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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-10 · Heft 2503 (10.2.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2503 (10.2.1926)
Date
1926-02-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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I Polen; 2S afdsay j Wien- /.umAbholen in der Expedition, Jl., Taborstr. 1-3, oder in elnerVerschleisstelle Tratik) monatl. ö Schilling Strassenverkaui in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, J„ Wollzeiie 11 MH Postversand für Wien und Oesterreich monatlich b Schilling 1 sch echo-Slowakel Mon. K22. Jugoslawien; Mon. Din. 60. Polen: Mon. 5Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 isodUMhiangen bet Jreli« erhShonttCD Vorbehalten Nr. 2503 Wiener orgenzeilmig waaaa—————————— Men. Mittwoch, 10. Februar 1926 ijxicidn England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170LeL Bulgarien :Mon.l00Letr«.' Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. I Telephone: 44-0-38, 43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (D uckerei lg. Steinmann) Oesterrelchlsches Postsparkassen - Konto Nr. 150.698 8. Jahrgang In den Delikatessengeschäften ARMIN BIEL AMT* Schottenring 14, Tel. 65-3-13 -Wo PF FUhrichgasse 3, Tel. 71-1-18 Reines la Gänseschmalz per Kilogramm S 4.56 noch kurze Zeit zu haben. Die mttijMsche Front. Barlaffina beim Papst. Rom, 3. Februar. (I. T. A.) Der lateinische Patriarch in Jertlsalem, Monsignore B a r l a s s i n a, wurde dieser Tage vom Papst in besonderer Audienz empfangen. Wie „Tribüne" mitteilt, wurden während der Audienz in ausführlicher Weise die Angelegenheiten des lateinischen Patriarchats sowie die allgemeine Lage in P a l ä st i tt a im Zusammenhang mit den Erfolgen der zionistischen Arbeit besprochen. Arslan in Berlin. Berlin, 8. Februar. (I. T. A.) In der letzten Zeit weilte in Berlin der Chef der arabischen Delegation in Genf, Emir S h c k i b Arslan. Im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Eintritt Deutschlands in den Völkerbund bemühte sich Emir Arslan um dieSymPathie der deutschen maßgebenden K.r e i sc für die arabische Sache. .'., . >. In einem Gespräch mit einem jüdischen Journalisten, Herrn I. Kl in off, äußerte er sich über die Frage Palästinas. Mit den Juden, sagte er,, können wir keine -Freundschaft pflegen, die Juden Palästinas stehen mit ihren Sympathien auf der Seite der Franzosen und gegen uns, die syrischen Araber. In 15 Jahren wollen die Juden die Mehrheit hv Palästina haben. Wir aber wollen, daß Palästina ewig arabisch bleibt. Die Inden, setzte er fort, sind klug, reich und gebildet, wenn aber Palästina zur Sprache kommt, so verlieren sie den Verstand. Trotzdem glauben wir an die. Möglichkeit eines friedlichen Zusammenlebens zwischen Juden und Arabern, aber nur gemäß unseren Prinzipien, nämlich: Begrenzung der jüdischen Einwanderung, Schaffung eines Parlament s, in welchem Juden und Araber proportionell zu ihrer Bevölkcrnngszahl vertreten sein sollen. So lange aber die Juden auf der Seite der Engländer sieben, haben sie die christlichen, wie die muselmanischen Araber gegen sich. Es ist wahr, daß die Araber aus der jüdischen Wirtschaft Nutzen ziehen. Was besagt das aber? Die Araber wird man mit Geld nicht regieren. Aus die Frage, ob er mit jüdischen Führern schon gesprochen hat, erwiderte der Emir: Wir haben unsere Bedingungen 1921 von Genf aus der palästinensischen E x e k u t i v e übersandt. Persönlich kenne ich K a l w a r i s k y, W e i z mann kenne ich nur vom Sehen. Wir wollen jüdische historische Rechte auf Palästina nicht anerkennen. Es ist alles eine Frage der Macht. Der. Entir führte dann weiter aus, daß die Araber Franzosen und Engländer in gleicher Weise als ihre Gegner betrachten. Freilich können die Araber nicht an zwei Frortten kämpfen. Aber wenn in Europa wieder ein Krieg ausbricht, wird der Orient militärisch geräumt werden. Zum Schlüsse sagte der Emir, die Araber wollen sich nicht mit religiöser Autonomie, Schule usw. begnügen, ihnen geht es nur um politische Rechte. Er ließ durchblickert, daß es für die Inden in Palästina auch besser wäre, wenn sie mehr als bis jetzt darauf hören würden, was die arabischen Führer sagen. Zur Zeit der Türkenherrschaft, sagte er, waren trotzdem wir die Herren im Lande. Jetzt sind es in Palästina die Engländer. Sir Mred Mond reift nach Frankreich. Paris, 9. Februar. (Tol.-Comp.) Wie „Paris Soir" erfährt, beabsichligt der bekannte englische Politiker und Großindustrielle Sir Alfred Mond stir zwei Monate nach Frankreich zu reisen, uw die Entwicklung der Stimmung in seinem Wahlkreise abzuiv arten. Sollten nach Ablauf dieser Zeit seine liberalen Wähler darauf bestehen, daß er sein Mandat niederlege, dann 'wird er diesem Wunsche entsprechen und in seinem B'eb'ka l s k o n s e rva t iv er Kandidat neuer! .h wi s er tretet Mussolinis Drohrede. Slresemauns Antwort. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung*.) Berlin, 9. Februar. Bor vollbesetztem Hause und überfüllten Tribünen antwortete heute Reichsaußenminister Dr. Stresem a n n auf die von Mussolini in der italienischen Kammer gehaltene Rede über die Südtiroler Frage. In der D i p l o m a t e n l v g e sah man viele Herren der italienischen Botschaft. Der österreichische Gesandte Doktor Frank war mit sämtlichen Mitgliedern seiner Gesandtschaft erschienen und auch der englische Botschafter Lord d'A bernon wohnte der Sitzung bei. Die meisten Mitglieder des Reichskabinctts und zahlreiche Vertreter der deutschen Länder hatten auf den Negierungsbänken Platz genommen. Nach kurzen geschäftsmäßigen Mitteilungen ging das Haus in die Tagesordnung ein, deren ersten Punkt die Interpellation der Deutsch nationalen über die Bedrückung der deutschen Bevölkerung Südtircls und die Interpellation der Regierungsparteien wegen der jüngsten Rede Mussolinis bildete. Präsident Loebc erteilte sofort dem Reichsaußenminister Dr. Stresemann das Wort, welcher erklärte: „Die Ausführungen des italienischen Ministerpräsidenten in der Samstagsitzung der italienischen Kammer greifen tief ein. in das Verhältnis Italiens zu Deutschland, Und roMn "darüber-' hinausditz^^Ovsämtlage' auf, -die mit dem Abschluß der V e r t rä g e v o n L o c a r n o und mit dernEintritt Deutschlands in den Völkerbund in Verbindung steht. Ter rhetorische Ausbruch des Herrn Mussolini könnte Veranlassung geben, ihnt in der gleichen Weise zu antworten. Die deutsche Regierung muß es jedoch ablehnen, der mehr auf Massenversammlungen als auf die Aussprache mit anderen Na t i o n e n berechneten Tonart des italienischen Ministerpräsidenten zu folgen. (Lebhafter Beifall im ganzen Hause.) Die Tatsache, daß Südtirol Italien zugesprochen wurde, wird von uns anerkannt. Die italienische Souveränität in diesem Gebiete ist von uns stets respektiert worden und wird immer respektiert werden. Es gibt aber nicht nur ein internationales Recht, sondern auch eine i n t e r n a t i o n a l e M o r a l. Unter lebhaften Hört.'-Hört.'-Rusen verlas der Minister sodann die verschiedenen feierlichen Versicherungen des Königs von Italien und der italienischen anttlicksen Stellen, in denen bei der Besitzergreifung Südtirols durch Italien der deutsch nt Bevölkerung Südtirvls die Wahrung ihrer Kultur und des den ts ch e n Schulwesens zügesagt wurde. Im Gegensatz zrr diesen Zusicherungen habe jedoch, so fuhr Dr. Stresentann fort, das faszislische Regime eine bewußte Jtalianisiernng und Entdeutschung Südtirols Vorgenvmmen. Darüber ist die Oeffentlichkeit unterrichtet. Sie ist nur durch unwahre u n d e n t st e l l t e Einzelheiten verwirrt worden, wie die von einem Verbot der Weihnachtsbäume und von der geplanten Beseitigung des Walt h er-De n km als in Bozen. Tie deutsche Regierung hat diese falschen Nachrichten, denen sie vollkommen fernsteht, außerordentlich bedauert und die Presse zu größter Vorsicht erm ahnt. Es ist auch die Vermutung geäußert worden, daß solche falsche Nachrichten absichtlich von Provokateuren verbreitet würden. Diese bedauerlichen falschen Nachrichten ändern aber jedenfalls nichts an dein Gesamtbestand der Jtalianisierung Südtirols. (Lebhafte Zustimmung.) In M ü n ch e n ist in der Tat von einigen Privatleuten eine Bewegung zum Boykott Italiens eingeleiiet worden. Hinter dieser Bewegung steht aber weder die bayrische Regierung noch deutsche gmtliche Stellen. Es sei auch durchaus unangebracht, wenn einigeDutzend Leute glaubten, auf diese Weise deutsche Außenpolitik macht» zu können. Diese rein private Bewegung unverantwortlicher Leute hat den italienischen Ministerpräsidenten veranlaßt, dem deutschen Botschafter ztt erklären, daß er amtlich ttc Einfuhr deutscher Warei» verbieten und zmn Boykott Deutschland cruffordern werde, wenn derartige Bestrebungen nicht aufhörten. ES ist ein unmögliches Vorgehen, diese von der deutschen Regierung mißbilligte Bewegung inverantwortlicher Kreise mit dem Bruch internationaler handelspolitischer Abmachungen beantworten zu wollen. Auf solcher Basis sein ein internationales Zusammenleben unmöglich. (Lebhafter Beifall.) In Locarno wurde an die deutschen Delegierten die Frage gerichtet, wie sich Deutschland zu einer Revision der Brennergrcnze stelle. Die deutsche Antwort war selbstverständlich, daß Deutschland für eine solche Frage nich^ die richtige Adresse sei. - Oesterreich, nicht Deutschland grenze an Italien. Deutschland achte das Selbstbestimmungsrecht der Volker und habe nur den Wunsch, daß dem deutschen und österreichischen Wünschen, die auf dem S e l b st b e st i mmungsrecht der Völker beruhten, nicht in Ewigkeit die Hindernisse entgegengesetzt würden, die sie seit 1919 erfahren hätten. Die deutsche Oefsentlichkort habe in den letzten Jahren Italien große Sympathien entgegengebracht. Wenn Herr Mussolini glaube, die veränderte Haltung der deutschen Presse sei auf einen Befehl der deutschen Regierung zuruckzuführen, so' vergesse er, daß' man in Berlin nicht..... . wie in Rom die Freiheit der Presse willkürlich beschränken könne. Die jüngste Rede Mussolinis fordere nicht nur die Enldeutschnng Südtirols, sondern sie sei in der ganzen Welt als eine Kriegsdrohung gegen Deutschland und gegen Oesterreich ausgefaßr worden. Derartige Drohungen ^eien mit dem Geiste des Völkerbundes schlechthin unvereinbar und unvereinbar mit ihm sei der ganze Ton der Ueberhebl ichkeit und Maßlosigkeit v on Mussolinis Ausführungen, die kein Ausdruck innerer Kraft zu sein brauchten. Wenn die Zahl der deutschen Touristen in Italien zurückgehe, so dürfte das nicht die Folge deutscher Maßnahmen, sondern die Folge der Rede Mussolinis sein. (Lebhafte Zustimmung.) Mussolini habe für seine große Aktion die Landtagsrede des bayrischen Ministerpräsidenten Held zum Anlaß genommen, ohne den Wortlaut dieser Rede erst abzuwarten. Held habe ganz klar nur von der kulturellen Freiheit der Deutschen Südtirols gesprochen. Den: Reichsaußenminister erscheine es allerdings wünschenswert, daß auswärtige Politik nur von der» Rcichsstellen und im Reichstag gemacht werde.' Deu tschland lasse sich allerdings das Recht nicht nehmen, für die kulturellen Rechte der deutschen Minderheiten im Auslande einzutreten, wie es auch die Rechte der rtt seinen Grenzen wohnenden nationalen Minderheiten wahre. Die Anteilnahme des deutschen Volkes an den Menschen deutschen Blutes jenseits der deutschen Landesgrenzen sei ein Naturrecht, das sich das dcrttsche Volk nicht beschneiden laste. Die Reichsregierung werde auch im Völkerbunde für die nationalen Minderheiten eintreten. Aeuhere Machtlosigkeit, schloßt der Minister unter leblwftem Beifall des Hauses, sei nicht gleichbedeutend mit dent Verluste innerer Kraft. In diesenr Gefühle weise er btc gegen Deutschland gerichteten Drohungen mit aller Entschiedenheit zurück. Nachdem Dr. Stresemanrt gesprochen hatte, ga. Dr. Scholz (deutsche Bolkspartei) im Namen der Regierungsparteien eine Erklärung ab, in der die Beleidigif gen und Drohungen Mussolinis als eine Rückkehr zur Politik der Gewalt zurückgewiesen werden. Abg. Stampfer (Sozialdemokrat) stimmt den Ausführungen des Ministers zu und wendet sich scharf gegen die Rede Mussolinis. Uns ist, sagte Redner, Italien teuer durch die Geschichte seiner Kämpfe um Einheit und Freiheit, nicht das Italien der Raub- und Mordpolitik Riustolinis, sondern das Italien des von

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