Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2507 (14.2.1926)
- Date
- 1926-02-14
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Mn?, Somrkeq VQrffHiV Der zionistische Klllb in der Kultusgemeinde und die Kultusgemeindemehrheit. «n» eine« SefprSih mit vemeiaderat Je. Leopold Vlafchle«. Der Beschluß des letzten zionistischen Partei rotes, den zionistischen Mandatare» der Kultusgonieinde bestimmte Weisungen zur Durchführung des zionistisch!?« Kultusgemeindeprogramms gegeben hat, macht die Frage der Stellung der zionistischen Mandatare zur «.ichtzronistiichen Kultusgemeindemehrheil, zu einer aktuellen. Einer unserer Mitarbeiter nahm Gelegenhert Mt dem Milgliod des zionistischen Klubs, Gcmeinderat Dr. Leopold Plaschkos, über diese Frage eingehend zu sprechen. Gemeindervt Dr. Leopold Plaschkes äußerte sich folgendermaßen: Wenn Mir Zionisten es mit der Vorbereitung des jüdischen Volkes für den Aufbau Erez Israels ernst nehmen, müssen wir eifrig im jüdischen Gemeindeleben wirken. Es war eine weise Parole Theodor H e r z l s, die uns die Eroberung der jüdischen Gemeinden M Pflicht machte. Schließlich sind doch die jüdischen Gemeinden die einzigen autonomen Organisationen der .Juden, die vom Staate anerkannt und von ihm als Zwangsorganisationen bestätigt sind. Wir Zionisten haben das dringendste Interesse daran, daß nicht nur wir, sondern alle Juden und jüdischen Organisationen dem Staate ge-- genü'ber jene Stellung und Haltung einnehmen, welche dauernde Gefahren vom Judentum fernhalben und die Mischen Rechte und Ansprüche sicherstellen. Das ist ein Ziel unserer Arbeit, von dem ich glauibe, daß es sich mit der Arbeit aller an der jüdischen Gemeinde interessierten Kreise einigermaßen deckt. Wir gehen aber als Zionisten über dieses Ziel hinaus, geleitet von der Erkenntnis, daß bei der Arbeit im großen und lleinen deruniverselleCharakter des Judentums gewahrt werden muß und daß die leitenden Gesichtspunkte des Gesamtjudentums Richtschnur der Mischen Gemeindepolitik zu sein haben. Ich bin der Ansicht, daß die Beteiligung an allen jüdischen Angelegenheiten die .Kraft der Mischen Gemeinden vergrößert. Diese realpolitische Ansicht ist Gegenstand des Kampfes. Bei Erörterung der kulturelle» nutz sozialen Ausgaben der jüdischen Gemeinden darf nicht übersehen werden, daß die moderne Bewegung im Judentum Fehler von Generationen gutzumachen hat. Sie muß den Juden den vollen Inhal! des Judentums geben, und an dieser Arbeit hat sich jede jüdische Gemeinde zu beteiligen. Das nationale Leben im JuLmrimn, das auf der ganzen Welt erwacht ist, muß Luch in unserer Gemeinde gepflegt werden. In allen Erscheinungsformen muß es deutlich werden, daß aus der Kultusgemeinde eine Kullnrgemeiude, aus der Religionsgemeinde eine Volksgemeinde wird. Damit will ich nichts gegen den Kultus und seine Gestaltung als Gemeindearbeit gasagt haben. Auch Religion und Kultus gehören zu unserer Kultur und stellen eine Seite unserer jüdischen VÄkÄultur dar. Die andere Seite wird durch das geistige soziale, wirtschaftliche und Politische Leben gebildet. Beide müssen der BoWtraditio» treu bleiben. Der Krvltus muß so angelegt sein, daß er getreu den Satzungen die Assimilation aus Synagogen und Schulen, aus allen Institutionen der Gemeinde verdrängt; er muß a n der hebräischen Sprache festhalteu und ihr den Eingang in die Schule sichern. Uns sind die 700.000 Schilling, welche die Gemeinde im Jahre 1926 für Kultus mrd Ritus vorgesehen hat, nicht Zu diel, wir verlangen aber, daß ebensoviel für die Erziehung der jüdischen Jugend and nicht bloß etwa die .Hälfte, wie cs das Budget vorsiehl, ausgsworfen wird. Unsere erste und wichtigste Arbeit auf kulturellem Gebiet ist die Sorge um die Erzie hungder jüdischen Jugend in modernem jüdischen Gei st uüdumdie vollständige Umgestaltung der bisherigen jüdischen Erziehung durch die Schule. Der Religionsunterricht muß erweitert werden, das Lehrziel auf die Kenntnis der hebräischen Sprache und der jüdischen Bol ksge schi chte autzgodehnt werden. Auch die Privatschulen, die jüdischen Kindergärten, Volks- und Mttchchulen, die trotz erstklassigen Lehrermaterircks und prächtigster Lehrerfolge unter den kümmerlichsten Verhältnissen vegetieren, muffen von der jüdischen Gemeinde erhalten werden. Diese Schulen sind Pflanzstätten Mischen Geistes. Die aus ihnen hervorgehende Jugend wird einst das Rückgrat der jüdischen Gemeinde bilden. Die Erziehungsaufgabe der Gemeine darf aber mit der Beendigung der Schulpflicht nicht aufhören. Kurse, Vortragszyklen zur Fortbildung in der Betätigung praktischen Judeniunrs, Bibliotheken, Lesehallen müssen in zweckmäßigster Weise eingerichtet werden. Ich begnüge mich mit diesen Beispielen, weil ich die Mitglieder der Mehrheit der KultusgemeMever-- tretung schon schreien höre: „Wir haben kein Geld! Wir brauchen unsere Mittel für andere Sachen. Das ist die Agitation, durch welche die Kultusgemeinde ihres durch Gesetz und hundertjährige Tradition gewährleisteten Charakters entkleidet werden soll. Das ist der Weg, um die Kultusstsuerrr zu nationalen mH politischen Zwecken zu verwenden." So ist das Sprüchlein in den WHlerversamrnlungen hergesagt worden. Und es ist wichtig festzustellen, daß die assimilatorische Gesinnung eben jetzt wieder in Versammlungen und Reden der Unionleute zutage tritt. Sie muß mit S t u m p f u n d Stiel ausgerottet werden. Das ist ebenso wahr wie O MMchl % m MMWchmWt M wtvmU* , Zrecken verwenden wollen. Wir sind der Meinung, die Juden werden lieber Steuer zahlen, wenn man ihnen sagt und sinnfällig beweist, daß konstruktive Arbeit geleistet wird, daß die Zukunft und der Fortbestand der Mischen stksamtheit gesichert werden soll: d»e jüdische Jug'nd. Llber rvenn wir selber das Geld nicht haben, gehen wir doch zum Staat und zur Gemeinde! Ihnen bringt unsere Verwaltung Beste ung von mcht zu unterschätzender Arbeit und nicht unerhcblrche Verringerung ihrer Lasten. Indes abgesehen davon: wir haben doch das Recht dazu nach dem Friedensvertrag, der uns als nationaler oder religiöser Minderheit einen entsprechenden Anteil von den für UnterrichtSAwecke zur Verfügung gestellten Mitteln des Budgets sicherstellt. Genau st auf dem Gebiet des Fürsorgcwcsens. 1,660.000 Schillürg »vollen wir für Fürsorgezwecke ausgebcn, und es wird viel jüdisches Leid gemildert und manche jüdische Existenz damit aufgerichtet werden. Aber sind die Pflichten, welche wir in diesem Kapitel erfüllen, nicht zun» überwiegenden Teile solche, die wir auf uns genommen haben, während sie sonst Staat und Kommune Kt tragen hätten? Haben wir nicht das Recht, einen erheblichen Teil der Ersparungen wieder hereinzubringen, die wir den anderen geschaffen haben, und haben wir nicht die Wicht, unsere Forderungen durchzusetzen, tvelche (auch ohne Rücksicht auf die Ersparungen) dem Friedensvertrag entsprechen? Wir haben das Recht, entsprechende Mittel aus dem allgemeinen StaatsbrÄget und dem Gemeindcvermögen zu verlangen, um jenen Pflichten gerecht zu werden, die den hohen ethischen Prinzipien unseres Volkes entsprechen. 1,600.000 Schilling nehmen wir für Steuem ci«. Haben wir ein Recht, rnchr als sämtliche Steuereinnahmen für Fürsorge auszugeben, wenn es einen Weg gibt, den ohnehin schon arg hergenommenen Steuerträger zu entlasten? Wäre das nicht gerade bei unserer verzweifelten Wirtschaftslage ein Gebot der Mischen Pflicht? Ist es nicht klüger, die Steuereinnahmen produktiven Zwecken zuzuführen und im Unterrichts- und Fürstrgeetat Ersatz aas öffentlichen Mittet» zn verlangen? Ich tveiß, hier stoßen wir auf den Widerstand aller, die in den ^griffen „V o l k s g e m e i n d e" und „M inderh e i t s r e ch t e" verderbliche Ideen erblicken, die den Inhalt dieser Gedanken nicht verstehen oder wider besseres Wiffen verfälschen und sich nach jener Assunilationszeik zurücksehuen, die bei uns bereits abgetan, in der Tätigkeit des Judao-Magyarentums der Herren Vazfonyi und Genossen st herrlich wieder erscheint. Das sind Männer, tvelche zu>m Schaden der Steuerträger jede Berufung auf den Friedensvertrag als freiwilligen Verzicht auf die vom Staatsgrundgesetz verbriefte Gleichberechtigung erklären und als Forderung nach einer Sondergesetzgebung. Aber: gut deutsch und stolz dürfen die Herren nur auf ihre eigenen Kosten und nicht auf Kosten der Steuerträger sein. Für ihre deudschbürger- Uche Angst vor dem Friedensvertrag und dem Völkerbund haben wir keinen Sinn. Für die Aufrechterhaltung ihrer affimilatorischen Schlagworte ist uns das Geld der Wiener Judenschaft zu teuer. Hundertmal haben wir es schon widerlegt und wieder eimnal sagen wir: der Artikel 66 des Friedensvertrages verbrieft den Minderheiten, also auch den Juden, ausdrücklich alle bereits bestehenden Gesetze der Gleichberechtigung: die bürgerlichen und politischen Rechte, die Rechte der Religion, des Glaubens, des Bekenntnisses, derZulassungzu Ae mternund W ü rd e n usw. Im Gegenteil, durch den Friedensvertrag haben die Best irnmungen der Staatsgrundgesetze eine Verstärkung erfahren, weil sie durch höhere Sanktionen gesichert sind als bisher. Wer das. nicht einsieht, dem ist nicht zu helfen. Außerdem aber sind für die Minderheiten nach Nation oder Religion Bestimmungen geschaffen worden, welche ihnen zugunsten ihrer kulturellen und sozialen Einrichtungen Mittel des Bundes und der Gemeinde in Aussicht stelle»». Diese Mittel »nüffen in Anspruch genommen werden, weil sie eine Höhe erreichen können, die im Verhältnis zu unserem Gesamtbudget von fünf Millionen Schilling sehr bedeutend sein dürste. Wenn nach diesen Gru»»dsätzen gearbeitet wird, dann wird die jüdische Gemeinde ihre Pflichten auf aller» Gebieter» erfüllen können. Wir zionistischen Mandatare rnachen unsere Stellungnahme zum Voranschlag der Kultusgemeinde für das Jahr 1926 davon abhängig, ob die Mehrheit mit uns den Weg gehen wird, fern von unnötiger Belastung der jüdischen Bevölkerurlg, die Mittel herbeizuschasfen, welche für die kulturellen und soziale»» Zwecke notwendig sind. Wir verlange»», daß Investitionen, bauliche Erfordernisse (zum Beispiel Bau der neuen Zeremonienhalle, Ausbau des jüdischer» Kinderspitals) in» Wege einer Anleihe hereing<bracht ur»d nicht aus der laufenden Gebarung bestritten werden. Wir verlangen, daß die jüdische (Hemomde die jüdischen Ansprüche gemäß dom Friedensvertrag bei Bm»d u«& rmKi und hftiiMffM n. aWriWT'ÜBT. Kr. M7 mmtm CaK und Abendrestauront Prod u kte nbörse Wien, II. Taborstrassa 10 Sehenswürdigkeit Wiens (I.’nter Dcnkm.ilsj!itit/) Warme Speisen / Poithachsr »Ser vom Fass Inhaberin: Frau ANTONIE SPITZER wir, daß die jüdische Gemeinde getreu dem Grimdsatz, daß ihr nichts Jüdisches fremd sein darf, an don» Aufbau unseres jüdischen Landes, an der Errichtung unserer nationalen .Heimstätte in Erez Israel und der damit verbundenen Wanderungsbewegung mitarbeitet. wie es die Mehrheit im Wahlübereinkommen versprochen hat. Die bisherigen Leistungen müssen wesentlich erhöht »»nd die Ausgaben fiir Keren H a j e s s o d u n d Chaluz-Fürsorge zu dauernden und erböhbaren Posten der Voranschläge gemacht werden. Auf diesen» Wege wird die Gomemde das werden, was wir aus ihr «rachen wollen: ein Teil de r G esamtjudenhcit, ivelcher sich selbst uird dein ganzen, jüdischen Volke Ehre macht. Sefterreich vor dem Völkerbund. Wie dir Politische Korrespondenz erfährt, hat der Ge«' neralsekretär des Völkerbundes, Sir Erik Drummond, gestern der österreichischen Bundesregierung die Einladung zur außerordentlichen Tagung der VöllerbrmVoersammlung, die laut Beschluß des Bölkerbundratcs vom 12. Februar für den 8. März, 3 Uhr »»achmittags, »»ach Genf einüerufcn wurde, übermittelt. Die Tagesordnung dieser außerordentlichen Session weist fotzende vier Punkte auf: A n f n a h m c D e»»1 s chlands in den Völkerbund; Entschließungen der Völkerbundversammlung über Evcntualvorschläge des Rates in Gemäßheit des Artikels 1 des Völkerbundpaktes; budgetäre Fragen; Bau des Konferenzsaales. Ocherreich »vird auf der diesmaligen Völkevbrmdragmlg voraussichtlich nur durch die ständiger» Delegierten beim Völkerbund, ferner durch den Nationalbankpräsidenten Dr. Reisch und den Sektionschef des Auswärtigen Amtes Dr. Schüller vertreten sein. Es soll u. a. der Versuch gemacht werden, gewisse finanzielle Frager» zu bereinigen und namerrtlich die Frage der E l o z i e r r» n g d c r K r e d i t r c st c einer. Oesterreich günstiger» Lösung zusühren. Dar neue Automobllgefetz. Der parlamentarische Untechrchungsausschuß zur 'Be« raruilg des Kraftsahrgeschcs hat gestern den von der Regierung vorgelegten Entwurf mit einer Reihe von Abänderurrgsantragen angenommen. Ein Teil dieser Anträge wird nicht in* Gesetz, sondern in der zu erlaffenden .Kraftsahrverordnuug Ausnahme finden. Insbesondere wurde die Schaffung eines Kraftfahrbeirates beschlossen. Der Entwurf kommt am Dienstag in den Bollausschuß und voraussichtlich am Donnerstag ins Plenun» des Nationalrates. Bei der Diener Polizeidirettiorr wird in Hinkunft ein Cvidenzburcau für Chauffeurarrwärter errichtet Werder». Be» Einziehung des Führerscheins muß vor ibcr behördlichen Entscheidung eine Kommission von Fächmännerr» angchört Werder». Für die Eröffnurrg vor» Fahrschule,» wird künftighin die Erlaubnis des LandeShauPt-, mannes eingeholt werden müssen. Das Mindestalter für Berufschar»ffe»»re wurde mit 21 Iahreu festgesetzt Dem Gesetze unterliegen auch die Lenker von Motorrädern. Hinsichtlich der Fahrgeschwindigkeit wurde beschlossen, daß diese nur st Mit gesteigert tverden darf, daß Personen itnb Eigentum nicht gefährdet werden. Schwere und Lastenautos dürfen eine Höchstgeschwindigkeit von 20 Kilometer in der Stunde nicht überschreiten. Innerhalb von Ortschaften dürfen Autos nur mit einer Maxi m a l g e s chw i n d i g k e i t von 30 Kilometer fahren. Heule haben wir fabelhaft gesprift. jo sagen die Wiener nach einem besonders delikaten Esten. NrM» es wird ihu?rr von heute ab geboten werden in dem ncucröffuetcu Cafe unü Slbenvrcflaurairt Produktenbörse, 2. Bez.. Taborstraße 10. Die Zküche führt hier getreu den Traditionen chrez verstorbenen Gatten, des Herrn Leopold Spitzer, eines der B^ründer der alten! Wiener Kockstunst, Frau Antonie Spitzer, die langjährigr Besitzerin des Hauses Miramonte in Marrerrbad. der bei seinem dortigen Aufenthalte König Wmard von England sehr Schineichel Haftes über die Zuberditurrg der Kost sagte. Er pflegte zu scherzen: Wem» Frau Spitzer in der 5küche weilt, ist die Anwesenheit sennrs Arztes und Küchenchefs unnötig. Die unter Denkrnalischutz stehenden Stäume, die ganz Wien sehen wollen wich, wurden vom Architekren Karl Klaus (Mariahilferstraße 59) prachlvoll eingerichtet und durch Edmund Lüftschitz, Lusterurrd Lqnlpenfabrfl. Alserstraßc 21. feenhaft beleuchtet. Ein urgemütliches Poschache»- Bierltübl itt auch dabei! _ , 6iit Kaufmann ob Straßenränder. Aus Nürnberg wird berichtet: .Heute vormittags wurde ein Lehrling der Getreidefirnra Eh. Sachs, der bei der Reichsbank 18.000 Mark abgehoben hatte, von einem Mann mit einem großen Stein niedergeschlagen und des Geldes beraubt. Auf die Hilferufe des Ueberfallenen eilten Pastanten herbei, die den Räuber a u f h i e l t e n und ih» ioer Polizei übergaben. Er wurde als der Kaufnnrnn Hirsch- «4 n u au» 3K t x »t&t i m jestgetzellt.