Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2502 (9.2.1926)
- Date
- 1926-02-09
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Sk. 2502 Wien, Dienstag Wiener Morgenzeitung 9. Februar 1986 Ats EINREIBUNGSMITTEL tu der echte LÖWEN FRANZBRANNTWEIN mit Menthol von unübertroffener Wirkung. Er lindert alle Schmerzen rasch und sicher• Machen Sie einen Versuch u. urteilen Sie selbst Achten Sie auf die Schutzmarkei ln Originalflasch m überall erhältlich. Alexander Kalmar, Wien, 21. Nordbahnhof Gesetzt, gesch. Schutzmarke Erzeuger Aenderungen im polnischen Kabinett. (Eigelldienst der „Wiener Morgenzeitung.") Warschau, 8. Februar. Wie bereits gemeldet, hat der Minister für öffentliche. Arbeiten, M o ra czew s k i (Sozialdemokrat), infolge seiner Unstimmigkeiten mit donl Ministerpräsidenten die Demission überreicht. Diese' Demission bedeutet keineswegs einen Austritt der Sozialdemokratie ans der Negierungskoalition. Im Gegellteil, die Sozialdemokraten sind nach wie vor bereit, ein Mitglied ihres Klubs in das Kabinett zu delegieren. Als Kandidaten lverden genannt die Abgeordneten Niedzialkowski, Jaworowski und Hausner Artitr. In hiesigen politischen Kreisen verlautet, daß die Sozialdemokraten mich das Handelsministerium übernehmen werden. Als Kandidat wird der jüdische Sozialdenwkrat Abg. Diamant genannt. Es ist jedoch schwer anzunehmen, daß die Sozialdemokraten, die in Polen seit jeher eine antijüdische Politik betreiben, dieses Ressort mit einem Juden besetzen werden. Verurteilung von Poale-Zionisten. Radom, 8. Februar. Heute fand hier ein politischer Prozeß gegen elf Angehörige der poale-zionistischen Partei statt, die kommunistischer Umtriebe beschuldigt werden. Vier von den Angeklagten, die als die Führer der Organisation gelten, wurden zu drei Jahren schweren Kerkers verurteilt.; Iie Reden des Ministers Radir. Vor einer Demission des Kabinetts Pasie? Belgrad, 8. Februar. (Tel.-Komp.) Die politische Lage hat durch weitere Nedeexzesse des Unterrichtsministers R a d i c eine Zuspitzung erfahren, die eine Regierungskriseals unvermeidlich erscheinen läßt. Radic hat m Dalmatien und in der Herzegowina einen überaus scharfen Ton gegen seine radikalen Ministerkollegen angeschlagen. So beschuldigte er gestern in einer Wählerversammlung den Finanzminister, daß er mit Staatsgeldern Verschwendung treibe und ein Hasardeur sei, den Innenminister, daß er in Kroatien korrupte Beamte dulde. Er erklärte, wenn der Innenminister vier Stunden nach seiner, Radic', Rückkehr nach Belgrad die unbeliebten Beamtet: in Kroatien nicht ihres Amtes enthebe, werde er den Innenminister zur Demission zwingen. In den Kreisen der radikalen Partei herrscht Helle Entrüstung über den Unterrichtsminister. Me Abendblätter bringen die Meinung zmü Ausdruck, daß Ministerpräsident Pasie schon in den nächsten Tagen oder Stunden die Demission des Gesamtkabinetts geben und sodann eine neue Regierung mit Ausschisfund des Unterrichtsministers bilden werde. Inland. Hakenkreuzlerroheiten gegen Kriegsinvalide. Samstag und Sonntag fand in K l a g e n f u r t der fünfte Reichsdelegiertentag der Kriegsopfer statt. Nach Schluß der Tagultg ergriff der christlichsoziale Delegierte Bezirksrat Professor Otto Buch n e r aus Döbling das Wort und brachte den Delegierten folgenden Vorfall zur Kenntnis. Er schilderte, wie eine Anzahl von Delegierten in der Nacht von Samstag auf Sonntag auf dem Hauptplatz von einer. 30 Mann starken Gruppe von Hakenkreuzlern förmlich überfallen wurden, die vor: den Vertretern der Invaliden verlangten, sich auszuweisen', o b s i e Arier s e i e n. Dieses Vorgehen habe insbesondere den Leutnant Hirsch, einen der schwersten Invaliden Oesterreichs, der nicht nur au beiden Augen erblindet ist, sondern dem auch beide Hände fehlen, so furchtbar erregt und seelisch tief erschüttert, daß er an den weiteren Verhandlungen der Tagung nicht mehr teilnchmen konnte. Dieses Vorgehen, das von Professor Büchner als eine Kulturschande bezeichnet wurde, rief bei den Delegierten große Entrüstung hervor. Es wurde beschlossen, bei der Polizei die Anzeige zu'erstatten und hievon auch die Landesreg erung in ßwftteU p jtyti Windischgrätz hat fich fett ISA mit FrankenfSlschungen befaßt. Me demokratische Linke wirft Bethleu Verleumdung vor. Budapest, 8. Februar. Ter parlamentarische Untersuchungsausschuß wird morgeri um 11 Uhr vormittags eine Sitzung abhalten. Wie verlautet, werden in dieser Prinz Windischgrätz, Sekretär Raba, der Lcmdespolizeichef Nadossy sowie die Leiter des kartographischen Instituts, Harts, K u r tz und G e r ö, verhört werden. Wie es heißt, soll der gewesene Minister des Aeußern Graf Nikolaus B a n f f y vom Untersuchungsausschuß nicht verhört werden, denn es bestünden keinerlei Beweise für die Behauptung, daß der Minister des Aeußern die Kaution für den wegen Sokolfälschung verhasteteu Meszaros aus Staatsgeldern hinterlegt habe. Abgeordneter Main teilt mit, daß er tit der verflossenen Woche mehrere Male mit dein Prinzen Windischgrätz vertrauliche Gespräche hatte. Windischgrätz habe offen erklärt, daß er sich seit dem Jahre 1923 mit Frankenfälschungen befaßt und von allem Anfang mit Nadossy zusammen gearbeitet habe. Er habe die Sache initiiert. Nadossy war aber von Anfang an in die Angelegenh eit eingeweiht. Der demokratische Block gegen Bethlen. Ministerpräsident Graf Bethlen veröffentlicht eine längere polenki'sche Erklärung gegen dm Abgeordneten B a z s o n Y i. Graf Bethlen weist zunächst die Behauptung B a z s o n y i s zurück, als ob er durch die Angriffe gegen die Person Vazjonyis die ganze Iudenschaft treffen wollte, und bezweifelt es, ob Bazsonyi sich überhaupt als Führer des ganzen Judentums in Ungarn gerier e n könnte. Im weiteren Verlauf der Polemik betont der Ministerpräsident von neuem, daß Vazsonyl und seine Gesinnungsgenossen die ausländische Presse mit unrichtigen Informationen versehen oder zumindest nicht dazu beigetragen haben, im Wege ihrer Verbindungen diese falsch:« Nachrichten zu berichtigen. Die im demokratischen Linksblock vereinigten Parteien hielten heute abends eine Konferenz ab, in der sie zu dem jüngsten Artikel des Grafen Bethlen Stellung nahmen. Die Parteien wandten sich «^besondere gegen jenen Passus Tagesbericht. ' Altjödifche Weisheit. Für d'ie „Wiener Morgenzeitung" nach den Quellen bearbeitet. Lebensführung. Man kann immer ohne Wein leben, aber niemals chne Wasser; man kann immer chne Pfeffer leben, aber -niemals chne Salz. * Bier Dinge schwächen die Kra^s des Menschen: Sünde, lange Wege, Fasten und Regierungszwang. * Ein Seufzer hat die Macht, den halben Körper Zn zerbrechen. Es sprach Rabbi bar bar Chana im Namen ^des Rabbi Jochanan, im Namen Rabbi Jchuda bar Jlais: Komm und merke den Unterschied zwischen den alten und neuen Generationen. Jene machten die Lchre zur ständigen und die Arbeit zur Nebenbeschäftigung, dadurch gerieten beide; die anderen aber machen die Arbeit zur ständigen und die Lehre zur Nebenbeschäftigung: so können beide nicht geraten. * Ben Asai sagte: Verwirf keinen Menschen und verachte kein Ding. Denn jeder Mensch hat seine Stunde und jedes Ding hejl seinen Ort. Der Einbruch im Vrrliner Mischen Museum. Ein Täter vechaftet. Wie berichtet, wurden dieser Tage zwei Burschen, die dem Staatsamvalte Dr. Wagner aus seinem Bureau einen Pelz gestohlen haben, vechaftet. Der eine von ihnen ist der 24jährige -Landarbeiter Rudolf Schütz. Wie nun bekannt wird, hat Schütz auch am 10. Mai 1923 den Einbruch im Jüdischen Museum in Berlin verübt und Antiquitäten in Ulychätzöarent Werte entwendet. Er hat die Gelegenheit ansgeknndschaftet und bei einen: scheinbar harnrlosen Mufeums'besuch einen Fensterriegel herabgezogen, so daß es ihn: und ztoei anderen Diebsgenossen leicht nröglich war, durch das Fenster in die Musealräume zu gelangen. Damals waren 10 Milli!onen Mark als Belohnung der Zustalwebringnng der Beute ansg^etzt. Dar Drama einer Arbeitslosen. Drei Morde in einem Spital. Aus Berlin wiird berichtet: Nach einer Meldung aus Moskau erschoß iit einer Klinik ein Arbeitsloser^ namens L o sgatschow den Nervenarzt Dr. Meisel, darauf den in einem Nebenzimmer beschäftigten Zahmrzt Meltscharski. Den herbvieilenden Chefarzt «der Klinik, Dr. Hirsch selb, verwundete er durch zwei Schüsse schwer. Er verübte dann Selbst- Word. Der Zustand Dr. Hirschfelds ist hofsnungloS. des Artikels, worin Graf Bethlen der Linksoppofik» tion den Vorwurf macht, sie wäre es getvesen, die in den a u s l ä n d i s ch e n B l ä t t e r n die gegen die Person uvd die Umgebung des Reichsverwesers gerichteten Ausstreuungen placiert hätte. Diese Behauptung des Grafen Bethlen wird vom demokratischen Block als eine Berleumdungbezeichnet. Eine Notendruckrmrschine in -ie Dorrwu gUworferr. Im „P e st i N a p l o" erklärt heute der französische Polirzeibeamte D o u l c e t, daß die französischen Behörden bereits alles wissen, was sie wissen wollen. Die Budapester Recherchen haben ergeben, daß außer der einen bereits zustande gebrachten Notenpresse, noch eine andere Maschine vertvendet worden sei, die nie mehr gefunden werden könne, weil sie auf dem Grunde der Donau liege. Die Franzosen hätten festgestellt, daß am Tage nach dem Bekanntwerden der Frankenasfäre die Fälscher die Maschine, mit der sie die Nummern auf die Fälschungen druckten, zerlegt und von einer Brücke in die Donau geworfen haben. Nachdem die Franzosen dies in einer zweifellosen Weise festgestellt hätten, planten sie eine Zeitlang, die Maschinenteile aus der Donau hervorzuholen. Sie kamen jedoch davon ab, weil sie eigentlich die Maschine nicht brauchen und ohnehin bloß zerbrochene Stücke finden könnten. Die genaue Beschreibung der Maschine wüßten sie ohnehin. D o u l c e t fügte hinzu, solange die Franzosen nicht festgestellt haben, woher die Maschinen beschafft wurden, würden sie sich nicht eingehender mit der Frage des Ursprunges des Papiers befassen. Das komme erst später an die Reihe. In diesem Augenblick interessiere sie hauptsächlich der Ungarn betreffende Teil der Frankenfälschungen. Doulcet halte es für wahrscheinlich, daß bei der Eruierung des Ursprunges der Maschine und des Papieres auch in anderen Ländern werden Recherchen gepflogen werden. kl» englischer Naoossy. Sir Basil Thompsons Ende. - Aus London'wird uns gemeldet: Der oberste Senat des Londoner Polizeigerilchtes hat jetzt das Urteil des Bezirkspalizeirichters bestätigt, wonach Sir Basil Thompson, ehemaliger Londoner Polizeichef, wegen ärgermserregender Unzucht im Hydepark zu 5 Pfund Sterling Geldstrafe verurteilt wurde. Damit ist endgültig der Ruf und das Anschen eines Mannes gesellschaftlich begraben worden, der :m Kriege und in der Nachkriegszeit in England eine höchst unheilvolle Rolle gespielt hat. Dieser Mann war einst stellvertretender Polizeipräsident von London und der Chef der politischen Abteilung von Scottland Aard. Der damalige liberale Innenminister MacKenna hatte einige Jahre vor dem Krieg Basil Thompson Zu diesem Posten ernannt und damü die ihm auch später treugMiebene Unerfahrenheit in der Beurteilung seiner Mitmenschen bewiesen. In den Vorkriegsjahren waren russische Anarchisten und ind:- sche Nationalisten die ersten Opfer des neuen Polizeichefs, der unter Vorbringung von nach den fragwürdigsten Methoden gesammelten Beweismaterials die Ausweisung oder harte Bestrafung dieser Leute zu Wege brachte^ Kaum kam der Krieg, bekamen die in London zurückgebliebenen und auch die naturalisierten Deutschen die Methoden dieses Menschen zu kosten. Dutzende von angeblichen Spionen hat er so an den Galgen gebracht. Nach den: Kriege, noch unter der Premi-rschaft Lloyd Georges, versuchte er dann anläßlich von Streiks dw Gewerkschaften zu zerschlagen, indem er nach erprobtem Rezept „Beweismaterial" über die -bolschewiküsche Stimmung der Streikführsr lieferte. Ter Einzug der Konservativen in die Ministerien verjagte ihn endlich aus seinem Amt. Noch vor einem Jahr wurde chm Pensionsentziehunq augedroht, weil er Abschriften aus den Akten der politischen Polrz-' mit ins Prwrtttöen genommen und jouraalist'ich zu verwerten suchte. Dieser Manu :st nun an e:ner.l Dezemm ralnnd von zwei jungen Schutzleuten, die ihn nicht kannten, überrascht worden, wie er im hvd.'park, unmittelbar an e'nem öjsentlichen Weg, sich rrn: einet Prostituierten abgab. Auf dem Weg zur Polizeidirektion bot et den Schutzleuten Stellungen in seinem Dienst an, wen:: sie dw Anzeige unter! rnck.en Vor Gericht ließ er die Lüden Podzsten durch seinen Anwttr beschuldigen, sie hätten gemeinsam mit d-r Prostituierten im Auftrag seiner p Attischen Gegner einen Meineid geleistet. Dies und die versucht Beannenbestechunz hat ihn das Genick gebrochen. Sie Wasserversorgung gerusalr«». Jerusalem, 8. Februar. Wie der „Doar Hajom" berichtet, hat Mawrommatis die Verhandlungen wegen seiner Konzesiionsrechte in Jerusalem ^»it der Zentralvegierung in London zum Abschluß gebracht. Gin Vertreter Mawrommatis' soll dieser Tage nach Jerusalem kommen, um die Durchführung des Projektes der Masse * Versorgung Jerusalems ohne Verzögerung m griff zu nehmen«