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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-08 · Heft 2501 (8.2.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2501 (8.2.1926)
Date
1926-02-08
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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OM-_mm. _ PslWnaanlei-e, Büllerbunv und vngland. Bon Dr. Smil Schmorak, Lemberg. Es ist zweifellos richtig und notwendig, jetzt die Probleme der stnmistischen Außenpolitik in den Vordergrund der öffentlichen Dis- Lrsfion zn rücken. Wir waren in dieser Beziehung in den letzten Jahren sehr schweigsam und man kann ruhig sagen, daß auch die letzte« zwei Kongresse eine entschiedene Stellungnahme in diesen Dingen, wie ste der allgemeinen zionistischen Ueberzeugung emstnwchen Hütte, absichtlich oder unabsichtlich vermieden haben. Diese Tatsache läßl sich aus zwei Gründen erklären. Ter eine liegt in der allgemeinen Richtung der offiziellen Politik unserer Leitung, welche großen politischen Mionen nicht geneigt war. Wir haben uns kleine politische Ziele gesteckt und kleine politische Erfolge erzielt. Weizmann hat diese Richtung ungefähr mit den Worten gekennzeichnet: „Für die nächste Zeit muffen wir unsere politisch-n Erfolge aus den Arbeitsfelde r n d e S E m e k und au» dem Gebiete der wirtschaftlichen Positionen im Lande suchen." Diese einseitige, an die Epoche des Jnfiltrationszionismus erinnernde E nsiellung unserer Politik brachte uvS große Nachteile und trieb dem revisionistischen Lager scharenweise neue Anhänger zu. Der zweite Grund liegt auf dem Gebie:e unserer weltpolitischen Lage, in der Haltung des Völkerbundes, bezw. der Mandatskommission des Völkerbundes zu unserem Palästinaaufbauwerk. ES ist nicht zu leugnen, daß die Mandatskommission öir vor kurzem unsere Bestrebungen in Palästina nicht nur nicht unterstützte, was doch im Zinne des Mandates ihre Aufgabe gewesen wäre, sondern auch jene Objektivität vermissen ließ, die man gerechterweise von so hoher Stelle unter allen Umstanden zu erwarten das Recht hatte. Der vorjährige Bericht der Mandatskommission über Palästina legt dafür ein beredtes Zeugnis ab. Italienische and vatikanische politisch- Gesichtspunkte schufen beim Vorsitzenden der Mandatskommission, Teodo! i, ein geneigtes Ohr für allerhand unbegründete und ungerechte Klagen der Araber und für verzerrte Entstellungen der jüdffchen Leitungen im Lande. Dem französischen Vertrete: waren diese Verhältnisse «ich. unangenehm. Die Vereinigten Staaten von Amerika waren und sind leider weder im Völkerbund, noch in der Mandatskommission vertreten. Wir waren ganz auf die Unterstützung Englands angewiesen. Diese Unterstützung war sehr werwell. Wir lind England dafür zu Dank verpflichtet, aber sie war nur korrekt und bewegte sich im Rahmen einer sehr einschränkenden Auslegung der Balfour-Deklaration und des Paläftinamandares. Diese weltpolitische Lage des Zionismus lähmtdie Stoßkraft unserer politischen Tätigkeit. Unter diesen Umständen konnte man schwer an die von Stricker mit Recht geforderte „praktische Umwertung des Gedankens vom Zionismus als Weltproblem" herrntreten. Im letzten Jahre haben sich diese Dinge sehr zu unserem Vorteile geändert. De: diesjährige Bericht der Mandatskommission ist zwar noch nicht entfernt die volle Anerkennung unserer Rechte und Leistungen. Man kann, ihm kaum mehr als abwartrnde N utralität zur tatsächlichen Entwicklung der jüdischen Arbeit im Lande zusprechen, « stellt aber immerhin einen gewissen Erfolg unserer Bestrebungen dar. der zu stärkerer politischer Arbeit ermuntert und weitere Ersätze erwarten läßt. Es wäre falsch, zu glauben, daß wir diesen Erfolg einzig und allein unserer Vertretung in Genf oder unserer größren Aktionär auf dem Forum des Völkrchundes zu danken haben. Es haben sich vielmehr die polnischen Verhältnisse unter den Großmächten in Bezug aus den nahen Orien: geändert. Frankreich ist infolge der Ereignisse in Marokko und in Syrien eher geneigt, Englands Politik in Asten Zu fördern. Englind hatte Gelegenheit, gerade in den letzten Jahren den politischen Wert eines jüdischen Paläst'nus richtig einzuschätzen Die Balfour-Deklaration hat sich angesichts der Lage in Aegypten, der Wahrbitenkmnpfe, des Drusenoufftandes und des Streites um Mossul nicht nur als Großherzigkeit und Akt der historischen Gerechtigkeit gegenüber dem jüdischen Volke, sonde:n auch als eine schr weitblickende Vorsorge für die großen politischen Ziele Englands erwiesen. Die antizionlstischen Strömungen sind in England im Rückgang begrifstn. Das englische Unterhaus hat scho^ langkeine leidenschaftlichen Palästinadebatten gehabt. Die »rabischen Delegationen haben ihre Reffen nach London ekngestrSt usw. Es sind jetzt die außenpolitischen Beding»«gen gegeben, um unsere Politik aus dem engen Rahmen der Jnt.'wrnrionen im Colonial Office in die große Bahn der Hauptziele des Palästinamandates und der Verwirklichung der Balfour-Deklararion hinüberzuleiten. Der Zweck des Mandates ist, ein jüdisches Heim in Palästina zu errichten. Die Bedingungen hiefür zu schaffen, ist nicht nur Aufgabe des jüdischen Volkes, sondern auch der Mandatarmacht und des Völkerbundes. Bloß passives Verhalten dieser Faktoren wäre ein völliges Verkennen der Idee des Mandates, wäre ein- Fortsetzung der Kolodialpolirik un:er dem Mantel des Mandatssystems. Wenn wir den Sinn des Mandates richtig verstehen, soll doch die Mandatarmacht und der Völkerbund in einem gewissen Sinne für das Mandatsgnber das tun, was ein Staat für seine eigene Bevölkerung zu um berufen ist. Wenn wir nun die aktive Förderung unserer Ziele verlangen, so tun wir es nicht nur im eigenen, sondem auch im Interesse der Erfüllung der neuen politischen Idee des Marwatssystems. welches der Welt als besonderer moralischer Erfolg des Wilsorychen Friedens verkündet wurde. Der 14 Kongreß ha: di« große Palästinacmleihe als unsere wichtigste Ausgabe der nächsten Znkunf. proklamiert. Der gegenwärtige Zustand in Palästina ist wiederum ein Beweis dafür, daß wir ohne rasche Beschaffung große: Fonds das Palästinaaufbauwerk nur langsam und mi: schädlichen und hemmenden Rückschlägen werden führen können. Wenn die Moudatarmachr und der Völkerbund unser.' ganz außero:denlllchen Anstrengungen gleichgültig, sozusagen als uninteressierte Zuschauer beobachten wollen. ivirs man »ich: behaupten können, daß st: den Wortlaut und Sinn des Mandates erfüllen. 8. fte&nwt IM Nr. m. Unsere bisherigen Leistungen, d.e Entwicklung der jüdischen Land wirffchaft, des Handels' und der Industrie, die unvergleichliche Opferivilligkeil unfern Pioniere, di« ganz ansehnlichen Kapitalien, die wir durch die öffentlichen Fonds und auf privat.m Wege ins Land brachten geben uns das Recht, die aktive Mithilfe jener Fak toren in Ansp ach zu neymen, welche im Sinne des Friedensver träges v.n S:. Remo moralisch uno polnisch für dos Gelingen unse rer Dache kaum weniger verantwortlich sind als wr. Unser Kapila. und unser« Arbeit komm: dem ganzen Lande zustatten, der nichtsudischen Bevölkerung ebenso, wenn nicht mehr, als der jüdischen. Der vor dem Kriege arme und rtatf verschuldete Fellache ist jetzt wohlhabend, das ganze Land ist wirtschaftlich im Aufblühen begriffen. Ein gewisser allgemeiner Wohlstand herrscht im Lande. Das jüdische Gold rollt durch alle Kanäle des wirtschaftlichen Lebens in die Taschen der Araber. Die Bevölkerung ist zufrieden. Darin ist auch zum großen Teil das Geheimnis zu suchen, daß Palästina als einziges Land tm EhaoS d't Kriege und Aufstände des vorderen OirentS ruh-g geblieben ist. Nun ist aber Palästina wirtschaftlich nur mi: groß.'n Kapitalien zu erschließen und für eine starke jüdische Immigration aufuahmsfäh'g zu machen, umsomehr, als England be' Behandlung unserer aus dem Mandate fließenden mirtscha,tlichen Postulat« in erster Reihedi« arabischen Interessen schützt. DaS ist beiipielswrvse ln der Frage der Zuteilung von Itaarslände.eien deutlich sicht bar. Wir sind auf diese Waise gezwmgm. für unser Aufbauwerk Viel mehr Mittel aufzuwenden, als sonst notwendig wären. Daraus folgt für die Mandatarmacht die Wich:, ans bei de. Ausbringung dieser Mittel zu helfen und der Jewish Agency die Aufnahme einer Anleihe für den Aufbau Palästinas zu ermöglichen. Eine direkte Gewährung dieser Anleih, seitens der Mandatarmacht wä:e wohl die einfachste und im Wesen deS Mandates durchaus begründete Lös ng dieses Problems. Das >chein: auch Stricker in seinem Aufsätz „Das nächste Ziel der zionistischen Politik" zu fordern. (Siehe „Wiener Mm genzeitring" vom 3. Jänner 1926) Erwägungen realpol'nische: Na ur sehen jedoch manche Schwierigkeiten in dieser Problemstellung Was wir aber mit Aussicht auf Erfolg verlangen können, ist die G Währung der moralischen Autorität und gewisser Garantien seitens der Mandatarmacht und des Völkerbundes für unsere Anleihe. Nach dieser Richtung hin muß unsere außenpolitische Tätigkeit mir größer Energie geführt werden. Die vom 14. Kongreß eingesetzte Anleihekommission führ: vorläufig chre Agenden nur als Studienkommiision und das entspricht nicht de: gegenwärtigen Lage. Wir müffen na ürlich die wirischsatlichen Grundlagen und finanziellen Möglichkeiten, insbesondere die Kreditbasis feststellen und vorbereiten, aber die politische Aktion muß so bald als möglich beginnen. Unsere bisherige Aufbauarbeit erinnert sehr an eine auffteigende Wellenlinie; nach den Perioden des absoluten Aufschwunges kommen Rückschläge und wirtschaftliche Depressionen, welche unsere Fortschritte verlangsamen und die Arbeit stören. Es ist nicht richtig, drß diese Rückschläge unvermeidlich sind. Di« N.ed.rungen dieser Wellenlinie können durch eine Anleihfür immer .jedenfalls für lange Zeit ausreschaltet werden, und wenn wir von der Manda skommfffion den Borwurf hören, daß die Entwicklung der Landsiedlungen nicht gl.'ichen Schritt halt mit dem Wachsen der D ädte. der Industrie und des Handels, dann müssen wir di« Antero t erteilen, daß es in großem Maße vom Völkerbund abhängt, daß dieser in erster Reihe für uns unerwünschre Zustand bald g'ände.u we de. Di« Evschli«ß"ng d's palästinensischen Bodens für die Agrikultur erfordert.langfristige Jnv.'stiton'n, die nur im Wege einer langfrist gen Anleihe mögl'ch und rentabel sein können. Diese Anleihe wird das jüdische Voll der ganzen Welt und. wie wir glauben, auch w'ite nichtjüdische Kreise, welche den h.hrn moralischen Wert und die solide wirnchastliche Basis unseres Auibauwerk.s kennen, ausbringrn, wenn die Mandatarmacht und der Völkerbund ih: den nötigen Schutz verleihen werden. Tie Anleihekommission muß ihre Studien rasch zu Ende führen und mit einem reifen P'an vor die nächste Sitzung des Aktionskomitees kommen. Eine weitere Verzögerung wäre einpolitischer Fehler. ZU der AilseMrocr. Bon Rudolf Steiner, Wien. Der verdienstvolle Vorsitzende der Wiener Nationalforckskommffsion, Herr Böhm, hat in einigen Alvffätzen auseinandergssetzt, daß die rechnerischen Grundlagen der beiden gwtzen Anleihepläne zn ungenügend seien, um mit Aussicht aus Erfolg in Ausführung genommen zu werden, so daß man der Frage, die Mittel der steigenden Immigration entsprechend zu steigern und insbesondere die Bodenno: zu beheben, noch immer nicht näh.'rgerückl ist. Ich bin der Meinung, daß es bet solchen Unternchmungcn in hohem Grade aus Treu und Glauben, allerdings nicht bei den Banken und Kapitalisten, sondern bei der großen Masse der Kaufenden ankomme und daß. wenn der Nationaltfonds als solcher und insbesondere sein- Leistungen in letzterer Zeit so populär sind, dies auch einer Anleihe im jüdisch:n Volke zugute kommen wird, selbst wenn die rechnerischen Grundlagen nicht voll genügen würden. Jeder Jude, der nur ein bißchen Interesse am Aufbau Erez Israels nimmt, weiß, daß de: Erwerb nationalen Bodens wohl das Wichtigste ist, das in der geg nwärtigen E itwicklung des Landes geschehen soll, und daß in dieser Hinsicht ta.sächlich Beträchtliches schon gelciste: wurde, so daß man der Leitung d eses Institute- Vertrauen entgegenbringen kann. Ein bedeutender Grundbesitz, der heute allein schon den Betrag der ausßunchm.'ndm Anleihe wert ist, ist vorhanden, und wenn auch bcdeulende Lasten noch daraus ruhen, so weiß man doch, daß die Leitriltg nach kaufmänn schen Grundsätzen arbeite: und selbst in Zeiten geringerer Eingänge sich ste:S solvent zu halten verstand. Das ist für das kaufende Publikum ebensoviel wert als statistische Berechnun'en, die es nicht nachtonirollieren kann und'daher auch auf Treu und Glauben annehmen muß. Wir wWn ganz gut, daß solche Angaben auch gefärbt sein können, und es kommt oft mehr auf die geschickt« Propa» ganda als auf die realen Grundlagen an. Wer das nicht glaubt, möge nur einen Blick auf den Kurszettel weufen. ganz abgesehen vcnt den Kriegs- und Nachkviegsanleihrn in den diversen Staaten. Aber diese Prämisse allein ist e8 nicht, die mich und viele andere vom Erfolg meines Vorschlages überzeugt hält. Ich habe mit Absicht den Typus einer Prämienanleihe gervählt, weil ich von ihrem Einfluß den nächsten großen Ansporn zur Erwerbung dieses Wertpapieres erblicke. Und hier dürfte es mir an Hand konkreter Beispiels gelingen, auch die berufenen Stellen von der Möglichkeit des Wagnisses zu übrzeugen. Ich nehme zu diesem Behufs nur die Klaffenlotterie in Oesterreich zum Beispiel. In diesem von 6,5 Millionen Menschen bewohnten und ganz verarmten Staate werden jährlich zwei Lotterien abgehalten, wobei insgesamt 200.000 Lose zu 160 S. im Gesamtbeträge von 32 Millionen Schilling verkauft werden. Der Erlös entspricht nahezu einer ,»Million englische Pfund, der Kaufpreis der Lose übersteigt sogar den Betrag von 4,5 englische Pfund. Daboi ist das Ganze nur auf Spiel eingestellt, der eingesetzte Betrag für 60 Prozent der Spieler verloren, für 36 Prozent der bloße Einsatz zu erreichen und kaum für 5 Prozen: Nennenswertes zu gewinnen. Bon einer Dicherhsit, außer der moralischen Staatsgarantie, ist keine Rede. Nun sollte man meinen, daß auf eine so geringe Chance nur gedankenlose Schwachköpfe und natürlich am wenigsten I 'den. denen man gutes Rechnen und speziell Vorsicht in Geldausgaben nachrühmt, etwas riskieren werden. Es zeigt sich aber, daß der Prozentsatz an Juden ein weit höherer ist, als ihrer Zchl entspricht Glauben die berufenen Kreise nicht, daß, wenn dom kleinen jüdischen Manne die Aussicht auf hohen Gewinn, eine wenn a'sch kleine Verzinsung und die Mögli^eit, ein Stück Boden zu erwerben, winkt, er gerndanach greifen wird, wenn er noch nebstbei das Bewußtsein hat, eine gute Tat zu begehen, und schließlich für eine Institution, der er das meist- Vertrauen entgegenbringt? Was verschlägt es, wenn einmal der Fall emtreton sollt«, daß die Zinsen nicht eingelöst werden können? Ist das nicht schon größeren und reicheren Staaten passiert? Ist solchen Staaten nicht immer weder von neuem Vertrauen enigegengchracht worden? Ist es nicht anzunehmen, daß schon der bloße Besitz eines solchen Wertpapieres ein mächtiger Ansporn sein wird, die Nationalfondsbüchse ausgicb'ger }u dotieren und andere zu Spenden zu animieren, um nur Zinsen- und TilgungSdienst stch.'rznstellen? Ein Aufruf unseres Nationalion'dsburenrs verlangt einen Einwurf von 10 Groschen täglich. Ich habe lange genug für den Nationalsonds gearbeitet, um zu wissen, daß von den zirka 10 000 Büchsenbesitzern in ganz Oesterreich kaum 2 Prozw: dieser Forderung eaitsprechen. G'bet ihnen ein Wertpapier für zwei Pfund mit kleiner Verzinsung und hohen Gew'nsthancen und ihr werdet sehen, wie trotzdem und nebstbei der Ertrag der Büchse steigt'. Das entspricht der Mentalität der Maffen und die ist schließlich ein noch wichtigerer Faktor als reckmu-gS näßige Grund'agen. Wäre dies nicht der Fall,, Erez Fswei wäre heute noch eine Steinwüste. __ Sie Wr.sierverksrgimq der Misrachi-Siedlung ßhitlim. Ein technisch hervorragend« Werk. Die Keren-Kajcmeth-l'Jsreel-Siedlung Chittim, deren Mitglieder der Misrachi-Organisation angehören, ist zirka eineinhalb Kilometer nördlich der Straße Nazarech—Trberias und zirka drei Kilometer west ich von Liberias -uf einem sanften Hügel gelegen. Die Höhe des Ortes über dem Mittelmeer beträgt nur 60 Meter, über dem Spiegel des Kinerethsees aber 254 Meter, so daß der Ort sehr hoch gelegen scheint. Auf der Höhe gab es keine Quellen. Daher wäre der Ort trotz seines fruchtbaren Bodens und seiner herrlichen Lage unmittelbar über dem Kinerechsee für eine Besiedlung nicht in Frage gekommen. Die Aufgabe bestand darin, eine Wasservevsorglmg für 50 Biuernfamilien zu schaffen, die außerdem jeder Famili« Waffer zur Bewässerung eines kleinen Hausgartens von einem halben Dunum liefern sollte. Das gibt einen täglichen Wafferbedarf von zirka 140 Kubikmeter. Man entschied sich daher dafür, das Wasser ms dem Kinerechsee zu entnehmen. Die Aufgabe war ziemlich schwierig, und dementsprechend auch vechälmismäßig kostspielig. Zunächst mußte am Ufer de8 Kinerechsees eine maschinelle Anlage errichtet werden, die das Wasser auf die Höhe von 254 Meter drückt. Außerdem mußte eine Trasse für die 8eiiut% gesunde« werden, bei der die Rohre möglichst durch jüdischen Boden gehen. Man fand eine Lösung , bei der die Rohrleitung größtenteils durch die Böden der P. I. C. A. (deren Si.'dluug Mizpa ChiltiM benachbart -st), durch die neue Borstadt Kirjich Schinnei obechc b Tiberias sowie durch felsige, unbenützte 3tegierunzsböden sühn. Dazu gc>'- eie Stegierung ihre Erlaubnis. Lediglich an einer kurzen Stelle war der Zukauf eines schmalen Streifen Bodens aus arabischer Privathand erforderlich. Eu>e Aufgabe für sich 6'f»Ve die Sorge für hygienisch cmwandfreie Beschaffenheit deS WafferS. Zwar gilt das Waffer des Kinetethsoes als schr gutes Trinkwasser, das von beit arabischen Anrainern allgemein getrunken wird. Es kommen aber sporadisch Infektionen (ThphuS, Dysenterie) vor, die auf Verunreinigung der Userstrecken des Sees durch Ausflüsse aus Liberias, Biehtränkeii, schmutzige Schöpfgefäße usw. zurückzuführen snrd. Daher wurde eine 100 Meter lange Leitung in den See hineingeführt, die stellenweise 16 Meter tief unter dem Wafferspiegel liegt, und die das Waffen zirka 2 Meter über der Seesohle und zirka 14 Meter unterhalb der Oberfläche entnimmt, so daß nur unbedingt reines Wasser gesaugt wich. Vorsichtshalber wurde im Maschinenhaus vor die Pumpe eine Kläranlage eingeschaltet, wo sich eventuell mitgesaugte Unreinheiten absetzen müffen. Um alle pyogenen Keime unschädlich zu machen, wird in daS Wasser automatisch vor seinenl Eintritt in die Pumpe «ine Chlorinlösung eingetropst. DaS auS Eisenbeton auSgeführie Pumpenhaus liegt an der Landstraße TiberiaS-Migdal-Sosed, zirka ein Kilometer oberhalb Liberias, vom Pumpenhaus gcht die Rohrleitung unterirdisch zum

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