Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2503 (10.2.1926)
- Date
- 1926-02-10
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Geye- _Mett. MstttM Muffolinis. Werkzeugen gemordeten Matteotti. Mussolini hält sich für einen Cäsar, aber er ist nur ein Caligula. Mit dem aufgeblasenen Hochmut des Emporkömmlings spottet er jetzt über die Leute in primitiver Kleidung. Als er früher diese Kleidung trug, war er uns lieber. Er war damals S o z i a l i st. Wenn die Nationalisten einen Führer brauchen, muß man immer lvarten, bis ein Sozialist verrückt geworden ist. Wir Deutsche haben traurige Erfahrungen mit einem Herrscher gemacht, der Zerschmetterungsreden hielt. Da wir italienfreundlich sind» wünschen wir dein italienischen Volke, daß es sich bald aus der f a s z i st i s ch e n Zwangsjacke befreien möge. Mussolini will Battisti in Bozen ein Denkmal setzen, der als Märtyrer der italienischen Jrredenta in Oesterreich gestorben ist.. Sein Denkmal würde einen Mann tragen, der die Volksgemeinschaft immer weit höher gestellt hat, als die Landesgrenzen. Battisü hat in einer Rode die Kriegshetzer und Säbelraßler als wahnsinnig bezeichnet, die ein Volk unschädlich machen müsse. Wir werden uns gerne an der Sammlung für dieses Battisti-Denkmal beteiligen, wenn am Sockel die von Battisti überLeute wie Mussolini gesprochenen Worte angebracht werden. Abg. Graf v. Rcvcntlow (Hakenkreuzler): Die Völkischen bedauern, daß durch das Verhalten Mustolinis eine Spannung in den Beziehungen zu Italien eingetreten ist. Es wäre aber längst Pflicht der Regierung gewesen, die Fragen der Deutschen in Südtirol mit Italien zu klären. Die gegenwärtige Mißstimmung zwischen Deutschland und Italien sei auf falsche Nachrichten und wellfreimaurerische Kämpfe zurückzuführen. Damit schloß die Aussprache. Präsident Loebe faßte unter allgemeinem Beifall die Debatte dahin zusammen, daß der Reichstag die sachlich ungerechtfertigten und in der Form beleidigenden Angriffe Musiolinis nachdrücklich st zurückweise. Das deutsche Volk werde sich das Recht, für deutsche Minderheiten unter fremder Staatshoheit eine gerechte Behandlung zu beanspruchen, am allerwenigsten durch beleidigende Angriffe und sinnlose Drohungen rinschränken lassen. Oesterreich und die Rede Mussolinis. Wie die Korrespondenz Herzog meldet, wartet die Bundesregierung. das Einlangen des Beschlusses des Tiroler Landtages in Angelegenheit der letzten Rede Mussolinis ab, um dann sofort Stellung zu nehmen. Der Tiroler Landtag wünscht bekanntlich ein Einschreiten der Bundesregierung beim Völkerbund. L« Völlerbundrat elnberusen. Das deutsche Aufnahmsgesuch. Genf, 9. Februar. (Tel.-Komp.) Ter Generalsekretär des Völkerbundes. Sir Erik D r u m m o n t, erhielt heute den Besuch des deuischen Generalkonsuls Dr. Äschman n, der ihm mitterlte, daß die Note der deutschen Regierung, die das A u fnahmsgesuch Deutschlands in den Völkerbund enthält, morgen den 10. d. der Völlerbundkanzlei übermittelt werden wird. Infolge dieses Schrittes hat der Generalsekretär im Aufträge des derzeitigen Präsidenten des Völkerbundrates, Seialoja, den Völkerbundrat zu einer außerordentlichen Tagung nach Genf auf Freitag den 13. d., nachmittags 3 Uhr. einberufen. Die Tagung des Völkerbundrates. Genf, 9. Februar. (Tel.-Komp.) Die außerordentliche Tagung des Völlerbundrates wird nur von sehr kurzer Dauer sein, da sie ausschließlich zu dem Zwecke der Festsetzung der nächsten Vollversammlung des Völkerbundes einberufen wurde, :n der die Aufnahme Deutschlands erfolgen wird. Die Regierungen werden sich über dieses Datum — voraussichtlich Mitte März — schon vor der Freitagsitzung des Rates einigen und das Generalsekretariat verständigen. Die nächste ordentliche Ratstagung in Genf, die unter dem Vorsitz des japanischen Delegierten Grafen Jshii stattfindet, dürfte einige Tage vor der Völlerbundversammlung beginnen, so daß Graf Jshii auch die Versammlung mit einer Ansprache eröffnen und bis zur Wahl des Präsidenten der siebenten Völkerbundversammlung leiten wird. Man rechnet mit einer drei- bis fünftägigen Dauer der Tagung, da di« Frage der R e f o r m des Völker du ndrates auf die Seprembertagung der Assemblee verschoben werden dürfte. Deutschland wird voraussichtlich seinen Ratsfitz schon in der Märzversammlung erhallen und am Schlüße der Ratstagung im März bereits als vollberechtigtes Mitglied teilnehmen. Das. englisch-französische Zusammenwirken. London, 9. Februar. (Tel.-Komp.) In der französischen Außenpolitik sind nach einem Berichte der „Times" w'chtige Maßnahmen in Vorbereitung, deren Ausführung jedoch durch die innere Lage erschwert werde. Briand arbeite Lauernd an der Entwicklung einer weitreichenden und z:elbewußien' Außenpolitik, die sich auf der Zusamm-narbeit mit England aufbaue. Die Entente zwischen den beiden Staaten sei wichtiger als die Ansichten voll Sachverständigen, und Frankreich sei bereit, Opfer zu bringen, um die Zusammenarbeit mit England sicherzustellen. Trotz gewisser Schwierigkeiten habe Frankreich England in der Mossulfrage weitgehend unterstützt. Es erscheine jetzt auch als sicher, daß sich Chamberlain und Briand auch über die Verschiebung der Abrüstungskonferenz vollkommen geeinigt habe«. | Vazsonyi und Bethlen. Kr. W t e n, 10. Februar.. Alle, die eine sehr ernste Lektion darüber erhalten möchten, welche schwere Gefahren die unaufrichtige, jedenfalls unklare Politik jüdisch-assimilatorischer Führer für das gesamte Judentum heraufbeschwören müsse, mögen jetzt Ilnvoreingcnontmen und ungetrübten Blickes die Entwicklung der durch die Frankcnfälscheraffäre entstandenen Krise verfolgen. Es wurden an dieser Stelle bereits die Bentühungen aller dllrch den Fälscherskaudal kompronlittierten Kreise der obersten Schichte der ungarischen Gesellschaft, sich durch künstliche Erzeugung einer allgetneinen Verwirrung — wozu sich ein Judenpogrom anr besten eignen würde — ans ihrer trostlosen Lage zu retten, aufgedcckt. Seither hat sich dieser teuflische Plan völlig ansgereift. Die in den an den Fälschungen unmittelbar beteiligten Verbänden der nationalen Gesellschaften („Tesz") vereinigten christlichnationalen Organisationen, rüsten bereits zur Rettungsexpcdition für Bethlen. Das Nationalkasino, das exklusive Zentrum des Hochadels, hat die Kriegsparole schon ausgearbeitet und Graf Bethlen selbst, der ja öcit Text für das der Welt zu bietende Schauspiel eines Judenpogroms entworfen hat, greift das Stichwort ans und lokalisiert den Brandherd gewissermaßen aus ein politisches Duell zwischen sich und dem jüdischen Demokratenführer Wilhelm Bazsonhi. Im Sinne der Pogromkomplotts wird Vazsonyi von Bethlen als der jüdische Verräter an der Ehre des Vaterlandes, als der Führer des ungarischen Judentums denunziert. der durch seine semitischen Beziehungen das Ausland informiert, mit dem Vertrauensmann Briands, Jules Sauerwein vom „Malin", konspiriert und den Frankenfälscherzwischenfall dazu benützt habe, um das Vaterland dem Ruin nahe zu bringen. Das alles habe Vazsonyi, der Führer der ungarischen Juden, verbrochen, weil er sich an die Macht herandrängen wolle, um dem Judentum die Herrschaft über das so schwer heimgesuchte Ungarn zu verscl)affen. Das sagt teils offen, zum Teil verhüllt der noch immer verantwortliche Ministerpräsident Graf Stephan Bethlen, das sagen die Feudalherren vom Nationalkasino, das schreibt jetzt die gesamte rechtsstehende Presse, mit dem von der Regierung erst kürzlich vor den: Untergang geretteten Pogromblatt ^,Szozat" an der Spitze. Aber davon sprechen auch schon die Provinzorganisationen der Hejjas und Pronay und die Sache ist bereits so weit gediehen, daß an einem der nächsten Tage, vielleicht schon am nächsten Sonntag, spätestens aber am Tage der Debatte über die Vertrauensfrage in der Nationalversammlung, sich ein ungeheurer Demonstrationszug durch die Straßen Budapests hinauf in die Ofener Burg vor das Ministerpräsidium bewegen, eventuell vor das Parlament ziehen wird, um dem Ministerpräsidenten der. Anhänglichkeit der Nation für ihren Führer und der Entschlossenheit zu versichern, das Vaterland gegen die in der Person Vazsonyis verkörperte verräterische Riachtgier der Juden zu verteidigen. Jetzt versteht man erst, warum Bethlen in seinem ersten Angriffsartikel gegen die Opposition der Befürchtung Ausdruck gab, daß die Regierung nicht die Macht haben werde, des durch die Haltung Vazsonyis angeblich im ganzen Lande entfachten Antisemitismus Herr zu werden. Bethlen wußte damals schon, daß die „antisemitische Erregung" kommen werde, denn er sprach von ihr erst, nachdem er sich ihrer in den verschiedenen Verbänden versichert hatte. Wie pariert nun Wilhelm Vazsonyi den über seinen Kopf gegen die gesamte ungarische Judenschaft geführten Hieb? Er zieht zwischen sich und dem Judentum eine politische Scheidewand. Er stellt sich selbst Bethlen als Gegner zur Verfügung, im übrigen sei er bloß im Tempel Jude. Das alte politische Rezept der Assimilanten. Bei den Juden sich als Führer feiern und in die Höhe bringen lasten, dann Politik auf eigene Faust machen, und wenn diese unjüdische Politik ernste Gefahren für das Judentum zeitigt, einfach das Judentum in den Tempel verbannen, ohne die Macht zu besitzen, es auch davor zu schützen, daß ihm nicht das Dach über seinem Haus angezündet und die Juden der Stadt dem aufgehetzten Pöbel ausgeliefert werden. Vazsonyi, der Führer der ungarischen Assimilanten, macht — und darin hat er recht — keine jüdische Politik. Eine jüdische Politik müßte ihn andere Wege führen, als er bisher gegangen ist. Vazsonyi, der jetzt mit seinen Artikeln den Weg in die ausländische Presse findet, hat, als es sich um den Numerus clausus handelte, sich hinter seinem Chauvinismus verschanzt, obgleich es jedem verständigen Menschen einlenchten mußte, daß der jüdische Führer sich aller erlaubten Mittel bediene, um seine Volks- und Religionsgenossen von der Schmach des mittelalterliclien Gesetzes zu befreien. Eine aufrechte, selbstlose, jüdische Politik führt niemals zu Pogromen, weil sie nicht aggressiv sondern auf den Schutz der Rechte der eigenen Volksgemeinschaft gerichtet ist. Ein wahrer jüdischer Politiker besitzt auch die moralische Kraft, ohne Gefährdung der Existenz der Juden an dem Kampf gegen die öffentliche Korruption teilzunehmen. Aber eine Zwitterpolitik, wie sie Vazsonyi betreibt, muß zur Katastrophe für die Juden führen! In der Judenpresse sich als Führer bejubeln lasten, außerhalb derselben aber Konjunkturpolitik machen, wie es Vazsonyi seit Jahrzehnten übt, muß dann zur Folge haben, daß der Machthaber, je nach der Konjunktur, Vazsonyi — wie er sich dessen brüstet-— persönlich mit einem warmen Händedruck honoriert, ohne daß das Judentum auch nur die. ge- * rmgste Erleichterung in seiner Situation verspürte, oder ftefirtWf MN"* ~ * M. MW wenn der Jude ungebärdig wird, für seine UnfolgsamkeE das gesinnte Judentum straft. Es sind nicht gerade Pessimisten, die die BefürchiurH liegen, daß für die Frankenfälscheraffäre, wie immer die Bethlen-Krise erledigt werden sollte, die Juden werde» büßen müssen. __ Abbau der englischen varaison in PaMina. Die Nnterhattskosten von vier Millionen auf «ine Million Pfund jährlich gesunken. Jerusalem, 9. Februar. Die Palestine Telegraphie Agency erfährt aus wohliuformierter Quelle, daß die britische Gendarmerie in Palästina, die bis jetzt die britische Besatzung darstellte und von der britischen Armee und den britischen Luftstreitkrästen equipiert worden war, in kürzester Zeit einer durchgreifenden Reorganisation nnd Verminderung unterzogen werden wilÄ. Die gegenwärtig aus 750 Offizieren und Mannschaften bestehende Gendarmerie wird auf 200 reduziert und dieser Rest dann mit der lokalen Gendarmerie zu einer Einheit zusammengefchmolzcn werden. Die bisher der britischen Militärmacht unterstellte Gendarmerie wird in Zukunft bloß eine britische Sektion des lokalen Sicherheitsdienstes sein. Dies wird das Ende der britischen Garnison in Palästina, die vom britischen Finanzwesen unterhalten wurde, bedeuten. Wie erinnerlich, .hat Sir Herbert Samuel schon bei der Feier des 8. Jahrestages der Balfour-Deklaration am 2. November 1925 in London angckündigt, daß der sich immer weiter befestigende F r i e de i n P a l 5 st i n a cs ermöglicht, daß sich die Kosten der Garnison innerhalb von vier Jahren um vier Fünftel vermindern. Der Unterhalt der Garnison in Palästina kostete das britische Finanzamt, im Budgetjahre 1921-22 nrnd v i e r Millionen Pfund; im Jahre 1922-23 rund zwei Millionen Pfund; 1923-24 eineinhalb Millionen Pfund; 1924-2^- eine Million Pfund. Balfour Mer dar Gedeihen PalMnas. Jerusalem, 9. Februar. (I. T. A.) Lord Balfour, der dieser Tage eine Sendung Orangen und Wein von palästinensischen Freunden durch Vermittlung der Pica erhalten hat, sondte das folgende Danktelegramm zu Händen von Kolonel Kisch: „Mein Jmeresse für die Angelegenheiten Palästinas ist stets wach und braucht keines Antriebes. Trotzdem hat mich diese Gabe als eine Probe jüdischen Fleißes und als ein Beweis dafür, daß die Arbeit meiner zionistischen Freunde Frücht trägt, fchr gefreut." _ Gin islamitischer Kalifatrkongreb. Kairo, 9. Februar. (Reuter.) Der Scheik der Mosche« von Alazhar und Vorsitzende des islamitischen Generalkongresses des Kalifats hat den Kongreß für Mai nach Kairo embernfen. _ Die flcitte Gntente. Temesvar, 9. Februar. (Tel.-Komp.) Duca und B e n e s ch sind heute abends in Temesvar angekommen. Der jugoslawische. Minister N i n c i c trifft morgen früh hier ein. Die Beratungen finden im Gebäude der Präfektur morgen vor- und nachmittags statt und werden auch während des intimen Dejeuners der drei Außenminister nicht unterbrochen werden. Morgen abends treten alle drei Außenminister die Rückreise an. _ Maffenverhaftungen von zionisteuin Manen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Kowno, 9. Februar. Der Delegierte des Keren Hajestod, der bekannte Mische Dichter Jehuda Leib Ioffe, ist hier nach einer Tournee, durch Lettland und Finnland eingetrosten. Am Bahnhof wurde er von einer großen Menschenmenge erwartet. Bei dieser Gelegenheit nahm die Polizei ohne Anlaß Massenverhaftungen vor. Eine größere Anzahl von bekannten jüdischen Persönlichkeiten Kownos wurde in Haft genommen. Der jüdische Klub hat gegen dieses Borgehen der politischen Polizei bei der Regierung schärf st e n Protest eingelegt. Gröffiumg der Rabbinerkonferenz in Palm. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Warschau, 9. Februar. Heute wurde hier die Rabbinerikonferenz eröffnet, zu der 150 Rabbiner erschienen sind. Es verlautet, daß die Konferenz vom UnterrichtsministeL Grabski begrüßt werden wird. Die Rabbiner der östlichen Randgebiete haben eine besondere Fraktion gebildet. Während der Konferenz wird eine Rabbinerdelegation unter Führung jener Rabbiner, die dem Abgeordneten Hause angehören, den Ministerpräsidenten und den Kriegsminister aufsuchen, um ihnen die Postulats der Rabbiner hinsichtlich ihrer Kompetenzen in der jüdischem Gemeinde vorzubringen. (Sitte indische Marine. Delhi, 9. Februar. (Router.) Der Bizekorrig kundrgk die Schaffung einer königlichindischen Marine als Streitkraft an, in welcher Indier als Offiziere ausgenommen werden können. _ Dins jüdische Haus 1 as jüdische Blatt«