Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2503 (10.2.1926)
- Date
- 1926-02-10
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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nimrv VteftewiicffMifl Skr. M» »m, MMS-Y Hinsicht zahlreiche führende Zionisten in Kongretzpolen Grünbaum unterstützen, obwohl die „Ugoda" mit Zustimmung des zionistischen Oberrates beschlossen wurde. Unwillkürlich müsse man den Eindruck haben. d^ß diese führenden Gcsiunungsgenoffen durch ie Unterstützung GrünbdaumS in der Landespolitik seine Bekämpfung in den allgemein zionistischen Fragen kompensieren wollen. Mit geringen Ausnahmen gehen Mitglieder der radikalen Zionisten und der „Ech Liwnoth" in den Fragen der Landespolitik Hand in Hand, wobei er jedoch erwähnen möchte, d. ß beispielsweise auch führende Mi'glieder der radilalen Zionisten, wie Dr. K l u m e l und Dr. D a v i d s o h n. die in zahlreichen wirtschaftlichen jüdischen Institutionen führend sind, die Politik ihres Führers, des Abgeordneten Grün- -aum, keineswegs mitmachen und für die „Ugoda" eintretcn. ja. Dr. Davidsohn ist sogar auS der Gruppe Grüubaums ausgetreten. Auf die Froge unseres Mitarbeiters, warum denn der Antrag auf Uebergang in die Opposition von der Agudah gestellt wurde, erklärte Abg. Reich, daß die Agudah diesen Antrag süner Ansicht nach lediglich aus taktischen Gründen gestellt habe. Er habe jedoch als Präsident darauf Wert gelegt, zur Behandlung dieses Antrages eine spezielle Sitzung einzuberusen, in der ja die bekannten Vorfälle vorkamen. Die Opposition kam zu dieser Sitzung mit der Absicht, ihn als Präsidenten zu stürzen; sie mußte abcr sofort ihre Niederlage einsehen. da eine bedeutende Majorität des Klubs die von ihm geführte Politik billigte, ja seine Demission nicht zur Kenntnis genonmmen hat. Die Opposition arbeitet ohne Plan und in ihrem ganzen Vorgehen ist keine Einheitlichkeit zu bemerken. Der gegenwärtige Zustand ist derart chaotisch, haß man kaum einen Ausweg voraussehen kann. Schließlich habe er als „demissionierter" Präsidenkeineswegs die Verpflichtung, für seinen Nachfolger vorzusorgen, vielmehr erachte er dies als Pflicht jener, die die Krise hervorgerufen haben. Er hoffe jedoch, daß die Zionisten innerhalb 'beg Klubs die Position des Präsidiums nicht verlieren werden. Ihm fei bekannt, daß Abg. Dr. Schipper noch vor der Sitzung sich dahin geäußert habe, daß er bereit sei, sein Mißtrauensvotum zurückzuziehen, falls Reich die Präsidentenstelle niederlegen würde. Als Präsidentschaftskandidaten nannte er den Abgeordneten Rosenblatt aus Lodz. Daraus ist zu ersehen, daß die Opposition das Bestreben habe, -das Präsidium einem Zionisten zu überlasten. Er persönlich habe keine Veranlassung, seine Demission zurückzuziehen. Cs ist klar, daß die letzten - Vorfälle im jüdischen Klub auf die jüdische Oeffentlichkeit denärg st enEindruck gemacht haben. Die jüdische Oeffentlichkeit kann es nicht verstehen, daß nran gerade jetzt, wo hie Regierung eine Reihe wichtiger jüdischer Postulat« erfüllt hat er erwähne nur die Installierung der jüdischen Gemeinde in Warschau, die Zulassung der jüdischen und hebräischen Sprache im öffentlichen Verkehr — und Maßnahmen zur Linderung der ökonomischen Lage der Juden erwäge, den Übergang in die Opposition verlangt. Der gesunde Verstand unserer Masten kann und wird wohl die momentanen Kaprizen unserer oppositionellen Abgeordneten nicht verstehen. Er persönlich vertrete nach wie vor den Standpunkt, daß in dem Augenblick, wo die R.gierung die Verpflichtungen des Verständigungspaktes nicht erfüllen sollte, der Klub die Verpflichtung -habe, in die Opposition überzugehen. Jnsolange dies jedoch nicht ediden: ist, wäre ein solcher Schritt die Folge einer unüberlegten und launenhaften Politik. Es ist auch klar, daß die polnischen Sejnipirteien, insbesondere die Nationaloemokraten, die Vorgänge im Klub und die Spaltungstendenzen mit b es o n d e r e r F r e u d e verfolgen. Traurig ist es, daß unsere oppositionellen Abgeordneten gerade im jetzigen Augenblick, rvo die Polnische Judenschaft wirtschaftlich eine geradezu unbeschreibliche Krise mitmacht, an nichts anderes zu denken haben als an unzweckmäßige Debatten. Das ist eben die Folge einer Politik, die mit Doktrinen, aber nicht mit der Realität arbeitet. Ein ähnliches Beispiel zeigen uns auch bie letzten Vorgänge in der jüdischen Gemeinde, wo unsere War. schauer Freunde, dem Grundsätze treu, „es lebe die Doktrin!", es zugelassen haben, daß die gesamte Negierungsgewalt in der jüdischen Gemeinde in di« Hände der Agudah gespielt wurde. Er für seine Person werde nach wie vor innerhalb des Klubs für feine Anschauungen kämpfen, infoferne die Beziehungen des Kabinetts zu uns «8 nicht erfordern, eilte oppositionelle Haltung einzunehmen. Es liege ihm aber ferne, irgendwelche Spaltungen oder Sepo.rationeo hervor- Zurufen. In der allernächsten Zukunft habe er die Absicht, .sich hauptsächlich mit wirtschaftlichen Fragen zu beschäftigen, und zwar wird er an die Gründung von jüdischen Kreditinstituten m Kleinpolen gehen. Die Verschuldung der Ssterrrkchischru Veamtenlchaft. Der vom Fünfundzwanzigerausschuß eingt'fttzte Unterausschuß zur BiDuug des BeamtenentschuilvungsfoudS hat gestern das Statut für diesen Fonds ferriggestelll unb wich «« nunmehr wt Negierung zur Begülachtirirg und Gmchmigung vorlegen. Bundesknzler Dr. Ramek hat dem Exekutivkomitee m Bundesangesteklten die Mitteilung gemacht, daß die Regi ruug dem MkamtenensschuldungssondS die Erträgnisse aus der Staatslotterie im Betrage von 500.000 Schilling jährlich zuweitden wich und daß diesem Fonds außerdem noch andere Zuschüsse zufließen werden. Die Negierung steh-, sich zur Schallung dieser Fonds veranlaßt, tveik die Verschuldung der Bundesangestellten schon schr bedenkliche Formen anuimmt. Der Beamtenentschul» Äungssonds soll, wo Gehaltsvorschüsse nicht auSroichen, in Anspruch genommen und die betrefft«den Beamten fotzen dadurch aus. der verzweifelten SÜMWH gerettet wechM. Meute Mittwoch den 10. Februar, 12 Uhr mittags Neueröffnung des feenhaft eingerichteten Cafe und Abend-Restaurant Produktenbörse MMmmmmmmmmmMMmmum Wien, II. Taborstrasse 10 Das grösste u d modernste Caf6 Wiens, nach den ftftiten des Architekten Kar! Klaus. Monumentalbau (Denkmalschutz). Für die Gediegenheit dea Gebotenen an Speise and Trank bittet die beste Gewähr der Name der Besitzerin Frau AVllOlliQ SpItZCtTy langjährig« lahrbcm erstltiessfger Wiener KiffeeMuscr und des Hauses „Miramante* in Marienbad Poschacher Bierstübl! Ser Attentat»Plan gegen den Wiener Sowietgefandlea. Dir österreichische Regierung ist entrüstet. Amtlich wird mitgeteilt: Ter österreichische Gesandte in Moskau, Pohl, stattete am 6. d. dem stellvertretenden V«lkskvmmistär für Aeußeres, Herrn L i t w i n o w, einen Besuch ad, um tvte im Zusammenhang mit dem Wiener Prozeß gegen die am Attentatsversuch gegen den Gesandten B e r s i n e beteiligten Personen entstandenen Mißverständnisse zu besprechen. Der Gesandte betonte die Entrüstung der österreichischen Regierung überdenMiß brauch desAsyl rechtes, dessen sich die am Anschlag teilnehmenden Personen schuldig gemacht haben und wies daraus-hin, daß die österreichische Regierung ihre Verurteilung des konspirativen Treibens, das sich in diesem Falle gegen die hochgeschätzte Person des Gesandten der befreundeten Sowjetunion gerichte: hat, durch die Energie zum Ausdruck gebracht hat, mit der sie die strafgerichtliche Verfolgung der in die Angelegenheit Verwickelten' durchführte und von der auch der ganze Gang der öffentlichen Verhandlung, insbesondere auch das Plädoyer des öffentlichen Anklägers Zeugnis gab. Die österreichische Regierung fyat von jeher darauf geachtet, daß die in Oesterreich lebenden russischen Gegenrevolul'ionäre jenen Berzicht auf politische Aktivit ä t emhalten, der die Voraussetzung für das' fremden Staatsbürgern, die aus politischen Gründen ihr Land verlasten haben, gewährte Asylrecht ist. Bis zur Aufdeckung der Vorgänge, die zum Prozeß gegen die am Anschlag. gegen den Herrn Gesandten Bersine beteiligten Personen geführt haben, hatten di« österreichischen Polizeibehörden trotz fortgesetzter Aufmerksamkeit von Handlungen, die eine Verletzung der durch den Genuß des Asylrechtes gegebenen Pflichten darstellen würden, keine Kenntnis erlangt. Die österreichische Regierung legt Wert darauf, zu betonen, daß die Sicherheitsbehörden den Zusammenhängen, die im Verlauf des Strafverfahrens gegen die am Ät:entatsversuch Beteiligten zum Vorschein gekommen sind, mit äußerster Aufmerksamkeit und Strenge nachgehen werden. Die österreichische Regierung : ist entschlossen, jegliche Ueberschreitung der. Verpflichtungen, die dem das Asylrecht Genießenden obliegen, unbedingt und auf das strengste zu ahnden. Herr 2 i t iv i uow nahm die Erklärungen zur Kenntnis und drückte seine Erwartungen aus, daß die österreichischen Behörden m Sinne der vom Gesandten Pohl abgegebenen Erklärungen der österreichischen Regierung entsprechende Maßregeln gegen jene Personen treffen werde», die auf österreichischem Boden gegen die Sowjetunion gerichtete Bestrebungen verbrecherischer Art verfolgen. Herr Litwinow gab seiner Uoberzeugung Ausdruck, daß solche Maßregel» dazu beitragen werden, die freundschaftlichen Beziehungen Zwischen den beiden Staaten zu befestigen und ihre weitere Entwicklung zu fördern. __ Der österreichisch > tschechoslowakische Sandelevertrag. Prag, 9. Februar. (Tel.-Komp.) Zu den Meldungen daß die Verhandlungen wegen Revision des ö st erreich i s ch - t s che choslowa kr schon Handelsvertrages noch im Laufe des Monates Februar beginnen sollen, wird hier an amtlicher Stelle erklärt, daß für die nächsten Tage tatsächlich ein Antrag der österreichischen R e g i e r u n g auf Eröffrruug dieser Verhandlungen erwartet wird, daß aber ein Termin bisher nicht vereinbart wurde. Me Wohnbauftever mutz manatiich eiaßrtzodr« weriik». Der Magistrat macht darauf aufmerksam, daß die Wohnbausteuer von den Mietern in monatlichen Teilbeträgen im voraus am Ersten jedes Monats an den Hauseigentümer •',» entrichten ist, der die Beträge an die Geinoinbe abzuführen hat. Diese Emclchümg hat ohne Rüasichl ans die Fälligkeit des Mieft jiuses (monatlich, vierietjähvi^ HMäHvig) zu cgolgeif. MM»«,««« . euei Tagesbericht. Alljüdische Weisheit. Für die „Wiener Morgenzeitung" «,H Seift Quellen bearbeitet. Wahrheit and Lüge. Jedes Ja sei eine« Schwure gleich und jedes Rein sich einem Schwur« gleich! * Rabbi Schemuel bgr Rachmon! sagte: Alles hat der HeNgch er sei gesegnet, in seiner Welt erschaffe« außer der Lüge, Dicht haben Me Geschöpfe außgesa»««. ♦ Rabbi Sera sagte: Niemals spreche ein Mensch ft» emech Kinde: Ich will-dir dies oder jenes geben, und gibt es ihm da» nicht. Denn fo lehrt er cs di« Lüge. Wie «ft heißt: „Sie lchrterr ihre Zunge Luge zu reden." Nttlamlert das Wahlrecht! In dieser Woche, bis zum Sonntag, besteht in Wie« ich» Möglichkeit, daß diejenigen, die nicht in die Wählerliste ein getragen sind, ihre Eintragung fordern. Ob jemand bereit« eingetragen ist. erkennt er daran, ob in dem Plakat, das jetzt im Hausflur zu hängen hat, für feine Wohnung die richtige Zahl der männliche« und der weiblichen Wähler angeführt ist. Unbedingt haben ihr Wahlrecht zu reklamieren, also die Eintragung in di« Wählerliste zu verlangen, alle männlichen und weiblichen Personen, die 1. zur Zeit der letzten Wahl noch nicht das wahlfähige Alter halten, er aber jetzt haben, also die in den Jahren 1903, 1604 und 1908 Geborenen; 2. zur Zeit der letzten Wahl, also im Jahve 1923, noch nicht in dem Hause gewohnt haben, r«; dem sie jetzt wohnen; 3. zur Zeit der letzten Wahl noch nicht die öfter* reichische Bundesbürgerfchaft besessen haben, sw aber jetzt besitzen. Man reklamiert, indem man mit dem Meldezettel, ferner mit den Dokumenten, die das Alter und die Staatszugehörigkeit ausweisen, zwischen 8 und 2 Uhr (Sonntag zwischen 8 und 12 Uhr) im magistratische» Bezirksamt des Wohnbezirkes erscheint. Sie Affäre Weis,. Gin« offizielle Mitteilung. Die Korrespondenz Wilhelm meldet abends: Die i» Äch Arigelegerihei: des gewesenen Chefredakteurs Minder W e i s z eingeleiteten polizeilichen Erhebungen sind im großen. und ganzen abgeschlossen worden. Außer Weisz erscheint auch Artur Fuchs, der Gesellschafter eine, Anno-Mnexpeditiorr,.. belastet. Das Ergebnis der polizeilichen Feststellungen und Eimvernahmen wurde wegen des vorliegenden Verdachtes des Verbrechens der Erpressung der Staatsanwaltschaft m Wien unter Anschluß des gesamter Akten Materials zur Zep»^ «'S gebraA. »Malsch bestochen." Im „Prager Tagblatt" macht R. K. die folgenden Bemerkungen zu tan großen Lärm, der;«tzt m Wien, um Horthy zu Hessen, verübt wird: „Als nach dem Umsturz im Jahre 1918 die repnbli>kan^ scheu Parteiminister die Wien der Ministerien übernahmen, sollen, nach glaubwürdigen Berichten, besonders die Gehe i m a k t e n des Auswärtigen Amtes erstaunliche Tatsachen über ziemlich bekannte Wiener und a u Zw artige Journalisten offenbar: haben. ES soll sich näm« lich herausgestellt haben, daß die Minister Aehrenthal' und B e r ch t h o l d österreichische Journalisten und Korre-. spondenten der Provin-presse dafür bezahlt haben, ihre Pnstigepolitik gegenüber Serbien mit ihrem Applaus M begleiten. Es gab Journalisten, die für bares Geld, und solche, die für Auszeichnungen geworben wurde». Das Ministerium de- Auswärtigen behaupte:«, Beweise dafür zu haben, daß die Balkanstaaten, auch das feindliche Serbiert, vordem in Wien Preßagenten unter den Ssterreichischeu Journalisten ausgehalten haben. Ob das wirklich wahr »var oder nur eine Phantasie des an Erfindungen reichen Re-- gierungS-Preßbureaus, wird sich wohl niemals mit voller Sicherheit feststellen lassen. Wenn es wahr ist. was di« Regicrnngsleute -ehaupteien. daß die feindlichen Staaten Wiener Journalisten bestochen hoben, so ist der ganz« Weltkrieg hauptsächlich dadurch entstanden, daß die betreffenden Journalisten fa l s ch be sto che n wurden, nämlich von der gottverfluchten e.genen Regierung. Hätten sie weiter Geld von Serbien erhalten und gegen die vaterländische Regierung geschrieben, so wäre vielleicht der Weltkrieg niemals ausgebrochen und wir hätten jetzt noch Frieden. Gegenüber dem schrecklichen Fchler, den die Wiener Journalistik in den Jahren 1908 bis 1914 begangen hat, teils aus Konkurrenz«ifer, um vom Ministerium gu: informiert zu sein, teils aus Ehrgeiz und Titelsucht, teils aus noch übleren Motiven, gegenüber diesem historischen Jrrq tum tritt alles Unerfreuliche zurück, das jetzt übe« die Presseverhältnisse in Wien ans Licht kommt. Resolutionea von journalistischen Tugendvereinen und selbst Gerichtsbeschlüsse dürften daran wenig ändern. Es ist ja sehr bedauerlich, daß ein paar Hochfinanzgrößen ln Wieck arg geschröpft worden sind, aber da daraus kein neuer Welt« krieg entstehen dürfte, so hat es für uns nicht mehr jeM' lebenszerstörende Bedeutung, ob ein Teil der WtftMT Aeitumi m!<M oder rW, bchoM worden ift?