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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-13 · Heft 2506 (13.2.1926) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2506 (13.2.1926)
Date
1926-02-13
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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«M« ®8st, @WH*ta6 Ae ötiüegvng der Lelstnerschen Setdenfadrik. Herr Otto Weiß, G^elljchafter der Pernau-er 'Zwirnerei und StrickgarnfavrÄ Otto Weiß, schreibt irn$: Der vorgestrige Artikel der ,Miencr Morgenzeitung" über vie Stillegung der Seidenfabrik Delfiner in Tel-älwiw hat in diesigen Fachkreisen nicht unberechtigtes Aufsehen erregt. Der Tenor der Angaben des Herrn Delfiner klingt dahin aus, daß das geringe Entgegenkommen der Stadtgemeinde in Tel-Awiw, die Mschaffung der Akkordarbeit uitd die Nichcherabsetzrrng des loprozentigen Zolles auf Rohseide ihn in die Zwangslage versetzt habe, sein Unternehmen zu schließen. Ich will nun in Kürze für den Laien verständlich darzirstellcn versuchen, daß bei der Gründling und Errichtung dieser Fabrik diese Umstände Herrn Delfin a r bekannt sein mußten. Ich hatte vor zirka drei Jahren Gelegenheit, Herrn Delfiner kennen zu lernen, tvclcher damals Mitchef eines geachteten Privatbankhauses in Wien war, im Textilfach und speziell in der Seidenbranche aber ein vollständiger Laie war. Er hatte damals verschiedene Gründungsideen für Palästina und besprach diese mit mir und frug mich um meinen Rat. .Hätte er mir zu diesen! Zeitpunkte nritgeteilt, daß er eine S e i d e n w a r e n w e b e r e i in Tel-Awiw zu gründen gedenke, so hätte ich ihm davon unter allen Umständen abgeraten, da die Grundlage für eine Seidenweberei in Palästina im jetzigen Zeitpunkte in Erez Israel noch nicht gegeben erscheint. Um sich unabhängig vom Auslande bezüglich des Rohmaterials zu machen, wäre es in erster Linie notwendig, daß Maulbeerbäume auf große Flächen Landes angebaut werden, um Seidenraupen zu züchten, dann käme erst eine Seidenspinnerei und erst nach diesem Zeitpunkte könnte der Gedanke zur Gründung einer Seidenweberei erwogen werden. Die palästinensischen Textilunternchmer kranken meistens daran, daß sie europäische Verhältnisse für Palästina als gegeben erachten, die Unternehmungen in zu großen! Maßstabe gründen und so einen Hauptkalkulationssehler machen, nämlich nicht z u e r st d e n Absatz f e st z u st e l l e n, sondern produzieren und dann bei Fehlgehen das Land und die Verhältnisse verantwortlich rnachen. Die Seidenweberei Delfiner ging am 20. Februar 1925 in Betrieb. Ich ivar zugegen, als der erste Stuhl eingestellt wurde. Ich äußerte, als ich 20 Stühle montiert sah, Herrn Delfiner gegenüber, der mich befragte, meine Pessimistischen Ansichten bezüglich des Absatzes, doch war Herr Delfiner Optimist und versprach sich viel vom Exportgeschäft. Zwanzig Stühle erzeugen mindestens 400 Meter Ware pro Tag, so daß das kleine Palästina mit seiner geringen und nicht kaufkräftigen Bevölkerung als ausschließliches Abfatzgcbtet nicht ins Kalkül gezogen werden konnte, da die Araber als Käufer kaum in Frage kommen. Mit dem Export mußte es selbstverständlich so kommen, wie dies jeder Fachmann gleich voraussehen konnte, daß Aegypten und Syrien aus dem nahen Italien und aus Lyon, ihren alten Einkaufsgebieten, sich weiter versorgen werden, da ja das Rohmaterial von Herrn Delfiner aus Italien bezogen werden mußte. Der italienische und.französische Soidenweber hat aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung und Amortisiernng seines Betriebes vor der palästinensischen Weberei die billigere Produktion voraus, ganz abgesehen davon, daß er das Rohmaterial bei der Hand hat, welches nicht durch hohe Frachten, Versicherungen usw. dertmcrt wird. Dazu kommt auch in letzter Reihe der teure Arbeitslohn in Palästina, der aber bei Seide nur 4 Prozent der fertiggestellten Ware ausmacht. ättirz zusammengefaßt, war die Gründung einer Seiden- - Weberei viel zu verfrüht und wird auch so lange in Pasästina nicht rentabel sein, als nicht eine kaufkräftige Bevölkerung im Lande wohnt und das Rohmaterial aus dem Lande gewonnen werden wird. ' Ich stimme daher vollständig mit Herrn Heinrich All a>' gulies in Tel-Awiw überein, daß die frühzeitige Schließung der Seidenweberei ausschließlich in der Person des Unternehiners begründet war. Nachdem sämtliche Stühle erst am 15. Mär; 1925 in Betrieb gesetzt wurden, der Betrieb aber schon Ende Dezember stillgelegt wurde und achteinhalb Monate eine viel zu kurze Zeit sind, um ein neues Unternehmen auf seine Rentabilität zu erkunden, war das Scheitern ausschließlich in der Person des Herrn Delfiner gelegen. Anschauungsunterricht. Der Schaukasten im Jüdischen Museum. — Die versuche der jüdischen Kinderfreunde. — Vorsühmugen in der. Urania. Immer wieder wird der Borwurf laut, daß der jüdische Religionsunterricht in Wien dem Kinde kein Interesse abzugewinnen weiß, und die moderne Unterrichtsmethode unter unseren Religionälchrern keine Anhänger gefunden habe. Tatsächlich aber müht sich. mancher jüngerer Religionslehrer, einen neuen Weg zu finden. Der eine schuf den hebräischen Lesekasten, der andere führte im Neligionsunterricht Handfertigkeit em und die Erzeugnisse seiner kleinen Schüler nehmen in einem eigenen Schaukasten im jüdischen Museum einen Ehrenplatz rin. Dieser und noch andere Lehrer pflegen die Megilloch Esther und Rach im Religionsunterricht von den Kindern aus denk Stegreif dramatisch vortragen zu lassen. ' Noch fehlt aber das Bild im Religionsunterricht. Wir denken selbstverständlich nicht an biblische Darstellungen, wie sie sich in de»», katholischen Neligionslehrbüchern finden, sondern an Abbildungen vou 'Ausgrabungen durch unsere Geschichte geweihter Stätten iu Palästina, der Ausübung religiöser Gebräuche usw. Schon pflegen ztvei Religionslehrer den Schülern, allerdings außerhalb des Religionsunterrichtes, Skioptikonvorträge zu bieten. Der Borkämpse.- aus diesem Gebiete, Lehrer Wilhelm Toch, mühr sich gegenwärtig, und zwar wir es schein:, nicht ohne Erfolg, solche gltettig Moraenzertims 13. Februar 1926 9896 Skioptikonvorträge zun, ständigen Rüstzeug des Religionsunterrichts zu machen und sogar die Urania trägt sich, wie wir ausplaudern können, mit dem Plane, an Sonntagvormittagen mit Httfi von jüdischen Pädagogen, bei gesicherter Besucherzahl. Borttäge für jüdische Kinder zu veranstalten. Den schönsten Versuch auf diesem Gebiete machte wieder der Verein Jüdische Kinderfrcunde, der auf jüdisch-pädagogischem Gebiete immer bestrebt ist, allen voran zu gehen. Schon fanden Palästinafilmvorsühr ingen für die kleinen Schützlinge diese: Bereinigung statt uns es war entzückend, mit welch begeistertem Interesse die Kinder besonders die Bilder aufnahmen, welche Waisenkinder in Palästina bei Spiel und Schulung, jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen bei der Arbeit vorführten. Anschau ing begehrt das Kind. Wo wir ihm diese nicht int Leben selbst bieten können, muß das möglichst lebensvolle Bild einsetzen. S. A. Sroßsener iu Sttakriog. In der Jarbwaren- und chrmischen Prcduktenfabrik Hans Wunder, Ottakringerstraße 28, hat gestern vormittags ein Brand gewütet, der beträchtlichen Schaden stiftete. In der sogenannten Harzsiederei des Betriebes sollte gestern ein erst kürzlich dort ausgestellter neuer Kesiel ausprobiert werden. Es scheint nun, daß die Dichtung nicht ganz zuverlässig war, so daß kochendes Leinöl aus dem Kessel tropfen konnte. Es entzündete sich und die Flammen, griffen auch auf einen Schupfen über. Auch einm! im Hofe gelegenen Magazin, in dem sich feuergefährliche Waren befanden, drohte Gefahr. Doch konnte die Feuerwehr die Gefahr bannen und den Brand bald löschen. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Fünfte blau-weiße Hakoah-Nedoutr. E Morgen Sonntag den 14. d. um 9 Uhr abends, in den Sälen der Hofburg, fünfte blau-weiße Hakoah-Redonte. Große Damenschönheitskonkurrenz, Damenspende: Ausnahmen A-clier „Gertrud". Danien: Abendtoilette oder Kostüm, Maske erwünscht; Herren: Frack oder Smoking. Vorverkauf: (8 Schilling) Sekretariat, 1. Bez., Wippli'iugerstraße 21, Tel. 1,8.109; Kehleudvner. 1. Bez., Krugeüstraße 3; Aida, 2. Bez., Taborstraße 5: Sporthaus Lazar, 9. Bez., Kolingasse 13, und bei allen Sektionen der Hakoah Abendkasse 10 Sch:Urng. zwuMche Parteisteurr. 3. Ausweis des Zionistischen L a n d e r k o m i t e e s jener Gesinnungsgenossen, die Parteisteuer für das Jahr 1926 geleistet haben: Sabine Abeles, Markus Boxer, Dr. Arnold Brod, Solomon Berglas, Gisa Braunstein, Dr. Hermann Ebner, Ernst Frager, Ing. Josef Fischmann, Dr. Arnold Grätzer, Sara Gelber. N. Hirschhorn, Georg Hellwing, Alfred Kollek, Direktor Dr. Viktor Kellner, .Frau - Kellner, Max Kunz, David Koffler, Dr. Alois Lustig, Dr. Isidor Margulies, David Neumann, Rudolfine Neumann, Saul Oppermann, Fräulein . Perlberger, Josef PohorileS, Gisa NeichSfeld, N. Rottenberg, Ing. Hans Sobelsohn, Frau Sobelsohn, Max Schattner, Dr. Albert Scharf, Frau Scharf. Dr. Marek Scherlag, Samuel Thorn, Salomea Taubes, Löbl Taubes, Frau Ungar, Josef Weiß, Mechel Zipper. Wien, 13. Februar. * Das Wett«. In Oesterreich ist das Wetter trüb, gestern abends war es etwas kühler. Die Voraussage meldet keine wesentliche Aenderung. * Ein unbekanuler Selbstmörder im Hotel. Im Hotel Lenz in der Leopoldsgasse wurde am 8. b. ein.Mann erhängt aufgefunden. Es wurde Selbstmord fostgestellt. Im Fremdenbuch hatte sich der Mann als der 67jährige Kaufmann Rudolf Meller, zu Wiener-Neustad: geboren und dort wohnhaft, gemeldet. Nachforschungen in Wiener-Neustadt hatten dein Ergebnis zur Feststellung der Person. * Doppelselbsimord eines Ehepaares. Tor 56jährige Private Adolf S t u m m v o l l und seine Gattin wurden in ihrer Wohnung in der Piesendorferstraße tot aufgefunden. Es dürfte sich um Selbstmord durch Gas aus Notlage handeln. * Die Kindesleiche unter der Asche. Die 23jähriae Hausgchilfin Anna Schindl, in der Sebmtian-Kneipp-Gasse 3 bedienstet, wurde wegen Gchurtsverheimlichung angezeigt. Sie gab zu, vor etwa drei Wochen ein Mädchen zur Welt gebracht zu haben. Sie will das Kind gleich nach der Geburt am Halse gefaßt und möglichertveise dadurch erwürgt haben. Sie gab ferner an, daß sie am nächsten Tag das Kind in den Keller getragen und dort unter Asche und Abfällen versteckt habe. Tatsächlich wurde die Lerche im Keller gesundest. Die Schindl wird dem Landesgerichte eingeliesert werden. * Verhaftete Betrüger. Gestern mittags wurde in einem hiesigen Stadthotel der 12jährige, zu Jassy geborene Kaufmann- Leo Pol.inger angchalten. Er wird von der Polizeibehörde in Czernorvitz wegen Betruges mi: einer Dchadenssumme von 90.000 Lei (etwa 23.000 Schilling) verfoßjt. Er sucht seine Sache ganz harmlos darzustellen. Er war angeblich Direktor einer Petroleumraffinerie und wollte mit mehreren Teilhabern eine neue Gesellschaft gründe,!, wozu er vevschiebene Darlehen ausgenommen habe: Er wurde gestern dem Landesgerichte eingeliefert. — Der 29jähriae Handelsagent Ernst Abraham, in der Ausstellungsstraße wohnhaft, wurde wegen größerer.Kredi:- .lchwinde leien verhaftet. Er machte bei Firmen größere Bestellungen, die er schuldig blieb und verkaufte bann die Waren größtenteils unter dem Einkaufspreis. Soweit bisher festgestellt wurde, beträgt der Schaden aus den Machenschaften 18.000 Schilling. * Ein Lebenszeichen nach 12 Jahren. Aus Gaas (Burgenland) wild uns gemeldet: Der landwirtschaftliche Hilfsarbeiter Toth diente im Kriege bei einem Sappeurbataillon und geriet am 17. Mar 1915 bri Lublin in russische Gefangenschaft./Da Toth seit 1915 keinerlei Nachrichten gab, wurde er als vermißt erklärt und in der Gedenktafel des Kriegerdenkmales eingetragen. Kürzlich langte jedoch an seine in Gags wchnende SHvester ein vom 16. Dezember 1928 datiertes Schreiben ein, in welchen!?r mitteilt, daß er gesund ist und daß es ihm in Rußland gut M. * Wgemüso aus Palästina. Heute gckanat ftt der Wiener Großmarkthalle ^,m erstenmal palästinensisches Früh-- gemüse, zum Verkauf. Es ist ein Waggon Blumenkohl am* angt. Dreier Blumenkohl wurde von Fachlerrten als erstklasswe Ware anerkannt, die ihresgleichen in keinem anderen Lande tat, weder m Italien noch in Holland, und zwar sowohl bezüglich der Große als auch der Konsistenz. Die Riesenköpfe haben ein durch- ,chnit:lrches Gewicht von 3 Kilogramm. Trotzdem ist der Preis oiescs palästinensischen Blumenkohls nicht hcher als der hüsvge Marktpreis. Die kleine Quantität, für die sich ein sehr reges Intereise beim Publikum zeigt, ist bei Fröhlich, Großmarkthalle S, zu haben. * Motorradrennen auf rotierender Manege. Eine Zirkus lerffation ersten Ranges ist das Motorradrennen auf rotierender Manege im Zikus Hagenbrck. das in das ohnehin an Sensationen wiche Februarpragramm eingeroiht wurde. Atembeklemmenb, nervcnanjpcitschend, aber dennoch immer sttirmischen Beifall aus- Io,env. Selbstverständlich, daß die spezifisch Hagenbeckschen Nummern. wie das einzigartige Pferdematerial, von Meister Petoletti vorgeführt, und die Raubtierdrcssuren von Haupt und Mölker, Staunen und Bewunderung erregen. * Linie der elektrischen Stadtbahn. Am Sonntag werden auf der Wiener elektrischen Stadtbahn außer den Zügen dcr Limen ,DG" und „GD" noch Züge der Linie „G" über den Gürtel zwischen H ü t t e>ldor s und He i ligen stad t von 12 bis 19 Uhr verkchren. * Das Zionistische Laudeskomitee teilt mit, daß Mtüvoch den 17. d., 7 Uhr abends, int Zionistischen Landeskomitee, 1. Bez„ Karntnerstraße 28, eine Sitzung der Obmänner der Zionistischen Bezirkssektionen ilrid Sonderverbände stattfindet. . * Klub radikaler Zionisten in Oesterreich. Bei der an: 18 Jänner abgehaltenen Generalvelsamnmmg und der hierauf stattgefundenen konstituierenden Sitznagwurden nachstehende Personen gewählt: Oberbaurat Stricker, Obmann; Dr. I. W a l d m a n n, Obmannsteltvertreter; Zwt W t e s e l b e r g. Obmannstellverlreter; Peiiach Wühl, Schriftführer; Naftali S ch e r z e r. Kassier; Ausschußmitglieder r ChaSkel E d e r e r, Hans K a n d t, Samuel K a n t o r, Dr. Friedrich K i n d l e r, Rudolf K l u m a k, David Koffler, Moritz N t w e s, MoseS Oberweger, Gemeinderat Dr. Leopold P l a s chk e s, Salomon R o k e a ch und Dr. David Taubes. Zuschriften sind zu richten an Robert Stricker, Wien, 9. Bez., Universitätsstraße 6—8. * Der amerikanische Telephonrekord. Die Vereinigten Staaten besitzen gegenwärtig die tveitaus meisten Telepyonanschlüsse. Es gibt dort deren 16 Millionen, also 131 auf je 1000 Einwohner, während der Mittelwert in Europa nur 12 Telephone auf 1000 Einwohner beträgt. Die telephonveichste Stadt der Welt ist Atlautie City in New Jersey mit 336 Anschlüssen, auf 1000 Einwohner; dann folgt San Francisko mit 259, Chikago mit 238, Boston mit 222. In dieser Telephonstatistik Nordamerikas steht New-Aork erst an 43. Stelle und doch hat es immer noch mehr Anschlüsse als Paris, London, Rom, Brüssel, Liverpool und Schanghai zusammen. Kunst. Bühne, Buch. „Veronika." Denlsches Volkstheater. Wenn Hans Müller als Schauspieler auftrrtt, ist war» entwaffnet. Man sieht ihn um seine Rolle so aufrichviig und linkffch benM)t, die Augen blicken so treuherzig und gütig — daß man weich wird. Er trat diesmal auch als Schauspieler auf. Im vierten Akt. Vocher hatte sich stärkstes Unbehagen über das Opus des Autors angesammelt. Dann hals der Schauspieler dem Dichter. Er spielte einen Staatsanwalt und war der Ex offo-Verteidiger seines Werkes. Heute freilich, nach dom guten Ausgang des Prozesses — seine Veronika" wurde freigesprochen — ist man von weniger Milde gostimnlt und ivendet sich wieder unvoreingenommen dieser Uraufführung zn. & .Hart stoßen die Charaktere ancmander, in der Welt, dir Hans Ätüller auf die Bretter stellt. Da ist die kreuzbrave, seelensgute, aschblonde Pflegerin Beroncka und da ist das perfide, herzlose, verlogene, mit den Männern spielende Stubeumädchen Pauli. Gut und Böse hat der Stückeuiacher in gleichem Ausmaß aus Kivei Figuren verteilt. Angesichts solcher Schwarz- Weiß-Technik streicht der Kritiker die Segel. Was diese und andere Geschöpfe Hans Müllers sprechen, nimmt sich aus, wie die Sätze, lvelche den Karikaturen des „blauen Morgen",^ auf Papievstreifen geschrieben, aus dem Munde hängen. Pauli, das Luder, feiert Geburtstag, ihr Tisch ist mit Geschenke!! von Verehrern über-laden. Veronika tritt ein, und Pauli, das Luder, sagt ihr alsogleich: „Du kannst nebst deiner Arbeit heut' auch noch für mich die Fenster und Klinken putzen". Hans Müllevsche Schwarz-Weiß-Tcchnik. Ein Apothekergehilfe, in das Stubenmädchen Pauli bis über die Ohren verliebt, bringt ihr zum Geburtstag eine Torte. Pauli aber will Wertvolleres. Nämlich das Kettchen nkit denk Amulett, welches Veronika ererbt von ihren Vätern hat und ain Hälfe trägt. Rasch spinnt sich verruchtes Intrigenspiel ait. Die Veronika liebt den Apothekergehilfen mit ebenso herzinnigen! wie aussichtslosem Schnen. Das Luder Pauli veranlaßt deu biederen Jungen gleich in der Exposittonsjizene, die Veronika zmn Heurigen einzuladen, ihr das Kettchen zu stehlen und es dem Luder Pmli zu bringen. Dasi'lr wird Liebeslohn in Aussicht gestellt. Und nun vollzicht sich die Kriminalaffäre. Die Veronika geht zunr Heurigen — eimnät tvill sie lebe», einmal tanzen — (die Pauli kommt auch hin, aber mit einem anderen), dcr Apothekergohilse stiehlt das Kettchen, Veronika kommt erst frühmorgens in das Kinderspital zurück. Mit schwerer Schuld beladen, denn, weil sie nicht zur Stelle ivar, ist ein Kindleiu gestorben, den: sie -doch im ersten M so rührend Märchen erzählte. Iu der Gerichtsszene aber stürzt aus dem Zuschauerraum ein Ätaru! vor die Schrankerl des Gerichtes utld llärt alles auf. Veronika wird freigesprochen, der Apothekergehilfe sinkt vor ihr in die Knie, die Liebe des reinen Geschöpfes hat ihn bezwungen. Veronika, die Schmerzensreiche, heftet einen Hellen Blick an den Theaterhiinrnel, denn sie fühlt sich Mutter, und ein Literat gab ' ihr ein, zu erlernten, daß jenes Kind, das durch Hve SchM starb, ersetzt ist durch das andere, welches unter ihrem Herzen gedeiht.. Das Gute siegt, das Böse aber, durch hie fesche PaM - verkörpert, mtterliegt»

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