Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2502 (9.2.1926)
- Date
- 1926-02-09
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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w» t_güten, Steniteifl »Vmetiia — Polen — Paliift na.- Sin Vortrag des Abgeordneten Dr. Leon Rcich. Im dichtgefüllten groß.» Konzerchau^'ail hielt gestern der Präsident des jüdischen Sejmklubs. Mg. Dr. Leon Reich, einen hochinteressanten Borttag unter dem Titel „Amerka, Polen. Palästina — das jüdische Problem", in dem er in fesselnder Weise über alle das Judentum tangieret den Fragen sprach. Redner behande.te die Lage der a.n.r>kanischen Judm und betonte, daß es drei Probleme sind, die sie am me sten beschäftigen: die Frage der Iewish A g e n e y, der K e r e n H a j e f s o d und die hebräische Universität. SUch Besprechung der Krim frage, die Redner als Gegenwartslösung bezeichnete, gegenüber Palästina, das Ewigkeimvert besitzt, wandte sich Dr. Reich der Besprechung d?r Lage der Juden m Polen z r. Er erörterte die polnischjüdische Verständigung, die sich in p litischer Hinsicht ausrirke, aber den WirtschaftsanNsemitsmus und den geistigen Antisemitismus, d'N Numerus clausus» noch nicht billigen k.'tiitte. D:e Gräber, in die die jüdischen Existenzen geiegt werden, so führte Redner aus, können sich sehr leicht auftu.t uud d.e Ex stmzen der polnischen Bevölkerung verschlingen. Ein Lichtpunkt in der jüdischen Gegenwart ist d:e Regeneration des Volkes in Pal äst'na. Ein Phänomen im wahrsten Sinne des Wortes offenbart sich in Erez Israel der ganzen Welt, so sch oß Doktor Reich feilte mit lebhaftem Beifa.l aufgenommene Rede. Vortrag Lberrabbiner Prof. Pr. g. P. khafr». Auf Einladung der Zionistischen Sektion 6-8 spricht Herr Oberrabbiner Prof. Dr. Z. P. CHajes- Donnerstag den 25. d. um halb 8 Uhr abends im Fest'aale de- Berbandsheimes, 6. Bezirk, Königseggasie 10, üier „Zionismus als Mittler zwischen Juden und N chtjuden". Der Vortrag begegnet größtem Interesse. Für die übr gen Bezirke steht nur eine ganz beschränkte Anzahl zur Verfügung, da der Großteil der Plätze von den Mitgliedern der Sektion 6-8 in Anspruch genommen wurde. Karten von M Gr schen bis 2 Schilling: Zionistisches Bureau, 1. Bezirk. Kärntnerstraße 28, R. Löwit, 1. Bezirk, Rotenturmsträße 22, Bücherstube Rath, 2. Bezirk, Tawrstraße 20a, Schuhwarenhaus Fischbach, 4. Bezirk, Marearetenstraße 30, Bez'.rksrat Kahn, 6. Bezirk, Mariahilferstraße 101. Vortragszyklus de» ziauiUifcheu Landerkomllee». Im Rahmen des Vortragszyklus spricht am Donnerstag, den 11. d. im Klubheim der Hakoah, 1. Bez., Wipplingerstraße 24-26, Herr Pros. Dr. Viktor Kellner über „Kultur- Probleme des Palästianausbaues". Karren sind im Zionistischen Landeskomitee, 1. Bez., Kärntnerstraße 28, zu beheben. Landeskomitee, 1. Bez., Kärtnerstraße 28, zu beheben. Dr. Z. Diesendruck über „Wandlungen in der jüdischen KuLturdoijtik." Donnersrag fand nn KlulHeim der Hakcah der dritte Vortrag des vom Zionistischen Landeskomitee veranstalte.en Zyklus statt. Es sprach Dr. Z. Diesendruck über „Wandlungen in Ser jüdischen Kulturpolitik". Nach einer einleitenden Abgrenzung des Begriffes der kulturpolitischen Bewegung in der jüdischen Geschichte und Hervorhebung des autonomen, von fremden Einflüssen nur umoesentlich bestimmten Charakters solcher Bewegungen bei uns, kam Hedner auf das eigentliche Thema zu sprechen: Auf die ideologische Entwicklung. die in der H a s k a l a h des 18. Jahrhunderts ihren Anfang nahm und sich bis auf die nationale Idee in unserer gsgenwärtigsn Form kontinuierlich fortgesetzt hat. - Es sei ein Grundschier. meinte üer Vortragende. „Haskalah" mir „A u f k l ä r u n g" zu übersetzen, wenn unter diesem Begriff die westeuropäische Bewegung nach einer Natur- und Vernunstteligion verstanden we den soll. Bei uns war die Haskalah vielmehr die erste, ernstlich »ersuchte Rev:sicn unseres Verhältnisses zur Außenwelt, zur „allgemeinen" Kultur. Sie entstand nicht als Nachahmung etwa der deutschen Aufklärung, sondern als PrMrlt einer Kreuzung der west- und ostjüdischen Kultur — nach ihrem ersten Zusammentreffen. BaL aber spaltere sich die Haskalah in zwei Richtungen, die bis in ihre ersten Anfänge zurückwelchen: Eine westliche, die auf Anähuelung, auf Assimilation, ausging, und die östliche, die eher eine Rezeption der allgemeinen Werre ins Jrwentum anstrebte; die erste zentrifugal, die zweite zentripetal. In Berlin M>uvde die Bibel ins Deutsche übersetzt, zur selben Zelt aber in Wrlna Eukliaes aus dem Griechischen inS Hebräische; das symbolisiert zur Genüge die beiden Richtungen. Während nun die rvestliche sich in vollkommene Auslösung alles Jüdischen verlor, fand die östliche Richtung eine Fortsetzung und Vertiefung. Die zweite Haskalch- Generation, deren Haupwertteter Kroch mal und Nappaport waren, legte den Gilmostein zur neueren Wissenscha'r des Jiwentums, gleichzeitig aber tastete sie nach einer neuen Formel für die Seinsart des jüdischen Volkstums — sie versuchten es mit verschiedenen metaphysischen und historischen Fassungen, denn d'.e nationale Formel war in ihrer k.aren, bewußten Gestalt noch nicht gesunden. So finden wir nun in der dritten Haska.ahphase, e:wa bei Smolenskm und Lilienblum, ein Nebeneinander uitc auch Durch? uar.der be"-n Tendenzen, der keimenden rnPonalm Ideologie und der alten Haska.'ahgevanken. — Eines war aber allen Maskilim gemein'-.lm. Tie Fo.äerung nach persönlicher Wandlung, nach Erziehung zur Arbeit an Stelle des Handels, v.udj Erweiteiung des iüv : schrn Horizont-. Ach ad-Ha am war £* Vorbehalten, die Theorie dejüdischen Nationalgeoan'ei's lick null zu formulieren. In seinen Lchrrn über das geistige Zentrum, über die Bedeutung der jüdische» Arbeit, über die Ausgaben der hebräischen Literatur läßt sich so manche Inkonsequenz Nachweisen. Wenn wir die Ideen, die dem jungen Palästina von Gordon und Brenner gegeben wur-! de«, betracht««, so erscheinen sie uns manchmal den HaStalahiwalen I ©feitet? Moraenzettimst JÜDISCHES KÜNSTLERKAÖARETT | ■.» rtuemtene 60 , Leitet» Me« »teea« I yvrttyyrrrrvty’rttvytryretqr j ji; Heute Uhr abends;•!: | Mo jscheTeleb endig $ ml Max Streng in der Dteirolle und das übrige reich*;i haltige Programm [Dienstag den 16. Februar Ehrenabend Wei$berg-*fgaÜ; Ein fahr nach der Hochzeit | .,^-SSSSSHKS«SSSrSYS«!SSSKS-S-S I w |T.V TTmiinTaBswa f IM VERLAGE DES V ATIONAL-MUSEUMS „BEZALEL“ IN JERUSALEM erschien soeben Der I Tränenkrug 24 Zeichnungen von i Abel Pann / Jerusalem mit einem Vorwort von Dr. H. P. Chajes Eine Leinen < appe 24Y31 cm Lichtdruck aut Chamois-Karton Pi eis 35 Schil ing kn Paris, m tten* im grössten aller Iriege, mtsfand diese gewaltige Anklage in Bildern inspiriert durch die unversiegbare Liebe zu einem gequälten Vo.k, geschaffen von einem Herzen, < as auf* gepeitscht ist auich die namenlosen Grausamkeiten an schuldlosen Menschen. Es zeigt in erschütternden Szenen die unverschuldeten Leiden eines seinem Gotte treuen Volkes, zeigt aen Fluch des Militarismus, die Untaten einer zügellos* n Soldateska. Wer angesichts dieser Bilder, die an die besten französischen Leistungen heranreichen, sich nicht zum Frieden unter den Menschen bekennt, der ist für die Menschheusidee verloren! D e Ausstattung der Mapne ist durchaus vornehm und würdig / Das Werk ist eine künst'erisc^e, graphische und ethische Kostbarkeit Zu beziehen durch IMMiHig R. LöuiL Weo I. Roteitnü 22 verwandter als der Achad-Haam schen Lehre; denn auch bei ihnen stcht d.e Idee der Arbeit als Erlösung im Zentrum. Doch ein Entscheidendes übernahmen sie von Acham-Haam: Die Beziehung auf das Absolute des jüdischen Bolksseins. Tie Haskalch stellte alle ihre Postu.'ate aus relativistischen Motiven; das wichtigste war die Rücksichtnchme auf die Meinung der anderen. Erft Achad-Haam lch.te, daß der eigene, innere Maßstab allein gültig ist. Dieses Prinzip der Autonomie deS jüdischen Willens ist auch ein wesentlicher Bestandteil der jungpalästinensischen Ideologie. Redner besprach dann ausführlich die sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Gegenwart. Er polemisierte Men die verbreitete Anschauung, die Politik sei alles. Alle politische Tätigkeit, aber auch die kolonisatorische können nur Mittel sein zum wesentlichen Ziel: Zur Regeneration des jüdischen Menschen und zur Schaffung einer neuen geistigen Realität. Diez gilt sowohl für Palästina als auch für die Galulhländer. Renaissance in Palästina darf nicht mit Uebersiedlung identifiziert werden. Jude sein in der Ea.'uth nicht mit dem bloßen „Bekenntn i s", etwa durch einen Schekel oder Stimmzettel. Politik ruck) Organisation, wenn sie ein geschlossener Zauberkreis werden und leerlaufen, müssen am Ende beide versagen. Gerade aus der Notwendigkeit einer Gegenwartsarbeit müsse das einzig Mögliche und einzig Richtige gemacht roerden: Die Schaffung einer wirklich jüdischen, in ihrer Geistigkeit gesättigten Gemeinschaft. Dieschließt, nicht die sogenannte „L a n d e 3 p o l i t i k" aus, im Gegenteil, sie wird dadurch notwendig und wirksam — denn nicht allein auf Mitgliederlisten von „Organisierten" beruhend, sondern auf vitalen, persönlichen Bedürfnissen. An Stelle der jetzt getrennten „Politik" und .Mrltur", wobei letztere oft nur ein« Art Appendix ist, muß die einheitliche, einzig mögliche Politik treten: Die Kulturpolitik; begründet im vollen Einsatz der P e r s o n. in der T a t und in der Beziehung auf daß Absolute des jüdischen BolksseinS. Die zah'reich erschienene Zuhörerschaft nahm die Darlegungen der Vortragende» mit lrbha'tem Dank auf. eaBneaEBaasaoaxsaasseasaesa^^ Kurze Nachrichten. Der englische Premierminister Baldwin dementierte km Unterhaus die Gerüchte, wonach Italien für das Abkommen über die Reglung der italienischen Kriegsschulden an England diesem Konzessionen auf politischem oder wirtschaftlichem Gebiete eingeräumt haben soll. Wie der „P.tit Parisien" auS Genf meldet, sollen die Verhandlungen zwischen Rußland und der Schwei gescheitert sein, da Rußland diir letzten Vorschläge d.r Schweiz abgelehnt habe. Der türkische Parlam.ntsausschuß für Auswärtiges hat den türtisch-rrMchen Neutralitätsvertrag genehmigt. S. Februar 1926_Kr. LS» Srinen« «nt MMKttBtfone in Brei Sind. Aus Jerusalem schreibt man nnS: ES wird hi« vielfach als sonderbar und ungerechtfertigt angesehen, daß di« jüdische Presse m der Galuth der sozialen Fürsorge« a r b e i t der Frauen in Erez Israel und den von ihnen de« teils erzielten Erfolgen publizistisch nahezu gar keine Beachtung schenkt. Und doch vechient es festgestellt zu werden daß in Erez Israel eine sehr gut organisierte, wenn auch noch nicht ftnanz.ell allzugut fundierte weibliche Fürsorge tälig ist, die in ihren Zielen und Methoden den modernsten Anforderungen Rechnung trägt und dabei Tradition und Sitten der in Betracht kommenden Volksschichten in vollem Maße berücksichtigt. Die Arbeiten der Fürsorge für die jüdische Frau und das Kind werden von der Histadruth Vafchim Jwrijoth, der Organisation jüdischer Frauen in Erez Israel besorgt. Der Zentralsitz der Organisation ist Jerusalem und nahezu in sämtlichen Städten und Kolonien sind Zweigvereine tätig. Ter statutarische Zweck des Zentralverbandes ist, die Organisation der jüdischen Frauen im Lande für die Arbeit im öffentlichen Dienste. Welcher Art diese Arbeit ist, mag aus einem jüngst erschienenen Bericht der Zweigstelle Tel-Awiw, die seit zwer Jahren besteht, ersehen werben. Zunächst wurde eine Stelle zur gegenseitigen moralischen, materiellen und kulturellen Hilfe der jüdischen Mutter geschaffen. Es wurde ein Hilfskomitee für Wöchnerinnen geschaffen, welches für die Unterbringung der Multer rm Spital der Hadafsah sorgt und sich ihrer auch nach dem Verlassen der Klinik annimmt. Nach einjähriger Tätigkeit nahm die Organisation auch die Säuglingsfürsorge in ihr Tätigkeitsgebiet auf. Ein eigener Ausschuß hat die Aufgabe, die Mutter in ihren Wohnungen aufzusuchen, sie in der hygienischen Erziehung des Kindes zu nnlerweisen und ärztliche Hilfe, im Notfälle auch materielle Unterstützung beizustellen. Die jüngste Errungenschaft ist die Errichtung von Säuglings-Tagesheimen, um > die arbeitende Frau während der Tagesarbeit der Sorge um ihr Kind zu entheben. Ter Ausbau dieser Tagesheimstätten und die Organisierung der reiferen Jugend bildet jetzt den Gegenstand fachmännischer Beratungen. Als nächstes Ziel schwebt der Organisation die Schaffung eines Arbeit bureaus für Frauen vor. Wer ist der berühmteke Franzose? Aus Paris wird uns gemeldet: Die Wochenschvrfl „Chrano" hat eine Berühmtheitenkonkurrenz veranstaltet, deren Ergebnis nunmchr vorliegt. Die Liste der Favoriten, die das Publiikum nach eigenem Ermessen erküren konnte, beginnt mit Marschall'Fach, der 376.816 Stimmen auf sich vereinigte. Dann folgen Madame Curie mit 858.557, Briand mit 324.533, B ra n ly, cher große Radiogelchrte, , mit 811.461, .Clemenceau mit 282.392 und der berühmte Bakteriologe Roux mitt 236.845 Stimmen. Poincare muß sich mit dem siebenten Platz begnügen, ihm auf dem Fuße folgen die Morschälle Joffre, Petain und Lyauthey. Literatur und Kunst scheinen zurzeit in Frankreich wenig in Gunst zu stehen. Außer dem Hausdichter der „Cyrano", Clement Baute!, brachten es nur noch Cecilie Sorel, die berühmte Moliiere-Spielerin der Comedie Francaise, Pierre Benoit, der erfolgreiche Autor von „Puit de sacoche", der Komcdiendichter Courtelin« und die Mistingouette auf mehr als 100.600 Stimmen. Der Thronprätendent der Royalisten, Philipp von Orleans, hatte ganze 11.000 Stimmen cum sich vereiinigt. . Auch eine Gntfefürasitor. 127 Stunden Tanz 26 Kilo Gewichtsabnahme. Aus Paris wird uns gemeldet: Der Rekordtänzer Nicolas hat Sonntag abends seinen Dauertanz beendet. Cr hat es nicht, wie er ursprünglich beabsichtigte, auf 130 Stunden, sondern „nur" auf 126*/« Stunden gebracht. Damit hat er immerhin seinen früheren Rekord von 125 Stunden etwas verbesiert. Während dieser Leistung hat Nicolas 26 Kilogramm an Körpergewicht verloren. Unter den Tänzerinnen, die sich mit ihm ablösten, befand sich auch seine Frau, die dabei den Dauerrekord für Frauen geschlagen hat, indem sie 25 Stunden hintereinander tanzte. Sin Solumbur-Archiv. Die spanische Regierung hat von dem Herzog von Bera» gu a. einem Nachkommen des großrn G:nues:n Columbus, den geiamten schriftlichen, Nachlaß seines Vorfahren ang.'kauft und als C o l u m b u s - Ä r ch i v in Sevilla ausgestellt. Die Samm'ung enthält unier anderem 97 sehr inieressante und wertvolle Briefe. Das älteste Dokument ist ein Empfehlungsschreiben des Königs von Portugal, das Columbus die Ausrüstung seiner ersten Fahrt erleichtern sollte. In einem anderen Br'ef, drn der König geschrieben Hai, wird die Ausrüstung einer Flotte für eine Ostindirnreise besprochen. Am in eresiantesten aber sollen di« Dokumente sein, aus denen das langsame Warbsen des Mißtrauens gegen Columbus, das der Neid und die Mißgunst seiner Z'itgenossen gesät hatten, beryorgeht. Das Archiv enthält auch das T e st a m e n t deS Entdeckers, das er kürz vor feinem Tode in Valladolid schrieb- Pie Grmsrlmua Moljavels. Am 17. Februar beginnt vor dem Schwurgericht di« Verhandlung gegen den Zuhälter Franz Seidl, der am 1. August während der Krawalle auf dem Praterstern den Turner Jc^ef M o h a p e l erstochen hat. Die Verhandlung wird Hofrat Dr. Schaupp letzte^