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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-14 · Heft 2507 (14.2.1926) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2507 (14.2.1926)
Date
1926-02-14
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Ae. f907 Mm, Sonntaq tztt bmwistischen und agudistrscherr Zeitungen, in der jüdische« Peche jetzt eine offen antizionistüsche Richtung nicht mehr Hestcht. Wer auch in der nichtjüdischen, ernsten Presse vieler Länder gibt es einflußreiche Organe, die man philo- MMkftisch nennen kann. Bei dieser Sachlage crfdjcmt cs kaum glaubhaft, und doch ist es leider tvahr, daß. die Exekutive bisher es so gut wie gänzlich unterlasset: hat, die Parteipreffe in taktisch zweifelhaften Situationen durch Direktiven zu leiten, die zionsfreundliche jüdische und nichtjüdische durch entsprechende Communiques, Nachrichten usw. aufzuklären. Die Form, wie sie es tun soll, läßt sich schon finden. Ob der Weg direkt vm: London an die einzelner: Redaktionen oder durch Vermittlung der Landesorganisationen und Föderationen gehen soll, ist irrelevant, aber von der Londoner Exekutive muß dauernd die Initiative ausgehen. Der bisherige Zustand eines ganz paffiven Laifferpire ist unhaltbar und schädlich. Ein mit minutiöser Sorgfalt arbeitendes Pressearchiv wüßte alle wichtigen Zeitungsstinnner: sorgfältig registrieren (nicht nur die der westeuropäischen und amerikanischen Presse) und die Presseabteilung nrüßte sofort, wo nötig eingreifelr. So 'hatte man zun: Beispiel während des türkisch-griechischen Krieges den Eindruck der Zerfahrenheit und Unorientiertheit in der zionistischen Presse, indem ein Teil protürkisch, in anderer progriechisch war, ebenso beim Austauchen des K r i m p r o j e k t c s. Dasselbe kann n:an auch beobachten bei den einzelnen Peripethien in den Kämpfen und Gegensätzen der westeuropäischen Mächte in bezug auf die arabische Politik in Nordaftika und Asien. In der Frage des Krimprojektes sah man dieses Schwanken insbesondere in der .Haltung der jüdischen Telegvaphenagentur, die — ob mit Recht oder Unrecht — von der Außenwelt als parteioffiziös angesehen wird. Dieser Mangel eines leitenden Pressezentrums ist eine bewußte Schwächung des Einflusses und der Schlagkraft unseres vielleicht st ä rk st e n Machtmittels, über dis wir verfügen. Auf diesen: Gebiete ivär also notwendig, eine straffe Presseabteilung in der Zentrale, Ordnung des Verhältnisses zur jüdischen Telegraphenagcntur und Lenkung der Ausmerksanckeit insbesondere ans Länder, wo die gesamte Presse antizionistisch ist, zum Beispiel in Italien. Es ist wirklich die höchste Zeit, eine Reform des außenpolitischen Apparates der Exekutive durchzüführen. Was der amerikanische Kohlenstreik gekostet hat. Aus Ncw-I)ork wird gemeldet: Der Streik in den 'Authvazitgruben, der jetzt beendet ist, hat am 1. Se p t e m b e r begonnen. Die amerikanischen Städte waren während dieser Zeit gezwungen, große Mengen minderwertiger K o h l e zu verwenden, das fast ständige Rebe l, namentlich in N ew - A o rk, zur Folge hatte. Der finanzielle Schanden der durch den Streik verursacht wurde, wird auf 200 Millionen Pfund Sterling geschätzt. , Erlebnisse in Syrien. Bon Dr. Fritz Simon (Jerusalem). Die -letzten Ereignisse in Syrien haben das Jnte^sse des europäischen Zeitungslesers wieder stärker aus den Orient gelenkt, der sich allem Aachen: nach zu einer politischen Wetterecke gleich den: Balkan entwickelt. Ein Wuitder, oder vielmehr ein Beweis für die weit vorausschauende Politik Sir Herbert Samuels bedeutet es, daß in Palästina alles ruhig geblieben ist. Fraglos hat dieser Umstand zur Stärkung der jüdischen Position in Erez Israel beigetragen, und um» darf hoffen, daß dies nicht ganz ohne politische Folgen bleiben wird. Man lwird sich in den Kreisen unserer Gegner — und deren Zahl ist noch groß, besonders in: Völkerbünde —, der Erkenntnis nicht länger verschließen können, welche Wichtigkeit für de:: Frieden im vorderen Orient ein starkes Indisches Zentrum in: heiligen Lande besitzt. Während so das palästinensische Judentum inrmer mehr zum Gegenstand ernsthafter politischer EvwäguiMN in Wischen und mchtjüdischen Kreisen aufrückt, so tveiß man von den Nachbarjudentümern Erez Israels eigeMlich herzlich wenig. Und doch existieveu in Aegypten und Jemen, in Mesopotamien und Syrien jüdische Gemeinschaften, die sowohl ihrer Zahl als auch ihrer Bedeutung nach unser Jntereffe verdiemn. Der Aufstand in Syrien hat natürlich auf die dortigen Juden nicht ohne Einfluß bleiben können. Man las vielleicht von den Verwüstungen im Bazar von Damaskus, von den materiellen Verlusten, die dabei auch Wische Handwerker erlitten haben Menschenleben lvaren Gott sei Dank nicht zu beklagen), man erfuhr über Konfere:^en mit dem französischen Obevkommissar, an denen Vertreter des Damaszener Judentums teilnahmen, man hörte das alles — oder auch nicht — ohne sich eine allzudeuüiche Vorstellung von den Verhältnissen in: Aufftandsgebiet machen zu können. Mich, als Einwohner von Haifa, also nur 15 Stunden Bahnfährt von Damaskus entfernt, reizte es schon immer, einmal den Sprung über unsere eng gezogene Grenze zu Machen, und mir Namen und Begriffe, wie „Damaszener Klingen", „Salabins Grab", „Baalbek usw., Dinge, die bis- Ker für mich Schall und Rauch waren, durch den Augenschein W verlebendigen. So ging ich denn zun: französischen Konsul, um mir ein syrisches Visum zu besorgen. Die Sache war schon damals, Mitte August, als der Aufstand gerade erst begonnen hatte, für deutsche Staatsbürger nicht leicht, heute WM es MMtzW so gut wie auKgeschlosftn sM, Mer 'der _ Wfcntt Morserrzeituna_ Sie Wahlbewegung in Rumänien. (Von unserem Bkckarester Korrespondenten.) Ganz Rumänien stcht gegenwärtig unter ccm Eindrücke der Propaganda für die am 19. Februar d. I. stattfinoenden Gcmeinderalswahlen. Es soll dies eine Kraftprobe für die „liberale" Regierung sein, ob sie noch imstande ist, das StaatsrnSer auch weitechin zu lenken. Vier Jahre find die Liberalen an der Regierung, ohne daß es der Opposition gelungen wäre, oiese mächtigste Partei im Lande zu stürzen. Die Liberalen haben es inrmer verstanden, eine Vereinigung der oppositionellen Parteien zu Hintertreiben und regierten nach dem bekannten Prinzipe: divide et impera! Nun scheint es mit ihnen aber doch zu Ende zu gehen. Es hat sich rm ganzen Reiche eine historische Tatsache vollzogen, mdem sich alle Oppositionsparteien vereinigten, um die Regierung bei den kommenden Gemeinderatsivahlen zu Fall zu bringen. Es gibt zwar viele Skeptiker, ivelche behaupten, daß die Liberalen auch dann nicht Weichen werden, wenn sie bei den Wahlen eine Niederlage erlangen sollten. Tatsächlich hat sich dies ja bei den Ach hin die Mizzi und bin dm um Kern- MW« ' />..! gj&mb und ihmhlsuk.-. Uei-l iich mttm gs NnchKuck Mid Irmse den echten Uachreiners Nneipp MnirKMee trinke. Konsul, ein liebenswürdigr Vertreter, seiner liebenswürdigen Nation, ließ in Prästäbilisierctr Harmonie den ,-Geist von Locarno" walten, und so Mmt ich denn eine Aufenthaltserlaubnis für zwei Wochen für Syrien uub den Libanon. Ich nruß allerdings gestehen, daß mir meine Zugehörigkeit zum jüdischen Volk dabei auch etwas geholfen hat. Jedenfalls war auf den: Telegramm, das der Konsul in meiner Patzangelegenheit nach Beirut schickte, bemerkt, daß ich ein „juif allemand" sei, und daß. muß sehr beruhigend auf General Sarrail gewirkt haben. Nach drei Tagen bekam ich schon die zustimmende Antwort. Meine Fahrt begann also unter den günstigsten Auspizien; war cs mir doch zun: ersten Male in meinem Leben begegnet, daß ein Bekenntnis zun: Judentun: keine unangenehmen Folgen hatte, wie das ja in anderen Ländern zuwellen nach der Fall sein soll. * Anfangs September. Die heißeste Jahreszeit w unserem heißen Lande. Seit Äkonaten kein Tropfen Regen, alles ausgedörrt. müde und schlaff. Ziemlich „kaput" war ich von einer zweiwöchigen Wanderung mit den Boyscouts der .Haifaer hebräisch::: Realschule zurückgekehrt. Zu Fuß hatten wir das Galiil durchmessen, bei dieser Glut eine achtbare sportliche Leistung. Große Eindrücke tvaren auf uns eingestürmt: ältestes und neues Palästina in buntem Durcheinander. Das Leben der Kwuzoch in T e l - C h a i und Kfar Gilad:, die Rothschild-Kolonie Methulla und dann wieder die Ruinen von T e l - K a d i, den: alten Dan (arab. Kadi — Richter), die Höhe von K e d e sch - N a p h t a l i und das Prachtvolle B a n i a s (griech. Paneas), von den: Herodianer Philippus zu einer prachtvollen Stadt ausgebaut, C a esara Philipp:, von der noch wundervolle Reste erhalten sind. Dies alles »var schon inächtig genug, und nun sollte mich mein Weg zu weiteren starken Erlebnissen führen. Eigentlich wollte ich nur auf den Höhen des L i ba n o n ein wenig Kühle genießen und mir in Baalbek den Anblick römischer Orientkunst, in D a m a s k u s das Leben einer richtigen, unverfälschten orientalischen Großstadt verschaffen, dem: in dieser Beziehung hat die jüdische Einwanderung, die mit den modernsten Mitteln arbeitet, schon viel in Erez Israel verändert. Wie Bileam zog ich aus, zwar nicht, um zu ftucheu, aber nichts Jüdisches zu suchen, lag eigentlich in meinem Sinn. Schließlich ist man damit ja in unseren: Lande jetzt schon ganz reichlich versehen. Aber, wie es so mit dem Wissen Bocke geht: man kann ihm, auch wenn Mn will, was M: FMkÄsr 1926 ' WMU Wahlen ii» die landwirtschaMcheu Kammmr gezeigt, wo ste ««I Niederlage erlitten, ohne daß es ihnen nur im Tram« emgo fallen wäre, aus dieser Niederlage die Konsequenzen z« zichen wöI ihre Demission zu geben. Immerhin scheint ihnen die Sache fth emst zu sein. Sie werden ihre ganze Macht cmfbieten, um bei de, Gemeinderatswahlen Sieger zu bleiben. Interessant ist noch W Tatsache, daß die ojHositionellen Parteien des Reiches, die vev schiede ne Parteiprinzipien und -Programme trennen, sich dennoö auf einer gemeinsamen Plattform gefunden haben, um den Stuq der Liberalen herbeizuführen. Auch die Juden Rumäniens haben eine stHerhafi? Agi, lation im Kampfe gegen die Liberalen entfaltet. Sie haben keine: Grund, für diese Regierung eine Lanze zu brechen. Jmmechin habe: die Liberalen unter den Inden doch noch eilten gewissen Anhang der sich aus den bekannten Moschko-Juden und Stadilonen zu sammenfttzt. Diese Gruppen kommen im ganzen und großer: nich in Betracht, da die Judenschaft Gwßrumäüiens in ihrer großer Mehrheit gegen die liberale Regierung orientiert ist. Die Juden des Altreiches haben in ihren: offiziellen Or>. ganc, dem „Curierul Israelit" am 7. Februar eilt Manifest publiziert, das die Inder: des Altrciches auffordert, bei den kommender Wahlen gegen die Regierung zu stimmen und mit den Parteier zu g.chen, welche demokratische Prinzipien vertreten. Sie nahw folgende Resoluticn: an: „Die jüdische:: Wähler haben jene Kandidaten zu unterstützen und ihre Stimme für diejenige Kandidatenliste abzugebeu, durch ivelche die Rechte der Juden in Rumänien gesichert werden. Weder direkt noch indirekt dürfen jem Parteien unterstützt werden, welche mit antisemitischen Organisationen auf einer gemeinsamen Liste figurieren." Ihre Forderungen sind nicht klar präsisiert unb enthalten auch kein positives Programm für die GemÄnöeratswahlen. Sie schlagen vor, mit der Gruppe zu gehen, welche -gegen der: Terror ist und für dis Freiheit kämpft. Da sich im Altreiche alle Parteien auf ein oppositionelles Programu: geeinigt haben, ivcrden sich a::ch die J:wcn bei den Wahlen den Oppositionellen anschließen, chne dabei irgend welche positive und sichere Mandate zu erhalten. Die Juden Transylvaniens gehen mit der dort herrsche:cken nationalistischen Partei (Nationatpartei Siebenbürgens), ivobeii ihnen als Entgelt die Einhaltung der' Karlsburgex Beschlüsse, welchsich im ganzen und großen mit den: MinoMätenschutzvertrag decken, zugesichcr: wurde. Es soll aber gleich betont werden, daß diese Partei nicht iveniger antisemitisch orientiert ist als die herrschenden Liberalen, und bei den Studentendemonstrationen gegen die jüdischen Hörer eifrig mittut. In Beßarabien werden die Juden, ivenn reine Wahlen stattfindcu, hauptsächlich mit der Bauernpartei (Zarcmisten) -gchen, ivelche die demokratischeste Parte: Rumärüens ist. Es soll gleich betont werden, daß eh: Steg der Opposition und mit ihr e!m Sieg der Juden nur in den gwßen Städten zu gewärtigen ist, well hier die Wahlen höchsüvährscheinlich rein sein werden. In den kleineren Städten tverüen die Wahlen unter den: Terwr der Ge. melindegowaltigen durchgesührt, welche ein«: Sieg der Opposition von vornherein illusorisch machen. . In der Bukowina stchen die VechältnHe noch am besten. Hier ist cs der Initiative der vereinigten Oppcffllion gingen, eine Stimmung gegen die Regierung p schaffen, die chr — der 1 Opposition — zuversichtlich einen Erfolg bringen wird. Wieder bei mir allerdings nicht -der Fall war, nicht entrirmm, rW iso traf ich seine Spuren auch in Syrien. Das erste Ziel meiner Reise, die ich gemeinsaur .M einem guten Freunde machte, war Beirut. Wer aus Haffa komntt und den eigentümlichen Reiz dieser Stadt Mischen Meer und Camnel in sich aufgenonnnen lhat, wird von Beirut etwas enttäuscht sein. Es ist eigentlich genau dasselbe, und zrvar wirklich, wie der Berliner sagt, in „Grün". Die Um-, gegend dieser syrischen Hafenstadt ist ein . einziger großer, grirner Park. Prachtvolle Ovangenkulturen erfreuen das Auge, rings unterbrochen von solide:: Steinhäusern, ein Zeichen M den hohen Kulturstand >der syrischen Araber, sehr zum Unterschied von chren palästinensischen Brüdern. Für den jüdischen Besucher bleibt aber noch eine Ueberraschung Vorbehalten. Das ist, wenn ich von der elektrischen Straßenbahn absehe, die der Palästinenser „entbehren" muß, die a n: e r i E a n i s ch e U n iv e r si t ä j. Mit Hilft von Mrfsionsgeldern und freiwilligen Sper:derr hat man in Beimt einen umfangreichen Komplex von prachtvollen Gebäuden mit Hörsälen, Laboratorien- Bibliotheken, einer Sternwarte usw. errichtet. Das Ganze liegt in einem Park, nahe dem Meere. Die Anlage van Spück- und Sportplätzen zeigt, daß auch für das körperliche Wohl der studierenden Jugend gesogrt wird. Vergleiche mit der Jernsalerner hebräischen Universität drängen sich unwillkürlich aus. Wie gering ist frag bisher Geleistete und welcher Anstrengungen wirb es noch bedürftn, um — schon rein äußerlich — annähernd Gleichwertiges wie in Beirut zu schaffen! Die. Wische Oeffentlichkeit, die so gern geblufft wird, weil sie so gerne vom Bluff lebt, hätte allen Grund, sich mit der Existenz einer Universität in Beimt vertrauter W machen als bisher geschehen ist. . Beirut und der Libarrou lagen hinter uns, M wir eines Mends in Darnaskrls ankamen. Der Trubel einer orientalischen Großstadt empfing uns. Staub, Geschrei, das Klappern der Limonadeverkäuftr mit ihren Messtngtellern, das unheimliche Gurgeln der Kamele, die sich hochbepackt ihren Weg durch das Menschengewühl bah:wn. Aber finkt die Sonne herab, dann versütmmt der Lärm, die Läden '»r Basar schließen sich und nur die Stimme Muezzin, der die Gläubigen zmn letzten Male zmn Gebet ermahnt, durchbricht die Stille einer ,-nrondbsglanzten Zaubernacht". Bon den Wundern orientalischen Lebens und orientalischer Kmr^ die wir aus unseren Streifereien d::rch die Stadt erleben durften, ft: hier nicht die Rede. Inzwischen ist ja viel, und wie immer in solchen Fällen das durch ftmyWch;, Granaten ze-Wrt' worden,

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