Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2503 (10.2.1926)
- Date
- 1926-02-10
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 8303 ggf tute ffogatfiatffttiia IS. KeVnm MS mmt W-n. mmn Tempel getanen. In der Vorhalle de« Gotteshauses nahm«« Nabbin«! Dr. M. G. Mehre; und Oberkantor Fischer Abschied von dem Toten. Herr Oberland» Katz sang ergremnb da« El mole rachamim. Dre Zeremonienhalle konnte d!« große Zahl der Lrauergäste nicht fassen. Herr Rabbiner Dr. M. G. Mehrer würdigte den Verstorbenen mS auftichoigen. mit allen Lugenden ausgestatleten Diener Gottes. Der Präsident des Tempelvereines, Herr Adolf Hofmann, nahm tief ergrifftn Abschied von seinem, wie er sagte, ältesten und besten Freum. Für die KultuSgemeinde, die dem Verblichenen ein Ehrenawb widmete, sprach Herr Amtsdirettor Dr. Adler, für den Komorenverein Herr Obttkantor I. 8 ö w i t. Am Grabe verrichteten Herr Oberkanwr I. Ka tz für den Tempelverein. Herr Oberkantor Timon Weiß für den Kantorenverband uns Herr Oberkanwr F i fch e r für die Heimatgemeinde Stampfen ein El mole rachamim. * Mn jüdischer Philanthrop kn Bagdad gestorben. Dieser Tag verstarb der bekannte jüdische Notable Bagdads, Jehezkel Twea. In seinem Testament bestimmte er 8000 Rupien für die Allianee-Schuilen und 3000 Rupien für Talmud- Thora-Lchuilen. * TeppschdleSpahl bei Orendi. Im Laufe der vorigen Dache wurde während des regen MchättSgangeS Im Teppichhaus O«nvi ein kleiner, fchr feiner, echt persischer Seidentwpich. 1L9 Meter « 1,71 Meter, im Werte von 46,000.000 K. gestvhstn. Cr ist weich und geschmeidig wie Samt und schillert in mpferbraun und bläulichen Farbtönen. Für da- Zustondebringen wird eine Prämie von 6.000.000 K. bezahlt. * Ein Rechenkiinstler. Bor ungefähr 16 Ivhren zoaein Er wird nun itn einem Borivaa, den er Freitag um halb 8 Uhr abends im großen Uranialval hält, über dir Geheimnisse seiner Kunst und seines Lebens Aufklärung geben und Nachweisen, daß jeder Mensch den Zahlensinn besitzt, den Fervol systematisch zur Losung der kompliziertesten Ausgaben ausgebildet hat. * In Kamerun werden die Bräute teurer. Auch in Kamerun, der ehemaligen deutschen Kolonie, macht sich, wie in aam Westafrika, die Teuerung empfindlich bemerkbar, nur bringt fte sich hier, den lokalen Verhältnissen entsprechend, in ganz eigenartiger Weise zum Ausdruck. Wie nämlich der „Courier Colonial" klagt, ist eS den eingeborenen jungen Leuten so gut wie unmöglich gemacht^ eine Ehe einzugehen, da ste nicht mchr die Mittel hiben. sich auf dem dort üblichen Wege eine Frau durch Kauf zu erwerben. Ist doch der Preis für junge Mädchen um mchr als das Doppelte des noch vor kurzem geltenden Satzes gestiegen. Diese empfindliche Hausse beunruhigt dre Verwaltung nicht lvenig und zwingt sie dazu, zür Aufrechterhaltung der Bevölkernngszifffer Maßnahmen ins Auge zu fassen^ die diesem Umstand ein Ende zu machen geeignet sind. Mit europäischen Begriffen ist freilich dir Problem wie die Lösung. über die man sich heute den Kopf zerbricht, schwer vereinbar. Radioprogvamm. Zerrte Mittwoch den 10. Februar. 16 Uhr 16 Min.: »Ein Nachmittag mit Metuer Ziehre»." - 17 Uhr 16 Min. t Oesterreich als Rei'eland, feine Gaststätten, leine. Küchen. Kommerzialrat Karl Sukiüll. — 18 Uhr 35 Mtn.r Die. Welt des modernen Theater-. Smi> Kläger. — 19 Ubrr Musitattfche -formenle re. Prof. Dr. R. Stöhr. - 3V Uhrr Konzertakademte. Mitw'rkend r Staat«overniänge> in Marie Rajdl. Kammersänger Aagarb Oest» vtg Ille Cüarlemont (Harfe), Konzertmeister Fritz Drnnner iBioline). Prof Erich Meller. - 2l Uhr 15 Min. r Populäre» Orchesterkonzert I. W. Ganglberger. Mitwtrkend Äonzertpianistm Natalie Freundlich. _ Streit», SortrSge «ad Sctfamtnltraaen. WtenerBetb Hamtdralch, 2. Bez., Ferdrnandstraße 23. Heute. 6 Uhr,- Lektor Dr. G e l b h a u 8: Liturgie. 7 Uhr, Lektor Dr. R u b i n r „Die Philosophie de8 MaiwöntdeS. Das Buch Hiob in maimonidtlcher Beleuchtung." — Beth W a a d l't w r t m. Heute, 8 Uhr abends, in der Le^e- und Redehalle. 9. Bez, Türtenstraße 9. Vortrag des Herrn Dr Zwi K o r e tz über daS Themar „Die Darstellung deS Grhtnom i« der alten hebräricheir Literatur " - Z t o n i st t» ch e I « p « ndgruppe Leopoldstadt. Heute, V,8 Ubr abend», im Heime, Zirkusgaffe 83 Plenarverwmm ung. Anschließend Referat. - Zionistische Sektion Proter. Heute. 8 Uhr abend», beginnt im Heime. 2. Bez.. Jungstraße 8, Herr Dr. L»o Goldhammer. Vizepräsident de» LandeSkoMtteeS mit der Fortsetzung seiner Vorträge über Erez-Jsrael-Kt>nde. Jud - sche Tischgesellichaft Landstraße. Heute, V*? Uhr abends, im Cafe Lovrana, 8. Bez. Löwengasie L6 (Sou erroin'. Vortrag de» Herrn Dr. St. M Gelber über „England und die Paläftinofrage in de« Zabren 1838 bi» 1841". Anschließend Rezitation Eugen Golbint und Bioliuvorträge von Fräulein M Gerö — Jugendgruppeder rioNistifchen Sektion Zwilchenbrücken, 20 Bez., Letzstraße 81. Heute, 8 Ubr abend«. Fort etzung des Vortrages de» Herrn Prof. Mente» über neuhebrätsche Literatut. — B et» ein TtkwatbJehuda. 8. Bez.. Bennoplatz 1. Heute, präzt'e 7„9 Uhr abends Bortrag Dr V S. P o r d e »r Gute und schlechte Asitmilation. B olinvtrtnole Ladislaus Hajo» — MaimontdeS-Jnstitut 3 Bez-, Hetzgasse 40. Heute, 6 bi» 7 Uhr abends, Rabbiner Tr A. K a m i n k ä r Da» Büch Hiob. 7 di» 8 Uhr r Rechtsanwalt Dr. N. G o l d st e i «r Traktat Baba Kama. * Mazzoihbezug für Arme. Die Jftaelidische KultuSgemeinde Wien wt^v a» «ume und nachweisbar rr.uell levrnde Imen. die nicht in der Lage sind, sich Mazzvth zum normalen Bei kauft preis zu beschaffen, iolche zu ermäßigten Prellen ab eb n. Ansuchen unter Vorlage von Dokumenten und Erlag von 19 Groschen für Porti und Manipulation» ebühren werden in der Zeit vom 15. bis inklusive 2t d wie folgt «ntgegengenommen r 2. Be»., Temvelpasie 3. von >• dis 12 Ubr vorm und von st b'S 6 Uhr nachm; 6. Bez.. Schmalzhotzaffe 3. von 3 bi» 6 Uhr nachm.; 9 Bez. Seegasie 9 (Jlr el. VerlorgunaSbau»), von 3 bi» 6 Uhr nachm.; 10. Bez. Humbo dtaasie 27 van 3 di» Ü Uhr '« chm.; 15 Bez.. Turnergalfe 82, von 8 Uhr früh bi» r Uhr nachm r 16 Bez., Hubergaffe 8, von 9 bis 14 Uhr vorm; 18. Bez.. Cchopenbauerstraße 39, von 8 2tS 6 Uhr nachm; 20. v ez» Äluckyg sie 11. von 5 bt» tt > hr nachm.; 21. Bez. Holzmetster» gaffe l . von 9 b s 12 Ubr norm Di« Redoute de» Deutschen Volkstheaters findet Samstag den 18. d. zugunsten der Pensionsanstalt der Mitglieder in sämtl'chen Räumen des Hauses statt. Israelitischer Gottesdienst. Am SgmSlag den 13. d. um 8 Uhr nachmittag sinder der I gendgotresdienst jüc die israelirische Schuljugend in den Gemeindeuuo BezirkSsynagogen des 1„ 8. und 9. Bezirkes sowie in ver Toynbeehalle, 80. Bez.. Denisgasse 39» statt. — Ferner wird für die reifere Jugend und die Geineiindemitglieder am Freitag den 12. Februar um 7 Uhr aberrds ein Aveiler Gottesdienst tu der Synagoge des 1. Bezirkes abgehalten werden _ Organisation der zionistischen graue« Oesterreichs. Heute um u Mr nachmittags ilm Klubheim der Hakoqh, 1. Bez., W.ppliirgerstraße 24-88, Sitzung der Vorsteherinnen, Kassier innen und OrgamsarivnSreserentinnen der FrauenbejiMektionen. Wichtige Angeleaenhren: ^rsch?i„en Pflicht Kunst, Bühne, Buch. »taatmpee «nt» «uva». 789 Mllliom« für de, Operauschluß «ms dml Mmrate. Di« finanziellen Grundlagen des Attommen» zwischen Operntheater und Ra vag sind fotzende: Tür Rovag zahlt an die DundeScheaterverwaltuns für die d«inwnatrge Dauer de» Vertrages 600 Millionen Kronen und an die Künstler des Operncheaters 156 Millionen Kronen. Die letztere Summ« wird den Wohlfahrtseinvichtungen der Operncheaterangestellten zugute kommen. ES ist geplant, wenn auS dem dreimonatigen Provisorium ein Definitidum wird, diese finanziellen Leistungen der Ravag zu echShen. 6t« offener Brief Bernhard Shaw». ^Nieder mit dem Theater-tchplaasl" AuS London wird uns berichtet: Bernhard Shaw hat in einem offenen Brief zu der Frage Stellung genommen, ob der Theater-Applaus berechttgl sei. Die Antwort Shaws lautet: ,/ver Applaus während der Vorstellung im Theater ist dem Lärme« in einer Kirche gleichzustellen. Die erste Bedingung einer künstlerisch wertvollen Vorstellung ist. daß die Schauspieler in der Lag« sind, dos Publikum, »nid das Publikum sich selbst zu vergesien. Wenn das Publikum bei offener ©jot« Beifall klatscht und die Schauspieler ihre Darstellung unterbrechen müssen, sind die künstlerischen Bedingungen der Borst?llung gestört. Außerdem wird die Dauer der Vorstellung verlängert und manch einer im Publikum, besorgt, seinen letzten Omnibus zu erreichen, kann den letzten W nicht mchr voll genießen. Einer dergrößten Dienste, die daS Radio der Menschheit geleistet hat, be-, steht darin, die Schauspieler daran zu gewöhnen^ ohne Beifall zu arbeiten. Zugleich lernt daS Publikum den gräßlichen Lärm kennen, den der Beifall einer Masie darstellt, sobald im Radio von einem Opernhäuse aus eine Oper übermittelt wird. Der Beifall nach einem Aktschluß macht dann aus den Radiohörer den Eindruck des LärmenS von Wilden in einer Höhle. Die einzigen Vergnügungen, bei denen lauteS Lachen und Beifall anr Platze ist, sind komische Leistungen und Clowns und politische Reden, denn diese Vergnügungen sind nur dazu bestimmt, den Beifallslärm hervorzurufen. Da man einen Clown dafür bezahlt, lachen zu machen, wäre es dumm, aus den Borzug zu verzichten, für den man sein Geld br^ahlt hat. In politischen Versammlungen würde niemand «z wagen, so zu reden, wie politische Redner es zu tun pflegen — ich bin selbst Redner — wenn die Zuhörer ihn nicht dagu ermutigten und sich selbst berauschten an einem derwischhaften Lärm. Wenn ein Drama aufgoführt wird, wie amüsant er auch sein mag, sollte nie Beifall auf offener Szene erfolgen, und es sollte keinem Schauspieler gestattet sein, nachdem er sich entkostümiert hat, nachträglich noch Beifall entgegenzunchmen. Der Ruf nach dem Verfasser ist eine Unverschämtheit, da das Publikum sich nie desien bewußt sein sollte, -aß es überhaupt einen Verfasser gibt. Die glücklichsten Theaterbesucher pflegen dies nicht einmal zu wissen." Die Arußerungen Shaws sind wohl dazu angetan, den heftigen Protest der Dheoterdirektoren, den heftigeren der Schauspieler und den heftigsten der — Dramatiker hervorzurufen. Warschauer Theater. Man schreibt uns aus Warschau: Der Geschmack der Warschauer Publikums unterscheidet sich von dem der übrigen Hauptstädte Europas in nichts. In dieser Hinsicht sind wir ganz und gar Europäer. Shimmy und Step heißt auch hier die Parole. Revue Und Kino kommen auch hier nicht zu kurz. Unter solchen Umstanden war es ein nicht geringes Wagtris, eine „Faust"-Aufführung zu versuchen. Wer immer strebend sich bemüht . . . Wenn auch die Inszenierung des polnischen Residenztheaters vieles zu wünschen übrig ließ, wurde man durch eine prachtvolle polnische Nachdichtung des deutschen „Faust" überrascht, so daß da» Publikum den Eindruck hatte, eine polnische Originolschöpfuntz zu genießen. Im Gegensatz zur Qualität der.Nachdichtung, stand die Qualität der Aufführung. Der „Faust"-Darsteller W e n g z i n war ein glänzender Deklamator, aber ein unzureichender Gestalter. Das Gleichen des Frl. NiedzielSka stand auf dem Niveau einer kleinen deutschen Provinzbühne. Die einzige Leistung über dem Durchschnitt war der Mephisw des hochbegabten Leschzinski. Eine WilLerausführung von Gogols „Revisor" war von großem Erfolg begleitet. Diese alte dramatische Satire zeigt noch keine Altersfalten und übte außerordentliche Wirkung, nicht zuletzt dank der bis ins kleinste durchdachten künstlerisch vollwertigen schauspielerischen Arbeit. m. g. «n» de« Theater«. Burgtßeater Morgen, 7 Uhr abend», »Petr G h n t" lAbonnement V. Gruppe) Atabem ervea ei Morsen. Ubr. ,D 1 v Welt, in der «an sich langweilt" (Abonnement U. Gruppen Overntbeater. Morgen. 7 Uhr abend». ,A ndre Cbenier" Redo»te»saal. Morgen, V»8 Uhr, ,D » « Pa»- quäle" Pol k» v p e r. Morgen Erstaufführung der be de« Werte Bulonir .Arlecchino" und Suawmskv» „G e 1 «b 1 ch t e vom Soldaten". - Freitag gastiert Frau Kammer ängeri« Ella B l a » d in «T i e f l a n d".. - Als nächste Novität aelangj am 19 d. ,D a » S v t e l vom rote« Bock" Traum p el von He»nz Ortytr, Musik von Franz Moser, zur Erst» a.fführung. D e u t > ch e S B o l t»t b e a t«r. Morden. '/,» Uhr. Uraufführung von Han» Müller»^ Schauspiel »B » r o « »k a" mit Leovolome Konstantin in der Tite rolle. — Heute tritt Hermanu Römberg zum ersten Male in den« Lustspiel .Reiner Tisch!" mit Levpoldtne Konstantin, Margarete Koeppke und Anton Edttzoser auf. Exl-Bühne. Im Neuen Wiener Stadttheater fand Monta» die 25. Aufjührung de» LchenMlde» Anwn Bruckners „Der Musikant GotteS" von Viktor Leon und Ernst Decscy statt. Wichelm Klitsch als Anwn Bruckner wE sehr gefeiert. Die Übrigen Darsteller mit Anna Exl an der Spitze waren hervortagend. Der „Schubertbund" brachte unter Leitung des Pws- Vrktor Keidorser die Bruckner-Chöre ,/Tröstevin Musik" und ^Wachen und Träumen" zum Vortrag. Es gab sehr viel Beifall. Ronacher-Theater. In einer Neueinstudierung von Leo Falls „Madame Pompadour" spielte Luise Kartousch zum ersten Mate die Titelrolle. Es war ein großer Erfolg istr Künstle rin. Die Kartousch hat nichts von der feinen Pikanterie der Masiary — die die Madame Pompadour kreierte —, aber mit -er chr ei«nen Spitzbübigkeit und Drolerie nchnr dieses reizende, kapriziöse Persönchen das übervolle HouS gefangen. Neben ihr «e Eric Wirk, der besonders gut bei Stimme und Laune war. „j6 Beifallsstürme und Blumenspenden, wie'sie sonst nur bei Premieren üblich sind. Die Ausstattung war blendend. Romain-Rolland-UranffÜhrung. Aus Anlaß von Rotlands 60. Geburtstag gelangte am Deutschen Schauspielhaus zu Hamburg des Dichters Jugendwerk „Aert" zur Uraufführung. Auch in diesem Drama tritt Rolland für dre wahre menschliche Freiheit ein. Das handlungsarme Werk, in dessen Mittelpunkt eine ,,Hamlet"«Figur steht, enthält wohl kluge schöne Worte, es fehlt ihm aber der dramatische Wurf. Es war bloß Bezeugung der Hochachtung für den großen Jubilar, wenn man das matte Stück auf die Szene brachte. „Die Medleäer und ihre Stadt Florenz." (Dr. Else Hoft mann.) Die Vorträge mit Lichtbildern finden jeden Mittwoch abends, hall» 8 Uhr, statt, 8. Bez., Hmnerlingplatz 5-6. FestiaSl der Handelsakademie der Wiener Kaufmann-fchast. Zweiter Vortrag heute Mittwoch. Direktor Dr. Robert Ergenberger: „Giuliauo und Simonetta" (Boticelli und stnre Modelle). Karten beim Portier, bei Bukum, 1. Dez., Bauernmarkt 3, und Lanyi, 1. Bez., Kürntnerstraße 44. Gerichtssaal. .Was iff der Mann?" Ein« Klage wegen unbefugter Veröffentlichung einer Photographie. Landesgerichtsrat Dr. F r y d a, Strasbrzirksgericht 1, hatte gestern über eine Klage zu judiziererr, welche der Profeffor Dr. Edgar Zilsel gegen den verantwortlichen Redakteur der ,^öühne", Dr. Fritz Kaufmann, wegen Uebertretung des Urheberrechtsgesetzes erhoben hatte. Am 22. Oktober 1925 erschien in der „Bühne" unter >der Rubrik „Was ist.der Mann" im Zusammenhänge mit einem Preisrätsel eine größere Anzahl von Photographien, unter denen sich auch das Bild des Klägers befand. Me der Kläger behauptet, war die Veröffentlichung seines. Bildes ohne sein Wissen und ohne seine Einwilligung erfolgt. Er hatte in einer Zuschrift an die Redaktion des Blattes sich gegen diese Veröffentlichrrng verwahrt. NichtSd.stoweniger erschien in einer der nächsten Nummern der „Bühne" anläßlich der Auflösung des Preisrätsels neuerlich das Bild des Klägers. Beide Mal war die Veröffentlichung des BildeS ohne Nennung dcs Namens erfolgt. In der Verhandlung erklärte der Beschuldigte, daß er als verantwortlicher Redakteur für den Inhalt des Blattes, soferne ein Artikel ein Vergehen beinhalte, verantwortlich fei, daß er aber nicht verantwortlich sei für ein Delikt, welches nicht durch Lesen erkenntlich sei. Er könne daher für die Veröffentlichung einer Photographie nicht verantwortlich gemacht werden. Dcr Klogevertreter Dr. Fliege! betonte, daß gerade bei Bilderzeitungen der Verantwortliche Redakteur zu prüfen habe, ob eine Photographie in berechtigter Weise ausgenommen wird. Der Richter verurteilte den Beschuldigten wegen Uebertretung des Urheberrechtes zu einer Geldstrafe von 50 Schilling, eventuell zu 48 Stunden Arrest. In der Urteilsbegründung führte der Richter aus, daß objektiv der Tatbestand der angeführten Uebertretung zweifellos gegeben sei und daß in subjektiver Richtung der Beschuldigte als Verantwortlicher Redakteur nach der ständigen Judikatur nicht etwa in der Richtung der Vernachlässigung dcr pflichtgemäßen Obsorge haftbar sei, sondern direkt wegen Uebertretung der er wähnten Bestimmung des Urheberrechtes. Ein Wechselprozeß der Geßmann-Bank. Aus Leoben wird uns berichtet: Die Wiener Ba u k r ed i t b a «l A.- G., kurz Geßmann-Bank genannt, hatte vor einiger Zert beinr hiesigen Kreisgerichte einen Wechselzahlungsauftrag gegen die Eheleute Max und Marie B. erwirkt, und zwar bezüglich eines auf SO Millionen Kronen lautenden, von dem Ehemann ausg-stellten und von der Cheftau bezogenen Wechsels. Der fragliche Wechsel war anfangs 1924 der Wiener Baukreditbank zum Zwecke der Eskomptierung bei der Oesterreichischen Nationalbank Übergaben worden, war jedoch als sogenannter Familrenwechsel von der Nationalbank nicht zum Eskompte zugelasien worden. Der Wechsel vechlieb, obwohl die Eheleute wiederhott die Rückstellung desselben verlangten, hei der Baukreditbank, die angeblich den Ehel.uten mitteilte, man finde den Wechsel nicht, er sei übrigens gegenstandslos und werde auch nicht im Portefeuille der Bank geführt. Es wurde auch auf Grund dieser Wechselden Eheleuten keinerlei Valuta beschafft. Am 5 August 1985 teilte die Baukreditbank den Eheleuten mit, daß sie den fraglichen Wechsel per 8. August fällig gestellt habe, und zwar zur Deckung einer anderen Schuld im Betrage von 25 Millionen Kronen. Als die Bank auch einen Mcchselzahlungsauftrag beim ■ hiesigen KreiSals Handelsgerichte erwirkte, erhoben die Eheleurc durch ihren Vertreter Dr. Lampl die Einwendung des zivilrechtlichen Betruges. Das hi sige Gericht hat auch mrt dem schriftlich zugestellten Urteile den Wechsel Zahlungsauftrag aufgehoben und Sie beklagte Bank zur Zahlung der Prozeßkosten verurteilt. In der Urteilsbegründung wurde ausgeführ:, daß cs nicht angehe, zur Hereinbringnng einer Schuld, die mit dem übergebenen Wechsel in gar keinem Zusammenhang stehe, einen W chsel fällig zu stellen, der zu ganz anderen Zwecken übergeben worden war u«> auf Grund dessen überhaupt keine Valuta. beschafft worden war. Der W.chsel hatte überhaupt den Eheleuten zurückgestellt werden müssen. Eine Ehrenbeleidigmrgsassäre im Kleinrentnerverband. Im Kleinrentnerverband kgm es schon vor längerer Zeit zu Differenzen zwischen dem Obmann des Berbanves Dr. Moritz Zalm a n n und d«n Direktor Henrich Ernst Brand. Dr. Zalmann hatte dem Direktor Brand in einem Zettungsurtikül verschiedene ehrenrührige Borwürfe gemacht, weshalb dieser ihn floate. Die Verhandlung, die zwei Tage dauerte, wurde vor dem vcm Angeklagten oie.wrvrrngung ves Volten Wayryrr,^ beweises zu, worauf der Vorsitzende de« Freispruch veS jvr. Zadmuin verkündete.