Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2499 (6.2.1926)
- Date
- 1926-02-06
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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**3 Weit. GamAag Wiener Morstettseliuna 6. Februar 1826 -k. -so Sali Halpern Wien' XX. Salomon Einhorn Wien, XiV, Tagesbericht. (Nachdruck betörten) Von Dt. Fritz Avensiein^ Jerusalem. Wo immer «rf der Welt koionisiert wurde, worunter weder die Anlage von Handelsfaktoreien noch die von militärischen Stützpunkten gemeint ist, sondern die landwirtschaftliche Er« fchlkßung neuer Lander, da Cant e* auf drei entscheidende Faktoren an. Kolmiisabion gelang da, wo eine reichliche Bodenreserve vorhanden war, wo Menschen den neuen Boden zu erschließen bereit Ovaren mw wo hinter all oom die finanzielle Macht eines großen Staates stand. TUS man Kanada oder den Hilden Westen" der Verdutzten Staaten von Amerika kolonisierte, gab dre Regierung auS den unerschöpflichen Bcdenvorraten den Boden umsonst, gab daS erforderliche Inventar zu den günstigsten Bedingungen an jeden, der ein Paar gesunde Arm« mitbrachte. So haben die vereinigten Staaten, urspürünglich auf die östlichen Provilyen beschränkt, fct wenigen Jahrzehnten das Land bi» zum Stillen Ozean in Besitz genommen. E nach dem Kriege die Zionistische Organisation, deren Palästinaachvit vor dem Kriege über kleine Versuche nicht hinausgekommen war, unter den veränderten politischen Bedingungen sich anschickte, im Sinne des Mandatdl« jüdische Heimstätte zu er« hauen, befand sie sich in einer weit ungünstigeren Position als sich kolonisierende Mächte zu befinden pflegen. Von den drei Faktoren: Boden, ein geeignetes Kolonistenelsment und materielle Mittel durfte sie nur eines rhr Eigen nennen. Denn wenn auch dem jüdischen Volke der erprobte Bauer fchlt, so nennt eS d«h ein« Jugend sein Eigen, deren Hingabe die tzr vielfach fohlende berufliche Vorbildung zu ersetzen vermag und die sich durchaus als ein gesignetes Clement zur Kolonisation erwiesen hat. Um so schlimmer war es mit den beiden anderen Faktoren bestellt. Die Methoden staatlicher GeldausbringunA sei es durch Steuern oder durch Anleihe, kamen in Wegfall, und man mußte den ungcheuerlich erscheinenden Gedanken zu verwirklichen suchen, aus den freiwilligen Beträgen von Sammlungen die Mittel für eine großzügige Kolonisation zu beschaffen. Man kcmn nicht sagen, daß dieser Weg sich als verfehlt erwiesen hat. Wenn im abgelaufenen Jchre daS jüdische Volk für dir beiden großen nationalen Fonds, den Keren Kajemech und den Keren Hajessod, etwa 750.000 Pfund gegeben hat, so ist diese Summe unzureichend für unser Ziel, imponierend aber angesichts, der Tatsache, daß auf die Aufbringung dieser Dumme weder staatlicher Zwang noch i^end welche GvwinnauSsichten einwirkten, sondern nur idealistische Antriebe sich geltend »rächten. Ist so unsere Menschenfrage lösbar, die Frage der Finanzierung wenigstens in bezug auf einen dabei sinzu« schlagenden Weg richtig erkannt (wobei die Möglichkeit, auch andere Wegs zu benützen, nicht etwa ausgeschlossen werden soll), so bleibt als die dritte und schwerste Frage die Bode »frage. Kolonisierende Großmächte haben enbvsder durch Eroberung tot auf anderem Wege unbegrenzte Bcdenvorräte zur Verfügung, die sie vielfach völlig unentgeltlich abgeben können. DaS . jüdische Volk ist gezwungen — ein Vorgang ohnegleichen m der Geschichte —, den Boxm, den es kolonisieren will, auf dem privaten Bodenmarkt zu erstehen. Man verficht im diesem Zusammenhang die Bedeutung, die der Frage der Staatsländereien beigemesseil wird; hier scheint es doch als wenn wir einmal Boden bekommen könnten, chne ihn pridatrechtlich, käuflich'erwerben zu müssen. Mer eS ist ja bekannt genug, daß die vorhandenen ItaatSländcreren weder qualitativ noch quantitativ das Bodenproblem pr lösen vermögen. Nach wie vor bleibt die jüdische Kolonisation Palästinas fast ausschließlich auf den Bodenkauf angewiesen. DaS bedeutet zunächst eine Verteuerung unserer Kolonisation. Von den etwa 1200 Pfund, die die Ansiedlung einer Familie zu kosten pflogt, entfällt etwa ein Drittel auf den Bodenpreis. Ein zweites Moment kommt hinzu. Wir können in Beziehung auf den Bddenkauf unsere finanzielle Lag: nicht als einzige Richtschnur anerkennen. Abhängig vom Angebot, sind wir in vielen Fällen gezwungen, Boden zu kaufen, auch wo wir aus finanziellen oder anderen Gründen in diesem Augenblick vorgezogen hätten, keime!reuen Verpflichtungen einzugchen. Das gilt ganz besonders in Gegenden, wie den: Enrek, wo wir an der Abrundung unseres Besitzes besonders interessiert sind und deshalb zugreifen müssen, sowie sich dazu Möglichkeiten bieten. Die PolAik unseres Bcdenkaussinstruments, der Keren Kajemeth, war nicht selten Gegenstand von Angriffen. Man glaubte, daß der Boden zu teuer bezahlt worden fei oder daß man zu viel gekauft, den; Keren Kajemech zu viel zugemutet habe. Ein Blick auf die Resultate bestätigt diese Kritik nicht. Der Keren Kajemech besaß im Jahre 1920, also vor dem Wiederbeginn der eigentlichen Kolonisationsarbeit, 21.000 Dnnam. Er besitzt heute rrwa 200.000, hat also seinen Brderrbesitz im Laufe von sechs Jahren verzehnfacht. Er hat den Emek erschlossen. Auf seinen Boden hat der Keren Hajessod seine großen Siedlungen angelegt. Der Keren Kajemech hat zugleich seine Einnochmen von Jahr zu Jahr zu steigern vermocht und konnte so den Verpflichtungen, dir ihm üie getätigten Bcdenkäufe auserlegten, Nachkommen. Die Einnahmen betrugen im Jahre 5662: 100.000 Pfund, im Jahre 56jf5: 250.000 Pfund Brutto. Und dennoch steht der Keren Kajemeth vielleicht im ernstesten Jahre seit seinem Bestehen. Wir haben eben schon angedeutet, daß jeder neue Kauf für den Keren Kajemech l'Jsrael Berpfichtungen auf Jahre hinaus bedeutet. Fast all« Käufe erfolgen in Palästina in der Art, daß die Zahlungen des Kaufpreises auf mehrere Jahve verteilt werden. Durch eine Hypothek auif dvn Grundstück, die entsprechend den Zahlungen in TeLboträgen getilgt wird, bleibt der Verkäufer bis zum Eingang der Restsumme gesichert. Nun hat der Keren Kajometh, wie bekannt, rm letzten Jahre ein« große Reihe neuer Käufe vollzogen. Der wichtigste disfer Käufe ist der Erwerb von etwa 35.000 Dunam, die in umnüttekbarem Anschluß an den Boden von Naholal gekauft wurden. Der Keren Kajemech ist jeiner an dem Kauf de- DjedrobodenS zwischen Haifa und AKo mh etwa 10.000 Dunam beteiligt. DaS Ergebnis disfer Bodenkäufe ist Sie auf jeder Paläftmakarte zu sehend« erfreuliche Tatsache, daß nunmehr von Haifa bis Beth Alpha fast der gesamt« tüode« lückenlos j» jüdischen Händen Verlobte Mth Rosenbium Aron l Ber-Viscftay W.en-H.tii« Tel-Avlv Verlobte Schebat 5686 Wt«n, II« Teborstrasstt 8 a Stadtzentrum » 150 neu eingerichtete Zimmer » Zentral* heizung, kalt* und warmfliessertdes Wasser, Telephone Lift, Caid-Kesiaurant » Preise von 5 5.- aufw., auflcutc lo*/A , , Rabatt. 666 HOTEL CENTRAL Gt«r. IM4 Ältestes '"4 Wiener Restaurant KR2IWANEK Kfessvetter * HOlidiev f0M BERLIN NW 7 Frfedtfdtslrasse - fcki Mlttaltlrafta »7/SS, L N*x eine Treppe Vorzügliche echt österreichische Küche, Pilsner Urquell, österreichische und deutsche Weine. Bürgerliche Preise t st. Aber diese Bodenkäufe sowie die von früheren Käufen noch ausstehenden Teil- und Restzahlungen legen dem Keren Kajemech l'Jsrael für dieses Jahr eittte Verpflichtung von 365.000 Pfund auf. Dieser Betrag ist im Laufe des Jahres 5686 an verschiedenen Terminen zu bezahlen. Man sei sich des Ernstes dieser Tatsache bewußt: der Keren Kajemech muß in diesem Jahre Zunächst 115.000 Pfund mehr aufbringen als im vergangenen Jahre urch außerdem die gesamten Spesen, die der Apparat und die Propaganda auch bei größter Sparsamkeit kosten müssen! Gelingt ihm dies, so kann der Keren Kajemeth zwar seinen Verpflichtungen Nachkommen, lvind aber außerstande sein, an irgent) welche neue Unternehmungen zu denken. In diesem Jahre sollen vom Budget des Keren Haiesiod eine Reihe neuer Siedlungen auf den neuen Böden des Keren Kajemech angelegt werden. Das involviert für den Keren Kajemech l'Jsvael die Verpflichtung, EntsrnnpfungSarbeiten vorzunehmen und Wasserinstallationen einzurichten. Der dafür erforderlich»: Betrag wivd auf etwa 60.000 Pfund geschätzt. So stellen also die obengenannten 365.000 Pfund nicht etwa den Gesamtbedarf des Keren Kajemeth im laufenden Jahre, sondern mit die Verpflichtungen für Barzahlungen auf bereits getätigte Bcdenkäufedar. Der Betrag vergrößerte sich um die Spesen und dir skizzierten Ameliorationsausgaben. Man begreift, daß die vom Direktoriurn des Keren Kajemech l'Jsrael geforderten 500.000 Pfund nicht irgend eine Phantasiesumme darftellen, um die Phantasie anzustacheln, sondern das exakte Ergebnis einer Prüfung der Situation darstellen. Die Aufgabe des Keren Kajemeth in Palästina ist zu ernst, die Fächerung, die er an seine Freunde richtet, ist zu gewaltig als daß nicht die Verpflichtung vorhanden wäre, klar und deutlich über di« Sihrativn zu sprechen. Soll der Keren Kajemech l'Jsrael seinen Verpflichtungen Nachkommen — und wer vermöchte sich die Situation auSznmalen, wenn er das nicht könnte? — so muß dieses Jahr eitte Aktivität und Hingabe aller Freunde deS Keren Kajemeth l'Jsrael in die Erscheinung treten lassen, wie sie in der Geschichte unserer Fonds noch nicht da war. Eine Tatsache mag uns dcvbsi trösten: nicht um ein zusammenbrechendes Werk vor der Katastrophe zu retten, werden wir wachgerufen, sondern um den Verpflichtungen gerecht zu we rde n, die mit der schrittweisen Verwirklichung unseres nationalen Ideals schrittweise größer werdeiu Inland. AntlmarrMchr Mahrilofront bei dm nächsten Wahlen. In einer Wählerversammlung rm 4. Bezirk besprach der ehemalige Minister für soziale Verwaltung, Schmitz, die Ergebnisse des christlichsoz'alen Parteitages unb erinnerte an das Wort Tr. Seipels, daß die christiichsoziale Partei ein a n r i m a r x i st i s ch e s Konzentrationszentrum ist. „Wir müssen — sagte Atgecrdneter Schmitz — ganz klar erkennen, daß es unsere Arrfgabe ist, ein solches antimarxistisches Ärrizei trat'.vnsrer trum zu sein, und wir werden dieser unserer Erlen ntn,L bei den nächsten Wahlen womöglich durch eine a n t r m a r x i st i s ch e Einheitsfront — ob Arbeiter oder Fabrikanten, ob Bauern oder Gewerbetreibende — Ausdruck geben." Zionistisches Meeting ' Heute. V,8 Uhr abends, im Hotel Müller, 1. Bezirk, Graben Nr. 10 Redner: Ludwig Bato Dr. Desider Friedmann HäsiJeiit iks ZIoui*«lscücu Landesverbandes tttr Oesterreich Damaskus. Von Eugen Hoeflich. Ein Abend in Damaskus! Ein FrMingSabend i« Damaskus! O, wie oft ging .ch, als ich längst nicht mehr in Damaskus war, m der Erinnerung an den Ufern deS Nähr barada . . . Mit einem kommt ein zarter Wjnd und bringt die Düfte der Gärten aus der Salihije herüber, und die Lichter beginnen vor den Häusern aufzuglüheu. Eine Mandoline zirpt von einem Dache. Ich gehe über den großen Platz zu den Basaren hinüber. Ern Neger spricht mich an. Aus Darfur sei er gekommen, um mir ein Geheimmiltel zu bringen, daS mich usbezwmgbar mache in meiner Starke und in meiner Schönheit. Welch ein Abend in Damaskus! Die Luft ist berausch!, ein ungeheures Singen durchschwingt sie, und hinter deu Häusern bereiten sich dre Geheimnisse. Gewaltige Blumen^ sträuße, durchdringend m ihrem süßen Duft, trägt eine verschleierte Frau an mir vorbei, und Kamele schreiten vorüber wie verzauberte Pr'nzen aus Tauiendundeine Nacht. Männer spielen auf den Matten der Kaffeehäuser und schweigen über tiefe Gedanken. Dunkle, ernste Männer sprechen leise über bedeutsame Dinge, und ein Negerknabe bringt glühende Kohle für dre Ärgile. Ist es Politik, wenn Worte den her Befreiung des Ostens fallen, oder ist es tiefste Liebe der Menschheit? Mein Herz möchte ich auf ein Brettspiel legen. Schiebt es dem König des Osten zu! Er möge darüber verfügen, denn wenn mein Herz auch nicht für Könige schlägt, schlägt es doch für die Heiligkeit des Ostens! Langsant komme ich an vergitterten Fenstern vorbei, an weiten Toren bewegter Khane, aus denen die Rufe der Händler und das Gröhlon der Kamele dringen, und lang.'am trete ich ein in den Hof der großen Moschee. Da kommt von der Höhe ein Knabenchor auf mich herab wie ein Chor von Geistern, aufreißend schrill in den verglühenden Abend, wie oin Erlebnis einer anderen Geburt. In eine der dunklen Nischen möchte ich mich h'mtauern Nnd weinen aus der Erschütterung aller meiner Sehnsucht. Und da ich aufblicke, entzünden sich die Lichter oben am Kranze des Minaretts wie Glühwürmer, reigentanzend unt ein unsichtbares Verehrtes. Licht auf Licht glüht auf, und die Glühwürmchen klettern hinab und hinauf längs allen Konturen der Pavillons, der Brunnen und der Moschee, und es ist mit einem, als würde ein Fest gefeiert werden im Anbruch der Befreiung. Schrill bricht bet Chor der Lüste ab; zitternd hängt sein letzter Ton über mir und vermischt sich allmählich mit dem Lärm der Pauken und Flöten, der aus der Stadt hereinzieht. Irgendwo fallen Schüsse. Ruse und Schreie: Beiramfest! Der Kanonenschuß fiel, die Nacht der Freude hat begonnen. O ihr, die ihr euch freuen könnt, aus der Freude eurer Herzen! Wieder möchte ich mit euch das süße Zuckerzeug essen, das da die Verkäufer anpreisen: O du Freude des Paradieses! Wieder möchte ich mit euch sitzen im Kaffeehaus des Basars oder auf dem großen Platz und wieder mit euch hinausgehen in die Gärten der Salrhije, wieder mit euch erwägen, Ivos zu tun ist zur Rettung unserer Zukunft und der Zukunft der Menschheit. Kinder, kleine, braune Kinder, Araberkmdcr, Judenkindex umringen mich: ,,'Atini halwe! Gib mir Zucker, Zuckerzeug!" rufen sie, umtanzen mich und fordern mit Berechtigung, denn heute ist daS Fest des Freuens und das Geben ist die Freude der Gläubigen. Möge man nrich doch nennen Abderrachman, einen Knecht der Barmherzigkeit. Denn besser ist es, ein solcher zu sein im letzten Basar von Damaskus, denn ein Herr der Macht im ersten Palast des Abendlandes! O ihr Monde von Damaskus! Was weiß der Abend des Westens von seinem östlichen Bruder! , Wer zählt die Abende, die versanken rn die Nacht des Schlafes, ohne verlebt worden zu sein im Dufte östlicher Garten? O ihr Abende von Damaskus, heute versickert mein Blut in den Sand des hündischen Alltags eines grauer Abendlandes! eine Fra« — Richter bt Polen. lEigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) fiob$, 5. Februar. Im hiesigen KreiLgericht wurde Fräulein L u k o m s k a zum Richter ernannt. Sie ist die erste Frau die in Polen den Richterbernf ausübt. MlbbrSache bei der Naatllchea laadwirtschaft* Uchea Laak Polen». Warschau, 6. Februar. Tschech. Preß-Bureau.) Wie die Blätter melden, wurden in der staatlichen landwirtschaftlichen Bank von Organen der staatlichen Obersten Kontrollkammer große Mißbrauche aufgedeckt, die sich die Bankleitung zum Schaden der Staatskassa zuschulden kommen ließ. Im Zusammenhang mit dieser Affäre wurden zwei Banldirektoren, und zwar EzarneLki und Sziongesz vom Minister für Bodenreform ihrer Aemter enthoben. Der dritte Direktor S t a n i s z e w S k i hat seine Demission überreicht. Die Mißbräuche sind bei der Bodenverteilung vorgekommen, die bekanntlich von der landwirtschaftlichen Bank finanziert wird. Zwecks genauer Untersuchung dieser Affäre wurde eine Spezialkommission des Sejm eillgesetzt. .