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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-07 · Heft 2500 (7.2.1926) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2500 (7.2.1926)
Date
1926-02-07
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Rk. SSW _Men, TonMg Mita der erste» hebröischen Lagesreitung. L»e GEirdung des „Ha-jom". Dm 31. Jänner war cs vierzig Jahre her, seit die von Je« hebräischen Schriftsteller Dr. I. L. Kantor herausgögebene Tageszeitung „Hajom" zum ersten Male erschien. Noch* vor Kantor hatte Rah um So ko low als junger Schriftsteller die Abficht, eine hebräische Tageszeitung herauszugeben. Er überreichte zu diesem Ztvecke ein Gesuch an das Petersburger Pressedepartement. Das Ministerium lehnte jedoch dieses Gesuch mit der Begründung ab, daß es keine genügende Begründung für die Notwendigkeit einer hebräischen Tageszeitung erbringe. Sokolow mußte daher seinen Plan aufgeben. Erst einige Jahre. später gelang es Dr. Kantor, die erste hebräische Tageszeitung in modernem europäischen Sinne hevauszugeben. Mit. Hilfe des damaligen Warschauer Regierungsdolmetsches für Hebräisch und Jüdisch, Golbiow, der später wegen seiner Bekanntschaft mit dem Attentäter des Alexander des Dritten, Ch. H e l f m a n n, nach Sibirien verschickt wurde, leitete Dr. Kantor die ersten Schritte zur Erlangung der Bewilligung zur Herausgabe der Zeitung ein. Bis dahin gab es in Rußland nur ein hebräisches Wochenblatt, d« „Hazefirah", und den „Hameliz", der zweimal wöchentlich erschien, sowie „Das jüdische Bolksblatt" in Petersburg. Kantor war überzeugt, daß ein hebräisches Tagblatt in Rußland viel mchr Leser haben würde, als ein jüdisches. Das Erscheinen des „Hajom" wurde von der jüdischen Intelligenz mit Ungeduld erwartet. Man könnte es sich nicht recht vorstellen, wie man in hebräischer Sprache Telegrammnachrichten, sowie sonstige politische Artikel.bringen könnte. Nach langen Verhandlungen gelang es endlich.Dr. Kantor dank seinen Beziehungen zum damaligen Unterrichtsminister D e l j a n o w, der im Hause des jüdisch-russischen Mäzen Baron Horatz-Ginsburg verkehrte, die Bewilligung zur Herausgabe zu bekommen. Als Zensor wurde!der 'getaufte Jude Sußmann, ein stadtbekannter Alkoholiker bestimmt, der so manches passieren ließ, ohne es gelesen zu. haben. Er war überzeugt, daß Dr. Kantor nichts veröffentlichen werde, was zensurwidrig wäre. Der „Hajom" sollte, bereits anfangs Jänner 1886 erscheinen. Da aber Dr. Kantor-noch nicht über die nötigen Kapitalien verfügte, mußte er das Erscheinen verschieben. Anr 31. Jänner kam endlich die erste Nummer heraus. Die Frage des Kapitals wurde ohne Schwierigkeit gelöst: die gesamte Redaktion, der außer Kantor auch der namhafte jüdische Dichter und Gelehrte Dr. I. L. Katze.nelson, ein gesuchter Arzt in Petersburg, angehörte, stellte unentgeltlich ihre Dienste zur Verfügung. Auch dqr . damals noch junge hebräische Schriftsteller David Frischm.ann erklärte sich bereit, unentgeltlich in der Redaktion mitzuarbeiten. Ohne irgendwelche propagandistische Vorberatungen, die ebenfalls aus Geldmangel unterlassen werden : itmfjtcn, hatte .Ar. Kantor die Herausgabe in Angriff genoimnen. Schon die ersten Nummern wurden mit besonderer Begeisterung von den danraligen Maskilim aufgetwmmen. Man bewunderte den Stil der Leitartikel. Allerdings befürchteten viele. Maskilim, daß man durch die Herausgabe der Zeitung die Reinheit der hebräischen Sprache, die für sie alles war, korrilmpieren würde. Nach dem Erscheinen des „Hajom" versuchten nun die Herausgeber der. „Hazefirah" (Slon-rmski) und des. „Hameliz" (Zederbaum) ebenfalls die Bewilligung zur Umwandlung ihrer Wochenblätter in Tagesblatter zu erreichen. In der Tat gelang ihnen dies und so verfügte in kurzer Zeit die russische Judenheit über drei hebräische Tagesblätter, von denen eine jede anders geartet war. I» der „Hazefirah" - vertrat der junge S o k o l o w die Politik. Dank seiner Feder konnte die „Hazefirah" eine große Anzahl von Lesern um'sich scharen. Aus Angst vor der Konkurrenz berief der „Hameliz" den größten hebräischen Dichter der russischen Haskalah, Ieh.uda Leib Gordon zum Redakteur und stellte sich in den Dienst der Chibath Zion, um auf diese Weise einen größeren Leserkreis zu gewinnen. Trotzdem blieb der „Hajom" in jener Zeit die einzige europäische 'Zeitung in hebräischer Sprache. Frischmann und Kantor hatten in ihrem Organ einen Kampf gegen den inhaltlosen Stil der Maskilim ausgenommen. Sie wollten in die hebräische Literatur das. Europäer! um einführeu. Es war daher klar,., haß der „Hameliz" solcher: Anforderungen nicht entsprechen konnte. Biel eher paßte sich diesen Anforderungen die „Hazefirah" unter Sokolows Redaktion an. Trotz der glanzenden Ausgestaltung des redaktionellen Teiles konnte sich aber dqr „Hajom" nicht lange halten. Schon kurz , nach seinem Erscheinen, müßte er oftmals für einige Tage aussetzen, da er nicht.in..der.Lage tvar, die Druckereikosten zu bezahlen. Oftmals mußten die Zeitungen nur einmal wöchentlich an die Abonnenten verschickt werden, weil die Administration keine Porti bezahlen. konnte. Unter solchen Bedingungen mußte die erste hebräische Tageszeitung schon nach einigen Jahren ihr Erscheinen einstellen. Als dann Jehuda Leib Gordon wegen persönlicher Differenzen die Redaktion des „Hameliz" aufgeben mutzte, übernahm Dr. Kantor die Redaktion. Aber trotz größter Bemühungen gelang es ihm nicht, den „Hameliz" zu europäisieren. Was ihm jedoch hier nicht gelungen ist, konnte Sokolow in der „Hazefirah" vollführen. Und so wurde die „Hazefirah" in diesem Sinne der eigentliche Erfütter der vom „Hajom" verfolgten Tendenzen. H Re fett nahezu 8« Jahre« bestehende Firma Schakal & «Mein , 1. Bez., Kärtnerstrahe Nr. 14. Veranstaltet ab Montag, den 8. Februar l. I., den Verkauf ihrer erstklassigen Erzeugnisse in Damen- und Herrentviische. Schlafröcke, Phjamoö, Blusen und Toiletten zu sensationell billigen Preisen! 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Dazu muß mau wissen, daß bei der Rchsilmherftellnng eine sogenannte UnterliD und eine Schicht unterschieden wird und daß oben diese Unterlage das Zelluloid, eine halb tierische und halb pflanzliche Substanz, den Schichtträger bildet, der Negativ und Positiv gemeinsam ist. Wenn also der Filmstreifen, der bei schonender Behandlung Tausende von Vorführungen aushalten kann — das sind aber nur Eiuzelfälle —, seine Mission erfüllt hat, das heißt Kratzer, Schrammen und andere Beschädigungen durch die Vorführungen, durch das Umrollen und andere Hantierungen in so großem Maße echalten hat, daß eine gute V o r s ü h r u n g nicht mehr möglich ist, es also, wie man allgemein sagt, im Bilde „regnet", dann ist der große Augenblick gekommen, in dem der Verleiher blutenden Herzens sich von dem Film nichts mchr verspricht und ihn zum „Abdecker" gibt. Der „Abdecker" ist der Zelluloidaufkäufer, der den Film entweder für allerlei Projektivnsspielzenge in kleine Stücke zerschneidet oder ihn von seiner Schicht befreit uni» ihn als B l a n kfilm verkauft. Nach der Trennung von Schicht und Zelluloidunterlagen lassen sich auch bestimmte Chemikalien aus der Schicht „rückgewinnen", darunter auch kleine Mengen von Silber. Die Rückgewinnung des Silbers geht ganz ähnlich vor sich wie die Rückgewinnung des Silbers bei der Rohfilmherstellung, und zwar handelt es sich um Bromsilber, das man auf diese Art zurückbekommett kann. Natürlich aber sind diese Prozeduren immerhin nicht ganz einfach, kosten Geld und stehen -in keinen: Verhältnis zu den Werten, die man wiederechält, wenngleich sie wenigstens etwas zu der: Kosten des Rvhfilms mW der Kopie beitragen helft):. Aber der Film hat ja ausgedient, verschwindet, nur sein Name bleibt weiter bestehen. —eich. MM Wird von unserer „Weißen Woche" sprechen. Beachten Sie. bitte, unser Inserat aus Zeue 15. X Gern groß Wiengeftlljchaft. 7. Februar 1936 _Serie f Tiere des Meeres. Instinkt und Arterhaltung. — GeheAna Brutstätten. — Wunderbare Bevwanblnngen. — Die Schildkröte als Reitpferd. Die Schildkröten sind, wie inan weiß, hauptsächlich Seetiers, di? nran mitunter, tausende von Seemeilen von der nächsten Küste entfernt, auf hohen: Meer antreffcn-kann. Ihre Vorfahren jedoch Arber: zur Zeit der Dinosaurier aus dem Festland gelebt. Im Laufe einer langen Entwicklung paßter: sie sich den Lebensbedingungci: in überschwemmter: oder sumpfigen Gebieten an und wagten sich, nachdeu: sie sich als Küstentiere fortgebildet hatten, endlich hinaus aufs Meer, wo die Entwicklung in unzähligen Generationen ihren ganzen Körperbau änderte. Aber eines überdauerte diese lange Metamorphose; der I n st i n k t der Arterhaltung. Die Schildkröten vermehren sich, indem sie Eier auf das Festland legen, in den Sand irgend eines Küstengebietes, genau so, wie es in grauer Vorzeit ihre Vorfahren gewohnt waren. Dies ist der Grund dafür, daß die Männchen niemals das Meer verlassen, während die Weibchen alljährlich einmal über weite Strecken ihrem Ziele znstreben, wobei sie sich mühsam mit ihren Rudern fortbewegen, bis sie an der Küste eine hochgelegene Stelle entdeckt haben, die den Spiegel der Flut überragt. Dort graben sie ein Loch, legen ihre Eier hinein, scharre:: das Nest wieder mit Sand zu und verschwinden wieder im Wasser. Der Instinkt der Nachkommenschaft vollendet in nicht minder wundervoller Weise dieses Werk. Die Eier werden in der Wärme des Bodens ausgebrütet, und die kleinen Schlldkröten bahnen sich den Weg durch das Sandbett, das sie bedeckt, bis auch sie das Wasser erreicht haben. Niemals werden sich die neugeborenen Tiere in diesem Drang nach ihrem Lebenselement beirren lassen. Ist es doch schon versucht worden, den Instinkt der jungen Tiere auf eine falsche Fährte zu lenken. Man setzte sie in eine von Brettern eingefaßte Erdhöhle, die nur einen Ausgang zur Landseite hatte: aber die jungen Schildkröten unterwühlten das Hindernis, um den Weg nach dem Meer hin freizumachen. Be: den Schildkröten findet sich auch der höchst seltene Fall e:ner doppelten Verwandlung. Die Sphargis, riesige Hochseeschildkröten, die im Indischen Ozean und rM Roten Meer leben, stammen zwar ebenso wie die anderen Tiere dieser Gattung ursprünglich von Landschildkröten ab. Ein belgischer Gelehrter namens Dollo hat jedoch bei dem Studium ihres Rückenschildcs eine bemerkenswerte Entdeckung gemacht. Diese Tiere hatten Jahrtausende hindurch als Seeschildkröten gelebt und >dann eine Metamorphose zu Landschildkröten an sich erfahren. Im Laufe eines unermeßlichen Zeitraums find sie wieder Seeschildkröten geworden. Meervagabunden, deren Rückenschild für den Gelehrten eine beredte Sprache führt. Man hat Riesenschrldkröten 'beobachtet, die ihre Eier an >der Küste der Bucht von Cambridge legen. Sie landeten bei Einbruch der Dunkelheit, und zwar in großen Schwärmen, so daß bei Sonnenaufgang der ganze Küstenstrich unzählige Furchen aufwies, welchen die schwerfälligen Tiere durch den ftuchten Sand gezogen hatten. Auf der kleinen Insel La Erosse in der genannten Bucht fingen vier Eingeborene eines Morgens 83 Riesenschildkröten, die gerade vom! Eierlegen zurückkamen und im Begriff waren, im Meer unterzutauchen. Es gelang ohne Mühe, die Tiere zu fangen; mau brauchte sie nur umzukehren, so daß sie auf ihrem ' Rückenschild lagen, um sie vollkommen wehrlos zu machen. : Die Schildkröten, bei denen man eine Länge von zwei Metern feststellen konnte, warten >das Ende der Flut ab, um sich ins Meer spülen zu laffen. Bor etwa einem hakben Jahchmidert ihatte ein französ:- scher Weltbummler namens de Rougemont in dwser Gegend Schiffbruch erlitten und war in die Gefangenschaft der Wilden geraten. Später erzählte er die Geschichte seiner, wunderbaren Befreiung: Er schwang sich auf den Rücker: einer dieser Riesenschildkröten und lenkte sie durch einen Meerarm nach einer Stelle, von wo er sich in Sicherheit bringen tonnte. Diese Erzählung wurde seinerzeit als Ausgeburt einer Mhenden Phantasie lebhaft belächelt. Die Beobachtungen scheinen indessen diese Angaben zu bestätigen, denn man fyit gesehen, wie ein Eingeborener eine RiefenschrlAkröte tatsächlich als Reitpferd benutzte, wöbe: er durch mehr oder nti-nder kräftigen Druck auf das Rückenschild dem Dier dve Richtung gab. _ Mschiedrrede R. Brainins. Jaffa, 5. Februar. Anläßlich der bevorstehenden Abreffe des hebräischen Schriftstellers und Mitgliedes der Zionistischen Exekutive in Amerika, Rubin Brainin, fand hier ein Abschiedsbaukett statt, an dem zahlreiche in Palästina lebende hebräische Schriftsteller teilnahmen. Nach Ansprachen der Vertreter von Tel-Awiw und der Schriffftetter Grünberg, Benzion, Rabinowicz u. v. a. antwortete Brainin mit einer längeren Rede, in der er seiner Bewunderung über den Aufbau Palästinas Ausdruck gab. Mit besonderer Freude konnte er das junghebräische Leben in Erez Israel beobachten. Eines ft: für ihn klar: Das jüdische Kulturleben in der Galuch könne heute ohne Existenz eines geistigen Zentrums in Palästina nicht bestehen. Es sei Aufgabe des Jischuw, der Galuch nicht nur Landesprodukte, sonder« auch Produkte, des geistigen Schaffens zu geben. Ohne Mithilfe der hebräischen Schriftsteller sei der Aufbau PMstmas illnforffch. _ Sr. Hantle in Warschau? Warschau, 5. Februar. (I. T. A.) Dr. Artur Ha w-hs ist aus Berlin in Warschau emgetvoffen. Seine AawoftrchM in Polen hängt mit der Organisierung der Ke r-e-n -H°ajessoh-Archeit ZMnmen

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