Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2500 (7.2.1926)
- Date
- 1926-02-07
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Wien. Sonntag Wiener Msrgenzeitang 7. Kdruar 1926 Sie. «0 Saldensloffe / Splüzen 9 Waschwaren/Futterstoffe mit und hat Ungarn, wie vorher Oesterreich, zahlreiche B eweise seines Wohlwollens gesehen. Die Bo strasung der Falscher, de ausschließlich Lache des gemeinen Rechtes ist, soll für den Wiederaufbau des Landes keinerlei Hindernis bilden, wie es gewisse ausländische Preßorgane zu befürchten scheinen. Was de Fragen anlangt, die in dem Interview des früheren finanziellen Beraters. Sir William Goode, berührt 'wurden, der insbesondere einen Appell an den Geist von Locarno richten zu müssen glaubte, der sich, wie er sagt, über den Rhein bis zur Donau ausbre'ten sollte, so hat Frankreich eine solche Lektion nicht nötig, und am allerwenigsten der französische Regierungschef, denn B r i a n d hat mehr als einmal Beweise seiner friedlichen Gesinnung gegeben. Wietvohl Frankreich an seinen Rechten unbedingt festlMt und -em französische »Gesandten in Budapest feste Weisungen erteilt worden sind, hat Frankreich niemals aufgehört, zu betonen, daß es die berechtigten Empfindlichkeiten des ungarischen Volkes achten werde und hat diese Absicht auch damals bekundet, als es in der Sitzung der französischen Kammer vom 2. d. der Regierung durch kluge und gemäßigte Worte gelang, die Ver- '.agung der Interpellation über die Fäl- >'chun saffäre durchzusehen. Ae Srreffe der rmnSnis * *en Studenten. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") . Bukarest, 5. Februar. Der Verband der rumänischen Juden hielt anläßlich der letzten Ztudentenexzesie eine Versammlung ab, in der eine scharfe Protestresolution gegen die Tolerierung der antisemitischen Exzesse an den Universitäten gefaßt wurde. Die Konferenz richtete einen Appell an den König und alle politischen Parteien inr Lande, die jüdische Studentenschaft vor den wildcn llebcrfällcn seitens der Cuza-Studenten zu schützen. Sie politischen Ausschreitungen in Berlin. Eine scharfe Warnung des Polizeipräsidenten. Berlin, 6. Februar. (Tel.-Konrp.) Angesichts der zahlreichen Zusammenstöße zwischen Kommunisten und Deutschoölkischen veröffentlicht der Berliner Polizeipräsident eine scharfe Warnung, in der er ankündigt, daß alle verfügbaren Polizeikräste eingesetzt werdest, um künftig solche Ruhestörungen zu verhindern. Die Polizeibeamten werden ange- Diesen, in jedem einzelnen Falle unnachsichtig vorzugehen und politische Ausschreitungen mit allen Mitteln zu unterdrücken. BILLIGE WOCHEN S.WILLHE1M «Vien, Tuehiauben » und rum Zflrlchsr Wiidm Wien,. , Bauernmarkt Sa Zufolge Ankaufes grösserer Posten diverser Waren sind wir ln der Lage, zu konkurrenzlos billigen Preisen zu verkaufen Krcpp-Ball*eide,cO cm, Französische Silk*, al e Modeiaroeu . . S 6.50 a e Farben . . . S 2.60 Kunstseide, tioclig.anr, Englische Silke, 100 cn, 00 cm breit.S 6.90 lienliche Muster. . .S 3,90 Mnrokaln-Ducheeee, Dtmdlswffe . ... S 1.70 schwerste Qualii t .S 13.80 SchaJtvolUMatakam. Im Krepo'Salin, rein 110cm für Kleider S 10.80 Seide, 00 cm ... ,S 17.-~ Ktetdersamte.S 7. BrakaUFafoni f. Kinder S 8.50 Hmt‘Daehmssc . ... S 6.80 linl-Rlpse.S 4.80 Vom inventurverkauf ÄÄft'K Preis verkauft Enttvurf eines Gesetzes über die vermögensrechtliche Auseinandersetzung des deutschen Volkes mit den Fremdstämmigen. . Der Reichstag hat das folgende Gesetz beschlossen, das mit Zustimmung des Reichsrates hiermit verkündet wird: § 1. Die Länder werden errnächtigt, die vermogensrechtliche, Auseinandersetzung mit den F r c m d st ä m m ige n. und zwar auch hinsichtlich ihrer Anteile an in Deutschland bestehenden Gesellschaften, durch Landesgesetz unter Ausschluß des Rechtsweges vorzunehmen. § 4. Bei der Festsetzung der Abfirtdungen und Entschädigungen ist zu berücksichtigen, ob die Betreffenden erst nach dem 1. August 1914 zugewandert sind (Kriegsgcwiilüler und Revolutionsgewinnler),.. ob sic durch ihre Unternehntungen Existenzen des selbständigen Mittelstandes zerstört haben (Warenhäuser und dergl.) ob sic die deutsche Kultur geschädigt und den inneren Frieden untergraben haben (undeutsche Presie, volksverderbliches Theaterwesen und dergl.) und ob sich in ihren Händen Erbstücke deutscher Familien Deutscher Grundbesitz, Familienschmuck urw dergl.) befindet. § 6. Für die Auswertung gelten Fremdstämmigen gegenüber dieselben Bestimmungen, die sie gegenüber deutschen Fürsten entgegen denr Anfwertnngsgc-seh anzuwenden bereit waren. Der National-Bolschewismnr. Fürstenabfindung und antijüdischer Terror. Wie schon mitgeteilt, versuchen die rechtsstehenden Kreise Deutschland die Frage einer reichsgesetzlichen Lösung der Fürstenabficknnig in ein antisemitisches Fahrwasser zu leiten, indem sie die Forderung nach Enteignung des Vermögens der Juden, insbesondere der ausländischen Jrcken. erheben. Aus der Haltung der völkischen Zeitungen ist zu schließen, daß nach einer von bestimmter Seite ausgehenden Parole vorgegangen wird, die dem völkischen Flügel der deutschnationalen Bolkspartei dienende „Deutsche Zeitung" sowie andere extreme dÄrtschnationale und völkische Blätter veröffentlichen einen Gesetzentwurf betreffend ,Hudenenteignmrg zum Besten des deutschen Volkes", der dem von den Demokraten empfohlenen Gesetzentwurf betreffend die reichBgesetzliche Regelung der Fürstenabfindung nachgebildet ist. Der Entwurf lautet in den wesentlichen Punkten: macht, wähnt dabei eine viel größere Kraft aufgemenbd zu haben, als wenn er den anderen mit einer, rein dynamisch gemessen, völlig gleichen Anstrengung etwa vom Boden aufgehoben und ein paar matte Dankesworte von ihm vernommen hätte. Die Lust am zerstören auch lebloser Dinge entspringt derselben Quelle, wobei im Unterbewußtsein der Animlsnms mitspielt unden leblosen Dingen eine empfindliche Seele andichtet. * So sehen wir die Macht mit dem Bösen innig verschlungen. Das Stroben nach Macht ist die Gier nach jener erhöhten Lust, die das Verursachen von Schmerz, das Vernichten und Zerstören bereitet. Hierin wurzelt auch die stets beobachtete und nie genügend erklärte Verwandtschaft zwischen Wollust und Grausamkeit. Das Schwert als Symbol der Mach: war der stete Begleiter der Mächtigen. Die symbolischen Embleme u-nd.Handlungen, welche Krönungsfeiern und ähnliche Zeremonien zu begleiten pflegten, waren so beschaffen, daß dabei niemals das Schwert fehlte, welches Qual, Tod und Vernichtung bringt. Es darf als Beweis sehr hoher seelischer Kultur betrachtet werden, daß das mosaische Gesetz für den König als unzertrennliche Begleiterin eine Schriftrolle vovschreibt, die das Gesetz enthält, naivem er Recht und Gerechtigkeit auf Erden zu pflegen hÄbe. Eine hübsche kleine Legende von Alexander dem Großen, die der Talmud aufbewahrt hat, gibt uns einen schönen Begriff von der jüdischen Auffassung der Macht. Der König fragt die „Weisen des Südens", ob der Mensch nach Macht streben--solle. Die Weisen verneinen es. Der König antwortet: „Verzeiht, ich weiß es besser. Der Mensch soll nach Macht streben, aber sie stets dazu benützen, um das Gute in der Welt zu stiften." Also, die Macht tst an sich nicht das radikal Böse, sie kann auch gut sein, wenn der Mensch sie zu Gutem lenckt. Die deutsche« Müder Kimme» dem Kkntritt in den Völkerbund zu. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitüng.") Berlin, 6. Februar. Auf Einladung der Reichsrogierung traten heute vormittags die Staats- und Ministerpräsidenten der Länder unter Vorsitz des .Reichskanzlers mit den Mitgliedern des Reichskabinetts zu einer Aussprache über die außenpolitische Lage zusammen. Fm Anschluß an einen Vortrag des Reichsministers des Aeußern sowie an grundsätzliche Ausführungen des Reichskanzlers wurden die mit der Frage des Eintrittes Deutschlands in den Völkerbund zusammenhängenden Fragen eingehend erörtert, wobei seitens einzelner Länder Bedenken geltend gemacht wur-- den. Abschließend wurde die einmütige Auffassung dahin festgestellt, daß. falls die Reichsregierung den Eintritt Deutschlands in den Völlerbund beschließt, seitens der Länder alles geschehen wird, lvas d:e Stellung Deutschlands im Völkerbund zu stärken geeignet ist. Sondersitzung des Bölkervundrates um 12. Februar. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Paris, 6. Februar. Wie der „Ternps" erfährt, wird die Sondersitzung des Völler Lundrates, in der die Aufnahme Deutschlands entschieden werden soll, am 12. Februar in Genf stattfinden. Für die Mitgliederstaaten werden die diplomatij schen Vertreter in der Schweiz an der Sondersitzung teilnehmen. Ter Völkerbundrat wird die außerordentliche Vollversammlung der Liga, in der die Aufnahme Deutschlands erfolgen wird, voraussichtlich auf den 10. Mai sestsetzen. Sin Borftotz Radik'. Belgrad, K. Februar. (Tel.-Komp.) Stephn R a d i c hat neuerlich eine Rede gehalten, durch die die politischen Kreise Belgrads in Erregung versetzt wurden. Er sagte in einer Wählerversammlniig in Dalmatien, das g e g e n w ä rt i g e P a r l a m e n t sei nicht berufen, die Krönrtng des Königs durchzuführen, da cs auf Grlind eines A u s n a h m Sgefetzes gewählt und daher als illegal anzusohen sei. Diese Erklärung des Unterrichtsministers wird in radikalen Kreisen mit Erbitterung ausgenommen. Ljüba I o v a n o v i c griff 1m radikalen Abgoovdnetenklnb Nadir heftig an rrnd erklärte, seine Mienen und Reden verstoßen gegen die Verfassung. Tie politische Situation ist unter deni Eindruck dieses Konflikts zwischen dem Führer der kroatischen Bauernpartei und den Radikalen äußerst gespannt. Man rechnet in parlamentarischen Kreisen bereits mit einer nahe bevorstehenden Demission des K o a l i t i o n s k a b i n e t t s, das in diesem Falle durch eine rein r a d r ka l e Regierung ersetzt werden Aus dem Milchen Selmklub. Keine Spaltung. — Bevorstehender Wiedereintritt Dr. Schippert in den Klub. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitüng".) Warschau, 6. Februar. Infolge der Demission des Präsidenten Reich und des Vizepräsidenten Dr. R o S m a r i n hat tnx zweite Vizepräsident, Abg. Tr. Fa röste in, di« Geschöstssührung des Jüdischen Klubs übernommen. In hiesigen politischen Kreisen verlautet, daß das Präsidium des Klubs unter den gegebenen Verhältnissen ein Exponent der Opposition: l- 1 en Gruppe übernehmen müßte. Wie ihr Korrespondent erfährt, dürfte cs schon in oen allernächsten Tagen zu e i ne m AuSglcich innerhalb des Klubs kommen. In einem Gespräch erklärt: Abgeordneter S ch i p p e r, der zurzeit als einziger auS dem Klub airsgetrctcii ist, daß er bereit sei, in den Klub wieder einzutreten, falls an stine Spitze eine Persönlichkeit gestellt wird, die auch mit der oppositionellen Gruppe innrrhalb des Klubs rechnen wird. Bon zahlreichen Mitgliedern des Jüdischen Klubs wird die Kandidatur des Abgeordneten Dr. Wcinzieher zum Präsidenten vorgvschlagen, da er Garantie bieten könnte, auch die G r ü n b a u m-G r u p p e dem Jüdischen Klub zu echalten. Anderseits verlautet, daß die orthodoxen Abgeordneten, sowohl die Misrachi als auch die Agudah, besonderen eWrt darauf legen, daß Abgeordneter Reich seine Demission zurückziehe. ES ist jedoch ain zunchmen, daß Dr. Reich bei seiner Demission verharren wird. Die Abgeordneten Dr. Reich, Dr. R o s m a r i n, Doktor Sommersteirr und E i s e n st e i n, die dem zionistischen Oberrar für Polen als Vertreter Ostgaliziens angehören, lichteren an das Präsidium des Obcrrares rin Schreiben, in dem sie ihre Demission als Mitglieder ocs Parteiratcs bekanntZebert, oa sie in dem Vorgeherr des Mgeordneten Doktor Schipper und Senator Körner einen Disziplinbruch erblicken. Ihrer Meinung nach hätten diese ihre Bedenken gegen die jetzige Mitik des Klubs vorerst im zionistischen Qberrnt oorbringen und nicht durch ihren Austritt bei den mchtziomstischett Gruppierungen des Jüdischen Klubs den Eindruck Hervorrufen sollen, daß die zionistischen Mgeordneten einander gegenseitig be kiünpfen. Das Präsidium des zionistischen Oberrates hat eine Sitzung der zionistischen Abgeordneten einberusen, um die herrschenden Gegensätze zu überbrücken. Abgeordneter Grünbaum, Senator Körner, Mgeordneter Hartglas und die übrigen oppositionellen Abgeordneten, ebenso die H i t a ch d u t h-F r a k t i o n haben bisher ihren Austritt aus dem Klub nicht angemclder und verbleiben nach wie vor Mitglieder des Jüdischen Klubs. Mgeordneter Reich wurde vom MinisterprSsidenten Skrzynski zu einer Aussprache eingeladen, in der sich Mimsterpräsidenr Skrzynski Liber die Vorgänge im Klub insormierte. Eine Konferenz des Zionistischen Oberrates. Warschau, 6. Februar. Der Zionistische Oberrat, die oberste zionistische Instanz Polens, hat für den 9. Februar eine dringende Sitzung einberusen, um die Krise des jüdischen Sejmklubs zu beheben. Neue Beschränkungen für jüdische Hund- . Werker in Polen. Warschau, 6. Februar. In der letzten Sitzung der Sejm« kommission für Handelsangelegenheiten bekämpften die jüdischen Mgeordneten Dr. Hartglas und Dr. Rosenblatt den Gesetzentwurf über die Regelung des Handwerks in Polen, jn dem eine Reihe vor: Beschränkungen für jüdische Handwerker enthalten ist. In ihreti Reden führte,, die genannten Mgeordneten an» daß im Gesetzprojekt Bestimmungen enthalten sind, die den Verwaltungsbehörden die Möglichkeit geben, sich in die wirtschaftlichen Verhältnisse der jüdischen Handwerker einzumengen, was sicherlich nur zu Beschränkungen des jüdischen Handwerkerstandes führen wird. Bor allem handelte es sich um die Frage der Konzessionen, sowie die Bestimmung der Arbeitsgebiete in den einzelnen Handwerkbranchen. Auch sicht der Gesetzentwurf eine Begünstigung der christlichen Handwerkerzünfte vor, was eine Benachteiligung der jüdischen Handwerker bedeutet. Im allgemeinen widerspricht dieser Gesetzentwurf den Bestimmungen des MindecheitSvertrageS. Die jüdischen Mgeordneten brachten eine Reihe von Abänderungsvorschlägen ein. Eröffnung der Pnläfttnanusftellung in Lodz. Warschau, 6. Februar. In Lodz wurde heute unter starker Beteiligung weiter Kreise die Palästinaausstellung eröffnet. _ , gabotinrky in Amerika. New-Aork, 6. Februar. (I. T. A.) Wladimir Jabo» t i n s k y, der Begrünider und Führer der Partei Zwnistenrevisiouisten, ist h'er eingetrossen und wird m den amerikanischen Zentren Borträge über Ziele und Organisation seiner Partei abhalten. Dem ersten im Manhattan-Opernhaus am Dienstag abgehaltcnen Meeting wohnten mehr als 2000 Personen bei. Jabotinsky kritisierte scharf den Plan der jüdischen Kolonisation m Rußland und warnte vor einer Erweitenr-ng der Jewish Agency durch Einbeziehung von Nichtzionisten. Für Palästina verlangte er Schutzzoll und Agrarreform, zlvei Maßnahmen, die nach seiner Ansicht allein eine Verwirklichung der zionistischen Ziele garantieren. Die Zuhörerschaft bereitete Jabotinsky große Ovationen. Noch an demselben Abend wurde eine Gruppe Zionistenrevisianisten gebildet.