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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-13 · Heft 2506 (13.2.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2506 (13.2.1926)
Date
1926-02-13
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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GkrK f MU *■—»»— -- Planes und ergrmliche Leiter ist verloßlichm Berichten zusvlge der Leiter der Operationsabteilung im KrigSministevium Oberst Fischer. Er hat die Hauptrolle be; den Fäffchunyen und der Orgvnisierung des Betriebes gespielt. Sehr bezeichnend ist, daß Mich bi« Polizeibeamte«, die die Untersuchung der Affäre nunmehr leite«, fast durchivegs Mitglieder der Organisation sind, so der Richter Pauly, der nach Holland gesendet worden war; mehrere dicker Männer sind im Verzeichnis als „Bitez" (Helden) enthalten, das sind jene Mitglieder, die vom Reichsverweser wegen ihres Verhaltens während des Krieges und des weißen Terrors zu Helden geschlagen worden sind, und dafür auch Grund und Boden erhalten habe«. Der „Brüderliche Verband", die ungarische geheime Hiitzenorganisation, wird folgendermaßen geleitet: Präsident Perenyi; geschästsfichrender Direktor Arpad G a l o c z y; Ludwig Fischer. Oberst und Chef der Operationsarbeiten im Kriegsministerimn; Jul. G ö m b o s, Abgeordneter, ehemaliger Hauptmann; Siegmund E n d r e, Abgeordneter; Desider K ov a c i c s, Obergespan und Regierungskommisiär für Hochtvasfer; Alexander Mandoky, Feldgeistlicher; Nikolaus Majtenhi, Direktor der Rafferrschützlerpartei; Vizepräsident des Nationalen Verbandes Oberst Gyorgey; Feldbischvf Zadravecz; N l a i n; Untersuchungsrichter Paulay und viele andere. Französische Mättevsiimmen. Paris, 12. Februar. Die Blätter kommentieren das im ^Vorwärts" erschienene Dokument über die Beteiligung der nationalistischen Geheimorganisationen an der Budapest Fälfchungsaffäre. Die Blätter schließen aus dem Dokument, daß die nationalen Geheimverbände überhaupt die Anstifter des Komplotts sind, das in der Hauptsache gegen den französischen Franken gerichtet war. „Petit Parisien" schreibt dazu: Besonders auffallend ist die Tatsache, daß die Hauptangeklagten in der Fälschungsafsäre Mitglieder der verschiedensten Geheim der bände waren, der Gehermvertände, welche überhaupt nur das Ziel verfolgen, die jetzigen Verhältnisse und die bestehenden Berttäge in Europa umzuwerfen und den Frieden d« Welt zu gefordert. Deutsche Beamte in Paris. Berlin, 12. Februar. Das „Berliner Tageblatt" meldet, daß Ministerialdirektor Ab egg vom preußischen Ministerium des Innern in Paris weilt, um mit den dortigen, amtlichen Stellen wegen der Frankenfälschungsaffäre, deren Fäden nach französischer Behauptung auch nach Deutschland führen sollen, Fühlung zu nehmen. Wie das Blatt weiter hört, begibt sich heute abends der Chef der Berliner Kriminalpolizei, Regierungsdirektor Dr. Weiß, gleichfalls nach Paris, um an den dortigen Besprechungen teitzunehmen. Die Reise der Hetzen deutschen Beamten soll außerdem den Zweck eines engeren Kontaktes mit der Pariser Kriminalpolizei m allen kriminalistischen Ungelegenheiten haben. Die Rolle des Faszismns. London, 12. Februar. (Tel.-Komp.) Ueber den Zusammenhang der sadistischen Bewegung und den Vorgängen i» Ungarn bringen die „Daily News" folgende sensationelle Enthüllungen: I« Rom besteht ein Bureau für internationale Beziehungen mit einem Stabe von 150 Mitarbeitern, die aber im Budget des italienischen Auswärtigen Amtes nicht geführt werden und an deren Spitze der Reffe des Kardinals Gasparri steht. Dieser hat fich im Jahre 1923 nach Ungarn begaben, um milden Erwachenden Ungarn Fühlung zu nehmen. Man versuchte, den Grafen Apponyi für eine Kandidatur des Erzherzogs Albrecht zu gewinnen, unter Hinweis darauf, daß M u f f o l i n i mit der Thronbesteigung des Erzherzogs einverstanden sei. Es Wurde ein Plan ausgestellt, die Republik in Oesterreich z« stürzen u»d an ihre Stelle ein faszistisches Regime unter ungarischer und italienischer Führung zu setzen. Ein Vertreter Poincares nahm an dieser Bndapester Konferenz teil und trat für einen A «s st a « d t» Bayer« mit gleichzeitiger Unabhängigkeltserklärnng vom Reiche ein. Die Tatsache, daß der ungarische Faszistensührer Nlain und Erzhtttzog Albrecht «och einige Wochen vor der Aufdeckung der BanknotenfSlschnngen in Rom tägl'ch Unterredungen mit Mussolini hatte», wirst ei« neues Licht auf diese Affäre. I« diesen Besprechungen ist die Mögliche keit italienischer Drohungen an die Tschechoslowakei und Südstawien erörtert worde«, falls sich diese Länder einwischen sollten. Durch die Ansdeckung des Banknotenfchwindels ist d e r ganzePlan M u s f o l i«i s zu Schanden geworden. In seiner jüngsten scharfen Rede habe er, so sage« „Daily News", nur seinen Aerger arrslass«« wolle«. Falschmünzer ia Dresden. Dresden, 12. Februar. (Tel.-Äomp.) Die Polizei hat eine Faljchmünzerwerkstätte ausgehoben, die falsche 20-Mark- Noten herstellte. Die falschen Scheine wurden, um die Spur ihres .Herstellungsortes zu verwischen, zuerst nach Breslau gebracht und dann in Düsseldorf in Berkchr. gesetzt. Es gelang den Falschmünzern aber nur, 120 falsche Noten auszugeben, von denen 59 bereits wieder zuftandegsbracht wurden. Meszaros uttfi seine Helfer. DE« Fälscherfavvlk ln WetzelSdors fei Grnz. Wie berichtet, hat vorgestern im parlamentarischen Untersüchungsausschuß des ungarischen Abgeordnetenhauses der Ministerpräsident Graf B'eihlen sehr eingehende Mitteilungen über die Fälschungen tschechischer Fünfhundertkronennoten durch den Universität-Professor MeszaroS und seine Genossen gemacht. Er hat erklärt, daß die Fälscher eine gewisse Unterstützung durch den Landeshauptmann von Steiermark, Dr. Rüttele«, den Präsidenten der Wiener und der Grazer „Ravag", gefunden haben. Dieser Erzählung trat gestern der Wiener Polizeipräsident Dr. Schober, der zur kritischen Zeit Bundeskanzler war, in einer Erklärung entgegen, in tvelcher er die Behauptungen Bethlens bestreitet. (Wir haben sie gestern mitgeteilt.) Nun zitiert die „Arbeiter-Zeitung" einen im „Grazer Arbeitenvillen" am 3. Juni INI veröffentlichten Bericht. Danach wäre damals ein gewisser Walch, ein untergeordnetes Organ der Grazer Polizei, beim Verkauf gefälschter Tschechenkronen in Spielfeld verhaftet worden. Er habe gestanden, daß er „ü b tz r Ä u f t r a g" diese falschen Noten in der Steirer- Bank bei einem Bankangestelltett namens Huber abgeholt und übernommen habe; offenbar habe man geglaubt, die falschen Noten in dem kleinen One Spielfeld leichter an den Mann bringen zu können als bei Grazer Bankstellen. Dom sicht jedoch die damalige Erklärung der Grazer Polizeidirektion entgegen, wonach es sich um ein Valutengeschäft des Huber mit Tschechenkronen, aber nicht mit gefälschten, sondern mit echten, handelte. Das Grazer sozialdemokratische Blatt kommt gestern ebenfalls auf seinen damals veröffentlichten Bericht zurück und verweist unter anderem aus die jetzt bekannt gewogene 'Herstellung der falschen Tschechenkronen in Wetzelsdorf bei Graz im Ich« 1921 tu der alten Lithographie Rohr, die die Druckereikonzeffion unter Umgehung aller Instanzen vom Landeshauptmann erhalten habe; auf den zu gleicher Zeit in Spielfeld in flagranti beim Umwechseln falscher tschechischer Banknoten erwischten Walch, der übrigens ebenso ein warmes Plätzchen bei der „Steweag" erhalten habe wie.der Herr Huber, der Ansager bei der „Ravag" in Graz, nachdem er vorher dom Walch die Pakete falscher Danknoten übergeben hatte. Erklärungen des Landeshnnfemnnns Rintelen. Im Grazer Landtag richteten gestern die Sozialdemokraten durch den Landesrat Mach old eine dringliche Anfrage an den Landeshauptmann Dr. R i n t e l e n» in der die Enthüllungen Bethlens und des „Arbeiterwillen" besprochen wurden. Der Landeshauptmann antwortete in einer Erklärung, in der er sich gegen die Mitteilungen Bethlens wandte. Er sagte: . . Dazu kommt noch, daß ich eigentlich n ich t we iß, wer die angeblichen Erhebungen im Jahre 1921 in Ungarn gepflogen hat, ob es nicht vielleicht ArntsvMne waten, die in diese Sache selbst verwickelt waren und daher ein Interesse daran hatten, die Erhebungen in eine bestimmte Richtung zu bringen. Jchkann das Gefühl nicht los werden, daß bei der Behandlung dieser Sache in Budapest überhaupt das Bestreben vorgewalt'et hat, für die vorliegende Angelegenheit aus naheliegenden Gründen eine möglichst breite Basis zu finden. Daher kann ich mich schon aus diesem Grunde nicht über den Wert der GruMagen der behaupteten Aeußerungen aussprechen, weil mir eben ohne Kenntnis der Personen, die solche Erhebungen gepflogen haben sollen, die Tendenz nicht erkennbar ist, warum diese seinerzeitigen Echebungen in diese Richtung gebracht worden sind. JchkanndahernurmitallerEntschiedenheit dagegen Einspruch erheben." Der Landeshauptmann besprach dann den Fall Huber und Walch und wies darauf hin, daß nach den Polizeiberichten die von einem Sachverständigen überprüften beanständeten tschechischen Banknoten für echt befunden wurden. Andere Fälle von Fälschungen tschechischer Kronennoten waren damals der Polizei nicht bekannt. Umfragen bei den Banken hatten ein negatives Ergebnis, weshalb d i e E i n st e l l u n g d e s B e r f a h r e n s erfolgte. Der Landeshauptmann gab dann auf Grund des Berichtes der Wiener Polizeidirektion die Ergebnisse der Erhebungen in der Meszaros-Affäre bekannt. Landesrat Machold erklärte, obwohl die Antwort des Landeshauptmannes seine Partei nicht befriedige, sehe er mit Rücksicht auf die gegebenen Berhältnisse von der Stellung eines Antrages auf Eröffnung der Debatte über die Jnterpellationsheanttvortuilg ab. Sie grsülschten portuglefischea Koten. Lissabon, 12. Februar. (Tel.-Komp.) Der Direktor der Angola-Bank, B o n d e i a, hat heute in einem polizeilichen Verhör eingestanlden, daß er sich mittetff gefälschterBanknoten ei» Guthaben von 30.000 Pfund Sterling angelegt habe. Gleichzeitig erklärte sich der Bankdircktor 'bereit, dem Staate einen Scheck über diesen Betrag auszustellen. IM Zusammenhang mit der Skandalaffäre der Angola- Bank wuchs heute der frühere portugiesische Abgeordnete Franeo verhasst. IS. ISIS «t am HOTELS-RESTAURANT <3UTH II., Hollandstrasse Nr. 14 VORNEHMES RESTAURANT MIT ERSTKLASEIOER KOCHS MENU ZU 8 1.80 UND 3 240 Uebernahfne von Diners und Soupers In und süsser Haus Jedem Samstag amd Sonntet Souper dansant / Jeden Sonntag Fänf-Uhr-Tce mit Tan* Zs« Besuch ladet höft. ein J. QÜTK VordernElnttittTeulschlauds. -y. Wien. 19. Sebruar Der Rat des Völkerbundes ist zusammengetreten, um das Gesuch Deutschlands zu behandeln. Es wird erklärt, daß es sich nur um die Beratung technischer Fragen handelt. Das Plenum des Völkerbundes allein ist die zuständige Stelle für die endgültige Entscheidung und es soll erst im März, nach anderer Version erst im Herbst oder sogar im Winter die Erledigung des Gesuches erfolgen. Wir haben an dieser Stelle schon unmittelbar nach Locarno darauf hingewiesen, daß der Eintritt Deutsch- ' lands kein so rasch zu lösendes Problem sei und daß man gut das Ende dieses Jahres werde abwarten müssen, ehe die neue Phase der Entwicklung des Völkerbundes sich werde begrüßen lassen. In der Zwischenzeit ist es vollends klar geworden, daß schon das Gesuch an sich eine völlig veränderte Situation in den: Verhältnis, der Mächte zu einander schaffe und daß sich alle darauf einzurichten trachten, daß die Mitgliedschaft Deutschlands. alle ungeklärten und nur zurückgestellten Fragen wieder in den Vordergrund bringe. Dies mußte sich klar ergeben, als anfangs Februar das deutsche Reichskabinett seine Beschlüffe faßte. Zur selben Zeit hatte in -Berlin der Prozeß gegen die Fememörder stattgefunden und es war entgegen der Meinung des Kabinetts die Oeffentlichkeit ausgeschlossen Wochen. Was sich dann nachher ereignete, daß das Gericht einen der zum Tode Verurteilten, der sich zwecks Revision einen anderen Verteidiger genommen hatte, sehr ernst an das Schweigegebot erinnerte, noch mehr aber _ die Haltung der Regierung, die es unterließ, die Vorhänge wegzuziehen, das mußte eine gewisie politische Wirkung haben. Nicht nur die deutsche Demokratie, auch die Nachbarn Deutschlands mußten fragen, was hier vertuscht werde. Die Femeoffiziere bilden eine politisch-nationalistische Organisation. Sie dienen dem Gedanken der Revanche, und wenn sie über soviel Macht verfügen, daß man es nicht wagt, bei offenen Fenstern von ihnen zu sprechen, so ist das Mißtrauen vollauf berechtigt. Es ist so stark, daß chm selbst Briand unterliegt. Man muß sicherlich zwischen einer verantwortlichen Regierung und der unverantwortlichen Racheströmung unterscheiden. Aher die Verantwortliche Regierung hat nicht zu erkennen gegeben, daß sie diese Strömung als eine Gefahr behartzelt und sie hat keinen Widerstartz geleistet, als sogar im Reichstag der Leipziger Staatsgerichtshof, diese kümmerliche Barriere gegen die Mord- Politik, aus dem Budget gestrichen wurde. Diese Demonstration ist von der Regierung unbeantwortet gelassen worden, obzwar sie ein Anschlag gegen das Gesetz zunr Schutz der Republik ist, also auch Deutschlands Stellung zum Friedensvertrug, zu den anderen Mächten und zunr Böllerbund sehr empfindlich tangiert. Frankreich muß auf diese Vorgänge reagieren und seine Position stärken. Es scheint zu vermuten, daß zwischen den englischen Konservativen, den regierenden Kreisen also, und der Luther- Stresemann-Regierung neue Beziehnrtgen politischen Inhaltes bestehen. Ob diese Vermutung begründet ist, steht einstweilen noch dahin. Aber die Haltung der Konservativen ist auffallend genug. Nicht nur in dieser Frage. Es hat in Frankreich Unmut erregt, daß die ungarischen Politiker iit der großen Skandalaffäre, deren internationaler Charakter schon erwiesen ist, es wagen konnten, sich auf den Schutz maßgebender englischer Kreise zu berufen. Der Artikel der „Times", den wir in der Vorwoche hier zitiert haben, wäre demnach keine auf das Blatt sellist zurückzuführende Stellungnahme. Wenn dies richtig ist, so bedeutet dies in der Tat eine Verschlimmerung der weltpolitischen Verhältnisse nach der reakttonären Seite hin. Wird das Geldfälscher-System in Budapest gestutzt, dann muß logischer-- weise der Schutz auch auf seine Verbündeten in Deutschland und auf alle gleichartigen Strömungen in anderen Ländern ausgedehnt werden und das würde fast die Gefahr der Sprengung, zumindest aber der Nullifizierung des Völkerbundes mit sich bringen. Dieses Moment, diese Möglichkeit bei dem Eintritt des rechtsgerichteten Deutschland in den Völkerbund muß in allen politischen Bewegungen sehr wohl erwogen werden, die in irgend einer Relation zum Völkexbund stehen. Es ist für alle Fälle falsch, etwa von einer antideutschen Kombination in dem Sinne eines vorgefaßten Planes zu sprechen und es ist noch falscher, wenn die Rechtspresse in Deutschland sich über einen politischen Betrug aufhält. Locarno war vor dem Femeprozeß und der Geist von Locarno ist in Deutschland nicht gar so kräftig. Die Situation und ihre Verschlechterung hat Deutschland selbst herbeigeführt und die Boykottbewegung gegen Italien, die so starke Reizungen Provozierte, hat ihm erst recht geschadet. Die deutsche Republik mit ihrer monarchistisch-militaristischen Organisation darf sich nicht darüber wundern, wenn die Gegner von gestern das Geschrei der Siegfriedler ernst werten. K* \ - > f

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