Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2499 (6.2.1926)
- Date
- 1926-02-06
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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«eite» Mtener Morgenzertnns Nr. $m fl. Februar Mfl Men. SamSksg Handelsminister Val ko ruft: Das ist nicht wahr! Rufe bon der Regierungspartei: Das ist die Insinuation, lvas Sie behaupten! (Großer Lärm. — Stürmische Zwischenrufe von IinfS: Bei uns allen ist das der Fall!) Abg. RupPert ruft: Es scheint noch immer eine N e b e n r e g i e r u n g zu geben! (Großer Lärm.) Der parlamentarische Untersuchungsausschuß. hat heute Justizminister Pesthy, Ministerpräsidentu Graf B e th l e n und Minister des Innern Rakovszky verhört. Nach der Einvernahme des Abg. Josef Wild (Regierungspartei) beschloß der Ausschuß über seine Iveitcre meritorischen Arbeiten und beraumte die nächste Sitzung für den 9. d. um 11 Uhr vormittags an. In den Wandelgängen des Parlaments verlautete heute, daß der Untersuchungsausschuß auch den gewesenen Minister des Aeußern Grasen Nikolaus B a n f f y einvernehmen werde. Diese Einvernahme soll sich auf die ftlnerzeitigen S okolfälschungen beziehen. Tie Polizei nahm heute eine neuerliche Hausdurchsuchung im Nationalverdand vor und unterzog die Kassenbücher und die Korrespondenz des Verbandes einer Prüfung, um festzustellen, ob die fluktuierenden Einnahmen und Ausgaben nicht Folgerungen im Zusammenhang mit der Frankenfälsch ungsafffäre zuließen. Von der Polizei wucke in Anwesenheit der f r a n z ö f > s ch e n Beamten heute Testdex R a b a, dex Sekretär des Prinzen Windischgrätz, einvernommen. Insbesondere wurden an ihn Fragen über die ausländischen Verbindungen, speziell über den mysteriösen Schnitze, gerichtet, da er mit Schultze in Budapest in lebhaftem Kontakt gestanden ist und mit ihm auch einige Reisen n a ch B e r l i n unternommen hat. Heute wurde sestgestellt, daß die seinerzeit vom Polizer- ,hauptmann Valentin! außertourlich verschaffter: Reisepässe nicht den Frankenfälschern galten. Die unterschobene Maschine. Budapest, 5. Februar. Die ergänzende Untersuchung, die Inter Teilnahme der französischen Beamten geführt wird, hat ein wichtiges Ergebnis zutage gefördert, indem die Franzosen auf Grund der Verhöre in den Räumlichkeiten des kartographischen Institutes einen neuen Lokalaugenschein vorgenommen und die Maschine, die zur Vervielältigung der falschen Fraukennoten diente, in vollständig intaktem Zu st and angetroffen haben. Es ivar dies die einzige Maschine in: kartographischer: Institut, die für eine Banknotenerzeugung geeignet ist, aber bisher als solche nicht erkannt wurde. Den französischen Detektivs war eine zerbrochene alte Maschine als die gesuchte vorgeführt worden. Tie Druckmaschine ist zu Beginn des verlassenen Sommers bestellt, geliefert und im Institut montiert worden. Die bereits vor einigen Wochen bei einem Eifenhändler m zerlegtem Zustand aufgefundene Maschine war, wie die Sachverständigen nunmehr festgestellt halben, ein sogenannter „H o l l ä n d e r", eine bei der Papierfabrikation zum - Verführen der Papiermasse verwendete Maschine. Verurteilte Sozialdemokraten. Budapest, 5. Februar. Der sozialistische Abgeordnete Knaller, der nach einer im November in Soroksarpeteri abgehaltenen Versammlung im Bahnhof ebenso wie die übrigen Fahrgäste aufgesordert worden war, sich ins Wartezimmer zu begeben, da die Durchfahrt eines Zuges, in dem sich der R e i ch s v e r w e s e r befinde, erwartet werde, hatte daraufhin erklär:, es sei doch nicht in der Ordnung, daß so viele Leute wegen einer einzigen Person ins Wartezirnmer zusammengedrängt werden. Ter Gerichtshof verurteilte heute Knaller zu einer Geld st rase von drei Millionerr Kronen. Knaller nahm das Urteil an, während der Staatsanwalt dagegen appellierte. Der Redakteur Georg S z e k e l y der sozialdemokratischen „Nepszava" ist wegen mehrerer Artikel, worin behauptet worden war, daß in Ungarn die Gerechtigkeit nicht in gleicher Weise geübt werde und daß es eine Naivität wäre, von einem unabhängigen ungarischen Gericht zu sprechen, heute zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Mioifterkrile kn Jugoslawien. Belgrad, 5. Februar. (Tsch. P.-B.) Der durch die Agitationen des Unterrichtsministers Stephan R a d i c in Bosnien, der Herzegowina und Dalmatien hervorgerusene Konflikt hat dadurch eine Verschärfung erfahren, daß der Minister für soziale Fürsorge, Simonovic, dem Ministerpräsidenten P a s i e seine Demission mit der Motivierung angeboten hat, daß es ihm nicht möglich sei, die Verantwortung für das Vorgehen des Unterrichtsministers Radic zu tragen. Postminister Nrkic (Kroate) begab sich heute abends nach Agram, um dort mit Radic wegen der Beilegung des Kon-, slikies zu konferieren. Abends erklärte Minister Simonovie den Pressevertretern, daß Minister Radic diesrnal eine präzise Erklärung über seine Haltung abgeben müsse. Dementis, die Radic bisher immer zu geben pflegte, seien in diesem Falle unzulässig. Ae3aubersormeldesGömbös. W < e n. 6. Februar Natürlich ist eS wieder eine jüdische Offensive, die gegen Ungarn geführt wird. Göulbos hat die Forme! gefunden, die dem Ungarn, das er. repräsentiert, die Sympathien wieder rvcrberr soll, die mit Wmdischgrätz, Zadravecz und den übrigen Mitgliedern der Tigerbrigade in die Akten des'Untersuchungsrichters gelangt sirrd. So lächerlich und dumm die Anwendung dieser Formel auf diesen Fall ist, so sehr hoffen die Gesinnungsfrermde des Gömbös auf ihre Zaubcrwirkung, die sich noch inrrner eingestellt hat, so oft die Pogrvmkanakllc in die Sackgasse geraten war. Es ist nichts Jüdisches an dieser Affäre, die der Haut gout der kleinen und großerr Gentry durchweht. Sie wurde in gar nobeln, gutgläubigen und rassisch aufgeklärten Zirkeln ersonnerr, sie wurde von einwandfreien Turano-Arierrr (die Mischung ist wirklich existent) durchgeführt und eine wirkliche Eminenz hatte den Eid abgcnomrrrerr. Der Zweck entsprach denr Prinzip, das Ungarn beherrscht und von dort aus über die Grenzen des Globus strahlt: dem der bewaffneten Aktion gegen der: Frieden, die Demokratie und gegen die Juden, die reichen Bankiers, an denen erpreßt werden tarnt, und die armen Kriegskrüppel, an denen man die jüdische Feigheit zu bestrafcrr hat. Aus jüdischen Friedhofssteiuen sollte der neue Thron gezimmert werden. Und hinter der Affäre standen die Vertreter der korrservativerr Weltanschauung, die die Moral, die bürgerlichen Tugenden, die politische Konsolidierung und die Autorität der Obrigkeit wieder vom jüdischen Geist zu reinigen sich verschworen haben. Sie verfügen über weitreichende Verbindungen und Sympathien. Es sirrd ja Kreise von uraltem geweihtem Internationalismus, verschwägert und verbanden mit den Elementen, die geschrriegelt, gebügelt und manikürt den Pöbel hassen und die Politik bestimnren. Sie haben viel Verwandtschaft und nützen sie aus. Die Juden wollen das Werk der Wiederaufrichtung Ungarns stören, das ist eine Parole, die in diesen fürnehmen Salorrs des Odeurs und Stallparfüms zieht. Cs mag wohl rricht schrver gewesen sein, die autoritätsanbetenden „Times" in die Rettungsgesellschaft ausnehmen zu lassen, die sich immer meldet, wenn der Fetisch der Obrigkeit enthüllt wird und sich für bedroht erklärt. Es ist zwar ein mehr als sonderbarer Widerspruch zu den englischen Traditionen von: fair plah und von Sauberkeit, wenn ein führendes Organ der englischen Regierungspartei, in einer Linie mit derrr „Szozat" marschiert und schreibt, es glaube dem Bethlerr, daß er Ernst macht. Viel kann freilich auch diese Schützenhilfe nicht retten. Die außenpolitische Lage Ungarns hat sich, wie Graf Josef Karolyr ^gestern irr der Natronalversammlung erklärte, von Tag zu Tag verschlimmert. Das Ausland ninunt die Vertrauenskundgebungen, die auf gouvermentale Order jetzt in Massen für den Ministerpräsidenten und' seinen Kurs fabriziert werden, nicht mehr ernst. Die Tatsachen, die jeder Tag irr überreicher Fülle ans Licht fördert, sind nicht hinwcgzuleugnen. Gestern wurde der vielbestrittcne Brief Bethlens, den er vor der Reise nach Genf geschrieben hat, bekannt und gleichzeitig auch die Antwort des Baron Perenyi, ' die womöglich noch belastender ist. Der Baron ersucht darin urrr eine Unterredung. Sie hat, wie man Wohl heute rricht mehr bezweifeln darf, stattgefunden. Die Untersuchung der französischen Organe nähert sich übrigens jetzt dem springenden Punkt. Die Fragen, die jetzt gestellt werden, sind: Inwieweit hat der Spitzenverband der nationaler: Vereine (den Baron Perenyi geleitet hat) die falschen Roten verwendet und wer hat das kartographische Institut zur Verfügung gestellt? Die Beantwortung dieser letzteren Frage führt schon hoch über den Grafen Bethlen hinaus. Vielleicht wird sie erfolgen, wenn der Völkerbund in Genf zusammentritt. Dort wird die Formel des Görnbös ihre Wirkung verlieren. Sie Vorgänge int jüdischen Seim« Hub. (Von unserem Warschauer «-Berichterstatter.) Die Spaltung im jüdischen Klub ist leider Tatsache geworden. In der gestern stattgosundenen Beratung, die zeitweise sehr st ü r m i s ch war, wurde der namens der Agudahabgeordneten von: Abg. Krrs'chibraun gestellte Antrag aus Uebergang des Klubs irr die Opposition behandelt. Abgeordneter' Dr. Schipper unterzog in einer längerer: Rede die bisherige Politik des Präsidiums einer scharfen Kritik. Er wies nach, wie verhängnisvlH die Verständigungspolitik geworden ist, der es nicht gelungen ist, trotz der mehrfachen Zusagen der Regierung die Abmachungen des Verständigt: ngspaktes einzuhalten und irgendwelche positive Vorteile zu erzielen. Am' Schluß seiner Ausführungen unterbreitete Abg. Schipper die folgende Resolution: „Der jüdische Klub stellt fest, daß, ,'nsolange die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden nicht von der Negierung real durchgeführt werden wird, keine Rede von einer Positiven Stellungnahme >e§ jüdischer: Klubs zum gegenlvartigere Kabinett sein kann.' Der jüdische Klub müsse daher der Regierung gegenüber eine oppositionelle -Haltung einnehmen. Gemäß dieser Feststellung spricht der Klub den: Präsiden re n Dr. Reich das Mißtrauen ans, da er eine mit den politischen Richtlinien des jüdischer: Klubs nicht übereinstimmende VLrstättdiM:gspolitik geführt und den Klub nöei'die Bedingungen der pck,usch-jüdischen Verständigung irregesi'chrt habe." Mg. F a r >b st e i r: griff in einer scharfen Rede. die Agudah an, die stets die Verständigungspolitik des Präsidenten Reich unterstützte, wobei er die Feststellung machte, daß die MiSrachi immer gegen die Verständigung geweser: sei. Er verlangt den Uebergang des Klubs in die Opposition, falls die Regierung binnen 11 Tagcrr keine Gesetzcsnovelle über die Sonntagsruhe cinbringen wird. In ähnlichem Sinne sprach auch Aög. Heller. Abg. Tr. Thon verteidigte in längerer Rede die bisherige Politik des jüdischen Klubs und warnte vor einer Spaltung, die unter den gegebenen Verhältnissen für die gesamte jüdische Bevölkerung Polens verhängnisvoll lverdcn kann. Mar: möge nicht daran vergessen, daß an der Spitze des jetziger: Kabinetts Minister S k r z y r: S k: stehe, der bom besten Willen beseelt sei, die polnisch-jüdische Verständigung zu realisieren. Senator Körner belangte die Veröffentlichung aller Dokumente, die aus die Verhandlrmgcn des Präsidenten Reich mit. der Regierung Bezug haben. Abg. Eisenstein wachte daraus aufmerksam, daß gerade die gegenwärtige schwere wirtschaftliche Lage der polnischen Judeichcit eine Richllinic für eine weitere Politik bilden soll, die jedoch nicht in Spaltungstendenzen beruhen soll. Präsident Tr. R e i ch erläuterte in einer über zrvel Stunden währenden Rede seine Politik. Er ist der Ansicht, daß die Verständignngsaktior: «bereits reale Vorteile für,bi* jüdische Bevölkerung gebracht habe. Er wirst den zionistischen Abgeordneter: aus der ,Kongressowka" vor, daß sie lediglich eine Bäbanque-Politik führen, htfbcm sie ohne jedwede Begründung urid Anlaß eine Spaltung des Klubs heckeisühren wollen. Er wundere sich darüber umsomehr, als ja vom zionistischen Parteirat beschlossen wurde, die Richtlinien der zukünftiger: Politik des jüdischen Klubs der in: Monat März statlsindcndeu allpolmschen Zionistentagung zur Beratung und Beschlußfassung vorzulegen. Schließlich könnten ja die Opponenten bis zu diesem Zeitpunkt tvarlen und nicht durch ihre u n v e r a niwörtliche Stellungnahme die Position des Klubs nach irlnen und außen untergraben. Besonders merkwürdig sei aber seiner Ansicht rrach die Haltung der Hitachdnthsraktion, die sozusagen in den letzter: Wochen eine Kampagne gegen das Präsidium eiugelcüet hat.. •.; . , , Nach dieser Rede erklärte Abg. Kirschbraun, daß er angesichts der Erklärungen des Präsidenten Reich den Uebcr- . gang des Klubs in die Opposition für unzweckmäßig hatte. Namens der . Agudah erklärte er, daß sie für den. Antrag des Dr. Hausner aus Uebergang zur Tagesordnung über dcu Antrag des Dr. Schipper stimmen lverde. . In der darauffolgenden Abstimmung wurde der Antrag des Tr. HcruSner (Übergang zur Tagesordnung) mit 17 gegen 13 Stirn m e r: a n g e n o rn m e n. Für den Antrag stimmten sämtliche zionistische Abgeordnete ans Galizien mit Ausnahme des Abg. Frostig, die Agudah und Misrachi; dagegen die zionistischen Abgeordneten aus Kongreßpolen, Abg, Frostig, die Hitachduth. und die t'lsigeordneten Weinzieher -und Trusker. . Nach der Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses erklärte Abg. Schipper, daß er aus dem jüdischen Klub austrete. Abg. Reich erklärte hieraus, daß er trotz der Annahme des Antrages Dr. Hausner als Präsident demissroriiere, da er keiuekwegs Anlaß zu einer Spaltung geben '(volle. Eine ähnliche Erklärurig gab auch der Vizepräsident Dr. Rosmarin. äö. Senator Brande forderte hierauf die Abgeordneter: Reich und N o s n: a r i n auf, als disziplinierte Zionisten das Präsidiun: des Klubs weiter zu sichren. In der darausfolgenden Abstimmung wurde die Demissiou der Abgeordneten Reich und Rosmarin mit 17 gegen GStimmen nicht"znr Kenntnis genomme'n. Trotzdem beharrten Dr. Reich und' Rosmarin bei ihrem Rücktritt. Bemerkenswert ist, daß an dieser Sitzung Abg. Grüübaum nicht ieilgerwmmen hat. Ter Verlauf der Sitzung hat aus die hiesigen jüdischen Kreise den peinlichsten E i ndruck gemacht, da man die Spaltung innerhalb des jüdischen Klubs für se h r v e r hä n g n i sv o l l hält. Bor: seiten der Zionistischen Organisation werden bereits Versuche unterrwur» men, um die Spaltung zu verhindern und die bestehenden Gegensätze zu überbrücken. Nie Bverkennurig Sowletrublavds durch dir Tschechoslowakei. Prag, 5. Februar. (Tel.-Komp.) Die Anerlennung der Sotvjetregierung durch die tschechoslowakische Republik Wird, wie das „Prager Tagblatt" nreldet, rn org en durch Noten« austansch zwischen dem tschechoslorvakischcn Außenminister Tr. B e n e s ch und deck Vertreter SowjetrirßlaudS in Präg, O w s e j e n k o, erfolgen. Zionistische Organisation «■MIDI» xx Montag den 8. Februar 1926 um halb 8 Uhr abends im HOTEL CONTINENTAL 7 II.» Taborstrasse Nr. 8 Auf vielseitigea Verlangen l Auf vielseitiges Verlangen / II. KONZERT ctos Oberkantors Israel ALTER Hannover (früher Wien, XX.) Eintrittspreis S 2 mit vollständig neuem Programm Eintrittspreis S 2 Mitwirken wird ein verstärkter Chor unter Leitung des Chordirigenten Herrn David Ralsanmanit Karten sind zu haben: Caf< Neptun, XX., Qau*»plaU 1. bei F. MeitiUa, XX.. Kau scher* Strasse, Bücherstube Rath, U,Taborstr 20a