Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2500 (7.2.1926)
- Date
- 1926-02-07
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 2500 Wien. Sonntag Wiener Moraenzeitung 7. Februar 1926 Seite 5 PUNKT die schönsti um reichhaltigste mjHJAH&SKOUZKTION 'IST SCHON JETZT KOMPLETT FERTI6 GESTELLT Flotte Uebergangs-Mäntel, |ö engl. Genre, reine Wolle S Eleg.Covercoat-u.Burberry- Mäntel, entzückende Fas- £|j sons, reine Schafwolle S PUNKT VON ßESONDERER SCHÖNHEIT UND EIGENART SIND DIE ROHMATERIALIEN WELCHE IN ENORMER AUSWAHL EINGETRjOEFEN PUNKT DEIGESAMTE imUGUNGWPARAT WURDE AUFVOLLENDETE AUEITSLEISTUN6 ORGANISIERT, SO DASi unsere leistungs* 'FÄHIGKEIT. VON NIEMANDEN EHHEIOHT PUNKT WEHDEN KANN. JETZT. ßEVOH DER ALLGEMEINE AN DRANG ßEGINIVT. SPAREN SIE VIEL GELD, HABEN DAS LÜCKENLOSE LAG EU UND GRÖSSTE BEQUEMLICHKEIT. Herrl. Rips-, Epltigle-Früh Hngs-Mäntel,Seldegef.,alle Farben . Feine Seiden-Mäntel, ganz Seide gefüttert, u. Modell- Q(| Kostüme ....... S Modell - Complets, feinste Salonarbeit, diegrosseF'rühg 1|gQ jahrsmode . . lübsche Trottei alle Farben S 39, 29 S Hübsche Trotteur-Kleider, jgBj BALLund TANZKLEIDER. HALB (JHSONST SitDietts ftambf um leine wirtschaftliche LnabbiinMeit. Während die politische Seite der indischen Selbständigkeitsbestrebungen heute auch schon in der breitesten Oeffentlichkeit wohlbekannt ist, weiß mau von dem Streben Indiens nach wirtschaftlicher Unabhängigkeit von England und dem englischen Imperium recht wenig. Höchstens tauchen Einzelheiten auf, wie etwa der Boykott englischer Textilerzeugnisse zugunsten der einheimischen Hausindustrie, ohne daß aber sülche Nachrichten die wahren Ursachen und den tatsächlichen Stand dieses für England unabsehbar gefährlichen Kampfes verraten. Auch hier hat der Weltkrieg eine bisher nur latente Strömung so verstärkt, daß seit 1918 das Zentralparlament, wie auch die Provinziallandtage wiederholt und in schärfster Weise für eine national-indische Zoll- und Handelspolitik eingetreten sind, so daß schon 1919 der damalige Staatssekretär Lord M o n t a g u dazu offen Stellung nehmen mußte. Im Laufe des Krieges war in Indien die Industrialisirung derart gefördert worden, daß die einheimischen Erzeugnisse den Konkurrenzkampf mit englischen und nichtenglischen Waren aufnahmen. Neben England kommt nun für den Textilmarkt vor allem Japan in Betracht, das wegen seiner minderwertigen Valuta — der Jen hat noch immer nicht die Friedensparität erreicht — noch mehr aber wegen seiner billigen Arbeitskräfte und der staatlichen Schiffahrtssubventionen gefährlich ist, so daß Indien bereits aus China verdrängt wurde. Die Abschließung vor der japanischen Einfuhr konnte durch den Hinweis auf eben diese Momente durch die englisch-indische Regierung erreicht werden. Aber mindestens ebenso wichtig ist die Offenhaltung des indischen Marktes für die Produkte von Laueashire, beziehungsweise die Konkurrenzfähigkeit gegenüber den inländischen Erzeugnissen, die England durch eine Erhöhung der bereits bestehenden Verbrauchssteuer um vier Prozent erreichen wollte, wogegen auch eine Verstärkung des Importzolles zugestanden wurde. Aber die indischen Nationalisten wiesen die Jnlandsabgabe als einen „Schandfleck" energisch zurück. So sucht England nach einer anderen Motivierung für die Aufrechterhaltung dieser excise duties und findet sie, da die Staatsfinanzen Indiens durchaus ausbilanziert sind, in der möglichen Gefährdung eines Abgabenteilungsgesetzes zwischen provinzieller und staatlicher Finanzverwaltung. Allenfalls bleibt der englisch-indischen Zentralregierung noch ein Ausweg. Sie kann durch ganz besondere Verstärkung des Arbeiterschutzes und des Arbeiterkoalitionsrechtes die Prodnktionsbedingung für die einheimische Industrie so verteuern, daß England konkurrenzfähig bleibt. Das ist bei der Eigenart der indischen Arbeitsverhältnisse um so eher möglich, als sich der Inder, auch wenn er inder Fabrik tätig ist, nicht von seinem Stück Ackerboden trennt und gänzlich Fabriksarbeiter wird. Diese Taktik der Regierung würde außerdem einen für sie recht nützlichen Gegensatz zwischen einem mehr bürgerlichen Natiovalismus und einem cher international orientierten Proletariat schaffen. In der Stahl- und Eisenindustrie wiederum, deren größtes Unternehmen,. die Tata Jron and Steel Company, in den Händen von Parsen liegt, umging man den den schutzzöllnerischen Nationalisten bereits zugestandenen Tariff Board, der im Berordnungswege das inländische Hüttenwesen schützen könnte, um auf dem Umwege parlamentarischer Bewilligung den englandfeindlichen Importzoll möglichst lange hinauszuschieben. Nicht einmal die gewaltigen Erzlager in der Bergkette von Singhbhum werden dem Interesse des Landes entsprechend erschlossen; die eingeborene Bevölkerung ist wegen ihrer mangelhaften technischen Ausbildung, um die sich die Engländer niemals beurüht haben, noch nicht selbst dazu fähig. Kohle selbst ist übrigens qualitativ, wie auch quantitativ so ungenügend vorhanden, daß sie aus Bengalen zugeführt werden muß. Besondere Sorge verursacht den patriotischen Indern der große materielle Verlust, den die Volkswirtschaft dadurch erleidet, daß von den fünf Millionen Tonnen Frachtgut, die zwischen indischen Häfen verladen werden, kaum 13 Prozent auf indischen Schiffen fahren, weshalb in einheimischen Reederkreisen Staatssubventionen von der Zentralregierung für Schiffsbauteu und unrentable Linien gefordert werden, um schließlich bis zur Errichtung einer eigenen Ueberseeflotte zu gelangen. Freilich stehen all diesen Bestrebungen nach wirtschaftlicher Selbständigkeit und damit zusammenhängend nach der Industrialisierung Indiens schwere Hindernisse entgegen, auch wenn nicht an' eine schablonenhafte Angleichung an Europa gedacht wird, wie es selbst nationalistische Elemente wünschen. Schon die ungeheure Differenziertheit der einzelnen > Bevölkerungsteile. In den wenigen Städten, besonders aber in den Hasenplätzen, hat sich hauptsächlich in den letzten 30 Jahren eilte recht kräftige Hinneigung zum reinen Erwerbsleben und zum Gewinnstreben als Hauptmotiv der menschlichen Tätigkeit durchgesetzl, während ans dem Lande noch immer kein Streben nach besserer Lebenshaltung zu bemerken ist, da ja die dort herrschende Naturalwirtschaft wenig Ansporn dazu bietet und ' r: uralte Wirtschaftsgemeinschaft des Dorfes autark, also ökonomisch und gesellschaftlich isoliert geblieben ist. Dazu verhindern religiöse Anschauungen die Thesaurierung; wie etwa die obligatorischen großen Ausgaben bei Totenfeiern mrd Heiraten oder die religiös verdienstvolle Handlrmg, Vermögen unter den Verwandten zu verteilen. Die Schwierigkeiten infolge der strengen Rassenunterschiede sind ein reichhaltiger, aber inuner ungemein interessanter Beitrag zum Verhältnis von Religion und Wirtschaft . Die rasche Jndüstrialisiernng erschwert aber noch der viel zu geringe Massenkonsuln der Bevölkerung. Man hat den monatlichen Bedarf einer fünsköpfigen Familie auf 15 Rupien, also 1 englisches Pfund für Nahrungsmittel eingeschätzt; Wohnnngsaufwand wird nicht getrieben mtd für Kleidung können pro Jahr 22,6 Rupien eingesetzt werden. Damit ist der Güterbedarf des Inders umschrieben und bei dem Tropenklima des Landes bleibt auch in Zukunft die Aufnahmsfähigkeit des Marktes beschränkt. Diese Schwierigkeiten erkennen die indischen Nationalisten durchaus an und verlangen daher nur Erziehungszölle, weil ja auch ihnen die übergroße Zentralisation und die übermäßige Arbeitsteilung der europäischen Wirtschaft nicht als Ideal erscheint. Aber allen Tendenzen vermag England augenblicklich selbst aus dem ökonomischen Gebiet entgegenzutreten, da es die finanzielle Macht Im Lande fast ganz'in seiner Hand hat. Die Imperial Bank? of Judia hat seit dem . Jahre 1921 nicht weniger als 100 Zweigstelten, darunter eine in London errichtet; hat, während inzwischen zahllose Kleinbanken fallit geworden sind, das ausländische Wechselgeschäft an sich gezogen und beherrscht, da die Regierungsgelder durch ihre Kassen fließen, den früher stets schwankenden Zinsfuß. So stark die nationale Bewegung auch im Volke verankert ist, versteht es die englisch-indische Zentralregierung doch noch immer durch geschickte Taktik im Parlament, durch die Jnteressierung weiter Kreise oder durch wirtschaftliche Maßnahmen, die Oberhand zu behalten, ohne sich scheinbar dem Diktat aus London zu fügen. _ w. st. Wedgwood für die Wische Freiheit. New-Aork, 5. Februar. (I. T. A.) Zu Ehren der hier weilenden Arbeiterdelegation aus Palästina, der Herren I. Ben-Z w i, David R emes und I. Sara tz, fand ein Empfang statt, bei welcher Gelegenheit 10.000 Dollar für die palästinensischen Arbeiterinstitutionen gesamnielt worden sind. Der Gesamtfonds, 'der aufzubringen ist, beträgt 250.000 Dollar. An diesem Abend trat auch das Mitglied des englischen Unterhauses und frühere Minister der Regierung Mae Donald, K o l o n e I Iosiah Wedgwood, als Redner auf. Er begann seine Rede in jüdischer Sprache und sagte ungefähr: Jüdische Arbeiter! In eurem Kampf für Aufbau und Freiheit in Palästina steht die englische A r b e i t e r- Partei hinter euch. Wir kämpften für die Freiheit der Iren, jetzt kämpfen wir für die Freiheit der Juden. Ihr seid auf euer Judentum stolz, darum achten wir euch. In keinem Lande lebt der Arbeiter glücklicher als in Palästina. Wolle man moderne Landwirtschaften kennen lernen, gehe man nach Palästina. Der Bürgermeister von Chikago, William E. D e b e n, überreichte Koloncl Josiah Wedgwood das Bürgerdiplom der Stadt Chikago. Wedgwood weilt in Chikago, um den zu schaffenden Arbeiterfonds für Palästina zu unterstützen. Bei Entgegennahme des Bürgerdiploms hielt Wedgwood eine Rede, in der er ausführte, die Mitglieder des britischen Parlaments sind alle der Meinung, daß Palästina ein Erfolg geworden ist. Die Juden haben sich als tüchtige Landwirte erwiesen. Die Einwanderer aus Osteuropa brachten Palästina Segen. _ Bereinigung de» golnt-Irive» und der Palöltina-Lrlve«. Washington, 6. Februar. (I. T. A.) Das vereinigte jüdische Drivekomitee setzte während seiner Konferenz in Washington ein fünfgliedriges Komitee ein, das die Aufgabe erhielt, mit einem Komitee des Palästina- Drives über eine Vereinigung der beiden Aktionen zu verhandeln. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") New-Aork, 5. Februar. Wie bereits gemeldet, hat der jüdische Senator I a c o b s o h n einen Gesetzentwurf eingcbrachr, wonach nur den amerikanischen Bürgern gestattet werden soll, ihre im 'Ausland lebenden Verwandten nach Amerika zu bringen. Im Sinne dieses Vorschlages hätten jene Juden, die seit langem in Amerika wohnen, jedoch nur im ,! Besitz der sogenannten „ersten Papiere" sind, kein Recht, ihre Verwandten nach Amerika zu bringen. In New-Aork allein ' gibt es zurzeit 35.000 Familien dieser. Kategorie. In der hiesigen jüdischen Oeffenttichkeit herrscht große Erbitterung über das von dem jüdischen Senator eingebrachte Projekt. Die jüdische Einwanderung nach Kanada. Montreal, 5. Februar. (I. T. A.) Das jüdische Mitglied des kanadischen Parlaments Mr. A. A. H e a p s berichtet dem J.-T.-A.-Vertrerer über das Resultat einer Unterredung, die er mit dem kanadischen Einwanderungs- und Kolonisations- Minister betreffs einer verstärkten jüdischen E i nw a n d e r u u g nach Kanada gehabt hat. Nach dem gegenwärtig geltenden Gesetz dürfen fast nur Bauern und Landarbeiter nach Kanada kommen. Jüdische Einwanderer werden deshalb i n s e h r beschränktem Maße in das Land gelassen. Mr. Heaps forderte den Minister auf, die ungerechten Vorschriften zu mildern, damil auch jüdische Einwanderer in größerer Zahl in das Land kommen dürfen. Der Minister versprach, diesen Vorschlag einer wohlwollenden Betrachtung zu unterziehen und stellte in Aussicht, daß die Regierimg der Jewish Immigrant Aid Society in Kanada eine jährl i ch e. K o n z e ] f i o it für Hereinbringung einer bestimmten Anzahl jüdischer Einwanderer erteilen wird. Die Society wird die Verantwortung dafür übernehmen muffen, daß die Jmm> gramen deur Staate nicht zur List fallen. Im MigrationEll imb Antisemitismus. New-Aork, 5. Februar. (I. T. 21.) Deur Staatssekretär für Arbeit und Einwanderung, Mr. Da v i s, ist seitens der „Jewish Tribüne" vorgeworfen worden, daß er sich bei der Kommentierung der Jmmigrationsvorschriften von Rasse- Vorurteilen leiten lasse. Minister Davis erwiderte der „Jewish Tribüne" in einem Schreiben, er habe nie Vorurtelle gegen die Juden gehegt, habe immer die jüdische Rasse bewundert und zähle viele Juden, die er achtet, zu feinen Bekannten. Der Vorwurf des Rassenvorurteils ist mir gegenüber, schrieb der Minister, ganz und gar unberechtigt. Ich selbst bin im Ausland geboren, bin welscher Rasse und bin auf diese Rasse ebenso stolz wie die Juden aus die ihre. Ich betone nochmals, daß ich bei den Einwanderern keinen Unterschied nach Rasse mache. Ile Vertagung der Abrüstungskonferenz. Di« offizielle Verständigung Genf, 6. Februar. (Tel.-Komp.) Der Präsident des Völkerbundrates, Scialoja, hat heute den Generalsekretär des Völkerbundes ersucht, den Regierungen die Vertagung der Sitzung der Abrüstungskommission offiziell zur Kenntnis zu bringen, nachdent sämtliche Ratsmitglieder der Vertagung zugestimmt haben. Selbstverständlich sind auch die Sitzungen der ständigen Militärkommission und der gemischten Wirtschaftskommission des Völkerbundes, die als beratende Organe dev Abrüstungskommlssion fungieren sollten und für den 16. d. I einberusen waren, vertagt worden.