Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2500 (7.2.1926)
- Date
- 1926-02-07
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Me S Steif, Semftg Wtene« Mor-rnzesku«« %. W00 7. ftelmMt 109« Die Stillegung der Seideufabrik Delfiner in rel-Awilo. Sine Mitteilung des Wiener zloniflifchen Landeskomitees. »ei «SW. Wind. Kälte wird man leicht von Erkältung befallen. Man muss daher recht» zeitig Sorge dafür tragen, dass im Hause nie fehle der in seiner schmerzlindernden Wirkung einzige echte DIANA- FRANZBRANNTWEIN mit Menthol welcher für Massage, Einreibung, Umschläge und als Ourgelwasser gleich unentbehrlich ist llebcrall erhältlich I Sie Idee des Zionismus. —5. W t e n, 7. Februar Was der Zionismus in Palästina unternimmt, den Aufbau eines neuen, irr sich geschlossenen und doch mit der übrigen Welt verbundenen Volksorganismus uttb seine Verwurzelung im Boden seiner Herkunft und seiner Hoffnung, das hat die Blicke der ganzen Welt auf sich gezogen. Verantwortungsschwer ist diese Ausgabe und in ihren Einzelheiten kaum mehr zu überblicken. Das Aufbauwerk, das ohne ausreichende Erfahrung und ohne wirtschaftliche Tradition begonnen wurde, ist zur Größe eines modernen Staatswesens herangewachsen. Dem seiner Lösung entgegen reifenden Problem fehlen die Attribute des Staates. An der Hand der Völkergemeinschaft, unter dem Schutze eines großen und machtvollen Staates geht das jüdische Volk an die Errichtung der Grundlagen für seine zukünftige Freiheit, für sein ewiges Recht als nationale Individualität. Es ist als solche anerkannt worden und sein Anspruch ist ausgezeichnet und besiegelt worden. Aber seine Aufgabe muß es selbst erfüllen, nur seine Kraft kann den Bau vom Erdgeschoß bis zum First aufführen. Der Zionismus hat das erste Wort von der Freiheit gesprochen. Er hat das jüdische Volk zur Tat gerufen und es aus der Apathie des Exils befreit. Er hat den Masten das große Ideal vor Augen gestellt, das ihnen der unerfüllbare Traunt der Jahrhunderte schien. Er hat sie gelehrt, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und die Tat als Protest gegen die Schande der selbstvergessenen Wehrlosigkeit zu setzen. Der Zionismus ist das Aufbäumen des jüdischen Willens gegen die von einer feierlichen Welt erzwungene politische Unfreiheit. Was ihm die werktätige Sympathie der Masten sicherte, war, daß er forderte, wo bisher gefleht und gebeten worden war. Er forderte das gleiche Recht. Er ist eine Kolonisation'sbewegung und zugleich ntehr als sie. Er ist das Leben des Volkes. Er ist die Verkörperung der Rechtsidee und er begreift alles in sich, ivas ein Volk zu fordern hat und zu erreichen hofft. Wir haben noch etwas zu verlangen vom morgigen Tag. Wir sind nicht müde geworden in der Seele. Aber wir wußten dies nicht und der Zionismus, der aussprach, was ist und was sein muß, hat uns das Bewußtsein gebracht. Die Aufgabe des Zionismus wächst weit über den Begriff territorialer Autonomie hinaus. Sie erschöpft sich nicht in dein Streben , nach einer Heimstätte. Sie will denk Judentum seine großen Schätze an geistiger und kultureller Kraft erschließeu helfen. DaS ist der Inhalt des Zionismus. Er muß der Gegenwart und ihren Forderungen entsprechen. Er muß an politische Sicherungen, an Bodenkauf, an Schul- und Erziehungsfragett, an sprachliche und kulturelle Probleme denken, er muß das nette Land und die Galuth mit einent Blick erfastett, harmonischen Ausgleich mit fremden politischen und sozialett Bedingungen attstreben und dies alles in eitler Nation, die des eigenpolitischen Denkens entwöhnt ist. Er muß Erziehungs¬ und Aufbauarbeit zugleich vollbringen und — er verfügt nicht über die Mehrheit in der Nation. Tausende und aber Tausende von Zionisteit widmen sich jahraus, jahrein diesen Fragett. Sie wissen, daß sie selbst niemals die erhoffte Frucht ihrer Mühen werden pflücken könnett. Sie stehen im Dienste der Idee, Und der Tag bringt es mit sich, daß sich jeder bemüht, rtach Beruf und Schulung sich selbst den Aufgabenkreis zu ziehen. Die Exekutive aber, die alles zu betreuen hat und die der Kritik aller untersteht, hat eine gigantische Last voit Verantwortung und Arbeit zu tragen. Sie hat nur die moralische Macht für sich, aber keine vollziehende Gewalt. Sie muß das ganze übersehen und Detailarbeit leisten. Sie appelliert an die Zionistett kür die Institutionen. Es ist Zeit, daß auch.an sie gedacht wird und daß ihr die Mittel zuteil werden, die sie zu verlangen das volle Recht hat. Die Exekutive vertritt die Organisation, die Organisation fittb wir, das jüdische Volk, die jüdische Idee, der jüdische Geist und das jüdische Recht. Wir müssen erkennen, daß ein Staat nicht allein aus Steuern besteht, füitbexit aus dein festen Willert uttb dem Gemeingefühl der Bürger. Er wird nicht durch Bajonette und Abgaben repräsentiert, sondern durch das lebendige Bewußtseiit und die Mitverantwortung derer, die ihn bilden und trageit. Er lebt nicht allein aus Gebühren, sondern aus einem Schatz an idealen Werten. Wir sind Bürger einer werdenden Heimstätte, tvir schaffen aus der Berbantmttg eine neue Zelle der Freiheit und des Friedens und wir müssen unserer Leitung gerne und freudig das geben, was andere Regierungett zu erzwingen die Macht haben. UM MeW Wort, aus. einer Idee ist das große Wir haben über den Entschluß des Wiener Industriellen Herrn Delfiner,' seine in Tel-Awiw errichtete 2-eidenfabrrk schließen, bereits de« richtet. DaS zionistische Lande Äonritce in Wien fenfort uns nun das folgende Eommuniquc: Die Leitung der Wiener zionistischen Organisation hat den Chef der S-cidcnfabrik in Del-Awvw, Herrn Del sin er zn einer Aussprache über die Gründe der von ihm verfügten Sperre seines Unternehmens eingeladen. Herr Tesfrner legte einer unter dem Borsitz des Präsidenten, Herrn Dr. Tesider Friedmann, tagenden Kommt ssionssitzung die Gründe ifohtct Maßnahme ausfikhrl'ich dar. 'Das Protokoll dieser Sitzung wird ' [ der Zionistischen Exekutive in London und Jerusalem! zur Behandlnng übermittelt Iverden. Aus dem Berichte des Herrn Delfiner seien int nachstehenden einige wesentliche Punkte hervorgchaben: Die Seidenfabrik arbeitete längore Zeit hindurch rentabel und erbrachte den Beweis, daß Palästina der geeignete Platz für eine ©c iöetiinfcufttu ganz großen Umfanges ist. Mangel an Verständnis seitens der Behörden und der Arbeitersch:nst haben dazu geführt, daß sich der Betrieb unwirtschaftlich gestaltete. Alle Bemühungen des Herrn Delfiner, die maßgobenven Faktoren zur Aufhebung oder Herabsetzung des loprozentigen Einfrchr. zollcs auf Rohseid« zu bewein, Milben erfolglos. Ter Magistrat von Dsl-Awiw, tu dessen Bereiche die Fabrik lügt, erwies sich bei dar Bemessung der Abgaben der neuen aufstvebenidett Industrie engherzig. Dazu kam ausschlaggobend die Haltung der Arbeiterschaft, lvelche aus Abschaffung der Akkordarbeit bchavrie. Nach Einrlichtt ng der fixen EnAchuiung nahm die Arbeitsleistung rapid ab, so daß sich die vorher g.rt rentzierende Fabrikation 'bei ungefähr gleichen Lehnausgaben stark passiv 'gcstalteie. | Ter detaillierte Bericht des Herrn Delfiner lmrd, wie schon bemerkt, der ZionfftLschen Exekutive übermiMt werden. Es ist zu hosfett, daß die Exekutive nach genauer Prüfung der Sachlage Drittel und Wege finden wird, um die Wie-derarfrichchng.eines für Palästmda so wichtigen PvodulkhsonsKtoeMs zn ermöglichen. Es ist zü hoffen/^ctß die Jiomstische Exekutive rn London eine genaue llntorsuchnng.der^Angelegenheitr. vovtchimrt,, Wie nottvendig sic ist, zeigt x ine Zuschrift, die wir von Herrn Heinrich M a r g >rl icS in Tel-Awiitv, einent guten Kenner j>en Bechältnisst erhalten/ Er fchrÄbt uns: Bei dein Skeptizismus, welcher dort palästinenisischen Wsrtschaftsverhält.nissen int . allgemeinen nn-d der Industrie im besonderen entgegnt gebracht wind, ist cs kein Wunder, daß sich an die Nachricht Von der Stillegnng der Delfiner« schon Seideufabrik die unsinnigsten Gerüchte knüpften. Cs ist im gegenwärtigni Moment noch tchcht angebracht, /die Angel-eget'hcit in Ausführlichkeit zn .behandeln und die Schbußsolgerr ngen zu ziehen, die sich für das Indnstrialisiernngsproblent ans fcfejom ztpeifellos äußerst schiverwiegettden Fall ergeben. Aber ich halte cui-mc Feststellungen schon jetzt für aivgebracht. In erster Linie ist ganz scharf zu erklären, daß die überstürzte Abreise des Herrn Delfiner und sein ganz nnvernritteltier Austrag, die Fabrik zn sperreil, keinesfalls in den materiellen Verhältnissen des Un.ternehnienS begründet log, foitident einem Nerve n z ii s a m nt c n b r n ch zt^zr schrc>iben sind, der z>tm größten Teil rein persönlich bedingt war. Es handelt sich . um ein ausschließlich psychologisches, keiinesioegs unt ein ntaterielles Problem. Harr Delfiner war nie Zionist und nie Jdcälist. Seine erste Reise nach Palästina war zufälligen Urspvmvges. Dort wurde er durch einen IdoaliSmi s gepackt, den cr als Außenstehender^ völlig wirklichkeitsfremd auf sich wirken ließ. Gerade als Gegensatz selinein früher rein materiell orientierten ErtocrbÄlelben, drin er feilten Aufstieg znnt erfolgreichen Großfinanzier verdankte, glaubte er hier mit ausgesucht idealistischem Menschettmateriiial für ein local istisches Gvsamttnilieu ettvas wertvolles durch eigene praktische und industrielle Arbeit schaffen zu können. Tie Schwierig keilten, denen er bogelytcte.sei es mit den Arbeitern, sei es mit den anderen Personen und Faktoren des palästinensischen Wintsthaflslobens, ivaren für ihn Enttänischungen vor allem ntoüschlichcr Art, nicht ma-tcnleller. In ntaterieller Hinsicht hatte er ft u t ch a u s keine u A n 'l a ß beilivrnhi'gt zu fci.it, um so mehr als er finanzielle Hilfe gar nicht in Ansprrch nahm. EL trifft auch nicht zu, daß di« Höll-e der Arbeitslöhne ansschlgMbcnd geivcsen wäre.. (9c* Werk itt Palästina entstanden, das sich die Auerkeunung aller errungen hat. Nut dieses Werk zn stützen nnd zn erweiterrt, bedarf es sicherlich großer Aufwendungen. Mehr aber noch der Entschlossenheit der jüdischen Massen, ihrer Opferfrendigkeit utid ihres unbeugsanten idealen Empfittdens. Das ganze Volk utuß hittier seiner in Palästina wirkenden Jugend stehett, das gattze Volk muß wissen ttttd verstehen, daß in diser Arbeit Galuth und Heitnat ein untrenttbares Ganzes bildet: müssen. Ohne diese Erkenntnis ist ltnser Werk ohne dauentde räde bei seinem Produkt spielt« sie eine gelinge Rolle und damit hatte er von voncheireut gerechnet. Hingegen roaren die übrigen Impondererbilien bei der Anbciterschaft wie bei allen anderen für ihn menschlich ausschlaggebend geworden, und als cr sich hierin enttäuscht sah, 'begriff er nicht mehr, tvarnm er seine Familie und seine Fabriken in Wien im Stiche lassen solle, unt her bedürstüslos jeden Tag von früh bis abends ohne wirkliche Hilfskräfte zu arbeiten und aben>ds zeitig ins Bett zr, gehen und sich dabei vollständig isoliert und verlassen zu fühlen. Bor mögend genug, um die gesamtin-vesiierten 35.000 Pfund als mißglückbes Experiment ohne materielles Deidauern a>bschreiben zit könnett, verlor er bovnt nächsten ganz ge-vingsitgigen Anlaß die Norvcn und rciiste ab. Diese Tatsache ist für Palästina mehr als 'bedar erlich: das Unternehmen war wie selten eitles sorgsam und sparsam und technisch eiuwanLsrc, aufgobant, Delfiner salbst eilte Arbeitskraft mit großen Btösp lichkeiten gerade für Palästina. Er trug sich bis zum letzten Tage noch mit tmtett Gründnugsplänen ganz großzügigen Charakters. Er ivare ohne Jiveifel befähigt gewasetr, dem Wirtschaftsleben nt Palästina neue und gestachenide Impulse zu geben. Das alles ist bedanevlich. Aber es ändert nichts an der! Tatsache, daß das Scheitern ausschließlich in seiner Person begvünidet lag und ttoch keinerlei Beweis gegen die wirtschaftliche Bcrmtnst seines Unternehmens mit sich bringt. Uingckchvt bildet der Fall einen nenerlicheu Beweis dafür, daß st'ir alle nstßglücktett Versuche hier im Lande in erster Reihe stets irgend rine Art U n z n l ä n g l r ch k e it, sei es des Unternehmers, sei cs anderer Personen die Ursache bildet, nnd erst in ztvürter Liniie allgemein wirtschaftliche Verhält nisse. ' _ Aus krez Sstael. Ein öffentlicher Notnr in Tel-Awiw. Aus T e l - A w i w ivirid uns berichtet: Das Anwachseck des» Handelsverkchrs in Tel-Awiw veranlaßt dw Regierung^ für Tcl-Awi'w ein eigenes öffentliches Notariat zu errichten. Zum öffentlichen Notar für die erste jüdische Stadt wurde .Herr Nahum B a r n c t cruannt. Das römische Recht in hebräifcher Sprache- Aus I e r n s a l e m wird uns geschrieben: In der. von Dr. Iehuda I. a .tt 0 w i tz . herausgegebenen' ' ,JursttisDn Bibliothek" ist jetzt das große Werk von I. Pokrowski über römisches Recht in hebräischer Sprache erschienen. Das von A. Lütai übersetzte Buch wird von Fachmämtern als eine ganz hervorragende Leistung nnd als neuerlicher Beweis für die Lebendigkeit der hebräischen Sprache bezeichnet. Eine ZigrrrrcnfnHrik in Tel-Awiw. Aus Tel-Awiw ivird uns berichtet: An der Straße Jaffa—Tel-Aw'.w wurde vor kurzen: die von bulgarischen Juden gegründete Z i g a r r e n f a b r i k eröffnet. In der Fabrik werden nur Rohprodukte des Landes verarbeitet, (vegenwärtig, beschäftigt dis Fabrik 45 Arbeiter, zuntctst Familienväter, die schon früher in der Tabak-- nnd Zigarren-- sabrikation tätig waren. Die Erzeugnisse der Fabrik sind so zufriedenstellend, daß bereits Auslandsaufträge vorliegett. 8bn 8aüd will in den Völkerbund. Prinz Feiful — Vizekönig von Hcvschas. Jerusalem, 6. Februar. (I. T. A.) Wie die Paläst'.new fische Tclegraphenagentur erfährst etitsandte der WaHabitensultan I b n Sau d, der Bchcrvscher der Kötligreiche N e s ch d und H e d s ch a s, den Scheich H a f e z W e h b e h nach London, ^ris und anderen europäischen Zentren zivccks Anbahnung von Utrterhandlungcn wegen des Eintritts von Neschd in den Bölkerbrtnd. Ihn Saud hat seinen Schn, Prinz Fcisuk, zum Vize-- könig des eroberten Königreiches Hedschas ernannst Prinz Fcisul hat eine Proklamation an die arabische Well erlassen, in welcher es unter anderem heißt: „Neschd^ das einzige arabische Land, das seine Freiheit uiib Unabhängigkeit zu sichrn verstanden sttt, streckt jeden: Araber, der die Wohlfahrt und Freiheit seines Volkes wünschst die Hand entgegen". Der französische Oberbefehlshaber in Syrien gefangen genommen? Jerusalem, 0. Februar. Nach eitler Meldung des hiesiget» arabischett Blattes „Jttihad el Arab" soll General Ga ntm el i n auf der Fahrt n a ch Beirut in die Hände der aufständischen Drusen gefallert und nach dem Dschcbel Druz gebracht worden sein. An hiesigen ständigen Stellen liegt eine Bestätigung dieser Meldung nicht vor. Grundlage. Das Volk nulß Palästina bauen utrd es muß sich selbst in fetnci* Seele erneuern. Es muß an seine Rechte denken, an seilte Situatwit inmitten einer Welt von Feindetl. Das Volk muß uttablästig daran gemahnt werdett, daß es neues zu schaffen uno altes zu erhalten hat. Es ntuß verstehett, daß der Zionismus das Judm^ tum ist, uttd es tnuß die Leituttg in den Startd setzen, ihre schlvere Pflicht ztt tun. Der Zimtismus ist vas Iudeittum uitterwegs, hat Nordau gesagt, und sein Wort muß beherzigt werde«-