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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-11 · Heft 2504 (11.2.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2504 (11.2.1926)
Date
1926-02-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. ZMl Wieck, Donnertzlag K. Zufammensttzmeg des Wand Levmi. 1. DieAffeftlh Hanivcharim wählt einen Wcrqtz tzeuwi tzc stehend aus 38 Mügliedern. s. Der Waid Leumi wählt aus seiner Äirre eine Exekutive von stoben Mitgliedern. Die Exekutive ihrerseits wählt ihr?» Vsrsitzenden und seine Srellv rire:er. Die Frage der Organisierung der Bureaudes Woad Leumi (Anmerkung: es war beantragt worden, ein Bureau in Jerusalem und ein Bureau in Lel-Awiw zu unterhalten) wird den, Waad Leumi üb?rtragen. 3. Die Assesach Hanivcharim drückt ibre Meinung dahin wtz die Arbeit der Exstu.ive des Waad Leumi zw schen den Mitgliedern «ach den verschiedenen ArbeitSzweigrn verteilt werden soll. Tagesbericht. Me Lasker-Schüler, die Lichterin der östlichen Seele. ' Zum 50. Geburtstage. Von P. Haller. , Es ist die Besonderheit der östlichen Stzele, daß ihre Gesuhlsemotion unmittelbar ist. Sie ist nalurhaft wie ein Gewächs und wie dieses keusch. Ihre Verbundenheit mit dem All, Gott, bedarf nicht der Mittlerrolle des Intellekts. Gradlinig ist sie, unkontrolliert vom anschauungsgierigen, die Dinge betastenden Spekulationsbedürfnis. Sie geht nicht in die Fläche, sondern ist linienhaft. Nicht das Epos ist ihre wesentliche Ausdrucksform, sondern das ekstatische Lied. Nicht das geruhsame, tendenziöse, beschreibende Lied, fonbctn das im höchsten Maße eruptive, zielgerichtete, nicht auf die Form bedachte, sondern jede Form sprengende Gebet. Das Gebet der Seele um ihrer selber willen, weil sie die Natur selbst ist, verantwortlich für jeden Grashalm und sich wiederfindend im Leuchten des Abendrots. Und leidet sie, so leidet alle Kreatur, das Sandkorn — nnd Gott. Freut sie sich, so freut sich alle Kreatur, das Sandkorn — und Gott. Das ist das Wesen der östlichen Dichtung: ihr grenzenloser Subjektivismus, der zugleich der höchste Objektivismus ist. Das ist auch ihr Ethizismus und ihre- Monotonie. Ekstase hat ein kosmisch-sittliches Gefühl und ist monoton, sich ewig gleichbleibend, sich im Wollen des Kosmisch-Sittlichen tausendfältig erneuernd, aber nur in ihm; und gerade deshalb ewig jung wie am ersten Tag. Der Weg der östlichen Seele ist der Weg der Heiligkeit des Menschen und aller Kreatur, denn heilig, heilig, heilig ist der Herr, also auch heilig, heilig, heilig sie, die das All ist. Die Haltung ist die einer ewigen Tendenz. Die Tendenz der Verwirklichung des sittlichen Prinzips, das abhängt von der Vervollkommnung des einzelnen. Im einzelnen ist alles, ist der Grashalm, das Sandkorn, das Abendleuchten und Gott. Die Unvollkommenheit des einzelnen ist die Unvollkommenheit der Welt. Das aus seiner Unvollkommenheit entstehende Leid ist das Leid der Welt. Diese Beschaffenheit der östlichen Seele gibt ihr auch ihr« Gebärde. Jene wunderbar farbige, sich unlogisch-hingeberrde, sich vervollkommnend gestaltende, die alles einschlietzende, weite, umfassende, in allem ausgehende Gebärde des Gebets. Das Gebet, das sich vor Gott auflöst, um sich sofort wieder neu zu formen, das die Vernichtung inne hat und sogleich wieder Schöpfung ist, und ihre hellste, reinste, vollkommenste Widerspiegelung. So ist auch bas Lied von Else Lasker-Schüler. Wunderjam, wie das urtümlichste Ocstlich-Jüdische in diesem weiblichen Menschen, in den deutschen Westen verpflanzt — verpflanzt schon ihre fernen Ahnen — heute ihren Ausdruck findet. Jedes Lied, jeder Vers, ja jedes Wort atmet den Rhythmus der östlichen jüdischen Scelenhaftigkeit: In der Form, der nichts fremder ist als das Konstruiert-Artistische, die auS unmittelbarster, gefühlsmäßiger Eingebung stammt; im Wort- und Versrhythmus ihrer Lieder, der erfüllt ist von einer gesättigtem. vielfarbig sprühenden Melodik; in der schillernden, märchengetränkten Bildhaftigkeit des Geschauten; vor allem aber in der Unmittelbarkeit des Visionär-Geistigen und in feiner Vcrkuüpftheit mit dem ethischen östlichen Grundprinzip. . Weil sic das in sich hat, ist ihr Ausdruck so rein und so klar. Im Gegensatz zu den Hunderten moderner und modernster Versmacher, die in der Flucht vor der Form ynd in der Besonderheit konstruierter Ausdrncksmittel ihr Heil vor dem sofortigen Erkennen chres Unvermögens suchen und finden. Ferm und Ausdrncksmittel der Else Lasker-Schüler sind wahrstes Attribut ihrer Seele, ihrer östlich-jüdischen Seele. Alle ihre Gebilde sind ein einziges großes ekstatisches Gebet, das uralte, ewig junge jüdische Gebet um die Erlösung der Welt. Ein jüdisches Lied, auf fremder Erde gesungen, von Fremden nicht verstanden... Denen aber, deren Blut auch in ihr fließt, ist sie «ein Stern, der in ihren Schoß gefallen." Gedichte von Lasker-Schüler. Unser stolzes Sieb. Aber frenche Tage hängen Heber uns mit kühlen Blätter», Und weiß« Wolkenschollen dräuen, Das goldene StrahleneKand zu verdränge«. Aach wir beide sind besiegte Siegerinnen, Und Kronen steigen uns vorn Blut der Zeder> Propheten waren, unsere Väter, Unser« Mütter Königinnen. Und süße Schwermutwolken muten Sich über ihre Gräber lilaheiß in LiebesMen, Unsere Leiber rage» stolz zwei goldene Säulen, Ueber das MMlmch wie MiHe Gedaicheu. x Wiener' Morgrmerftmg Möbelfabrik JACQUES WALLIS Wien, /., Wollzeile 21 Wohnungseinrichtungen bis tarn feinsten Genre, reichhaltiges Lager ln fünf Stockwerken Mein Mnd. Mein Kind schreit auf um MiSternacht Und ist so heiß ans dem Traum evdacht. Gäb' ihm st gern meines Blutes Mai, Sprang' nur mein bebendes Herz entzwei Der Tod schleicht im Hyänenfell Am Himmelsstveif' im MondeShell. Aber, die Erde im BlÜteckkeufch Singt Lenz im kreisenden Weltgeräusch Und wundersüß küßt der Maienwind Als duftender GotteSbote mein Kipb. Mein Volk. Der Fels wird morsch, Dem ich entspringe Und meine Gotteslieder singe . . . Jäh stürz' ich vom Weg Und riesele ganz in mir Fernab, allein über KlogegrftM Dem Meer zu. Hab' mich so atzgeströml Von meines Blutetz Mostvevgorenheiit. Und immer, immer noch der WideHall In mir, Wenn schauerlich 'gen Ost Das morsche FeHgcheih Mein Bott, Zu Mt schreit. Matter. Eia weißer Ster,» singt ein Totenlieo In der Julinacht, Wie Sterbegslau: in der Julinacht. Und aus dem Dach die Wolkenhand, Die streifende feuchte Schattenhemd Bucht nach meiner Mutter. Ich fühle mein nackter Leben, Es stößt sich ab vom Mutterland,' Bo nackt war nie mein Lebe», So in die Zeit gegeben, Als ob ich abgeblüht Hinter des Tages Ende Zwischen weilen Nächten stäube, Alleine. (AW: «Die gesammelte« Gedichte" von Esst LaSkr- Schüler, .Kurt Wolfs-Verlag, Leipzig. Wit ErstmbM des Berlages.) Stimiskmes Steiger kommt «ach Sie». Wie wir erfahren, wird Stanislaus Steiger am Freitag mn halb 12 Uhr vormittags in Wien am Oftbahnhos eintresfen. Er wird hier längeren Ansenthalt nehmen. Herr Steigewild von seiner Braut begleitet und in Wien bei einer verwandten Familie wohnen, Die Nachricht von seiner Ankunft hat in den hiesixn Mische» Kreisen große Freude hervorgerufen. Es ist ein studentisches Komitee gebildet worden, das einen würdigen Empfang des Gaste» durchführen will. __ Sie «ttgelefitnüeit des yhrfrefiattem» »ein. Untersuchung durch den Presiestaatsanwalt Dr. Schwarz. Das polizeiliche EchebuuKmaterial über den Korruptianssall Alexander Wcisz und Artur Fuchs ist, wie berichtet, der Staatsanwaltschaft überantwortet worden, womit in der Hauptfachs die polizeiliche Untersuchung aDDgeschlossen erscheint. Es folgen jetzt nur noch einzelne Einvernahmen zur Aufklärung einzelner Details, die bei früheren Verhören oder durch Zeitungsmitteilungen bekannt wurden. Die Nachricht, daß die Btaatsamvaltjchast eine Uebenvachung der Beschuldigten wegen Fluchtmit, KollpsionSgejahr angeordnet habe, entspricht nicht den Tatsachen. Bei der Staatsanwaltschaft ist di« Angrstgenheit dem PressestaatSanwalt Dr. Schwarz überwiesen worden, der festzustellen haben wird, ob der Tatbestand einer Erpressung vorliegt. Dieser Staatsanwalt ist gleichzeitig auch mit der Prüfung der vom Bezirksgericht Hietzing am 8. Februar vorgolegten Akten in der Angelegenheit des gewesenen Bolkswirtredatteurö des „Reuen Wiener Journals", Oskar Pöfjel. berraut. Die Polizei setzte gestern nachmittags ihre Echobrmgen strt. Ewurden dw Pressechef des Bankhauses C a st i g U o n i, Herr Dr. Leo Lederer, Herr Fried, der Vertreter der Annoneensirmen Haosenstein u. Vogler, sowie Chsfredakleur WeiSz, Artur F u ch» und Ernst Colberi einvemommen. Wie verlautet, sind gegen Weis; bisher keinerlei belastende Wmnente zutage getreten, dageM soll Fuchs in schr arger Mise blojjMM jcht. fl. Februae M6 gfeffcj Set Noktragrrhtt«» fies zionistische« Laaves» lomttees. Iw Rahme» bei Vortragszyklus spricht heute um haB 8 Uhr abends im Klubhsim der Hakoay, 1. Be;., Wlpplingerstraßs 24-26, Herr Dir. Pros. Dr. V'kror Kellner über „Kultur - Probleme des Palästinaaufüaues". Karten sind im Zionistischeu Bureau und vor dem Bvrtrag im Klubheim der Hakoah;« be^ heben. Letzte Nachrichten. Sie Semetfinet Konferenz. Temesvar, 10. Februar. Die Konferenz der kleinen I Entente wurde heule vormittags um 1V Uhr im tHebäude! der Präfektur eröffnet. An den Beratungen nimmt außer den 3 Außen Ministern auch her Kabinettschef D u c a e, Co nst a n t i n e S e u teil, der als Gemrallftkvetär der Konferenz fungiert. Dr. D e n es ch erstattete das Referat über die Ber Handlungen der Tschechoslowakei tu der Frage der An erkennung der Sowjetrepublik. Die VerhaMungen feien unterbrochen worden, weil Rußland die Forderung stellt«, die Zcchl der russischen Konsulate in der Tschecho - ftowakoi und in Karpathorußland bedeutend zu erhöhen. Diese Bedingung konnte die Tschechoslowakei nicht annchmen. Auch zeigte die Sowjetregievung kein Entgegenkommen gegenüber den tschechoslowakischen Ansprüchen in der Frage der Entschädigung der in Rußland «nteigneten tschechosimvo kischen Staatsbürger. Was bst ungarische Frage anlangt, soll sich Dr. Benosch auf den StanMrlA gejketli halben, daß die Tschechoflowakei geneigt sei, in der ungarischen KönigKfrage jede Lösung anzunohmen, mit Aus nähme der Thronbesteigung Otto Habsburgs. Im übrigen sei di« Königsfrage nach tschechoslowakischer Auffassung eine rein innere Äugele g e n h e i 1 U n g a r n s, in die sich die Tschechosloivakei nicht ein mengen wolle: Die Grundbedingung des Trianoner Vertrags laute jedoch, -daß ein Mitgliedder Dynastie HabShnrg nicht den nnganfchen Thron besteigen dürft. Das Communisiue. TemeSvar, 10. Februar. (Tel.-Komp.) Nach Abschluß, der Beratungen der Konferenz wurde ein amtliches Comrmmique ausgegeben, worm es heißt: „Die Herren B e n e s ch, N i n c i e und D u c a sind heute hier zusammengetommen, um einen Gedankenaustausch über verschiedene auf der Tagesordnung stehende Fragen, die die Staaten der kleinen Entente interessieren, zu pflegen. Die drei Mnister haben, wie es bei den bisherigen KonftrenM Mich war, die allgemeine politische Lage überprüft und auch bei dieser Gelegenheit die vol lkom m enc Ueberein st immun g ihrer Gesichtspunkt« ftstgesteM. 'Die drei Minster prüften vm einzelnen jene Fragen, die auf der nächsten.Tagung des Volkerbundrates zur Behandlung gelangen werden und setzten die allgemeinen Richtlinien über das Verhallen der Staaten der kleinen Enterrte in der M rüstungSfrage fest. Weiter bildete den Gegenstand einer eingehenden Dis kussion die Lage, die durch die Nachwirkungen der B e r träge von Loearno in Mitteleuropa geschaffen wurde. Diese Diskussion wurde in dem eminent friedliebenden Geist-: geführt, von dem die kleine. Entente beseelt ist... Derselbe FredenSwille hot auch die drei Außenminister bestimmt, di: Möglichkeiten und geeigneten Mittel zu Prüftn, durch welche der Fried« auf dem Balkan in der ZuLunst noä> mehr befestigt werden könnte. Auch die GeldfälfchungSaffäre in Uuga rn War Gegenstand der Befprechung. Im Jntereffe des Friedens ist zu hofftn, daß dieft traurige Angelegenheit voll ständig aufgedeckt wird und daß die notwendiger. Maßnahmen ergriffen werden, damit derartiges sich nicht wiederhole. Die Staaten der kleinen Entente haben beschlossen, die Restsllate in dieser Beziehung abzvwartea. Aus der ganzen Debatte ging der entschiederre Wille der Leinen Entente klar hervor, ihr Werk der Befriedrnrg fortzusetzen, das den Inteveffen der drei Staaten entspricht, und den Wog weiter zu verfolgen, den sie feil 5 Jahren beschritten und trotz aller Schwierigkeiteu der internationalen Lage eingehalten haben." . Die drei Außenminister der Staaten der kleine« Entente haben beschloffen, ihre nächste Zusammenkunft in der ersten Mai hälft« in Veldes abMhalten. Sie 9ittoria*SaMfifmflJile und fier Frauke»- Mchenkandai GtAVMsmftvMe in der ungarischen Nattonat- Versammlung. Budapest, 10. Februar. In der heurigen Sitzung der Nattonalversammlung kam es zu ungeheuren Lärutszenen mrr» Beschimpfungen, die schließlich so arg wurden, daß die Sitzung unterbrochen werden mußte. Abg. Baroß (Opposition) bemängelt«, daß der Finanz minister mit der ungeheuren Summe von 10 Millionen Goldkronen im Wege der Finanzinstitutszentrale den m Zahlungsschwierigkeiten geratenen Viktoria-Konzern zu Hilft komme. Abg. Perrodarz (chrichlichsoziale Wirtschaftspartvy be^ mangelte gleichfalls das Vorgehen der Regierung und erklärte, die Affäre der Viktoria-Mühle fti viel gefährlicher als fcte , KcaichMMMJärL, LSKrarWr Widechruch Usify

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