Verhör nachdrücklich darauf bestanden haben, daß Windischgrätz in engster Verbindung mit deutschvölkischen Elementen stand. Raba selbst habe wichtige Briefe von Windischgrätz an den General Ludendorff und General Seeckt nach Berlin mitgenommen. In M ü n ch e n habe Raba eine persönliche Besprechung mit den Leitern der Münchener kartographischen An st alt gehabt und sei dann auf deren ausdrücklichen Rat nach Köln gereist, wo er das für die Herstellung der Frankenfälschungen notwendige Papier selbst übernahm und nach Budapest disponierte. Raba behauptete auch, Graf Teleki habe die.Aufmerksamkeit des Prinzen Windischgrätz ans die B udapester kartographische Anstalt gelenkt, die nach seiner, Telekis, Ansicht für die Fälschungszwecke geeignet wäre. Endlich soll Raba behauptet haben, daß die Liste der jungen Leute, die für die Verbreitung der Fälschungen im Auslande in Betracht kamen, unter persönlicher Mithilfe des Abgeordneten Gömbös zusammengestellt wurde. Windischgrätz habe darüber wiederholte Besprechungen mit Gömbös gehabt. Mit Rücksicht auf diese sensationellen Angaben Rabas erwartet man noch für heute die Konfrontierung des Prinzen Windischgrätz mit seinem Sekretär. Die Polizei hat infolge der Aussagen Rabas auch die Einvernahme des Grafen Karolyi angeordnet. Schutzmarke Handel und Handwerl im alten Palästina. Bon Sigma. Wann sind die Juden zu dem Handelsvolk geworden, als welches sie Heutzutage aller Welt und sogar sich selbst erscheinen? Mch Chamberlain und Sombart sind die Juden von jcher nichts äls Händler gewesen, von jcher zu jeglicher körperlich Arbeit in der Landwirtschaft wie im Handwerk untauglich. Der Homo jUdaicus ist dem Homo capitalistious absolut gleichzusetzen, der sein Brot von: Schweiße des Antlitzes seines Nächsten verdient. Alle produktive Arbeit >wäre danach im alten Palästina von Fremden, der Handel dagegen mit den von, den Fremden hervorgebrachten Gütern wäre allein von den Juden betrieben worden. Ganz anders stellt sich das Bild dar, welches hervorragende Fachmänner von den Zuständen im alten Palästina entwerfen, Fachmänner, die ihr ganzes Leben auf die Erforschung der Quellen verwendet haben, und überall aus dem Botten schöpfen, aus der Bibel, der Literatur, und den Inschriften der mit den Juden Verlvandten semitischen Völker, den Ausgrabungen und den keilinschristlichen Dokumenten. Ein solcher Forscher ist Alfred Bertholet, der die Ergebnisse seiner Untersuchungen in den: anmutigen und lesenswerten Buche „5kulturgeschichte Israels" niedergelegt hat. (Göttingen, Vanderhoeck und Ruprecht.) Unsere Altvorderen haben vor Jahrtausenden dieselbe Entwicklung dnrchgomacht, wie aitbere Völker auch: vom Nomaden zmrt.seßhaften Bauern. Nur finden sich 'bei keinem anbereu Volke solche lebhafte und bedeutsame Bilder aus der Stufe des Nomadentums und des Ueberganges zur Seßhaftigkeit im Kulturlands. Natürlich hat sich das Handwerk im Knlturlande einer viel größeren Schätzung zu erfreuen, als unter' nomadischen Verhältnissen. Für den Nomaden ist der Handel wichtiger, da er seinen Lebeusbedingungell mehr angepaßt ist. Die Propheten stehen nun dein Ackerbau und dem Handwerk mit ungleich größerer Sympathie gegenüber und entnehmen ihre Bilder vorwiegend jenen beiden. Der Händler lvar im alten Israel «W Wgjtz WexH wtz BMLMlg u!M" besagt, ein „Hevum'kreisender", ein Umherziohender, also ein Ausländer, der nicht zur einheimischen Bevölkerung gchörte. Natürlich mußte sich jedoch M't dem Anwachsen der Kultur und dem Steigen der Bedürfnisse auch der Handel bedeutend vergrößern, und mehr differenzieren. .Nach und nach fingen auch die Einheimischen, die Israeliten, an, Handel zu treiben. „Immerhin scheint Israel vom Handelsgeist nicht so rasch erfaßt worden zu sein," sagt Bertholet. Zunächst beließ man den Handel in den Händen des Kanaaniters, der mit dem aüsgebildeten Sinn für die Bedürfnisse des Kulturlandes die rechte „Krämerseele" verband, und so blieb „Kanaaniter" die Bezeichnung für den Händler schlechthin. Die Sprüche Salomonis sagen geradezu: „Der Kanaaniter — falsche Wagschalen sind in seiner Hand." Es äußert sich hierin die Geringschätzung des Landmannes und des Kriegers für den Kaufmann, die sich zum Beispiel im heutigen Deutschland darin ausdrückt, daß diese Kreise nicht anders sagen als ,/Koofmich" für Kaufmann, was sie jedoch nicht hindert, die reiche „Koofmich"-Tochter gern heimzuführen. Dex Aufschwung des eigenen israelitischen Handels datiert vom Königtum her (auch bei den europäischen Völkern des Mittelalters Ovaren die Fürsten die Initiatoren des Handels). Es ist eine HauPttat Salomons, daß er in richtiger Ausnützung der eigenartigen Lage Palästinas aus dem Handel für den werdenden Staat Kapital zu schlagen verstand. Er ist der Schöpfer einer Zollpolitik, dank welcher sich die Kassen des Staates füllten. Sodann ist Salomon der Urheber größerer Handelsunternchmungen zur See. Von der Hafenstadt Elath aus, die er eroberte, fuhren feine Schiffe nach Ophir, den: vielgesuchten und noch nicht mit Bestimmtheit identifizierten Küstenland, von wo sie Gold, Silber, Elfenbein, Affen und Pfauen mitbrachten. Die Heilig« tiimer, die er, angeblich feinen ausländischen Frauen zuliebe, fremden Göttern in Jerusalem errichtete, hat er vielleicht mehr aus Rücksicht auf die in der Stadt ansässigen fremden Kausleute bauen lassen. Wir erfahren auch, w:e ein kriegerischer Erfolg zugunsten neuer Handelsbeziehungen ausgenützt wurde. Als Ach ab über den Aramäerkönig Rezin einen Sieg davontrug, erwarb er sich von ihm das Recht, in D am a s k u s eine eigene Basarstraße zu errichten, wie sie um- OGt der LM fett NsteM M Somarig Uon hAtz, Daß unter solchen Umständen der israelitische Handel mächtig in die Höhe gehen mußte, ist selbstverständllch. Damit stimmt zusammen, daß sich in den Ausgrabungsschichten der israelitischen Zeit die Gemichtssteine mehren. Unwillkürlich legen vom Aufschwung des Handels, mit welchem Geld in Menge ins Land kam, die Propheten Zeugnis ab, die seine Auswüchse leidenschaftlich bekämpften. Einen neuen Anstoß' gab das babylonische Exil, bedeutete es doch die Verpflanzung in einen gewaltigen Handelsstaat, den damaligen Handelsstaat Par exeellenee, dessen Handel in höchster Blüte stand. Das babylonische Exil bedeutet für das jüdische Volk die entscheidende Wendung nach der NichtUng des Merkantilismus. Babylon war ein Mittelpunkt des Weltverkehrs geworden und sein Handel war so wenig auf eine Klasse beschränkt, daß selbst Sklaven ihre eigenen Geschäfte hatten. In babylonischer oder persischer Zeit findet man israelitische und Mische Händler auch auf dem Markte von Tyrus, wohin sie Weizen, Honig, Oel und Balsam bringen. Der Dichter des 107. Psalms kann schon ein anschauliches Bild von den gefahrvollen Seereisen jüdischer Handelsleute entwerfen. Indessen liegt jede kapitalistische Geldwirischaft dem Alten Testament noch fern. Bekanntlich verbietet es das Zinsuehinen. Das erklärt sich daraus, daß Darlehen irgend welcher Art nicht unter den Gesichtspunkt des Geschäftes, sondern lediglich unter den der Wohltätigkeit fielen. Mit dem Uebergaug von der Wüste zur Seßhaftigkeit und der Besitzergreifung von Städten sahen sich die alten Hebräer vor die Aufgabe der Ausbilduug eines eigenen B a »« handwerkes gestellt. Wenn irgendwo, so ging man hier bei den Kanaanitern in die Schule und baute nach ihrer Art und ihrem Stil. Meßschnur, Bleilot und Setz wage wurden bekannte Bilder. David verschreibt sich zum Bau seines Palastes Zimmerleute und Steinmetzen vom .König Hiram aus Tyrus. Mas aber unter Salomon auf diese Werse in Jerusalem zustande kam, darüber ist »ns im ersten Buch der Könige, Kapitel 6. ein eigener Bericht enthalten. Da ist zunächst der Tempel und daneben ein ganzer Komplex von Gebäuden, Palast, Harem, Thronhalle, Säulenhalle, Zeug- Haus. Eins Imchj her Baukunst war tzis MMstunKJern,

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