Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1926-02-13 · Heft 2506 (13.2.1926) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2506 (13.2.1926)
Date
1926-02-13
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2981549-2981593--25544-3013198
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

^Me.UW MAOmSW Tagesbericht. AlijSbische Weisheit. $St §J« «Miener Morgenze»tung" »<ch *«« Quellen bearbeitet Avbeit. Rabbi Jvtzia sagt: Lernt ein Mensch nur Mi Regeln am Morgen und zwei Regeln am Abend und befaßt sich den ganzen Tag mit seiner Arbeit — er gilt, als hätte « tüe ganze Thorg cr Wlt. * Daß Verdienst der Arbeit nimmt einen Sfattfl dtt, der dem Bmdienst der Ahnen niemals zukonunen kann. , * Wenn der Mensch vor Gavbat nicht vorbereitet, was luirb er Sm Sabbat essen? Uttb wenn der Mersch nicht m der warmen Jahreszeit Pflügt stt und erntet, was kann er w den Regentagen Hen? Verkaufe dich eher einer dir fremden Arbeit» als daß du »an «öderen Wof«» abhängst. Steigers Ankunft in Wien. Herzlicher Empfang auf dem Oftbahnhof. Um halb 12 Uhr soll der Zug kommen, der StaniS.'auS Steiger und seine Braut nach Wien bringt. Lange Zeit vorher schon herrscht aufgeregtes Durcheinander von Studenten. Einige in Fachen. Dann wieder ältere Herren und Damen mit Blumensträußen, die rs vor Aufregung kaum erwarten können. Zeitungsrcporter und Photographen sind schußbereit. Bleistift« werden gezückt, Apparate eingestellt. Pünklich läuft der Zug ein. In einem der letzten Waggons sicht man ein bekanntes Gesicht. Nur wenige kennen Steigcr persönlich und allen ist es, als erwarten sie ihren besten Freund. Aus Zeitungsabbildungen sind jedem seine Züge vertraut, aus Zeitungsartikeln und Interviews kennt man die kleinsten DtailS feines noch kurzen, aber doch schon jchicksaisreichen LrbenS. Nur etwas paßt nicht ins Konzcpt, irgend etwas ist anders, als eS sich in der Vorstellung spiegelt. Die Hornbrille fchlt. Steiger trogt einen uneingefaßten Zwicker. Er will von drr schwarzen Hornbrille, die ihm so übel mitHSfpielt hatte, nichts mchr wissen. Ein Quentchen Aberglaube steckt auch in dem gläubigsten Menschen. Unter Schalem« und Hochrufen verläßt Steiger das Coupe «nd hinter ihm wird seine Braut sichtbar. Er ist größer und stärker als man erwartet ha:, eine kraftvolle Gestalt mit energischen Zügen. Seine gesunde Konstitution ist ihm wahrlich zustatten gekommen. Aeußerlich merkt man ihm seine ausgestandenen Seiten nicht mchr an. Er hat einen vierwöchigen Kuraufenthalt in der Nähe Warschaus hinter sich. Nur später, als er den Zeitungsfenten Rede und Antwort stehen muß, verrät er über den Zweck seiner.Reise: „Meine Nerven sind schadhaft geworden, ich muß einen Spezialisten konsultieren." Seine Braut, Fräulein Josefa Mark, eine hübsche junge Dame in Trauer (ihr Vater ist vor kurzem gestorben), weicht keinen Schritt von seiner Seite. Man fühlt, ein Teil der Ovationen ist auch auf sie gemünzt, die ihrem Bräutigam während der langen Zeit seiner Leiben als Trösterin zur Seite stand. Leise verrät sie: „Wir werden bald Hochzeit feiern." Und dabei leuchten ihre Augen ganz sonderbar. Die Ver- Ivandten stürzen auf das Paar zu, küssen sie ab, schier endlos, als wollten sie nichts mchr von ihnen übrig lassen. Die Begrüßungsredner, die sich in Positur stellen wollten, um ihre Reden zu schwingen, kommen dabei zu kurz. Die gehen einzekweise zu drm Gast, drücken chm herzlich die Hand und heißen ihn willkommen. Der ganze Empfang ist für große Reden viel zu herzlich. Es ist das Wiedersehen, mit einem schon totgesagten Bruder. Da ist für weitschweifige Reden kein Platz, da gibt es nur Blumen, Küsse, Umarmungen und Tränen der Freude. Lange dauert es, bis Steigrr allen, die gekommen waren, um chn zu begrüßen, die Hand drücken uub für den herzlichen Empfang danker» konnte. Endlich hat er sich durch den Perron in die Wartchalle geschlängelt, da harrt feiner schon die hochnotpeinliche Inquisition durch Interviewer. Steiger läßt alle Fragen ruhig über sich ergehen. Er ist gut gefahren, hat gut gegessen, weiß nicht, wie lange er hier bleibt, auch noch nicht, wo er wchnen wird, was er weiter zu tun gedenkt, tvchin er nachher fahren wird, kurz er weiß gar nichts und wünscht nichts schnlicher, als den berufsmäßigen Reugierdcheuchlern zu entfliehe»:. Draußen märtet schon ein Auw, welches dar Paar aufnchmer» soll. Bor dem Einsteigen müssen sw noch einmal freundlich dreinschauen. Auch diese Prozedur lassen sw ruhig über sich ergehe»,. Dann aber besteige»» sie mit ihren Angehörigen das Auw und fahren unter Jubel der EmpfangSgäste. denen sich auch viele Neugierige anschließen, davon. R. S. Bogvützungsa-beird für Steiger. Dienstag den 16. Februar findet in den Olympiasälen. 1 Bcz., Rotgasse 1, ein Begrüßungsabend zu Ehren Stanislaus Steigers [tat. Weq-n des beschränkten Raumes können nur Personen mit Einladungen zugelassen »verden. Derartige Karte»» 'mv am Scha'wr der .Wiener M>rger»zeitnng" erhältlich. D?r Begrüßungsabend beginnt präzise 8 Uhr abends Kenn'yaieffov'Mkon. Di» österreichische Äerrn-Hajesiod-Kommiss'on veranstaltet wor-«n Sonntag -io folgende» Filmvorführungen» 1. 4. Be»., Favoritenstratze 81 (Eck- Möllwaldplotz), SBieb* uer Bürger-Kino V«tt Uhr vormittags, »Der jüotsche Pipnier". Ansprache r Dr Otto Abele» 2. V. Be». Liechtensteinstraße 37. Flieger-Kino. '/,U Uhr vormittag», ,D«S Land der Verheißung". Ansprache: Lea Sevdrotvie». Wltmt WfottßmutWum n. grtront fla»WM Si non e vero .... Eine Herbert-Samnel-Anekdote. Me gemeldet, beabsichtigen der gewesen« Obrrkommissär von Erez Israel, Sir Herbert Samuel urw seine Gemahlin, schon in kurzer Zeit nach Erez Israel zu übersiedeln, um sich dort, wie er es seinerzeit versprochen hatte, alz Privatmann anzustedeln. Die geschäftigen Anekdoten- und Legendendichter, die sich schon längst der Person des „ersten jüdischen Gouverneurs von Erez Israel" bemächtigten, waren offenbar auch bei Entstchung der jetzt in London und Erez Israel viel belachten Anewote am Werke. Herbert Samuel und Frau fahren binnen kurzem nach Erez Israel. Schon vor drei Monaten habe nun Herbert Samuel, der wchrscheinlich die schleppende Erledigung von AuSwandernngsgesuchen kennt, um ein Paßvisum für sich m»d seine Frau angesucht, ater der Kolonialministcr A m: r y habe die Herausgabe des Visums mi: der Begründung verweigert, daß es von Samuel nicht schr taktvoll sei, daß er, der in Erez Israel die höchste Regierungsstelle bekleidet habe, sich jetzt als Privatmann im selben Lande niederlassen wolle. Als U s s i s ch k i n jüngst in London war und den gewesenen Oberkommissär besuchte, habe sich nun dieser wegen seiner Paßschwierigkeiten beklagt, worauf Ussischkin in seiner robusten Art schmunzelnd gesagt habe: „Das schadet nichts, Dir Herbert! Jetzt wissen Sie wenigstens auch, wie es schmeckt, »venn einem Chaluz das Visum nach Erez Israel verweigert wird ..." Ist es auch nicht wahr, so ist es doch gut erfunden . . . 8kn neue» amerikanische« Rieienlnstkchlff. Wie aus New Nork gemeldet wird, baut mau zurzeit in Amerika ein Luftschiff, das den Atlantischen Ozean in zwei Tagen überfliegen könne. Es werde 255 Meter lang sein und dreimal mehr Gas enthalten als der „Thenandoah". Es tveroe den Namen „G o o d AearZeppelin Nr. 1" erhalten. In Fricdenszeilen könne es 100 Reisende transportieren und im Kriege 20 Flugzeuge verproviantieren. SBBBBBBBBBBBBSBBBBBBBBBBaBflBBBBBflBBBI 5 Von den landwirtschaftlichen Genossenschaften B is! heute der S erste Waggon Blumenkohl PALÄSTINA angelangt Lsgiaiivcuuuu ütaiiu // «>ivpivu BBBBBBBBBBBBBBBBIBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBB. Wien, II. Taborstrasse 8 a Stadtzentrum * 150 neu eingerichtete Zimmer » Zentral« heizung, kalt- und warmflicssendes Wasser, Telephone, Lift, Caiä-Reslauiant » Preise von 8 5.— aufw., . aufleute 10*/0 Rabatt. 665 HOTEL CENTRAL Gegr. I8M Älteste» Gegr. 1884 Wiener Restaurant KRZIWANCK Kieiivoiter HSIidie» ***** BERLIN NW 7 Frledrichstraue — Ecke MittelstraBe 87/98, I. Nur eine Treppe Vorzügliche echt österreichische Küche, Pilsner Urquell, österreichische und deutsche Weine. Bürgerliche Preise Dienstag den 16. Februar Ehrenabend: Frau Weißberg—Herr Sigail JÜDISCHES KÜNSTLERKABARETT II.» Praterslrasie 00 ✓ Leiter: M»x Streng Heute und morgen yt9 Uhr abends Komödie -mit Gesang ^jiiiiiiiuüiuiiuiimiiimitimtiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiitiitiukuiiiiiufiiiii^. | VORANZEIGE! g ü Die zionistische Frauengruppe Landstrasse veranstaltet 3 g Samstag den 20. Februar 192b im Cafe „Lovrana", S jg HL, löwengasse 36, eine || 1 Akademie mit Tanz I H unter Mitwirkung hervorragender Kunstklüfte g| S Entree S 2.— los Bsginn 8 Uhr g ^llll|l|llllillillllllllllllllllilinilllillllllllllllllllll|)IIUIII»lllllllllllllllllllllllllHlllllllllt^ Zionistische Bezirksgruppe Leopoldstadt (Frauengruppe) Heute Samstag den 75. Februar um 8 Uhr abends im Cafe Bürger, 1I„ Praterstrasse Akademie mit Tanz R. Löwit Veriag/Wien-Leipzig In Vorbereitung« n f Besuch in Erez Israel Ein Tagebuch von Otto Abeies REICH ILLUSTRIERT Der jüdische Finanzroman von Lion Feuchtwanger Jud SQß 610 Seiten Preis broschiert 8 10, gebunden 8 12 der große Bueherfolg Erstens, weil die dargestellte Epoche der unstigen so täuschend ähnlich sieht; Zweitens» weil der Roman spannend von der ersten bis «rr letzten Seite ist; Drittens, well „Jud Süß* ein Werk ist, dass als Baustein der epischen Darstellung der jüdischen Diasporagesch eilte sicherlich auch für >- pätere Generationen von grosser Bedeutung bleiben wird. Buchhandlung R. Löwit, Wien I., Fleischmarkt 1 Rötenturmstrasse 22 Francas Rückflug über den Szran. Aus Pari» wich gemeldet: „Petit Parisien" veröffentlicht ein Interview mir dem Führer der spanischen Südamerikaflieger Franco, der unter ariderem erklärte: Ich beabsichtige, an der Küste des Pazifischen Ozeans entlang.zurückzukehren. Wir werden die Cordilleien an 1560 Meter überfliegen und dann über Chile, Peru, Guatemala, Kuba, dle Bereinigten Staaten'und die Azoren heinckchren. Allcchings erwarte ich hic^zu noch die Evlaubnis -er mi.itärischen Vorgesetzten. gfo Kardinal gegen da« Prohibitionsgesetz. Aus New-Aork melde» die Töl.-Komp.: Der Erzbischof von Boswn, Kardinal O'Connell, veröffentlicht nameits des katholischen Episkopats der Vereinigten Staaten eine Erklärung, in der er das Prohibitionsgesetz scharf verurteilt. Der Kachinal bezeichnet das Bolstead-Gefetz mit seinem absoluten AlkchÄverbot als im Widerspruche mit der Tradition der katholischen Kirche stehend. Es sei zu loben, wenn die Menschen sich freiwillig des Alkoholgenusfes enthalte»», doch verstoße die gesetzlich erzwungene Abstinenz durchaus gegen den Geist der Bibel. Di« Erklärung des Kardinals har in den Vereinigten Staaten großes Aussehen heriprgerusen. »hi sauberer Untersuchungsrichter. Der Klagenfurter Uebcrfall auf «inen blinden Kriegskrüppel. Wie berichtet, überfielen während des Invalidenkongresses in Klagenfurt Hakenkreuzler invalide Kongreßteilnehrner mit Knütteln und beschimpfteil sie in rohester Weise. Der an beiden Augen erbliilde t e Delegierte, Leutnant Hirsch, dem überdies beide Hände fehlen, wurde von den Strolchen tätlich angegriffen. Unter der Hakenkreuzlerbande befand sich auch ein gewisse» Dit t r i ch,-. ber die Rohlinge noch zu Gewalttaten auf hetzte. Die Polizei, die einige Verhaftungen vornahm, versprach eine strenge Untersuchung einzuleiten. Wie nun der Grazer „Arbeiterwille" erfahr!, ist der erwähnte D i t t r i ch, der an dem Ueberfall auf die Invaliden aktiv teilgenommen hat, Untersuchungsrichter beim Klagenfurter Landesgericht. zionistischer Parteirat. Das Zionistische Landeskomitee teilt mit: Di« Sitzung deß Parteirate - findet Montag den 15. d., halb 8 Uhr abeM, im Klnüheim der Hakoah, 1. Dez., Wipplivgerstraße stotL

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.