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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-12 · Heft 2505 (12.2.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2505 (12.2.1926)
Date
1926-02-12
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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;Mk I Wen. Wkener Nr. 5M ker «nüppettuntze. Haftbefehl wegen einer Zechschnld. Berlin, 11. Februar. Aol.-Komp.) Wre da» ^-Uhr- Abendblatt" berichtet, ist gegen den Bovstvnb der doutschst^ialen Parte,, den bekannten Antisemiten Richard Kuntze, genannt n ü p p e l k u n tz e", ein Haftbefehl erlassen worden. Kuntze soll tragen einer Z e ch s ch u l d von 33 Mar! den Offenbarungseileisten. Siu politischer Mord. Aus Dresden wird gemeldet: Gestern abends wurde in der Raebnitzgaffe in DreSden ein politischer Mord verübt. Der Elektromonteur Brich erschoß den 35jährigen Arbei« ter Hübner. Der Mörder erklärte nach seiner Verhaftung, er habe Hübner als einen Ichädlingdermenschlichen Gesellschaft angesehen. In der Wohnung BrichS wurde rin« große Menge kommunistischer Literatur vorgefunden. Me Hakenkreuzl«. Ecken« ist auch verdächtig. Dr. Ecken er, der am letzten Sonntag anläßlich eines Zeppelin-Werbetages in Hannover weilte, wurde bei feiner Ankunft vor dem Hotel von mehreren, allem Anschein nach völkisch eingestellten Studenten belästigt. Sie gaben in rüpelhafter Weife zu verstehen, daß sie Dr. Ecken« abiehnen, weil er I u d e n a b k ö m m l i n g sei. Me „Münchener Neuesten Nachrichten". Bali», 11. Februar. Das „Berliner Tageblatt" meldet Nus München, daß die Aktienmehrheit der „Münchener Neuesten Nachrichten" in den Besitz des Freiherrn v. Kramer-Klatt, der dem rechten Flügel der bayrischen Bolkspartci angehört, übergeganaen lei. Freiherr v. Kramer-Klatt hatte bereits vor einrmhalb Jahren die Anteile der sogenannten Haniel-Gruppe erworben, die jedoch nicht die Aktienmehrheit ausmachen. Bei dem jetzigen Ankauf dürfte es sich um Anteile handeln, die sich bisher im Besitze der Coßmann-Lehmann-Gruppe befanden. vor Verband bayrischer israelitischer Gemeinden. München, 11. Februar. (I. T. A.) Wie schon mitgeteilt, wird am 21. und 22. d. in Augsburg die Tagung* des Verbandes bayrischer israelitischer Gemeinden stattsindrn. Dem Programm ist zu entnehmen: Bericht des Präsidenten des Rates; Haushalt 1926 (Berichterstatter Ludwig Rosenzwe'g- Nürnberg); die Gründung eines Reichsverbarckes deutscher Juden (Berichterstatter Dr. Hommel-Schweinfun); Verfassung und Beamtenordnung des Verbandes (Berichterstatter (Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer-München). Ler uvaarlsche Rumemr kiantur. Ein Widerspruch gegen das Staatsgrundgesetz. Budapest, 9. Februar. (I. T. A.) Vor dem Strafgericht in Szeged in hatte sich der bekannte „erwachende" Redakteur Lehel Kadar wegen Aufre'zung gegen eine Konfession zu verantworten. Er hatte in einer Versammlung der Erwachenden Ungarn zur Ausrottung der Jude» aufgesordert. Der Verteidiger suchte den Standpunkt geltend zu machen, daß der Numerus clausus die jüdische Konfession aus der Reihe der gleichberechtigten Konfessionen gestrichen hätte, sonach schlimmstenfalls nur auf Aufreizung gegen eine Rasse erkannt werden könnte. Der Gerichtshof sprach Kadar des Vergehens der Aufreizung gegen eine Konfession schuldig und verurteilte ihn zu einem Monat Gefängnis. In der Begründung stellte der Gerichtshof fest, daß das Rczeptionsgesetz e i n G r u n d g e s e tz ist, das von einem minderen Gesetz, wie das über den Numerus clausus, nicht außer Kraft gesetzt werden kann. Nadir ieutt ein. Belgrad, 11. Februar. (Tel.-Komp.) Aitterr'ichts- Minister Stephan R a d i e hielt heute abends in der Mupschtina eine Rede, in der er erklärte, daß alle Berichte über seine Agitationsreise durch Bosnien und Dalmatien unrichtig feien. Er habe kein einziges Mal von bcvorstechenden Neuwahlen in die Stupschtina, sondern lediglich von den Gemeindewahlen gesprochen. Als eigentlichen Grund seiner Reise gab Radie eine Zdonferenz mit Außenminister N i n e i e an, in der ihm der Außenminister mitteilte, daß der p ä p st l l ch e Nuntius in Belgrad, P e l l e g r i n i. die Absicht habe, nach Dalmatien zu reisen, um dort klerikale Agitation zu treiben. Radie schlug darauf dem Außenminister vor, daß er selbst nach Bosnien und Talmat'en reisen wolle, um die Rede des Nuntius zu vereiteln oder ihr wenigstens ein Gegengewicht zu bieten. Die Rede des Unterrichtsministers wurde mit großem Be-fall ausgenommen und man hÄt in politi scheu Kreisen die Regierungskrise nach diesen Erklärungen Radie' für beigelegt. 'mmmmmammssssBBBBBBSSBBBsmammmmammmmmmmm Kurze Nachrichten. Die Außenminister Dr. Bene sch, Dr. Nincic und Duca sind gestern nachts von Trmesvar abgereist. Im Berliner Auswärtigen Amt wurden gestern die Ratifikationsurkunden über die abgeschlossenen deutsch-russischen Rechts- und Wirtschaftsverträge auSgetaulcht. Der bisherige Chef des britischen GeneralstabeS, Earl of Cavan, wurde gestern vom König in Abschiedsaudienz empfangm. Sein Nachfolger, General KM « der nächsten Woche antrete«» Milue, wird sein Znland. Sttesrmann «ich» der Vertreter österreichischer Znereffen. Der Vorstand des sozialdemokratischen Abgcortme'enverkandes hat an den Präsidenten M i k l a s das Ersuchen gerichtet, den Hauptausschuß zur Besprechung der außenpolitischen Lage e'lnzuberufen. Präsident Mikas, der heute in Wien eintrifft, wird sich sofort mit der Regierung ins Einvernehmen setzen. Wie verlautet, kommt daS Verlangen der Sozialdemokraten der Nrg'erung nicht ungelegen, weil sie so Gelegenheit haben wird, dem Wuitsche des Tiroler Landtages zu entsprechen und der wegen der neuerlich«« Auslassungen Mussolinis verbreiteten Meinung entgegenzutreten, als ob die österreichische Regierung die 'Vertretung österreichischer Interessen dem deutschen Außenminister S t r e s e m a n n überlasse. Ob sich für die österreichische Regierung die Notwendigkeit und die Möglichkeit ergeben werde. an den Völkerbund heranzutreten, wird sich im Hauptausschuß, dessen Einberufung für Mitte nächster Woche geplant ist, zeigen. T'e Sozialdemokraten beabsichtigen auch die magyarischen Umtriebe im Burgenland zur Sprache zu bringen und behaupten, daß die Regierungsstellen im Besitze eines umfangreichen Materials sind, aus dem hervorgeht, daß ungarische Kreise sich mit der Absicht tragen, aus der ungemütlichen innerpolitischen Situation ihres Landes einen Ausweg zu suchen, indem sie durch einen Gewaltakt die westungarische Frage abermals ausrollen. Der Nationalrat wird am Donnerstag den 18. d. sich versammeln. Tie Regierung beabsicht'gt, den Entwurf zum Verwaltungsersparungsgesetz nunmehr zur Verhandlung zu stellen, obwohl die Vorlage allenthalben ihren Widerständen begegnet. verkürzte Hnndertschillinsnoten. 1 Die Oesterreichische Nationalbank teilt uns mit: In den letzten Tagen wurden bei der Oesterreichischen Nationalbank in Wien zwei Stück Hundertschillingnoten beanständet, weil sie durch Heraussch-neiden eines Streifens in wagrechter Richtung gegenüber den gangbaren Noten um ungefähr 5 Millimeter verkürzt sind. Die Notenteile sirü> ohne Verwendung von gummiertem Papier, also direkt zusammengeklebt. Nach der Art der bisher Vorgefundenen, so zugerichteten Noten ist anzunehmen, daß noch weitere derartige Noten im Umlauf sind. Es ist daher bei der Annahme von Hundertschillingnoten Vorsicht zu beobachten, um vor Schaden bewahrt zu bleiben. 'Wer eine Verkürzung an einer Note feststkllt, möge tunlichst den Ueberreicher der Polizei namhaft machen. „Dar wahre Antlitz Sesterrelchr." Ein Bortrag des Bundeskanzlers a. D. Dr. Seipel. Ueber Einladung der Politischen Gesellschaft; hielt gestern der frühere Bundeskanzler Dr. Seipel unter dem Titel „Das wahre Antlitz Oesterreichs" einen Vortrag, in dem er die aktuellen, Oesterreich und Deutschland betreffenden Fragen besprach. In der ganzen Well herrscht jetzt, so führte der Redner aus, eine gewisse Spannung wegen des bevorstehenden Eintrittes Deutschlands in den Völkerbund. Man fürchtet» daß Deutschland, wenn es einmal Mitglied des Völkerbundes ist, die Grenzenfrage, die Frage der nationalen Minderheiten und die Frage der Rekonstruktion des Völkerbundes aufs Tapet bringen werde. Das Mißtrauen, das die Völker einander entgegenbringen, würde rasch beseitigt sein, wenn die Völker ihr wahres Antlitz zeigten. Auch der Oesterreicher hat die unangenehme Eigenschaft, sein wahres Antlitz zu verbergen. Er zeigt sich immer als Pessimist, obwohl in ihm doch ein gutes Stück Optimismus steckt. Ein großes Hindernis für die Verständigung der Völker besteht darin, daß sie keine gemeinsame Sproäje haben, in der sie sich verständigen körrnen. So kommt es, daß man uns in den westlichen Ländern mißversteht, wenn wir von Staat und Nation sprechen. Wir gehören zur großen Nabion des deutschen Volkes und sind durch unsere Kultur mit ihm unzertrennlich verbunden, wenn wir auch gezwungen sind, einen eigenen Staat zu bilden. Diese Bestimmung verstößt gegen das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Ein besonderes Charakteristikum im Antlitz des Oesterreichers ist eS, daß er trotz seiner Leichtlebigkeit alle Dinge, auch die Politik, sehr ernst nimmt. Unsere großen politischen Parteien, sowohl die Christlichsozialen, als auch die Sozialdemokraten nehmen ihr Programm sehr ernst, weil sie Weltanschauungen damit verbinden. So kommt es, daß Oesterreich den Gedanken des Völkerbundes schon zu einer Zeit ernst genommen hat, als die anderen Völker dieser Idee noch skeptisch gegenüber, standen. Oesterreich hat sich an den Völkerbund um Hilfe gewandt und sie auch erhalten. Dadurch hat es das Vertrauen der anderen Völker zum Völkerbund gestärkt. Das war unser Verdienst um den Völkerbund. Niemals wäre ein D a w e S-P l a n oder ein Locarno zustande gekommen, wenn wir nicht vorangegangen wären. Wenn alle Völker, so schloß Bundeskanzler Dr. Seipel seine mit reichem Beifall aufgenommene Rode, einander ihr wahres Antlitz zeigten, dann würden wir dem wahren Frieden um ein gutes Stück näher kommen. Sitzung des Zionistische« PartriraNS. DaS Zionistische Lan-cAomiter teilt mit: Die Sitzung des Parteirates findet Montag uni halb 8 Uhr im KlubüM der Hakoah, l. Bez., WipVlmgerjUtchs 2L. ÜM,?§. Februar 1SS6 Tagesbericht. 2>t. Cnttnin Slnier. A» seinem Sv, Geburtstag. Dr. Ludwtz Singer, bS Präsident des Jüdischen National rateS und Mitglied des Zionistichen Zentralkomitees für dd bschechoflowakische Republik, feiert norgen feinen 50. Geburtstag. Di» jüdischen Korporationen in Praz haben große Vorbereitungen sin irre würdige Ehrung ihres Führergetroffen. Dr. Singer ist in Koli« geboren und seit dem Jahve 1908 in Prag ansässig. Er gehört der Zionistischen Organisation seit dem Jahve 1907 an und war lange Zeit hindurch Obmann des Zionistischen Distriktskomitees für Böhmen. Dr. Singer hat sich nach dem U m st u r z um die Juden der t-schechoslowakischen Republik die allergrößten Verdienste erworben. Er hat seit dem Umsturz die politische Führung der tschechoslowakischen Juden inne und ist seit dem Jahre 1918 ununterbrochen Präsident des Jüdischen Nationalrates in Prag, in den er von der Zionistischen Organisation entsendet wurde. Er gehörte auch dem Komitee der Delegation j u i v e s bei der Friedenskonferenz an und verhandelte im Jahre 1919 in dieser Eigenschaft mit dem Minister Be ne sch wegen der Regelung der Fragen der jüdischen Minorität, die schließlich zur Anerkennung der jüdischen Nation in der tschechoslowakischen Republik führte. Seit dem Jahre 1919 gehört Dr Singer als Listenführer der jüdischen Partei dem Prager Stodtverordnetenkollegium an und wurde in den Stadtrat entsendet. Er hat sich auch um die Organisation der jüdischen Fürsorge verdient gemacht und auf allen Gebieten des jüdischen Lebens Hervorragendes geleistet. Die von ihm geführte nationale Politik in der tschechoslowakischen Republik hat die Billigung der Majorität aller Juden gefunden, iva8 schon m der Ziffer von 100.000 Stimmen zum Ausdruck kommt, die bei den letzten allgemeinen Wahlen m das tschechoslowakische Parlament auf die von chm geführte Partei abgegeben wurden. Durch seine unermüdliche ArbeiMvaft, sein sachliches und konziliantes Wesen erfreut sich Dr. Singer bei ollen politischen Parteien hohen Ansehens und großer persönlicher Beliebtheit. Ihm ist er MM großen Teile zu verdanken., daß auch bei den nichtjüdischcn Parteien ter Tschechoslowakei das Verständnis für die jüürjchen und zionistischen Bestrebungen gefunden wurde. thnnm der Stifter de» Haftaer Tetfmifttm«. Jerusalem, 11. Februar. (I. T. St) Am 8. Februar wurden im technischen Institut zu Haifa Gedenktafeln für tat verstorbenen russisch-jüdischen Philanthropen K. Wisotzky uno für den großen amerikanisch-jüdischen Philanthropen Jakob H. Schiff enthüllt. Der Direktor des Instituts, oerr Hecker, der Direktor des Nationalfonds M. M. U s- >ifchkin und dex hebräische Schriftsteller Reuben Braiit t n hielten Ansprachen, in denen sie das Leben und Wirken >er verstorbenen jüdischen Philanthropen würdigten.. Das Haisaer Technikum wurde vom H >.! f s v e r e i n xr deutschen Juden aus den Mitteln eines von Msiotzky testamentarisch hinterlasienen Fonds begründet. Im Februar 1920 wurde das Institut durch die Zionistische Organisation übernommen; dies wurde durch eine Spende son Jakob H. Schiff in der Höhe von 2350 Pfund er noglicht. Mne ArHe^ter-sta-dt in der Nähe von Haifa. Jerusalem, 11. Februar. (I. T. A.) Der Jüdische Kationalfonds hat ein Areal in der Ausdehnung von 5000 Dunam in Jidrah, in der Nähe von Haifa, zwecks Erbauung von Arbeiterhäusern samt Borgärten zur Verfügung gestellt. In dieser Siedlung sollen 1200 jüdische Arbeiterfamilien untergdbracht werden. Sroß-gerusalem. Aus Jerusalem schreibt man unS: Die Pr» Jerusalem-Gefellschaft hat einen Plan für die Entwicklung Jerusalems vorbereitet, der eine weite Ausdehnung dieser Stadt Vorsicht. Zahlreiche neue Woge sind geplant; gewisse Teile sollen neu aufgebaut werden, und die Böden für neue Börstädte sind eingezeichnet. Die Planung umfaßt ein Gebiet für eine Bevölkerung von 200.000 Seelen, das heißt etwa das Doppelte dex jetzigen Bevölkerung. Der Präsident der Pro-Jerusalem-Gesellischaft, Sir Ronald S1 o r r S, erläuterte in der vergangenen Wcche diesen Plan vor einer Gmppe jüdischer Notalbeln. wobei er von dom Civie Adoiser unterstützt wurde, der auf Anfragen antwortete, die von Kolonel K i s h (Zionistische Exekutive), Dr. M a g n e s (Rektor der hebräischen Universität), Doktor I. Thon (Palestine Land Development Company), .Herrn Äoldwarer (Wirtschaftsrat für Palästina) u. a. an ihn gestellt wurden. Sir Vavdah jciBürt die Wische SInhelt in PalMna. Ferustfem, 11. Februar. Der Agudahführer Rabbi S o n« nenfeld hat sich in sämtlichen Schchita-Angelegenheiten vom hiesigen Hauprrabbinat unabhängig gemacht. Auf diese Weife wurde de facto die Einheit der religiösen Gemeinde in Jerusalem gebrochen. Ueber diesen uuverankvortlichen und gemeinschädlichen Schritt des Agudahführers herrscht bei der hiesigen Bevölkerung die größte Entrüsturt^ /

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